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Glorifizierung Arafats

16. November 2014

Simon Plosker, HonestReporting, 16. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

arafat

Michael Jansen untersucht in der Irish Times, ob ein Jahrzehnt nach dem Tod Jassir Arafats eine dritte Intifada begonnen habe. Er schreibt:

Der Tod Arafats, des „Mr. Palestine“, im Alter von 75 Jahren am 11. November 2004 bedeutete das Ende der Ära des palästinensischen Widerstands gegen die israelische Besatzung durch politische und bewaffnete Mittel.

Endete der palästinensische Terror mit dem Tode Arafats, wie dieser Text anzudeuten scheint? Ein kurzer Blick auf die Statistiken und Todesopfer bis zum heutigen Tag erzählt eine andere Geschichte.

Statt dessen beschönigt der Rest des Artikels praktisch Arafats Terrorismus und vergöttert ihn als erfolgreichen Führer und Staatsmann, obwohl gesagt wird, dass „sowohl der bewaffnete Kampf als auch Verhandlungen gescheitert sind“.

Und warum sind sie gescheitert?

[Arafats] Glaube, die Osloer Verträge bedeuteten das Ende der israelischen Besatzung, wurde durch den fortgesetzten Siedlungsbau unterlaufen.
Oslos Versagen, die Unabhängigkeit zu erwirken, führte zur zweiten Intifada, zu Israels Wiederbesetzung palästinensisch verwalteter Dörfer und Städte in der Westbank im Jahr 2002 und zur Inhaftierung Arafats in seinem bombenverwüsteten Hauptquartier in Ramallah bis zu seinem Tod.

Oslos Versagen wird also als Resultat „fortgesetzten Siedlungsbaus“ beschrieben und nicht als Resultat der Terrorwelle, die Arafat auf israelische Zivilisten losließ. Wie immer wird allein Israel für das Versagen der Friedensbemühungen verantwortlich gemacht.

Letztlich ist Jassir Arafat ein palästinensischer Held in den Augen von Michael Jansen, die er aber fest schließt, wenn es um Arafats Terrorismus und seine enormen Fehler als Anführer geht.

Image: CC BY-SA HonestReporting.com, Wikimedia Commons/Public Domain

Reuters verharmlost Arafat

5. Juli 2012

HonestReporting Media BackSpin, 5. Juli 2012

Eine Exhumierung von Jassir Arafats Leichnam und die Ausgrabung von Fotos des Terror-Paten haben eine Menge gemeinsam: beim Blick auf die Resultate ist man angewidert.

Wer aber eine desinfizierte Foto-Zusammenstellung des „Lebens und Vermächtnisses von Yasser Arafat“ haben will, ist bei Reuters an der richtigen Adresse.

Bilder mit ikonenhaftem Charakter zeigen den PLO-Platzhirsch mit Mutter Theresa, Nelson Mandela, Papst Johannes Paul II., im Weißen Haus und wie er seine Finger zum Victory-Zeichen spreizt.

Natürlich gibt es auch andere Facetten zu Arafats Vermächtnis, die von den Reuters-Redakteuren ausgelassen wurden: Fotos von Arafat mit Saddam Hussein, Ayatollah Khomeini und Hamas-Gründer Sheikh Yassin würden ein abgerundetes und ausgewogenes Bild zeigen.

Nur passt das nicht in die sauberen Erinnerungen von Reuters.

(Arafat-Foto via Wikimedia Commons/Hans Jørn Storgaard Andersen)

Naksa-Tag, Teil 2: Mit Geld angeworben – keine Protestkundgebung der Bevölkerung

6. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juni 2011

Baschar al-Assad war nicht der Einzige, der sich kürzlich Demonstranten kaufte.

Ein Libanese, der am Naqba-Tag vergangenen Monat die Grenze stürmte, berichtete dem Guardian:

Ein an diesem Tag verwundeter Demonstrant berichtete dem Guardian, dass die libanesische Hisbollah-Miliz ihm 50 Dollar für sein Auftauchen am Grenzzaun und 900 Dollar für die medizinische Behandlung von Schusswunden gegeben hatte. Er sagte, dass er [eigentlich] geplant hatte, nach Maroun al-Ras zurückzukehren, bis die Demo abgesagt werden würde.

Der von Hisbollah und Assad gesponserte palästinensische Frühling ist also weder palästinensisch noch frühlingshaft.

Vor ein paar Jahren wies David Brooks darauf hin, dass die palästinensische Sache von außen angestoßen worden war – seinerzeit dem Iran und der Hisbollah. Fügt man Assad der Liste hinzu – mit 38 in Idlib getöteten Syrern – ist die Naksa ein fantastisches Ablenkungsmanöver, wie Dominic Waghorn schreibt:

Palästinenser als Bauernopfer einzusetzen ist Teil schwindender Trümpfe, die von Bashar al Assad gezogen werden.

Wo bist du geblieben, Jassir Arafat?


Dazu passend:  Naksa-Tag: Mit Geld angeworben – keine Protestkundgebung der Bevölkerung