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Das Holocaust-Gedenktag-Special des Guardian

29. Januar 2012

Der Guardian wird niemals eine Gelegenheit auslassen, einen konservativen Minister und eine jüdische Organisation im selben Zug anzugreifen. Lass die Story am Holocaust-Gedenktag erscheinen und um Salz in die Wunde zu streuen, stelle sicher, dass deine Quelle auch noch ein paar antisemitische Internetseiten betreibt. Der perfekte Sturm, der das obsessiv ideologische Verhalten des Guardian zeigt, das ihn dafür blind macht, grundlegenden journalistischen Professionalismus auszuüben.

Und das auch noch, wenn der Guardian klar im Unrecht ist.

So bloggt Toby Young beim Daily Telegraph:

Ach herrje. Der Guardian ist derart versessen darauf,  Michael Gove niederzumachen, dass er ein spektakuläres Eigentor geschossen hat.

In der heutigen Zeitung steht ein Bericht, Gove habe in seiner Funktion als Bildungsminister einen Zuschuss von £2 Millionen an den Community Security Trust gewährt, eine Wohlfahrtsorganisation, die die Sicherheit für die jüdischen Gemeinden Großbritanniens stellt. Der Grund, dass dies eine „Story“ ist: Gove ist seit 2007 Mitglied des Beirats des CST.

In der Tat ist daran nichts Unpassendes. Der CST selbst erhält keinerlei Spenden; stattdessen verteilt er das Geld, das er erhält, an verschiedene Sicherheitsfirmen, bei keiner von denen Michael Gove im Vorstand sitzt. Es handelt sich tatsächlich um eine solche Non-Story, dass Ed Balls gestern Abend folgenden Tweet rausschickte: „Ich hatte viele Meinungsverschiedenheiten mit Michael Gove, aber in diesem Fall hat er Recht: Der CST macht eine großartige Arbeit in Sachen Sicherheit für jüdische Schulen.“

Wenn man die Story nachrecherchiert, dann wird klar, dass die Quelle jemand namens David Miller ist, Soziologieprofessor an der University of Strathclyde. Er wird folgendermaßen zu Michael Gove zitiert:

Das sieht doch ein Blinder, dass er hätte beiseite treten sollen, dass hier ein möglicher Interessenkonflikt vorliegt. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Transparenzregeln des Vereinigten Königreichs unwirksam sind und dringend überholt werden müssen.

Aber wer ist dieser Professor Miller? Nach Angaben von Harry’s Place:

David Miller betreibt auch eine Reihe Internetseiten, von denen eine die Abschlussarbeit des notorischen Neonazis Kevin MacDonald wiedergab. MacDonald glaubt, dass die Jeden genetisch dafür anfällig sind zu mauscheln und gegen Nichtjuden zu konspirieren. Der Artikel wurde schließlich entfernt, nachdem darauf hingewiesen wurde. Doch so weit wir das beurteilen können, wurde niemand von Millers Projekt für die Verbreitung von Neonaz-Antisemitismus „gefeuert“.

Young sagt weiter, dass dies ein Schlaglicht darauf wirft, wie bereit der Guardian ist antisemitische Propaganda zu erbrechen. Als wenn wir das nicht schon wüssten…

Verzerrter Blick auf Großbritanniens “Israel Lobby“

16. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2009

Heute (Montagabend) werden Großbritanniens Fernsehzuschauer darauf eingestimmt, was Dispatches von Channel 4 als Inside Britain’s Israel Lobby anpreist.

Hier drei Gründe dafür, warum HonestReporting das Schlimmste befürchtet.

1. Auch HonestReporting befand sich im Fadenkreuz von Channel 4 (C4).

C4 schrieb HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker wegen eines Interviewwunsches an.

Noch bevor Plosker auf die Mail reagierte, kreuzten Reporter Peter Oborne und ein Filmteam in den Büroräumen von MediaCentral mit laufenden Kameras auf und suchten nach Plosker für ein Exposé.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Plosker befand sich jedoch auf Vortragsreise in Großbritannien, was zwischen Oborne und MediaCentral-Direktor Aryeh Grün zu einem heftigen Disput führte. Während die Kamera lief, bat Grün Oborne einfach nur, sich zu auszuweisen, während Oborne Grün gegenüber aufdringlich wurde.

Nach den Ofcom-Richtlinien ist Channel 4 – als Öffentlich Rechtlicher – dazu verpflichtet, HonestReporting vor allen denkbaren Behauptungen, die ausgestrahlt werden, in Kenntnis zu setzen; ein Punkt, auf den Plosker in einer Antwortmail hingewiesen hatte.
2. Channel 4’s Titelung der Sendung setzt die Existenz einer mächtigen “Israel Lobby“ als selbstverständlich voraus.

Und so erklärt Channel 4 seine „Nachforschungen“:

Die Berichte stellen Untersuchungen über eine der mächtigsten und einflussreichsten politischen Lobbygruppen in Großbritannien an, die sich für die Interessen des Staates Israel einsetzen.

Trotz ihres großen Einflusses in höchsten Positionen der britischen Politiken und der Medien weiß man wenig über Einzelpersonen und Gruppierungen, die zusammen als Pro-Israel-Lobby bekannt sind.

Der politische Kommentator Peter Oborne zeigt, wer diese Menschen sind, wie sie sich organisierten, wie sie arbeiten und welchen Einfluss sie ausüben – von Schlüsselgruppen bis hin zu reichen Einzelpersonen, die das Lobbygeschäft finanzieren.

Er geht der Frage nach, wie verantwortlich, transparent und offen für genaue Nachforschungen die Lobby ist, besonders was ihre  finanziellen Zuwendungen und Unterstützungen an Parlamentsabgeordneten betrifft.

Die Pro-Israel-Lobby hat sich zum Ziel gesetzt, die Debatte über Großbritanniens Beziehung zu Israel und die zukünftige daran ausgerichtete Außenpolitik zu dominieren.

Oborne untersucht, wie die Lobby aus dem Innern des Parlaments heraus operiert und welche Taktiken sie hinter den Kulissen einsetzt, wenn sie es mit Print- und Rundfunkmedien zu tun hat.

Channel 4 impliziert also mit eigenen Worten beim organisierten Judentum in Großbritannien Folgendes:

• Es habe übermäßig viel Einfluss auf Politik und Medien.

• Zeige eine problematische Doppelloyalität zu Israel und Großbritannien.

• Sei weder transparent oder irgendjemand gegenüber verantwortlich.

• Dürfe taktisch in unangemessener Weise „hinter den Kulissen“  „innerhalb des Parlaments„ arbeiten, und das auch noch „im Umgang mit Print- und Rundfunkmedien“


3. Ist hier Antisemitismus am Werk?

In der Tat könnte dieses erklären, weshalb der Community Security Trust (CST) von C4 eine ähnliche Mail erhalten hatte, auch wenn der CST Antisemitismus bekämpft und dennoch nicht mit der Verteidigung Israels beschäftigt ist. Mir hat gefallen, wie CST blog Stellung bezogen hat:

….auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass Berichte oder für schnelles Geld gemachte Produktionen per se als antisemitische Beiträge beabsichtigt sind, so finden sich doch auf dieser Webseite alle Standards antisemitischer Metaphern über Verschwörungstheorien: unmäßig viel Macht und Einfluss, Riesengeldsummen, Manipulation von Politikern und Medien – und all das im Geheimen. Selbst die Art und Weise, wie man auf die „die Pro-Israel-Lobby“ als allein handelnden Akteur verweist , als Einzelperson vorgehend und handelnd, suggeriert eine geheimnisvolle Verschwörung, innerhalb derer die unterschiedlichen Organisationen und Individuen in Wahrheit Handlanger ein und derselben einzigen Maschine sind.

„Dispatches“ hat einiges an heftigem Investigationsjournalismus auf Lager, darunter Undercover Mosque, das erstmals einen tieferen Einblick in islamischen Extremismus britischer Prägung geliefert hatte. Channel 4-Offizielle versicherten dem Jewish Chronicle gegenüber, dass Inside Britain’s Israel Lobby „nicht das synagogale Äquivalent zu Undercover Mosque darstellen“.

Bleiben Sie dran….

UPDATE 16. November: Die Jerusalem Post mit weiteren Details zur gärenden Kontroverse.