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Hamas zieht Krieg mit Israel (und den Medien) einem Frieden zwischen den Palästinensern vor

21. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 21. März 2011

Die Hamas würde lieber einen Krieg mit Israel (und den Medien) vom Zaum brechen als einem Frieden zwischen Palästinensern zustimmen.

Nach den jüngsten Massendemonstrationen für die palästinensische Einheit griffen Hamas-Schläger Medienbüros in Gaza an und feuerten übers Wochenende rund 50 Raketen auf Israel ab.

Das Committee to Protect Journalists zur Einschüchterung der Medien:

Nach einer Demonstration in Gaza-Stadt stürmten Hamas-Sicherheitskräfte die Redaktionsbüros von Reuters, CNN sowie das des japanischen Nachrichtensenders NHK, griffen Journalisten tätlich an, beschlagnahmten Aufnahmebänder und zerstörten Ausrüstungsgegenstände, so CNN und andere. Die Sicherheitskräfte schlugen einen Reuters-Mitarbeiter mit einer Eisenstange, drohten einem anderen Kollegen, ihn zum Fenster hinauszuwerfen, zerschlugen einen Fernseher und eine Computertastatur, berichtete Crispian Balmer, Reuters-Büroleiter für Israel und die palästinensischen Gebiete, den Kollegen von CNN und Associated Press. Die Sicherheitskräfte durchsuchten auch die CNN-Büros nach Videomaterial zu den heutigen Demonstration, so CNN, und beschlagnahmte ein NHK-Video, wie Disuke Iijima, Bürochef in Jerusalem, bestätigte.

Den palästinensischen Journalisten erging es noch schlimmer. Maan News zufolge drohte die Hamas, eine palästinensische Frau (und ihren Sohn) zu töten, wenn sie nicht aufhöre, über die Einheits-Demonstrationen zu berichten:

Die Journalistin berichtete Maan, dass Polizeikräfte der Hamas ihrem Sohn und ihr für den Fall gedroht hätten, wenn sie über die gewaltsam aufgelösten Einheits-Demonstrationen der letzten Tage in Gaza bei Facebook oder auf ihrem Blog berichten würde.

Sie sagte, dass die Behörden ihrem Familienoberhaupt eine SMS mit folgendem Text zugeschickt hätten: „das nächste Mal werden wir sie töten, wenn sie weiterhin gegen uns bloggt oder Facebook benutzt, um etwas gegen uns zu organisieren….Wenn Sie sie nicht davon abhalten werden wir das übernehmen.“

Unterdessen beteuert Hamas-Innenminister Fathi Hammad, dass die Hamas die Pressefreiheit respektiere. Ab ja doch.

Wie aber Khaled Abu Toameh schreibt, sind die Angriffe auf die Medien und die Raketensalven in Wirklichkeit Ablenkungsmanöver der Hamas, um den aus dem Volk kommenden Druck auf Versöhnung mit der Fatah zu mindern:

Das rüde Vorgehen der Hamas gegen die Journalisten wird als Versuch gesehen, weitere Berichterstattung über tägliche Proteste im Gazastreifen zu verhindern.

Die Hamas-Aktionen zeigen, dass die Bewegung, die seit 2007 den Gazastreifen kontrolliert, Angst davor hat, dass die derzeitige Welle der Volksaufstände, die über die arabische Welt hinwegfegt, auch den Gazastreifen erreicht….

Ironischerweise würde eine IDF-Operation im Gaza-Streifen den internen Druck auf die Hamas zweifellos mindern. Der Granatenbeschuss zielt darauf ab, Israel zu einer militärischen Offensive zu provozieren, wobei dahinter die Absicht der Hamas steckt,  die öffentliche Aufmerksamkeit von ihren Problemen abzulenken und die palästinensische Öffentlichkeit hinter sich zu versammeln.

Wie traurig. Die Hamas würde lieber einen Krieg nach Gaza bringen statt sich mit ihren palästinensischen Brüdern zu versöhnen.

Wenn das der Weg der Hamas sein soll, gut, dann kommt Sigall Horovitz mit seiner Mahnung einer Rechenschaftspflicht der Hamas gegenüber dem Humanitären Völkerrecht gerade recht.

Schön, dass AFPUPI, AP, NY Times und LA Times über die Einschüchterung der Presse berichten. Aber wo bleiben die britischen Medien?

Al-Manar-Berichterstattung dient der Grenzausspähung durch die Hisbollah

7. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 7. Dezember 2009

Die Hisbollah verwischte letztes Wochenende wieder einmal die Grenze zwischen ihrem so genannten „militärischen“ und dem „Medienflügel“ und setzte damit vermutlich westliche Korrespondenten vermehrtem Risiko aus.

Mehdi Kanso, Geheimdienstchef der Gruppe, der 2006 an der Verschleppung der IDF-Reservisten Ehud Goldwasser und Eldad Regev beteiligt gewesen war, wurde kürzlich dabei erwischt, wie er die israelisch-libanesische Grenze ausspionierte. Man geht allgemein nicht davon aus, dass die Hisbollah unmittelbar an der Grenze operiert – was also erzählte Kanso der UNIFIL-Patrouille? Dazu die Jerusalem Post:

Offensichtlich wurde Kanso gestattet, mit seinem Filmequipment  ins Grenzgebiet einzureisen, nachdem er der UNIFIL erzählt hatte, dass er für Al-Manar erbiete, den TV-Sender der Hisbollah.

Diese Tatsache konfrontiert das Committee to Protect Journalists (CPI) neuerlich mit einer Tatsache:  Es ist angemessen, vom CPJ zu erwarten, dass es Kanso zurechtweist, weil dessen Stunts andere Journalisten in Gefahr bringen. Aber 2006 prangerte die Gruppe idiotischerweise israelische Luftangriffe auf den Sendergebäudekomplex von Al-Manar an, als sie schrieb:

Auch wenn Al-Manar als  Propagandaplattform für die Hisbollah dienen dürfte, sieht es nach Beobachtung und Analyse seiner Berichterstattung durch das CPJ heute nicht danach aus, dass es irgendwie erkennbar einer militärischen Funktion dient.

Ein Kommentar in der Washington Times, auf den ich mehrmals verwiesen hatte, veranschaulicht die Fehler in der CPJ-Logik:

Wie aber das Finanzministerium klarstellte, geht es nicht um Al-Manars Rolle als Fernsehsender, sondern um seine unterstützende Rolle bei den Aktivitäten der Hisbollah, einer Organisation, die mehr Amerikaner ermordet hat als jede andere Terrorgruppe, Al Qaida ausgenommen.

„Jede Organisation, die von einer Terrorgruppe geführt wird – ob sie sich als Wohltätigkeitseinrichtung, Wirtschafts- oder Medienunternehmen tarnt – ist ebenso schuldig wie die Terrorgruppe selbst“, sagte Stuart Levey, Unterstaatssekretär im Finanzministerium und zuständig für die Verfolgung der Geldwäsche von Terrororganisationen.

Dazu passend: Terrorist Television

Todesstrafe für “Journalisten“-Mörder

27. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 27. Mai 2009

APP berichtet, dass drei ehemalige Sicherheitskräfte der Fatah schuldig gesprochen wurden, 2007 im Gazastreifen zwei palästinensische Journalisten ermordet zu haben. Aber so eindeutig ist der Fall nicht.

Die Angeklagten Shadi Madhoun, Read Magossi und Shadi Ahmad wurden von einem Militärgericht der Hamas überführt und zum Tode verurteilt.

Sie hatten Suleiman Ashi und Mohamed Abdo ermordet, die beide für Felesteen gearbeitet hatten – eine Zeitung, die als Sprachrohr der Hamas dient. Ashi war für den Wirtschaftsteil des Blattes zuständig, Abdo als Geschäftsführer.

Das wirft einige Fragen auf.

Sollte jemand, der für ein Terroristenblatt arbeitet, Journalist genannt werden?

Zum Beispiel stuft das Committee to Protect Journalists Ashi und Abdo als Journalisten ein. Da bin ich anderer Meinung. Wie die Washington Times einmal unterstrich ist „Jede Organisation, die von einer Terrorgruppe geführt wird – ob sie sich als Wohltätigkeitseinrichtung, Wirtschafts- oder Medienunternehmen ausgibt – ebenso schuldig wie die Terrorgruppe selbst“. Das heißt nicht, dass ihre enge Beziehung zur Hamas den Mord weniger schlimm macht. Aber sie als Journalisten zu bezeichnen ist mehr als fragwürdig.

Werden Menschenrechtsgruppen und Journalistenverbände deutlich hörbar die Todesstrafe verurteilen?

Rechnen Sie besser nicht damit. Jede Kritik wird bestenfalls gedämpft geäußert.

The Media Line liefert ausführliche Informationen zum Fall.

Wird die Hinrichtung der Hamas weitere PR-Punkte bringen, was die Einführung von Law and Order in Gaza betrifft?

Zweifel sind angebracht. Die Gazaner wissen, dass die Hinrichtung politisch motiviert ist und Journalisten sich deshalb keinesfalls sicherer fühlen können.

Eher werden die noch nicht terminierten Hinrichtungen zusätzlich die proislamistischen „Journalisten“ einschüchtern, die Lizenzgebühren entrichten und Medienausweise von der Hamas bekommen haben. Die Medien in Gaza begreifen, dass Widerstand nicht steuerfrei ist. Und die Hinrichtung gibt der Hamas die Möglichkeit, ihre Muskeln spielen zu lassen.

Können Madhoun, Magossi und Ahmad als politische Gefangene bezeichnet werden?

Sie töteten zwei Männer, also wäre jeder Versuch weit hergeholt, in ihnen mehr als Mörder zu sehen. Um für die drei Fatah-Männer Mitgefühl zu entwickeln müsste man davon ausgehen, dass die Tötung der „Journalisten“ ein legitimer Widerstandsakt war. Nun gibt es für NGOs und Journalistenverbände ein schlagendes Argument.

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Leseempfehlungen heute

7. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2009

Fatah-Offerten gegen Hamas-Propaganda. Falastina soll in wenigen Wochen ans Netz gehen. Die Finanzierung ist allerdings ungeklärt, da potentielle Geldgeber nicht davon ausgehen, dass Bedarf für einen weiteren palästinensischen Fernsehsender besteht.

Der vermutlich nächste Botschafter Israels in den USA. Coole Story über Michael Oren während des zweiten Libanonkrieges. (Via Powerline)

Die 10 gefährlichsten Länder für Blogger. Ich denke, dass diese Liste, die vom Committee to Protect Journalists zusammengestellt wurde, eine Menge darüber aussagt, wie es um das Bloggen bestellt ist. Birma (Myanmar), der Iran und Syrien führen das Ranking an.

Bis demnächst bei der Chicago Trib…. Was erhalten Sie, wenn Sie Huffington Post mit Facebook kreuzen? Die neue Webseite der Chicago Tribune, die diesen Sommer startet.

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