Posted tagged ‘Jackson Diehl’

Scotsmans Tiefkühltruhe

21. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 21. November 2011

Beim Scotsman analysiert Korrespondent Ben Lynfield die Einheitsverhandlungen. Dieser Ex-und-Hopp-Satz war ziemlich windig:

Die rechtsgerichtete Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte auf die palästinensische Vorbedingung, indem sie den Siedlungsstopp mit der größten jüdischen Siedlungsaktivität seit Jahren in Ostjerusalem einfror – auf einem Areal, das die Palästinenser als Hauptstadt für ihren zukünftigen Staat einfordern.

Lynfields Verweis darauf ist [nichts anderes als (bd)] eine Erkundungsreise in Sozialwohnbausiedlungen, geplant in Gush Etziyon und Maale Adumim, bei denen man sowieso davon ausgeht, dass sie bei einem abschließenden Friedensabkommen Israel zugeschlagen werden würden.

Darüber hinaus war die Entscheidung, diese bereits existierenden Pläne zu forcieren, nicht als Antwort auf einen palästinensischen Antrag zum Siedlungsstopp gedacht.

Vielmehr folgten sie dem einseitigen Staatsaufruf durch die PLO – besonders zur Anerkennung in der UNESCO. Israel zog einen 10-monatigen Siedlungsstopp durch, und dennoch weigerte sich Abbas, zu verhandeln; und er prahlte im Gespräch mit Jackson Diehl, dass seine Verweigerungshaltung taktischer Natur war.

Wie der ehemalige US-Sondergesandte George Mitchell kürzlich sagte:

„Wir haben das ausgehandelt, und die israelischen Politiker stimmten zu, neue Wohneinheiten in der Westbank für 10 Monate zu stoppen. Es war viel weniger als das, was wir gefordert hatten, aber auch viel mehr, als jeder andere getan hätte. Die Palästinenser lehnten es als inakzeptabel ab. Sie waren strikt dagegen.

Neun Monate gab für ein paar Wochen Verhandlungen mit den Palästinensern, die von Letzteren abgebrochen wurden mit dem Argument, Israel würde seinen Siedlungsstopp nicht einhalten. Was wäre ein paar Monate zuvor noch sinnloser gewesen, als nicht in der Lage zu sein, unentbehrliche Verhandlungen fortzuführen.“

Stell’ dir das mal vor!

Des einen Terrorist – des anderen Loser

3. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 3. Mai 2011

• Des einen Terrorist ist des anderen Loser. Ein NY Times-Vermerk instruiert die Nachrichtenredaktion, auf Bin Laden nicht als Mr. zu verweisen.

Auf  Jills und Bills Wunsch ließen wir die förmliche Anrede für Bin Laden fallen.

Mit der Entfernung des „Mr.“ vor seinem Namen wurde beschlossen, dass wir stattdessen das „B“ bei Bin Laden groß schreiben.

Irgendwie doch die angemessene Antwort auf eine zehn Jahre alte Reuters-Hausmitteilung, die verklickert, warum der Nachrichtenservice explizit nicht das Wort „Terror“ verwenden wollte, um 9/11 zu beschreiben:

Wir alle wissen, dass des einen Terrorist des anderen Freiheitskämpfer ist und Reuters den Grundsatz aufrechterhält, dass wir das Wort Terrorist nicht gebrauchen.

Selbst Independent und Guardian räumten mit dem Reuters-„Grundsatz“ auf und benannten den Terror wenigstens heute als das, was er ist.

• Alan Dershowitz weist darauf hin, dass der Schlag gegen Osama Bin Laden gezielte Tötungen durch die IDF rechtfertigt:

Doch keine dieser Nationen, Gruppen oder Einzelpersonen hat die gezielte* Tötung Osama Bin Ladens durch die USA kritisiert. Der Grund ist offensichtlich. Alle Verurteilungen gegen gezielte Tötung wurden gegen ein einziges Land gerichtet. Raten Sie mal: natürlich Israel….

Nun aber, als sie gegen einen Feind Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und anderer europäischer Länder eingesetzt wurde, wurde ein anderer Ton angeschlagen. Auf einmal ist gezielte Tötung nicht nur rechtmäßig und moralisch geboten, sondern auch begrüßenswert (mit Ausnahme natürlich für die Hamas, die sofort die USA der Ermordung Bin Ladens beschuldigte).

• Während die Hamas, Araber in Jerusalem und die Muslimbruderschaft Bin Ladens Tod betrauern, stellt Jackson Diehl die Frage:

Sollten diejenigen, die um Bin Laden trauern, als würdige Partner für einen Frieden mit Israel oder als potentielle Führer eines neuen arabischen Staates respektiert werden?

Hinzuzufügen wäre das Ergebnis einer kürzlich durchgeführten Umfrage, die offenbarte, dass bei den Palästinensern der höchste Grad an Zustimmung für Osama Bin Laden gezeigt wurde.

• Die Columbia Journalism Review (CJR) untersucht, wie Nachrichten-Websites die Berichterstattung unmittelbar nach Bin Ladens Tod handhabten. Ein Beispiel dafür, wie man die Leser an eine Big Story bindet, wenn es wenig Informationen darüber gibt.

Wenn Sie ein Gefühl dafür bekommen wollen, wie schnell die Nachrichten zirkulieren: alle CJR-Screenshot stammen aus einem 10-Minuten-Zeitfenster:

Das war, nachdem die Meldungen über Bin Ladens Tod bestätigt wurden, aber bevor irgendwelche Details über die Razzia nach außen drangen, und bevor Präsident Obama sich an die Nation richtete.

Viel steht auf dem Spiel, wenn es darum geht, Leser anzuziehen (und bei der Stange zu halten); trotz Mangels an Detailwissen. Nachrichten zu Bin Laden generierten einen größeren Web-Traffic als die royale Trauung.

Die Abendausgabe der NY Times erzielte 86 Prozent mehr Aufrufe als sonst im Durchschnitt, und CNN registrierte einen 217-prozentigen Zuwachs für den gleichen Zeitraum (die überlastete CNN Mobile-Website stürzte ab).

Politico: Die Kommandos, die Bin Laden töteten,  schnappten sich auch sein elektronisches Equipment. Geheimdienstmitarbeiter freuen sich auf die Daten, die auf der Festplatte des Terrorpaten ausgelesen werden.

Omri Ceren könnte wissen, was sie finden werden.**

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*Hier könnte man vielleicht den kleinen Einwand vorbringen, dass die Navy Seals ursprünglich vorhatten, Bin Laden gefangen zu nehmen. Dann kam es zum etwa 45-minütigen Feuergefecht. Unsere Informationen reichen hier [vorläufig] für eine endgültige Bestandsaufnahme nicht aus [bd].

**Unsere Prognosen haben sich seit vielen Jahren akribischer Arbeit von HonestReporting meistens bestätigt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es auch diesmal so sein [bd].

Hinweis für EU-Gesandte: Palästinenser in Ostjerusalem wollen israelische Staatsbürgerschaft

12. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 12. Januar 2011

Eine Umfrage unter in Ostjerusalem wohnenden Palästinensern ergibt, dass eine große Anzahl gerne die israelische Staatsbürgerschaft hätte.

Lesen Sie mehr Details bei Pechter Mideast Polls sowie bei Jackson Diehl, der die Zahlen kommentiert. Etwa 270.000 Palästinenser leben in Ostjerusalem. Hier ein kurzer Überblick:

• „30 Prozent sagten, dass sie lieber Bürger eines Palästina in einer Zweistaatenlösung seien….“

• „35 Prozent gaben an, dass sie die israelische Staatsbürgerschaft wählen würden….“

• „40 Prozent sagten, dass sie erwägen würden, in ein anderes Viertel umzuziehen, um Bürger Israels statt Palästinas zu sein….“

• „….54 Prozent erklärten, dass sie nicht nach Palästina ausreisen würden, falls ihr Stadtteil Israel zuerkannt werden würde“.

Diehls Stellungnahme:

Die Gründe für diese Haltung sind sehr verständlich, wenn nicht sogar natürlich. Araber sagen, dass sie Israels Arbeitsangebote, seine Schulen, sein Gesundheitssystem und seine Sozialleistungen denen eines palästinensischen Staates vorziehen – und ihr Nationalismus ist nicht genug stark, diese Vorteile beiseite zu schieben, nur um in einem arabischen Land zu leben. Die Bewohner Ostjerusalems mögen Israel nicht besonders, wenn sie sagen, dass sie unter Benachteiligung litten. Aber es sieht so aus, als ob sie gerne annähmen, was Israel anzubieten hat.

Man sollte das mal den EU-Diplomaten mitteilen, die sich immer mehr in Ostjerusalem einmischen wollen.

UPDATE: Kurz nach Fertigstellung dieses Postings entdeckte ich einen zum Thema passenden Beitrag bei AP: Etliche Palästinenser in Jerusalem nehmen die israelische Staatsbürgerschaft an, um soziale Absicherung und Aufenthaltsrecht zu behalten:

Die Zahl derer, die die israelische Staatsbürgerschaft beantragt haben, ist noch gering – ein paar Hundert pro Jahr. Aber in den letzten Jahren kann man eine stetige Zunahme verzeichnen.

Innerhalb der letzten fünf Jahre beantragten etwa 3.000 Palästinenser die israelische Staatsbürgerschaft, und gut 2.300 erhielten sie, so das israelische Innenministerium. Die Zahl der Palästinenser, denen Israel die Staatsbürgerschaft zuerkannte, stieg jedes Jahr in diesem Zeitraum – von 147 im Jahr 2006 auf 690 im Jahr 2010.

Sabine Hadad, die Sprecherin der israelischen Einwanderungsbehörde, sagte, dass derzeit etwa 13.000 arabische Einwohner Ostjerusalems die israelische Staatsbürgerschaft besitzen, was ungefähr 5 Prozent entspricht.

Auch wenn die Zahlen, verglichen mit insgesamt 260.000 Palästinensern in Ostjerusalem, mager sind, zeigen sie doch eine unterschwellige Sorge um ihre Zukunft an.

Der andere Dubai-Mord

4. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. März 2010

Jackson Diehl wundert sich über den ausbleibenden Lärm, als letztmals eine nicht ganz unbekannte Person durch ausländische Auftragskiller in Dubai ermordet worden war.

Dieser „Jemand“ war Sulim Yamadayev, ein tschetschenischer Rebellenkommandant. Diehl schreibt:

Polizeichef Tamim kann man diesmal zugute halten, dass er Russland die gleiche Aufmerksamkeit widmete wie jetzt Israel. Auf einer Pressekonferenz im April 2009 bezeichnete er Adam Delimkhanov, Mitarbeiter des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrov und Mitglied des russischen Parlaments, als Drahtzieher des Verbrechens, und er sagte damals, dass er Interpol wegen eines Haftbefehls kontaktieren wolle. Es sei, so sagte er, „Russlands Verantwortung [vor der Welt], diese Mörder aus Tschetschenien in Schach zu halten.“

Der Unterschied besteht logischerweise darin, dass das Interesse an einer Geschichte über einen von Russland gesponserten Auftragsmord in Dubai nicht mit dem einer Story über israelische Beteiligung vergleichbar ist. Zum Fall Yamadayev wurden verhältnismäßig wenig Artikel geschrieben; es gab keine ärgerlichen Leitartikel in der Financial Times (Kostenlose Registrierung erforderlich [bd]). Wohl überflüssig zu erwähnen, dass Delimkhanov und die anderen in Dubai identifizierten Verdächtigen nicht inhaftiert oder ausgeliefert worden sind, oder wie Shmuel Rosner in einem Beitrag für Slate resümierte: „Die Konsequenzen für die Meuchelmörder? Überhaupt keine. Für die tschetschenische Regierung? Nichts. Für den stellvertretenden Premierminister? Nichts. Für die Beziehungen zwischen Dubai und Russland? Fehlanzeige.“

Letztendlich könnte sich herausstellen, dass auch Israel wegen Tamims Angriff kaum Schaden davontragen wird. Es wird zweifellos interessant sein zu beobachten, ob Dubai, ein Möchtegern-Wirtschaftsstandort, der in seinem Schuldensumpf versinkt, damit beginnt, Reisende an seinem Airport herauszufischen, die er für Israelis hält. Fürs Erste scheint in der Tat klar zu sein, dass – aus welchem Grund auch immer – Geschichten über die Hinterhältigkeit des Mossad den Rest der Welt mehr interessieren werden als Stories über den russischen Geheimdienst FSB oder den Libyens.

Als Yamadayev im März 2009 niedergeschossen wurde schwamm der Golfstaat im Geld. Furore machende Pressekonferenzen, die die Aufmerksamkeit auf den Mord lenkten, waren nicht im Interesse Dubais.

Nun aber haben Polizeichef Dahi Khalfan Al-Tamim und die Kräfte hinter ihm ein Interesse daran, dass sich die Medien weiterhin auf den Mossad und eine ständig wachsende Liste Verdächtiger fixieren. Ein groß angelegtes Manöver, das von der Schuldenkrise in Dubai ablenken soll.

“In der West Bank geht’s uns gut“

1. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 1. Juni 2009

Washington Post-Kolumnist Jackson Diehl interviewte Mahmoud Abbas: 

Stattdessen will er passiv bleiben, sagt er. „Ich warte ab, ob die Hamas internationale Vereinbarungen akzeptiert und ich warte ab, ob Israel seine Siedlungstätigkeiten einstellt“, so Abbas. Sonst geht es uns gut…. die Menschen führen ein normales Leben.“ 

Klingt so ein Palästinenser, der auf israelische Zugeständnisse und amerikanische Hilfsmittel  angewiesen ist? 

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