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Ist das große Rauschen in den Medien zu Gaza ein Freifahrtschein für die Massaker im Kongo?

29. November 2012

HonestReporting Media BackSpin, 29. November 2012

Abbildung rechts: Vava Tampa

Bedeutet das lausige Rauschen der Massenmedien aus dem Gazastreifen einen Freifahrtschein für Grausamkeiten anderswo auf der Welt?

Der kongolesische Aktivist Vava Tampa wundert sich darüber, dass tagtäglich stattfindende Massaker in seinem Heimatland nicht das gleiche mediale Interesse auf sich ziehen wie die Krise im Gazastreifen. Tampa schreibt bei CNN:

Hier stellt sich nicht die Frage, ob das menschliche Leid im Kongo mehr Medienberichterstattung verdient, weil es größer ist als das in Syrien oder Gaza, sondern vielmehr, warum berichten die Medien so ausführlich über die Krisen in Syrien oder Gaza  und nicht über die Raub- und Mordindustrie im Kongo?

Ich bezweifle, dass dies so wäre wegen eines Mangels an Bildern aus den kongolesischen Killing Fields, oder weil es nicht genug Augenzeugenberichte von Überlebenden gibt oder mangelnden humanitär motivierten Berichten oder Bewertungen der Situation vor Ort.

Liegt es an der geographischen oder kulturellen Distanz zwischen Washington oder London zum Kongo? Oder verhalten sich die westlichen Medien nur deshalb so zögerlich, wenn nicht sogar uninteressiert, darüber zu berichten, weil keine westlichen Interessen oder Verbündeten dadurch gefährdet sind?

Ian Birrill vom Observer sprach einen ähnlichen Aspekt an, der in mir zynischerweise anfänglich die Reaktion aufkommen ließ, dass sich niemand um den Kongo scheren würde, solange es keinen israelischen Bezug zu dieser Tragödie gäbe.

Problematisch ist nicht nur die umfangreiche Berichterstattung aus Gaza, sondern die überproportionale Berichterstattung von dort.

Hier ein Beispiel: Washington Post-Reporter Scott Wilson hält es für eine lesenswerte Geschichte, dass gegenüber Gaza ausgesprochene Vorwarnungen [durch die IDF; bd] die Zivilbevölkerung nicht schützen würden. Man könnte angesichts dieser Schlagzeile annehmen, dass es ein unverzeihlicher Fehler beim Vorgehen der IDF sei, die Bewohner zum Verlassen jener Gebäude aufzufordern, die getroffen werden sollen. Stattdessen aber schreibt Wilson:

Familienangehörige gaben an, sie hätten nicht gewusst, dass die Azzams, eine andere Familie in der Nachbarschaft, ein Mitglied des Islamic Jihad aufgenommen hatten. Mohammed Qutati, Student der Ingenieurwissenschaften an der al-Azhar-Universität, dessen Onkel Ahad bei den Luftangriffen getötet worden war, sagte: „Wenn wir das gewusst hätten, wären wir aus dem Gebäude gegangen.“

Der Fairness halber muss gesagt werden, dass die Washington Post einige Kurzmeldungen aus dem Kongo aufgegriffen hatte. Aber Artikel von Korrespondenten des eigenen Blattes haben mehr Gewicht und erzeugen mehr Aufmerksamkeit.

Kann Tampas Frustration über die Nachrichtenindustrie also noch überraschen?

(Foto via YouTube/SavetheCongoChannel)

Vergleich der Todeszahlen

1. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 1. März 2009

Totgeschwiegene Kriege rücken den Konflikt ins rechte Licht.

Die Zahl der Getöteten des blutigsten Konflikts in der heutigen Zeit – im Kongo (5.400.000 Tote) – wird den Zahlen anderer, wesentlich mehr diskutierter Konflikte gegenüber gestellt. Israel-Palästina (5.000), Kosovo (10.000), Bosnien (60.000) und Darfur (300.000). Machen Sie sich selbst ein Bild davon, was Proportionen und mediale Aufmerksamkeit im Verhältnis dazu betrifft.

Ich greife nur zwei der Grafiken heraus. Der Kontrast zwischen dem Aderlass in Nahost, im Kongo und Darfur könnte nicht schärfer ausfallen.

Das erinnert mich an einen markigen Kommentar in der Toronto Star, der sich während der Operation Gegossenes Blei die Frage stellte, was wohl noch passieren müsste, bis die Mainstream-Medien irgendein Interesse an der Gewalt in Sri Lanka aufbringen würden. Was Lauren Booths leeres Geschwätz betrifft frage ich mich, ob sie plant, Darfur zu besuchen.

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