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Sunday Times wegen beleidigender Karikaturen: Öffentliche Entschuldigung

4. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. Februar 2013

Die von Gerald Scarfe am Holocaust-Gedenktag veröffentlichte Karikatur in der Sunday Times löste eine Welle nahezu beispielloser Empörung aus. HonestReporting(HR) äußerte sich dazu, zusammen mit vielen anderen Organisationen und Einzelpersonen. Die hier dargestellte Abbildung war nur eine von uns gegebene Antwort.

In The Algemeiner erschien ein Gastkommentar von HR-Chefredakteur Simon Plosker, in dem wir folgende Frage stellten:

Was aber wäre passiert, hätte man diese gleiche Karikatur, die eine verzerrende Karikatur des israelischen Premiers Netanyahu zeigte, wie er eine Mauer baute und dabei Blut von zerquetschten Palästinensern als Mörtel verwendete, an einem anderen Tag als dem internationaler Holocaust-Gedenktag veröffentlicht?

Fairerweise muss man der Sunday Times attestieren, dass sie jedem Leser, der sich bei ihr beschwerte, eine E-Mail geschrieben hatte und eine Entschuldigung veröffentlichte. Da diese nur über eine Pay Wall (zahlungspflichtiger Zugang [bd])abrufbar ist, geben wir sie hier wieder:

Letzte Woche veröffentlichten wir, wie fast  jede Woche seit 1967, eine Karikatur von Gerald Scarfe. Seine Arbeiten sind brutal und blutrünstig intendiert, und seine Meinungen geben nur die eigenen wieder, nicht die dieser Zeitung. Die Sunday Times hat die legitimen Sicherheitsinteressen des Staates Israel immer berücksichtigt und darüber auch berichtet.

Es ist eine Sache, eine politische Führungsperson zu attackieren und zu karikieren – und es ist durchaus legitim, politische Führungspersonen in Israel ebenso zu attackieren wie jede andere Person sonst. Aber es ist etwas anderes, in einer Karikatur – selbst ungewollt* – eine historische Ikonographie zu reflektieren, die Verfolgungscharakter hat oder antisemitisch ist.

Das Bild, das wir vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu zeichneten, und ihn dabei zeigte, wie er sich am Blut der Palästinenser zu weiden schien, hat eine rote Linie überschritten. Die Abbildung wäre an jedem x-beliebigen Tag ein Fehler** gewesen, aber die Tatsache, dass letzten Sonntag Holocaust-Gedenktag war, machte den Fehltritt noch schlimmer.

Wir sind uns dessen bewusst, dass wir für eine gravierende Beleidigung mitverantwortlich sind, wenn auch unbeabsichtigt***, die von einem Tag ablenkten, der eines der Übel der Menschheitsgeschichte markiert.

Die Sunday Times verabscheut Antisemitismus und Rassismus jeglicher Art, und wir würden niemals beabsichtigen, das jüdische Volk zu beleidigen – oder irgendeine andere ethnische oder religiöse Gruppe. Die Veröffentlichung der Karikatur in der letzten Woche war ein sehr schwerer Fehler.

Wir entschuldigen uns ohne Wenn und Aber.

Natürlich hoffen wir, dass man daraus gelernt hat – nicht nur bei der Sunday Times und bei den anderen großen Medien. Dieses Ergebnis zeigt unbestreitbar, dass, wenn sich genügend Menschen einschalten, ein Beispiel wie das von HonestReporting ein positives Ergebnis zeitigen kann.

———-
Nachtrag Medien Backspin:

Für mich (bd) wirkt die Entschuldigung der Sunday Times dennoch halbherzig.

Warum die euphemistische Umschreibung „Fehler“ statt „Unverschämtheit“ oder „Niedertracht“, was eigentlich angebracht gewesen wäre?

*Der Terminus “unbeabsichtigt“ kann meines Erachtens nicht zufriedenstellen, weil er seinerseits schon wieder den Anschein erweckt, es hätte sich um ein Versehen des Karikaturisten gehandelt. Die Zeitung stellt sich hier eigentlich in subtiler Weise hinter den Karikaturisten. Warum kündigte sie ihm (konsequenterweise) nicht die Zusammenarbeit auf, wenn sie nun so „ethisch“ argumentiert?

**Hier wird der Eindruck vermittelt, als sei ein früherer Erscheinungstag der Karikatur nicht so schlimm gewesen. Dem ist aber nicht so!

***Und schon wieder fällt die Bemerkung „unbeabsichtigt“. Und das sicher nicht zufällig. Für mich stellt sich dabei die Frage, ob aus dieser Formulierung nicht die Wertung abgeleitet werden müsste, dass man den Vorfall immer noch herunterspielt, so, als hätten die Sunday Times und der Karikaturist keine ideologischen Schnittmengen. Die Sunday Times hätte niemals eine antisemitische Karikatur geduldet, wenn sie damit nicht selbst ein wenig sympathisiert hätte!

Die tägliche Dosis moralischer Äquivalenz

22. Oktober 2009

HonestReporting Media Backspin, 19. Oktober 2009

Der Schweizer Karikaturist Patrick Chappatte gibt seinen Senf zum Goldstone-Report dazu. Das hier fand sich in der heutigen Druckausgabe der International Herald Tribune.

Die moralische Gelichsetzung bei Chappatte und Goldstone bricht in sich zusammen, wenn man begreift, dass nach rund 8.000 Raketen Sderot der am heftigsten bombardierte Ort der Welt ist.

(Israelischer Soldat: „Du nennst mich einen Kriegsverbrecher? Mich?!“
Hamas-Terrorist: „Keine Sorge, du wirst dich schon noch dran gewöhnen.“)

Israels Image in den Medien

21. August 2009

HonestReporting Media BackSpin, 21. August 2009

Dry Bones hat in gewohnt ironischer Manier darüber nachgedacht:

Sich treu bleiben

21. November 2008

HonestReporting Media BackSpin, 21. November 2008

Diese Karikatur in einer Zeitung der Vereinigten Arabischen Emirate zeigt ein klassisches antisemitisches Klischee. Selbst die entsetzliche Antwort des Iran auf der interreligiösen Konferenz der UNO begab sich nicht auf dieses Niveau.

(Hat tip: Memri)

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„Ich habe nicht die Absicht, einen Vergleich mit dem Holocaust anzustellen“

18. November 2008

HonestReporting Media BackSpin, 18. November 2008

Die Freitagsausgabe von Emory Wheel (pdf) brachte diese Karikatur des Studenten Dylan Woodliff.

Geradezu unglaublich auch Woodliffs Erläuterung.

„Ich habe nicht die Absicht, einen Vergleich mit dem Holocaust anzuzetteln“

Aber selbstverständlich geht es genau darum bei seiner Zeichnung. Emory Wheel gab Deborah Lipstadt die Gelegenheit, dazu einen Gastkommentar zu schreiben:

Es gibt ein ernsthaftes Problem in Nahost, aber Woodliffs unbedachter Vergleich von Juden mit den Nazis zeugt nicht nur von schlechtem Informationsstand; er demonstriert auch ein bestimmtes Vorurteil – Antisemitismus -, das niemals dazu beitragen wird, die Probleme zu lösen. Was immer man auch von Israels Politik halten mag – sie mit der Nazipolitik in Verbindung zu bringen, die die Ermordung aller europäischen Juden zum Ziel hatte, bedeutet, dass man sich an Antisemitismus und Holocaustleugnung beteiligt.

Dann war ich wie vom Blitz getroffen von der Erläuterung, die Woodliff unter die Karikatur setzte („Erfahrung ist der beste Lehrer“). Keine redaktionelle Karikatur sollte eine Erklärung oder Beifügung nötig haben. Ein guter Karikaturist lässt seine Arbeit für sich sprechen.

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