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Reuters und die „Anspannungen in der Kampfzone“

15. August 2008

honestreporting Media BackSpin, 15. August 2008

Reuters ist aufgebracht, weil ein IDF-Untersuchungsbericht Soldaten entlastete, die den Kameramann Fadel Shana (Abbildung rechts) getötet hatten, als sie eine Granate abfeuerten. Chefradakteur Redakteur David Schlesinger schreibt dazu:

Wie schon der Bericht aussagt: „Zwei Personen, die einen großen schwarzen Gegenstand trugen, wurden beim Verlassen des Fahrzeugs gesichtet. Der schwarze Gegenstand wurde auf einem dreibeiniges Stativ über einem Erdhügel angebracht und gegen den Panzer gerichtet…Die Panzerbesatzung gab die Beobachtung an ihre Vorgesetzten weiter. Letztere gaben die Freigabe zum Beschuss der Personen mit einer Panzergranate im begründeten Verdacht, dass der auf dem Stativ angebrachte und gegen den Panzer gerichtete Gegenstand eine Panzerabwehrrakete oder -granate war, ein Verdacht, der auf die Personen zutrifft, die an den feindseligen Handlungen jenes Tages beteiligt waren…“

Ich verstehe die Anspannungen in der Kampfzone.

Ich weiß, dass Kriege schrecklich gefährlich sind – Reuters hat es in Georgien beinahe erwischt; Kollegen anderer Organisationen sind getötet worden.

Ich verstehe jedoch nicht die absichtliche Entscheidung, auf Verdacht und Ungewissheit hin zu feuern.

Der Tod Shanas ist in der Tat eine Tragödie und Schlesinger hat Recht, sie als solche zu bezeichnen. Aber es ist schwer zu sagen, ob der Reuters-Redakteur wirklich etwas von den Anspannungen auf dem Schlachtfeld versteht.

Eine Panzerbesatzung, die zu viel Zeit damit verbringt, sich zu vergewissern, ob sie eine auf einem dreibeinigen Stativ angebrachte Kamera oder ein Panzerabwehrgeschoss vor sich hat, bringt sich selbst in Gefahr, wenn sie dem „unidentifiziertem Anderen“ die Initiative überlässt. Israel Matzav hat einige Fotos eingestellt, die zeigen, dass Panzerabwehrwaffen wie diese Milan manchmal Videoausrüstungen ähneln

Hätte die Panzerbesatzung der IDF ihre Aufgabe, ein Fernsehteam von einem Panzerabwehrtrupp auf einer Distanz von 1,4 km zu unterscheiden, besser ausführen können? Vielleicht.

Aber die Nichteindeutigkeit, so unglücklich sie war, führt zum zweiten Grund, warum Schlesinger von der Anspannung in einer Kampfzone wie dem Gazastreifen nichts zu verstehen scheint. Wie Kevin Williamson zutreffend aufzeigt:

Die Tatsache, auf die selten aufmerksam gemacht wird, ist, dass es eben die Palästinenser sind und nicht die Israelis, die Zivilisten dadurch gefährden, wenn sie sich unter sie mischten und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen als Schutzschild benutzen. Terroristen benutzen Zivilisten als menschliche Schutzschilde, und das gefährdet das Leben jedes Menschen, darunter auch das des unglücklichen Reuters-Fotografen.

Terroristen, die sich als Nachrichtenteams tarnen, gefährden echte Journalisten wie Shana, aber ich bin mir nicht sicher, ob Reuters das auch so sieht.

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In Gefahrenzone: Kameramann filmt eigenen Tod

17. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 17. April 2008

Reuters-Kameramann Fadel Shana (Abbildung) filmte unerwartet seinen eigenen Tod, während er über Kämpfe zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Bewaffneten in Gaza berichtete. Wir sprechen Shanas Familie und Reuters unser aufrichtiges Beileid wegen dieser schrecklichen Tragödie aus.

Reuters-Chefredakteur David Schlesinger forderte einen IDF-Untersuchungsausschuss zum Zwischenfall. In einer Notiz erkannte er aber auch an:

Wir wissen selbstverständlich, dass Journalismus ein gefährliches Geschäft ist. Wir wissen natürlich, dass wir uns in Gefahr begeben, wenn Andere vor ihr fliehen. Wir wissen selbstverständlich auch, dass Unfälle passieren können.

Obwohl Shanas Fahrzeug deutlich als TV-Übertragungswagen gekennzeichnet war, haben die Palästinenser sich dahinter verschanzt, um Angriffe zu lancieren – so wie im letzten Juni.

In welchem Maße sind Journalisten, die sich in Kampfzonen aufhalten, verantwortlich, wenn sie sich wissentlich der Gefahr aussetzen?

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