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“Antisemitismus, demonstriert an meinem Beispiel“

19. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 19. November 2009

Jonathan Boyd sagt, dass die Berichterstattung der Mainstream-Medien über Israel einen direkten Einfluss auf die verschiedenen Antisemitismus-Varianten hat. Das widerspricht der Aussage, die Guardian-Chefredaktuer Alan Rusbridger in Channel 4’s Doku-Programm Dispatcher tätigte.

Boyd schreibt:

Am wichtigsten ist wohl das Fehlen jeglichen Hinweises darauf, warum einige führende jüdische Persönlichkeiten sich verpflichtet fühlen könnten, Israel zu unterstützen. Lässt man einmal die Politik in der Regien beiseite – die Tatsache, dass Israel seit Urahnen angestammte Heimat des jüdischen Volkes ist, oder dass Israel der einzige Nationalstaat in der Welt ist, in dem das Judentum die gesellschaftliche Hauptströmung bildet, jüdische Kultur die Norm und die hebräische Sprache weithin gesprochen und im Kultus verwendet – all das wurde ignoriert.

Aber es ist offensichtlich wesentlich einfacher, alte antisemitische Mythen aufzutischen. Schließlich verdient die Öffentlichkeit zu wissen, was diese fiesen, reichen Juden im Schilde führen. Und was kann falsch daran sein, wenn die Wahrheit aufgedeckt wird? Es sei kaum eine Verbindung zwischen der Darstellung Israels und der Juden in den Medien und Antisemitismus in den Straßen Großbritanniens herzustellen.

So oder ähnlich würde Alan Rusbridger uns  einzulullen versuchen. Im Dokumentarfilm bestätigte er noch einmal, er fände es „schwer vorstellbar“ , dass irgendeine journalistische Berichterstattung über Israel Gewaltausschreitungen gegen Juden in Großbritanniens Straßen befördern könne.

Boyd fährt fort, indem er beschreibt, wie er im Jahr 2002 dank unverantwortlicher Berichterstattung über Jenin angegriffen wurde:

Erlauben Sie mir an meinem Beispiel, wie sich Antisemitismus manifestiert. Im April 2002, auf dem Höhepunkt der palästinensischen Intifada , zirkulierten Medienberichte, wonach die IDF in Jenin (Westbank) ein Massaker angerichtet hätte. Gerüchte waren in Umlauf, dass Hunderte Palästinenser getötet worden seine. Die BBC ging von 150 aus. Saeb Erekat, interviewt von CNN, sprach von 500. Yasser Abed Rabbo gab 900 an. Überwiegend herrschte der Eindruck vor, die IDF hätte entsetzliche Gräueltaten verübt.

Am darauf  folgenden Samstag ging ich in Finchley, einem Vorort in Nordlondon, zur Synagoge und trug meine Kippa. Unterwegs wurde ich von einem jungen Mann ins Gesicht geschlagen. Es handelte sich um einen völlig grundlosen Angriff. Unsere Wege kreuzten sich zufällig, als er mir plötzlich einen starken, rechten Haken versetzte. Völlig verblüfft fragte ich ihn gleich, warum er das getan hatte. „Das passiert mit Juden, wenn sie sich so aufführen“, war seine Antwort.

Mitch Bard kam zu einer ähnlichen Schlussfolgerung, was den zunehmenden Antisemitismus ab 2002 betrifft:

In Europa hat es eine verhältnismäßig hohe Zahl antisemitisch motivierter Aktivitäten gegeben, darunter körperliche Angriffe und Einschüchterungen gegenüber Juden ebenso wie Beschädigungen jüdischer Gemeindeeinrichtungen. Sie erreichten ihren Höchststand von April bis Mai 2002, also während der Operation Defensive Shield.

Rusbridger sollte es eigentlich besser wissen. Letztes Jahr entschuldigte er sich für diesen Gastbeitrag über die Kämpfe in Jenin, wo er behauptet hatte:

Israels Aktionen in Jenin waren mindestens so widerlich wie Osama bin Ladens Anschlag auf New York am 11. September.

The Guardian entfernte diesen abscheulichen Vergleich von seiner Seite – aber nicht, bevor Boyds Angreifer [Der Boxhieb oben] reichlich Zeit hatte, es zu lesen. Vielleicht sollte sich Rusbridger einmal als realistisches Beispiel für die Manifestierung von Antisemitismus zur Verfügung stellen, um die dynamische Wechselwirkung zwischen Mainstream-Medien und Antisemitismus am eigenen Leib zu erfahren.

Völlig daneben!

12. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 12. November 2009

Gibt es wirklich eine moralische Gleichwertigkeit zwischen der Berliner Mauer und dem israelischen Sicherheitszaun? Steve Bell vom Guardian denkt offensichtlich so:

Leider steht er damit nicht alleine da. HonestReporting Canada sprach bereits ein ähnliches Beispiel bei CBC an. Und Jordaniens Königin Rania schreibt in der Huffington Post:

Heute feiern wir den Fall der Berliner Mauer; nächstes Jahr feiern wir das Ende der Apartheid in Südafrika. Diese zwei Ereignisse lehrten uns, dass dann, wenn Barrieren beseitigt werden – ob physische Barrieren, gesetzliche Barrieren oder die Mauern, die die Menschen in ihren Herzen errichtet haben – die Basis gelegt wird für Fortschritt, Frieden und Entwicklung für beide Seiten. Die Menschen in meiner Region sehnen sich genauso sehr nach Gerechtigkeit und Versöhnung.

Wie kann man diese Jubiläen besser würdigen als durch das Niederreißen einer weiteren Mauer?

Doch Eldad Beck erklärt, warum die Vergleiche von Bell, CBC und der Königin völlig daneben sind:

Abgesehen von manchen optischen Ähnlichkeiten gibt es keinen Zusammenhang zwischen Berliner Mauer und Sicherheitszaun.

Die Berliner Mauer trennte Mitglieder derselben Nation voneinander, die in der einen oder anderen Weise nach Wiedervereinigung strebten. Auf der anderen Seite markiert der Sicherheitszaun gewissermaßen eine zukünftige Grenze zwischen zwei Nationen, die nicht in einem Staat zusammenleben wollen, sondern lieber ihr geteiltes Land in zwei verschiedene Staaten aufteilen wollen.

Es überrasch doch sehr, dass ausgerechnet diejenigen, die sich lange Zeit für einen eigenen palästinensischen Staat stark gemacht hatten, nun die Entfernung des Sicherheitszaunes fordern. Schließlich brachte dieser Zaun die Palästinenser näher an eine geographische und politische Teilung, die als Basis für ein eigenes politisches Staatswesen dienen würde.

Vorwürfe bezüglich des „Apartheidszaunes“ verdecken die wahren Motive der Palästinenser und ihrer Unterstützer, die an einer Aufteilung des Landes und Koexistenz neben Israel nicht interessiert sind; vielmehr denken sie an eine Übernahme des gesamten Landes.

Seien wir ehrlich, als Schutz vor Terror funktioniert die Grenzanlage, aber legen Sie sich nicht fest. Ramadan Shalah, Führer des Islamic Jihad, hat verstanden.

Beck verweist noch auf eine andere Barriere, die nur die arabische Welt einreißen kann:

Es gibt eine andere Mauer in Nahost, deren Existenz die Protestler am Sicherheitszaun nicht wahrnehmen wollen, geschweige denn dagegen angehen, obwohl es sich hier um die Mauer handelt, die den Konflikt zwischen Juden und Arabern endlos fortschreibt: Die Mauer des Boykotts und Isolation, aufgerichtet von der muslimischen Welt gegen Israel seit seiner Staatsgründung….

Solange diese Wand existiert, werden beide Seiten nicht in der Lage sein, sich besser kennenzulernen, und es wäre unmöglich, Vorurteilen zu begegnen, die den Konflikt anheizen. Die „Mauer in Nahost“ wurde lange vor dem Sicherheitszaun aufgerichtet und sie ist hauptverantwortlich für die Existenz des Sicherheitszauns.

Ich frage mich, ob Bell, CBC und Königin Rania wissen, dass der 9. November kein deutscher Nationalfeiertag ist: die Times of London hat dankenswerterweise erwähnt, dass dies auch der Gedenktag zur Reichspogromnacht ist.

Guardian: Nur ein Formfehler?

23. August 2009

HonestReporting Media BackSpin, 23. August 2009

Der Guardian reagierte auf HonestReportings letztes Kommuniqué und berichtigte Slavoj Zizeks Kommentar, der einige hässliche Vergleiche zwischen Israel und Nazi-Deutschland enthielt. Eine Fußnote am Seitenende weist nun darauf hin:

Dieser Artikel wurde am 20. August 2009 berichtigt. Die Online-Version verwendete ursprünglich „palästinenserfrei“, während die Druckversion “ Palestinian-free“ verwendete. Diese Korrektur sollte in die Online-Ausgabe übernommen werden, was hiermit geschehen ist.

Eine akzeptierte Änderung, auch wenn sie nur sehr geringfügiger Natur ist. Wie Harry’s Place richtig herausstellt, ist der Absatz, in dem die Formulierung „palästinenserfrei“ auftauchte, schon verleumderisch genug. Hier Zizek im Original:

Palästinenser verwenden häufig das problematische Klischee vom Gazastreifen als „größtem Konzentrationslager der Welt“. Im letzten Jahr jedoch kam diese Einschätzung der Wahrheit gefährlich nahe. Dies ist die grundlegende Wirklichkeit, die alle abstrakten „Gebete für Frieden“ obszön und heuchlerisch erscheinen lässt. Der Staat Israel ist offensichtlich an einem langsamen, unsichtbaren Prozess beteiligt, ignoriert von den Medien; eines Tages wird die Welt aufwachen und feststellen, dass es keine palästinensische West Bank mehr gibt, dass das Land palästinenserfrei ist und wir diesen Fakt anerkennen müssen. Die geografische Karte der palästinensischen West Bank sieht jetzt schon aus wie ein zersplitterter Archipel.

Worauf Harry’s Place Bezug nimmt:

Zizek zufolge befindet sich das „problematische Klischee“ der Palästinenser in Gaza, „dem größten Konzentrationslager in der Welt, gefährlich nahe an der Wahrheit“. Israel, so wird vorausgesetzt, wird zum neuen Nazi-Deutschland, und die Palästinenser werden zu den neuen Juden. Außerdem ist diese moralische und historische Perversion der Holocaustsymbolik nicht mehr als ein „problematisches Klischee“, das nun langsam Wirklichkeit wird….

Es gibt weit mehr als nur ein „problematisches Klischee“ in Zizeks Artikel und seiner Veröffentlichung durch Guardian und Comment is Free. Um einen der ungeheuerlichsten Teile darin hat man sich zu spät gekümmert, aber mit wie vielen weiteren „problematische Klischees“ aus seinem Saustall wird uns der Guardian weiterhin bewerfen?

Geschleiftes Bewusstsein

17. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. Juni 2009

Der Guardian greift den letzten NGO-Bericht über Häuserabriss durch israelische Behörden auf.

Typisch für diese Art Nachrichtenstories ist, dass Rory McCarthy die Tatsache des zügellosen illegalen Häuserbaus in Jerusalem nicht wahrnehmen will, der zum Großteil von der PA finanziert wird, wie Justus Reid Weiner ausführt.

Gleichzeit berichtet die Reform Party of Syria (via Camera Snapshots), dass syrische Behörden während dieser Woche am Stadtrand von Damaskus 71 Häuser schleifen wollten. Im Vergleich zum Vorgehen in Israel hält sich die Empörung darüber sehr in Grenzen – wie auch bei anderen Anlässen in Jiddah, Palm Beach, Montreal und Atlanta.

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Journalismus mit Druck auf die Tränendrüse, Teil 2

13. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 13. Juni 2009

Inigo Gilmore vom Guardian produzierte ein weiteres oberflächliches, zu Tränen rührendes Video ohne jeglichen Kontext. Diesmal konzentriert sich Gilmore auf Palästinenser, die versuchen, medizinische Betreuung in Israel zu bekommen.

Jede Menge offener Fragen:

• Wie kann es sein, dass Menschen, die Israels Vernichtung wollen, gleichzeitig von ihm medizinische Betreuung erwarten?

Dr. Elihu Richters Studie zu Einreisegenehmigungen für medizinische Behandlungen dokumentierte Fälle, in denen die Erlaubnis von Palästinensern dazu missbraucht wurde, Terroranschläge auszuführen oder Verwandte in Israel aufzusuchen. Die Studie erwähnte auch Ablehnungen aus ganz profanen Gründen wie z.B. fehlende geeignete Betten. Warum wurde (im Video) keinem Israeli die Möglichkeit eingeräumt zu erklären, dass bei einem großen Prozentsatz dem Ersuchen um medizinische Behandlung positiv entsprochen wurde, wie Dr. Richter festgestellt hat?

• Tragen die bürokratischen Revierkämpfe zwischen Hamas und Fatah noch immer zum Tod von Kindern bei?

• Und wie sieht es mit einer Behandlung in Ägypten aus?

Wie wir schon in Erwiderung auf das erste Video unterstrichen: die Gazaner sind nicht mutig oder dumm genug, Reportern wie Gilmore irgendetwas anderes zu sagen als das, was die Hamas ihnen vorgibt.

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Journalismus mit Druck auf die Tränendrüse

10. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 10. Juni 2009

Dieses Guardian-Video ist vermutlich das seichteste Stück Journalismus aus Gaza. Es spart nicht zu knapp mit Bildern der Not. Aber wie kann irgendjemand Inigo Gilmores Beitrag als seriösen Journalismus bezeichnen?

Jedem Palästinenser, der in diesem siebenminütigen Beitrag zu Wort kommt, wird eine Plattform für seine Sicht der Dinge und die Beschreibung des Elends gegeben – ohne irgendeinen Kontext zu den Bildern zerstörter Gebäude und den Geschichten der Verzweiflung herzustellen.

Selbst wenn Gilmore harte Fragen stellt, was sollten diese Menschen schon antworten? Die Palästinenser sind nicht mutig oder dumm genug, dem Reporter aus dem Westen zu berichten, dass ihre Häuser als Abschussrampen dienten, die Moscheen als Waffenlager und die Krankenhäuser von den Hamas-Führen requiriert worden waren.

Von westlichen Medien angeheuerte palästinensische Stringer (auch Freelancer; [Freie Mitarbeiter, BackSpin]) wurden immer wieder Opfer von Einschüchterungen durch die Hamas. Letzten Endes müssen sie, wenn Gilmore schon längst wieder abgereist ist, sich wieder in ihrem Alltag zurechtfinden und für ihre Familien sorgen.

Wobei wir uns nun Mustafa Khalili zuwenden, einem der im Video zu Wort kommenden Protagonisten. Anfang des Jahres deckte HonestReporting einige Guardian-Videos und Artikel auf, bei deren Produktion er mitgewirkt hatte. Khalili machte sich einen Namen, weil er Blogger angeschrieben und animiert hatte, möglichst sensationsheischende Beiträge über israelische Kriegsverbrechen zu erstellen oder daran mitzuwirken. Dieses Video ist ein weiteres beredtes Beispiel dafür, warum man bei einigen palästinensischen Stringern auf der Hut sein muss.

Leider bewirkt Einschüchterung nicht nur beim Guardian, dass Sand in die Augen gestreut wird. AP berichtet, dass Hamas-Aufpasser auch die von der UNO selbst durchgeführten Untersuchungen zu Kriegsverbrechen massiv behindern:

Und während der fünftägigen Reise durch den Gazastreifen letzte Woche hängten sich Sicherheitskräfte der Hamas an ihr Team und stellten Fragen bezüglich der Möglichkeiten von Augenzeugen, die Aktionen der militanten Gruppe ungehindert zu schildern.

Es gab extrem wenig Möglichkeiten für Palästinenser, sich frei zu äußern – Der Spiegel* erscheint im Vergleich zum Guardian als starker Kontrast. Reporter und andere Menschen, die sie interviewen, stehen zweifellos unter Beobachtung der Hamas. Diese Realität ruft geradezu nach einer Offenlegung der Journalisten, was man bei Gilmore und Khalili aber nicht erwarten kann. Dies aber ist es in Wirklichkeit das, was einen beim Betrachten des Guardian-Videos zum Heulen bringt.

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*Anmerkung (bd): Mir ist schon einige Male aufgefallen, dass Spiegel International etwas unabhängiger und weniger eingefärbt berichtet als die deutsche Version. An der Brandswiete weiß man halt’, was die Mehrheit der deutschen Leser wünscht.

Die “so genannte Bedrohung“ aus dem Iran

10. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 10. Juni 2009

Der Guardian-Kolumnist stempelt Israel als die wahre Bedrohung ab, während er iranischen und palästinensischen Terror herunterspielt.

Lesen Sie dazu bitte das neue Kommuniqué von HonestReporting Großbritannien: Guardian: The „So-Called Threat from Iran“

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„Unangemessene“ Berichterstattung über Kriegsverbrechen der Hamas

22. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 22. April 2009

Letzten Monat legten die Mainstream-Medien die Latte für Behauptungen über israelische Kriegsverbrechen sehr hoch. Westliche Nachrichtenagenturen wendeten erstaunlich viel Sendezeit und Printumfang für ihre Nachforschungen und Kommentare auf.

Die Anschuldigungen wurden letztendlich entlarvt, aber wir beobachteten die großen Möglichkeiten der Medien, Nachforschungen anzustellen. Allein der Guardian investierte einen ganzen Monat, um eine große Anzahl von Berichten, Videos und Kommentaren zu produzieren.

Doch nun zu vorgestern, als Human Rights Watch (HRW) einen Bericht veröffentlichte, der nicht Israel, sondern die Hamas beschuldigt, willkürlich Kollaborateure und politische Gegner eingesperrt, gefoltert und während bzw. nach dem Gazakrieg 32 Palästinenser ermordet zu haben. Zum Bericht hier.

Wo bleiben die brüllenden Schlagzeilen? Werden wir von Guardian & Co. eine ähnlich umfangreiche Untersuchung zu den Verbrechen der Hamas erleben?

Ich teile Richard Cohens Pessimismus:

Zweifellos wird der Human Rights Watch-Bericht wegen des übergeordneten Themas der Dämonisierung Israels ignoriert oder zurückgewiesen. So war der Trend in der letzten Zeit. Kein Zweifel auch, dass Einige das Verbrechertum der Hamas als unvermeidliches Resultat israelischer Aktionen entschuldigen werden. Aber so viele auch Israel kritisieren mögen – und ich habe das selbst getan – sie haben doch zumindest die Verpflichtung, den Unterschied bezüglich der Grundwerte zwischen Israel und seinen Feinden zu unterscheiden.

Der Guardian wird sicher ins Feld führen, dass er gestern etwas zum HRW-Bericht geschrieben hat. Aber zwischen einem 571 Wörter zählenden Artikel, der noch dazu andere Quellen aufgreift, und 30 Tagen Arbeitsaufwand für ein Gesamtpaket „Originaljournalismus“ besteht doch ein großer Unterschied.

Rechnen Sie besser nicht damit, dass es eintrifft. Wenn es zu solchen Beschuldigungen kommt ist die Berichterstattung sowieso übertrieben.

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Wer ist Mustafa Khalili?

26. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 25. März 2009

Es scheint so, dass Mustafa Khalili – der Mann, der [in seiner Eigenschaft als Guardian-Mitarbeiter (bd)] in einer E-Mail an Blogger diese aufforderte, ihre nun entlarvten Anschuldigungen gegen Israel einzusenden – selbst die Videos 1, 2 und 3 filmte.

Haben die palästinensischen Freien Mitarbeiter wieder zugeschlagen?

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Wie man über Israel schreibt

26. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 26. Februar 2009

In einem der etwas auswogeneren Beiträge des britischen Ärzteblattes, das ansonsten mit einem abschätzigen Blick aufwartet über das Risiko, Israel zu kritisieren, bietet Guardian-Kolumnist Jonathan Freedland ein paar Tipps an für diejenigen, die sich durch den Nahostkonflikts durcharbeiten wollen, ohne viele Beschwerden zu erhalten.

1. „Um es vorwegzunehmen: Es ist angeraten, sorgfältig zu arbeiten“; – Wenn Sorgfalt als Gütesiegel für jegliche Form des Schreibens dient, dann besonders im umstrittenen und emotionsgeladenen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Die Tatsache, dass dies jedoch unterstrichen werden muss, sollte schon als Warnung an sich dienen.

2. „Hilfreich ist beim Schreiben über dieses Thema auch, wenn man zumindest anerkennt, dass Leid nicht exklusiv von einer Seite für sich reklamiert werden kann.“ Oder anders gesagt – eine Geschichte, die sich ausschließlich auf das Elend palästinensischer Zivilisten in Gaza konzentriert und den Zusammenhang mit Hamas-Raketen auf israelische Zivilisten ausklammert, wird immer einseitig sein.

3. „Ratsam ist auch, nicht in eine Sprache oder Bilder abzugleiten, die mit hässlichen historischen Assoziatationen beladen sind.“ Freedland selbst bringt zwei sehr gute Beispiele. Er spricht Begriffe wie „Finstere Außenstehende“ an, also Juden, wie von Michael O’Donnell, einem der anderen Verfasser in der gleichen Publikation, ins Spiel gebracht. Er kritisiert auch Autoren wie Karl Sabbagh, die auf jüdische Verschwörungen anspielen, deren Absicht angeblich darin bestehe, Kritik an Israel abzuwürgen.

Die Suggestion, die sich durch Sabbaghs und O’Donnells Beiträge zieht – Israels Unterstützer, in der Mehrzahl Juden, hätten eine heimliche und mächtige Verschwörung ausgeheckt, um die Medien zu manipulieren, hat eine entsprechend betrübliche Geschichte. Wenn O’Donnell dann Richard Ingrams als Zeugen benennt, einen Journalisten, der sich einmal rühmte, dass er von niemandem mehr Unterstützerbriefe für Israel lese, die einen „jüdischen Absender“ haben, macht das die Angelegenheit auch nicht besser.

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Stimme gegen linken Antisemitismus erheben

4. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 4. Februar 2009

Dankenswerterweise brandmarkt Jonathan Freedland den Antisemitismus, der sich während der Proteste die Operation „Gegossenes Blei“ in Europa manifestierte. Der Guardian-Kolumnist weist darauf hin, dass bei 9/11 und 7/7 die gleichen Leute die Welt beschwörten, doch bitte bei den Muslimen nicht in dieser Weise zu verallgemeinern:

Darüber hinaus hat diese Masche der Unterscheidung zwischen guten und schlechten Juden eine lange Tradition. Anthony Julius, Autor einer maßgeblichen Studie zum englischen Antisemitismus, sagt, dass mit Ausnahme der Nazis Judenhasser immer Unterscheidungen vorgenommen haben. Christliche Antisemiten akzeptierten Juden, die bereit waren, zu konvertieren und lehnten jene ab, die ihren Glauben behielten. Vor einem Jahrhundert zog Winston Churchill eine klare Linie zwischen in Großbritannien geborenen und aufgewachsenen Juden und jenen, die den Bolschewismus verbreiteten. Nun wird die Trennungslinie bei der Affinität zu Israel gezogen.

Aber die logische Folge davon ist, dass Juden, die es ablehnen, sich von Israel zu distanzieren, Zielscheibe von Schmähungen und Angriffen werden, bis sie öffentlich widerrufen. Liberale [Briten; (bd)] lehnen es völlig zu Recht ab, permanent Druck auf Moslems in der Form auszuüben, dass diese sich rechtfertigen sollten und den Jihadismus oder Islamismus anprangern. Doch stellen sie implizit die gleiche Forderung auf, wenn sie den Juden nahelegen, dass sie OKAY wären, wenn sie nur keine Zionisten sind. Dies hat zur Folge, dass die Stellung der Juden in der britischen Gesellschaft davon abhängig gemacht wird, welche Distanz sie zu ihren Glaubensbrüdern haben – in diesem Fall den Israelis.

Den vollständigen Artikel [In Englisch] bitte weiterlesen.

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Eine weitere Plattform für Terrorpropaganda

22. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 22. Januar 2009

Was ist lächerlicher? Dass der Guardian auf der Gastkommentarseite eine nützliche Plattform für Terror bot oder Mousa Abu-Marzook darauf besteht, dass die Hamas den Krieg gewonnen habe?

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Daily Telegraph entdeckt das Wort Terror

5. Oktober 2008

honestreporting Media Backspin, 5. Oktober 2008

Einer Schlagzeile der Daily Telegraph zufolge geschieht Terror nur im Zusammenhang mit Juden:

Jüdischer Terror bedroht Israel

Die Redakteure der Telegraph – wie ihre Kollegen vom Guardian and der Independent – vermeiden das Wort Terror nicht per se. Sie lehnen es nur ab, wenn die Opfer Israels oder Amerikaner sind.

Unter welchen Bedingungen würde die britische Presse mit dieser Schlagzeile aufwarten?

Palästinensischer Terror bedroht Israel

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Intifada-Moden müssen Schlag einstecken

23. September 2008

honestreporting Media BackSpin, 23. September 2008

Erst wurde der dänische Bekleidungshersteller Fighters and Lovers für schuldig befunden, T-Shirts zu verkaufen, die das Logo der palästinensischen PFLP und der kolumbianischen FARC trugen. 2006 sagte Fighters and Lovers, dass sie für jedes Shirt, das zugunsten von PFLP und FARC verkauft wird, fünf Euro  spenden würde. PFLP und FARC werden von den USA und der EU als Terrororganisationen eingestuft.

Und nun entdeckt der Guardian, dass palästinensische Unternehmen, die Keffiyahs herstellen, durch chinesische Importprodukte vom Markt gedrängt werden. Ferner:

Aber Awad sagt, dass es heutzutage im Allgemeinen von der jüngeren palästinensischen Generation weniger als nationalistisches Symbol verwendet wird. Er liefert eine mögliche Erklärung nach: „Das Bild der Keffiya als ein Symbol des Widerstands wurde von Ereignissen wie in Afghanistan und dem Irak getrübt, wo sie von Terroristen verwendet wurde; von jedem, der sein Gesicht verbergen wollte“ sagte er.

Dazu passend [In Englisch]: US-Handelskette stoppt Verkauf von “Anti-Krieg“-Keffiyahs

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P.S.: Die fesche Dame auf der Abbildung ist Lauren Booth – passionierte Seglerin und „Widerstandskämpferin“ (bd)

Der Terrorlink des Guardian

13. August 2008

honestreporting Media BackSpin, 12. August 2008

Es gibt Terrorverbindungen und Hyperlinks zu Terror. Auf der Guardian-Webseite Israel and the Palestinian territories hat sich das Blatt dafür entschieden, in seiner Linkliste „Empfohlene Links“ eine Seite mit dem Namen „Militärischer Flügel der Hamas“ aufzunehmen.

Beim Klicken auf den Link wird man auf eine englischsprachige Seite geführt, die sich „The Ezzedeen Al Qassam Brigades Information Office” nennt. Ich verlinke nicht zu diesem so genannten Infobüro, eben weil es eine Terrorseite ist.

Hier ein Screenshot:

Und hier ein Screenshot der Hamas-Webseite, die der Guardian für „empfehlenswert hält“:

Dieser „bewaffnete Flügel“ wird beim britischen Innenministerium als verbotene Terrororganisation aufgeführt. Also macht sich der Guardian möglicherweise wegen Verbreitung von Hamas-Hasspropaganga strafbar und der Link ist illegal.

Abgesehen von rechtlichen Fragen – welchen „Nutzen“ hat die Hamas-Webseite? Wie kann der Guardian behaupten, dass die Hamas, die im israelisch-palästinensischen Konflikt Selbstmordattentate und für Kinder Gehirnwäsche zum Zwecke des Märtyrertodes eingeführt hat, mit irgendeiner anderen Organisation gleichgesetzt werden, die sonst noch a seiner Seite verlinkt ist?

Höfliche Beschwerden bitte an Leserredakteur Siobhain Butterworth: reader@guardian.co.uk

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Studie über Antisemitismus bei „Comment Is Free“

30. Juli 2008

honestreporting Media Backspin, 29. Juli 2008

Der Vorabdruck eines detaillierten Berichtes über antisemitische Kommentare im Guardian-Forum Comment is Free (CiF) wurde jetzt auf Zionism On the Web (pdf-Format) eingestellt.

Jonathan Hoffman, Autor der 57 Seiten umfassenden Studie, hat seine Ergebnisse einem britischen Parlamentsausschuss und dem Büro des amerikanischen Außenministeriums übermittelt, das antisemitische Vorkommnisse beobachtet.

Einige Highlights aus Hoffmans Studie:

• Die Mehrzahl der von CiF autorisierten Schreiber bezeichneten den jüdischen Charakter Israels als unerwünscht oder unbedeutend.

• Die schiere Masse antizionistischer Kommentare fördert antisemitische Beiträge.

• Leidtragenden von Antisemitismus bei CiF wird die Beweislast aufgebürdet, wenn sie Zuschriften und Kommentare beobachten.

• Das Ausmaß an Antisemitismus bei CiF handelt den Standards des Guardian zuwider.

Lesen Sie hier den vollständigen Bericht (pdf Format)

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Misshandlungsvorwürfe eines Journalisten widerlegt

10. Juli 2008

honestreporting Media Backspin, 10. Juli 2008

Eine Untersuchung kam zum Schluss, dass die Misshandlungsvorwürfe haltlos waren.

Mehr dazu im neuen Communiqué von HonestReporting Großbritannien [In Englisch]: Misshandlungsvorwürfe widerlegt.

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Leseempfehlungen

25. Juni 2008

honestreporting Media Backspin, 25. Juni 2008

Der Westen muss Teheran schärfer attackieren. Kompliment an Kolumnist Jonathan Freedland (Ja, tatsächlich vom Guardian!), der Israels Angst vor einem nuklear bewaffneten Iran deutlich anspricht.

Israel als Speerspitze der Zivilisation. Must-Read-Impressionen von John David Lewis’ Besuch in Israel. (Via Solomonia)

Überraschung aus Syrien und Israel. David Ignatius zu allen Gesichtspunkten der letzten Friedenbemühungen.

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Wegen „Kritik“ an Israel ausgewiesen?

27. Mai 2008

honestreporting Media BackSpin, 27. Mai 2008

Der Guardian porträtiert Israel in unaufrichtiger Weise als Staat, der die Redefreiheit einschränke.

Mehr dazu im neuen Communiqué von HonestReporting Großbritannien: Wegen Kritik an Israel ausgewiesen?

Update: Zu Kommentar und Übersetzung geht’s hier…

Stars and Tripe (Schund) Forever

15. Mai 2008

honestreporting Media BackSpin, 15. Mai 2008

Dieses Bild, das (online nicht verfügbar) zusammen mit der letzten Kolumne von Jonathan Steel zu sehen ist, erschien in der Printausgabe des Guardian. Stephen Pollard nimmt in seiner Antwort kein Blatt vor den Mund:

Die Folgerung – nicht so sehr Folgerung wie laut kreischende Äußerung – ist, dass Israel die USA kontrolliert. Das Bild ist etwa so klassisch antisemitisch wie eine Allegorie nur sein kann….

Der Guardian sollte seine journalistischen Regeln, was die Herkunft und Bedeutung solcher Bilder betrifft, sorgfältig beachten. Es sei denn, er hat vor, seine Inspiration aus dem Stürmer zu beziehen.

Dazu passend: Die Stars and Stripes des Independent.

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