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Leseempfehlungen, 2. September 2011

2. September 2011

HonestReporting Media BackSpin, 2. September 2011

• Hisbollah richtet Stützpunkt auf Kuba ein. Wie YNet News berichtet (zitiert die Corriere della Sera), dient der Schritt dazu, von dort aus einen Anschlag auf israelische Einrichtungen in Südamerika durchzuführen. Das alles wohl wegen des ungesühnten Todes von Imad Mughniyah:


Dem Bericht zufolge sind bereits drei Hisbollah-Mitglieder in Kuba eingetroffen, um dort ein Terrornest aufzubauen. Die Zelle wird 23 Agenten umfassen, ausgesucht von Talal Hamia persönlich, einem hochrangigen Funktionär, der mit der Führung der verdeckten Aktion beauftragt ist.

Martha Stewarts besucht Israel.
Und irgendjemand wird sicher versuchen, ihre Reise politisch auszuschlachten. Als Paul McCartney das Land besuchte, bauten BBC fools on the hill* Israel und den Internationalen Strafgerichtshof in eine Entertainment-Geschichte ein.

• Der Generalstaatsanwalt der syrischen Stadt Hama gab auf YouTube (Untertitel in Englisch) seinen Rücktritt bekannt, um damit seinen Protest gegen Assads Brutalität auszudrücken. Mehr Infos bei Reuters.

• Die YouTube-Videos von Ministerpräsident Netanyahu sind erstaunlich beliebt in der arabischen Welt. Globes berichtet:

Ägypten und Saudi-Arabien sind fleißige Netanyahu-Gucker: 18% der Surfer, die YouTube- Videoclips von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gesehen haben, stammen aus Ägypten, dicht hinter den USA (23,4%).

Dank des Arabischen Frühlings erscheint es noch mehr geboten, dass Israel sein Anliegen direkt zur arabischen Straße bringt. Oder wie die Washington Post diese Woche bemerkte:

In Israel wächst zunehmend die Erkenntnis, dass die Aufrechterhaltung der Beziehungen mit dem post-revolutionäre Ägypten hängt nicht mehr allein davon abhängt, wie man die Beziehungen zu seinen Führern pflegt. Die Akzeptanz von Standpunkten, die sich mehr bei den gewöhnlichen Ägyptern und den verschiedenen politischen Kräften in diesem Land nach Mubaraks Vertreibung herauskristallisieren, sind ebenso wichtig.

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*In Anspielung auf den Song Fool on the hill von den Beatles.

Mandela ist er nicht

26. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 26. November 2009

Zuletzt erinnerte ich mich wieder daran, warum die letzten Medien-Lancierungen, Marwan Barghouti sei der palästinensische Nelson Mandela – unglaubwürdig sind. Deshalb nämlich, weil niemand bei den Palästinensern selbst nachfragt.

Jerusalem Post-Kolumnist Khaled Abu Toameh mit einem kritischen Blick auf die Außenwahrnehmung Barghoutis:

Anders als viele westliche Medien haben palästinensische Journalisten und Verfasser selten – wenn überhaupt – Barghouti als „charismatischen“ Führer oder als „palästinensischen Nelson Mandela“ bezeichnet. Zyniker und Verschwörungstheoretiker in den palästinensischen Gebieten noch weiter, wenn sie davon ausgehen, dass Barghouti in Wirklichkeit Teil einer US-israelischen  Intrige sei, ihn zum zukünftigen Führer der Palästinenser zu machen. Um ihre Behauptung zu untermauern, stellen sie so profane Fragen wie: Seit wann erlaubt Israel denn einem strengst bewachten Häftling, Medieninterviews zu geben oder in seiner Zelle israelische, palästinensische, europäische und amerikanische Offizielle zu empfangen?

Zweifellos wird Barghouti von vielen Palästinensern respektiert. Doch nicht, weil er der palästinensische Nelson Mandela oder Saladin ist – der moslemische Krieger, der die Kreuzfahrer aus Jerusalem herauswarf -, sondern weil er in einem israelischen Gefängnis sitzt.

Wenn die Palästinenser selbst Barghouti nicht als Mandela betrachten, warum spinnen die Mainstream-Medien dann weiter an diesem Mythos? Das neueste Beispiel dieser Art liefert Irish Times-Korrespondent Michael Jansen, wenn er schreibt:

Von vielen Palästinensern wird er als ihr Nelson Mandela gesehen.

Rede mir nicht ein, wie Barghouti wahrgenommen wird, sondern zeige mir, wie er wahrgenommen wird. Nimm’ einfach den ganz normalen Palästinenser auf der Straße ernst.

Man kann Barghouti jederzeit an seinen eigenen Worten messen, seit er Israels meistinterviewter und bestbewachter Häftling ist. Im Gespräch mit Corriere Della Sera ließ er die Gewaltoption offen.

Natürlich verträgt sich das nicht mit der rosigen Wahrnehmung Barghoutis durch den Westen….

Lesen Sie bitte Toamehs vollständigen Beitrag [In Englisch].

Dazu passend: Barghouti Is No Mandela

Ermittlung der Todesopfer

26. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 26. Januar 2009

Die IDF legte ihre Zahlen der Todesopfer bei der Operation „Gegossenes Blei“ vor. Dazu YNet News:

Das Militär schätzt, dass im Verlauf der Offensive 1.100 bis 1.200 Menschen getötet wurden. Etwa 700 werden Militanten zugerechnet – die überwiegende Zahl Hamas-Kämpfer….

Die IDF muss noch die Identität von etwa 200 Toten klären – die meisten davon etwa 20 Jahre alt; was sich verzögert, weil sie noch unter den Trümmern begraben liegen. Die Armee ging davon aus, dass viele von ihnen Hamas-Kämpfer waren.

Bei vielen Toten dachte man zuerst, dass sie Zivilisten gewesen wären, weil man keine Waffen bei ihnen gefunden hatte, so ein Militärsprecher, „Aber diese Vorgehensweise entspricht genau der Art und Weise der Hamas, sich unter Zivilisten zu verschanzen und sich ohne Waffen zwischen ihren Stützpunkten hin und her zu bewegen. Oft stellte sich heraus, dass jemand, der sich als Zivilist ausgab, nach unseren Überprüfungen als Hamas-Kämpfer identifiziert wurde.“

Die Zahlen unterscheiden sich nicht sehr von denen in der Berichterstattung des Corriere Della Sera.

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Das italienische Original

25. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. Januar 2009

Für alle Leser, die nach dem italienischen Originalartikel fragten, der als Basis für unseren Beitrag mit dem Titel Palästinensische Journalisten: Zahl der Toten weit übertrieben diente, hat Pia Causa bei den Kommentaren im Original einen Link gepostet.

Hier Lorenzo Cremonesis Originalartikel in Italienisch, veröffentlicht im Corriere della Sera. Dank für den freundlicherweise zugeschickten Link an Pia.

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Palästinensische Journalisten: Zahl der Toten weit übertrieben

22. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 22. Januar 2009

Während die meisten Medien über eine abschließende Totenliste des Gaza-Krieges berichteten, sagte ein italienischer Reporter, der viele Krankenhäuser im Gazastreifen besucht hatte, dass die Verlustrate weit niedriger war und die palästinensischen Journalisten das wüssten. Die Jerusalem Post führt aus:

Die Zahl der in der ‚Operation Bleigießen‘ getöteten Palästinenser überstieg nicht fünf- bis sechshundert, so Lorenzo Cremonesi, Korrespondent für die italienische Tageszeitung Corriere Della Sera am heutigen Donnerstag.

Cremonesi begründete seinen Bericht mit Besuchen von Krankenhäusern im Gazastreifen und Interviews mit Familienangehörigen der Toten. Er setzte auch die Zahl der Verletzten weit niedriger als 5.000 an – also im Widerspruch zu den Angaben der Hamas, die von der UNO sowie dem Internationalen Roten Kreuz in Gaza [unhinterfragt (bd)] übernommen worden waren.

„Es reicht völlig aus, einige Krankenhäuser [im Gazastreifen] zu besuchen, um festzustellen, dass die angegebenen Zahlen nicht stimmen“, schrieb er.

Im Europäischen Krankenhaus von Rafah, einer Einrichtung, die mit Verletzten wegen des „Tunnelkrieges“ überbelegt hätte sein müssen, waren viele Betten frei, wie Cremonesi berichtet. Ähnlich verhielt es sich im Nasser-Krankenhaus in Khan Younis, und aus dem privat geführten Amal-Krankenhaus berichtete Cremonesi, dass nur fünf von 150 Betten belegt waren.

YNet News merkt an, dass die palästinensischen Reporter von den aufgeblähten Zahlen wussten und dies Cremonesi gegenüber bestätigten:

Der Reporter des italienischen Blattes zitierte auch Reporter aus dem Gazastreifen, die die Hamas-Zahlen als völlig überzogen bezeichneten. „Wir haben es den Hamas-Kommandanten bereits gesagt: ’Warum besteht ihr darauf, die Opferzahlen nach oben zu schrauben?

Dieselben Reporter erwähnten, dass die Wahrheit, die letztendlich ans Tageslicht kommt, ähnlich der sein wird, die nach der Operation Defensive Shield in Jenin zu erkennen war. „Damals sprach man zuerst von 1.500 Toten. Doch dann stellte sich heraus, dass es 54 waren, davon 45 Bewaffnete“, erklärten die palästinensischen Reporter der italienischen Zeitung gegenüber.

Die IDF gibt an, dass während der Kampfhandlungen 500 Hamas-Kämpfer getötet worden seien. Dagegen behauptet die Hamas, „nur“ 48 Leute verloren zu haben.

Wie kommt es, dass dieselben palästinensischen Reporter, die der Welt 1.330 Tote präsentieren, eine andere Realität anerkennen und dann darauf warten, dass die Wahrheit „ans Licht kommt“ wie in Jenin?

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