Posted tagged ‘Patrick Martin’

Mashaal, My Belle*

19. Januar 2012

HonestReporting Media BackSpin, 19. Januar 2012

Globe & Mail (G&M, [bd]) drückt angesichts des Abgangs von Hamas-Chef Khaled Mashaal auf die Tränendrüse.


Holen Sie schon mal die Papiertaschentücher raus. Patrick Martin fährt fort:

Meshaal wird sein Amt in einer schwierigen Zeit niederlegen – gerade jetzt, wo seine relativ moderate Vermittlungstätigkeit am dringendsten benötigt wird.

Der besonnene und ernsthafte Mann war maßgeblich an den Anstrengungen zur Versöhnung mit der säkularen PLO beteiligt und hatte sogar Syriens bedrängten Präsident Bashar aufgefordert, politische Reformen durchzuführen statt sein eigenes Volk zu bekämpfen….

Verglichen mit Scheich Yassin und Dr. Rantisi – beide aus Flüchtlingslagern in Gaza stammend – ist Meshaal, der in einem Dorf nördlich von Ramallah in der Westbank geboren wurde, ein Gemäßigter, was seinen freiwilligen Abgang erklärt.

G&M zufolge rückte Mashaals Moderation im Jahr 2009 ins Blickfeld, als er sich dagegen aussprach, dass man nach der Operation Gegossenes Blei Selbstmordattentäter nach Israel schicke.

Angesichts Hunderter getöteter Gazaner aufgrund israelischer Flächenbombardierung, Raketen- und Granatenbeschuss und nur weniger israelischer Opfer dachten viele, dass die Hamas nun die Waffe aus ihrem historischen Arsenal zum Einsatz bringen würde, die viele Israelis das Leben gekostet und im ganzen Land Angst und Schrecken verbreitet hatte: Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten. Beginnend im Jahr 1994  bis Ende 2005 hatte die Hamas mehrere Dutzend solcher Anschläge verübt und andere Gruppen zur Nachahmung inspiriert.

Doch Parlamentsabgeordnete der Hamas sagten, dass Meshaal im Jahr 2005 ein Ende der Anschläge befohlen habe. Trotz der andauernden Gewaltanwendung der Hamas in Gaza hätte er nicht die Absicht gehabt, auf die tödliche Taktik zurückzugreifen, für die die Hamas wegen ihrer Gewalt berüchtigt war, so die Parlamentarier.

In der Tat führte die Hamas während dieser Zeit und auch niemals danach einen Selbstmordanschlag gegen israelische Zivilisten durch. Das geht nun ins siebte Jahr.

Jeder – Globe & Mail ausgenommen- weiß, dass der Terror wegen israelischer Sicherheitsmaßnahmen wie dem Bau der Sicherheitsbarriere abnahm. Selbst Ramadan Shalah, Führer der Terrorgruppe Islamic Jihad, gab zu, dass die Selbstmordanschläge nur nachließen, weil man dazu nicht in der Lage war, und nicht, weil man das wirklich wollte.

Abgesehen davon: warum sich mit Märtyrer-Operationen befassen, wenn man tausende Raketen auf Israel abfeuern kann?

Khaled, wir haben dich verkannt.

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*Hier handelt es sich wohl um ein Wortspiel, bezogen auf den Song „Michelle“ von den Beatles: „Michelle [MyBelle]

„Selbst Ägyptens salafistische Extremisten stellen weibliche Kandidaten auf“

16. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2011

Auch wenn Abbildungen von Frauen auf Plakaten im Raum Jerusalem lediglich durch eine radikale Minderheit der Charedim unkenntlich gemacht worden waren, hält das die Globe & Mail nicht davon ab, Israels orthodoxe Gemeinschaft mit den Salafisten zu vergleichen, indem sie Wörter wie „dominieren“ verwendet.

Theoretisch könnte Patrick Martin einen ähnlichen Artikel über die Amish-Gemeinde schreiben – deren einheitliche Kleidervorschrift, das weitestgehend fehlende Mitspracherecht von Frauen und ihre Ablehnung moderner Technik. Aber er würde niemals damit zum Ausdruck bringen, dass damit die amerikanische Gesellschaft als Ganzes abgebildet sei. Doch Beiträge wie der von Martin üben eine sich stetig verstärkende Wirkung auf den Leser aus:

Es waren Bedingungen und Situationen wie diese, die kürzlich US-Außenministerin Hillary Clinton dazu veranlassten, Israel wegen der Duldung solch’ diskriminierender Praktiken zu kritisieren.

Kein Wunder. In Israel wollen diese religiösen Parteien, die nun direkt an der Politik mitwirken, nicht zulassen, dass Frauen als Kandidatinnen aufgestellt werden. Selbst Ägyptens salafistische Extremisten stellen Kandidatinnen auf, auch wenn sie deren Gesicht nicht öffentlich zeigen.

Martin erkennt auch nicht an, dass die israelische Bevölkerungsmehrheit schön längst Frauen wie Tzipi Livni, Shelly Yachimovich und Dorit Beinisch in Führungspositionen mit großer Einflussmöglichkeit angenommen hat.

Die Reibungen zwischen Israels Säkularen und den Religiösen sind eine legitime Geschichte, aber Martin simplifiziert sie voreilig.

Kanadischer Reporter verficht antiisraelischen Journalismus

21. Oktober 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Oktober 2010

Lesen Sie dazu HonestReportings neue Kommuniqués [In Englisch]:

• Patrick Martins Verfechtung antiisraelischer Berichterstattung muss entschieden begegnet werden: Canadian Reporter Engages in Anti-Israel Advocacy Journalism

• Ein Videobeitrag verwendet eine irreführende Schlagzeile, während die Geschichte zweckmäßigerweise eine Steinwerferaktion auslässt: Daily Telegraph Video: Context Tossed Out With Grenades

Globe & Mail fliegt unter dem Radar

22. September 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. September 2010

Letzte Woche wurde Iyad Shilbayeh, ein hochrangiger Hamas-Kommandant, bei einer Festnahmeaktion der IDF in Tulkarem getötet.

Die Razzia erfolgte am späten Nachmittag kurz vor Yom Kippur, als der Rest Israels anlässlich eines der heiligsten Feiertage im jüdischen Kalender abschaltete.

Ich frage mich, was sich Patrick Martin von Globe & Mail (via HonestReporting Canada) bei der Abfassung seines Berichtes dachte. Seine doppeldeutige Story benannte die Aktion als „gezieltes Töten“. Und Martin lies anklingen, dass die Operation deshalb unmittelbar vor Yom Kippur durchgeführt worden sei, um diese für die Medien ereignislose Zeit auszunutzen:

Und es passierte ausgerechnet wenige Stunden vor Israels heiligstem Feiertag Yom Kippur. Demzufolge gab es darüber kaum Nachrichten über die Tötungsaktion in den israelischen Medien – am Samstag erschienen keine Tageszeitungen – und fast alle israelischen Sender beendeten Freitagmittag ihr Programm.

Von einer gezielten Tötung zu sprechen ist ziemlich einfach. Beinahe unauffindbar am Ende seines Berichtes zitiert Martin selbst einen Armeesprecher mit dessen Aussage, dass Shilbayeh erschossen worden war, weil er auf die Soldaten zustürmte, die ihn zum Halt aufgefordert hatten.

Die Implikation, dass die IDF-Operation so getimed worden sei, um sie „unterhalb des Radars der israelischen Öffentlichkeit zu halten“, ist mehr als lächerlich. Hochrangige Hamas-Kommandeure sind nicht so doof, so viel Zeit an einem Ort zu verbringen, um es der IDF zu erlauben, Festnahmeaktionen auf Feiertage anzusetzen.

Oder will Martin uns etwa weismachen, dass Umar Farouk Abdulmutallab seinen Attentatsversuch auf Weihnachten legte, um ebenfalls unter dem internationalen Medienradar zu fliegen?

Zahlten die Mainstream-Medien für Presseausweise der Hisbollah?

10. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 10. Juni 2009

Für seine Berichterstattung über die libanesischen Wahlen benötigte Globe & Mail-Reporter Patrick Martin einen von der Hisbollah ausgestellten Presseausweis.

Ausgerechnet im Pressebüro der Hisbollah musste ich zu meiner Schande feststellen, dass ich keinen Presseausweis für diese Gegend hatte. Ohne einen von der Regierung ausgestellten Presseausweis, so wurde mir gesagt, könnte ich keinen Presseausweis der Hisbollah beantragen, ohne den wiederum ich kaum eine Chance sah, mich mit den Leuten zu treffen, die ich interviewen wollte….

Während ich also wartete, sagte ich dem Beamten des Innenministeriums, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt bei all meinen Reisen in den Libanon niemals eine Erlaubnis brauchte. Er war überrascht. Aber er war völlig von den Socken, als er hörte, dass es die Hisbollah war, die das Gesetz anwandte und mich aufforderte, die Vorschriften zu befolgen.

Was zum wiederholten Mal eine Frage aufwirft, die mehr mit Behördenkram als mit journalistischer Ethik und Recht assoziiert wird: Zahlen Journalisten an die Hisbollah Gebühren, damit diese ihnen einen Presseausweis ausstellt?

Direkt gesagt: Die Berichterstattung aus den von der Hisbollah kontrollierten Gebieten ist von der Erlaubnis der Terrororganisation abhängig. Also geht es hier eben nicht um eine bürokratische Angelegenheit. Die Presseausweise geben der Hisbollah die Möglichkeit, ihre Muskeln spielen zu lassen und die Journalisten sowie deren Berichte zu beaufsichtigen. Aber selbst wenn keine Geldscheine den Besitzer wechseln spielt die Registrierung der Journalisten für einen Presseausweis der Hisbollah in die Karten.

Lassen wir ließ Chris Albritton (via Michael Totten, auch lesenswert) die Brisanz dieser Tatsache erklären. Er berichtete während des zweiten Libanonkrieges für Time und schrieb in seinem Blog:

An jedem Morgen, den ich hier gewesen bin, habe ich das leichte Klopfgeräusch der Flugblätter gehört, die durch die israelischen Jets abgeworfen worden waren. Im Süden entlang der Küste verschoss die Hisbollah ihre Katyushas, aber ich verabscheue es, allzu viel über diese Typen zu verlieren. Die Partei Gottes besitzt von jedem Journalisten eine Kopie seines Passes; außerdem haben sie schon vielen Kollegen Schwierigkeiten gemacht und einige bedroht.

Journalisten, die unter der Aufsicht der Hisbollah ihren Job machen, lassen dies in Regel nicht nach außen dringen. CNN-Reporter Anderson Cooper bildete eine seltene und lobenswerte Ausnahme.

Wie viele der so genannten „politischen Parteien“ stellen – auf welche Weise auch immer – ihre eigenen Presseausweise unabhängig vom Staat aus?

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Konkurrierende Ansichten zu Silwan

3. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 3. März 2009

Wenn die Berichterstattung von Globe & Mail (News und Blog) zum kürzlich veranlassten Hausabriss in Ostjerusalem Sie unvorbereitet trifft lesen Sie bitte zum Vergleich den Artikel von AP. Wie konnten Patrick Martin und Ben Hubbard solch radikal verschiedene Beiträge verfassen?

Schon eine Bildunterschrift liefert mehr Hintergrundwissen als Globe & Mail. Zum Vergrößern bitte aufs Bild klicken.

Im Hintergrund des Stadtviertels Silwan ist die Kuppel des Felsendoms zu sehen. Unmittelbar außerhalb der alten Stadtmauer in Ostjerusalem und nahe der heiligsten Stätten von Juden und Arabern befindet sich das arabische baufällige Viertel Silwan, gelegen auf einem Areal, das die Israelis Stadt Davids nennen, nach dem gleichnamigen König, der das jüdische Königreich vor 3000 Jahren von dort aus regierte. Die israelische Regierung hat das Areal, dessen Ausdehnung an die arabischen Häuser grenzt, zur Ausgrabungsstelle erklärt. Arabische Einwohner sagen, dass sie die Grundstücke erworben hätten, bevor Israel Ostjerusalem im Jahr 1967 besetzt hatte, und sie vermuten, dass die Abrissmaßnahmen den Versuch darstellten, ihre Präsenz in der Hauptstadt eines erhofften palästinensischen Staates zu schwächen. (AP-Foto/Tara Todras-Whitehill)

UPDATE, 3. März: Haaretz mit einem ausgezeichneten Hintergrundbericht.

UPDATE, 4. März: Frau Clinton zeigt wieder einmal, dass sie keine Ahnung hat.

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