Posted tagged ‘Machtkampf in der PA’

Journalisten sprechen Klartext: Keine Pressefreiheit in der Palästinensischen Autonomiebehörde

30. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 30. Dezember 2010

Mich beeindruckt, dass eine nicht in Israel beheimatete Tageszeitung die Geschichte von George Canavati aufgegriffen hat. PA-Sicherheitskräfte kerkerten den Journalisten von Radio Bethlehem fünf Tage lang ein, weil er es wagte, über einen Machtkampf zwischen Mahmoud Abbas und Mohamed Dahlan zu schreiben.

Harriet Sherwood* vom Guardian informierte sich beim eben freigelassenen Canavati.

Danach gefragt, ob er davon ausgehe, dass seine Inhaftierung dazu gedacht war, ihn einzuschüchtern, reagierte Canavati, indem er sich nachdenklich gab. „Ich machte [in meinem Bericht] keinen Fehler“, sagte er. „Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes professionell vorgegangen. Und ich werde niemals in Betracht ziehen, mich von denen auf ihren Kurs einnorden zu lassen.“

Das Palestinian Media Forum beschwerte sich wenige Tage vorher, dass weitere Journalisten durch PA-Sicherheitskräfte inhaftiert worden waren. Und eine kürzlich abgehaltene Umfrage ergab, dass nur 27 Prozent der Menschen in der West Bank glauben, sie könnten die PA-Behörden ohne Furcht kritisieren (gegenüber 56 Prozent im Jahr 2007).

Die Pressefreiheit in der West Bank ist ein wichtiges Thema, das bisher noch nicht ins Bewusstsein der großen Medien vorgedrungen ist, und ich bin froh darüber, dass Sherwood es auf den Tisch gebracht hat.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag [In Englisch].

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*Überraschungen gibt es immer wieder: Harriet Sherwood hatten wir kürzlich wegen ihrer unfairen und unsachlichen Berichterstattung zu Jerusalem aufgespießt. Da soll noch einer aus dem Guardian bzw. aus Harriet Sherwood schlau werden….[bd]

AP-Stringer* stellt Abbas bloß

12. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 12. Dezember 2010

Mohamed Daraghmeh (AP) untersucht die heikle Frage, wer auf Mahmoud Abbas folgen würde, sollte der PA-Präsident zurücktreten oder amtsunfähig werden.

Die Geschichte ist längst überfällig und der PA-Führer hatte mehrmals mit Rücktritt gedroht (aufgelistet von Daled Amos), also musste dieser Artikel einfach kommen.

Vor wenigen Tagen brachte Abbas die Sache ins Rollen, als er sagte, dass er bei ausbleibender Verlängerung des Siedlungsstopps zurücktreten wolle. Khaled Abu Toameh erörterte dann die Nachfolgerfrage und sprach die frostige Beziehung Abbas’ zu den Vertretern der jüngeren Fatah-Generation an – Mohamed Dahlan, Nasser Al-Qidwa und Ahmed Qurei. Das führte zu Knatsch auf den Webseiten des PA-Nachrichtendienstes Wafa, wie AP berichtete.

Weitere mögliche Rivalen in der Auseinandersetzung sind Marwan Barghouti, Saeb Erekat, Jibril Rajoub and Salam Fayyad.

Abbas‘ einzige Trumpf besteht darin, die Sympathie der Welt mittels angedrohter Rücktritte einzuheimsen. Aber statt sich der weltweiten Zuneigung zu versichern, lesen der PA-Chef und der Rest der West Bank eine Story im größten Nachrichtenmedium überhaupt – und geschrieben ausgerechnet von einem palästinensischen Stringer, der behutsam Abbas’ politische Gegner nach vorne schreibt.

Scheint fast so, als zwinge AP den PA-Führer, Farbe zu bekennen. Könnte es das letzte Mal gewesen sein, dass Abbas seinen Rücktritt angedroht hat?

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UPDATE

Ich entdeckte eben, dass Maan News über einen Maulkorberlass der PA zur Berichterstattung verhängt hat.

Viele palästinensische Redakteure und Journalisten sind davor gewarnt worden, öffentlich irgendwelche Hinweise auf den Machtkampf zwischen Präsident Mahmoud Abbas und Fatah-Führer Muhammad Dahlan zu verbreiten, so eine israelische Tageszeitung am Sonntag.

Die fragliche Story stammt von Khaled Abu Toameh (Jerusalem Post). Ich hoffe, AP gibt Mohamed Daraghmeh ausreichend Möglichkeit zur Berichterstattung.

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*Stringer; siehe dic.cc