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Hatz in Wisconsin

2. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 2. März 2010

The Badger Herald, unabhängiges Studentenblatt an der Universität Wisconsin-Madison, sorgte für großen Ärger, weil er auf seiner Webseite die bezahlte Anzeige eines Holocaustleugners veröffentlichte.

Die von Bradley Smith geschaltete Annonce verlinkt zu der niederträchtigen Webseite Committee for Open Debate on the Holocaust (CODOH). Ich möchte CODOH nicht den Gefallen tun und durch Angabe des Links die Zugriffe dort pushen.

Redakteur Jason Smathers verteidigte sein Vorgehen. Universitätsdekan Biddy Martin kritisierte zwar die Holocaustleugnung im Allgemeinen, schwieg sich aber darüber aus, ob man die Anzeige hätte veröffentlichen dürfen.

Eine Schande, dass weder Smathers noch Dekan Biddy aus dem Fall Harvard Crimson gelernt haben. Letztes Jahr entschuldigten sich die Crimson-Herausgeber dafür, ebenfalls für Bradley Smith eine bezahlte Annonce platziert zu haben.

Ein darauf Bezug nehmender Leserbrief im amtlichen Hochschulblatt Daily Cardinal argumentiert überzeugend, warum journalistische Ethik auch für Anzeigenschaltungen gilt. Studentin Rachel Racoosin:

Die Medienstatuten sowohl für The Daily Cardinal als auch The Badger besagen, dass sich die Zeitungen das Recht vorbehalten, jedwede Werbung zurückzuweisen, die als verleumderisch oder beleidigend eingestuft wird. Die CODOH-Annonce hat beleidigenden Inhalt, und trotz der eigenen Richtlinien des Herald bleibt er im Blatt. Beide Studentenzeitungen sind der Campus-Gemeinschaft gegenüber verpflichtet, ihre eigenen Grundregeln zu befolgen, um die journalistische Integrität zu bewahren.

Ich befürworte die Vorteile eines offenen Marktes der Ideen; eine geschaltete Werbung stellt jedoch keine Meinungsäußerung dar. The Badger Herald nahm in Kauf, dass sein Name mit CODOH in Verbindung gebracht wird und damit auch seine Leser – die Campus-Gemeinschaft – mit einer Webseite, auf der für die Holocaustleugnung geworben wird.

Mehr dazu im Madison State Journal (via Romenesko).

Crimson-Redakteure mit schlimmer Anzeigenpanne konfrontiert

10. September 2009

HonestReporting Media BackSpin, 10. September 2009

Gestern veröffentlichte Harvard Crimson* die Anzeige eines Holocaustleugners, der die Leser dazu aufrief, namentlich eine Person mit Nachweis anzugeben, die in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde. The Crimson sagt, dass die Anzeige versehentlich veröffentlicht wurde.

Heute erschien ein Leitartikel mit dem Mea Culpa, das meiner Meinung nach bezeichnend für dieses Statement war:

Der Grund dafür, dass eine Werbeanzeige unangebracht war, die die Holocaustleugnung fördert, besteht nicht nur darin, dass sie viele auf dem Campus beleidigte, sondern mehr darin, dass er unsere Werten eines mannigfaltigen und offenen Charakters unserer Hochschulgemeinschaft widerspricht. Schließlich werden Inhalte, die manche verletzend finden, oft akzeptiert, und der verärgerte Leser ist ein unvermeidlicher Faktor bei Produktion und Konsum von Journalismus. Als Zeitung, die sich den höchsten Standards journalistischer Integrität verschrieben hat, scheut The Crimson selten davor zurück, bei Lesern anzuecken, die Anstoß an seinen Texten nehmen. Aber bei der Anzeige vom Dienstag verhielt es sich vollkommen anders. Sie war mehr als nur „beleidigend“ für einige Leser – sie war unwahr.

Anders als eine simple Beleidigung hat die Holocaustleugnung wesentlich tiefgreifendere Auswirkungen. Sie fördert Hass und könnte das psychologische und seelische Wohl Anderer in der Harvard-Community ernsthaft gefährden.

Glauben Sie, dass die arroganten Redakteure des Aftonbladet wirklich etwas über verantwortlichen Journalismus von The Crimson lernen würden? Neee.

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*Hochschulzeitung der Harvard University in Cambridge, Massachusetts