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Wählen Sie den unehrenhaftesten Reporter des Jahres 2011

25. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 25. November 2011

Unsere alljährlich stattfindende Wahl zum unehrenhaftesten Reporter steht wieder an – für die meist verfälschte und voreingenommenste Berichterstattung über Israel und den Nahostkonflikt.

Bitte suchen Sie sich eine der drei Nominierten unten aus, vielleicht zusammen mit einer kurzen Erklärung, warum sie/er es verdient, unsere “Auszeichnung“ zu bekommen. (Sie können natürlich auch jemanden nominieren, der nicht auf der Liste steht).

Drei Vorgehensweisen stehen zur Auswahl:

1. Sie hinterlassen einen Kommentar (natürlich auf der englischsprachigen Ausgabe von HR)
2. Sie schreiben einen Kommentar auf der Facebook-Seite von HonestReporting

oder

3. Sie schicken uns eine E-Mail an action@honestreporting.com [bitte in Englisch]

Kandidaten (Reihenfolge beliebig):

LA Times: Für einen Leitartikel, der [den] Siedlungsbau dafür verantwortlich machen will, dass beim Itamar-Massaker ein drei Monate altes Baby, zwei kleine Kinder und ihre Eltern brutal ermordet wurden.

Reuters: Für die Umdefinierung von Terror nach einem tödlichen Bombenanschlag in Jerusalem.

The Guardian: Für seine überaus aktive Rolle in der PaliLeaks-Affäre, Deborah Orrs antisemitische Einlassung zum Gefangenenaustausch mit Gilad Shalit, einen Leitartikel, der den UN-Goldstone-Bericht verfälscht darstellt und jede Menge anderer Schmutzwäsche.

Wir werden die „Gewinner“ in ein paar Wochen bekannt geben.

Sehen Sie nach, wem die HonestReporting-Leser im Jahr 2010 ihre Stimme gaben.

The Guardian: Vielleicht haben wir einen falschen Eindruck vermittelt

14. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. Februar

Der Guardian gibt Schlamperei bei Zitierung von PaliLeaks-Inhalt zu:

Ein Zitat von Zipi Livni, Israels ehemaliger Außenministerin, in einem Ausschuss, das Bestandteil der Palästina-Dokumente war, wurde so verkürzt, dass es irreführende Eindrücke vermitteln konnte. Das Zitat wurde so wiedergegeben: „Israels Politik besteht darin, Tag für Tag mehr und mehr Land zu nehmen, und am Ende des Tages werden wir sagen, dass es unmöglich ist, wir haben bereits das Land und können den Staat nicht gründen.“

Aber Livni sprach nicht über die israelische Politik – sie sprach darüber, wie die Palästinenser diese Politik wahrnehmen würden. Hier das komplette Zitat, wie vom Guardian bestätigt:

Zur Klärung hier das vollständige Zitat: „Ich verstehe die Empfindungen der Palästinenser, wenn sie den Siedlungsbau verfolgen. Aus palästinensischer Perspektive nimmt Israel mehr und mehr Land, sodass ein palästinensischer Staat unmöglich sein wird, die israelische Politik Tag für Tag mehr und mehr Land nimmt, und am Ende des Tages sagen wir, dass es unmöglich ist; wir haben bereits das Land und können den Staat nicht gründen. „(Was sie sagten … 24. Januar, Seite 4).

Hat tip: Just Journalism

NYT räumt mit PaliLeaks-Version auf

12. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 12. Februar

Während wir alle von Ägypten abgelenkt wurden, veröffentlichte das NY Times-Magazin einen ausführlicheren Blick auf die Friedensgespräche zwischen Abbas und Olmert.

Vor der Veröffentlichung Palästina-Dokumente hatte der israelische Journalist Bernard Avishai die beiden wichtigsten Player, Mahmoud Abbas und Ehud Olmert, unabhängig voneinander interviewt. Beide bestätigten, dass sie ziemlich nah vor einem Friedensabkommen standen.

Die Probleme schienen unlösbar zu sein und erwiesenermaßen einer kreativen Herangehensweise im Weg zu stehen: Entmilitarisierung des palästinensischen Staates, Status von Jerusalem und Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge. Doch selbst bezüglich der Grenzfragen konnten sich Olmert und Abbas in grundlegenden Fragen einigen: in dem Wunsch, möglichst wenige Existenzen zu beeinträchtigen und den räumlichen Zusammenhalt der palästinensischen Städte (und somit ihre ökonomischen Möglichkeiten) zu maximieren. „Wir haben während unserer monatelangen Verhandlungen keine Minute verschwendet“, so Abbas.

Zweifellos wird es auf beiden Seiten eine Menge Gesprächsstoff darüber geben, ob die von Avishai beschriebenen Beinahe-Vereinbarungen visionär waren, waghalsig oder irgendetwas dazwischen. Lesen Sie die Geschichte und urteilen Sie selbst.

Aber es gibt einen weiteren Aspekt: die Darstellungen Olmerts und Abbas’ räumen mit der PaliLeak-These auf,  Israel sei kein seriöser Partner für Friedensgespräche gewesen:

Beide sagten mir, dass bei neuen Gewaltausbrüchen in Palästina, was sehr wahrscheinlich scheint, Historiker mit einem gewissen Pathos sich daran erinnern werden, wie knapp und sogar belanglos in einigen zentralen Bereichen die Unterschiede gewesen seien. „Wir waren sehr nahe beieinander“, hat Olmert mir gesagt, „mehr als jemals zuvor, zu einer Einigung über grundsätzliche Fragen zukommen, die zur Beendigung des Konflikts zwischen uns und den Palästinensern geführt hätten.“ Abbas sagte, dass die Gespräche mehr „kreative Ideen“ produziert haben als alle anderen in der Vergangenheit. Er bemühte sich, mir zu versichern, das er bezüglich Israels Sicherheitsinteressen sehr flexibel gewesen sei. Olmert stimmte im Rückblick zu, als er sagte, dass Abbas „niemals Nein gesagt“ hatte.

Olmert bestand darauf, dass er Abbas bei jeder größeren Forderung, die die Palästinenser seit Jahrzehnten erhoben haben, Zugeständnisse gemacht hatte: einer Grenzziehung, die sich exakt an 1967 hält, eine palästinensischen Hauptstadt in Jerusalem und „Anerkennung der Flüchtlingsfrage.*

Lesen Sie den vollständigen Beitrag [In Englisch].

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*Was ja wohl nichts anderes bedeutet, als dass Olmert in beinahe allen Punkten Geschenke ohne Rückversicherung gemacht hätte. Genutzt hätte es nur Abbas. Und das war sicher nicht Sinn und Zweck der Übung…[bd].

Abbas und die Affäre um den jordanischen Pass

9. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 9. Februar 2011

Das Problem: Du bist ein jordanischer Offizieller, der gerne will, dass die Palästinenser des Königreiches „ihren Platz“ behaupten, bis sie eines Tages auf die westliche Seite des Jordans zurückkehren. Du liest PaliLeaks, und du bist absolut davon überzeugt, dass PA und Fatah hoffnungslos lasch mit dem Recht auf Rückkehr umgehen. Und du willst auf lange Sicht nicht mit geschätzten zwei Millionen Flüchtlingen zurückbleiben.

Die Lösung: Streue einige Infos über PA-Führer, die jordanische Pässe besitzen. Erwähne Namen wie Mahmud Abbas, Ahmed Qureia, Mohammed Dahlan und Nabil Abu Rudaineh – liefere aber keinen Kontext. Wie und wann diese Leute die Pässe erhalten haben ist weniger wichtig als das Hornissennest, in das du mit Sicherheit stechen werden.

Jordanien hat bereits tausende an Palästinenser ausgehändigte Pässe für ungültig erklärt, aber das ist nichts, wofür man sich schämen müsste.

Genau genommen: Wenn Mahmoud Abbas so vorgeht wie Jordanien, als sei es Palästina, was werden die Israelis dann dazu sagen? Und wo bleibst dann du?

Israel und die Unruhen in Ägypten: Zusammenstellung der Reaktionen

7. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 7. Februar 2011

• Kann die von Bibi und Fayyad betriebene Wirtschaftspolitik die Westbank aus den arabischen Unruhen heraushalten? Joel Mowbray sieht einen Zusammenhang:

Die Westbank ist zurzeit eine der ruhigsten „Straßen“ in der arabischen Welt. Zweifellos ist einer der Hauptgründe dafür das starke Wirtschaftswachstum, das die Region genießt.

Sharansky spricht. Schön, dass Newsweek und das  WSJ die Botschaft verstanden haben. (Paywall-Alarm: Klicken Sie via Google News für das WSJ.)

• Würden Sie besser schlafen, wenn Ägypten, statt dem Iran zu folgen, das nächste Pakistan werden würde?

• Warum Israel besorgt ist: 7 Szenarien. Und hier ein achtes, das NBC News ausgräbt: Ägypten mit Aussicht auf ein eigenes Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen:

Wenn Ägypten aus dem Vertrag aussteigen würde, gäbe es keine Beschränkungen mehr für die Entwicklung eigener Kerntechnologie, sowohl zur Energiegewinnung als auch zur Waffenproduktion.

• Der Christian Science Monitor mit einem Blick darauf, wie Syrien es fertig brachte, ein Überschwappen der Proteste aus der Arabischen Welt zu verhindern. Die Verfasserangabe über dem Artikel („Ein Korrespondent“) spricht Bände. Aber wer wusste um den Fehlerfaktor von Facebook?

Seit der Unterdrückung der weltlichen, religiösen und kurdischen Politiker, die im Jahr 2005 zusammenkamen, um die Damaskus-Erklärung zur Forderung nach Reformen zu unterzeichnen, gibt es in Syrien keine organisierte Opposition mehr. Außerdem geht man davon aus, dass die meisten der 15.000 Menschen, die sich seit Freitagmorgen einem Aufruf bei Facebook anschlossen, nicht im Land leben.

• Wird Al Jazeeras Berichterstattung über Ägypten dem Sender die Möglichkeit eröffnen, doch noch Fuß im US-amerikanischen Äther zu fassen?

• Während man sich an Filmmaterial aus Kairo heftet feuert Ron Prosor (israelischer Botschafter in UK) eine Breitseite auf den Guardian ab wegen dessen Umgang mit PaliLeaks, und ein Minister zitiert Korrespondentin Harriet Sherwood vor Gericht, die sich zu dieser Zeit in Ägypten aufhielt.

Bleiben Sie dran….

Was wir über Alistair Crooke wissen

30. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 30. Januar 2011

Die PA stellt nun Nachforschungen zu drei Personen an: a) Al-Jazeera-Reporter Clayton Swisher, b) dem ehemaligen britischen Geheimdienstler Alistair Crooke und c) einem dritten Mann (nicht namentlich genannten Franzosen). Es geht um ihre Verbindungen zu PaliLeaks.

Crooke ist definitiv ein plausibler Beteiligter. Er ist ein ganz großer Fürsprecher der politischen Einbindung von Hamas und Hisbollah, und er gründete zu diesem Zweck auch das Conflicts Forum. Patrick Seale bezeichnete diese Organisation einmal als „Verein unzufriedener Diplomaten und Geheimdienstoffiziere“, die, wie Daniel Pipes einmal formulierte, „sich in einer ansprechenden Form privater Diplomatie engagieren, die den Horror islamistischen Terrors herunterspielt“ (Pipes zitierte Seale hier.)

Und dann gibt es diesen Eindruck, den Crooke bei David Samuels hinterlassen hat, der in Mother Jones schrieb:

Die Unheimlichkeit von Crookes Umarmung selbst der durchgedrehtesten Doktrinen der iranischen Führungsclique dürfte ein Hinweis darauf sein, dass dieses Conflicts Forum eine Front für Teheran ist.

Freilich verließ Mark Perry, Mitbegründer von Conflicts Forum, die Organisation, weil ihm Crookes Sympathie für das iranische Regime wegen dessen Gewaltanwendung nach den Wahlen 2009 zu weit ging. Wenn’s beim Namen „Perry“ klingelt, dann deshalb, weil er besser dafür bekannt ist, General David Petraeus’s Sichtweise zu Israel verdreht dargestellt zu haben – zur Freude der Fans von Walt/Mearsheimer überall.

Nur wenige Tage, bevor die Palästina-Dokumente für Schlagzeilen sorgten, sinnierte Crooke, Warum der Niedergang des „Friedensprozesses“ in Nahost eine gute Sache  sein könnte. Sein spöttischer Blick auf die PA passt zweifellos dazu, was Leute wie Robert Fisk, Saree Makdisi und George Galloway (neben anderen) nur modisch angepasst zu post-PaliLeaks sagen:

Möglicherweise könnte mit diesem Konzept der Eigenstaatlichkeit eine neue palästinensische Elite noch bequemer leben, wenn auch inmitten weiterhin bestehender allgemeiner Armut. Vielleicht würden die sichtbaren Werkzeuge der Besatzung und Kontrolle über palästinensisches Leben noch mehr vor dem blanken Auge verborgen bleiben, sogar mittels weit entfernter neuer Technologie. Nichtsdestoweniger bliebe es bei dieser „Eigenstaatlichkeit“ beim Zustand der Besatzung, zusammen mit interner palästinensischer Sicherheitskontrolle. Grenzen, Wasser, Wirtschaft und selbst sein „elektromagnetisches“ Feld blieben unbestreitbar unter der Kontrolle Israels. Jerusalem, die Flüchtlinge und sogar der Status des Jordantales Valley würden langfristig in einem Zustand des „Niemals erreichbar“ belassen.

Dann fuhr er fort, das Verhältnis Israel-PA mit Südafrikas Bestrebungen zu vergleichen, militärische Hegemonie über ein Namibia mit einer „Vichy-Regierung in Windhoek“ zu erlangen.

Crookes Zeit in der West Bank ist höchst erwähnenswert angesichts der Umstände, wegen denen er das Land verließ. Die israelische Journalistin Sheila Raviv dazu via CiF Watch:

Zu Mr. Alistair Crooke wurden Nachforschungen angestellt, und innerhalb kürzester Zeit befand er sich auf der Heimreise. Später wurde aufgedeckt, dass er ein Mitglied des  MI6 war und die Hamas ausgebildet hatte! Ein britischer Diplomat bildete Hamas-Terroristen aus, und dennoch inszenierte Israel keinen Medienrummel. Seine Ausweisung wurde diskret ausgeführt – aus Respekt vor unseren britischen Verbündeten.

Crooke könnte motiviert worden sein, die PA zu blamieren und [damit] Israel zu schaden. Mir ist aber nicht klar, wie er an die Dokumente kam, wenn es tatsächlich so war. Seine Involviertheit in die Affäre bleibt fürs Erste eine offene Frage. Definitiv also ein Name, bei dessen Erwähnung man die Stirn runzeln muss.

Oberster Spin Doctor der Hamas bekommt Gastbeitrag im Guardian

26. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 26. Januar 2011

Osama Hamdan, dem obersten Chef für internationale Beziehungen Spin Doctor der Hamas, Legitimität für einen Gastkommentar in der Printedition des Guardian zu PaliLeaks zu verleihen, ist fast schon mehr als krank.