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Neda Soltan und die Gaza-Flotte: Analogien?

14. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 14. Juni 2010

David Burchell vergleicht den Hype der Mainstream-Medien mit ihrem Interesse an der Menschenrechtslage im Iran:

Furchtlose westliche Journalisten, so sagt man uns, gingen an Bord der Gaza-Flotte – wissend, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzten, mit schön zu schreibenden blumigen Geschichten über plündernde israelische Hyänen – Formulierungen, die vermutlich mit ähnlichem Elan und gleicher Akkuratesse von ihrer bequemen Position am Computer aus geschrieben worden sein könnten.

Doch momentan gibt es keinen einzelgängerischen westlichen Journalisten, der es wagt, den Zorn der iranischen Sicherheitskräfte auf sich zu ziehen und einen Bericht aus Teheran zu senden. Und so bleibt der Job den Iranern selbst überlassen: den eingeschüchterten jungen Studenten, deren schwankende Aufnahmen mit Fotohandys diese flüchtigen Ausschnitte der Geschichte festhalten – wie Wrackteile im You Tube-Ozean schwimmend und 15 oder 20 Sekunden lang.

In der Tat wissen Flotillenjournalisten/Aktivisten wie Paul McGeough – Autor der vorher erwähnten Hyänen-Analogie -, dass die Bekämpfung Israels mit wenig Risiko behaftet ist. Selbst wenn sie, wie im Worst Case, eingesperrt werden sollten, kommt es zu einem ordentlichen Verfahren mit konsularischer Betreuung.

Im Fall Iran oder Hamas sieht da schon düster aus. Das Pressecorps befand sich angesichts der Lage des britischen Journalisten Paul Martin, der von der Hamas einen Monat lang gefangen gehalten worden war, in Schockstarre. Die dahinter stehende Botschaft: Stelle keine gefährlichen Fragen. Gut für McGeough, dass er nicht in Gaza ankam. Er hätte nicht den Mumm gehabt, unangenehme Fragen zu stellen.

Währenddessen lenken die Denunzierungen in Richtung Israel die Welt von der erbärmlichen Menschenrechtslage im Iran ab. David Harris und Trudy Rubin nehmen sich des Themas an.