Posted tagged ‘Ethan Bronner’

NY Times: Gaza braucht keine Flottille

27. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. Juni 2011

Die NY Times nimmt etwas Wind aus den Segeln der Free Gaza-Flottille.

Ethan Bronner berichtet, dass die Bedürftigkeit nicht so groß ist. Hier einige seiner Ergebnisse in Zahlen – auf nichts weniger als palästinensischen Quellen basierend.

25 Prozent Arbeitslosenquote in Gaza im ersten Quartal 2011 (das ist weit weniger als im schrägen UNRWA Bericht vor ein paar Tagen).

Nahezu 1.000“ Fabriken in Betrieb.

130 Ingenieur- und Architekturbüros in Gaza, alle mit diversen Bau- und Infrastrukturprojekten beschäftigt.

2 Luxus-Hotels in diesem Monat eröffnet.

Hunderte Wohnungen werden neu gebaute, finanziert durch die Saudis.

Allgemeine Alphabetisierung.

100 Prozent der Bewohner gegen Polio, Masern und Diphtherie geimpft.

Auffallend ist, dass die Flottillen-Bewegung alle Ansprüche fallen ließ, eine „humanitäre“ Bewegung zu sein. Das irische Schiff MV Saoirse wird überhaupt keine Hilfsgüter an Bord haben. Und wie Flottillen-Organisator Adam Shapiro der Jerusalem Post sagte:

„Es geht um die Bewusstseinsweckung für die andauernde Besatzung in Gaza und die Freiheit der Palästinenser. Die Hilfeleistung war immer schon zweitrangig im Vergleich zur Herausforderung der [israelischen] Politik“.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag[In Englisch].

UNRWA-Bericht: Bewusst ein düsteres Bild zeichnen

18. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 17. Juni 2011

Das Problem mit dem letzten UNRWA-Bericht über Arbeitslosigkeit in Gaza ist mehr dem Timing geschuldet – dem fünften Jahrestag der israelischen Blockade des Gazastreifens, nachdem die Hamas dort die Macht übernommen hatte.

UNRWA-Sprecher Chris Gunness hat es klar genug formuliert:

Man kann schwer die Logik einer von Menschen gemachten Politik verstehen, die mutwillig so viele in die Armut treibt und hunderttausende von potentiell produktiven Menschen zu einem Leben in Not verdammt.

Memo für Gunness: Ziemlich einfach zu verstehen.

Israels Blockade – oder was von ihr übrig blieb – ist die Antwort auf aberhunderte Raketen und Mörsergranaten, die von der Hamas auf Israel abgefeuert worden waren, von in Gaza demokratisch gewählten Führern (na ja – oder so etwas ähnlichem). Die Islamisten weigern sich, Israels Existenzrecht anzuerkennen, sie weigern sich, auf Gewalt zu verzichten, und sie weigern sich, frühere palästinensisch-israelische Vereinbarungen anzuerkennen. Solche Leute muss man in Schach halten.

Außerdem ist eine Blockade nur so stark wie ihr schwächstes Glied, und heutzutage gibt es eine Menge Beispiele dafür. Ägypten hat die Grenze wieder geöffnet. Menschen und Waren, die den Grenzübergang Rafah passieren, werden nicht von israelischen Kameras oder von den EU-Volunteers überwacht, sondern von Hamas-Polizeikräften.

Die Blockade hat nicht der Bau des größten palästinensischen Einkaufszentrums nahe Gaza-Stadt oder einen neuen Wasser-Erlebnispark in Khan Yunis verhindert. Wie viele Arbeitsplätze gingen letztes Jahr verloren, als die Hamas den dämlichen Wasserpark niedergebrannt hatte, weil er zu viel Freude bereiten hätte können?

Während BBC und Reuters auf den UNRWA-Bericht so reagierten, wie man es erwarten konnte, hat NY Times-Büroleiter Ethan Bronner ein Kompliment für Hinweise zu Kontext und Ursache des Wirtschaftswachstums verdient:

Man verglich also auch die zweite Hälfte des Jahres 2010 mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2009, einem üblichen Ansatz für Volkswirtschaften, in denen die Zahl vieler Arbeitsplätze saisonal bedingt ist. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Arbeitslosigkeit um 1,09 Prozent sank, also um eine Zahl, die mehr im Einklang steht mit anderen internationalen Analysen zur wirtschaftlichen Situation im Gazastreifen….

Aktuelle Berichte vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank haben übereinstimmend angezeigt, dass Gazas Wirtschaft im Aufschwung begriffen ist. Die von der Vertretungsstelle der Vereinten Nationen herausgegebenen Daten belegen, dass im Jahr 2008 prozentual mehr Arbeitslosigkeit geherrscht hatte als das komplette Jahr 2010 über: 44,9 Prozent versus 43,6 Prozent.

Israelische Offizielle sagten, dass der Bericht dazu bestimmt schien, ein so düsteres Bild wie möglich zu zeichnen. Sie kritisierten auch die Verwendung von sogenannten allgemeinen Beschäftigungszahlen, die die Minderbeschäftigten mit einschlossen, und jene, die nicht mehr nach Arbeit suchten -; umso mehr waren diejenigen Zahlen verwendet worden, die Arbeitssuchende meldeten. Die enger gefasste Zahl zur Arbeitslosigkeit lag 2010 – dem Palestine Central Bureau of Statistics zufolge, bei 37,8 Prozent.

Wäre das der UNO und den großen Medien die Herablassung wert, den wirtschaftlichen Einfluss des Terrors auf Sderot zu untersuchen?

Die 5 stärksten Smackdowns heute

16. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. Mai 2011

Smackdown kann man so übersetzen:

1. Einen Gegner niederschlagen oder niederringen, 2. Eine Wrestling- [Schau-]Veranstaltung, 3. entscheidende Niederlage, 4. eine Konfrontation zwischen Rivalen oder Gegnern im Wettstreit.

Hier die fünf größten Smackdowns von heute:

1. Bashar Assad sperrt syrische Anwälte, Ärzte, Intellektuelle und andere Pädagogen ein.

2. Der Internationale Strafgerichtshof verlangt Gaddafis Auslieferung.

3. Israel stoppt Schiff, das nach Gaza unterwegs war.

4. Melanie Phillips stutzt Jeremy Bowen, den Nahost-Experten der BBC, zurecht.

5. Jeffrey Goldberg nimmt sich Ethan Bronner vor, den Jerusalemer Büroleiter der NY Times.

Bahrain-Demonstranten mit Ramsch-Version des Terminus „Besatzung“

14. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. März 2011

Saudi-arabische Streitkräfte intervenierten in Bahrain. Und Demonstranten gegen die Regierung in Bahrain nennen es „Besatzung“. Ein NY Times-Artikel (übrigens von Bürochef Ethan Bronner in Jerusalem verfasst) hält fest:

Die Opposition ließ verlautbaren, dass sie die Ankunft jedes Soldaten oder Militärfahrzeugs als „offene Besatzungserklärung gegenüber dem Königreich Bahrain und als Verschwörung gegen die unbewaffneten Menschen dort betrachten werde.

Wenn sie nicht aufpassen, werden die Bahrainer das Markenzeichen „israelische Besatzung“, das eben erst von Reuters geliefert wurde, seines Alleinstellungsmerkmales berauben.

Ändern die „großen Medien“ ihre Sicht des Gazastreifens?

24. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 24. August 2010

Gestern reichte Bürochef Ethan Bronner von der New York Times diesen Bericht aus der Gaza-Mall ein; er berührte darin die Frage, was sie für die Behauptungen der Israelis und der Palästinenser zur Lage im Strip bedeutet.

Heute schrieb AP-Korrespondent Ben Hubbard einen ähnlichen Text.

Leseempfehlungen, 23. August 2010

23. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. August 2010

Was Israelis und Palästinenser dazu brachte, direkten Gesprächen zuzustimmen.
Washington und die EU sprachen unterschiedliche Einladungen aus – basierend auf unterschiedlichen Richtlinien. Nun hoffen sie, das alles gut geht.

In Gaza ist es nicht leicht, grün zu sein
„Die Hamas unterdrückt Initiativen, die der Botschaft widersprechen könnten, dass die Palästinenser wegen einer israelischen Blockade leiden würden.“

Griechenland umwirbt Israel nach dessen Fallout mit der Türkei
Wie füreinander bestimmt: Griechenland braucht Geld, Israel braucht Freunde.

Britische Juden üben scharfe Kritik an Lesereise eines Haaretz-Kolumnisten
Promotet Gideon Levy sein neues Buch über die Scottish Palestinian Solidarity Campaign?

Gaza-Einkaufszentrum will Entschlossenheit demonstrieren
Die Blogger sprachen sich für und gegen Ethan Bronners neuesten Beitrag aus. Solider Journalismus, mehr nicht.

Implikationen bei IDF-Rückzug aus der West Bank
Oberst Richard Kemp mit wichtigen Fragen zu möglichen NATO-Friedenstruppen in der West Bank.

HonestReporting-Podcast, 15. März

15. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 15. März 2010

HonestReporting mit dem neuen Podcast. Yarden Frankl und Pesach Benson diskutieren über:

NY Times-Büroleiter Ethan Bronners letzten Kommentar „Hardball With Chris Matthews“ *

– und die Freilassung des britischen Journalisten Paul Martin.

Bitte hier oder auf die Abbildung klicken

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*Anspielung auf Chris Matthews, der bei MSNBC.com Polit-Talks moderiert.

NY Times und das Gesetz der unfreiwilligen Konsequenzen

10. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. März 2010

Der Staub wegen des von Electronic Intifada geschobenen Frusts über Ethan Bronner hat sich noch nicht gelegt: Vor wenigen Monaten hatten sie den Jerusalemer Büroleiter eines Loyalitätskonflikts bezichtigt, weil sein Sohn in der IDF dient. Sie wollten erreichen, dass Bronner versetzt wird.

Aber der radioaktive Niederschlag hat stattdessen Taghreed EL-Khodary getroffen, Gaza-Reporterin der Gray Lady. Nicht nur, dass sie aus Gaza nicht mehr berichten kann, es könnte für sie sogar auch dann gefährlich werden, wenn sie wieder in den Gazastreifen zurückginge.

Dazu Daoud Kuttab in der Huffington Post:

Als diese Kontroverse publik wurde, war Taghreed auf Fortbildung in den USA und danach im wohlverdienten Urlaub, wie Freunde berichten. Ihre Kollegen in Gaza haben gesagt, dass sie sich entschied, nicht zurückzukommen, da sie offensichtlich Sorge hatte, dass ihr Kontaktnetz aufgelöst werden würde und sie Schwierigkeiten bekäme, in dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen zu schreiben oder sich dort frei zu bewegen.

Jeder, der sich mit gewalttätigen Konflikten wie dem in Gaza auskennt, weiß, wie leicht sich die Situation für die Journalisten vor Ort, die an einer plötzlich negativ im Rampenlicht stehenden Publikation arbeiten, zum Schlechten wenden kann. EL Khodary, die selbst dann nicht den traditionellen islamischen Kopfschleier trägt, wenn sie aus Gaza berichtet, könnte leicht zum Ziel irgendwelcher hitzköpfiger Islamisten werden können, die diesen Anlass benutzt hätten, um Punkte zu sammeln, wenn sie sie als Sündenbock auswählten.

Sie ist bekannt für ihre Glaubwürdigkeit und ehrliche Berichterstattung – kein Wunder, dass sie verschwand. Gaza ist ein hartes Pflaster für Berichterstattung und es ist eine große Herausforderung, so viel Glaubwürdigkeit zu erlangen. Ihre Kollegen sagen, dass sie nicht so dumm ist, das aufs Spiel zu setzen, indem sie mit einem Chef in Jerusalem zusammenarbeitet, dessen Sohn in der israelischen Armee dient, die jederzeit in den Gazastreifen einmarschieren könnte.

Als Electronic Intifada erstmals petzte, dass Bronners in der IDF diente, forderte Clark Hoyt, Public Editor* bei der NY Times, sofort  die Versetzung Bonners, aber Chefredakteur Bill Keller verwarf diese Idee.

So bekommt die Pressefreiheit in Gaza also einen weiteren Schlag versetzt, unfreiwillig assistiert von Electronic Intifada und Clark Hoyt.

Die Hamas hat das Pressekorps komplett eingeschüchtert. Und die Mainstream-Medien verhalten sich merkwürdig ruhig zum Schicksal des britischen Journalisten Paul Martin, der immer noch von der Hamas gefangen gehalten wird. Ich frage mich, was der Public Editor oder Electronic Intifada zu Khodary sagen.

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*Hier eine Umschreibung für den etwas sperrigen Begriff: http://en.wikipedia.org/wiki/Public_editor

5 Fragen zum Wahlbetrug bei der palästinensischen Journalistengewerkschaft

11. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 11. Februar 2010

Die PA missbrauchte die kürzlich durch den palästinensischen Journalistenverband abgehaltenen Wahlen, um Schlüsselpositionen für ihre Fatah-Kumpane rauszuschlagen.

Der in Ramallah arbeitende Journalist Hani Al-Masri gegenüber der Jerusalem Post:

Etwa 300 der an der Wahl teilnehmenden „Journalisten“ hatte nichts mit Journalismus zu tun, sagte er. „Einige von ihnen waren Mitglieder der palästinensischen Sicherheitskräfte, wohingegen die meisten Journalisten, die für die Generalversammlung des Verbandes angemeldet waren, in Wahrheit Angestellte der palästinensischen Autonomiebehörde waren oder politische Aktivisten“, fügte er hinzu.

Maan News Agency zum Thema:

Ein anderer skandalöser Fehler, der die neue Gewerkschaft mit einen Makel behaftet, ist das so genannte Quotensystem, das die Sitze unter PLO-Klüngeln aufteilt – in Übereinstimmung mit einem anachronistischen System, das aus den frühen 1980er-Jahren stammt.

Diesem System entsprechend erhält die Fatah den Löwenanteil der Sitze, gefolgt von der PFLP und ihrer ehemaligen ideologischen Schwester, der Democratic Front for the Liberation of Palestine (DFLP), dahinter etliche kleine Parteien; die meisten davon mit wenig Anhängern und Unterstützern an der Basis.

Hamas und Islamischer Jihad sind im neuen Gremium absolut unterrepräsentiert. Dasselbe trifft auf Dutzende, wenn nicht Hunderte unabhängiger Journalisten zu.

Dies wirft jede Menge Fragen auf. Hier fünf, die mir auf Anhieb einfallen.

1. Stehen irgendwelche der 300 auf der Gehaltsliste von Nachrichtenmedien, die wir nicht kennen?

2. Liefert dies Munition für israelische Beschränkungen der palästinensischen Journalisten?

3. Was haben Ethan Bronners Kritiker dazu zu sagen?

4. Im Lichte des Beitrages zum Gebaren der Hamas bezüglich Pressefreiheit: ist die Haltung der Fatah irgendwie besser?

5. Wie unabhängig sind diese Reporter, wenn sie sich offensichtlich Gruppen wie Fatah, Hamas, PFLP etc. verpflichtet fühlen?

UPDATE 11. Februar: The Media Line mit einem ähnlichen Thema, das ich als Punkt Nr. 6 nehme. Löst es noch Verwunderung aus, wenn Fahmi Shabaneh, der kürzlich über Korruption bei der PA ausgepackt hatte, sich den israelischen Medien zuwandte?

NY Times mit Anzeichen von Interessenkonflikten, Teil 2

9. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 9. Februar 2010

Als ich zuerst zum Interessenkonflikt der NY Times und Ethan Bronner bloggte, also wegen des Dienstes seines Sohnes in der IDF, wies ich darauf hin, dass auch Beziehungen, die westliche Journalisten zu palästinensischen Stringern und Aktivisten haben, Interessenkonflikte erzeugen.

Mir kam auch ABC-Moderator Peter Jennings in den Sinn und seine weithin bekannte „Beziehung“ zur palästinensischen Sprecherin Hanan Ashrawi.

Aber wie Tom Gross herausstellt, treffen Interessenkonflikte auch auf andere außerplanmäßige Tätigkeiten zu:

Bronner auszusortieren hat den Beigeschmack von Diskriminierung. Und wenn die Times sich nun dafür entscheidet, ihn zu versetzen, sollte sie sicher auch jemanden finden, der seine gegenwärtige Gaza-Korrespondentin, Taghreed EL-Khodary, austauscht, die faktisch wie ein Hamas-Propagandist klang, als sie bei einer Medienkonferenz sprach, die, wie ich hier anführte, letzten November besuchte.

Das Problem ist nicht allein auf die Gray Lady beschränkt. Im Jahr 2007 erlaubte Israel einem Hamas-Mitglied, das bei der BBC angestellt ist – im Nachhinein identifiziert als Fayad Abu Shamala – in den Gazastreifen einzureisen, um die Freilassung von BBC-Reporter Alan Johnston zu erwirken. Ich habe nicht festgestellt, dass die Mainstream-Medien sich gefragt hätten, ob Beep Shamala möglicherweise versetzen würde.

Shamalas ganz persönlicher Interessenkonflikt ist kein Geheimnis. Bei einer Hamas-Kundgebung am 6. Mai 2001 verkündete der BBC-Reporter Folgendes:

„Journalisten und Medienorganisationen [führen] die Kampagne Schulter an Schulter zusammen mit dem palästinensischen Volk.“

Ich kommentiere nicht, ob Bronner versetzt werden sollte. Wenn die Mainstream-Medien jetzt auf einmal auf die Ausräumung von Interessenkonflikten stehen, dann sollte man wenigstens konsequent sein.

BMJ‘ s selektive Veröffentlichkeitsform

8. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 8. Februar 2010

Lesen Sie bitte HonestReportings neue medienkritische Beiträge.

Wenn eine Online-Geschichte des British Medical Journal (BMJ) positives Material beinhaltet, warum vermisst man es dann in der Printausgabe des Medizinjournals? BMJ’s Selective Editing.

Clark Hoyt, Public Editor* bei der NY Times, forderte in seinem Blatt eine Versetzung des Jerusalemer Bürochefs Ethan Bronner. Weshalb? NY Times and Conflict of Interest Appearances.

NY Times mit Anzeichen von Interessenkonflikten

8. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 7. Februar 2010

Clark Hoyt, Public Editor* bei der NY Times, forderte in seinem Blatt eine Versetzung des Jerusalemer Bürochefs Ethan Bronner. Weshalb?

Weil Chefredakteur Bill Keller bestätigte, was Electronic Intifada zunächst behauptete: Bronners Sohn diente in der IDF, was für die Zeitung einen Interessenkonflikt bedeutete.

Keller schrieb, dass er nicht beabsichtige, Bronner auszuwechseln.

Ich werde nicht kommentieren, ob Bronner deshalb versetzt werden sollte, möchte aber gerne bei den Mainstream-Medien sehen, dass sie hier konsequent sind. Alle westlichen Journalisten, die persönliche Beziehungen zu palästinensischen Stringern und Aktivisten haben, sei es über Ehen, feste Beziehungen oder Liebesaffären, erzeugen genauso Interessenkonflikte.

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*Hier eine Umschreibung für den etwas sperrigen Begriff: http://en.wikipedia.org/wiki/Public_editor

Medienbeschränkungen ein Jahr nach dem Gazakrieg

16. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2009

Eine Diskussion, die auf die Medienberichterstattung zum Gazakrieg zurückblickt, muss sich direkt mit dem heiklen Thema der israelischen Pressebeschränkungen auseinandersetzen.

Die Ursache dieser Politik reicht zurück in den Libanonkrieg 2006, als die Hisbollah die Presse als Waffe gegen Israel missbrauchte. Wir sahen inszenierte Fotos, Unterstellungen, dass Israel Hisbollah-Raketen für PR-Zwecke verschonte wegen des Vorwurfs, Uran-Granaten eingesetzt zu haben, und natürlich Reuters Adnan Hajj, den Reklamehelden für Nahost-„Fauxtography.“

Berichte aus dem Libanon unterschlugen meistens die massive Medienzensur durch die Hisbollah sowie weitere Verfälschungen und Verletzungen der Medienethik.

Zeitsprung in den Dezember 2008: Da der Raketen- und Granatenbeschuss aus dem Gazastreifen eskalierte und Israel die Operation Gegossenes Blei startete, kann es kaum überraschen, dass die IDF nach den Lektionen, die sie im Libanon gelernt hatte, Journalisten den Zugang in den Gazastreifen verwehrte.

Die beiden meist verwendeten Argumente für die Pressebeschränkung enthalten auch zwingende Gegenargumente:

• Es wirkt herablassend, wenn man Kriegskorrespondenten erklärt, dass Beschränkungen ihrer Sicherheit dienen.

• Zu behaupten, dass Journalisten den Soldaten in die Quere kommen, mag auf spezielle militärische Operationen zutreffen, aber es ist nicht grundlegend für die Blanko-Politik eines demokratischen Staates.

Es muss angemerkt werden, dass die Beschränkungen nicht – und das war auch früher nicht der Fall – zu einem völligen Ausfall der Berichterstattung führen würden. Nach Kriegsbeginn arbeiteten jede Menge palästinensischer Journalisten in Gaza. Al-Jazeera unterhielt weiterhin sein Büro und griff sogar zu der ungewöhnlichen Maßnahme, jeglichen Inhalt freizustellen, was zu einem erstaunlichen Traffic-Zuwachs von 600 Prozent führte. Viele Zeitungen bauten auf Stringer (palästinensische Zuträger, freie Mitarbeiter, [bd]). Der italienische Journalist Lorenzo Cremonesi kam über Ägypten nach Gaza rein.

Und wie erging es der Presse in Gaza? CNN-Reporter Anderson Cooper am 6. Januar:

„Die Kontrolle der Hamas im Gazastreifen ist erdrückend. Es gibt kaum Pressefreiheit innerhalb Gaza und die Hamas wacht genau darüber, wer von dort berichtet und wohin die Reporter gehen dürfen.“

Erdrückend in der Tat. Trotz Israels Pressebeschränkung.

• Die Hamas brachte es fertig, ein „Massaker für die Medien“ hinzubiegen, als Israel des Beschusses einer UN-Schule beschuldigt wurde. (HonestReporting hatte das schon Tage vorher geahnt.)

• Leute wie Mads Gilbert und Eric Margolis forcierten unbegründete Anschuldigungen über „Massaker“ und „unverhältnismäßigen Militäreinsatz“.

• Die reinen Statistiken selbst sind und bleiben Gegenstand der Debatte – Simona Weinglass fand, dass divergierende Definitionen von „Zivilisten“ seitens der IDF bzw. palästinensischer Gruppen verwirrend sind.

Pressebeschränkungen konnten palästinensische Tricksereien, die den Boden für gegen Israel gerichtete dämonisierende Geschichten bereiteten, nicht verhindern. Welche Form der Berichterstattung hätten wir also gesehen, wenn es keine Pressebeschränkung gegeben hätte?

Kompliment an NY Times-Büroleiter Ethan Bronner, der sich kurz und bündig fasst:

Aber gleich was – Israels Diplomaten wissen, dass Journalisten, vor die Wahl gestellt zwischen Berichterstattung über Tote oder Kontext, stets Ersteres wählen. So haben sie sich in einem Krieg, den sie zwar für notwendig, aber schwer vermittelbar erachten, dafür entschieden, die Medien weit weg vom Tod zu halten.

In einer abschließenden Analyse von 2009 muss man feststellen, dass viele Pressevertreter nicht einfach „neutrale Beobachter“ waren. Sowohl in den Fällen, in denen die MSM missbraucht wurden, als auch in den Fällen, wo die MSM selbst versuchten, Ereignisse zu beeinflussen  – die großen Medien wurden „Mitwirkende“. Wenn dies die Dynamik der asymmetrischen Kriegsführung darstellt, müssen wir uns fragen, ob die Medienberichterstattung nun zur „Kriegsführung mit anderen Mitteln“ geworden ist.

Schreib‘ nur (über das) was du weißt

24. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. November 2009

Sämtliche Bemühungen in der Vergangenheit, Gilad Shalit nach Hause zu holen, waren erfolglos, brachten leere Versprechungen und Fehlinformationen. Deshalb muss die Berichterstattung heute unter Vorbehalt gesehen werden.

Als ich die heutigen Zeitungen durchlas, wurde ich an ein grundlegendes Prinzip im Einmaleins des Journalismus erinnert.

Schreib‘ nur was du weißt.

Kompliment an NY Times-Büroleiter Ethan Bronner, dessen Update zu den Verhandlungen über Shalit im Wesentlichen zitiert, wer was zu wem gesagt hatte. Und es funktioniert. Was mir am besten gefiel:

„Wer keine Ahnung hat soll ruhig reden“, sagte Dan Meridor, Israels Gehheimdienstminister, am Montag im staatlichen Rundfunk. „Diejenigen, die Bescheid wissen, sollten besser schweigen.“

Abmachungen begreifen

5. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 5. Juni 2009

Die NY Times bezieht sich auf israelische Aussagen, dass Präsident Bush und Premierminister Sharon eine Abmachung über das natürliche Wachsen von Siedlungen getroffen haben.

Zum Einen ist Ethan Bronners Artikel irritierender Lesestoff, weil Israelis und US-Offizielle  miteinander streiten, andererseits aber auch, weil keine Quelle namentlich genannt wird (Anonyme Quellen sind so eine Sache – Sie wissen schon).

Bronner zugute muss man jedoch darauf verweisen, dass er zu einem früheren Kommentar Elliott Abrams’ verlinkt, der die Zustimmung der Amerikaner zu einem natürlichen Wachstum der Siedlungen bestätigt. Abrams schrieb im April:

Aber diese Siedlungen existieren nun mal und in keinem Punkt der Debatte wurde die Rechtmäßigkeit ihrer Errichtung angezweifelt. Präsident Bush klärte die Frage der großen Siedlungen weitgehend in seinem Brief an Sharon im Jahr 2004. Er erklärte eine Wahrheit, an die sich die Palästinenser erinnern sollten: „Angesichts der neuen Realitäten vor Ort einschließlich bereits vorhandener großer Zentren mit israelischer Bevölkerungsmehrheit ist es unrealistisch, zu erwarten, dass das Ergebnis abschließender Verhandlungen eine vollständige und komplette Rückkehr zu den Waffenstillstandslinien von 1949 bedeutet; und alle bisherigen Verhandlungsversuche zur Zweistaatenlösung sind zur gleichen Schlussfolgerung gekommen. Realistisch ist die Annahme, dass jegliche mögliche Schlussvereinbarung zum Status nur auf der Basis von beidseitig vereinbarten Änderungen erzielt wird, die diese Realitäten wiedergeben.“

Es geht also nicht um Siedlungsaktivitäten in der Vergangenheit, sondern um die Forderung nach dem Einfrieren neuer Siedlungsaktivitäten….

Während der letzten fünf Jahre hat Israels Regierung sich weitestgehend an Richtlinien gehalten, die mit den USA besprochen,  aber nie formal festgelegt worden waren: dass es keine neuen Siedlungen gebe würde, keine finanziellen Anreize für Israelis, in Siedlungen umzuziehen und keine neuen Bauvorhaben – außer in bereits bestehenden Arealen. Der eindeutige Zweck der Richtlinien: Erlaubnis für den Ausbau bestehender Siedlungen, wenn er die Auswirkungen für die Palästinenser auf ein Minimum begrenzt.

Lesen Sie dazu bitte den vollständigen Text des Briefwechsels zwischen Bush und Sharon und Sie werden verstehen, warum Israel sich nicht aus dem Gazastreifen ohne eine gewisse Form des quid pro quo hätte zurückziehen sollen.

Es ist zweifellos richtig, zu fragen, ob der Briefwechsel und seine darin enthaltenen Übereinkünfte provisorisch waren oder nicht und ob die neuen Staatschefs in Israel und den USA sich an „Richtlinien“ gebunden fühlen, die, so Abrams, „niemals formal festgeschrieben worden waren“. Die Fairness gebietet es aber auch, dass Journalisten sich Gedanken darüber machen, warum Quellen wie die von Bronner angespochenen lediglich aus dem Off berichten.

Angesichts des halböffentlichen Briefwechsels und Abrams Kommentar dazu kann ich nicht nachvollziehen, dass ausgerechnet jemand wie der ehemalige US-Botschafter Marc Ginsberg die Existenz von Übereinkommen heftig bestreitet und sie als „Quatsch“ abtut, wie auch immer sie ausgesehen haben mögen.

Jeder, der ein Übereinkommen abstreiten will und in einer Position ist, in der er es besser wissen müsste, sollte sich auch ins Off begeben.

UPDATE 5. Juni: Während BackSpin weiterhin sich darauf gefasst macht, dass die Mainstream-Medien den einen oder anderen US-Offiziellen zum Bericht zitieren, erklärt  Dov Weisglass Entstehung und Kontext der Siedlungsvereinbarungen. Weisglass war Sharons Berater und Büroleiter.

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Hamas-Aufrüstung genau beschreiben

10. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 10. April 2008

NY Times-Korrespondent Ethan Bronner investiert beträchtlich viel Druckerschwärze für eine Studie des Intelligence and Terrorism Information Center, das detailliert die Aufrüstung der Hamas skizziert.

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Hetze in Medien und Moscheen

2. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 1. April 2008

Die New York Times zur antisemitischen Hetze der Hamas in Moscheen und Medien.

Solche Hetzkampagnen gegen Israel und die Juden sollten eigentlich nach den Bestimmungen der Osloer Übereinkunft von 1993 und der 2003 verabschiedeten „Roadmap“ verboten werden. Während die PA unter der Herrschaft der Fatah signifikante, aber mangelhafte Anstrengungen unternahm, die Hetzkampagnen zu beenden, erlegt sich die damals bei den Verhandlungen nicht beteiligte Hamas keinerlei Zurückhaltung auf.

Seit die Hamas letzten Juni die Macht im Gazastreifen übernahm und die Fatah vertrieb, wurden die Hasspredigten und Medienberichte, die Gewalt und Hass verbreiteten, noch intensiver, extremer und ausgeklügelter – dem Vorbild der Hisbollah und seines Fernsehsenders Al-Manar im Libanon nachgeahmt.

Ein freundliches Ade von Steve Erlanger, der kürzlich Israel verlassen hat. Ethan Bronner ersetzt Erlanger als Büroleiter der Gray Lady.