Posted tagged ‘Golan’

Die Golan-Höhen – Geschichte, Gegenwart und Zukunft erklärt

25. Juni 2019

Emanuel Miller, HonestReporting, 18. Juni 2019

Hoch über Israels Nordfront mit Syrien und dem Libanon gelegen, kann die Bedeutung der Golanhöhen für Israel nicht übertrieben werden. Lernen Sie in diesem kleinen Führer mehr über die Gegend, ihre Geschichte und die Menschen.

Von Zeit zu Zeit kommt das Thema der Golanhöhen auf und die internationale Aufmerksamkeit konzentriert sich darauf, ob das Territorium unter israelischer Kontrolle bleiben oder an Syrien zurückgegeben werden sollte. Aber wo sind die Golanhöhen? Worin liegt ihre Bedeutung? Wer lebt dort und wessen Land ist das in Wirklichkeit?

Erst einmal die Grundlagen: Die israelische Seite der Golanhöhen deckt etwa 500 Quadratmeilen fruchtbaren Hochlandes ab, das eine beherrschende Sicht über Israel und Syrien bietet. Seit Israel im Sechstage-Krieg von 1967 die Kontrolle über das Land übernahm, ist es unregelmäßig unter internationalen Druck geraten das Land an Syrien zurückzugeben, eine Forderung, die Israel als unangemessen und unmöglich ablehnt. Aber warum?

Uralte jüdische Geschichte auf dem Golan

Jüdische Geschichte auf dem Golan geht bis in biblische Zeiten zurück; das Bestehen jüdischen Lebens in dem Bereich ist in verschiedenen Texten aufgezeichnet, darunter den Büchern Deuteronomium (5. Buch Mose) und Josua in der Bibel. Damals hieß die Region Baschan. Der Name Golan selbst stammt von der Stadt Baschan ab, die die Bibel als eine von etwa 60 befestigten Städten in der Gegend dokumentiert. Der Golan galt als „Flüchtlingsstadt“, ein Ort, wohin Mordverdächtige fliehen konnten um Vergeltung zu entgehen.

Obwohl das jüdische Volk mehrmals aus dem Land Israel ins Exil getrieben wurde, kehrten jüdische Exilanten aus Assyrien, Babylon und der Region in zahlreichen Zeiträumen in die Rgion zurück, wobei sie sogar der großen römischen Armee die Stirn boten. Die Gegend sprudelt vor historischen Artefakten, die jüdisches Gemeindleben im Land bezeugen, ebenso von den wiederholten Machtübernahmen, bei denen die Region mehrfach erobert, zurückerobert und wieder erobert wurde. Eine besonders schockierende Episode in der Stadt Gamla auf der Klippe ähnelte stark einem berühmten finalen Akt jüdischen Widerstands in Masada, wo die belagerte jüdische Gemeinschaft lieber Massenselbstmord verübte als sich zu ergeben. Als die Festungsanlagen von Gamla 67 n.Chr. durchbrochen wurden, soll die gesamte jüdische Gemeinschaft tot gewesen sein; etwa die Hälfte von ihnen getötet von den Römern, die andere sprang von dem steilen Hang in den sicheren Tod.

Selbst nach dem Ende jüdischer Autonomie ging jüdisches Leben auf dem Golan weiter. Die Überbleibsel von mehr als 30 antiken Synagogen sind entdeckt worden, rituelle Bäder wurden gefunden und schöne Mosaike mit jüdischen Symbolen wurden gefunden, die alle anhaltende jüdische Präsenz aufzeigen. Erst im 7. Jahrhundert wurden die jüdischen Gemeinden auf dem Golan ausgelöscht, als islamische Invasoren das Land von den Assyrern für das aufkeimende Kalifat Raschidun erobrten. Erst Jahrhunderte später waren Juden in der Lage in das Land zurückzukehren.

Der Golan vom Mittelalter bis zur Moderne

Verschiedene Völker haben im Lauf der Zeit auf dem Golan gewohnt; wiederholt kamen Invasoren, von den Mongolen über Perser, Römer bis zu Arabern, von denen einige von so weit her wie dem Jemen waren. Die Drusen, eine religiös-politische Sekte, die aus dem Islam hervorging, siedelten im 15. und 16. Jahrhundert in der Gegend und kontrollierten die Region etwa 350 Jahre lang, bevor sie von den Ägpytern und dann kurz darauf von den Osmanen erobert wurde.

Die Bevölkerung des Golan schrumpfte im Lauf der Jahrhundert infolge der ständigen Kriege, was dazu führte, dass die Region bis Mitte des 19. Jahrhunderts fast komplett verlassen war; ein Reiseführer beschrieb, dass nur 11 von 127 uralten Städten und Dörfern in der Gegend bevölkert waren.

Unter osmanischer Kontrolle versuchten Juden in die Gegend zurückzukehren; dazu kauften Juden aus Safed und Tiberias eine Reihe Grundstücke von Beduinen, ebenso Baron Edmund de Rotschild. Farmen und Gehöfte wurden errichtet, obwohl diese nicht lange blieben, weil die Osmanen das Land beschlagnahmten. Als das osmanische Reich 1917 zerfiel, wurde das Gebiet unter den Imperien der Briten und Franzosen aufgeteilt; Palästina fiel unter britische Kontrolle.

Drei Jahre später zwangen arabische Krawalle die jüdischen Gemeinden auf dem Golan zur Flucht und drei Jahre darauf, 1923, trafen Großbritannien und Frankreich eine Vereinbarung, durch die der Golan an französisches Territorium im heutigen Syrien übergeben wurde; die Briten erhielten dafür Mossul. Die letzten verbliebenen Juden wurden 1947 vor Israels Unabhängigkeit durch Syrien vertrieben, das den Vorteil des Geländes nutzte, um jüdische Gemeinden und Städte südlich des Bergzugs zu beschießen. Das Land blieb bis 1967 weitgehend judenfrei.

Die Gründung Israels

Während des arabisch-israelischen Krieges von 1948 wurde der entstehende jüdische Staat von örtlichen palästinensischen Milizen zusammen mit ägyptischen, jordanischen, libanesischen, irakischen und syrischen Streitkräften angegriffen. Obwohl es umzingelt war und damals rund 1% seiner Bevölkerung verlor, obsiegte Israel und seine Landmasse dehnte sich aus; der jüdische Staat hatte am Ende die Kontrolle über ein Drittel mehr Land als ihm zugewiesen worden war, hätte die arabische Führung den beim UNO-Teilungsplan von 1947 nicht abgelehnt.

Nach dem Krieg versuchte Israel Grenzen zu seinen arabischen Nachbarn zu etablieren, aber weil die arabischen Staaten es ablehnten Israels Rechtmäßigkeit anzuerkennen, brauchte man eine Alternative. Im ersten Halbjahr 1949 wurden in rascher Folge Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen Israel und Ägypten, Libanon und Jordanien unterzeichnet. Eine weitere Vereinbarung wurde am 20. Juli des Jahres zwischen Israel und Syrien unterschrieben.

Mit den Vereinbarungen wurden die Demarkationslinien des Waffenstillstands vereinbart. Weil die Araber darauf bestanden, enthielten die Vereinbarungen jeodch eine Erklärung, die klarstellte, dass die Linien keine rechtlich bindenden Grenzen darstellen sollten. Artikel V des Allgemeinen Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und Syrien (20. Juli 1949) beginnt:

Es wird betont, dass die folgenden Arrangements für die Demarkationslinie des Waffenstillstands zwischen den israelischen und syrischen bewaffneten Kräften und für die entmilitarisierte Zone nicht so interpretiert werden dürfen, dass sie ein Beziehung welcher Art auch immer zu letzten territorialen Arrangements haben, die die beiden Parteien dieser Vereinbarung betreffen.

Leider führte die Unterzeichnung dieser Vereinbarung, das Ziehen der Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien nicht zu echtem Frieden zwischen beiden. Im Verlauf der folgenden Jahre brachen unregelmäßig Feindseligkeiten aus, bei denen beide Seiten in das Territorium der anderen einbrachen, wobei Syrien israelische Bauern angriff und der syrische Premierminister Salah Bitar 1963 bombastisch erklärte, dass die arabischen Staaten „einen unnachgiebigen Feldzug führen, um zu verhindern, dass Israel seinen Traum verwirklicht“ die Wüste mit Wasser aus dem Jordan erblühen zu lassen. Von 1950 bis 1967 traf syrisches Feuer etwa 370 Israelis, wobei 121 getötet wurden. Alleine 1955 gab es an 52 Tagen Feuerwechsel.

Die ersten drei Monat des Jahres 1967 erlebten in Israel mehr als 270 Grenz-„Vorfälle“. Die Mehrheit davon ging von Syrien aus und verursachte in Israel zunehmend Sorge. Die Dinge spitzten sich im April 1967 zu, als israelische Traktoren durch syrisches Maschinengewehrfeuer und Luftabwehrfeuer beschossen wurden, was eine Konfrontation von mehr als 130 Flugzeugen zwischen den Luftwaffen Israels und Syriens auslöste. Mit den zunehmenden Feindseligkeiten an mehreren Fronten überraschte es nicht, dass der Sechstage-Krieg kaum zwei Monate später ausbrach.

Der Sechstage-Krieg und seine Nachwirkungen

Im Juni 1967 gingen Jahre der Provokationen zu Ende, als Israel während des Sechstage-Krieges die Golanhöhen eroberte. Nachdem der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser Ende Mai von seiner Armee die Straße von Tiran schließen ließ – diese Provokation wird als Kriegsakt betrachtet – hielt Israel intensive diplomatische Treffen mit westlichen Führungspolitikern ab, bevor es erkannte, dass es auf eigene Faust handeln musste.

In den frühen Morgenstunden des 5. Juni startete die israelische Luftwaffe einen massiven Angriff auf ägyptische Flugfelder. Trotz des entscheidenden Schlages bestritt Ägypten die Niederlage und folglich traten Syrien und Jordanien in dem Glauben in den Krieg ein, Israel befinde sich in der Defensive.

Nach ein paar chaotischen Versuchen Israel anzugreifen wurden die syrischen Streitkräfte zurückgeschlagen und zum Rückzug gezwungen.

Am 7. und 8. Juni diskutierte die israelische Führung darüber, ob auch die Golanhöhen angegriffen werden sollten. Syrien hatte vor dem Krieg Überfälle unterstützt, die geholfen hatten die Spannungen zu erhöhen und es hatte Israel regelmäßig von den Höhen aus beschossen, also wollten einige israelische Führungskräfte, dass Syrien bestraft wird. Die miliärische Meinung lautete, dass der Angriff extrem verlustreich sein würde, da er einen harten Kampf gegen einen höher liegenden, stark befestigten Feind beinhalten würde. Trotz der Risiken griff Israel am 9. Juni an und gewann schnell die Kontrolle über den Großteil der Golanhöhen. Am folgenden Tag stimmte Israel einem Waffenstillstand mit Syrien zu und eine Waffenstillstandslinie wurde festgelegt, die als Violette Linie bekannt ist.

Der Krieg führte dazu, dass viele tausend Syrer vom Golan flohen, wobei Schätzungen nahe legen, dass irgendwo zwischen 80.000 und 131.000 aus ihren Häusern getrieben wurden oder flohen und nur ungefähr 7.000 blieben.

Innerhalb von Tagen nach Kriegsende, am 19. Juni 1967, schlug die israelische Regierung die Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten und der Golanhöhen an Syrien vor, wenn es dafür eine dauerhafte Lösung und eine Entmilitarisierung der zurückgegebenen Territorien gäbe. Innerhalb von Monaten zogen Israelis auf den Golan. Bis 1970 gab es bereits zwölf neue Gemeinden.

Der Yom-Kippur-Krieg

Syrien versuchte sechs Jahre später, 1973, die Golanhöhen zurückzugewinnen. Der Verlust der Golanhöhen 1967 traf Syrien zutiefst und veranlasste es in Koordination mit Ägypten am heiligsten Datum des jüdischen Kalenders, Yom Kippur, einen Überraschungsangriff auf Israel zu starten.

Nachdem es anfangs große Teile des Territoriums verlor, erholte sich Israel schließlich und drängte die Syrer zurück. Zum großen Teil dank starker amerikanischer Unterstützung führte der israelische Gegenangriff dazu, dass israelische Trupppen bis auf 50km an Damaskus heranrückten. Israel zog sich zurück, unterschrieb aber im folgnden Jahr eine Waffenstillstandsvereinbarung, die fast den gesamten Golan unter israelischer Kontrolle beließ.

Gemäß der Vereinbarung wurde eine Pufferzone, die auf ungefähr 5% des umstrittenen Landes hinauslief, an Syrien übergeben und in eine entmilitarisierte Zone eingegliedert, die von der United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF – UNO-Entflechtungs-Beobachterkräfte) verwaltet wurde, die entlang einer Waffenstillstandslinie in einem Gebiet von rund 80km Länge und zwischen 0,5 und10km Briete die Grenze entlang verlief. Dieses Gebiet wurde als Area of Separation (AOF – Trenngebiet) gekennzeichnet, das weder syrische noch israelische Truppen betreten durften. Rund eintausend UNDOF-Soldaten sind in der Region stationiert.

Obwohl sie keinerlei Territorium gewonnen hatten, betrachteten die Syrer und die Ägypter sich als moralische Sieger über Israel, nachdem sie ihren Feind überrascht hatten.

Ein weiteres Vermächtnis des Kriegs ist die Bedrohung durch Landminen. Auf dem syrisch kontrollierten Golan wie auf den Golanhöhen ist eine unbekannte Zahl an Landminen, die in die Hunderttausende geschätzt werden, vom syrischen Militär hinterlassen worden. Durch zahlreiche als No-go-Zonen markiert Felder ist das Wachstum einiger israelischer Dörfer eingeschränkt. Mehr als 200 Landminen sind seit Kriegsende auf dem syrischen Golan explodiert und viele weitere Menschen wurden auch auf der israelischen Seite verletzt und getötet.

Annexion und israleische Zivilherrschaft

Am 14. Dezember 1981 beschloss Israel das Gesetz Golanhöhen, mit dem es israelisches „Gesetz, Rechtssystem und Verwaltung“ auf die Golanhöhen ausweitete. Obwohl das Gesetz das Territorium praktisch nach Israel annektierte, erklärt es keine formelle Annexion. Jahrzehnte lang wurden die Golanhöhen international von keinem anderen souveränen Staat anerkannt und vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in Resolution 497 für „null und nichtig und ohne international rechtliche Auswirkungen“ erklärt.

Resolution 497 des UNO-Sicherheitsrats forderte, dass Israel seine Entscheidung annulliert. Israel seinerseits bleibt dabei, dass es die Gegend behält, da der Text von Resolution 242 „sichere und anerkannte Grenzen ohne Bedrohungen und Gewalttaten“ fordert. Die internationale Gemeinschaft lehnt allerdings israelische Ansprüche auf das Territorium ab und betrachtet es als souveränes syrisches Territorium. Manche verweisen jedoch auf den fünften Artikel der Allgemeinen Waffenstillstandsvereinbarung (20. Juli 1949), der klar machte, dass die alten Grenzen niemals Grenzen waren, sondern lediglich Waffenstillstandslinien.

Im März 2019 brachen die Vereinigten Staaten hingegen mit der gesamten internationalen Gemeinschaft, nachdem Präsident Trump ankündigte die USA würden Israels Souveränität über die Region anerkennen.

Gegenwärtige Einwohner der Golanhöhen

Heute leben rund 50.000 Menschen auf dem Golan, davon etwa 27.000 jüdische Einwohner und 24.000 Araber, die die Region ihr Zuhause nennen. Die Juden leben in 33 Gemeinden, die weit überwiegende Mehrheit von ihnen sind Kibbuzim und andere Gemeinschaftsdörfer sowie die Stadt Katzrin. Zu den auf dem Golan lebenden Arabern gehören rund 23.000 Drusen, die in vier Dörfern nahe der syrischen Grenze leben.

Israel hat beträchtliche Summen in die Installation und Verbesserung der Infrastruktur und Dienste zum Nutzn der arabischen und jüdischen Bevölkerung investiert, in starkem Gegensatz zu der 19-jährigen Periode bis 1967, als fortlaufende syrische Regierungen es verfehlten in lokale Infrastruktur und Dienste zu investieren. Unter israelischer Herrschaft wurden Strom- und Wassersysteme sowie landwirtschaftliche Verbesserungen, Berufsausbildung und Krankenstationen eingerichtet.

Die Drusen sind eine Arabisch sprechende, esotherische, ethno-religiöse Gruppe mit engen Verbindungen zum Islam, obwohl sie allgemein nicht als muslimisch betrachtet werden. Als im gesamten Nahen Osten verstreute religiöse Minderheit haben die Drusen regelmäßig Verfolgung erfahren, außer im Libanon und in Israel, wo drusische Richter, Parlamentarier, Diplomaten und Ärzte höchste Ränge der Gesellschaft einnehmen können.

Die meisten drusischen Einwohner der Golanhöhen betrachten sich als Syrer. Rund 90% lehnen die Option ab die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen, haben stattdessen dauerhaften israelischen Einwohnerstatus. Statt eines israelischen Reisepasses haben viele Drusen für Auslandsreisen ein von Israel ausgegebenes Passagedokument, auf dem das Feld für die Staatsbürgerschaft leer gelassen ist.

Die Entscheidung der Mehrheit der Drusen die israelische Staatsbürgerschaft auszuschlagen und sich als Syrer zu betrachten, hat vielfältige Aspekte. Da die Drusen der Golanhöhen syrische Untertanen sind, ist ihre Beziehung zu Syrien unbestreitbar echt und viele betrachten sich aufrichtig als Syrer. Für andere entstammt die Abneigung die israelische Staatsbürgerschaft abzulehnen und sich weiterhin als Syrer zu bezeichnen einer pragmatischen Entscheidung gemäß dem Verständnis, dass Syrer, die sich als Iraelis bezeichnen, sollte er jemals wieder unter syrische Kontrolle kommen, als Verräter betrachtet und möglicherweise schwer bestraft würden. Da Israel bereit ist den drusischen Widerwillen öffentlich die israelische Souveränität zu übersehen, während Syrien eine weniger verständnisvolle Haltung an den Tag legt, ist der Ausgang für viele eine ausgemachte Sache.

Trotz des Übergewichts der Nicht-Staatsbürgerschaft hat es in den letzten Jahren Gerede darüber gegeben, dass Drusen mehr politische Beteiligung in Israel anstreben. Seit 1981 sind vier drusische Dörfer des Golan durch Repräsentanten vertreten worden, aber ein Verständnis, dass das Territorium in absehbarer Zukunft nicht an Syrien zurückgegeben wird, zusammen mit den Erwartungen der jüngeren Generationen mehr wirtschaftliche Möglichkeiten zu suchen, hat manche dazu gebracht mehr Zusammenarbeit innerhalb des politischen Systems Israels zu suchen. Das ebnete den Weg für die ersten israelischen Kommunalwahlen in den Dörfern im Oktober 2018, obwohl die Wahlbeteiligung merklich niedriger war als im Rest des Landes.

Der syrische Bürgerkrieg und die Golanhöhen

Mit Ausbruch des syrische Bürgerkriegs im März 2011, als Proteste außer Kontrolle gerieten und militärische Elemente zur Opposition überliefen, verlor der syrische Führer Baschar al-Assad die Kontrolle über große Teile des Landes. Im Verlauf der folgenden acht Jahre kämpfte Assat mit Hilfe iranischer und russischer Streitkräfte um die Wiedergewinnung der Vorherrschaft über das Land.

Während dieses Zeitraums versorgte Israel hunderte Syrer mit Hilfe, gründete medizinische Zentren jenseits der Grenze und lieferte Treibstoff, Stromgeneratoren, Wasser, Lebensmittel und Kleidung. Viele der Empfänger der Hilfe waren zwar anscheinend Zivilisten, aber eine unbekannte Anzahl waren Rebellen, die gegen das syrische Regime kämpfen.

Dieses Handeln provozierte die Drusen gelegentlich, die syrische Rebellen als ihre Feinde betrachteten. Die Drusen beschuldigten Rebellen Gräueltaten an ihrer Gemeinschaft in Syrien zu begehen und riefen Israel auf, es solle die Behandlung der verletzten Kämpfer einstellen. Bei einer Reihe von Gelegenheiten lief diese Antipathie in tatsächliche Gewalt über, wobei erboste Demonstranten israelische Militärkrankenwagen angriffen, bei denen in einem Fall ein syrischer Insasse getötet und ein weiterer kritisch verletzt wurde.

Als Ergebnis von Assads Verlust der territorialen Integrität kamen Bereiche innerhalb der Patrouillenzone der UNDOF oder direkt angrenzend unter die Kontrolle der Rebellen. Durch ihre Nähe zu den Kämpfen wurde die Lage der UNDOF zunehmend unsicher und mit der Zeit wurden die UNO-Kräfte zum Ziel von Gewalt. Folglich hörten die Inspektionskontrollen in der Zone des Beschränkungsbereichs auf und – ausgelöst durch die Entführung von rund 45 UNDOF-Soldaten aus Fidschi durch eine an Al-Qaida angegliederte Gruppe (die Soldaten wurden später freigelassen) und anderer Übergriffe – verließ die Truppe die meisten ihrer Positionen und zog sich auf israelisches Territorium zurück. Über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachteten die UNDOF-Kräfte die Ereignisse in Syrien aus der Sicherheit des von Israel kontrollierten Landes. Während der Bürgerkrieg in Syrien sich dem Ende zuneigt, sind UNDOF-Soldaten auf die syrische Seite der Linie zurückgekehrt.

Da Feindseligkeiten unregelmäßig über die Grenze schwappen, die israelische Luftwaffe regelmäßig Terrorgruppen auf der syrischen Seite angreift und die israelische Seite regelmäßig unter Feuer gerät, werden die Golanhöhen in der vorhersehbaren Zukunft unter israelischer Kontrolle bleiben.

Stellenangebot: Soldaten für Friedenstruppe gesucht

9. Juni 2013

HonestReporting Media BackSpin, 9. Juni 2013


Auch Du kannst für den Frieden etwas riskieren

Stellenbeschreibung: Die UNO-Friedenstruppe im Golan sucht ersatzweise Beobachter für österreichisches und möglicherweise philippinisches Personal.

Die Aufgaben: Patrouillengänge in der Pufferzone, Unterstützung des Roten Kreuzes, Minenfelder ausfindig machen, gelegentlich syrischen und drusischen Bräuten nachschauen, die eigene Entführung verhindern und in blauen Schutzhelmen vor den Kameras posieren.

Keine Russen – Staatsangehörige aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates  werden ausgeschlossen.

Wenn du bisher schon eine große Klappe gehabt hast, was Israels Risikobereitschaft für einen Frieden beträfe, hast du beste Chancen. Du hast das Maul weit aufgerissen – nun lass’ Taten folgen.

Nur ernst gemeinte Anfragen. Bewirb dich hier.

(Foto via YouTube/newnewsinworld)

BBC, Israel und andere olympische Anmerkungen

31. Juli 2012

HonestReporting Media BackSpin, 31. Juli 2012

Die Olympia-Länderseite der BCC zu Israel wird immer bescheuerter. Nun geht es um die Fläche des Landes.

So wird sie gewöhnlich angegeben:

Aber jetzt auf einmal so:

Wenn Beeb doch nur ebenso energisch vorginge, wenn man „Fakten“ aus palästinensischen Quellen auflistete!

Und das nach diesem Mordsgestank zum Handling der BBC, was den Hauptstadt-Status von Jerusalem betrifft. Ich kann kaum erwarten, welch’ weitere Änderungen auf  Kosten der britischen Steuerzahler noch vorgenommen werden.

(Hattip: IsraellyCool)

Große Medien und die Bedeutung von ‚Mea Culpa‘

2. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 2. Mai 2011

Ich frage mich, ob westliche Journalisten, wenn sie anonyme israelische Quellen heranziehen, die in den israelischen Medien zitiert werden, sich bemühen, die Experten zu hinterfragen, von denen sie ihre Eingebung erhalten.

Wenn schließlich ein Kolumnist „hochrangige Sicherheitsbeamte“, „Spitzen des Verteidigungsministeriums“ und „die gesamte obere politische Klasse“ so zitiert, dass sie Land-für-Frieden-Deal mit Syrien favorisieren würden, dann ist das ein dicker Hund. Aber anonyme Quellen können ihre Meinung ändern. Und ein israelischer Journalist könnte so weit gehen, ein Mea Culpa in eigener Sache zu verfassen.

Das ist von Bedeutung im Fall des israelischen Kolumnisten Sever Plocker, der eingestand, sich geirrt zu haben, als er früher um Unterstützung eines Land-für-Frieden-Abkommens mit Syrien geworben hatte – ein Standpunkt, den er, wie er sagte, in Gespräch mit israelischen Sicherheitskräften gewonnnen habe:

Dreimal in den vergangenen drei Jahren schrieb ich Artikel zu einem Friedensvertrag zwischen Israel und Syrien. Ich schrieb, basierend auf zahlreichen Gesprächen mit hochrangigen Sicherheitsbeamten, dass Israel mit Assads Regime Frieden schließen könne, wenn es im Gegenzug seine Bereitschaft erkläre, sich von den Golanhöhen zurückzuziehen, deren sicherheitsrelevanter Stellenwert fragwürdig geworden ist, wenn nicht sogar gänzlich unbedeutend.

Die drei Kolumnen, auf die Plocker verweist, enthalten Zitate, die normalerweise von ausländischen Journalisten aufgegriffen worden wären. Ob die Rolle rückwärts ähnliche Aufmerksamkeit erhält, bleibt abzuwarten….

Artikel 1: Anfang des Jahres, bevor irgendjemand eine Vorahnung vom „arabischen Frühling“ hatte, schrieb Plocker:

Ein Friedensvertrag mit Syrien scheint den vollen Preis wert zu sein, einschließlich einer sicheren syrischen Stellung am Ostufer des Sees Genezareth wie früher schon. Aus diesem Grund unterstützen hochrangige Beamte des Verteidigungsministeriums einen umfassenden Friedensvertrag mit Syrien im Austausch für einen vollständigen Rückzug aus dem Golan.

Artikel 2: Im Jahr 2007 schrieb Plocker:

Meine Gesprächspartner jedoch lenkten meine Aufmerksamkeit in eine völlig andere Richtung: Die Chancen auf einen Frieden mit Syrien. Ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums, der inzwischen die Karriereleiter noch weiter nach oben gestiegen ist, benutzte teilweise harte Worte bei seiner Kritik an der Weigerung der Olmert-Regierung, mit den Syrern in Dialog zu treten; er nannte es „ein Verbrechen an der Nation“ und eine „unendliche Tragödie.“

Aber auch andere vermittelten die gleiche Botschaft: Frieden mit Syrien ist machbar….

Artikel 3: Und im Jahr 2006 brachte Plocker ein ähnliches Argument. Online konnte ich den Originalartikel nicht finden, aber Plocker verwies selbst darauf. Hier das Schlüsselstück:

Fast die gesamte obere politische Klasse in Israel befürwortet ein Vorantreiben der Verhandlungen mit Syrien und ist bereit, mit dessen Konsequenzen zu leben. Dies ist die größte nationale Entscheidung, die Olmerts Kabinett vor die Türschwelle gefallen ist – ein Friedensabkommen mit Syrien wird dem amtierenden Regime in Teheran und seinen nuklearen und kriegerischen Ambitionen einen schweren Schlag versetzen und dazu beitragen, seinen Niedergang herbeizuführen.

Wenn es um anonyme Zitate geht, die in der israelischen Presse auftauchen, zieht die ausländische Presse häufiger Haaretz-Beiträge heran (manchmal mit Risiko). Aber auch die Jerusalem Post, Yediot, die großen Fernseh- und Radiosender sind nicht unbeteiligt.

Nun, da die syrischen Aufstandsbewegungen Plocker – und noch wichtiger, das Sicherheits-Establishment – zum Überdenken ihrer Standpunkte gebracht haben, wäre es für die großen Medien dann nicht angebracht, über diese Umwälzungen nachzudenken?

Oder sind die Mainstream-Medien nur an israelischen Kolumnisten interessiert, die ihre eigenen Ansichten bestätigt sehen wollen?

Ein Dorf, beansprucht von drei Ländern

1. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 31. Dezember 2009

The Media Line zu Besuch in Ghajar, einem Aleviten-Dorf, auf das Israel, der Libanon und Syrien Ansprüche erheben. Hier eine knappe Zusammenfassung der konkurrierenden Ansprüche.

Libanon: Ghajar war immer libanesisch.

Israel: Ghajar wurde Syrien abgenommen. Eine Rückkehr zum Libanon würde die Hisbollah ermutigen.

Was Syrien betrifft: Mir ist nicht bewusst, ob es syrische Statements speziell zu Ghajar gibt, aber von Bashar Assads Regime weiß man, dass es den Golan vollständig zurück haben will. Und das würde aller Voraussicht nach Ghajar mit einschließen.

Die Einwohner Ghajars: Sie sagen, dass sie Syrer sind, und gleich, welche politische Entscheidung getroffen wird, Ghajar darf nicht geteilt werden.

Kürzlich, bei einer IDF-Führung für Blogger im Norden, sagte uns eine Armeesprecherin, dass die Bewohner es vorziehen, israelische Staatsbürger zu bleiben, aber Repressalien ausgesetzt wären, wenn sie das öffentlich bekundeten.

Dazu passend: Golan Village Divided By Fear

Syriens Facebook-Krieg

15. September 2009

HonestReporting Media BackSpin, 15. September 2009

Haaretz berichtet, dass Syrien gegen Facebooks Entscheidung protestiere, seinen im Golan wohnhaften Mitgliedern zu erlauben, Israel im Eingabefeld des Wohnortes einzugeben. Facebook hatte sich zu diesem Schritt entschieden, weil sich eine Gruppe um HonestReporting formiert hatte: Facebook, Golan Residents Live in Israel, not Syria*.

Damaskus will im Zuge seines Protestes seinen Bürgern den Zugang zu Facebook verwehren, so das Blatt.

Ich registriere aber, dass die syrische First Lady Asma al-Assad noch immer bei Facebook präsent ist.

—————–
*Siehe auch hier und hier.

Erfolg: Golan-Facebooker werden nicht als Syrer vereinnahmt

8. September 2009

HonestReporting Media BackSpin, 8. September 2009

Vor etwas mehr als einer Woche startete HonestReporting die Facebook-Gruppe „Golanbewohner leben in Israel, nicht in Syrien“.

Dies war Antwort auf den Umstand, dass Golanbewohner in einem Eingabefeld bei ihrer Nationalität nur Syrien eingeben konnten. Aber unsere Mitglieder konnten Facebooks Aufmerksamkeit für die Sache wecken: Die Höhen werden nicht mehr ausschließlich „Syrien“ zugeschlagen. Facebook-User in Orten wie Ramat Magshimim, Geshur und Had Nes sind nicht mehr gezwungen, ins Pulldown-Menü „Syrien“ einzugeben.

Screenshot mit Syrien als einziger Option:

Screenshot jetzt auch mit der Option Israel

Kompliment an Facebook für die Änderungsmaßnahme, ohne sich in eine hitzige und unnötige Debatte hineinziehen zu lassen. Und Kompliment auch an die mittlerweile 2.490 Mitglieder für ihr Engagement, das zu diesem Ergebnis führte.

Bei HonestReporting Facebook werden Sie über die andauernde Debatte informiert.

Mach’ mit bei der neuen Facebook-Gruppe von HonestReporting

26. August 2009

HonestReporting Media BackSpin, 26. August 2009

Obgleich der Golan unter israelischer Verwaltung steht, bleibt Bewohnern der Region, die in das Eingabefeld des Heimatortes „Israel“ hinzufügen wollen, diese Option verwehrt.

Wenn man z.B. in das Feld Qazrin eintippt, ist das nur mit „Qazrin, Syria“ möglich. Das Gleiche gilt für alle anderen jüdischen Städte wie Ramat Magshimim, Geshur, Mevo Hanna und Nes.

Es darf nicht Facebook vorbehalten sein, die nationale Herkunft der Golan-Bewohner zu bestimmen. Zumindest muss Facebook die Option „Israel“ beim Eintippen ermöglichen, so wie bei jüdischen Einwohnern der West Bank.

Melden Sie sich bei HonestReportings neuer Facebook-Gruppe Facebook, Golan Residents Live in Israel, not Syria an. Bei Abfassung dieses Posts 646 Mitglieder.

Tägliche Dosis Geschichtsrevisionismus

16. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. Februar 2009

Bruce Anderson, Kolumnist beim Independent, mit seiner täglichen Dosis Geschichtsrevisionismus:

Der erste Akt der gegenwärtigen Tragödie begann nach dem Sechstagekrieg 1967. Das tapfere kleine Israel war auf dem Schlachtfeld siegreich geblieben. Es hatte riesige Flächen arabischen Territoriums überrollt. Beinahe unmittelbar danach wurden selbst von jenen, die niemals enthusiastisch für einen Staat Israel eingetreten waren, zwischen den Grenzen vor und nach den Eroberungen 1967 Unterscheidungen vorgenommen. Israel hatte ungeheure Trümpfe in der Hand, sowohl strategisch als auch moralisch. Es gab nie einen besseren Zeitpunkt für „Großmut im Sieg“.

Israel hätte verkündet sollen, dass es, anders als fast alle vorherigen militärischen Sieger, keine territorialen Ansprüche suchte; seine alleinigen Kriegziele wären Frieden und Gerechtigkeit. Um diese zu erreichen und zu sichern wäre es bereit gewesen, über die eroberten Gebiete zu verhandeln – die heiligen Stätten in Ostjerusalem ausdrücklich ausgenommen. Auf dieser Basis und mit großer internationaler Unterstützung wäre ein Abkommen möglich gewesen. Aber es gab Probleme. An seiner schmalsten Landstelle ist Israel nur 12 Meilen breit. Ein Panzerdurchbruch aus dem Westjordanland hätte das Land zweigeteilt. Obgleich die Generäle nicht dafür gerügt werden können, die Ära der asymmetrischen Kriegsführung nicht vorausgesehen zu haben, in der Panzerdurchbrüche nur noch in Kriegfilmen vorkommen, komplizierte ihr Beharren auf einer entmilitarisierten West Bank die Fragen. Damit trat eine Versuchung auf, gleich der Schlange im Garten Eden.

Anmerkung für Anderson: Am 19. Juni 1967 (eine Woche nach Kriegsende), sandte die israelische Regierung die Botschaft an die USA, dass sie bereit sei, Gaza und den Golan im Gegenzug für die Unterzeichnung eines Friedensvertrages zurückzugeben, während gleichzeitig separate Verhandlungen die Zukunft der West Bank, des Gazastreifens und der Flüchtlinge lösen sollten.

Die Geschichte verweist auf die berühmte arabische Reaktion von Khartum als The Three No’s.

ShareThis

Offiziell: Israel verhandelt mit Syrien

21. Mai 2008

honestreporting Media BackSpin, 21. Mai 2008

Aber gab es eine Gegenleistung für den Golan?

ShareThis