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Daily Telegraph: Israel besetzt noch immer den Südlibanon

21. Januar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Januar 2015 / Übs: YdW

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Ein Selfie von Miss Israel direkt neben Miss Libanon bei einem Miss-Universe-Wettbewerb hat international Schlagzeilen gemacht. Der Grund hierfür war die säuerliche Reaktion von Miss Libanon und vielen ihrer Landsleute. Wir hätten nicht gedacht, dass HonestReporting darüber berichten muss, aber der Daily Telegraph hat einen Artikel veröffentlicht, in dem die tieferen Gründe hinter dem Selfie-Zoff angesprochen werden.

Darin steht auch folgender Kommentar von George Asseily, dem Vorsitzenden des Center for Lebanese Studies:

Der Grund ist, dass Libanon Israel beschuldigt hat – und noch immer beschuldigt -, einen Krieg gegen libanesische Zivilisten zu führen. 2006 gab es sehr viel Zerstörung, und seither hat sich die Beziehung nicht verbessert, da Israel noch immer Teile des Südens besetzt und den Rückzug verweigert, obwohl es sich um libanesisches Gebiet handelt.

Leider findet der Daily Telegraph keine erklärenden Worte für Asseilys Anschuldigung, und daher glaubt der gewöhnliche Leser jetzt, Israel besetze libanesisches Gebiet.

In Wahrheit ist das nicht der Fall. YNet News erklärt:

Die Schebaa-Farmen sind ein kleines Gebiet von ungefähr 28 km² an der Grenze zwischen Israel, Libanon und Syrien. Es liegt auf einem Berg etwa 1.500 m über dem Meeresspiegel und bietet einen Ausblick über das libanesische Bekaa-Tal. Seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 hielt Israel diese relativ hohe Gegend, die ihm gewisse Vorteile in geheimdienstlicher und strategischer Hinsicht bietet. (…)

Schebaa wurde 1974 von den Vereinten Nationen als Teil der von Israel besetzten syrischen Golanhöhen anerkannt. Im Mai 2000 zog sich Israel nach 18 Jahren aus dem Südlibanon zurück. Libanons Hisbollah behauptete, der Rückzug sei unvollständig, da Schebaa sich auf libanesischem – nicht syrischem – Territorium befände. Diese Behauptung gibt Hisbollah einen Grund, um weiter gegen die israelischen „Besatzer“ vorzugehen. In einem Interview mit The Media Line im Jahr 2004 zu diesem Thema sagte Ghasan Al-Ezzi, Professor für Politologie an der Libanesischen Universität in Beirut, die Bürger des Libanon lebten und arbeiteten auf den Schebaa-Farmen, aber das ändere nicht die Tatsache, dass die Region in den Augen der internationalen Gemeinschaft unter syrischer Souveränität stehe.

Wenn sogar die UN anerkennt, dass Israel nicht länger libanesisches Gebiet besetzt, warum kann dann der Daily Telegraph das nicht klarstellen?

UPDATE

Der Daily Telegraph hat Folgendes ergänzt:

Israel besetzt die Region der Schebaa-Farmen, die sowohl vom Libanon als auch von Syrien beansprucht werden.

Soweit es uns betrifft, ist diese Erläuterung nicht hinnehmbar und versagt völlig darin, ein legitimes Gegengewicht zu Asseilys Behauptung aufzustellen oder Klarheit zu schaffen. HonestReporting wird weiter hierüber berichten.

Ein zweifacher herber Medienschlag für die BDS

22. Juni 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 10. Juni 2014

Nach dem erfolgreichen Rolling Stones Konzert in Tel Aviv war es nicht gerade eine tolle Woche für die BDS-Bewegung. Und jetzt wird es noch schlimmer, nachdem gleichzeitig in der New York Times und dem Daily Telegraph kritische Äußerungen gegen den BDS erschienen.

In der New York Times nennt Roger Cohen jene beim Namen, die gegen den Auftritt der Rolling Stones in Tel Aviv waren:

Roger Waters und Nick Mason, Gründungsmitglieder von Pink Floyd, waren lautstark dabei die Israelis der „Apartheid“ zu bezichtigen, als sie versuchten Mick Jagger, Keith Richards und die anderen davon abzuhalten, ihr Konzert am 4. Juni zu geben. „Jetzt in Israel zu spielen, ist das moralische Äquivalent zu einem Auftritt in Sun City während des Höhepunkts der Apartheid in Süd-Afrika“, schrieben sie.

Waters nennt Israel ein „rassistisches Apartheidssystem“ und hat mehr als einmal die Situation der Palästinenser mit der der Juden in Nazi-Deutschland gleichgesetzt. „Das ist kein neues Szenario“, teilte er dem Magazin Counterpunch im letzten Jahr mit und spielte auf das Berlin nach 1933 an, „mit dem Unterschied, dass diesmal das palästinensische Volk ermordet wird.“

Jagger hatte Recht in Tel Aviv aufzutreten und sei es nur als machtvoller Protest gegen die Vorwürfe der europäischen Gutmenschen. Juden erlitten eine systematische, industrialisierte Vernichtung durch die Nazis in jener Zeit, auf die Waters anspielt. Dazu gibt es in Israel keinerlei Parallele. Punkt!

Zu suggerieren, dass es sie gibt, ist wesentlich mehr als intellektuelle Schlampigkeit. Es ist eine Form moralischen Rufmords.

Derweil hebt Jake Wallis Simpson im Daily Telegraph Gegnerschaft zur BDS-Bewegung durch die palästinensische Führung hervor:

So stellt sich heraus, dass die Palästinenserführung die BDS-Aktivisten als wenig mehr denn peinliche Unruhestifter sieht, die sie am liebsten unterdrücken würde.

Omar Barghouti, eine der Führungsfiguren der BDS-Bewegung, antwortet darauf gereizt mit einem ulkigen Statement: „Wenn die vier Männer vor Gericht gestellt werden“, sagt er, „ dann sollten wir die palästinensische Autonomiebehörde dafür verfolgen, dass sie die israelische Besetzung unterstützt.“

In Wahrheit ist schon lange klar, dass viele palästinensische Offizielle nicht mehr daran glauben, dass die BDS-Bewegung den Interessen des palästinensischen Volkes dient.

Ganz offensichtlich wurde dies während des Begräbnisses von Nelson Mandela. Mahmoud Abbas, der palästinensische Präsident sagte gegenüber Reportern: „Nein, wir unterstützen den Boykott Israels nicht.“

Majdi Khaldi, einer der ältesten Ratgeber, wurde noch deutlicher: „Wir sind Israels Nachbarn, wir haben Abkommen mit Israel, wir nehmen Israel wahr und wir bitten niemanden darum, israelische Produkte zu boykottieren.“ (Obwohl die PA durchaus den Boykott von Produkten aus den „Siedlungen“ unterstützt)

Mehr von Jake Wallis Simpson hier und von Roger Cohen hier.

“Hundesteinigung“: BBC uneinsichtig und klar auf anti-israelischem Kurs

21. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 21. Juni 2011

Wir ziehen die internationalen Medien zur Verantwortung, die, wie sich herausstellte, eine falsche Geschichte herausbrachten, was die Verurteilung eines Hundes zum Tod durch Steinigung betraf. Innerhalb weniger Stunden nach dem Kommuniqué von HonestReporting* entfernte der Daily Telegraph die Geschichte komplett von seiner Webseite. TIME hatte bereits ein Update herausgebracht.

Die BBC jedoch sattelte noch einen Nachfolgebeitrag drauf.

Nahm sie eine Korrektur vor? Nein.

Räumte die BBC ein, dass sie eine Geschichte aus der israelischen Presse veröffentlicht hatte, ohne zu recherchieren oder Faktencheck zu betreiben, wie es professioneller journalistischer Usus erfordert? Natürlich nicht.

Machte die BBC sich Gedanken darüber, dass sie die Geschichte veröffentlicht hatte, nachdem die israelische Tageszeitung Ma’ariv eine Entschuldigung und Rücknahme des Beitrags herausgegeben hatte? Keineswegs!

Stattdessen bog sie, nach typischer BBC-Manier, in ihrer Antwort die Richtigstellung zum rabbinischen Gericht in Jerusalem zu einer Story nach ihrem Strickmuster um.

Wann wird die BBC souverän genug sein, zuzugeben, dass sie einen Fehler gemacht hat, statt sich aus einer Rücknahme ihre Berichterstattung herauszuwinden?

Sie können Ihre [auch als Kommentare formulierten] Zuschriften an die Beschwerdeseite der BBC richten. Wenn Sie mehr über die Navigation auf dieser Webseite und das Prozedere des Beschwerdevorgangs generell erfahren wollen, klicken Sie hier auf unsere Anleitung, die ich [bd] vor drei Jahren übersetzt habe.


Der DAILY TELEGRAPH korrigiert seinen Fehler

Anders als die BBC ist der Daily Telegraph zumindest mit diesem Thema seriös umgegangen. Ein HonestReporting-Leser erhielt folgende Antwort auf seine Beschwerde:

Vielen Dank, dass Sie Zeit und Mühe auf sich genommen haben, um uns zu schreiben und dies uns nahe zu bringen. Der Artikel wurde zuerst in der israelischen Zeitung Ma’ariv veröffentlicht, und wir hatten sofort reagiert und ihn entfernt, als wir auf die Tatsache aufmerksam gemacht worden waren, dass sie [Ma’ariv (bd)] ihn abgesetzt hatten. Der Artikel ist online nicht mehr abrufbar.

Heute haben wir einen weiteren Artikel veröffentlicht, der auf die Rücknahme von Ma’ariv und das Dementi des rabbinischen Gerichtshofes Bezug nimmt. Ich habe einen Link zu Ihrer Information beigefügt.

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/israel/8588536/Israel-dog-stoning-reports-strongly-denied.html

Bitte entschuldigen Sie alle Unannehmlichkeiten, die in diesem Fall entstanden sind.

———
*Wird von mir [bd] übersetzt, falls erwünscht.

Leserkommentare zum Antisemitismus in UK

24. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 24. März 2010

Amüsant: Eine Buchbesprechung über britischen Antisemitismus im Daily Telegraph. Gehen Sie die Leserbriefe für alle Beweise durch, die sie benötigen….

Wer ist der wahre Held?

12. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 11. März 2010

Schauspielerin Laila Rouass möchte einen Film über die palästinensische Terroristin Leila Khaled drehen. Daily Telegraph:

„War sie eine revolutionäre Kämpferin oder Terroristin?“ fragt die Schauspielerin. „Ich gehe davon aus, dass man das je nach Individuum entscheiden muss. Sie lebt jetzt in Jordanien. Ich habe mit ihr telefoniert und ich würde sie gerne persönlich treffen.“

Rouass hat den Film finanziert. „Es bieten sich sehr wenige Gelegenheiten, die feminine Seite dieser Dinge zu sehen und was eine Frau zu dem antreibt, was sie getan hat“, fügte die Schauspielerin hinzu.

Khaled war Mitglied eines PLO-Terrorkommandos, das 5 fünf westliche Flugzeuge in seine Gewalt bringen und die Passagiere als Geiseln nehmen wollte, um Gesinnungsgenossen freizupressen. Das Hijacking bei Dawsons Field stürzte Jordanien in eine Staatskrise; etwa 3.000 Palästinenser wurden getötet, als König Hussein der Armee den Befehl gab, die PLO zu vertreiben und die Ordnung wiederherzustellen (Historisch bekannt als Schwarzer September).

Wer wusste damals von einer „femininen Seite oder einem femininen Motiv“ hinter all dem? In einer Welt nach 9/11 würde ich lieber einen Film über einen wahren Helden sehen: Uri Bar-Lev. Der besonnene EL AL-Pilot vereitelte nicht nur Khaleds Anschlagsplan – das Justizgerangel um die Bar-Levs Geschichte ist heute genauso relevant wie das Thema Luftfahrtsicherheit.

Offener Brief an Bashar Assad

23. September 2009

HonestReporting Media BackSpin, 23. September 2009

An: Seine Exzellenz, Präsident Bashar Assad
Von
: Pesach Benson, HonestReporting
Thema
: Danke, Präsident Assad

Sehr geehrter Präsident Assad,

Danke, Ihre Exzellenz, für die Überreaktion auf HonestReportings erfolgreiche Kampagne, die es den Golan-Facebookers ermöglicht, sich als Israelis registrieren zu lassen.

Facebook nahm ohne großes Aufhebens einige vernünftige Änderungen vor, aber die Medien nahmen ausschließlich Notiz davon, dass Sie beschlossen, Facebook wegen dieses Themas zu boykottieren. HonestReporting wird nun in Zeitungen wie der Daily Telegraph, der LA Times und sogar beim Sender CNN zitiert, der dieses Video einstellte.

Auch wenn das Regime Ihrer Exzellenz in Wirklichkeit Facebook seit 2007 boykottiert, weil Syrer mit Israelis zusammenarbeiten könnten, sehe ich dennoch, dass Ihre Frau das öffentliche Gesicht Ihrer Regierung auf der internationalen sozialen Medienplattform bleibt.

Ich lade deshalb Ihre verehrte Gattin Asma al Assad ein, sich bei der Konversation in unserer Gruppe Facebook, Golan Residents Live in Israel, not Syria zu beteiligen, dazu auch auf der Facebook-Seite von HonestReporting, und mit Teilnehmern jeglicher Nation und Religion zu kommunizieren, wie es der First Lady genehm ist.

Wenn außerdem Ihre Exzellenz es für richtig hält, können Syrer auf Twitter mit @MediaBackspin und @HonestReporting in Kontakt treten. Mein Kollege Alex Margolin und ich, die von diesen beiden Zugängen aus kommunizieren, sind sowohl israelische als auch amerikanische Staatsbürger.

Pesach Benson

Redakteur
MediaBackspin

Die verdrehte Schlagzeile des Daily Telegraph

26. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 26. März 2009

Die IDF veröffentlichte ihre überprüften Zahlen zu den Todesopfern während des Gaza-Krieges im Januar. Haaretz zufolge zählte die Armee insgesamt 1.370 Todesopfer, darunter:

• Mehr als 600 Mitglieder von Terrororganisationen.

309 Zivilisten, darunter 189 Kinder im Alter unter 15.

320 Menschen, deren Status als Zivilist oder Kämpfer nicht noch endgültig geklärt ist.

Dies führte zu einer sehr verdrehten Schlagzeile im Daily Telegraph (Zum Vergrößern bitte auf die Abbildung klicken):

In Wirklichkeit ist 189 – wenn auch tragisch – eine sehr kleine Zahl, wenn Sie bedenken, dass ein großer Prozentsatz der etwa 1.4 Millionen-Bevölkerung in Gaza Kinder sind.

Hätte die IDF tatsächlich wahllos zivile Ziele im dicht bevölkerten Gazastreifen angegriffen, würden die Zahlen einen weit höheren Prozentsatz von Kindern im Verhältnis zu allen Getöteten aufweisen.

Aber die überwiegende Mehrheit der Toten waren Männer im kampffähigen Alter, was nahelegt, dass selbst, wenn es zu Unglücksfällen kam, die IDF wohlüberlegt vorging statt willkürlich drauflos zu ballern.

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Update, 29.03.08:

Es handelt sich nur um 89 Kinder unter 16 Jahren. Ha’aretz hatte unzuverlaessig berichtet, hier die Jerusalem Post:

http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1237727552054&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

Etwa die Hälfte der Bevoelkerung im Gazastreifen ist weiblich, mindestens 45% sind 16 Jahre und juenger (s. CIA factbook https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/gz.html).

89 Kinder (7.6%) und 49 Frauen (4.2%) von 1166 untersuchten Todesfällen belegen eine sehr effektive Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nicht-Kombattanten.

Hat tip: beer7

Daily Telegraph entdeckt das Wort Terror

5. Oktober 2008

honestreporting Media Backspin, 5. Oktober 2008

Einer Schlagzeile der Daily Telegraph zufolge geschieht Terror nur im Zusammenhang mit Juden:

Jüdischer Terror bedroht Israel

Die Redakteure der Telegraph – wie ihre Kollegen vom Guardian and der Independent – vermeiden das Wort Terror nicht per se. Sie lehnen es nur ab, wenn die Opfer Israels oder Amerikaner sind.

Unter welchen Bedingungen würde die britische Presse mit dieser Schlagzeile aufwarten?

Palästinensischer Terror bedroht Israel

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Die moralische Gleichsetzung des Daily Telegraph

14. Juli 2008

honestreporting Media Backspin, 13. Juli 2008

Giftstift des Tages ist Karikaturist Nicholas Garland (Daily Telegraph):

Britische Leser könnten diese Karikatur in einem etwas anderen Kontext sehen – jeden Tag werden 60 Menschen zu Opfern von Messerangriffen, ein erschreckender Anstieg von 35 % in einigen Gegenden Großbritanniens.

Wie Colin Rubinstein aber gleichwohl hervorhob (vor dem missbilligten Raketentest des Iran), kann man das Atomprogramm Israels nicht mit dem des Iran vergleichen:

Trotz der Parallelen, die man zu Israels vermeintlichen Nuklearkapazitäten gezogen hat, verletzt Israel keine internationalen Vereinbarungen (Es hat den NPT* nicht unterzeichnet); es hat nicht damit gedroht, Nuklearwaffen gegen seine Nachbarn einzusetzen (Hat auch nicht bestätigt, dass es welche besitzt); und seine Nachbarn haben keine ähnlichen Anstrengungen unternommen, sich dagegen abzusichern.

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*NPT: Atomwaffensperrvertrag. Englisch: Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons, (NPT)