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Al-Dura-Report: Zeitung druckt kritisches Zitat eines linken israelischen Medien-Watchdogs mit Verbindungen zu Charles Enderlin*

21. Mai 2013

HonestReporting Media BackSpin, 21. Mai 2013

Bildtext rechts: Eine große Lüge sagt mehr aus über die Größe des Schadens als über das Ausmaß der Unwahrheit

Die Berichterstattung des Daily Telegraph über den Al-Dura-Report der israelischen Regierung beinhaltet sicherlich zu Recht eine Stellungnahme des France2-Korrespondenten Charles Enderlin, einem der Hauptprotagonisten und Journalisten, der wegen seiner Rolle in der ursprünglichen Geschichte zu al-Dura am meisten im Blickpunkt stand.

Der Telegraph-Artikel beinhaltet auch folgende Kritik am israelischen Regierungsbericht:

Yizhar Be’er, Direktor von Keshev, einem israelischen Medien-Watchdog, der den Fall untersucht hatte, tat den Regierungsbericht als „Verschwörungstheorie“ ab und sagte, dass  Mohammad al-Dura tatsächlich ums Leben gekommen sei.

„Ich glaube, dass das, was wir auf der Nachrichtenseite von France 2 sahen, exakt das war, was passiert ist und die Kamera genau das eingefangen hatte“, äußerte er gegenüber dem Daily Telegraph. „Es ist eine Mission Impossible, ein solch großes Ereignis zu fälschen. Niemand, am allerwenigsten die Palästinenser, kann so etwas erfinden.

Ein Blick auf Keshevs Website zeigt ein prominentes Vorstandsmitglied der Organisation – Charles Enderlin.

Unabhängig von Keshevs Glaubwürdigkeit oder ihrer sonstigen Kommentierung der Geschichte gibt es einen klaren Interessenkonflikt für die Organisation, wenn sie wegen eines Ereignisses zitiert wird, in das eines ihrer Vorstandsmitglieder stark involviert ist. Dass der Telegraph nicht in der Lage war, dies offenzulegen, ist absolut unprofessionell.

Der Telegraph sollte bezüglich dieser Information die Hosen runterlassen oder die Keshev-Zitate aus der Geschichte entfernen.

Schicken Sie Ihre Kommentare (bitte in Englisch) an den Telegraph: dtletters@telegraph.co.uk

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*Über den Fall Al-Dura und die Verstrickung des France2-Moderators Charles Enderlin darin wurde von Media BackSpin über Jahre hinweg sorgfältig recherchiert:

https://backsp.wordpress.com/?s=al-dura

Falls Sie wissen wollen, wie sich die Medien-Watchdogs Briefe an Redakteure vorstellen (Teil 3)

7. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 7. August 2011

Richten Sie Ihr Anschreiben ausschließlich an eine Zeitung

Exklusiver Inhalt verleiht jeder Zeitung ihren unverwechselbaren Charakter. Redakteure veröffentlichen in der Regel Text, der sonst nirgendwo erschienen ist. Mit Leserbriefen verhält sich das nicht anders.

Das Verschicken eines Briefs an mehrere Zeitungen ähnelt einer Verabredung mit zwei Mädchen gleichzeitig. Es täuscht die Erwartung einer exklusiven Beziehung zwischen Leserbrief und Zeitung vor. Das ist intellektuell anspruchslos und falsch, selbst wenn der Brief mehrmals in verschiedenen Zeitungen und auf mehreren Webseiten zu lesen ist.

Deshalb missbilligen viele Redakteure auch Leserbriefe, die im Cc eine lange Liste von Familienmitgliedern, Freunden, Politikern, Aktivisten, Organisationen oder Mailinglisten aufführen. Viele Schreiber neigen auch dazu, einen ausschließlich an den Redakteur gerichteten Brief so zu formulieren, dass er wie eine öffentliche Erklärung wirkt.

An öffentlichen Statements ist nichts falsch, aber seien Sie ehrlich zu sich selbst: Wenn Ihre Absicht darin besteht, Ihren Leserbrief veröffentlicht zu sehen, dann formulieren Sie auch wie in einem Brief und nicht wie in einer Pressemitteilung. Wenn Ihr Brief einmal veröffentlicht worden ist werden Sie erkennen, dass er seine Exklusivität verdient hat.

Weitere Leserbrief-Tipps in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie.

Jahresrückblick der Mainstream-Medien

21. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 21. Dezember 2009

Alljährlich im Dezember erscheinen in den Mainstream-Medien (MSM) ausführliche Rückblicke, Kommentare, Bilderserien etc. Im Bewusstsein, dass sich das Jahr 2009 dem Ende zuneigt, bedeutet das auch, dass man auf ein Jahrzehnt zurückblickt.

Schwer vorauszusehen, wie diese Erinnerungen an das abgelaufene Jahrzehnt verarbeitet werden. Tonfall und Zwischentöne dieser üppig bebilderten Artikel und Fotostories werden aber einigen Aufschluss darüber geben, wie erfolgreich Medien-Watchdogs und Blogger in den letzten Jahren gewesen sind. Letzte Woche  brachte Pesach Benson (HR) das ermutigende Beispiel von MSNBC zur Affäre Mohamed al-Dura.

Pesachs Kollege Mike Fegelman, der HonestReporting Canada leitet, gab diesen Denkanstoß, nachdem beide über solch einen Artikel wie den des erfahrenen Journalisten Neil MacDonald (CBC) diskutierten. In diesem Gedankenaustausch bei Headlines & Deadlines, dem Blog von HonestReporting Canada, sprach Fegelman einige überraschend positive, aber auch negative Beispiele in MacDonalds Berichterstattung an; die Verfasser von Informationsquellen für die Nachwelt hätten ihre Auffassung jederzeit leicht ändern können.

Sicher sind noch mehr Reviews der MSM-Medien in Vorbereitung. Glauben Sie, dass diese von Bedeutung sein werden und was erwarten Sie?