Posted tagged ‘Henry Siegman’

Al Jazeera America startet mit Judenhasser

23. August 2013

HonestReporting Media BackSpin, 232. August 2013

So viel zum ersten. Nach dem lange erwarteten Start war der Verschwörungstheoretiker Professor Stephen Walt allererster Gast bei Al Jazeera Amerika (AJA).

Er ist weithin bekannt durch seine Co-Autorenschaft bei The Israel Lobby, einem in Misskredit geratenen Buch, das Juden beschuldigt, die amerikanische Außenpolitik zu steuern. (Ohne Osama Bin Ladens Empfehlung wäre das Buch wohl nicht so populär diskutiert worden.) Walts Beobachtungen zum prä-arabischen Frühling gehören zu den drei doofsten Stücken, die intellektuelle Libyen-Besucher geschrieben haben. Und seine Reaktion auf das Itamar Massaker im Jahr 2011 war eiskalt und schockierend.

Walt fasste seine Überlegungen über die Unruhen in Ägypten so zusammen, dass er den AJA-Zusehern verklickerte, die US-Hilfe für Kairo sei nicht wirklich von bedeutendem strategischem Interesse für die USA, sondern solle Israel besänftigen. Hier das Video.

Ich kann’s kaum noch erwarten, wer sonst noch auf der Einlistungsliste der AJA-Experten erscheint. Henry Siegman? Abdel Bari Atwan? Geneive Abdo?

Wie wäre es mit Neve Gordon, dem israelischen Professor, der für Walt zu extrem ist?

Und was wird Al Jazeera Amerika als Draufgabe bringen?

(Hat tip: Washington Free Beacon)

Lebensweg eines gefälschten Zitats

10. August 2009

HonestReporting Media BackSpin, 10. August 2009

Schon faszinierend, wie ein verdrehtes Zitat selbst über Jahre hinweg ein Eigenleben entwickelt. Typischer Fall dafür ist ein „Kommentar“, der fälschlicherweise Moshe Ya’alon, einem heutigen Kabinettsmitglied, zugeschrieben wurde. Schon sehenswert, wie nun ein anderes großes Blatt eben diesen Eintrag berichtigt hat (mehr zu diesem Punkt weiter unten).

Die Geschichte dieses gefälschten Zitats beginnt 2003. Indem er auf israelische Aussagen Bezug nahm, dass es unter den Palästinensern keine Verhandlungspartner gebe, schrieb Henry Siegman im New York Review of Books:

Diese Übereinstimmung hat Premierminister Sharons Regierung in die Lage versetzt, dabei zu bleiben, dass ihre einzige Wahl darin besteht, einen unerbittlichen Krieg gegen die Palästinenser zu führen, der, nach Worten von IDF-Generalleutnant Moshe Ya’alon, „tief in das Bewusstsein der Palästinenser einbrennen wird, dass sie ein besiegtes Volk sind“, bevor irgendein politischer Prozess einsetzen kann.

Die Siegman-Version des Zitats wurde wiederum von Gary Fields (Professor für Kommunikationswissenschaften, nichts weniger) 2004 in der Chicago Tribune übernommen, dazu auch von Kolumnist Haroon Siddiqui von der Toronto Star (Original-Kolumne online vorerst nicht auffindbar). Und wiederum aufgespießt wurde das Zitat im Jahr 2006 von H.D.S. Greenway (Boston Globe); Siegman nahm es 2007 abermals auf, diesmal im London Review of Books.

Aber bis letzten Januar wurde dem „Zitat“ nicht die kritische Aufmerksamkeit zuteil, bis Professor Rashid Khalidi (Columbia University) es in der NY Times verwendete. Zu diesem Zeitpunkt zeigten unsere Kollegen von CAMERA erstmals die rote Flagge. Darüber hinaus verwies CAMERA auf ein Interview aus dem Jahr 2002, in dem Ya’alon in einem Interview mit Ari Shavit von Haaretz (Teil eins und zwei) sich völlig anders äußerte, als von Siegman, Felder, Siddiqui und Greenway dargestellt:

Shavit: „wie schätzen Sie diesen Erfolg ein? Ist Ihnen bewusst, wie Israels Ziel in diesem Krieg aussieht?

Ya’alon: „Ich hatte es vom Beginn der Konfrontation her definiert: die sehr tiefe Verinnerlichung bei den Palästinensern, dass Terror und Gewalt uns nicht besiegen können, kann uns nicht einlullen. Wenn diese tiefe Verinnerlichung zum Ende der Konfrontation nicht [mehr] existiert, haben wir ein strategisches Problem mit einer existentiellen Bedrohung für Israel. Wenn sich diese [Lektion] nicht ins palästinensische und arabische Bewusstsein einbrennt wird werden ihren Forderungen an uns nie aufhören.“

Ya’alon fügte später hinzu:

Die Fakten, die in dieser Konfrontation feststehen – bezüglich dessen, was in das palästinensische Bewusstsein gebrannt wird –  sind schicksalhaft. Wenn wir die Konfrontation auf eine Art beenden, die jedem Palästinenser verdeutlicht, dass Terrorismus nicht zu Vereinbarungen führt, verbessert das unsere strategische Position.

Times sowie Globe & Mail korrigierten ihre Online-Kommentare und die Tribune veröffentlichte diese Korrektur. Heute veröffentlichte die Toronto Star ihr mea culpa und hängte eine Erklärung von Siddiqui an:

„Die (Ya’alon) zugeschriebene Aussage kursierte nicht nur in der Blogosphäre, sondern wurde auch weit darüber hinaus in angesehenen Massenmedien veröffentlicht, “ erklärte Siddiqui.“Es hatte keine Korrektur oder Erklärung gegeben, von der ich gewusst hatte. So hatte ich keinen Grund anzunehmen, dass es kein korrektes Zitat war.“

Besser spät als nie.

Dummerweise werden aller Wahrscheinlichkeit nach viele Webseiten und Blogs, die ihr eigenes Hühnchen mit Israel zu rupfen haben, keinerlei Korrekturen vornehmen. Das erinnert an Electronic Intifada.

Und Siegman hat immer noch zu erklären, wie ein Zitat über Terror, der Israel nicht besiegen kann, sich in eines verwandelt, dass die Palästinenser total besiegt werden müssen. Bei London Review of Books und New York Review of Books waren jedenfalls keine Änderungen festzustellen.

Missbrauch von Zitaten kann die Karriere eines Journalisten ruinieren. 2002 wurde Holger Jensen, Auslandsredakteur der Rocky Mountain News, gefeuert, nachdem er eine Kolumne geschrieben hatte, in der er Aussagen einbaute, die zu Unrecht Ariel Sharon zugeschrieben wurden.

Dieses gefummelte Zitat ist nur eine weitere Leiche in Siegmans Keller.

Müssen Blogger zukünftig ihre Finanzen offenlegen?*

25. November 2008

HonestReporting Media BackSpin, 25. November 2008

…wenn politischer Online-Aktivismus eine Form der Lobbyarbeit ist? Wenn ja, könnten Washingtons Regulierungsbehörden manche Blogger dazu zwingen, ihre Finanzen offenzulegen. AP schreibt:

Im Zusammenstoß zwischen Medien des 21. Jahrhunderts und den politischen Reformen der 1979er-Jahre verweist die Anfrage auf einen Showdown für Blogs – jene selbst erstellten Journals, die sich zwischen Nachricht, Kommentar und politischer Kampagne sowie Fundraising bewegen.

Staatsbeamte spielen etwaige Konflikte mit dem Medienrecht herunter, wenn sie herausstellen, dass die Regulierungsbehörden schon vorher das journalistische Bloggen von Bestimmungen für Marketingkampagnen befreit haben.

Aus dem hohlen Bauch heraus einige Gründe für und gegen solche Offenlegungen:

Dagegen: Blogger wie unkontrollierte Kritiker und Journalisten bieten Meinungen zu allen möglichen Themen.

Dafür: Ich wage zu sagen: Kritiker (wie Henry Siegman, der Geld von Saudi-Arabien, Yasser Arafats Freunden etc. erhielt) und Journalisten (wie Lauren Booth, nun auf der Gehaltsliste des Iran steht) verdienen einen prüfenden Blick.

Dagegen: Pure Aktivistengruppen mit steuerfreiem Status berichten ihre Finanzierung bereits den Bundessteuerbehörden der Vereinigten Staaten oder relevanten Regierungsbehörden in anderen Ländern. Und die Mehrheit der seriösen Blogger postet zum Hobby oder aus beruflichen Gründen, die rechtlich irrelevant sind.

Dafür: Manche Blogs sind in Wirklichkeit Ausleger verschiedener Organisationen oder ihnen lose angeschlossen.

Dafür: Was ist falsch daran, wenn man Blogger ebenso genau unter die Lupe wie nimmt wie sie selbst das bei Anderen praktizieren?

Dagegen: Eine Regulierung führt zwangsläufig zu der unerfreulichen Erkenntnis, dass andere Medien wie Bücher und Filme manchmal auch aus dubiosen Quellen finanziert werden.

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*Bezieht sich (vorerst) auf die USA