Posted tagged ‘Hisbollah’

Der Zweite Libanonkrieg und asymmetrische Kriegsführung

7. November 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 27. Oktober 2019

Ein israelischer Polizist rennt nur Momente nach einer Salve Katjuscha-Raketen der Hisbollah an einem brennenden Strommast vorbei, die während des zweiten Libanonkriegs am 13. Juli 2006 Nahariya trafen. (Foto: Roni Schutzer/Getty Images)

Lange vor dem zweiten Libanonkrieg, schon 1968, nutzte die palästinensische Befreiungsorganisation den südlichen Libanon als Startrampe für Raketenangriffe auf israelische Städte. Die Israelischen Verteidigungskräfte waren 1982 in den Libanon vorgestoßen, um die Terror-Infrastruktur zu zerstören, die für diese Angriffe verantwortlich war; dann zog sie sich im Jahr 2000 nach Unterdrückung der Bedrohung ab.

Aber in den darauf folgenden Jahren rüstete die Terrororganisation Hisbollah mit der militärischen und finanziellen Unterstützung durch den Iran auf. Ab dem Jahr 2000 bis zum Sommer 2006 griff die Hisbollah Israel mit Artillerie und grenzüberschreitenden Vorstößen circa 200-mal an, tötete Dutzende Israelis und verletzte mehr als 100.

Hisbollah löst den Zweiten Libanonkrieg aus

Am 12. Juli 2006 schossen Hisbollah-Terroristen in einem nicht provozierten Angriff Raketen aus dem Südlibanon auf israelische Grenzstädte, wodurch fünf israelische Zivilisten verletzt wurden.

Dieser Raketenangriff war eine aber nur Ablenkung für einen anderen Angriff.

Bei einem sorgfältig geplanten Überfall schoss eine Hisbollah-Einheit eine Panzerbekämpfungs-Rakete auf zwei IDF-Fahrzeuge, die an der israelisch-libanesischen Grenze Patrouille fuhren. 3 israelische Soldaten wurden getötet. Die Hisbollah entführte zwei israelische Reservesoldaten – den 31-jährigen Doktoranden am Technion und frisch verheirateten Ehud Goldwasser sowie den 26-jährigen Jurastudenten Eldad Regev. Fünf weitere IDF-Soldaten wurden im Libanon bei einem sofortigen Versuch die entführten Soldaten zu retten getötet.

Eldad Regev und Ehud Goldwasser

Israel begann Hisbollah-Ziele zu bombardieren, ebenso Brücken und Straßen im Libanon; damit sollte verhindert werden, dass die Hisbollah die entführten Soldaten weit von der Grenze weg schafft.

Der zweite Libanonkrieg war in vollem Gange.

Die Hisbollah kündigte an, dass sie Goldwasser und Regev freilassen würde, wenn Israel libanesische „Gefangene“ frei ließe, die in Israel festgehalten wurden. Auf der Liste der Hisbollah stand auch Samir Kuntar, der für einen besonders grausamen Anschlag von 1979 verantwortlich war. Kuntar drang aus dem Libanon nach Israel ein, brach in ein israelisches Wohnhaus ein, entführte den 31-jährigen Danny Haran und seine vierjährige Tochter Einat. An einem nahe gelegenen Strand erschoss Kuntar Danny; dann tötete er Einat, indem er ihren Kopf gegen die Felsen schlug.

Israel betrachtete die Entführung von Regev und Goldwasser durch die Hisbollah als Kriegsakt, verhängte eine Luft- und Seeblockade über den Libanon, begann massive Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele, gefolgt von einer Bodeninvasion.

Raketenangriffe auf Israel

Vom Iran und Syrien bewaffnet bombardierte die Hisbollah israelische Städte mit Raketen. Während des einmonatigen zweiten Libanonkriegs feuerte die Hisbollah mehr als 4.000 Raketen auf israelische Städte – über 100 pro Tag. Etwa ein Viertel landete in zivilen Bereichen von Haifa, Kiryat Schmona, Safed, Tiberias und Nazareth. Eine Million Israelis musste in der Nähe von Luftschutzbunkern bleiben und 250.000 Einwohner waren gezwungen die Städte im Norden in Richtung sicherer Gebiete außerhalb der Raketenreichweite  zu verlassen.

Die Raketenangriffe der Hisbollah verursachten in Israel zahlreiche Waldbrände. Es wird geschätzt, dass es 50 bis 60 Jahre dauern wird die 16.500 Morgen vernichteter Wälder wiederherzustellen.

Einwohner von Nahariya mussten während der Angriffe der Hisbollah mit Katjuscha-Raketen aus dem Libanon 2006 in einem Luftschutzbunker bleiben. (Foto: Mosche Milner, Gefälligkeit des israelischen GPO.)

Die Hisbollah startete diese Raketen aus zivilen Bereichen im südlichen Libanon und lagerte ihre Munition in Wohngebieten. Das gefährdete die libanesische Bevölkerung, weil Israel versuchte die Raketen und ihre Abschussrampen zu zerstören. Israel warf Flugblätter ab, die die Zivilisten informierten, sie sollten Bereiche verlassen, die es bombardieren musste.

Während Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International Israel wegen der Beschießung libanesischer Zivilisten und der Anwendung von unverhältnismäßiger Gewalt verurteilten, fasst Washington Post-Kolumnist Richard Cohen zusammen, warum die Anschuldigungen haltlos waren:

Die schrecklichen Konsequenzen von Verhältnismäßigkeit sind so klar, dass man sich fragt, ob das nicht nur ein Feigenblatt für allgemein antiisraelische Gefühle ist. Jeder, der sich im Nahen Osten ein wenig auskennt, weiß, dass Verhältnismäßigkeit Wahnsinn ist. Für Israel, ein kleines Land in Reichweite, wie wir herausfinden, einer aus dem Hinterhof eines Feindes gefeuerten Rakete, ist Verhältnismäßigkeit nicht nur nicht anwendbar, sondern Selbstmord. Das Letzte, was es brauchen kann, ist ein Abnutzungskrieg. Es reicht nicht, diese oder jene Raketenbatterie auszuschalten. Es muss Abschreckung wieder herstellen: Gibst du mir eine Ohrfeige, werde ich die das Licht ausknipsen.

Israel braucht dringend solche Abschreckung, seit es im Jahr 2000 aus dem Libanon und – vor kurzem – aus dem Gazastreifen abzog. Im Libanon geriet es praktisch in einen proportionalen Kreislauf aus Zuschlagen und Zurückschlagen mit der Hisbollah. Das kostete Israel 901 Tote und die Hisbollah verkündete 1.375, zu nahe an Pari, um eine nachhaltige Unterscheidung zu schaffen. Wie immer die Zahlen aussahen, es ändert die Tatsache nicht, dass israelische Wehrpflichtige oder Reservisten nicht glauben, dass Tod und Märtyrertum dasselbe sind. Auf Juden warten im Himmel keine Jungfrauen.

Eine Artillerieeinheit der IDF feuert 2006 von einer Stellung an der Nordgrenze auf Hisbollah-Ziele. (Foto: Mosche Millner, Gefälligkeit des GPO)

Die israelische Regierung erklärte wiederholt, sie kämpfe nicht gegen den Libanon, sondern nur gegen die Terrorinfrastruktur der Hisbollah. Da sich Waffenlager, Raketenwerfer sowie Kommando- und Kontrollzentren in oder sehr nahe von Häusern, Krankenhäusern, Schulen, Moscheen und allgemeiner Infrastruktur befanden, war der Schaden für den Libanon erheblich und unvermeidlich.

Die israelische Luftwaffe flog während des Monats der Kämpfe 11.897 Kampfeinsätze – mehr als während des Yom Kippur-Kriegs und fast doppelt so viele Einsätze wie im ersten Libanonkrieg. Die IDF verschoss 170.000 Artilleriegranaten, mehr als doppelt so viele wie während des Yom Kippur-Kriegs. 130.000 Häuser im Libanon in dem Bereich, aus dem Raketen gefeuert wurden, wurden beschädigt. 650 Kilometer Straßen, 73 Brücken und 900 Wirtschaftsgebäude wurden zerstört. Dank der Hisbollah-Doktrin sich in Zivilisten einzubetten wurde der zweite Libanonkrieg eine Fallstudie asymmetrischer Kriegsführung. Dr. Shaul Shay erklärte asymmetrische Kriegsführung so:

In asymmetrischen Konflikten sind demokratische Staaten – die typischerweise gewisse moralische Werte hoch halten – gezwungen, nichtstaatliche Akteure zu bekämpfen, die sich nicht an rechtliche oder humanitären Verpflichtungen gebunden verstehen. Trotz der gegenteiligen Propaganda schätzt Israel menschliches Leben wert, während nichtstaatliche Akteure wie die Hamas oder Al-Qaida regelmäßig humanitäre Prinzipien als bewusste Strategie missbrauchen, indem sie sowohl ihre eigene Zivilbevölkerung als auch die des sich verteidigenden Staates größeren Risiken aussetzen. Dass solche Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah aus dicht besiedelten Gebieten heraus agieren, illustriert diese Tatsache.

Israel erhielt breite Unterstützung, von westlichen Ländern bis zu arabischen Staaten. Saudi-Arabien erklärte, die Hisbollah sei allein verantwortlich für den Krieg. Die Vereinigten Arabischen Emirate Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Irak und die Palästinensische Autonomiebehörde stimmten der saudischen Beschreibung des Angriffs der Hisbollah auf Israel als „unerwartet, unangemessen und unverantwortlich“ zu.

Nachbermerkungen zum Krieg

Während des Krieges wurden 121 IDF-Soldaten und 46 israelische Zivilisten getötet, davon 19 israelische Araber. Mehr als 4.000 Israelis wurden verletzt. Israel tötete mindestens 600 Hisbollah-Terroristen und verletzte 1.500. Um die 500 Libanesen starben während der Kämpfe und mehr als 2.500 wurden verletzt. Die Kämpfe endeten am 14. August mit einem von der UNO vermittelten Waffenstillstand. Der UNO-Sicherheitsrat genehmigte die Resolution 1701, die die Entwaffnung der Hisbollah forderte, den Rückzug der IDF aus dem Libanon und dass die libanesischen Streitkräfte und eine vergrößerte UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) im südlichen Libanon stationiert werden sollten.

Leider erklärten sowohl die libanesische Armee als auch UNIFIL, dass sie nichts tun würden um die Hisbollah zu entwaffnen. Wie erwartet bewaffnete die Hisbollah sich wieder und nur zehn Jahre nach dem Krieg hatte sie bereits 100.000 Raketen, die jeden Ort in Israel erreichen können. 2019 entlarvte und neutralisierte die IDF eine Reihe von die Grenze querenden Tunneln der Hisbollah, von denen UNIFIL eingestand, dass sie die Resolution 1701 verletzen.

Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah sagte New TV in einem Interview vom 27. August 2006: „Wenn es auch nur eine einprozentige Chance gegeben hätte, dass die Gefangennahme vom 11. Juli zu dem geführt hätte, was geschah, hätte ich das gemacht? Ich würde sagen nein, absolut nicht.“

Noch trauriger ist, dass Israel nicht in der Lage war, die gefangenen Soldaten zu finden. Da man nicht wusste, ob Goldwasser und Regev noch lebten, stimmte Israel zwei Jahre später einem Gefangenenaustausch zu, der die Freilassung von Samir Kuntar beinhaltete. Die Tür des Fahrzeugs, in dem die beiden israelischen Soldaten sich befanden, öffnete sich und zwei Särge wurden herausgeholt, die die sterblichen Überreste der beiden Soldaten beinhalteten.

Es gab zwar erhebliche Kritik aus dem israelischen politischen und zivilen Establishment bezüglich der Schwierigkeit, die eine mächtige Armee hatte eine kleinere und weniger gut ausgerüstete Terrororganisation wie die Hisbollah zu besiegen, aber israelische Offizielle weisen auf die Tatsache hin, dass die starke Antwort der IDF die israelische Abschreckung wiederherstellte.

Große Momente der plausiblen Möglichkeit etwas abzustreiten nach Art der Hisbollah

3. September 2013

Pesach Benson, HonestReporting.com, 3. September 2013

Die Hisbollah sagt, sie werde aus  Syrien gegen Israel Vergeltung üben, wenn der Westen interveniert. Naharnet griff arabische Medienberichte auf.

Die Quelle sagte, die Hisbollah wolle den Libanon nicht in die „militärische Initiative“ involvieren, die auszuüben sie sich entschied.

Großartige Idee. Dann kann die IDF einen Präventivangriff auf die Hisbollah von Syrien, der Türkei oder vielleicht sogar dem Irak aus führen, damit Israel nicht auch in dieses Schlamassel verwickelt wird.

IDF mit neuer Info-Website zur Hisbollah

18. Juli 2013

HonestReporting Media BackSpin, 18. Juli 2013

Die IDF hat offiziell eine neue Webseite eingerichtet, die über Terror und Ideologie der Hisbollah informiert.

Die neue Website liefert eine Vielzahl von Informationen über die libanesische Terrororganisation, einschließlich ihrer Entstehungsgeschichte, Ideologie, Führung und kriminelle Aktivitäten. Sie berichtet über die Aktivitäten der Hisbollah im Libanon und in Syrien, ihre Anschläge gegen Israel sowie ihren Terroranschläge und Beteiligung an anderen Verbrechen im Ausland.

„Die Hisbollah ist einer der aktivsten Terrororganisationen weltweit und hat erfolgreich ein globales Terror-Netzwerk aufgebaut. Die lange Liste der Verbrechen umfasst Selbstmordanschläge, Flugzeugentführungen, Morde, Waffenschmuggel und Raketenangriffe auf Zivilisten“, so zu lesen auf der neuen Webseite.

Das Datum der Webseitenfreischaltung ist nicht zufällig: in diesem Monat jährt sich die Vereitelung eines Hisbollah-Anschlages auf Zypern; 7 Jahre zuvor führte die Hisbollah einen Anschlag auf israelischem Gebiet durch (an der Nordgrenze), der zum zweiten Libanonkrieg führte; und weiterhin kämpfen Hisbollah-Milizen im syrischen Bürgerkrieg an der Seite des Assad-Regimes.

Besuchen Sie die Info-Webseite der IDF zur Hisbollah hier.

Hat die Hisbollah Giftgas eingesetzt?

20. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 20. Juni 2013

Hinweis: Der von mir (bd) übersetzte Text ist Teil des Israel Daily News Stream vom heutigen Donnerstag (oberer Abschnitt)

Die Hisbollah wird beschuldigt, Giftgas eingesetzt zu haben. Dazu die Freie Syrische Armee gegenüber Al Arabiya:

Die Ortschaft Zamalka bei Damaskus wurde gezielt mit chemischen Waffen angegriffen, wobei mehrere Menschen umkamen und weitere Erstickungsanfälle erlitten, so die Aussage der oppositionellen Aktivisten.

Bisher wurde das von keiner unabhängigen Stelle verifiziert. Hat die Hisbollah nun den Zugang zu chemischen Waffen und ist sie technisch in der Lage, Massenvernichtungswaffen einzusetzen? Und sind die Rebellen mittlerweile so verzweifelt, dass sie Israel mit einer Lüge in den Konflikt hineinziehen wollen?  Oder was sonst? Das könnte heikel werden…

News zu Israel und Nahost am 6. Juni 2013

6. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juni 2013

Alles, was Sie über die heutige Berichterstattung zu Israel und Nahost wissen sollten. Auch bei Facebook.

Die heutigen Top-Themen

1. Syrische Soldaten und Rebellen kämpfen um die Kontrolle beim israelischen Grenzübergang Kuneitra. Heute Morgen übernahmen die Rebellen die Kontrolle, aber die Armee eroberte den Grenzübergang zurück. Dort wurden die UN-Truppen abgezogen. Die Schlacht hielt während dieses Postings noch an. Kuneitra ist der einzige Grenzübergang zwischen Israel und Syrien.

2. Die IDF stellte eine neue Kompanie auf, die israelische Soldaten beim Kampfeinsatz filmen soll. Die Jerusalem Post zitierte IDF-Sprecher und Brigadegeneral Yoav Mordechai anlässlich einer Ansprache an die Soldaten bei einer Zeremonie, in der er das Ziel für die Bedeutung ihrer Arbeit herausstellte:

„Neben den militärischen Erfolgen spielt die Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Man kann den Kampf gewinnen, ihn aber auch [im Kampf um die öffentliche Wahrnehmung] verlieren.“

3. Präsident Obama ernannte Samantha Power zur Botschafterin bei den Vereinten Nationen. The Lede nimmt Bezug auf eine israelische Leiche in ihrem Keller, aber einige schwergewichtige Unterstützer Israels, darunter Senator John McCain, Joe Lieberman und Alan Dershowitz, gaben The Cable gegenüber an, dass sie sich [zum Positiven (bd)] gewandelt habe, und dass Powers Ansichten zu Menschenrechten und Interventionen eine sehr gute Chance bedeuteten, die UN wachzurütteln.

Israel und die Palästinenser

JTA: In der südfranzösischen Stadt Belfort soll ein Platz nach Yasser Arafat benannt werden:

Belforts Bürgermeister Etienne Butzbach bemerkte in einem am Montag in der Online-Ausgabe der Lokalzeitung L’alsace veröffentlichten Artikel, dass die Hommage an Arafat „im Zusammenhang mit dessen Unterzeichnung der Osloer Abkommen erfolgt.“

Butzbach, ein Sozialist, reagierte damit auf Proteste jüdischer Vertreter der Stadt, die anmerkten, dass die Ehrung Arafats einer Zustimmung für Terror gleichzusetzen wäre. Belfort hat bereits einen seiner öffentlichen Plätzen nach dem ermordeten israelischen Premierminister Yitzhak Rabin benannt.

• Lesenswert: Happy Israel: Warum die Zeit für den jüdischen Staat arbeitet.

• Kolumnistin Trudy Rubin im Philadelphia Inquirer mit Überlegungen zum Friedensprozess.

Arabischer Winter

• US-Geheimdienste gehen davon aus, dass nun drei russische Kriegschiffe im Mittelmeer mit Waffen für Syrien unterwegs sind, darunter wahrscheinlich S-300-Raketen. CNN mit Details.

Will sich die Hisbollah auf den syrischen Golanhöhen breitmachen?

Saudi Gazette mit einem demaskierenden Leitartikel zur Rolle der Hisbollah.

Die Hisbollah wird nicht mehr überzeugend als Verfechter der arabischen Sache darstellen können. Sie wird nicht mehr vorgeben können, dass ihre Leute für den Rest der arabischen Welt sterben.

Irland führt eine Gruppe von EU-Ländern an, die sich gegen eine Listung der Hisbollah als terroristische Vereinigung stellen.

• Weitere Kommentare und Analysen siehe NY Times, McClatchy News, Tablet und Daily Star.

WikiLeaks: Umgang mit Medien, Hisbollah Style

5. September 2011

HonestReporting Media BackSpin, 5. September 2011

Wir wussten um den groben Umgang der Hisbollah mit westlichen Medien. Selbst Nic Robertson gab zu, während des Libanon-Krieges 2006 Werkzeug der Hisbollah gewesen zu sein.

WikiLeaks zeichnet nun ein noch düsteres Bild im Fall Taher Abbas, eines Journalisten, der das Pech hat, ausgerechnet im Beiruter Stadtteil Dahiya zu leben, wo die Hisbollah ihren Stützpunkt hat.

Einer vertraulichen Depesche zufolge, die im Jahr 2009 von Michele Sison, US-Botschafterin im Libanon, an das State Department gesendet worden war, drangsalierten Hisbollah-Leute wiederholt einen libanesischen Reporter, der wegen seiner Verachtung gegenüber der schiitischen Organisation bekannt war.

Sison berichtete, dass, nachdem Taher Abbas (er berichtet für die in London ansässige Zeitung Asharq Al-Awsat), aus den USA anlässlich der Berichterstattung über die letzte Präsidentschaftswahl zurückgekommen war, Besuch von drei Hisbollah-Funktionären bekommen hatte, die ihn zu seiner Arbeit und seiner Familie verhört hatten. Sie fragten ihn, welche Autos er und seine Frau führen, wo die Kinder zur Schule gingen und ob er über einen Internetanschluss verfüge. Sie befragten ihn sogar über die politischen Anschauungen seiner achtjährigen Tochter.

[…]

Die unheimliche Begegnung mit den Hisbollah-Agenten war mit dem Verhör nicht abgeschlossen: Abbas berichtete, dass man ihn bespitzelte und seine Telefone anzapfte. Abbas Freunde sagten ihm zudem, dass die schiitische Organisation Spione in Wohnhäusern seiner Nachbarschaft installiert hatte, die jede Auffälligkeit weitergaben.

Auch wenn es im Fall Abbas nicht so gewesen sein mag, wie oft praktiziert: Journalisten finden sich oft mit den Einschüchterungsversuchen seitens der Hisbollah ab, um ja nicht ihre [persönlichen (bd)] Kontakte zu verlieren. Ein klassisches Beispiel dafür ist CNN im Irak, wie selbst dessen ehemaliger Direktor Eason Jordan einräumte. Allerdings – so sagt Michael Totten – sei der Verlust des direkten Kontakts mit der Hisbollah „keine große Sache.“

So funktioniert eben der Umgang der Hisbollah mit westlichen Journalisten. Ich möchte sagen, dass ich überrascht bin, wenn nicht noch mehr Journalisten so etwas in ihren Artikeln ansprechen. Aber die meisten Journalisten schreiben keine Berichte, die aus erster Hand stammen. Brachenübliche Regeln ermöglichen es ihnen [deshalb (bd)] in der Regel nicht, über solche Vorfälle zu schreiben.

Auch wenn es schon Jahre her ist, dass die Hisbollah westliche Journalisten entführt oder körperlich misshandelt hat, dürften einige Angst haben, eine iranische Proxy-Miliz zu provozieren, die von der Regierung der Vereinigten Staaten als terroristische Organisation eingestuft wird. Die Hisbollah teilte mir mit, dass ich auf einer offiziell geführten schwarzen Liste stehe (d.h. sie werden mir keinerlei Interviews oder Referenzen mehr geben), weil ich über sie in der Vergangenheit geschrieben habe.

Einige Journalisten wollen die Brücken zu ihren eigenen Kontakten nicht abbrechen, damit die eigene Arbeit nicht erschwert wird. Darüber mache ich mir selbst keine Gedanken. Letztes Jahr habe ich ein Interview mit Mohammad Afif geführt, einem hochrangigen Hisbollah-Funktionär. Aber es war nutzlos und überhaupt nicht wert, veröffentlicht zu werden. Mein Übersetzer sagte mir, dass das, was Afif sagte, Wort für Wort exakt abgestimmt war mit dem, was die Hisbollah jeden Tag über ihre eigenen TV-Kanal Al Manar verbreitet. Der Abbruch von Kontakten zu diesen Leuten spielt [also] keine große Rolle.

Kleiner Trost für Taher Abbas. Er lebt in Dahiya.

Ich lade palästinensische Journalisten ein, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hamas oder Fatah leben, in der [unserer] Kommentarsektion ihr Mitleid zu bekunden.

Vier Hisbollah-Leute wegen Hariri-Ermordung angeklagt

1. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 1. Juli 2011

Wie das UN-Sondertribunal für den Libanon in seiner Anklageschrift mitteilt, werden vier Hisbollah-Leute wegen des Mordes an Rafik Hariri beschuldigt. Gulf News schreibt dazu:

Auch wenn die Namen der Beschuldigten weder von [Generalstaatsanwalt; bd] Saeed Mirza oder anderen libanesischen Offiziellen herausgegeben wurden, zitierten Medien ‚zuverlässige’ Quellen, dass die vier Genannten zum Sicherheits- und Militärapparat der Hisbollah gehören. Die Quellen nannten Mustafa Badr Al Deen, Salim Al Ayyash, Hassan Aineysseh und Assad Sabra. Die vier Namen können von anderen Quellen nicht bestätigt werden. Ihr Aufenthaltsort sei unbekannt, so Insider….

Experten zufolge hat der Libanon 30 Tage Zeit, die Haftbefehle zu vollstrecken. Wenn die Verdächtigen innerhalb dieser Frist nicht festgenommen werden sollten, wird das Sondertribunal die Anklage öffentlich machen und die Beschuldigten auffordern, vor Gericht zu erscheinen.

Die Daily Star widmet sich einer genaueren Betrachtung der Vier. Die interessantesten Leckerbissen: Badr Al Deen ist Hauptverdächtiger und hat sich um die Ausbildung von Imad Mughniyeh* „verdient“ gemacht. Und Ayyash besitzt einen US-amerikanischen Pass.

Ich denke, dass, falls die Hisbollah geplant hätte, mit Anschlägen auf Israel vom Sondertribunal abzulenken, die Aufstände in Syrien diesen Schachzug zum Scheitern verurteilt haben.

————
*Mughniyeh wird auch mit 9/11 in Verbindung gebracht [bd].