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CNNs Akkuratesse-Blockade

4. Juli 2015

Yarden Frankl, HonestReporting, 1. Juli 2015

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Ein CNN-Videobericht über den kürzlichen Versuch, die Gaza-Seeblockade zu umgehen, enthält eine erschreckende Unwahrheit. Gegen Ende des Berichts sagt die Korrespondentin Paula Hancocks:

Eine UN-Untersuchungsmission zog 2011 den Schluss, die Blockade sei unrechtmäßig, aber Israel verteidigt sein Recht, seine Grenzen zu schützen.

Dies ist falsch. Der von der UN 2011 in Auftrag gegebene Palmer-Bericht fand heraus, dass die israelische Blockade internationalem Recht entspricht. Hier ein Auszug aus dem Bericht:

Das Grundprinzip der Freiheit der Schiffahrt auf hoher See ist im internationalen Recht nur bestimmten begrenzten Ausnahmen unterworfen. Israel sieht sich einer echten Bedrohung seiner Sicherheit durch militante Gruppen in Gaza ausgesetzt. Die Seeblockade wurde als legitime Sicherheitsmaßnahme verhängt, damit keine Waffen übers Meer nach Gaza gelangen, und ihre Implementierung entsprach den Erfordernissen des internationalen Rechts.

Die Rechtmäßigkeit der Blockade ist für Zuschauer ein Schlüsselpunkt, damit sie die gegenwärtige Situation verstehen, und dieser Fehler muss sofort korrigiert werden. Eugene Kontorowitsch, Professor für internationales Recht, schreibt in der Washington Post (und im Commentary), dass es nicht nur die Palmer-Kommission 2011 gewesen ist, die die Rechtmäßigkeit der Blockade bezeugte. Der relative Mangel an gegen die Blockade gerichtete Kritik deutet darauf hin, dass eingeräumt wird, ja, Israel kann Schiffe stoppen und durchsuchen, die auf dem Weg ins Hamas-regierte Gaza sind.

Natürlich gibt es noch eine weitere Situation, in welcher nichtfeindliche Schiffe auf hoher See gestoppt werden können – nämlich Schiffe, welche die Blockade zu durchbrechen versuchen… Anbetrachts dessen, dass Israels bewaffnete Aktionen von der internationalen Gemeinschaft gewiss keine Billigung der Rechtmäßigkeit genießen, kommt dieses Schweigen praktisch einer Anerkenntnis der Rechtmäßigkeit der Blockade gleich.

CNN muss klarstellen, dass Israels Position rechtmäßig ist.​

Erekats neueste faustdicke Lüge: 96% der Toten in Gaza waren Zivilisten

6. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 6. Oktober 2014
(Übs.: Yvaine de Winter)

Erekat

Man muss sich fragen, warum seriöse Medien den Palästinenserfunktionär Saeb Erekat, der es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt, überhaupt einladen. Es muss wohl am Unterhaltungswert seiner wahnwitzigen Aussagen liegen.

Und auch sein kürzlicher Auftritt im Army Radio war in dieser Beziehung keine Enttäuschung.

Erekat offenbarte, ganze 96% aller getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen. Die Zahl übersteigt bei weitem die von den Vereinten Nationen angeführten Zahlen, die sich um die 75% bewegen und hauptsächlich auf Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums in Gaza beruhen. Israelischen Angaben zufolge waren zirka die Hälfte der im Krieg getöteten Einwohner Gazas Mitglieder der Hamas oder anderer Terrorgruppierungen.

Der Opferzahlendisput wird wahrscheinlich noch monatelang weitergehen. Zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wird diejenige Seite tatsächlicher Gewinner des Gaza-Krieges sein, die die Welt davon überzeugen kann, mit größerer Moral und Sorgfalt gehandelt zu haben. Und Erekats große Lüge soll die Behauptung der Palästinenser untermauern, Israel habe in Gaza übermäßige Gewalt angewendet.

Erekat war natürlich auch der Palästinenserführer gewesen, der behauptet hatte, 2002 in Jenin seien 500 Palästinenser getötet worden. Die tatsächliche Zahl lag bei weit unter 100, und es gab auch beträchtliche israelische Opferzahlen. Laut Haviv Rettig Gur ist diese Art von Behauptung Teil einer umfassenderen Strategie, die auch von der BDS-Bewegung angewendet wird, um Israel international zu isolieren.

Die globale BDS-Kampagne, die von palästinensischen Zivilgruppen unter der Leitung der Fatah angezettelt wurde, sowie die Verbreitung völlig abwegiger Lügen bzw. Verzerrungen zum Leid der Palästinenser (vom „Jenin-Massaker“ 2002 bis zur Behauptung des obersten Friedensunterhändlers diese Woche, 96% der im Gaza-Krieg diesen Sommer getöteten Palästinenser seien Zivilisten gewesen) soll internationalen Druck auf Israel lenken. Dieser Druck wird Auswirkungen haben, die palästinensische Unterhändler nicht am Verhandlungstisch erreichen könnten.

Rettig Gur hat recht, dass das permanente Aufbauen internationalen Drucks auf Israel durch Methoden der Palästinenserführung eine Taktik ist, um bei den Verhandlungen in eine bessere Position zu kommen. Den Köpfen der BDS-Bewegung jedoch geht es nicht um Verhandlungen – sie wollen Israel isolieren, um seine Legitimität zu unterwandern und letztendlich seine jüdische Identität zu zerstören.

Bild: CC BY Münchner Sicherheitskonferenz/Tobias Kleinschmidt via Wikimedia Commons

Medizinische Versorgung für Terroristen

4. April 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. April 2013

Die Medien waren kürzlich voll mit Geschichten wie dieser über einen palästinensischen Häftling in Sicherheitsverwahrung, der in einem israelischen Gefängnis an Kehlkopfkrebs gestorben war. Während die Medien jede Menge Zeit dafür aufbrachten, palästinensische Offizielle zu zitieren, die Israel für seinen Tod verantwortlich machten und detailliert über deren Wut wegen seines Ablebens berichteten, haben einige wichtige Fragen noch immer nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zukommt.

1) Speziell der Häftling Maysara Abu Hamdiya saß eine lebenslange Haftstrafe wegen versuchten Massenmordes ab. Er war General der palästinensischen Sicherheitskräfte (jawohl, jener paramilitärischen Einheit, die durch internationale Spenden zur Stützung des „gemäßigten“ Regimes der Palästinensischen Autonomiebehörde finanziert wird).  Offenbar schickte General Hamdiya einen jungen Mann mit einer Bombe in nein Jerusalemer Cafe mit der Order, so viele Menschen wie möglich umzubringen. Gott sei Dank zündete die Bombe nicht, der General wurde erwischt und verhaftet. Tragischerweise wurden bei ähnlichen Anschlägen während der zweiten Intifada mehr als tausend Israelis getötet.

2) Obwohl er wegen des Mordversuchs an dutzenden israelischer Cafebesucher inhaftiert wurde, erhielt Hamdiya (wie Tausende andere Palästinenser) medizinische Versorgung in einem israelischen Krankenhaus. Die meisten Leute wissen nichts über viele palästinensische Zivilisten, die in israelischen Krankenhäusern behandelt werden (was zu einem Großteil von israelischen Steuerzahlern bezahlt wird.) Jeden Tag ermöglicht Israel den Zugang von Menschen aus Gaza, die in den ausgezeichneten medizinischen Einrichtungen in Israel behandelt werden. Man kann das als Argument dafür sehen, wie großzügig Israel handelt.

Aber in diesem Fall handelt es sich um einen tatsächlichen Terroristen, der Israelis ermorden wollte und dennoch Zugang zu medizinischer Versorgung in Israel erhielt. Der lautstark in den Schlagzeilen erhobene Vorwurf lautete, dass dieser Mannes, der an einer tödlichen Krankheit litt, nicht ausreichend genug gepflegt worden sei.

Ein Kommentator der Washington Post verlinkte zu diesem Beitrag, der das Problem zurechtrückt. Ein Auszug:

Nach erstaunlicher ist die Tatsache, dass, während die Hamas weiterhin ihre Raketen verschoss, sie weiterhin  Patienten nach Israel zur Behandlung in dortige Krankenhäuser schickte, viele davon in Gebiete, die unter Beschuss der Hamas-Raketen lagen.

Israelische Krankenhäuser nehmen schon seit Jahren Palästinenser auf. In Gaza gibt es einfach nicht genug medizinische Einrichtungen, die eine Behandlung der stetig anwachsenden Bevölkerung garantieren können. Und die dort vorhandenen sind schlecht ausgestattet. Dem ’Palestinian Central Bureau of Statistics’ zufolge gibt es in Gaza 24 Krankenhäuser, die 1,7 Millionen Menschen zu versorgen haben. Israel hingegen verfügt über 377 Krankenhäuser, verteilt auf eine Bevölkerung von etwa 8 Millionen. Allein im vergangenen Jahr erhielten mehr als 100.000 Palästinenser medizinische Versorgung in Israel. Selbst auf dem Höhepunkt der Kämpfe im vergangenen November behandelten israelische Krankenhäuser Patienten aus dem Gazastreifen.

Rakete aus Gaza schlägt in Israel ein: Und was suggeriert das Foto?

26. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 26. Februar 2013

Wir hätten uns [eigentlich] keine akkuratere und passende Headline als diese der Irish Independent wünschen können:


Und welches Foto wäre das passendste, um diese Geschichte zu illustrieren? Eine Crew, die aus Gaza Raketen abfeuert? Ein Foto von der Abschussstelle?

Selbst wenn keine Aufnahmen zu diesem speziellen Zwischenfall existieren würden, könnte man auf viele geeignete Fotos aus dem Archiv zurückgreifen.

Stattdessen veröffentlicht die Irish Independent dieses beigefügte Bild:


Sieht das etwa aus wie eine Rakete aus Gaza?

Bildunterschrift (Capture):

Bei Zusammenstößen mit Steine werfenden palästinensischen Demonstranten vor dem Militärgefängnis Ofer nahe Ramallah (Westbank) feuert ein israelischer Grenzpolizist Tränengaspatronen ab.

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*Wie friedlich übrigens die palästinensischen „Demonstranten“ nahe des Militärgefängnisses Ofer agieren, kann man hier begutachten [bd].

Wie die Reaktion auf Raketenbeschuss einen Waffenstillstand bricht

26. Juni 2012

HonestReporting Media BackSpin, 26. Juni 2012

Man fragt sich schon ernsthaft, was in den Köpfen derjenigen vorgeht, die die Schlagzeilen schreiben. Als Israel auf palästinensischen Raketenbeschuss ANTWORTETE, wartete Reuters mit der Schlagzeile „Israelischer Luftangriff tötet Militante in Gaza und bricht damit den Waffenstillstand“ auf.

Wie kann man von einem „Waffenstillstand“ sprechen, wenn Israel unter Raketenbeschuss steht?

Israel unter Sperrfeuer: Raketenangriffe auf den Süden

12. März 2012

HonestReporting Media BackSpin, 12. März 2012

Wieder einmal haben eine Million Israelis die letzten 48 Stunden in nahe gelegenen Luftschutzkellern oder ihren geschützten Räumen verbringen müssen. Die meisten Schlagzeilen und Artikel beschäftigten sich jedoch mit israelischen Luftangriffen auf Terrorzellen in Gaza, die zum Tod von mehr als einem Dutzend Palästinensern geführt hatten. Aber wie steht es mit den verheerenden Auswirkungen von rund 130 Raketen auf israelische Städte und Gemeinden bislang?

Die Times of London schreibt über abgefeuerten Raketen auf „israelische Grenzstädte“, und die Financial Times titelt mit „Gewalteskalation an Gazas Grenze“. Ashkelon (113.000 Einwohner), Ashdod (206.000 Einwohner) und Beerscheba (194.000 Einwohner) sind aber alles andere als „Grenzstädte“.

Abgesehen davon haben die von den Terroristen in Gaza abgefeuerten Waffen sehr wenig mit „handgefertigten“ Raketen zu tun.

Falls erforderlich, bitte auf die Abbildung klicken!


Hier einige der neuesten Informationen (Dank an die IDF-Pressestelle):

In den letzten beiden Tagen wurden aus dem Gazastreifen mehr als 130 Raketen in die Ballungszentren im Süden Israels abgefeuert.

• Am Freitag, den 9. März, wurden vier Menschen verletzt, einer davon schwer. Am 10. März wurde ein Pferd getötet und ein Haus nahe Ashdod durch einen direkten Raketentreffer schwer beschädigt.

• Wegen der anhaltenden Raketenangriffe sind am Sonntag, den 11. März, in vielen Städten und Gemeinden im Süden Israels die Schulen geschlossen worden.

• Zu den Angriffszielen zählten Ashdod, Beersheba, Yavne, Netivot und Ashkelon sowie die Areale von Eshkol und Shaar Hanegev.

• Das Iron Dome-System [Abwehrsystem gegen Kurzstreckenraketen; (bd)*] fing etwa 90% der auf Beersheba, Ashdod und Ashkelon abgefeuerten Raketen ab.

• Die Terror-Einheiten verschießen ihre Raketen aus dicht besiedelten Gebieten im Gazastreifen, darunter Bet Lahiya, Jabaliya, Rafah, Gaza und El-Bureij.

Trotz des Raketensperrfeuers bleibt der Grenzübergang Erez nach Gaza für Passagiere und Mitarbeiter internationaler Organisationen offen. Kerem Shalom ebenso für die Lieferung von 200 Lkw-Ladungen aus Israel in den Gazastreifen.

Bleiben Sie wachsam, wenn es um folgende Themen in Ihren lokalen Medien geht:

Moralische Gleichsetzung: Unterscheiden die Medien zwischen gezielten israelischen Schlägen gegen Terroristen – im Gegensatz zu  wahllos-absichtlichen palästinensischen Raketenangriffen auf israelische Zivilisten?

„Gewaltspirale“: Trotz dieser oft verwendeten Umschreibung [plumper Euphemismus der antizionistischen Medien (bd)] handelt es sich hier nicht um eine „Gewaltspirale“, die auf beiden Seiten gleiche Verantwortung und Absicht unterstellen könnte. In diesem Fall nahm Israel – wie in den vorausgegangenen Konflikten auch – sein Recht auf präventive Selbstverteidigung wahr, indem es gegen eine Terrorgruppe vorging, die einen kombinierten Terroranschlag plante, der über den Sinai durchgeführt worden war.

Chronologische Umkehrung: Wo beginnen Ihre Zeitung/Ihre Medien mit der Berichterstattung? Mit dem Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen oder der israelischen Reaktion darauf? Falls der Fokus auf israelische Luftangriffe gelegt wird, verzerrt das dann  nicht die Perspektive, wenn Israel als Aggressor dargestellt wird?

„Unverhältnismäßige Reaktion“: Wird Israel bezichtigt, auf palästinensische Terrorangriffe überreagierend zu antworten? Wenn Sie mehr zum Thema wissen wollen, dann klicken Sie bitte unten [Am besten auf die Steuerungstasten im Menü (bd)]:

Israel gegen Vorwürfe exzessiver Gewalt verteidigen


Weitere Präsentationen zum Thema von HonestReporting

Wenn Ihre lokalen Medien über die aktuellen Ereignisse berichten, nehmen Sie sich die erforderliche Zeit dafür, in E-Mails und Leserbriefen deutlich klar zu stellen, wer für den Gewaltausbruch verantwortlich ist – mit direktem Bezug auf die Terroristen, die Anschläge auf israelische Zivilisten planen und Raketen auf sie abfeuern. Überzeugen Sie Ihre Medien davon, dass diese auch um das Leiden von einer Million Israelis [Bescheid] wissen, die von diesem neuesten Raketenhagel betroffen sind.

Für neueste Meldungen zur ständig wechselnden Sachlage vor Ort informieren Sie sich bitte bei HonestReporting über Facebook, Twitter und unseren Backspin-Blog.

Die deutsche Ausgabe wie immer hier, falls man die englischsprachige Ausgabe nicht lesen kann: https://backsp.wordpress.com/

—-
*Mehr zu Iron Dome hier [In Englisch]

Channel Fours Behinderten-Spitze gegen Israel

16. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2011

Ist es vorstellbar, dass man über irgendein Thema zum Leben in Gaza ohne einen Seitenhieb auf Israel berichtet? Offensichtlich nicht. Das Magazin Unreported World des britischen Senders Channel 4 dokumentiert die Aktivitäten des Behinderten-Teams für die Qualifizierung zu den Paralympics in London 2012.

[Auf das Bild unten oder hier klicken, um das Video anzusehen]

Es wird deutlich, dass man die hohe Zahl von behinderten Palästinensern in Gaza nicht auf militärische Aktionen des israelischen Militärs zurückzuführen kann oder gar ruchlose Pläne, mit palästinensischen Genpools zu manipulieren, sondern als Ergebnis einer großen Zahl von Mischehen in Großfamilien zu betrachten ist.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen, und manch’ zitierter Palästinenser wurde zum Behinderten, nachdem er von einer israelischen Rakete getroffen worden war. Die Programm-Macher/Präsentatoren [von Channel4 ] haben sich niemals darum geschert, warum gerade dieser Palästinenser getroffen wurde. Vielleicht war er sogar Mitwirkender in einer Raketen-Squad. Aber wir werden es nie erfahren, weil diesbezüglich keine Fragen gestellt werden. Stattdessen wurden – dem Programminhalt des Senders zufolge – Zivilisten in Gaza „kurzerhand durch israelische Angriffe getötet und verstümmelt; oft in Vergeltung für Raketenangriffe von palästinensischen Militanten.“

Greift Israel wirklich wahllos palästinensische Zivilisten an, um Vergeltung zu üben? Selbstverständlich nicht. Dennoch müssen wir uns mit der Geschichte von zwei Kindern befassen, die angeblich von einer unbemannten Drohne getroffen wurden. Geht man von der Darstellung des Kommentators aus, der mit dem Onkel des Jungen sprach, schlug „ein Drohnengeschoss aus heiterem Himmel unter den Kindern ein und verletzte zwei seiner Neffen.“

Obwohl unbestritten ist, dass palästinensische „Militante“ Raketen von diesem Areal abgefeuert hatten, bleiben die Einzelheiten im Dunkeln. Es gibt viele Beispiele zu Vorfällen, bei denen israelische Raketenangriffe abgebrochen wurden, weil Zivilisten involviert gewesen wären, darunter Kinder in der Umgebung des Zielgebietes. Leider müssen wir anhand vorangehender Erfahrungen davon ausgehen, dass palästinensische „Augenzeugen“ nichts ohne einen kritischen Unterton sagen.

Aber selbst dann ist es immer noch möglich, Israel ins schlechte Licht zu rücken, wenn man wichtigen Kontext weglässt. Gaza wird zum Beispiel als Belagerungsgebiet und virtuelles Gefängnis porträtiert. Doch keine Erwähnung darüber, warum Israel den Gazastreifen abgeriegelt hat, kein Wort über die Hamas, kein Hinweis auf die ägyptische Grenze. Nur Israel ist die verantwortliche Partei, was die schwierige Situation in Gaza betrifft.

Selbst die humanitäre Einstellung Israels wird komplett verdreht dargestellt. Der oben genannte wegen eines israelischen Raketenangriffs behinderte Palästinenser trauert um den Verlust seiner Mutter, die an einer Krebserkrankung verstarb. Sie starb in einem israelischen Krankenhaus, das überhaupt nicht verpflichtet gewesen wäre, kranke Palästinenser aufzunehmen oder medizinisch zu behandeln. Israel bleibt der Bösewicht, weil es dem Sohn nicht die Genehmigung erteilte, nach Israel einzureisen, um bei seiner sterbenden Mutter zu sein.

Was eine wirklich echte menschliche Geschichte von Interesse sein könnte, wird so zum Opfer des allzu häufig vorherrschenden Drangs, einen Grund dafür zu finden, Israel zu beschuldigen. Dass Channel 4 für das jüngste Beispiel verantwortlich ist, dürfte nicht überraschen.

Hamas: Embedding (Einbettung) unter Diplomaten?

15. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 15. November 2011

Letzten Sonntag wurden der französische Konsul in Gaza, seine Frau und seine 13-jährige Tochter während eines Luftangriffs der IDF auf einen Marinestützpunkt der Hamas von einem Granatsplitter verletzt. Reuters* berichtet, dass sich das Konsulargebäude nur 200 Meter entfernt vom Areal (der Hamas) befindet.

Schlimm genug, dass sich Ausbildungslager, Raketenfabriken, Waffendepots und Abschussrampen für Kassam-Raketen der Hamas auf zivilen Arealen befinden.

Ich würde niemals irgendein Viertel in Gaza mit einer Botschaftszeile in Washington vergleichen. Aber die Hamas weiß sicher um die Koordinaten jeder diplomatischen Mission im Gazastreifen.

Verfolgt sie auch das Prinzip der Einbettung unter Diplomaten?

(Bild via Flickr/euthman)

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*Bitte dazu auch Margots Leserbrief beachten, was die Beschreibung der Verletzungen betrifft!

Lasst die Hamas israelische Gerichtskosten übernehmen

9. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 9. November 2011

Ein kurzatmiger AP-“Exklusivbericht“ stellt die Behauptung auf, dass Familien der von der IDF getöteten Palästinenser vorschnell und ungerechtfertigt mit hohen israelischen Gerichtskosten belastet worden seien.

Wie [angeblich, (bd)] bürokratische Willkür gegen palästinensische Ansprüche auf Ausgleich wegen widerrechtlicher Tötung arbeitet:

Das Opfer muss für Gerechtigkeit zahlen“, sagte der in Gaza lebende Mohammed Abdel-Dayim, dessen Sohn und drei sener Neffen während eines militärischen Angriffes getötet worden waren. „Israel sollte sich schämen.“

Israel besteht darauf, dass die Gerichtskosten leichtfertig eingereichte Klagen verhindern würden. Es sagt, die Gebühren würden bei vielen Ausländern – nicht nur Palästinensern – erhoben werden -, weil sie keine Vermögenswerte [im Land] besäßen, auf  die der Staat bei anfallenden Anwalts- und Gerichtskosten zurückgreifen könne.

Aber die Palästinenser halten dagegen, dass die Gebühren Teil eines Strategie seien, um israelische Soldaten zu schützen. Wenn die Gebühren nicht gesenkt werden würden, so die Anwälte der Palästinenser, müssten sie die meisten Verfahren fallen lassen.

Kollateralschäden sind zu bedauern, aber wenn diese Familien Bargeld benötigen, um gesetzliche Ansprüche an israelischen Gerichten durchzusetzen, sollten sie sich einfach an die Hamas wenden.

1. Viele der 1.000 Forderungen, über die AP berichtet, stammen aus der Operation Gegossenes Blei. Die Hamas und andere Terrororganisationen verschanzten ihre bewaffneten Kämpfer, Raketentrupps, Waffenwerkstätten und -lager inmitten von zivilen Arealen, was Verluste unter der Zivilbevölkerung unvermeidlich machte. Lesen Sie dazu diesen aufschlussreichen Nachkriegsbericht des Spiegel.

2. Überdies behauptet die Hamas, dass jeder von der israelischen Armee getötete Palästinenser ein Märtyrer sei und sie [deshalb] Bargeld an deren Familien verteile.

Wenn also die Gazaner rechtliche Schritte gegen Gerichte jenes Landes [Israel, (bd)] in Betracht ziehen, das ihre Hamas-Führer vernichten wollen, dann habe ich damit kein Problem. Das israelische Rechtssystem ist transparent genug.

Die Hamas kann die Gerichtsgebühren übernehmen. (Abbildung via Flickr/srqpix)

Medien-Spickzettel, 30. Oktober 2011

31. Oktober 2011

HonestReporting Media BackSpin, 31. Oktober 2011

Alles, was Sie zur Medienberichterstattung über Israel wissen sollten.

Die heutige Berichterstattung konzentrierte sich auf den Raketenbeschuss aus Gaza und israelische Vergeltungsschläge. Leider haben einige Journalisten die Chronologie verzerrt dargestellt, während andere in wertfreiem Stenogramm-Stil den Eindruck vermittelten, Israel habe den Kampf ausgelöst. In Ashkelon wurde Moshe Ami beigesetzt, nachdem er den durch Schrapnellsplitter zugefügten Verwundungen erlegen war.

Konflikt in Gaza verschärft sich

In Ashkelon starb Moshe Ami (Abb. rechts) an den Verletzungen, die ihm durch den Raketenbeschuss aus Gaza am Samstag zugefügt worden waren. Die Terrorgruppe Islamischer Jihad veröffentlichte ein Video eines auf einem Pickup montierten Mehrfachraketenwerfer, der 5 Raketen in schneller Abfolge abfeuerte. Am Samstag wurde durch einen IDF-Luftangriff ein Kommando des Islamischen Jihad eliminiert, das den Abschuss weiterer Raketen vorbereitete. Ein insgesamt guter Beitrag bei Israel HaYom.

Kurz vor der Veröffentlichung dieses Postings berichtete Haaretz, dass ein israelischer Luftangriff ein Terrorkommando bei der Vorbereitung eines Raketenangriffs auf  Israel traf  – „Stunden nach der Ankündigung des Islamischen Jihad, dass er einem von Ägypten vermittelten Waffenstillstand zugestimmt habe….“

• Thumbs up für die LA Times wegen ihrer richtigen Nuancierung:

Palästinensische Quellen sagten, dass fünf Militante des Islamischen Jihad bei einem ersten israelischen Luftangriff nahe Rafah im südlichen Gazastreifen getötete worden seien, darunter ein prominenter Raketenbauer. Israelischen Nachrichtenmedien berichteten, dass der Luftangriff einer Zelle galt, die kürzlich eine Rakete nach Israel abgeschossen hatte

Die Armee sagte, dass der Luftangriff keine Vergeltungsaktion wegen eines Anschlags war, sondern eine Präventionsmaßnahme.

• Leider schreibt The Guardian von einer Situation, wo Gewalt nur angeblich angewendet wird. Soll man dabei nicht zornig werden?

Mehr zu diesem und weiteren Vorfällen [In Englisch]

UNRWA-Bericht: Bewusst ein düsteres Bild zeichnen

18. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 17. Juni 2011

Das Problem mit dem letzten UNRWA-Bericht über Arbeitslosigkeit in Gaza ist mehr dem Timing geschuldet – dem fünften Jahrestag der israelischen Blockade des Gazastreifens, nachdem die Hamas dort die Macht übernommen hatte.

UNRWA-Sprecher Chris Gunness hat es klar genug formuliert:

Man kann schwer die Logik einer von Menschen gemachten Politik verstehen, die mutwillig so viele in die Armut treibt und hunderttausende von potentiell produktiven Menschen zu einem Leben in Not verdammt.

Memo für Gunness: Ziemlich einfach zu verstehen.

Israels Blockade – oder was von ihr übrig blieb – ist die Antwort auf aberhunderte Raketen und Mörsergranaten, die von der Hamas auf Israel abgefeuert worden waren, von in Gaza demokratisch gewählten Führern (na ja – oder so etwas ähnlichem). Die Islamisten weigern sich, Israels Existenzrecht anzuerkennen, sie weigern sich, auf Gewalt zu verzichten, und sie weigern sich, frühere palästinensisch-israelische Vereinbarungen anzuerkennen. Solche Leute muss man in Schach halten.

Außerdem ist eine Blockade nur so stark wie ihr schwächstes Glied, und heutzutage gibt es eine Menge Beispiele dafür. Ägypten hat die Grenze wieder geöffnet. Menschen und Waren, die den Grenzübergang Rafah passieren, werden nicht von israelischen Kameras oder von den EU-Volunteers überwacht, sondern von Hamas-Polizeikräften.

Die Blockade hat nicht der Bau des größten palästinensischen Einkaufszentrums nahe Gaza-Stadt oder einen neuen Wasser-Erlebnispark in Khan Yunis verhindert. Wie viele Arbeitsplätze gingen letztes Jahr verloren, als die Hamas den dämlichen Wasserpark niedergebrannt hatte, weil er zu viel Freude bereiten hätte können?

Während BBC und Reuters auf den UNRWA-Bericht so reagierten, wie man es erwarten konnte, hat NY Times-Büroleiter Ethan Bronner ein Kompliment für Hinweise zu Kontext und Ursache des Wirtschaftswachstums verdient:

Man verglich also auch die zweite Hälfte des Jahres 2010 mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2009, einem üblichen Ansatz für Volkswirtschaften, in denen die Zahl vieler Arbeitsplätze saisonal bedingt ist. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Arbeitslosigkeit um 1,09 Prozent sank, also um eine Zahl, die mehr im Einklang steht mit anderen internationalen Analysen zur wirtschaftlichen Situation im Gazastreifen….

Aktuelle Berichte vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank haben übereinstimmend angezeigt, dass Gazas Wirtschaft im Aufschwung begriffen ist. Die von der Vertretungsstelle der Vereinten Nationen herausgegebenen Daten belegen, dass im Jahr 2008 prozentual mehr Arbeitslosigkeit geherrscht hatte als das komplette Jahr 2010 über: 44,9 Prozent versus 43,6 Prozent.

Israelische Offizielle sagten, dass der Bericht dazu bestimmt schien, ein so düsteres Bild wie möglich zu zeichnen. Sie kritisierten auch die Verwendung von sogenannten allgemeinen Beschäftigungszahlen, die die Minderbeschäftigten mit einschlossen, und jene, die nicht mehr nach Arbeit suchten -; umso mehr waren diejenigen Zahlen verwendet worden, die Arbeitssuchende meldeten. Die enger gefasste Zahl zur Arbeitslosigkeit lag 2010 – dem Palestine Central Bureau of Statistics zufolge, bei 37,8 Prozent.

Wäre das der UNO und den großen Medien die Herablassung wert, den wirtschaftlichen Einfluss des Terrors auf Sderot zu untersuchen?

Beeb [BBC] hysterisch wegen Gaza

24. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. Mai 2011

Fakt ist: Seit dem Rückzug im Jahr 2005 gibt es in Gaza keinen Israeli mehr – Gilad Shalit ausgenommen.

Fakt ist: Ägyptens neue Regierung kooperiert nicht mit Israel, was die Gaza-Blockade betrifft.

Fakt ist: Die Hamas, Herrscher in Gaza, ist [wird] ein gleichberechtigter Partner bei einer zukünftigen Führung innerhalb der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Fakt ist: Es gibt eine Gegenwelt, wunderlicherweise BBC genannt, die als eigene Realität existiert – ein Ort, in dem Gaza auf geheimnisvolle Weise unter israelischer Besatzung steht. Von welchem ​​Planeten aus hat die BBC diese Karte eingestellt?


Die UNO-Hinweise, auf die sich Beeb (BBC [bd]) bezieht, zeigen nichts weniger als diese veraltete Karte des britisch besetzten Gaza:


BBC
News: Wenn Zeit und Raum jegliche Bedeutung verlieren….

Bemerkungen zur Naqba-Berichterstattung

16. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. Mai 2011

Als ich mir die Berichterstattung über die letzten Ereignisse an Israels Grenzen durchgesehen hatte, wurde ich gleich mehrmals aufgeschreckt:


• Demonstranten oder Eindringlinge?

Die meisten Schlagzeilen lauten, dass Israel das Feuer auf „Demonstranten“ eröffnet habe. Aber das waren nicht die Allerweltsdemonstranten, die wir sonst kennen. Es gab ernsthafte Versuche, Israels Grenzen zu überrennen. Und beim Golan war man damit erfolgreich. Bedenken wir, dass es sich hier nicht um die belgisch-niederländische oder selbst die mexikanische Grenze zur USA handelt, wo illegale Einwanderer versuchen, die Grenze zu überqueren, um ein besseres Leben führen zu können. Die Grenzen  zu Syrien, Libanon und Gaza sind Kriegsgrenzen.

Jede Infiltration muss ernst genommen werden – und entsprechend hätte auch die Presse über diese Vorfälle berichten sollen: als Versuch, unrechtmäßig die Grenze eines souveränen Staats zu verletzen.

Und was sollen die vielen Schlagzeilen, die mit „Israel eröffnet das Feuer“ aufwarten? Wieder einmal wird die Geschichte in Farben geschildert, die von israelischer Aggression statt israelischer Reaktion auf eine Provokation sprechen. Dies bringt wahrscheinlich genau das Ergebnis, das sich diejenigen erhoffen, die hinter diesen Vorfällen stecken: ein Medienereignis, gedacht dazu, die IDF-Truppen in eine Konfrontation vor laufenden Fernsehkameras zu verwickeln und, wie im Fall Syrien, von der Unterdrückung im eigenen Land abzulenken.

• Beschuss unbewaffneter Zivilisten?

Beim Betrachten der Ereignisse auf Sky News war es sehr verstörend zu hören, wie Nahost-Korrespondent Dominic Waghorn Israels Aktionen mit denen von Syrien verglich – also beide schießen auf unbewaffnete Zivilisten.

Hey Dominic – glaubst du wirklich, dass man hier ernsthaft einen schlüssigen Vergleich ziehen kann?

Über 800 tote Syrer sind ein Beweis erneuter völliger Missachtung des syrischen Regimes für das Leben seiner eigenen Bürger und ein Beleg für Bashar Assads Entschlossenheit, mit größtmöglicher Brutalität einen nationalen Aufstand niederzuschlagen.

Auch wenn einige Tote und zahlreiche Verletzte selbstverständlich tragisch sind, gibt es keinen Zweifel daran, dass, wenn Israel die gleiche Politik angewandt hätte wie Syrien bezüglich der Kontrolle von Menschenmassen oder Beendigung von Unruhen, die israelischen Soldaten die Eindringlinge und Steinewerfer mit Maschinenpistolen niedergemäht hätte, und wir sähen hunderte Tote statt der relativ überschaubaren Zahl derer, die aufgrund der gestrigen Vorfälle ums Leben gekommen waren.

Hoffentlich legt sich bald wieder die Aufregung um diesen besonders hässlichen Tag, und vielleicht sehen die Medien dann diese Vorfälle in einem größeren Zusammenhang als jetzt, und vielleicht haben dann einige von ihnen realisiert, dass sich in Nahost nicht immer alles um Israel und die Palästinenser drehen muss. Aber darauf würde ich nicht setzen.

Google: Spiel um Gaza

27. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 27. August 2010

Gesellschaftsredakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Sozialen Medien in der arabischen Welt mehr und mehr etablieren. Studien zeigen, dass es in den arabischen Ländern mehr Facebook-Mitglieder gibt als Leser von Printausgaben der Tageszeitungen – besonders denen, die von unterdrückerischen Regimes herausgegeben werden.

Doch bei der Internetnutzung insgesamt haben sich die Palästinenser an die Spitze geschoben.

Unternehmer in der West Bank nutzen das Internet effektiv für ihre Geschäfte, und soziale Aktivisten, die sich in Gaza organisieren wollen, finden Möglichkeiten, den wachsamen Blicken der Hamas zu entkommen. Wie das Wall Street Journal anmerkt (Klick bei Google News) bekundete selbst ein Internet-Riese wie Google Interesse, sich für drei Tage mit palästinensischen Programmierern zu treffen. David Tafuri schreibt:

Während West Bank und Gaza unter Kriegen, politischer Instabilität und begrenztem Ressourcenzugang litten, dehnte sich das Web stetig aus. Die Internet-Penetration – also der prozentuale Anteil der Bevölkerung mit Internetnutzung – wird in der West Bank auf 40 und in Gaza auf etwa 60% geschätzt. Beide Zahlen sind höher als die in vielen anderen arabischen Staaten.

Ein Grund dafür ist die räumliche Nähe der palästinensischen Gebiete zu Israel, das in der Region die Internet-Entwicklung anführt. Ein weiterer Faktor ist die hohe Alphabetisierungsrate in den Gebieten, die auf 92% geschätzt wird. Am bedeutungsvollsten ist vielleicht jedoch die Isolation der Palästinenser, ihre Reisebeschränkungen und Import- sowie Exportprobleme, was bedeutet, dass das Web ihre Hauptverbindung zur Außenwelt darstellt.

Tafuri zufolge glaubt Google, dass Gaza für eine Internet-Innovation reif sei, weil den Bewohnern so viele andere Kanäle verwehrt sind. Der Konzern hofft, mit anderen Silicon-Valley-Unternehmen wie Facebook, Twitter und Cisco in naher Zukunft zurückzukommen.

Interessanterweise geht Tafuri auch davon aus, dass die zunehmende Internetnutzung Spannungen in der Region abbauen könnte, wenn er andeutet, dass wirtschaftliche Erwägungen gegen den „bewaffneten Kampf“ unter Palästinensern ausgespielt werden könnten:

Die Internetnutzung führt mehr und mehr junge Palästinenser zu wirtschaftlichen Unternehmungen und Informationsaustausch zusammen, überschreitet somit Grenzen und Blockaden.

Es wird interessant sein zu beobachten, wie die Online-Anbindung an die Außenwelt die öffentliche Meinung unter den Palästinensern beeinflusst. Wird die innerpalästinensische Propaganda weiterhin so gut funktionieren, wenn die Jugend bei den offiziellen Kanälen abschaltet, um sich ihre Informationen aus anderen Quellen zu besorgen?

Google mag auf eine Periode erhöhter Stabilität in der Region wetten. Aber ausgehend von den letzten Resultaten gibt ein von Google ausgestelltes Vertrauensvotum keine Garantie für einen Erfolg in der Zukunft.

3 Überlegungen zur Gaza-Blockade

8. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 8. Juni 2010

Eine Blockade ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ägypten erklärte sie für Gaza als gescheitert und öffnete seinen Grenzübergang bei Rafah auf unbestimmte Zeit.

Nun haben die Gazaner eine Verbindung zur Außenwelt. Aber gehen Sie bitte nicht davon aus, dass die politischen humanitären Hilfsflottillen, die vom Iran bzw. der Hisbollah gesponsered werden, zwangsläufig Israel umgehen. AP schreibt:

„Ägypten wird nicht zulassen, dass in großem Stil Baumaterial durchgelassen wird, weil der Grenzübergang in erster Linie für Reisende gedacht ist“, so ein Offizieller, der wegen der Brisanz des Themas ungenannt bleiben will.

Was bedeutet dies also? Aus dem hohlen Bauch heraus:

1. Gaza ist bereit für effekthascherische Politiker, die über Ägypten einreisen wollen. Shakehands-Solidaritätsfotos mit der Hamas sind für die innenpolitische Bühne der Türkei von Vorteil, ebenso wie diese Bilder schlechte Nachrichten für Mahmoud Abbas und den Friedensprozess sind.

2. Schmuggelindustrie und Einkünfte, die der Hamas zusätzliche Einkünfte wegen ihrer Entgelte bescheren, werden zusätzlich von Bedeutung sein, da die Palästinenser jenseits der ägyptischen Grenze einkaufen kaufen.

3. Ach ja, das auch noch: es macht es noch schwerer für die Leute, die damit argumentieren, dass Israel Gaza weiterhin besetze – wegen der Kontrolle über die Grenzen.

Leseempfehlungen, 3. Juni 2010

4. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 3. Juni 2010

Amnesty: Gaza is Still Under Israeli Occupation
When asked if Israel — as Gaza’s occupier — had the authority to stop the flotilla, Amnesty Int’l turns to evasive verbal gymnastics.

Anchor Accuses Own Network of ‘Embarrassing’ Bias in Israel Coverage
„I feel like I want to wash the slime off me when I get off work.“

While Israel Attacked Flotilla, Hamas Raided Gaza NGOs
Your newspaper didn’t report this, did it?

Ohrenbetäubendes Schweigen zu Paul Martin

2. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 2. März 2010

Die Hamas verlängerte die Inhaftierung des britischen Journalisten Paul Martin um weitere 15 Tage.

Traurige Nachrichten, aber kaum überraschend. Die Hamas führt einen Krieg gegen die Pressefreiheit.

Überraschend ist das Schweigen der Medien in diesem Fall. Martin ist nicht so populär wie Alan Johnston. Man sollte aber annehmen, dass sich die britischen Nachrichtenmedien (besonders die BBC), die jahrelang von Martins Arbeit profitiert hatten, lautstärker auftreten würden.

Tom Gross hebt hervor:

Paul Martin, der früher in Kairo lebte, hat jahrelang für mehrere verschiedene Medien gearbeitet, darunter das BBC-Fernsehen und den Radiosender. In der Tat war er vor 6 Wochen der letzte Reporter, der für die BBC in Gaza im Einsatz war – gerade deshalb ist das beinahe völlige Schweigen der BBC, sein Schicksal betreffend, so ohrenbetäubend. Man vergleiche das nur einmal mit den nahezu stündlichen Statements, die [BBC] Tag für Tag, Woche für Woche wegen ihres ehemaligen Gaza-Korrespondenten Alan Johnston abgab, als er 2007 in Gaza gefangen gehalten wurde.

Man vermutet, dass die Sorge der BBC um Johnston deshalb so groß war, weil er „durch und durch einer der ihren war“ (was natürlich auch beinhaltete, dass er in seinen Reportagen eine große Sympathie für die Sache der Palästinenser an den Tag gelegt hatte), wohingegen Paul Martin, der nur auf Freelancer-Basis für die BBC tätig ist, wenigstens einige Versuche unternahm, die Hamas genauso zu kritisieren wie Israel. (Als Johnston freigelassen worden war, vermied er es demonstrativ, Israels Regierung Lob zu zollen, die in jeglicher Form auf seine Freilassung hingewirkt hatte. Stattdessen rief er Hamasführer Khaled Meshaal in Damaskus an, um sich bei ihm  persönlich zu bedanken. Weitere Einzelheiten hier und zu Johnston hier.)

Man sollte also davon ausgehen [können], dass die in Jerusalem ansässige Foreign Press Association (FPA) mit wachsamen Augen um Martins Sicherheit bedacht sei und den jämmerlichen Zustand der Pressefreiheit in Gaza berücksichtige.

Aber die FPA hat gerade mal eine Stellungnahme abgegeben. Ihr Vorsitzender Conny Mus ist mit wichtigeren Problemen beschäftigt: Israels neuer Kampagne für Bürgerdiplomatie.

Lesen Sie Gross’ Beitrag vollständig [in Englisch].

Dazu passend: 3 wichtige Unterschiede zwischen Paul Martin und Alan Johnston

BBC-Seemannsgarn

4. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. Februar 2010

Die BBC vergießt bittere Tränen für die Fischer von Gaza, denen untersagt wird, dass sie sich zu weit von der Küste entfernt aufhalten.

Ihre größte Bedrohung erfolgt aber nicht seitens der israelischen Marine, sondern von Terroristen, die diese Woche mit Sprengstoff gefüllte Fässer an die israelische Küste schickten. Dazu YNet News:

Die Quelle betonte, dass ohne israelisches Eingreifen die Fischer aus Gaza in Gefahr gebracht worden wären, falls die Fässer nahe ihrer Boote explodiert wären.

„Den Terroristen, die die explosive Fracht auf dem Seeweg verschickten, war vorher schon klar, dass die Fischer auch verletzt werden könnten. Gerade jetzt, wenn über den Goldstone Report und Moral diskutiert wird, sollten wir darauf achten, was die Gegenseite unternimmt“, sagte er.

Sind Fischer als Komplizen bei den Fässerbomben beteiligt?

Selbst wenn dies nicht zuträfe: die Hamas hat sich schon damit gebrüstet, dass häufig iranische Raketen über den Seeweg geschmuggelt werden.

Zwei Lektionen aus Haiti

21. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Januar 2010

Lektion 1: Haiti und Gaza sind nicht vergleichbar

Zu Israels Hilfeleistung in Haiti haben viele E-Mails die Runde gemacht. Ich denke, der oben genannte Artikel beweist, dass eine direkte Verbindung zwischen israelischer Hilfe für Haiti mit dem Palästina-Konflikt zur naiven öffentlichen Diplomatiesprache gehört und wahrscheinlich eine Fehlzündung ist. Die zwei Themen – Haiti und Palästinenser – sollten nicht miteinander vermischt werden. Israels Hilfe für Haiti ist so sehr berichtenswert, dass sie für sich steht.

Lektion 2: Zur Berichterstattung bei Katastrophen

Viele Rucksackjournalisten in Haiti sind überflüssig und tragen unbeabsichtigt sogar zu akuten Problemen bei. Mögliche Lösung: ein Disaster Pool, ähnlich der konzertierten Berichterstattung mit geteilten Ressourcen, wie es nun bei gut bei den Berichterstattern aus dem Weißen Haus funktioniert.

Tzipi Livni bietet sich als Präzedenzhäftling an

19. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 19. Januar 2010

Der juristische Feldzug nahm eine interessante Wendung. Tzipi Livni erklärte Christiane Amanpour, dass sie im Präzedenzfall eine Inhaftierung annehmen würde, um für die israelischen Soldaten zu sprechen. Im Video (heute gepostet) bitte bis 6:30 vorspulen.

Ich war von Livnis Fähigkeit beeindruckt, wie sie weitere Fragen Amanpours* zu Gaza und zum Goldstone Report konterte. Könnten Sie sich vorstellen, dass irgendwelche Hamas-Typen sich einem ähnlichen juristischen Risiko aussetzen würden?

Für mehr Info bitte Understanding the Goldstone Report lesen.

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*Achten Sie mal darauf, was sie in die Kamera sagt, nachdem sie Livni verabschiedet hat. Fairer Journalismus? Nein. Nicht umsonst wurde sie von HonestReporting schon einmal mit einem ganz speziellen Preis bedacht ( Im Link bitte nach unten scrollen).