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Die Spielzeug-Story aus dem Libanonkrieg

4. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. Januar 2010

Errol Morris vom Opinionator Blog der NY Times im Gespräch mit AP-Fotograf Ben Curtis über Kinderspielzeug auf Fotos vom zweiten Libanonkrieg. Anlass für das Interview war der im Jahr 2006 erschienene Beitrag The Passion of the Toys bei Slublog.


Kinderspielzeug liegt inmitten von Scherben zerborstener Fenster eines Wohnhauses, nahe den anderen Häusern, die am Montag, den 7. August 2006, durch israelische Luftangriffe auf die südlibanesische Stadt Tyros zerstört worden waren.

Ein lesenswerter Text, weil er eine Ahnung davon vermittelt, wie sich die Dynamik zwischen den Fotografen vor Ort und ihren Redakteuren zuhause entwickelt, was passiert, wenn sich im Kampfgebiet jede Menge Bildreporter tummeln, und wie sie sich Schnappschüsse wie diesen aussuchen.

ERROL MORRIS: Ein gutes Beispiel liefert natürlich das Mickey Mouse-Foto, weil es nicht mit Photoshop manipuliert wurde. Doch ungeachtet dessen finden es die Leute problematisch. Sie betrachten das Foto und denken sich: „Man versucht, Israel dafür an den Pranger zu stellen, indem man sagt, dass dieses Land unschuldige Kinder tötet.“ Und gleich darauf folgt der Gedanke: „Wie können die das wagen! Die sind Antisemiten“ und so weiter und so fort. Meine bescheidene Meinung zu gestellten Szenen ist, dass wir häufig dann sagen, ein Foto sei gefaked, wenn es eine Sichtweise suggeriert, die uns nicht behagt, unabhängig davon, was sich der Fotograf bei der Aufnahme gedacht hat bzw. ob das Bild nun manipuliert worden ist oder nicht.

BEN CURTIS: Photoshop-Trickserei ist eine Sache, Bildunterschriften manipulieren eine andere. Aber es stellt sich auch die Frage der redaktionellen Bearbeitung wie Bildauswahl, und ob man tatsächlich von den Bildern, die Sie aus allen anderen ausgewählt haben, behaupten kann, dass sie von dort stammen, wo die Nachrichten entstanden sind. Über diese Form der Berichterstattung entscheiden die Medien. Und wenn Sie an einer Geschichte arbeiten, besteht diese immer aus etlichen verschiedenen Elementen. Sie entscheiden sich dafür, manche Bilder zu verwenden und andere wiederum nicht.

Curtis fährt fort und bezieht sich speziell auf das Mickey Mouse-Foto:

Wenn Sie über Zerstörung berichten, dann werden Sie immer lieber auf Details aus sein als auf Großaufnahmen zerstörter Gebäude. Solche und ähnliche Bilder wie während des Konfliktes im Libanon sehen Sie immer wieder und überall. Wann stolpern Sie schon über ein interessantes Detail….in meiner Bildunterschrift habe ich aber nicht gesagt, dass die Kinder, die sich während des Bombardements im Wohnblock befanden hatten, getötet worden sind.

Ich weiß es nicht, also behaupte ich es auch nicht. Wenn Sie sich aber mein Foto ohne das Spielzeug ansehen, haben Sie keine Ahnung, welche Gebäude das sind. Es könnten Bürokomplexe sein – alles. Die Einbeziehung der Mickey Mouse in das Bild gibt dem Ganzen einen menschlichen Touch. Sie bekommen einen Eindruck davon, was sich abgespielt hat und wie es dort aussieht; und das vermittelt Ihnen ein wenig Kontext zur Tatsache, dass eben erst auf diesem Stadtteil Luftangriffe geflogen worden sind.

Den vollständigen Text bitte hier lesen [In Englisch]

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