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BBC-Schwachsinn also doch nicht ganz so monolithisch

13. Juli 2012

HonestReporting Media BackSpin, 13. Juli 2012

BBC Sport steht augenscheinlich nicht unter dem gleichen Diktum der Blödheit wie BBC News. In seinen Erinnerungen an die größten Olympia-Ereignisse verwendet Barry Davies von BBC Sport mehrfach das Wort Terror, wenn er an das Münchner Massaker erinnert.

Angesichts der Tatsache, dass er bei Beeb (Beeb = Verballhornung für BBC [bd]) angestellt ist, überrascht die direkte Aussprache doch ziemlich:

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München verübten palästinensische Terroristen, die sich selbst als „Schwarzer September“* bezeichneten, einen Anschlag auf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft…

Das geschah, weil die Terroristen unbehelligt ins Olympische Dorf gelangen konnten…

Die Terroristen hatten die Freilassung von 234 Inhaftierten aus Gefängnissen in Israel gefordert…

Man hatte nicht genug Scharfschützen, um alle Terroristen ins Visier nehmen zu können…

Allerdings machte man einen großen Fehler. Es wurde davon ausgegangen, dass es sich lediglich um fünf Terroristen handelte, aber es waren acht.

Die Absurdität von BBC News muss man sich genauer ansehen: die Verharmlosung von Terror in den Schlagzeilen, die Disposition zum Terror schlechthin, ihre Sprache des Terrors, ihre hausinterne Sprachregelung, was Terror betrifft, ihre Blindheit gegenüber Terror, ihre absolut verantwortungslose Haltung, was ihre Berichterstattung über Terror betrifft, dazu die Tränen, die sie für den Terror vergießt.

Gut zu wissen, dass BBC Sport sich von Leuten wie Jeremy Bowen (mehr…), Orla Guerin und Tim Llewellyn nicht anstecken ließ. BBC-Schwachsinn ist also doch nicht ganz so monolithisch.

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*Hinweis/Erklärung (bd):

Die Eigenbezeichnung „Schwarzer September“ leitet sich vom Aufstand der PLO in Jordanien in den Jahren 1970 und 1971 ab. Umso bizarrer das „Motiv“ der Terroristen, sich ausgerechnet jüdische Sportler aus Israel auszusuchen, obwohl Israel mit den Geschehnissen damals überhaupt nichts zu tun hatte. Die daraus zwingend logische Schlussfolgerung muss also lauten, dass der Anschlag in erster Linie nicht politisch, sondern antisemitisch intendiert war.

HonestReporting antwortet Channel 4

17. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. November 2009

Channel 4 hat nun auf YouTube seine gestern ausgestrahlte Dispatches-Folge Inside Britain’s Israel Lobby eingestellt:

Hauptsächlich behandelt das Video innenpolitische Themen in Großbritannien, die von anderen Organisationen und Bloggern dort bereits angesprochen worden waren.

Ab 35:00 schließlich widmet sich Präsentator Peter Oborne Medienfragen, die die so genannte Israel-Lobby thematisieren. Meine Antworten auf das Video beginnen ab diesem Punkt.

• Wenn Mitarbeiter der Nachrichtenredaktion dabei zusehen, wie Charlie Beckett zu Peter Oborne spricht, dann sind Medien-Watchdogs wie HonestReporting auf der richtigen Fährte. Wir wollen bei den britischen Medien keine abschreckende Wirkung erzeugen, sondern nur erreichen, dass Nachrichtenmedien sich verantwortlich dafür zeigen, wie sie über Israel und Nahost berichten.

Als von Steuermitteln finanzierter Nachrichtenservice sollte die BBC für ihre Berichterstattung zur Rechenschaft gezogen werden können. Becketts Kommentare gründen sich auf eine BBC-Nachrichtenredaktion mit einer zementierten Weltsicht, die den Bezug zu einem großen Teil der Öffentlichkeit verloren hat.

• Möglicherweise konzentriert sich Oborne beim Versuch, unsere Arbeit zu beschreiben, auf Kritik an der BBC im April 2003 wegen ihres Dokumentarfilms Israel’s Secret Weapon, der von Israels Nuklearprogramm und Mordechai Vanunu handelte (hier das Video). Mit abschätziger Stimme zitiert Oborne HonestReportings Website:

„Die Botschaft hinter dem Film lautet, dass Israel für die Koalitionsstreitkräfte ein geeigneteres Angriffsziel gewesen wäre als der Irak.“

Oborne an dieser Stelle ganz salopp: HonestReporting hat niemals „Israels Geheimwaffe“ kritisiert. Abgelesen hat Oborne das von einer Seite, die im Juli 2004 geschrieben wurde, also mehr als ein Jahr danach. Dieses Kommuniqué Documenting BBC Documentaries basierte auf einem sehr ausführlichen Report von Trevor Asserson: The BBC and the Middle East: The Documentary Campaign 2000-2004.

Wir stehen zu Assersons Aussagen bezüglich der Folgerungen zum Film. Aber wenn Oborne jemanden für seine Kritik an einem Film schmähen möchte, den auch wir weiterhin für eine schlampig gemachte Dokumentation halten, zielt Oborne auf den falschen zionistischen Verschwörer.

Wenn das die Methode ist, wie Oborne HonestReporting „untersucht“, was sagt dies dann über den Wahrheitsgehalt seiner restlichen Nachforschungen aus?

• Unsere Kritik an Orla Guerins Berichterstattung über den Libanonkrieg (BBC’s Orla Exposed), basierte auf Blogger-Beiträgen und Medien-Watchdogs, die Guerins Report vom 14. August 2006 – unter Einbeziehung aller Quellen von Nachrichtenservices – mit Channel 4 (abgekürzt C4; [bd]) verglichen hatten.

Guerin und Alex Thomson von C4 waren beide am selben Tag in Bint Jbeil; dennoch liefern sie diametral entgegengesetzte Schilderungen vom Umfang der Zerstörungen dort. Genug gesagt.

• Zuseher lieben die dramatische Inszenierung eines investigativen Reporters, der sich an irgendeiner Haustüre aufbaut, während die Kameras laufen, immer bereit, Auge in Auge zu einer widerliche Person zu stehen und irgendwie ein wenig Gerechtigkeit in die Welt zu bringen. Das war die Konfrontation, an die Oborne dachte, als er und seine Filmcrew bei Media Central aufkreuzten und nach HR-Chefradakteur Simon Plosker suchten.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Offensichtlich wollte Oborne Simon Plosker übertölpeln und ihn als undurchsichtige Figur porträtieren, die Verbindungen zu verschiedenen Organisationen habe, die die „Israel-Lobby“ repräsentieren. Der Trick war überflüssig, denn: Ploskers umfassendes Wirken in der Verteidigung Israels wird auf HonestReportings Seite Meet the Team offen beschrieben.

Jedenfalls ist Plosker nicht zu einem Interview verpflichtet.

Morgen mehr zu HonestReportings Antwort an  Channel 4.

Bleiben Sie dran.