Posted tagged ‘Netanjahu’

Bibi und das Pressekorps unter Stress

4. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 2. Juli 2013

Abbildung rechts: Eine aus einem dreidimensionalen Drucker erstellte Schusswaffe.

Es ist schon eine geraume Zeit her, dass übermotivierte Leibwächter Netanjahus mit ihrem Vorgehen gegen Medienvertreter Schlagzeilen machten.

Aber ich frage mich, ob der von der Times of Israel beschriebene investigative Journalismus des Senders Channel 10 die Uhr zurückdrehen könnte.

Reportern war es relativ problemlos gelungen, eine aus Plastik gefertigte Waffe in die Knesset zu schmuggeln und sie nur wenige Meter vor Premierminister Benjamin Netanjahu zu ziehen.

Die Korrespondenten des von Channel 10 nachts ausgestrahlten Kultur- und Technikprogramms „Tzinor Layla“ hatten die Waffe im Internet nach Vorlagen eines dreidimensionalen Druckers angefertigt….

Bei einer anderen Gelegenheit brachte der [Tzinor Layla]-Reporter Uri Even die Waffe in eine  Feierstunde der Knesset mit, bei der er weniger als 10 Stuhlreihen entfernt vom Premierminister saß. Als Netanjahu anfing zu sprechen, nahm Even die Waffe raus, ohne dass er dabei behindert wurde, behielt sie in seinem Schoß und hielt sie sogar in Richtung des Ministerpräsidenten.

Ich weiß, dass oft und an verschiedenen Orten die Sicherheitsvorkehrungen von investigativen Medien ausgetestet wurden.

Jedoch befand sich niemand darunter, der jemals eine Waffe auf einen gewählten Staatsmann gerichtet hatte. Dies stellt den Begriff „News Bullet“ in einen völlig neuen Kontext. Und Channel 10 hat hier eine rote Linie überschritten.

Aber welche?

Handelte es sich hier um einen unglaublich freche Methode, auf die reale Bedrohung nicht identifizierbarer selbstgefertigter Waffen hinzuweisen?

Oder war es ein völlig untauglicher Versuch, Channel 10 in die Schlagzeilen zu bringen?

(Abbildung via YouTube/Mashable)

Falsche Zeit für Israel-Bashing

12. Juli 2012

HonestReporting Media BackSpin, 12. Juli 2012

Wahrscheinlich verfolgen die Leitartikler der New York Times keine Nachrichten.

Nur so kann man sich erklären, warum nur einen Tag, nachdem Mahmud Abbas Israels Angebot zurückwies, 125 palästinensische Gefangene im Austausch für nicht weniger als eine neue Runde von Friedensgesprächen freizulassen, die New York Times wieder einmal Israel für den derzeitigen Stillstand bei den Friedensgesprächen beschuldigt.

In einem Kommentar über den Levy-Bericht wird mit keinem Wort darauf hingewiesen, dass Abbas weitere Gesprächsangebote ausschlägt. Stattdessen lesen wir eine Litanei von Vorwürfen gegenüber Israel:

Die Hoffnungen der Palästinenser auf einen unabhängigen Staat schwinden mehr und mehr. Israel treibt den Bau neuer Siedlungen in der Westbank voran, dazu die Kontrolle über weitere Teile Ostjerusalem, das die Palästinenser als ihre Hauptstadt beanspruchen. Währenddessen werden Friedensgespräche – die beste Garantie für eine dauerhafte Lösung – immer aussichtsloser.

Nicht nur Palästinenser geben die Hoffnung auf. Israelis auf der Suche nach einer friedlichen Lösung des Konflikts haben auch wenig zu feiern. Und warum ist das so? Warum verlaufen die Friedensgespräche – die große „Garantie für eine dauerhafte Lösung“ – im Sand? Ganz einfach: die Palästinenser verweigern sich Gesprächen.

Und es kommt noch schlimmer. Ein paar Zeilen weiter unten heißt es in der NYT:

Nun, da Netanjahu die Koalition unter seiner Führung erweitert hat, gibt es keine Ausreden mehr dafür, seine kontraproduktive Siedlungspolitik zu beenden und seinen neuen politischen Einfluss zu nutzen, um ein Friedensabkommen mit den Palästinensern voranzubringen.

Wann wird die New York Times Abbas und die palästinensische Führung mit den gleichen Maßstäben beurteilen, wie sie das bei Netanjahu tut? Wann werden wir sehen, dass Leitartikler der New York Times den Palästinensern sagen, dass deren Entschuldigung für ihre stetige Zurückweisung von Verhandlungsgesprächen nicht mehr akzeptiert wird?

Nun, das ist nicht passiert, und es ist schwer abzusehen, ob es morgen eintrifft. Im Augenblick kann Israel es der New York Times-Redaktion nicht recht machen, die Palästinenser machen jedoch alles richtig.

Israelische Steuerzahler haben eine bessere zionistische Medienverschwörung verdient

3. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 3. August 2011

Die Daily Telegraph hatte ein ulkiges Foto des Ministerpräsidenten mit ausgestrecktem Arm gebracht, das irgendwie an einen Hitlergruß erinnern soll.


Als ich das Foto bei Getty Images aufgestöbert hatte, wurde es als Info-Papier des Presseamtes der israelischen Regierung bezeichnet. In Wirklichkeit aber stammt es aus dem Flickr-Stream des Ministerpräsidenten.

Möglicherweise wäre das Foto justiziabel, wenn es von jemandem aufgenommen worden wäre, der auf der Gehaltsliste der großen Medien steht. Oder vielleicht ist es keine große Geschichte.

Gestern war ich optimistisch, was die Außenwirkung von Danny Ayalons Video betrifft. Nun verteilt das Presseamt so* ein Foto an die Presse.

Israelische Steuerzahler haben eine bessere zionistische Medienverschwörung verdient.

Oder was meinen Sie?

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*Abgesehen davon, dass es ungeschickt ist, auf diese Weise mediale Außendarstellung zu betreiben: Jeder eingermaßen klar denkende Mensch müsste eigentlich erkennen, dass es sich hier um Handbewegung handelt, die eine bestimmte Formulierung unterstreichen oder erklären soll [bd].

Grenze zwischen Nachricht und Kommentar verwischen

12. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 12. November 2009

Ich weiß nicht, ob ein Redakteur beim The Scotsman beabsichtigte, diesen Artikel über Benjamin Netanjahus Besuch im Weißen Haus als Nachricht, Kommentar oder irgendetwas Undefinierbares dazwischen abzufassen, als sogenannte „Nachrichtenanalyse“ oder ähnliches.

Aber ich weiß, dass das Ding in der Sparte “Nachrichten International“ steht. Ben Lynfield schreibt:

Vor dem Treffen mit US-Präsident Barack Obama am Montag im Weißen Haus hielt Israels Premierminister, Benjamin Netanyahu vor amerikanischen jüdischen Führungskräften eine Rede mit den üblichen Wunsch-nach-Frieden-Klischees, ohne zu berücksichtigen, dass es jahrelanges leeres Gerede über Frieden ist, während Israel sich hinter seiner Besatzungspolitik verschanzt und mehr Land an sich reißt, was Abbas‘ Eintreten für Verhandlungen vor seinem eigenen Volk unglaubwürdig macht.

Ich würde nicht mit der Wimper zucken, wenn es sich hier um einen Gastkommentar oder eine ausgewiesene Analyse handelte.

Aber wenn The Scotsman das hier als objektive, akzeptable Nachrichtenarbeit ausgibt, kann ich den gleichen Schund über palästinensische Medien bekommen, wo es weder Vortäuschung noch Erwartung fairer Berichterstattung gibt.

UPDATE 13.00 Uhr: Dies hier könnte ein Beispiel für eine künstlich erzeugte israelische „Glaubwürdigkeitslücke“ sein, wie Haviv Rettig Gur aufdröselt:

Die wahrscheinlichere Ursache für diese Skepsis scheint das Bestreben zu sein, israelische Unnachgiebigkeit aufzubauen, um die gegenwärtige palästinensische Handlungsunfähigkeit – hervorgegangen aus internen politischen Aktivitäten der Palästinenser – dazu auszunutzen, zu Verhandlungen zu gelangen.

Diplomaten (und, wie auch bei Thomas Friedman, die ihre meiste Zeit mit ihnen verbringen,) sind es nicht gewohnt, einen „Konflikt“ zu erkennen, in dem die taktisch schwächere Seite auch die kriegführende ist. Mit einer PA, die den totalen Stopp des Siedlungsbaus als Vorbedingung für verlangt, wetteifern Diplomaten, eine äquivalente israelische Abneigung gegen einen Frieden zu finden.

Gurs Einschätzung ist es wert, gelesen zu werden [In Englisch].