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„Selbst Ägyptens salafistische Extremisten stellen weibliche Kandidaten auf“

16. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. Dezember 2011

Auch wenn Abbildungen von Frauen auf Plakaten im Raum Jerusalem lediglich durch eine radikale Minderheit der Charedim unkenntlich gemacht worden waren, hält das die Globe & Mail nicht davon ab, Israels orthodoxe Gemeinschaft mit den Salafisten zu vergleichen, indem sie Wörter wie „dominieren“ verwendet.

Theoretisch könnte Patrick Martin einen ähnlichen Artikel über die Amish-Gemeinde schreiben – deren einheitliche Kleidervorschrift, das weitestgehend fehlende Mitspracherecht von Frauen und ihre Ablehnung moderner Technik. Aber er würde niemals damit zum Ausdruck bringen, dass damit die amerikanische Gesellschaft als Ganzes abgebildet sei. Doch Beiträge wie der von Martin üben eine sich stetig verstärkende Wirkung auf den Leser aus:

Es waren Bedingungen und Situationen wie diese, die kürzlich US-Außenministerin Hillary Clinton dazu veranlassten, Israel wegen der Duldung solch’ diskriminierender Praktiken zu kritisieren.

Kein Wunder. In Israel wollen diese religiösen Parteien, die nun direkt an der Politik mitwirken, nicht zulassen, dass Frauen als Kandidatinnen aufgestellt werden. Selbst Ägyptens salafistische Extremisten stellen Kandidatinnen auf, auch wenn sie deren Gesicht nicht öffentlich zeigen.

Martin erkennt auch nicht an, dass die israelische Bevölkerungsmehrheit schön längst Frauen wie Tzipi Livni, Shelly Yachimovich und Dorit Beinisch in Führungspositionen mit großer Einflussmöglichkeit angenommen hat.

Die Reibungen zwischen Israels Säkularen und den Religiösen sind eine legitime Geschichte, aber Martin simplifiziert sie voreilig.

Eine subtile und eine weniger subtile Botschaft

21. Juli 2009

HonestReporting Media BackSpin, 21. Juli 2009

Kürzlich demonstrierten Angehörige der Jerusalemer Charedim gegen eine umstrittene Entscheidung, während des jüdischen Sabbats einen Parkplatz in Betrieb zu halten und dagegen, wie die Polizei im Fall einer Frau der Glaubensgemeinschaft vorging, die beschuldigt wurde, ihren Sohn beinahe verhungern haben zu lassen.

Am Donnerstag schoss AFP-Fotograf Ahmad Gharabli dieses Foto eines Protestierenden.

Sein Untertitel ist deutlich genug:

Ein ultraorthodoxer Jude mit einer symbolischen Geste während Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften nach Demonstrationen gegen die Festnahme einer Frau, die wegen Kindesmissbrauchs festgenommen worden war (16. Juli 2009. Hunderte ultraorthodoxer Juden lieferten sich schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei am dritten Protesttag gegen die ‚ungerechtfertigte’ Festnahme einer streng religiösen Frau und der Eröffnung eines Parkplatzes am Samstag, dem heiligen Ruhetag der Juden. AHMAD GHARABLI/AFP/Getty Images.

Schnell zum heutigen Tag, in dem das gleiche Foto in einem Bericht der Australian über die Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Israel bezüglich Ostjerusalem erschien. Die Bildunterschrift sagt nicht einmal, um was es bei der Demonstration ging.

Ein ultraorthodoxer Jude mit eindeutiger Geste während Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften nach Demonstrationen in Jerusalem.

Australische Leser könnten also annehmen, dass dies ein Beispiel für israelischen Widerstand gegen die USA symbolisiert.

Dies ist nicht das erste Mal, dass wir Fotos registrieren, die keinerlei Bezug zur Geschichte haben. Letztes Jahr z.B. entfernte Sky News eine Fotomontage mit der Entschuldigung, dass sie automatisch eingefügt worden sei.

Warum also würde ein Redakteur eine Geschichte über jüdisches Leben in Ostjerusalem neben das Bild eines Charedim stellen, der den Stinkefinger zeigt? Welche subtile Botschaft übermittelt The Australian hier?