Posted tagged ‘Lorenzo Cremonesi’

Medienbeschränkungen ein Jahr nach dem Gazakrieg

16. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2009

Eine Diskussion, die auf die Medienberichterstattung zum Gazakrieg zurückblickt, muss sich direkt mit dem heiklen Thema der israelischen Pressebeschränkungen auseinandersetzen.

Die Ursache dieser Politik reicht zurück in den Libanonkrieg 2006, als die Hisbollah die Presse als Waffe gegen Israel missbrauchte. Wir sahen inszenierte Fotos, Unterstellungen, dass Israel Hisbollah-Raketen für PR-Zwecke verschonte wegen des Vorwurfs, Uran-Granaten eingesetzt zu haben, und natürlich Reuters Adnan Hajj, den Reklamehelden für Nahost-„Fauxtography.“

Berichte aus dem Libanon unterschlugen meistens die massive Medienzensur durch die Hisbollah sowie weitere Verfälschungen und Verletzungen der Medienethik.

Zeitsprung in den Dezember 2008: Da der Raketen- und Granatenbeschuss aus dem Gazastreifen eskalierte und Israel die Operation Gegossenes Blei startete, kann es kaum überraschen, dass die IDF nach den Lektionen, die sie im Libanon gelernt hatte, Journalisten den Zugang in den Gazastreifen verwehrte.

Die beiden meist verwendeten Argumente für die Pressebeschränkung enthalten auch zwingende Gegenargumente:

• Es wirkt herablassend, wenn man Kriegskorrespondenten erklärt, dass Beschränkungen ihrer Sicherheit dienen.

• Zu behaupten, dass Journalisten den Soldaten in die Quere kommen, mag auf spezielle militärische Operationen zutreffen, aber es ist nicht grundlegend für die Blanko-Politik eines demokratischen Staates.

Es muss angemerkt werden, dass die Beschränkungen nicht – und das war auch früher nicht der Fall – zu einem völligen Ausfall der Berichterstattung führen würden. Nach Kriegsbeginn arbeiteten jede Menge palästinensischer Journalisten in Gaza. Al-Jazeera unterhielt weiterhin sein Büro und griff sogar zu der ungewöhnlichen Maßnahme, jeglichen Inhalt freizustellen, was zu einem erstaunlichen Traffic-Zuwachs von 600 Prozent führte. Viele Zeitungen bauten auf Stringer (palästinensische Zuträger, freie Mitarbeiter, [bd]). Der italienische Journalist Lorenzo Cremonesi kam über Ägypten nach Gaza rein.

Und wie erging es der Presse in Gaza? CNN-Reporter Anderson Cooper am 6. Januar:

„Die Kontrolle der Hamas im Gazastreifen ist erdrückend. Es gibt kaum Pressefreiheit innerhalb Gaza und die Hamas wacht genau darüber, wer von dort berichtet und wohin die Reporter gehen dürfen.“

Erdrückend in der Tat. Trotz Israels Pressebeschränkung.

• Die Hamas brachte es fertig, ein „Massaker für die Medien“ hinzubiegen, als Israel des Beschusses einer UN-Schule beschuldigt wurde. (HonestReporting hatte das schon Tage vorher geahnt.)

• Leute wie Mads Gilbert und Eric Margolis forcierten unbegründete Anschuldigungen über „Massaker“ und „unverhältnismäßigen Militäreinsatz“.

• Die reinen Statistiken selbst sind und bleiben Gegenstand der Debatte – Simona Weinglass fand, dass divergierende Definitionen von „Zivilisten“ seitens der IDF bzw. palästinensischer Gruppen verwirrend sind.

Pressebeschränkungen konnten palästinensische Tricksereien, die den Boden für gegen Israel gerichtete dämonisierende Geschichten bereiteten, nicht verhindern. Welche Form der Berichterstattung hätten wir also gesehen, wenn es keine Pressebeschränkung gegeben hätte?

Kompliment an NY Times-Büroleiter Ethan Bronner, der sich kurz und bündig fasst:

Aber gleich was – Israels Diplomaten wissen, dass Journalisten, vor die Wahl gestellt zwischen Berichterstattung über Tote oder Kontext, stets Ersteres wählen. So haben sie sich in einem Krieg, den sie zwar für notwendig, aber schwer vermittelbar erachten, dafür entschieden, die Medien weit weg vom Tod zu halten.

In einer abschließenden Analyse von 2009 muss man feststellen, dass viele Pressevertreter nicht einfach „neutrale Beobachter“ waren. Sowohl in den Fällen, in denen die MSM missbraucht wurden, als auch in den Fällen, wo die MSM selbst versuchten, Ereignisse zu beeinflussen  – die großen Medien wurden „Mitwirkende“. Wenn dies die Dynamik der asymmetrischen Kriegsführung darstellt, müssen wir uns fragen, ob die Medienberichterstattung nun zur „Kriegsführung mit anderen Mitteln“ geworden ist.

Anknüpfend an Lorenzo Cremonesi

17. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. März 2009

Maariv interviewte Lorenzo Cremonesi, den italienischen Reporter, der zuerst über die aufgeblasenen Verlustzahlen in Gaza berichtet hatte. Schauen Sie bei Solomonia nach, der die Übersetzung von Contentious Centrist bewerkstelligte:

„Nachdem die letzten Journalisten im Gazastreifen eingetroffen waren, dachte ich, dass sie sehr sauer auf mich waren,“ sagte er. Sie fragten mich: „Warum arbeitest du für die Israelis? Was sie störte war nicht die Qualität meiner Informationen, die ich hatte. Ich hatte das Gefühl, dass ihr Zorn und ihr Streben, das palästinensische Leiden hervorzuheben, durch die Tatsache befeuert wurde, dass sie nicht [in den Gazastreifen] reinkommen konnten.“

Im Januar hatte Cremonesi berichtet, dass es nicht mehr als 500 oder 600 palästinensische Todesopfer gegeben habe und dass er gesehen habe, im gesamten Gazastreifen seien viele Krankenhäuser leer gewesen. Die Palästinenser behaupten, es hätte mehr als 1.000 Todesfälle gegeben. Professor Richard Landes gab eine englische Übersetzung des ursprünglich italienischen Berichtes heraus.

ShareThis

Das italienische Original

25. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. Januar 2009

Für alle Leser, die nach dem italienischen Originalartikel fragten, der als Basis für unseren Beitrag mit dem Titel Palästinensische Journalisten: Zahl der Toten weit übertrieben diente, hat Pia Causa bei den Kommentaren im Original einen Link gepostet.

Hier Lorenzo Cremonesis Originalartikel in Italienisch, veröffentlicht im Corriere della Sera. Dank für den freundlicherweise zugeschickten Link an Pia.

ShareThis

Palästinensische Journalisten: Zahl der Toten weit übertrieben

22. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 22. Januar 2009

Während die meisten Medien über eine abschließende Totenliste des Gaza-Krieges berichteten, sagte ein italienischer Reporter, der viele Krankenhäuser im Gazastreifen besucht hatte, dass die Verlustrate weit niedriger war und die palästinensischen Journalisten das wüssten. Die Jerusalem Post führt aus:

Die Zahl der in der ‚Operation Bleigießen‘ getöteten Palästinenser überstieg nicht fünf- bis sechshundert, so Lorenzo Cremonesi, Korrespondent für die italienische Tageszeitung Corriere Della Sera am heutigen Donnerstag.

Cremonesi begründete seinen Bericht mit Besuchen von Krankenhäusern im Gazastreifen und Interviews mit Familienangehörigen der Toten. Er setzte auch die Zahl der Verletzten weit niedriger als 5.000 an – also im Widerspruch zu den Angaben der Hamas, die von der UNO sowie dem Internationalen Roten Kreuz in Gaza [unhinterfragt (bd)] übernommen worden waren.

„Es reicht völlig aus, einige Krankenhäuser [im Gazastreifen] zu besuchen, um festzustellen, dass die angegebenen Zahlen nicht stimmen“, schrieb er.

Im Europäischen Krankenhaus von Rafah, einer Einrichtung, die mit Verletzten wegen des „Tunnelkrieges“ überbelegt hätte sein müssen, waren viele Betten frei, wie Cremonesi berichtet. Ähnlich verhielt es sich im Nasser-Krankenhaus in Khan Younis, und aus dem privat geführten Amal-Krankenhaus berichtete Cremonesi, dass nur fünf von 150 Betten belegt waren.

YNet News merkt an, dass die palästinensischen Reporter von den aufgeblähten Zahlen wussten und dies Cremonesi gegenüber bestätigten:

Der Reporter des italienischen Blattes zitierte auch Reporter aus dem Gazastreifen, die die Hamas-Zahlen als völlig überzogen bezeichneten. „Wir haben es den Hamas-Kommandanten bereits gesagt: ’Warum besteht ihr darauf, die Opferzahlen nach oben zu schrauben?

Dieselben Reporter erwähnten, dass die Wahrheit, die letztendlich ans Tageslicht kommt, ähnlich der sein wird, die nach der Operation Defensive Shield in Jenin zu erkennen war. „Damals sprach man zuerst von 1.500 Toten. Doch dann stellte sich heraus, dass es 54 waren, davon 45 Bewaffnete“, erklärten die palästinensischen Reporter der italienischen Zeitung gegenüber.

Die IDF gibt an, dass während der Kampfhandlungen 500 Hamas-Kämpfer getötet worden seien. Dagegen behauptet die Hamas, „nur“ 48 Leute verloren zu haben.

Wie kommt es, dass dieselben palästinensischen Reporter, die der Welt 1.330 Tote präsentieren, eine andere Realität anerkennen und dann darauf warten, dass die Wahrheit „ans Licht kommt“ wie in Jenin?

ShareThis