Posted tagged ‘Gilad Shalit’

Deborah Orrs Zahlenakrobatik

2. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 2. Januar 2013

cast1_or_cast2AP berichtet, dass Al-Qaida jedem drei Kilo Gold im Wert von 160.000 Dollar verspricht, der den US-Botschafter im  Jemen umbringt. Zusätzlich wurde ein Kopfgeld von 23.000 Dollar auf die Ermordung jedes US-Militärs dort ausgesetzt.

Irgendwo da draußen, vermute ich, sitzt die Kolumnistin Deborah Orr und schäumt wegen israelischem „Rassismus“ und hängt der fixen Idee nach, dass man „israelisches Leben“ anscheinend höher „bewertet“. Im Jahr 2011 bot ein saudischer Prinz 1 Million Dollar für die Entführung eines israelischen Soldaten.

Wenn man demnach zwei und zwei zusammenzählt und Orrs verdrehte Logik (bezogen auf den Austausch mit Gilad Shalit) auf das jetzt ausgelobte Kopfgeld von Al-Qaida anwendet, stellt man fest, dass ein israelischer Soldat so viel „wert“ ist wie 6,25 US Botschafter oder 43,48 amerikanische Soldaten.

Macht ja nichts, dass es die Araber sind, die die Messlatte bei ungleichem Gefangenenaustausch und widerwärtigen Kopfgeldprämien anlegen.

(Bild via Flickr/Ironchefbalara)

Die „Volkswiderstand“-Differenzierung der TIME

29. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 29. November 2011


Volkswiderstand
kann alles Mögliche bedeuten, aber eines sicher nicht: nämlich „friedvoll“. Korrespondent Karl Vick verrennt sich in Begrifflichkeiten.

Man kann sich seine rosarote Brille vorstellen, wenn er diese Einschätzung zu den Einheitsverhandlungen zwischen Hamas und Fatah für Time niederschrieb.

Danach trafen sich beide lächelnd vor den Kameras. „Es gibt keine Unterschiede zwischen uns“, sagte Abbas. Mashaal fügte hinzu: „Wir haben eine neue Seite im Buch der Partnerschaft aufgeschlagen.“ Und zu welchen Konditionen? Die Hamas steht für Widerstand, ihrem formalen Namen nach, der Islamischen Widerstandsbewegung. Aber im Gazastreifen, wo sie regiert, hält die Hamas seit Januar 2009 weitestgehend eine Waffenruhe mit Israel. Und in Kairo unterzeichnete sie ein Papier, in dem sie sich dem „Volkswiderstand“ gegen die israelische Besatzung in den palästinensischen Gebieten verpflichtet fühlt. Das ist „Volkswiderstand“ im Gegensatz zu „gewalttätig“ oder „militärischer“ Widerstand. Wir veranstalten Friedensmärsche und Sprechgesänge, senden Signale und machen nicht den Mist, Sprengfallen zu basteln oder Selbstmordattentäter anzuwerben.

Jedes Volk hat das Recht, gegen Besatzung zu kämpfen, wie auch immer – mit Waffen oder anders. Im Moment aber wollen wir mit dem Volkswiderstand zusammenarbeiten“, äußerte Meshaal gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Wir glauben an den bewaffneten Widerstand, aber der Volkswiderstand ist Bestandteil eines Programms, dem alle Fraktionen zustimmen.“

Die Trennung scheint einfach zu funktionieren: Wenn Palästinenser „Volkswiderstand“ sagen, hört Vick daraus „gewaltfrei“ heraus. Aber was sie damit aussagen wollen, hat für die Basis sehr wohl eine Bedeutung.

Nach palästinensischem Verständnis ist die Tatsache, dass Kinder Steine ​​auf Israelis werfen, ebenso Basis-Widerstand, wie wenn Erwachsene eine „Volks“-Mahnwache abhalten.

Gilad Shalit wurde nicht von vergreisten Widerstandsgruppen entführt. Er wurde von Volkswiderstand-Kommitees geschnappt und gefangen gehalten. Letztere beziehen ihre Popularität daraus, dass sie versprechen, weitere Soldaten zu kidnappen, und nicht, weil sie Sprechgesänge abhalten, dämliche Slogans skandieren oder abgefeimte Zeichen aussenden.

Was auch immer die Hamas in Kairo unterschrieben hat: das repräsentiert keine Mäßigung ihrer selbst, sondern eine zunehmende Gewaltbereitschaft der Fatah.

(Bild der rosaroten Brille via Flickr/derekGavey)

Wählen Sie den unehrenhaftesten Reporter des Jahres 2011

25. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 25. November 2011

Unsere alljährlich stattfindende Wahl zum unehrenhaftesten Reporter steht wieder an – für die meist verfälschte und voreingenommenste Berichterstattung über Israel und den Nahostkonflikt.

Bitte suchen Sie sich eine der drei Nominierten unten aus, vielleicht zusammen mit einer kurzen Erklärung, warum sie/er es verdient, unsere “Auszeichnung“ zu bekommen. (Sie können natürlich auch jemanden nominieren, der nicht auf der Liste steht).

Drei Vorgehensweisen stehen zur Auswahl:

1. Sie hinterlassen einen Kommentar (natürlich auf der englischsprachigen Ausgabe von HR)
2. Sie schreiben einen Kommentar auf der Facebook-Seite von HonestReporting

oder

3. Sie schicken uns eine E-Mail an action@honestreporting.com [bitte in Englisch]

Kandidaten (Reihenfolge beliebig):

LA Times: Für einen Leitartikel, der [den] Siedlungsbau dafür verantwortlich machen will, dass beim Itamar-Massaker ein drei Monate altes Baby, zwei kleine Kinder und ihre Eltern brutal ermordet wurden.

Reuters: Für die Umdefinierung von Terror nach einem tödlichen Bombenanschlag in Jerusalem.

The Guardian: Für seine überaus aktive Rolle in der PaliLeaks-Affäre, Deborah Orrs antisemitische Einlassung zum Gefangenenaustausch mit Gilad Shalit, einen Leitartikel, der den UN-Goldstone-Bericht verfälscht darstellt und jede Menge anderer Schmutzwäsche.

Wir werden die „Gewinner“ in ein paar Wochen bekannt geben.

Sehen Sie nach, wem die HonestReporting-Leser im Jahr 2010 ihre Stimme gaben.

Vor umstrittenem Interview in Ägypten: Gilad Shalit nicht vom Roten Kreuz untersucht

27. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. Oktober 2011

Das ägyptische Interview mit Gilad Shalit fand statt, bevor irgendein Arzt die Chance bekam, dessen Gesundheitszustand zu überprüfen. Der Enthüllungsjournalist Richard Behar (Forbes) runzelt die Stirn:

Letzte Woche schrieb ich der Interviewerin Shahira Amin, Ägyptens populärster TV-Journalistin, eine E-Mail – danach gepostet in einem News-Beitrag.

Vor drei Tagen antwortete sie sehr ausführlich – ebenfalls in einer E-Mail, deren Inhalt sie größtenteils in einem Offenen Brief an die Jerusalem Post veröffentlichte. In ihrem Brief an mich verteidigt Amin ihre Entscheidung, das Interview mit Shalit geführt zu haben – zum Teil, wie sie behauptet, das Interview wäre angesetzt worden,  „NACHDEM [so ihre Darstellung] er von der Hamas freigelassen worden war und einem medizinischen Checkup durch das Rote Kreuz unterzogen worden wurde.“

Hier aber gibt es ein Problem: Rot-Kreuz-Sprecher Hicham Hassan schrieb mir heute, „dass Vertreter des ICRC (International Committee of the Red Cross [Anm.: bd]) Gilad Shalit kurz nach seiner Übergabe an die ägyptischen Behörden besucht haben. Er wurde jedoch nicht von einem Arzt des Roten Kreuzes untersucht, da dies [sic] nicht angefordert worden war.“

Und was genau bedeutete das für das Interview?

„Hier wurde eine Wahlmöglichkeit vorgetäuscht“, so Dr. Nancy Zarse von der Chicago School of Professional Psychology, Expertin bei Geiselhaft-Verhandlungen für das FBI, Bundesgefängnisse und die Polizei von Chicago. „Ich sah mir das Video zum Interview an. [Und] es lieferte Hinweise auf eine erhöhte Belastung des [vegetativen] Nervensystems sowie schweres Atmen; und manchmal glaubte ich, dass er sehr verängstigt wirkte. So eindeutig kann man das nicht entscheiden.

Ich hatte keinerlei Kontakt mit ihm, aber ich kann nachvollziehen, dass eine Person wie er sich immer noch so fühlt, als sei er in Gefangenschaft – dass ein Interview wie dieses zum wesentlichen Bestandteil der Gefangenschaft werden könnte.“

Die Genfer Konvention von 1949 wird seit langem angewendet, um die Menschenwürde von heutigen und ehemaligen Kriegsgefangenen zu schützen. Da diese Verordnung für Regierungen gilt und nicht Medienorganisationen, sollte man im Hinterkopf behalten, dass das Shalit-Interview fürs ägyptische Staatsfernsehen durchgeführt wurde – also einen Ableger der Regierung.

Seit 2003 haben das Britische Rote Kreuz und die britischen Regierung Anstrengungen unternommen, eine erweiterte Interpretation bezüglich der Anforderung zu unterstützen, dass Kriegsgefangene und zivile Häftlinge vor „Verunglimpfungen und öffentlicher  Zurschaustellung“ durch TV-Medien zu schützen sind. Wie das Rote Kreuz bemerkenswerterweise anführt, kann Publizität zur Demütigung eines Menschen führen und die Rückkehr in sein Heimatland erschweren. Und viele dieser Interviews werden „unter Zwang“ durchgeführt.

Das Interview war nicht nur ausbeuterisch, es war auch schmähend und bedeutete eindeutig eine weitere Demütigung im Zusammenhang mit Shalits Gefangenschaft.

(Hat tip: HonestReporting-Leser GW)

Gilad Shalits Heimkehr: Wie die Medien reagierten

19. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 19. Oktober 2011

Nach über fünf Jahren Gefangenschaft wurde Gilad Shalit (IDF-Foto, Bild rechts) auf israelischem Territorium endlich wieder mit seiner Familie vereinigt  – als Teil eines Deals, der hunderten Palästinensern, darunter vielen, die für abscheuliche und mörderische Terrorakte verantwortlich sind, die Freilassung brachte.

Absoluter Tiefpunkt, was ethisch saubere Berichterstattung betrifft

Auf israelischer Seite hatten sich die größten Nachrichtensender darauf geeinigt, über das Ereignis so sensibel und zurückhaltend wie möglich zu berichten, indem sie von Shalits Zuhause Abstand hielten und auf reißerische Fotos verzichteten. Und in der Tat beschränkte sich die allgemeine Berichterstattung im israelischen Fernsehen auf sorgfältig ausgesuchtes Filmmaterial der IDF zur Freilassung Shalits.

Zuvor jedoch, als Shalit in ägyptische Obhut überstellt worden war, lehnte sich der ’ethische’ Journalismus weit aus dem Fenster, als er einen nach 5 Jahren Isolationshaft verwirrten und übermüdeten Shalit präsentierte – konfrontiert mit einer ägyptischen TV-Kamera für ein Interview mit der Nachrichtenjournalistin Shahira Amin.

Amin wurde von Israel wegen der Durchführung ihres Interviews unter diesen Umständen stark kritisiert, was sie zurückwies.

Wurde Shalit genötigt, das Interview zu geben? Nach Amins Auskunft angeblich nicht:

Es stimmt, dass er von bewaffneten Hamas-Leuten reingebracht wurde, aber im Raum selbst befanden sich nur Mitarbeiter des ägyptischen Geheimdienstes. Sie mischten sich nicht ein, auch die Hamas-Leute nicht. Das betone ich mit voller Autorität und aus voller Verantwortung:

Ich fragte Gilad, ob er bereit sei für ein Interview, und er sagte zu. Wenn er das abgelehnt hätte, was er nicht tat, hätte ich das Interview nicht geführt. Klar, er sah blass aus und wirkte erschöpft, aber gleichzeitig schien er froh zu sein, dass er nach Hause kommt, und er gab gute Antworten. Persönlich hätte ich es vorgezogen, dass das Interview in englischer Sprache geführt worden wäre, ohne Übersetzer, aber Gilad zog es vor, in Hebräisch zu sprechen.

Könnte Shalit eventuell einem Interview deshalb so bereitwillig zugestimmt haben, weil sich ein maskierter Hamas-Aktivist im Raum befand?

Lesen Sie mehr von unserem HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker [In Englisch].

Welcome Home Gilad Shalit

18. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 18. Oktober 2011

Nach 1941 Tagen Gefangenschaft ist Gilad Shalit wieder zuhause.

Es ist ein bittersüßer Tag.

• Kein Gefangenenaustausch kann aber Leutnant Hanan Barak oder Stabsunteroffizier Pavel Slutzker zurückbringen – die beiden Soldaten, die getötet wurden, als Shalit während eines Anschlags am frühen Morgen auf den IDF-Grenzposten Kerem Shalom entführt worden war.

• Die sechs Familien weiterer israelischer Armeeangehöriger – Stabsunteroffizier Zecharya Baumel, Stabsunteroffizier Zvi Feldman, Stabsunteroffizier Yehuda Katz, Major Ron Arad, Guy Hever und Majdy Halaby wissen heute noch nicht, wie es um ihre Angehörigen steht.

• Unter den 1027 freigelassenen palästinensischen Gefangenen befinden sich berüchtigte Terroristen, die für jede Menge Tod, Gemetzel und Gräueltaten verantwortlich sind.

Aber die Heimkehr jedes entführten Soldaten ist wie die Zusammenführung einer lange verschollenen Familie. Shalit war als Soldat eingezogen, um mich [Pesach Benson und das gesamte HR-Team; (Anm.: bd] zu beschützen.

Die Hamas kündigt weitere Kidnapping-Aktionen an: Wer also kann garantieren, dass nicht bald wieder ein Israeli inmitten seiner Heimat entführt wird? Als Israelis sind wir alle davon betroffen. Punkt.

Welcome back, Gilad.

Die neuesten Video-Nachrichten zu Gilad Shalit

18. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 18. Oktober 2011

Weiterhin auf Jerusalem Online mit den neuesten Nachrichten.

Gilad Shalit: Sky News schreibt Geschichte um

12. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 12. Oktober 2011

Wenige Stunden nach der dramatischen Ankündigung, dass ein Gefangenentausch ausgehandelt worden war, um Gilad Shalit nach Hause zu bringen, ist es noch zu früh, sich ein Urteil über die Berichterstattung in den Medien zu machen.

Die Fakten und Geschichten hinter jeder Berichterstattung sind wichtig – und vor allem dann, wenn es um alle Aspekte des Nahostkonfliktes geht. Fünf Jahre nach Shalits Entführung sieht es wohl so aus, dass einige Journalisten vergessen haben, was genau im Juni 2006 passiert war.

Sky News schreibt:

Israel und die Hamas haben einen Deal vereinbart, der die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Shalit ermöglicht – fünf Jahre, nachdem er in Gaza gefangen genommen wurde.

Shalit befand sich nicht in Gaza, wo seit dem israelischen Abzug im August 2005 keine Israelis mehr wohnten. Er wurde auf israelischem Hoheitsgebiet entführt, nachdem palästinensische Terroristen einen Tunnel zum israelischen Territorium gegraben und dort einen Armeeposten angegriffen hatten.

Auch wenn einige sagen, dass es hier um einen vernachlässigbaren Aspekt ginge, handelt es sich bei dieser Ungenauigkeit nicht einfach nur um schlechten Journalismus.

Hier geht es um einen weiteren Versuch, Geschichte umzuschreiben, der es für die Feinde Israels leichter macht, Shalits Entführung und 5 Jahre in Gefangenschaft der Hamas zu rechtfertigen.


UPDATE


Anerkennung an Sky News nicht nur für die Berichtigung der Geschichte, sondern auch für die Hinzufügung einer Grafik sowie Folgendes:

Stabsunteroffizier Shalit (25), wurde im Juni 2006 nahe Kerem Shalom in Israel entführt und offensichtlich seit diesem Zeitpunkt in Gaza gefangen gehalten.

Der Artikel spricht jedoch nicht alle Details des gewaltsamen Zwischenfalls an, die Shalits Entführung ursächlich vorausgingen: der springende Punkt ist, dass es Hamas-Terroristen waren, die den Anschlag mit dem Ziel planten, einen israelischen Soldaten zu entführen.

5 Gedankenspiele zu Gilad Shalit, vor denen man sich hüten sollte

12. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 12. Oktober 2011

Israel und die Hamas bestätigten eine Übereinkunft zur Freilassung Gilad Shalits innerhalb der nächsten Tage. Es ist beruhigend zu wissen, dass ein Ende in Sicht ist. [Aber] man viel darüber diskutieren, ob es klug ist, Terroristen freizulassen; die Freude über Shalits Rückkehr überwiegt jedoch.

Da Gilad Shalit die Schlagzeilen der nächsten Tage dominieren wird, hier 5 Gedankenspiele, vor denen man sich hüten sollte.

1. Reinwaschung von Terror-Aktivitäten der Freigelassenen.

Einige der Namen, die wir in den nächsten Tagen lesen werden, scheinen einer Schurken-Galerie des Terrors entnommen. Marwan Barghouti zum Beispiel wurde vor einem Zivilgerichtshof wegen seiner Rolle bei Terroranschlägen mit 5 Todesopfern verurteilt. Mona Awana freundete sich übers Internet mit dem16-jährigen Ofir Rachum an und lockte ihn nach Ramallah, wo er von Awanas Kumpanen der Tanzim-Miliz ermordet wurde. Ahmed Sa’adat gab den Befehl, den israelischen Tourismusminister Rehavam Ze’evi zu ermorden.

Aktivismus wird von Aktivisten praktiziert und Terrorismus von Terroristen. Welche Vokabeln wird ihre Zeitung verwenden?


2. Die Hamas mäßigt sich.

Die Medien sagten dasselbe, als die Islamisten ihre Teilnahme an den palästinensischen Parlamentswahlen angekündigt hatten; und auch noch, nachdem sie diese gewonnen hatten – und immer, wenn sie an Verhandlungen zur nationalen Einheit teilnahmen, die zu keinem Ergebnis führten. Der Deal ist eine strategische Entscheidung ihrerseits, und sie werden weitere Entführungen planen.

Wie wir wissen, hat die Hamas sich erst dann wirklich gemäßigt, wenn sie Israels Existenzrecht anerkennt, auf Gewalt verzichtet und sich an die bisherigen Vereinbarungen hält, die Mahmoud Abbas nun aus dem Fenster schmeißt, wenn er bei der UNO für die Eigenstaatlichkeit wirbt.


3. Bibi entschied sich so, um Abbas zu schwächen.

Es trifft natürlich zu, dass so ziemlich alles, was die Hamas aufwertet, schlecht für Abbas ist. Aber das ist eine Auswirkung des Shalit-Deals und nicht dessen Ursache.

4. Jeglicher Kampf zwischen Israel und Gaza ist Teil einer Gewaltspirale.

Man kann davon ausgehen, dass Berichte in ihrer Rückschau auf den Konflikt und die Umstände, die zu Shalits Entführung geführt hatten, von einer „Gewaltspirale“ sprechen werden. Man wird stichwortartig, nicht wertend und auf höfliche Weise sagen, dass es ein blutiges Chaos war, das die Palästinenser anrichteten….und die Israelis reagierten darauf mit….was die Hamas veranlasste, dass sie…

Dummerweise bietet diese verkürzte Darstellung keinen Kontext. Diese wertneutrale Haltung setzt Terror mit der Abwehr gegen selbigen gleich. Und diese Höflichkeit ist unangebracht gegenüber Menschen, deren selbsterklärtes Ziel ist, Israel zu zerstören. Nichtsdestoweniger gibt es Wege, Kontext beizumengen, ohne Details darüber zu finden wie an anderer Stelle. Aber Gewaltspirale (und seine Verwandte Wie-du-mir-so-ich-dir) geht überhaupt nicht.


5. Wenn es keine israelische Sturheit gäbe, wäre Gilad Shalit unter den gleichen Bedingungen schon Jahre vorher freigelassen worden.

Mag sein. Wir kennen die Details über die Verhandlungen zum Gefangenenaustausch nicht, die unter Olmert und Netanyahu geführt worden waren. Aber man kann konstatieren: demokratische Gesellschaften wählen Führungspersonen, damit diese in bestem Glauben schwierige und Bauchschmerzen verursachende Entscheidungen treffen.

Und wissen Sie was? Während sich Euphorie in Gaza und der Westbank breitmacht, werden möglicherweise einige Palästinensern vorsichtig andeuten, dass, wenn die Hamas nicht so stur gewesen wäre, hunderte Gefangene schon Jahren vorher unter den gleichen Bedingungen freigelassen worden wären.

Jelena Bonner: Eine wahre Heldin im Einsatz für die Menschenrechte

21. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 21. Juni 2011

Wenn ich über den Verlust von Jelena Bonner nachdenke, merke ich umso mehr, wie abgedroschen der Begriff  „Menschenrechtsaktivist“ geworden ist.

Bonner und ihr Mann Andrej Sacharow trotzten der Sowjetunion mehr als 30 Jahre lang unter großen persönlichen Opfern. Selbst als die UdSSR implodierte und Bonner wegen ihrer Aktivitäten rehabilitiert worden war, prangerte sie vehement die russischen Militäraktionen in Tschetschenien an, den europäischen Antisemitismus und die Zumutung von Friedensbedingungen für Israel.

Sie war eine unüberhörbare Stimme, die das Schweigen der Menschenrechtsgemeinde zu Gilad Shalit kritisierte. In einer Rede auf dem Osloer Friedensforum fragte Bonner zutreffend:

Warum treibt uns das Schicksal des israelischen Soldaten Gilad Shalit nicht ebenso um wie das Los der Guantanamo-Häftlinge?

Sie kämpfte erfolgreich dafür, dass das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, Journalisten und Anwälte Guantanamo besuchen konnten. Man weiß, wie die Haftbedingungen sind, der Alltag des Gefangenen, seine Nahrungsversorgung. Man weiß, welcher Folter gefangene ausgesetzt sind….

Im Rückgriff auf meine Frage, warum Menschenrechtsaktivisten sich so still verhalten, komme ich zu keinem anderem Schluss als dem, dass Shalit ein israelischer Soldat ist und Jude dazu. Nochmal: ob es bewusster oder unbewusster Antisemitismus ist, wieder ist es Faschismus.“

Jelena Bonner hat so viel für Wahrheit, Freiheit und Menschenwürde geopfert. Möge sie in Frieden ruhen.

Hamas schmarotzt in Jerusalemer Hauptquartier des Roten Kreuzes

12. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 12. Dezember 2010

Drei Hamas-Parlamentsabgeordnete schmarotzen sich in einem Büro des Roten Kreuzes in Ostjerusalem durch. Dazu die Jerusalem Post:

Während ihres Aufenthaltes beim Roten Kreuz hielten die Politiker regelmäßig Freitagsgebete ab, die von vielen Einwohnern Jerusalems besucht wurden; sie empfingen hohe Würdenträger, darunter den ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter und einen jordanischen Gesandten; und sie veranstalteten Foto-Shootings mit verschiedenen arabischen Prominenten der Stadt. Auf dem Gelände des Rotkreuz-Büros  wurde Propagandaliteratur verteilt und große Schriftzüge mit den Konterfeis der Abgeordneten zieren die Wände des Gebäudes.

Ein Sprecher des Roten Kreuzes erklärte der Zeitung gegenüber, dass das Büro kein sicherer Hafen sei und die Polizei jederzeit Ahmad Attoun, Khaled Abu-Arafa and Muhammad Totah festnehmen könne. Aber wie erklärt die Hilfsorganisation dies?

Das Rote Kreuz hat den Politikern innerhalb des Gebäudes einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem sie schlafen und ihr mitgeführtes Eigentum aufbewahren können, dazu einen Baderaum, Elektrizität für ihr großes Protestzelt und eine Wasserkühlvorrichtung, wie vereinbart….

Glauben Sie wirklich, das Rote Kreuz würde mir die gleichen Privilegien zugestehen, wenn ich mal eben so aufkreuzte und mich weigerte, wieder zu gehen?

Die wahre Frechheit ist jedoch, dass sogar die Hamas von der Freizügigkeit des Roten Kreuzes profitiert, gleichzeitig aber der Hilfsorganisation weiterhin der Zugang zu Gilad Shalit verwehrt wird.

Hinter Gittern: Fototricksereien aus Gaza

23. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juni 2010

Lesen Sie dazu bitte HonestReportings neue medienkritische Beiträge:

• Befinden sich Gaza-Kinder wirklich hinter Gittern oder gibt der Bildausschnitt nicht den ganzen Kontext wieder? Behind Bars: Photo Bias Breaks Out of Gaza

• Nach 4 Jahren Gefangenschaft bei der Hamas: bitte sprechen Sie die Mainstream-Medien auf die tragische Lage des entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit an. Werden die Medien sich an Gilad Shalit erinnern?

Werden sich die Mainstream-Medien jetzt(!) an Gilad Shalit erinnern?

22. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. Juni 2010

Während die Weltöffentlichkeit ihr Hauptaugenmerk auf Israels Blockadelockerung  sowie weitere zu erwartende Flottillen richtet, mache ich mir Sorgen darüber, dass die Mainstream-Medien am kommenden Freitag das mittlerweile vierte abgelaufene Jahr ignorieren, das Gilad in Gefangenschaft verbringt.

In den Kommentaren der heutigen Zeitungen ist weder bei der NY Times, der SF Chronicle noch im Guardian in irgendeiner Weise etwas über Gilad Shalit nachzulesen. Die Irish Times sowie ein sonst gutes Stück im Globe & Mail erwähnten den 27-jährigen Feldwebel gerade mal so nebenbei.

Wenigstens zeigte die LA Times eine gewisse Anteilnahme:

Die Hamas sollte ebenfalls etwas dazu tun, indem sie den nun 24-jährigen Gilad Shalit freilässt, der praktisch in Isolationshaft gehalten wird, nachdem er vor vier Jahren entführt worden war.

Kann man sich vor der Hamas noch mehr ekeln?

26. April 2010

HonestReporting Media BackSpin, 26. April 2010

Fathi Hamad, eine Schlüsselfigur der Hamas, der in die Verhandlungen über Gilad Shalits Freilassung involviert ist, hat eine dreijährige Tochter, die zu einer dringend notwendigen medizinischen Behandlung nach Jordanien gebracht wurde. Israel erteilte die Ausreisegenehmigung aus humanitären Gründen.

Ein Offizieller des Verteidigungsministeriums erklärte, dass Israel trotz des ungewöhnlichen Ersuchens und der Tatsache, dass der Vater des Mädchen Hamas-Funktionär ist, entschieden hat, den humanitären Schritt zu vollziehen, um das Leben des Mädchens zu retten.

Die Quelle fügte hinzu, dass es falsch gewesen wäre, den Antrag abzulehnen, obwohl Hamad ein hochrangiger Hamas-Funktionär ist und an den Verhandlungen um die Freilassung des entführten Soldaten Gilad Shalit teilnimmt.

Und wie reagierte Hamas auf die Goodwill-Geste? Mit einem animierten Video*, das Shalits Rückkehr zu seinem alten Vater in einem Sarg in Aussicht stellt. Es endet mit einer erneuten Drohung der Hamas, weitere israelische Soldaten zu entführen.

Kann man sich vor der Hamas noch mehr ekeln?

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*Reuters bezeichnet dieses Drecksvideo als Teil des „künstlerischen Flügels“ (!) der Hamas.

Leseempfehlungen, 16.02.10

16. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 16. Februar 2010

Is Hamas Accusing Paul Martin of Trying to Locate Gilad Shalit?
Palestinian Fund Courts International Investors
Kuwaiti Newspaper Fined Over Pro-Israel Advert
Twitter ‚Is A Weapon In Cyber Warfare‘
Rinse, Wash, Repeat: For the last time, Stephen Walt, Israel did not send the U.S. and Britain into Iraq

Schreib‘ nur (über das) was du weißt

24. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. November 2009

Sämtliche Bemühungen in der Vergangenheit, Gilad Shalit nach Hause zu holen, waren erfolglos, brachten leere Versprechungen und Fehlinformationen. Deshalb muss die Berichterstattung heute unter Vorbehalt gesehen werden.

Als ich die heutigen Zeitungen durchlas, wurde ich an ein grundlegendes Prinzip im Einmaleins des Journalismus erinnert.

Schreib‘ nur was du weißt.

Kompliment an NY Times-Büroleiter Ethan Bronner, dessen Update zu den Verhandlungen über Shalit im Wesentlichen zitiert, wer was zu wem gesagt hatte. Und es funktioniert. Was mir am besten gefiel:

„Wer keine Ahnung hat soll ruhig reden“, sagte Dan Meridor, Israels Gehheimdienstminister, am Montag im staatlichen Rundfunk. „Diejenigen, die Bescheid wissen, sollten besser schweigen.“

Goldstones schräges Rechtsempfinden

17. September 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. September 2009

In heutigen Gastkommentarteil der NY Times verteidigt Richard Goldstone seinen fehlerhaften Bericht. Ich möchte einen Ausschnitt besonders herausheben:

Leider halten Israel und die Hamas traurige Rekorde, was die Nachforschungen in ihren eigenen Streitkräften betrifft. Ich weiß von keinem einzigen Fall, in dem ein Hamas-Kämpfer bestraft wurde, weil er eine Rakete absichtlich auf ein ziviles Ziel in Israel abgeschossen hatte – im Gegenteil: Die Hamas-Führer loben immer wieder solche Taten. Wenn Israel damit begonnen, Untersuchungen zu den Anschuldigungen über Menschenrechtsverletzungen durch seine Streitkräfte in Gaza nachzugehen, kann man nicht davon ausgehen, dass dies seriös und objektiv abläuft.

Die Gleichsetzung, die Goldstone hier zwischen israelischer Justiz und Gerechtigkeit á la Hamas herstellt, ist ein schlechter Witz. Welche Möglichkeit einer rechtlichen „Regressforderung“ hat Gilad Shalit, um seine “Festsetzung“ im so genannten Rechtssystem von Gaza anzufechten?

Gilads trostloser Jahrestag

25. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 25. Juni 2009

Während Israel des dritten Jahrestages von Gilad Shalits Entführung gedenkt, stellt YNet News fest, dass eine von B‘ Tselem geschaltete Anzeige, die die Freilassung des Reservisten fordert, in Gaza verboten worden ist:

Die Sprecherin der Gruppe sagte, dass die Anzeige am Donnerstag von der palästinensischen Zeitung Al-Quds, die in der West Bank zirkuliert, veröffentlicht wurde, aber die in Gaza aufgelegte Palestine es ablehnte, sie nachzudrucken….

„Sie (Die Verantwortlichen von Palestine) teilten uns keinen Grund für die Ablehnung mit, aber wir nehmen an, dass der Sachverhalt ziemlich kompliziert ist (im von der Hamas kontrollierten Gebiet). Die Presse in Gaza hat offensichtlich nicht so viele Freiheiten. Die Anzeige war in Al-Quds veröffentlicht worden und wir hoffen, dass die Bewohner von Gaza es auch lesen können.“

Unterdessen baut sich die Solidarität für Shalit auf Twitter auf. Wie Pesach Benson schon geschrieben hat ist #Gilad nun das Thema Nr. 8*, geht es nach der Webseite #Hashtags. Haben Sie Ihre Unterstützung schon bekundet?

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*kann sich natürlich noch ändern.

20 Jahre Fatah und Favre

25. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 25. Juni 2009

Nun ist es offiziell:  Der auf den 4. August angesetzte Parteitag der Fatah in Bethlehem ist der erste in 20 Jahren.*

Das heißt, dass die Fatah-Leute das letzte Mal zu einem Parteitag zusammenkamen, als Brett Favre sich auf seine erstes Jahr am College vorbereitete, Gilad Shalit drei Jahre alt war und die Osloer Verhandlungen noch Jahre entfernt.

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*Dafür, dass sich die Fatah „Partei“ nennt ist das ein bisschen wenig, nicht wahr?

Schweigen der Menschenrechtler zu Gilad Shalid “ist Faschismus”

23. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juni 2009

Must Read: Elena Bonner (sehen Sie hier nach, wenn Sie die ehemalige Regimekritikern der UDSSR nicht kennen) kritisiert ihre Menschenrechtskollegen scharf wegen deren Schweigen zu Korporal Gilad Shalit. Bonner schreibt in The New Republic:

Und eine andere Frage, die mir seit langer Zeit ein Dorn im Auge ist. Es ist die Frage an meine Menschenrechtskollegen. Warum berührt Sie das Schicksal des israelischen Soldaten Gilad Schalit nicht genauso wie das der Gefangenen in Guantanamo?

Sie setzten sich dafür ein und bekamen die Möglichkeit, dass das Internationale Rote Kreuz, Journalisten und Rechtsanwälte Guantanamo besuchen können. Sie kennen die Zustände im Gefängnis, den Tagesablauf der Gefangenen und was sie zu essen bekommen. Sie konnten mit Insassen sprechen, die gefoltert worden waren. Das Resultat Ihrer Bemühungen war ein Folterverbot und ein Gesetz, das die Schließung des Gefängnisses festgesetzt hat. Präsident Obama unterzeichnete es in seinen ersten Amtstagen. Und obwohl er, genau wie Präsident Bush vor ihm, nicht weiß, wie weiterhin mit den Guantanamo-Gefangenen zu verfahren ist, gibt es Hoffnung, dass die neue Administration eine Lösung finden wird.

Aber während der zwei Jahre, die Schalit von den Terroristen gefangen gehalten wurde, hat die weltweite Menschenrechtsgemeinschaft nichts zu seiner Freilassung unternommen.. Warum? Er ist ein verletzter Soldat und fällt vollständig unter den Schutz der Genfer Konvention. Die Konvention sagt eindeutig, dass Geiselnahme verboten ist, dass Repräsentanten des Roten Kreuzes Zutritt zu Kriegsgefangenen haben müssen, speziell zu verwundeten Soldaten; und in der Genfer Konvention steht noch einiges mehr Schalits Rechten. Die Tatsache, dass Repräsentanten des [Nahost-] Quartetts Verhandlungen mit Leuten führen, die Schalit an einem unbekannten Ort festhalten, zeigt eindeutig ihre Verachtung der Dokumente des Internationalen Rechts und ihren totalen rechtlichen Nihilismus. Sind Menschenrechtsaktivisten auch nicht mehr in der Lage, an grundlegende Dokumente Internationalen Rechts zu erinnern?

Und dennoch denke ich (und manche werden das naiv finden), dass der erste kleine, aber reale Schritt hin zu Frieden die Freilassung von Schalit sein muss. Freilassung – und nicht ein Austausch gegen 1.000 oder 1.500 Gefangenen, die in israelischen Gefängnissen sitzen und wegen realer Verbrechen Haftstrafen verbüßen.

Ausgehend von meiner Frage, warum Menschenrechtsaktivisten schweigen, kann ich keine andere Antwort finden als die, dass Schalit ein israelischer Soldat ist und Jude. Es handelt sich also wieder um bewussten oder unbewussten Antisemitismus. Und abermals – es ist Faschismus.

Die Israelis gedenken des dritten Jahrestages von Shalits Entführung. Beim Angriff auf Kerem Shalom waren auch Leutnant Hanan Barak und Unteroffizier Pavel Slotzker getötet worden.

Lesen Sie bitte Bonners vollständigen Kommentar (via Martin Peretz) [In Englisch].

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