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Widerlicher Leserbrief in der Daily Mail

22. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 22. März 2011

Der folgende Brief erschien in der gedruckten Ausgabe der britischen Daily Mail (online nicht abrufbar):

Sagt die Wahrheit

Es scheint sicher zu sein, dass der Mord an einer kompletten jüdischen Siedlerfamilie, der in den Medien als Racheakt von Palästinensern dargestellt worden war, in Wirklichkeit das Werk eines verärgerten Arbeiters war, dessen Lohn nicht ausbezahlt worden war.

Da israelische Truppen alle thailändischen Arbeiter verhaftet haben, muss man vermuten, dass sie ohne Gesichtsverlust unmöglich sagen können, dass die Palästinenser zu Unrecht beschuldigt wurden. Ich gehe schwer davon aus, dass die Medienorganisationen, die so schnell bei der Hand waren, die Morde zu verwenden, um die Oberherrschaft Israels zu rechtfertigen, die Richtigstellung veröffentlichen und sich entschuldigen. Aber ich würde nicht darauf warten.

Derek F. Wharton, Wirral

Eigentlich sollte sich die Daily Mail allein schon dafür entschuldigen, dass sie die Veröffentlichung eines solchen Briefes an erster Stelle brachte. Die Quelle dieses Schreibens stammt aus einer verleumderischen Geschichte, die in der palästinensischen Nachrichtenagentur Ma’an veröffentlicht worden war.

In Wirklichkeit gibt es in der Itamar-Siedlung keine ausländischen Arbeitskräfte, und das Haus der Familie Fogel war von jüdischen Arbeitern errichtet worden.

Wie schäbig, dass die Daily Mail solch’ ein Schreiben veröffentlichte, ohne sich die Mühe zu machen, die Vorwürfe abzuchecken. Es sieht ganz danach aus, dass alles irgendwie durchgeht, wenn es um „vertretbare“ Kritik an Israel in der britischen Presse geht.

Leserbriefe abfassen: Fünf weitere Tipps

17. Juni 2008

honestreporting Media BackSpin, 17. Juni 2008

• Schicken Sie Ihren Brief an die richtige Zeitung.

Die überwiegende Anzahl aller Zeitungen beschäftigt keine eigenen Auslandskorrespondenten. Genau genommen stammt der Inhalt nicht von diesen Blättern.

Eher verwenden Zeitungen Berichte von Nachrichtenagenturen wie AP und Reuters und/oder drucken Artikel anderer Blätter neu ab, die sich Auslandskorrespondenten leisten können – wie die Washington Post, die NY Times, The Independent etc. Bevor Sie überstürzt einen Brief abschicken achten Sie noch einmal auf die Verfasserzeile und denken Sie noch einmal darüber nach, wer der passende Ansprechpartner für Ihre Beschwerde ist.

• Schreiben Sie nicht in Großbuchstaben.

HABEN SIE JEMALS GESEHEN, DASS EINE ZEITUNG ALLES IN VERSALIEN SCHREIBT? DAS ENTSPRICHT HERUMGESCHREIE UND ERSCHWERT DAS LESEN. HÖREN SIE AUF, MIR KOPFSCHMERZEN ZU BEREITEN!

• Schreiben Sie rechtzeitig

Dank sofortiger Online-Veröffentlichung geraten „News“ schneller als jemals zuvor zu „alten Nachrichten“. Achten Sie deshalb auf das Datum, bevor Sie loslegen. Wenn der Artikel mehrere Tage alt ist ziehen Sie besser in Erwägung, ihre Energie für einen lohnenden Kampf aufzusparen.

• Schicken Sie an die korrekte E-Mail-Adresse.

Manche Nachrichtenseiten lassen nicht deutlich erkennen, wie man Briefe an den Redakteur schickt. Unglücklicherweise wird überraschend oft der Fehler begangen, dass man Leserbriefe an den Webmaster schickt, als ob das die Standardadresse sei.

Schlechter Zug. Webmaster kennen nicht unbedingt den Unterschied zwischen Hamas und Humus. Sie werden dafür bezahlt, dass die technischen Dinge auf der Webseite funktionieren und haben mit dem Inhalt nichts zu tun.

• Fassen Sie sich kurz

Aus Platzgründen schränken viele Zeitungen den Umfang des Leserbriefes ein. Eine Wortzahl zwischen 200-250 reicht aus, um Ihren Standpunkt darzulegen [Schaffe ich selbst meistens nie…]. Wenn Sie hingegen glauben, dass alle 489 Wörter in Ihrer Erwiderung unbedingt notwendig sind, dann ist es am besten, wenn Sie…

1) erkennen, dass Sie zu viel sagen und entsprechend kürzen

2) Ihren Brief als Gastbeitrag kennzeichnen und entsprechend den Richtlinien des Blattes verfassen.

3) Ihren eigenen Blog erstellen und so Ihrem Herzen Luft machen.

Dazu passend: 5 Tipps, wie Ihr Leserbrief Chancen auf Veröffentlichung hat

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