Posted tagged ‘Osama Saraya’

Al-Ahram setzt sich von Mubarak ab

8. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 8. Januar 2011

Klar, dass Mubarak sich in Schwierigkeiten befindet, wenn der Chefredakteur von Al-Ahram, der größten ägyptischen Tageszeitung, die sich bisher der Regierung gegenüber unterwürfig zeigte, auf der Titelseite einen Leitartikel bringt, der die Protestbewegung unterstützt.

Dazu die Daily Telegraph:

In einem Leitartikel auf der Titelseite lobte Chefredakteur Osama Saraya die „vornehme Gesinnung“, was er als “Revolution” bezeichnete, und er forderte, dass die Regierung mit unumkehrbaren Verfassungs- und Gesetzesänderungen beginnen solle.

“Der Staat und alle seine Bürger, die ältere Generation, die Politiker und alle einflussreichen politischen Akteure müssen in sich gehen und sich selbst einschränken, um die Ambitionen der Jugend und die Träume dieser Nation zu verstehen”, schrieb er.

Es gab keine Aufforderung zum Rücktritt an den Präsidenten, und während es sich noch zeigen wird, ob Al Ahrams redaktionelle Umorientierung taktischer Natur war oder echt, äußerten Anhänger der Opposition Erstaunen über die Entwicklung.

Herr Saraya hat sich seinen Ruf als verlässlicher Apologet des Präsidenten erworben.

Der letzte Satz ist kein Scherz: Erst letzten September veröffentlichte Al-Ahram ein manipuliertes Foto, das Mubarak mit anderen Nahost-Regierungschefs im Weißen Haus zeigt. Zu dieser Zeit beharrte Saraya darauf, dass das veränderte Bild nur einem illustrativen Zweck diente.

Ich hätte gerne gewusst, wie die ägyptische Tageszeitung selbst sich äußert, aber Saraya macht sich mehr Sorgen um seinen Kopf nach Mubaraks Abgang. Dieses arrogante Interview mit Menassat lässt bei mir die Haare heute nicht weniger zu Berge stehen als bei der erstmaligen Lektüre vor wenigen Jahren.

Al-Ahram-Chefredakteur bläst sich zu sehr auf

19. September 2010

HonestReporting Media BackSpin, 19. September 2010

Osama Saraya, Chefredakteur von Ägyptens staatlicher kontrollierter Tageszeitung Al-Ahram, holte gegen seine Kritiker, die vergangene Woche seine Photoshop-Fälschung enttarnt hatten, zum Rundumschlag aus

Ich habe keine englische Übersetzung zu Sarays dünner Freitags-Kolumne gefunden, also soll vorerst dieser Schnipsel aus der ägyptischen The Daily News genügen:

Al-Ahram-Chefredakteur Osama Saraya schrieb in einem Editorial am Freitag, dass die Abänderung des Bildes nicht die Wahrheit verfälschen, sondern die führende politische Rolle von Ägyptens Präsident veranschaulichen sollte.

Mit seiner Erklärung, dass das Foto in seinem ursprünglichen Format schon vorher im Monat veröffentlicht worden war, hob Saraya hervor, dass das Blatt nicht lügt oder die Wahrheit verbiegt. Er beschuldigte seine Kritiker der Verletzung des Berufsethos, wenn sie die Abänderung des Fotos herausstellte.

„Das veröffentlichte Foto hat veranschaulichenden Charakter, also können jene, die das nicht begreifen“, schrieb er und meinte damit, die Kritiker sollten andere Menschen nicht in die Irre führen, wenn sie „behaupten, eine Falschmeldung aufgedeckt zu haben…[…]. Sie sind diejenigen, die täuschen, lügen und dann ihrerseits glauben, uns beschuldigen zu können.

Allein zu veranschaulichenden Zwecken? Das manipulierte Foto war nicht als solches gekennzeichnet, was als Täuschung zu beurteilen ist. Wäre das Bild von Mubaraks so genannter “führender politischer Rolle” zum Beispiel als Zeichnung, Karikatur oder Sketch gebracht worden, hätte sich niemand darüber große Gedanken gemacht, außer vielleicht der bedauernswerte Künstler, der um seinen Gehaltsscheck hätte kämpfen müssen.

Noch aufschlussreicher ist jedoch Sarayas heftige Reaktion. Wenn das Bild wirklich nur illustrativen Zwecken gedient haben sollte, hätte eine widerwillig abgegebene Standardformulierung das Problem beseitigt und begraben. Mich dünkt, der Redakteur hat sich lediglich zu sehr aufgeblasen.

Falls Sie die Bilder noch nicht gesehen haben sollten:

So war’s wirklich:

Und so sah die Fälschung aus:


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