Posted tagged ‘Dubai’

Leseempfehlungen 23. Dezember 2010

23. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2010

Die uncharmante PR-Offensive der Hamas
Die Boston Globe durchschaut eine PR-Kampagne der Hamas – vorher aufgegriffen von AP.

Der Iran rekrutiert Nuklearwissenschaftler für sein Waffenprogramm
Ein ehemaliger Diplomat packt aus, dass er ausländische Wissenschaftler angeheuert hatte, um für den Iran Nuklearwaffenfähigkeit zu erlangen und die Reichweite ballistischer Raketen zu verbessern.

Assange kündigt  Infos zu Mabhouh* und dem Libanonkrieg an.
Er bestreitet zudem Gerüchte über Wikileaks-Deals mit dem Mossad.

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*Als hilfreiche Hintergrundinformation hier ein paar Beiträge, die wir (HonestReporting) zum Thema Mabhouh (Dubai) gepostet hatten [bd].

Die Israel-Besessenheit des Guardian

24. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 24. März 2010

Ja, die Ausweisung eines israelischen Diplomaten im Zusammenhang mit dem Dubai-Fall ist eine Nachricht. Aber die Israel-Besessenheit des Guardian geht wirklich zu weit.

Ich spreche über Live-Blogging (!), den heutigen Leitartikel, Julian Borgers Podcast, Steve Bells Karikatur, Kommentare von Simon Hoggart und Simon Tisdall und die Artikel 1, 2 und 3.

Warum also nicht gleich in die Vollen gehen und eine spezielle Gedenkausgabe veröffentlichen wie es die New Orleans Times-Picayune nach dem Super Bowl tat?

“Schnippischer“ Top Cop aus Dubai nicht mehr interessant für die Medien

10. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. März 2010

Paula Hancocks (CNN) sagt, dass Dubai absichtlich auf „künstliche Ernährung“ bei Informationen zum Mordanschlag setzt, um die Aufmerksamkeit weiterhin auf Israel zu richten:

Die von Dubais Polizeichef häppchenweise verabreichten Informationen haben die Ermordung des Hamas-Führers in einem Dubaier Hotelzimmer etwa eineinhalb Monate auf den Titelseiten der Zeitungen gehalten.

Täglich und treffsicher vorhersehbar reservieren die Zeitungen der Vereinigten Arabischen Emirate freien Platz auf ihren Titelseiten für Updates und Kommentare – selbst für die winzigsten Hinweise auf neue Informationen.

Dies ist wohl von Generalleutnant Dahi Khalfan Tamim beabsichtigt. Indem er hier und da ein Häppchen rausrückt, hält er die Story am Dampfen und das Interesse weltweit richtet sich auf den israelischen Geheimdienst Mossad, von dem Khalfan behauptet, dass er zu 100 Prozent hinter dem Schlag stecke.

Langfristig, fügt CNN hinzu, fördert diese „künstliche Ernährung“ nur den geheimnisvollen Nimbus des Mossad.

Warum also geht Dubais Oberpolizist so vor? Vor ein paar Tagen sprach ich an, dass Dubais   politische Elite mehr daran interessiert ist, die Weltöffentlichkeit von ihrer Schuldenkrise abzulenken. Und Videos, die reale oder vermeintliche Anspielungen auf Mossad-Verschwörungen liefern, sind die Mutter aller Ablenkungsmanöver.

Dieser Beitrag auf dem LA Times Blog könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass die Presse Tamims überdrüssig ist. Ein Adjektiv wie „schnippisch“ liefert den Hinweis:

Beinahe zwei Monate sind vergangen, seit Hamas-Funktionär Mahmoud Mabhouh in seinem Hotelzimmer aufgefunden worden war, und Tamim hört nicht auf, die Geschichte in den Medien zu halten, indem er nach und nach neue Informationen, peinliche Details und selbst schnippische Bemerkungen über die Verkleidungen und körperliche Erscheinungen der vermuteten Auftragsmörder macht, die angeblich Mitglieder des israelischen Geheimdienstes Mossad sein sollen.

„Sie machten den Fehler, dass selbst die Verkleidung primitiv war, 1970er-Jahre-Dress….Wenn sie Nachhilfe brauchen, wie man sich richtig verkleidet, sind wir gerne behilflich“, sagte Tamim letztes Wochenende über die 26 Verdächtigten, die von der Überwachungskamera gefilmt worden waren – sportiv verkleidet mit Bärten und Perücken.

Ich denke, „schnippisch“ zeigt, dass der Reporter zu höflich ist, die naheliegende Frage zu stellen: Wäre die Aufschneiderei des Polizeichefs glaubwürdiger gewesen, wenn 26 27 stümperhaft verkleidete Meuchelmörder geschnappt worden wären, bevor sie Mahmoud Mabhouh töteten?

Der andere Dubai-Mord

4. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. März 2010

Jackson Diehl wundert sich über den ausbleibenden Lärm, als letztmals eine nicht ganz unbekannte Person durch ausländische Auftragskiller in Dubai ermordet worden war.

Dieser „Jemand“ war Sulim Yamadayev, ein tschetschenischer Rebellenkommandant. Diehl schreibt:

Polizeichef Tamim kann man diesmal zugute halten, dass er Russland die gleiche Aufmerksamkeit widmete wie jetzt Israel. Auf einer Pressekonferenz im April 2009 bezeichnete er Adam Delimkhanov, Mitarbeiter des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrov und Mitglied des russischen Parlaments, als Drahtzieher des Verbrechens, und er sagte damals, dass er Interpol wegen eines Haftbefehls kontaktieren wolle. Es sei, so sagte er, „Russlands Verantwortung [vor der Welt], diese Mörder aus Tschetschenien in Schach zu halten.“

Der Unterschied besteht logischerweise darin, dass das Interesse an einer Geschichte über einen von Russland gesponserten Auftragsmord in Dubai nicht mit dem einer Story über israelische Beteiligung vergleichbar ist. Zum Fall Yamadayev wurden verhältnismäßig wenig Artikel geschrieben; es gab keine ärgerlichen Leitartikel in der Financial Times (Kostenlose Registrierung erforderlich [bd]). Wohl überflüssig zu erwähnen, dass Delimkhanov und die anderen in Dubai identifizierten Verdächtigen nicht inhaftiert oder ausgeliefert worden sind, oder wie Shmuel Rosner in einem Beitrag für Slate resümierte: „Die Konsequenzen für die Meuchelmörder? Überhaupt keine. Für die tschetschenische Regierung? Nichts. Für den stellvertretenden Premierminister? Nichts. Für die Beziehungen zwischen Dubai und Russland? Fehlanzeige.“

Letztendlich könnte sich herausstellen, dass auch Israel wegen Tamims Angriff kaum Schaden davontragen wird. Es wird zweifellos interessant sein zu beobachten, ob Dubai, ein Möchtegern-Wirtschaftsstandort, der in seinem Schuldensumpf versinkt, damit beginnt, Reisende an seinem Airport herauszufischen, die er für Israelis hält. Fürs Erste scheint in der Tat klar zu sein, dass – aus welchem Grund auch immer – Geschichten über die Hinterhältigkeit des Mossad den Rest der Welt mehr interessieren werden als Stories über den russischen Geheimdienst FSB oder den Libyens.

Als Yamadayev im März 2009 niedergeschossen wurde schwamm der Golfstaat im Geld. Furore machende Pressekonferenzen, die die Aufmerksamkeit auf den Mord lenkten, waren nicht im Interesse Dubais.

Nun aber haben Polizeichef Dahi Khalfan Al-Tamim und die Kräfte hinter ihm ein Interesse daran, dass sich die Medien weiterhin auf den Mossad und eine ständig wachsende Liste Verdächtiger fixieren. Ein groß angelegtes Manöver, das von der Schuldenkrise in Dubai ablenken soll.

Mossad-Videos aus Dubai: Mutter aller Ablenkungsmanöver

3. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 3. März 2010

Führt Dubais Polizeichef die Medien an der Nase herum? Nach Lektüre der NY Times schließe ich das nicht mehr aus:

Zunächst hat Dubais offensive Reaktion den stetigen Strom negativer Berichterstattung über die anhaltenden Schuldenprobleme der Stadt unterbrochen und – wahrscheinlich nicht zufälligerweise – die Aufmerksamkeit auf ihre Fähigkeit zur Verbrechensbekämpfung gelenkt. Das dürfte die Prioritäten Herrn Tamims teilweise widerspiegeln, der enge Beziehungen zu den Oberhäuptern der Stadt pflegt und mehr Handlungsspielraum besitzt als fast jeder andere Beamte hier.

Tamim hat sich in der Vergangenheit über die ausländischen Nachrichtenmedien beschwert. Er ist als arabischer Nationalist bekannt und aggressiver gegen Israel eingestellt als viele andere in dieser verhältnismäßig unpolitischen, geschäftsmäßigen Stadt. (Herr Tamim lehnte es ab, für diesen Artikel interviewt zu werden)

Freigegebene Videos auf YouTube, die eine Spur zum Mossad legen sollen, sind die Mutter aller Ablenkungsmanöver. Sie überschatten auf „nette“ Weise Schlagzeilen wie diese:

Dubais Schuldenkrise verhagelt Bankenprofite [in Englisch]

Update, 18.05 h:

Unterdessen gab der Polizeikommandeur von Dubai, Dahi Chalfan Tamim, bekannt, dass er offiziell bei den Vereinigten Arabischen Emiraten Haftbefehl gegen Israels Premier Benjamin Netanjahu und Mossad-Chef Meir Dagan eingereicht habe. Er halte nicht nur den Vorsitzenden des israelischen Geheimdienstes, sondern auch den Regierungschef für schuldig: „Wer den Befehl zur Ausführung des Verbrechens erteilt hat, ist ein Mörder.“ Allerdings rechne er nicht damit, dass Netanjahu verhaftet werde.

Quelle: Israelnetz

Vancouver Sun: Vermutung versus Fakt zu Mordfall in Dubai

3. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 3. März 2010

Olympia ist Geschichte und in Vancouver kehrt der Alltag ein.

Trotz fehlender Beweise fährt die Vancouver Sun fort, in reißerischer Form über Dubai zu berichten.

Dazu HonestReporting Canada mit einem neuen Kommuniqué: Conjecture vs. Fact Drives Vancouver Sun Reporting on Assassination

HonestReportings Dubai-Mission ein Knüller

1. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 1. März 2010

Was die Medien über die neueste Dubai-Mission von HR nicht berichten:

1) HonestReporting’s Dubai Mission a Big Hit 😉

und

2) IDF Field Hospitals and Obama’s Health Care Plan 😉

Zu Mabhous Reisepass, Teil 2

26. Februar 2010

HonestReporting Media Backspin, 25. Februar 2010

Da große Teile der Weltmeinung wegen des Reisepass-Missbrauchs durch Mahmud Mabhouh selbstgerecht empört sind, warte ich auf die Einzelheiten zu den Reisedokumenten des Hamas-Honchos.

Reuters füllt eine Lücke mit Informationen, die ich nirgendwo sonst gesehen habe.

Mahmud al-Mabhouh, der in Dubai getötete Hamas-Kommandeur, nutzte während Geheimmissionen zur Beschaffung von Waffen für die Gruppe dasselbe Gewerbe wie seine Mörder, sagte am Dienstag ein Vertrauter – gefälschte Paässe und Tarnungen….

„Er hatte viele Reisepässe unterschiedlicher Nationalitäten – alle arabisch“, fügte er hinzu. „Vor kurzem ließ er sich operieren, um seine Nase zu verändern. Sie wurde schmaler.“…

Die Polizei von Dubai hat offiziell nichts zu dem Pass gesagt, den Mahbouh benutzte, um in das Emirat einzureisen. Mabhous Bruder sagte, der Hamas-Kommandeur sei mit einem palästinensischen Pass nach Dubai gekommen, der als seinen Familiennamen Hassan angab.

Da die Polizei von Dubai nichts über Mabhous Missbrauch von Reisepässen sagt, ist es geschäftstüchtigen Journalisten überlassen, diesen Teil der Geschichte auszugraben.

Diese Woche berichtete die Winnipeg Free Press, dass Mabhouh mit einem gefälschten irakischen Pass nach Dubai einreiste, der von den Revolutionsgarden des Iran ausgestellt worden war.

Leseempfehlungen 25.02.2010

25. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 25. Februar 2010

Palestinian Authority: Still Stealing „Hundreds of Millions
Israel’s Fleet Street Enemies
Video Killer Thriller in Dubai
Where Is Goldstone Now?

Was übrigens Mabhouhs Pass betrifft….

24. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 24. Februar 2010

Während die Welt wegen des Missbrauchs europäischer Pässe ihre Verachtung auf den israelischen Mossad lenkte, versetzte mich der Pass, den Mahmoud Mabhouh bei der Einreise nach Dubai verwendet hatte, in Erstaunen.

Korrespondent Sam Segev von der Winnipeg Free Press bringt etwas Licht in die Angelegenheit:

Diesmal kam Mabhouh nach Dubai, um eine weitere Waffenlieferung aus dem Iran via Sudan nach Gaza zu organisieren. Mabhouh reiste aus Damaskus mit einem irakischen Pass und falschem Namen in Dubai ein. Der Pass war von den iranischen Revolutionsgarden ausgestellt worden.

Leseempfehlungen 21.02.2010

21. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Februar 2010

Israeli Embassy Tweets About „Hit On #Dubai Target“
Dubai Does PR Right
If Israel killed Mahmoud al-Mabhouh, Did It Have the Right To?
Targeted For Death: Weighing In On the Legality
Matt’s Take on Dubai
Reporters’ Allegiances
I Cost More, but I’m a Specialist

Wer wars á la MSM: Mossad ohne Beweis für schuldig halten

17. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 17. Februar 2010

Obwohl es keinerlei Beweis gibt, wird in zwei Daily Mail-Artikeln die Behauptung aufgestellt, Israels Geheimdienst Mossad sei für tödlichen Anschlag auf Mahmoud Al-Mabhouh in Dubai verantwortlich gewesen:

Heidenangst der zu Unrecht als Attentäter bebannten Briten: Warum haben sie unsere genommen, fragen sie Briten, deren Identität entwendet.

Anatomie eines Mordanschlags: Wie der Mossad-Anschlag geradewegs aus den Seiten eines Kriminalromans stammen könnte.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Mossad israelische Identitäten stehlen würde, um Mabhouh in Dubai zu töten; erst recht nicht, wenn eine israelische Delegation zu einem historischen Besuch, der große Beachtung findet, anwesend ist. Obwohl die Daily Mail-Schlagzeilen Sicherheit vermitteln [wollen], muss man schon bis zum Ende der Artikel weiterlesen, um das eminent wichtige Kleingedruckte zu finden:

Während die Hamas wiederholt den Mossad der Drahtzieherschaft am Mord bezichtigt hatte, verbreiteten sich Gerüchte im Nahen Osten, dass die Operation von einer rivalisierenden Palästinensergruppe ausgeführt worden sei.

Eine andere Theorie gestern war, dass der Anschlag von al-Mabhouhs Feinden innerhalb der palästinensischen Bewegung durchgeführt wurde. Die Polizei in Dubai hat zwei Palästinenser festgenommen, die verdächtigt werden, in den Fall verwickelt zu sein.

Ohne Mabhouh lebt es sich besser. Gleich, ob dies nun auf den Mossad, palästinensische Rivalen oder sonstwen zurückzuführen ist, mein Mitgefühl gilt den Opfern dieses Identitätsdiebstahles.

Sport und Politik

20. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 19. Februar 2009

Die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) führen eine Medienschlacht wegen ihrer Entscheidung, der israelischen Tennisspielerin Shahar Peer die Einreise zu verweigern. Und das Turnier in Dubai, um das sich alles dreht, läuft auch nicht gerade bestens. Erst zog Tennis Channel den Stecker für internationale Übertragungen aus Verärgerung über die Behandlung, die Peer erfahren musste. Dann cancelte das Wall Street Journal(WSJ) Europe sein Sponsoring, zusammen mit einer eigenen Werbekampagne, die auf Tennis zugeschnitten war.

Höchst interessant: Das WSJ erklärte, dass es sich zum Handeln entschlossen hatte, weil die Affäre den Leitsätzen des Blattes widerspricht. „Die Philosophie des Wall Street Journal geht von freien Menschen in freien Märkten aus, und diese Aktion läuft der redaktionellen Ausrichtung des Blattes zuwider“, so das Blatt in einer Verlautbarung.

In einem Gastbeitrag der Ausgabe vor zwei Tagen erhielt das WSJ den Druck aufrecht und wies die Behauptung der UAE zurück, dass die (Peers) Sicherheit die Hauptursache dafür gewesen sei, das Land judenfrei zu halten, und nicht politische Gründe:

Augenblick mal’: Dubai verbietet bereits Menschen mit israelischem Pass, einen Fuß auf seinen Boden zu setzen, was die Entschuldigung des Emirats bezüglich Peers Ausladung (Weltrangliste 45) von den Barclay Dubai Tennis Championships Lügen straft. In einer anderen verschrobenen Wendung fügte der Turnierdirektor hinzu, dass Frau Peers Anwesenheit auf dem Court „unsere Fans in Aufruhr versetzt“ haben könnte. Eigentlich waren wir das immer von John McEnroe gewohnt, was uns aber nicht davon abhielt, ihm zuzusehen.

Wenn diese Art medienpräsenter Diskriminierung stattfindet kann man nicht anders als sich fragen, wo die Boykott-Freaks geblieben sind. Ich erinnere mich an Protestbewegungen, bei denen „niemand ist frei, solange nicht jeder frei ist“ gefordert wurde. Es sei denn, Sie besitzen einen israelischen Pass.

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