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Auseinandersetzung um Olympia-Berichterstattung der BBC nimmt an Schärfe zu

25. Juli 2012

HonestReporting Media BackSpin, 25. Juli 2012

Die heimtückische Entscheidung der BBC, bei ihren Informationen zu den Teilnehmerländern der Olympischen Spiele in London Israels Hauptstadt Jerusalem zu ignorieren, hat eine deutliche Reaktion in israelischen Regierungskreisen ausgelöst.

Einige Offizielle schickten mehrere geharnischte Briefe an die BBC, in denen sie den Sender dazu aufforderten, Israels Hauptstadt ebenso aufzulisten wie er es bei nahezu jedem anderen Land auch praktiziert. Außerdem initiierten sie eine Kampagne auf Facebook mit dem Titel Jerusalem ist Israels Hauptstadt, in der die Leser zum Mitmachen aufgerufen werden. Zur Stunde partizipieren mehr als 20.000 User.

Zur Erinnerung: Die BBC hatte zunächst jeglichen Hinweis auf eine israelische Hauptstadt unterschlagen, während sie gleichzeitig „Ost-Jerusalem“ als „Hauptstadt Palästinas“ auflistete. Angesichts öffentlicher Empörung und eines Briefes von Mark Regev, Sprecher des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, änderte die BBC  ihre Angaben – aber nur geringfügig und halbherzig.

Ausführliche Informationen zur olympischen Berichterstattung der BBC kann man im letzten Kommuniqué von HonestReporting nachlesen: Die Berichterstattung der BBC zu Olympia deklariert Ostjerusalem als palästinensische Hauptstadt [In Englisch].

Der leicht veränderte neue BBC-Text ersetzte das Wort „Hauptstadt“ durch „Sitz der Regierung“ in Jerusalem mit der Hinzufügung, dass sich die meisten Auslandsvertretungen „in Tel Aviv befinden“. Gleichzeitig wechselte sie [die BBC, (bd)] zur Auflistung „Palästinas“ und „Ost-Jerusalems“ als „bestimmungsgemäßem Sitz der [palästinensischen (bd)] Regierung.“

Für HonestReporting und all diejenigen, die BBC auffordern, wahrheitsgemäß über Israel zu berichten, konnte die Änderung natürlich nicht ausreichen. Sitz der Regierung bedeutet nicht dasselbe wie Hauptstadt*, und Mark Regev forderte in einen zweiten Brief, dass die BBC endlich mit der Diskriminierung Israels aufhören solle: ’“Im Gegensatz zu allen anderen aufgeführten Ländern“, schrieb er, „ist im Falle Israel unsere Hauptstadt Jerusalem von der BBC nicht als solche klassifiziert, sondern wird als “Sitz der Regierung“ bezeichnet’.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat gab überdies eine Presseerklärung heraus, in der er klar hervorhob, dass „ungeachtet der politischen BBC-Agenda Jerusalem immer die Hauptstadt Israels war und ist und das spirituelle und politische Herzstück des jüdischen Volkes bleiben wird“.

Während ich [Alex Margolin, HonestReporting Jerusalem] diese Zeilen schreibe, geht die BBC weiterhin in diskriminierender Art gegen Israel vor, indem sie dieses Land gänzlich anders behandelt als jedes andere, das an den Spielen teilnimmt.

Schauen Sie nicht zu, wenn die Medien Israels Anspruch auf seine eigene Hauptstadt Jerusalem delegitimieren wollen. Werden Sie aktiv und unterstützen Sie Israels Forderung nach einer Korrektur der BBC-Falschmeldungen. Und richten Sie bitte Ihre Beschwerden direkt an BBC Sport.

Vergessen Sie nicht, sich vielen Tausend anderer Freunde der Facebook-Kampagne anzuschließen, um öffentlich gegen die BCC zu demonstrieren. Und studieren Sie die Quellenangaben zu Jerusalem bei HonestReporting, um mehr Informationen zu Israels absolutem Anspruch auf die Stadt zu erhalten.**

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* Mir (bd) fallen dabei spontan die Niederlande ein: Den Haag ist Regierungssitz, Amsterdam die Hauptstadt.

** Schlimm genug, dass eine Selbstverständlichkeit – nämlich Jerusalems Hauptstadtstatus – auch noch mittels Aufklärungsaktionen medial erklärt werden muss.

Mit ’Israel’ verschlagworteter Inhalt, auf den der Guardian hätte verzichten können

3. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 3. Januar 2011

Die Webseite British Views of the World veröffentlichte diese Weltkarte, aus der ersichtlich wird, über welche Länder der Guardian in seiner internationalen Berichterstattung 2010 am häufigsten schrieb. Schauen Sie mal bei Israel genau hin:

Benjamin Hennig, der die Karte erstellte, mit einer Erklärung:

Um zu verstehen, wie die Briten Ereignisse weltweit wahrnehmen, sehe man sich an, wie häufig ein Land in den großen Nachrichtenberichten erwähnt wird. Die folgenden Diagramme tun genau dies, indem sie die Zahl der Nachrichten auf der Webseite des britischen Guardian sichtbar machen (Datenmaterial stammt von dort).

CiF Watch, das zuerst den Beitrag von British Views of the World bei sich einstellte, merkt an:

Interessanterweise springt uns der Guardian selbst ein wenig bei, wenn er auflistet, dass mit Israel gekennzeichnete Beiträge unter allen Länder-Tags den fünfthöchsten Rang einnehmen (Großbritannien ausgenommen).

Hier meine Top 10 der mit ’Israel’ getaggten Berichte, auf die der Guardian nicht verzichten kann (neuestes Erscheinungsdatum zuerst):

1. Das Problem mit Israels „Flüchtlingsinitiative“

2. Versteckte Webcam zeigt Realität von Legehennen auf israelischer Farm

3. Architekten gegen israelische Besatzung

4. Wikipedia-Redaktionskurse von zionistischen Gruppen geführt

5. Ethnische Säuberung im israelischen Negev

6. Mark Regev, Israels Meister für Public Relations

7. Israelischer Politiker will Preisobergrenze für Popcorn festlegen

8. Live-Blog: Großbritannien weist israelischen Diplomaten aus

9. Israelische Botschaft runzelt die Stirn wegen Tennis-Twittermeldung

10. Avatar-Demo an Barriere in der West Bank

Ist der Guardian versessen auf Berichterstattung über Israel ? Darauf können Sie wetten!

Gedanken zum BBC-Schlamassel

25. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 25. Januar 2009

Die BBC sitzt in den Nesseln, weil sie sich weigert, den Aufruf einer Dachorganisation humanitärer Organisationen zugunsten von Gaza zu senden. Das Disasters Emergency Committee bat um den Aufruf, der auf anderen britischen Kanälen gesendet wird.

BBC-Boss Mark Thompson veröffentlichte eine Erklärung auf dem Blog von The Editor und gab zwei Gründe für die Ablehnung an:

Ein Grund dafür war die Sorge darüber, ob Hilfe, die durch den Aufruf generiert werden würde, auch wirklich bei den Menschen ankäme. Sie verstehen, dass einer der Faktoren, die wir berücksichtigen müssen, die praktische Anwendbarkeit der Hilfe ist, um deren Finanzierung die Öffentlichkeit gebeten worden ist, vor Ort ankommt….

Unter Berücksichtigung aller Umstände und insbesondere nach Rücksprache mit führenden britischen BBC-Journalisten kamen wir zu dem Ergebnis, dass wir keinen Aufruf im Alleingang senden konnten, gleich, wie sorgfältig ausgearbeitet auch immer, ohne das Risiko einzugehen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Unparteilichkeit der BBC bei ihrer ausführlichen Berichterstattung der Geschehnisse zu reduzieren. Ein Aufruf würde zwangsläufig Bilder verwenden, die denen gleichen oder ähnlich sind, die wir in unseren Nachrichtenprogrammen bringen, aber sie hätten das Ziel, öffentlich zu Spenden aufzurufen. Die Gefahr für die BBC besteht darin, dass dies als politische Stellungnahme im laufenden Prozess gedeutet werden könnte.

Unglücklicherweise wurde Israel in die Gegenreaktion einbezogen, als Gesundheitsminister Ben Bradshaw sagte:

„…diese Aufregung, voreingenommen zu sein;

Ich befürchte, dass die BBC sich gelegentlich gegen die israelischen Behörden behaupten muss.“

The Independent mit einer Vermutung, warum BEEP diesen Kurs einschlägt:

Der Grund dafür, dass Kritiker der BBC vorwerfen, die Nerven zu verlieren, besteht darin, dass mehrmals während des gegenwärtigen Konflikts dem israelischen Regierungssprecher Mark Regev beinahe ebenso viel Sendezeit eingeräumt worden ist wie dem Zugeständnis, dass er sagen konnte, die BBC bringe die notwendige „Ausgewogenheit“ bei Bildern palästinensischer Opfer. Ein Live-„Dialog“ zwischen Herrn Regev und Jon Snow von Channel 4 News geriet zur lautstarken Auseinandersetzung, aber bei der BBC gab es so etwas nie.

Vier Überlegungen zur leidigen Sachlage:

1. Israels erlaubt bereits die Lieferung von Hilfstransporten nach Gaza. So lange die Hilfe nicht bei der Hamas landet ist Israel der Letzte, der sich in diese Angelegenheit einmischt.

2. Bradshaws Unterstellung, Israel könne Druck auf die BBC ausüben, ist lächerlich. Es gibt keinerlei Hinweis dafür, dass Israel so handelte, und ich bezweifle sehr, dass irgendein israelischer Offizieller das im Voraus gewusst hat. Bradshaws Kommentare sind lediglich eine Wendung der altbekannten Die-Zionisten-beherrschen-die-Medien-Ente. Seit wann hat sich die BBC jemals Sorgen um ihr Ansehen bei Israel gemacht?

3. Wenn die BBC Informationen darüber besitzt, dass Hilfslieferungen nicht bei der bedürftigen Bevölkerung ankommen, dann gratuliere ich Thompson für seine Standhaftigkeit und ich kann es gar nicht erwarten, darüber etwas zu lesen.

4. Es ist eine große Schande, dass die Unzulänglichkeiten der BBC-Berichterstattung zu dieser Entwicklung geführt haben.

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