Posted tagged ‘Channel 4’

Channel Fours Behinderten-Spitze gegen Israel

16. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2011

Ist es vorstellbar, dass man über irgendein Thema zum Leben in Gaza ohne einen Seitenhieb auf Israel berichtet? Offensichtlich nicht. Das Magazin Unreported World des britischen Senders Channel 4 dokumentiert die Aktivitäten des Behinderten-Teams für die Qualifizierung zu den Paralympics in London 2012.

[Auf das Bild unten oder hier klicken, um das Video anzusehen]

Es wird deutlich, dass man die hohe Zahl von behinderten Palästinensern in Gaza nicht auf militärische Aktionen des israelischen Militärs zurückzuführen kann oder gar ruchlose Pläne, mit palästinensischen Genpools zu manipulieren, sondern als Ergebnis einer großen Zahl von Mischehen in Großfamilien zu betrachten ist.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen, und manch’ zitierter Palästinenser wurde zum Behinderten, nachdem er von einer israelischen Rakete getroffen worden war. Die Programm-Macher/Präsentatoren [von Channel4 ] haben sich niemals darum geschert, warum gerade dieser Palästinenser getroffen wurde. Vielleicht war er sogar Mitwirkender in einer Raketen-Squad. Aber wir werden es nie erfahren, weil diesbezüglich keine Fragen gestellt werden. Stattdessen wurden – dem Programminhalt des Senders zufolge – Zivilisten in Gaza „kurzerhand durch israelische Angriffe getötet und verstümmelt; oft in Vergeltung für Raketenangriffe von palästinensischen Militanten.“

Greift Israel wirklich wahllos palästinensische Zivilisten an, um Vergeltung zu üben? Selbstverständlich nicht. Dennoch müssen wir uns mit der Geschichte von zwei Kindern befassen, die angeblich von einer unbemannten Drohne getroffen wurden. Geht man von der Darstellung des Kommentators aus, der mit dem Onkel des Jungen sprach, schlug „ein Drohnengeschoss aus heiterem Himmel unter den Kindern ein und verletzte zwei seiner Neffen.“

Obwohl unbestritten ist, dass palästinensische „Militante“ Raketen von diesem Areal abgefeuert hatten, bleiben die Einzelheiten im Dunkeln. Es gibt viele Beispiele zu Vorfällen, bei denen israelische Raketenangriffe abgebrochen wurden, weil Zivilisten involviert gewesen wären, darunter Kinder in der Umgebung des Zielgebietes. Leider müssen wir anhand vorangehender Erfahrungen davon ausgehen, dass palästinensische „Augenzeugen“ nichts ohne einen kritischen Unterton sagen.

Aber selbst dann ist es immer noch möglich, Israel ins schlechte Licht zu rücken, wenn man wichtigen Kontext weglässt. Gaza wird zum Beispiel als Belagerungsgebiet und virtuelles Gefängnis porträtiert. Doch keine Erwähnung darüber, warum Israel den Gazastreifen abgeriegelt hat, kein Wort über die Hamas, kein Hinweis auf die ägyptische Grenze. Nur Israel ist die verantwortliche Partei, was die schwierige Situation in Gaza betrifft.

Selbst die humanitäre Einstellung Israels wird komplett verdreht dargestellt. Der oben genannte wegen eines israelischen Raketenangriffs behinderte Palästinenser trauert um den Verlust seiner Mutter, die an einer Krebserkrankung verstarb. Sie starb in einem israelischen Krankenhaus, das überhaupt nicht verpflichtet gewesen wäre, kranke Palästinenser aufzunehmen oder medizinisch zu behandeln. Israel bleibt der Bösewicht, weil es dem Sohn nicht die Genehmigung erteilte, nach Israel einzureisen, um bei seiner sterbenden Mutter zu sein.

Was eine wirklich echte menschliche Geschichte von Interesse sein könnte, wird so zum Opfer des allzu häufig vorherrschenden Drangs, einen Grund dafür zu finden, Israel zu beschuldigen. Dass Channel 4 für das jüngste Beispiel verantwortlich ist, dürfte nicht überraschen.

Die EU-Lobby in Israel

2. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 2. Dezember 2009

Unlängst spürte Großbritanniens Channel 4 der Existenz einer zwielichtigen Israel-Lobby in UK nach. Er behauptete, dass sie unverantwortlich handle, intransparent sei und ihre Loyalität ausländischen Regierungen schenke.

Nachdem ich gelesen habe, wie die Jerusalem Post sich mit der Untersuchung von NGO-Monitor bezüglich der EU-Finanzierung für israelische NGO’s befasst hat, frage ich mich: Gibt es eine unverschämte EU-Lobby in Israel, die unverantwortlich handelt, intransparent ist und ihre Loyalität ausländischen Regierungen schenkt?

Stellen Sie sich die Empörung vor, wenn Israel – sagen wir mal’ – auf die Teilung Belfasts drängte und einen Großteil seiner finanziellen Unterstützung einer irischen NGO zukommen ließe, die diese Agenda vorantreibt.

So ist es – die EU drängt auf die Teilung Jerusalems und stellte Ir Amim 67 Prozent des Etats für 2007 zur Verfügung, einer Organisation, die auf die Teilung Jerusalems hinarbeitet.

Wie Daniel Fink richtig anmerkt: Der Mangel an Transparenz seitens der EU verschlimmert den arabisch-israelischen Konflikt.

Leseempfehlungen heute

29. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 29. November 2009

Israel is Europe’s Blind Spot

Ehud Olmert Still Dreams of Peace

America vs. The Narrative

‚Dispatches‘ and Anglo-Jewish Self-Confidence

The UN Report: A Substantive Critique

Mumbai Terror: The Phone Transcripts

Muslim Birthrate On the Decline in Israel

Hezbollah’s Global Fundraising Reach

Sind wir Teil der britischen Israel-Lobby?

25. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 25. November 2009

Simon Plosker, Chefredakteur von HonestReporting, wurde von JNet Radio interviewt, wo er über Dispatches: Inside Britain’s Israel Lobby sprach. Hören Sie es sich bitte bei Humyo an oder klicken Sie auf die Abbildung unten.

Weitere Links zur Auseinandersetzung zwischen HonestReporting und Channel 4:

Warum wir nicht mit Channel 4 sprachen

–  “Antisemitismus, demonstriert an meinem Beispiel“

Under Attack: HR Accused by UK TV Documentary (sehr ausführlich; in Englisch)

HonestReporting antwortet Channel 4

Oborne nun mit Frontalangriff gegen „Israel Lobby“

Verzerrter Blick auf Großbritanniens “Israel Lobby“

Warum wir nicht mit Channel 4 sprachen

21. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 21. November 2009

Weiterhin kamen E-Mails und Kommentare zur Reaktion von HonestReporting (hier kurz HR [bd]) auf Dispatches:  Inside Britain’s Israel Lobby.

Einige Leser fragten nach, warum wir beschlossen hatten, Channel 4s (hier kurz C4 [bd] Anfrage wegen eines Interviews mit HR-Chefredakteur Simon Plosker nicht zu entsprechen. Berechtigte Frage – wir dachten auch darüber nach.

Der aggressive Ton der auslösenden E-Mail, die Simon Plosker von C4 erhalten hatte, war ein sehr wichtiger Faktor. Er bestimmte auch den Form der Dokumentation, die die Existenz einer „Israel-Lobby“ in Großbritannien als gegeben vorausgesetzt hatte. Die E-Mail, gedacht als Anfrage an Plosker, stank nach einem bewusst inszenierten Verriss.

Eine Chance, C4 auszubremsen, indem man sich auf sie einließ, beinhaltete das Risiko, dass Oborne sich die Rosinen aus dem Interview picken würde – ebenso die Erkenntnis, dass HonestReporting Obornes „Nachforschungen“ legitimierte, wenn man dort zitiert werden würde.

Plosker schrieb an C4 zurück, verbunden mit dem Angebot, auf spezifische  Fragen bezüglich HonestReporting mittels E-Mail zu antworten. Diese Mitteilung betraf Hintergrundinformationen über HR und seine Person. Aber Channel 4 ließ allen Anschein von Anstand fahren, als Peter Oborne in MediaCentral-Büro mit einem Drehteam aufkreuzte, um nach Plosker zu suchen.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf der Webseite angezeigt).

Hier der 7-minütige Ausschnitt des Channel 4-Videos, der sich mit HonestReporting befasst. Ich denke, er zeigt anschaulich, warum wir uns gegen die Legitimierung dieser Dokumentation entschieden hatten.

Bitte hier oder auf die Abbildung klicken.


Und hier die bisherigen Links von HonestReporting zu Channel 4:

“Antisemitismus, demonstriert an meinem Beispiel“

Under Attack: HR Accused by UK TV Documentary (sehr ausführlich; in Englisch)

HonestReporting antwortet Channel 4

Oborne nun mit Frontalangriff gegen „Israel Lobby“

Verzerrter Blick auf Großbritanniens “Israel Lobby“

“Antisemitismus, demonstriert an meinem Beispiel“

19. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 19. November 2009

Jonathan Boyd sagt, dass die Berichterstattung der Mainstream-Medien über Israel einen direkten Einfluss auf die verschiedenen Antisemitismus-Varianten hat. Das widerspricht der Aussage, die Guardian-Chefredaktuer Alan Rusbridger in Channel 4’s Doku-Programm Dispatcher tätigte.

Boyd schreibt:

Am wichtigsten ist wohl das Fehlen jeglichen Hinweises darauf, warum einige führende jüdische Persönlichkeiten sich verpflichtet fühlen könnten, Israel zu unterstützen. Lässt man einmal die Politik in der Regien beiseite – die Tatsache, dass Israel seit Urahnen angestammte Heimat des jüdischen Volkes ist, oder dass Israel der einzige Nationalstaat in der Welt ist, in dem das Judentum die gesellschaftliche Hauptströmung bildet, jüdische Kultur die Norm und die hebräische Sprache weithin gesprochen und im Kultus verwendet – all das wurde ignoriert.

Aber es ist offensichtlich wesentlich einfacher, alte antisemitische Mythen aufzutischen. Schließlich verdient die Öffentlichkeit zu wissen, was diese fiesen, reichen Juden im Schilde führen. Und was kann falsch daran sein, wenn die Wahrheit aufgedeckt wird? Es sei kaum eine Verbindung zwischen der Darstellung Israels und der Juden in den Medien und Antisemitismus in den Straßen Großbritanniens herzustellen.

So oder ähnlich würde Alan Rusbridger uns  einzulullen versuchen. Im Dokumentarfilm bestätigte er noch einmal, er fände es „schwer vorstellbar“ , dass irgendeine journalistische Berichterstattung über Israel Gewaltausschreitungen gegen Juden in Großbritanniens Straßen befördern könne.

Boyd fährt fort, indem er beschreibt, wie er im Jahr 2002 dank unverantwortlicher Berichterstattung über Jenin angegriffen wurde:

Erlauben Sie mir an meinem Beispiel, wie sich Antisemitismus manifestiert. Im April 2002, auf dem Höhepunkt der palästinensischen Intifada , zirkulierten Medienberichte, wonach die IDF in Jenin (Westbank) ein Massaker angerichtet hätte. Gerüchte waren in Umlauf, dass Hunderte Palästinenser getötet worden seine. Die BBC ging von 150 aus. Saeb Erekat, interviewt von CNN, sprach von 500. Yasser Abed Rabbo gab 900 an. Überwiegend herrschte der Eindruck vor, die IDF hätte entsetzliche Gräueltaten verübt.

Am darauf  folgenden Samstag ging ich in Finchley, einem Vorort in Nordlondon, zur Synagoge und trug meine Kippa. Unterwegs wurde ich von einem jungen Mann ins Gesicht geschlagen. Es handelte sich um einen völlig grundlosen Angriff. Unsere Wege kreuzten sich zufällig, als er mir plötzlich einen starken, rechten Haken versetzte. Völlig verblüfft fragte ich ihn gleich, warum er das getan hatte. „Das passiert mit Juden, wenn sie sich so aufführen“, war seine Antwort.

Mitch Bard kam zu einer ähnlichen Schlussfolgerung, was den zunehmenden Antisemitismus ab 2002 betrifft:

In Europa hat es eine verhältnismäßig hohe Zahl antisemitisch motivierter Aktivitäten gegeben, darunter körperliche Angriffe und Einschüchterungen gegenüber Juden ebenso wie Beschädigungen jüdischer Gemeindeeinrichtungen. Sie erreichten ihren Höchststand von April bis Mai 2002, also während der Operation Defensive Shield.

Rusbridger sollte es eigentlich besser wissen. Letztes Jahr entschuldigte er sich für diesen Gastbeitrag über die Kämpfe in Jenin, wo er behauptet hatte:

Israels Aktionen in Jenin waren mindestens so widerlich wie Osama bin Ladens Anschlag auf New York am 11. September.

The Guardian entfernte diesen abscheulichen Vergleich von seiner Seite – aber nicht, bevor Boyds Angreifer [Der Boxhieb oben] reichlich Zeit hatte, es zu lesen. Vielleicht sollte sich Rusbridger einmal als realistisches Beispiel für die Manifestierung von Antisemitismus zur Verfügung stellen, um die dynamische Wechselwirkung zwischen Mainstream-Medien und Antisemitismus am eigenen Leib zu erfahren.

Angegriffen: HonestReporting von britischer TV-Dokumentation unter Beschuss genommen

19. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 19. November 2009

HonestReporting reagiert auf eine Dokumentation Channel 4’s zur britischen „Israel-Lobby“.

Lesen Sie bitte das neue Kommuniqué von HonestReporting: Under Attack: HR Accused by UK TV Documentary.

HonestReporting antwortet Channel 4

17. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. November 2009

Channel 4 hat nun auf YouTube seine gestern ausgestrahlte Dispatches-Folge Inside Britain’s Israel Lobby eingestellt:

Hauptsächlich behandelt das Video innenpolitische Themen in Großbritannien, die von anderen Organisationen und Bloggern dort bereits angesprochen worden waren.

Ab 35:00 schließlich widmet sich Präsentator Peter Oborne Medienfragen, die die so genannte Israel-Lobby thematisieren. Meine Antworten auf das Video beginnen ab diesem Punkt.

• Wenn Mitarbeiter der Nachrichtenredaktion dabei zusehen, wie Charlie Beckett zu Peter Oborne spricht, dann sind Medien-Watchdogs wie HonestReporting auf der richtigen Fährte. Wir wollen bei den britischen Medien keine abschreckende Wirkung erzeugen, sondern nur erreichen, dass Nachrichtenmedien sich verantwortlich dafür zeigen, wie sie über Israel und Nahost berichten.

Als von Steuermitteln finanzierter Nachrichtenservice sollte die BBC für ihre Berichterstattung zur Rechenschaft gezogen werden können. Becketts Kommentare gründen sich auf eine BBC-Nachrichtenredaktion mit einer zementierten Weltsicht, die den Bezug zu einem großen Teil der Öffentlichkeit verloren hat.

• Möglicherweise konzentriert sich Oborne beim Versuch, unsere Arbeit zu beschreiben, auf Kritik an der BBC im April 2003 wegen ihres Dokumentarfilms Israel’s Secret Weapon, der von Israels Nuklearprogramm und Mordechai Vanunu handelte (hier das Video). Mit abschätziger Stimme zitiert Oborne HonestReportings Website:

„Die Botschaft hinter dem Film lautet, dass Israel für die Koalitionsstreitkräfte ein geeigneteres Angriffsziel gewesen wäre als der Irak.“

Oborne an dieser Stelle ganz salopp: HonestReporting hat niemals „Israels Geheimwaffe“ kritisiert. Abgelesen hat Oborne das von einer Seite, die im Juli 2004 geschrieben wurde, also mehr als ein Jahr danach. Dieses Kommuniqué Documenting BBC Documentaries basierte auf einem sehr ausführlichen Report von Trevor Asserson: The BBC and the Middle East: The Documentary Campaign 2000-2004.

Wir stehen zu Assersons Aussagen bezüglich der Folgerungen zum Film. Aber wenn Oborne jemanden für seine Kritik an einem Film schmähen möchte, den auch wir weiterhin für eine schlampig gemachte Dokumentation halten, zielt Oborne auf den falschen zionistischen Verschwörer.

Wenn das die Methode ist, wie Oborne HonestReporting „untersucht“, was sagt dies dann über den Wahrheitsgehalt seiner restlichen Nachforschungen aus?

• Unsere Kritik an Orla Guerins Berichterstattung über den Libanonkrieg (BBC’s Orla Exposed), basierte auf Blogger-Beiträgen und Medien-Watchdogs, die Guerins Report vom 14. August 2006 – unter Einbeziehung aller Quellen von Nachrichtenservices – mit Channel 4 (abgekürzt C4; [bd]) verglichen hatten.

Guerin und Alex Thomson von C4 waren beide am selben Tag in Bint Jbeil; dennoch liefern sie diametral entgegengesetzte Schilderungen vom Umfang der Zerstörungen dort. Genug gesagt.

• Zuseher lieben die dramatische Inszenierung eines investigativen Reporters, der sich an irgendeiner Haustüre aufbaut, während die Kameras laufen, immer bereit, Auge in Auge zu einer widerliche Person zu stehen und irgendwie ein wenig Gerechtigkeit in die Welt zu bringen. Das war die Konfrontation, an die Oborne dachte, als er und seine Filmcrew bei Media Central aufkreuzten und nach HR-Chefradakteur Simon Plosker suchten.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Offensichtlich wollte Oborne Simon Plosker übertölpeln und ihn als undurchsichtige Figur porträtieren, die Verbindungen zu verschiedenen Organisationen habe, die die „Israel-Lobby“ repräsentieren. Der Trick war überflüssig, denn: Ploskers umfassendes Wirken in der Verteidigung Israels wird auf HonestReportings Seite Meet the Team offen beschrieben.

Jedenfalls ist Plosker nicht zu einem Interview verpflichtet.

Morgen mehr zu HonestReportings Antwort an  Channel 4.

Bleiben Sie dran.

Oborne nun mit Frontalangriff gegen „Israel Lobby“

16. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2009

Peter Oborne, Journalist bei Channel 4 und verantwortlich für den heute Abend ausgestrahlten Dokumentarfilm Inside Britain’s Israel Lobby, mit einer Erklärung in der heutigen Printausgabe des Guardian:

Während einer Untersuchung, die mehrere Monate in Anspruch nahm, sind wir in die Lage versetzt worden,  einige wichtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Wir halten unsere Behauptung aufrecht, dass es in Großbritannien eine Israel-Lobby gibt. Sie ist äußert effizient organisiert und gut finanziert, und sie agiert quer durch alle maßgeblichen Parteien.

Spontane Gedanken dazu:

• Erstens bloggte ich bereits, dass HonestReporting schon vor Jahren wegen Dispatches kontaktiert worden war. Dafür, dass eine Nachforschung „mehrere Monate“ Herstellungszeit brauchte, erscheint es ziemlich merkwürdig, dass Channel 4 bis zur letzten Minute wartete, um HonestReporting und andere jüdische Organisationen zu kontaktieren.

• Ich weiß nicht viel über openDemocracy, wohin Oborne in seinem Schnipsel oben verlinkt hatte, aber sie bieten das Pamphlet The Pro-Israel Lobby In Britain bereits an. Mit großer Sicherheit kann man davon ausgehen, dass openDemocracy eng in die Arbeit von Channel 4 einbezogen worden war (siehe Logo auf dem Buchdeckel). Man kann das Pamphlet entweder noch vor der Ausstrahlung anfordern oder sich das Geld sparen und es auf der Channel4-Webseite komplett als pdf-Datei runterladen.

• Meine Antennen sind auch auf das von Antony Lerman geschriebene Vorwort gerichtet. Wenn Sie sich Lermans Archiv beim Guardian ansehen wissen Sie, was ich meine.

• Die Kopfschmerzen, die von den Professoren Stephen Walt und John Mearsheimer verursacht worden sind, kehren wieder an ihren Entstehungsort zurück. Walt und John Mearsheimer schrieben über eine jüdische Lobby in den USA, aber es handelte sich um eine britische Publikation, die London Review of Books, die ihnen erstmals die Möglichkeit zu ihren Volksreden gab. Werden Großbritanniens Juden auf Oborne in ähnlicher Weise antworten, wie es die amerikanischen Kritiker bei Walt and Mearsheimer praktiziert hatten?

Das scheint noch ganz schön interessant zu werden….

Verzerrter Blick auf Großbritanniens “Israel Lobby“

16. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. November 2009

Heute (Montagabend) werden Großbritanniens Fernsehzuschauer darauf eingestimmt, was Dispatches von Channel 4 als Inside Britain’s Israel Lobby anpreist.

Hier drei Gründe dafür, warum HonestReporting das Schlimmste befürchtet.

1. Auch HonestReporting befand sich im Fadenkreuz von Channel 4 (C4).

C4 schrieb HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker wegen eines Interviewwunsches an.

Noch bevor Plosker auf die Mail reagierte, kreuzten Reporter Peter Oborne und ein Filmteam in den Büroräumen von MediaCentral mit laufenden Kameras auf und suchten nach Plosker für ein Exposé.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Plosker befand sich jedoch auf Vortragsreise in Großbritannien, was zwischen Oborne und MediaCentral-Direktor Aryeh Grün zu einem heftigen Disput führte. Während die Kamera lief, bat Grün Oborne einfach nur, sich zu auszuweisen, während Oborne Grün gegenüber aufdringlich wurde.

Nach den Ofcom-Richtlinien ist Channel 4 – als Öffentlich Rechtlicher – dazu verpflichtet, HonestReporting vor allen denkbaren Behauptungen, die ausgestrahlt werden, in Kenntnis zu setzen; ein Punkt, auf den Plosker in einer Antwortmail hingewiesen hatte.
2. Channel 4’s Titelung der Sendung setzt die Existenz einer mächtigen “Israel Lobby“ als selbstverständlich voraus.

Und so erklärt Channel 4 seine „Nachforschungen“:

Die Berichte stellen Untersuchungen über eine der mächtigsten und einflussreichsten politischen Lobbygruppen in Großbritannien an, die sich für die Interessen des Staates Israel einsetzen.

Trotz ihres großen Einflusses in höchsten Positionen der britischen Politiken und der Medien weiß man wenig über Einzelpersonen und Gruppierungen, die zusammen als Pro-Israel-Lobby bekannt sind.

Der politische Kommentator Peter Oborne zeigt, wer diese Menschen sind, wie sie sich organisierten, wie sie arbeiten und welchen Einfluss sie ausüben – von Schlüsselgruppen bis hin zu reichen Einzelpersonen, die das Lobbygeschäft finanzieren.

Er geht der Frage nach, wie verantwortlich, transparent und offen für genaue Nachforschungen die Lobby ist, besonders was ihre  finanziellen Zuwendungen und Unterstützungen an Parlamentsabgeordneten betrifft.

Die Pro-Israel-Lobby hat sich zum Ziel gesetzt, die Debatte über Großbritanniens Beziehung zu Israel und die zukünftige daran ausgerichtete Außenpolitik zu dominieren.

Oborne untersucht, wie die Lobby aus dem Innern des Parlaments heraus operiert und welche Taktiken sie hinter den Kulissen einsetzt, wenn sie es mit Print- und Rundfunkmedien zu tun hat.

Channel 4 impliziert also mit eigenen Worten beim organisierten Judentum in Großbritannien Folgendes:

• Es habe übermäßig viel Einfluss auf Politik und Medien.

• Zeige eine problematische Doppelloyalität zu Israel und Großbritannien.

• Sei weder transparent oder irgendjemand gegenüber verantwortlich.

• Dürfe taktisch in unangemessener Weise „hinter den Kulissen“  „innerhalb des Parlaments„ arbeiten, und das auch noch „im Umgang mit Print- und Rundfunkmedien“


3. Ist hier Antisemitismus am Werk?

In der Tat könnte dieses erklären, weshalb der Community Security Trust (CST) von C4 eine ähnliche Mail erhalten hatte, auch wenn der CST Antisemitismus bekämpft und dennoch nicht mit der Verteidigung Israels beschäftigt ist. Mir hat gefallen, wie CST blog Stellung bezogen hat:

….auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass Berichte oder für schnelles Geld gemachte Produktionen per se als antisemitische Beiträge beabsichtigt sind, so finden sich doch auf dieser Webseite alle Standards antisemitischer Metaphern über Verschwörungstheorien: unmäßig viel Macht und Einfluss, Riesengeldsummen, Manipulation von Politikern und Medien – und all das im Geheimen. Selbst die Art und Weise, wie man auf die „die Pro-Israel-Lobby“ als allein handelnden Akteur verweist , als Einzelperson vorgehend und handelnd, suggeriert eine geheimnisvolle Verschwörung, innerhalb derer die unterschiedlichen Organisationen und Individuen in Wahrheit Handlanger ein und derselben einzigen Maschine sind.

„Dispatches“ hat einiges an heftigem Investigationsjournalismus auf Lager, darunter Undercover Mosque, das erstmals einen tieferen Einblick in islamischen Extremismus britischer Prägung geliefert hatte. Channel 4-Offizielle versicherten dem Jewish Chronicle gegenüber, dass Inside Britain’s Israel Lobby „nicht das synagogale Äquivalent zu Undercover Mosque darstellen“.

Bleiben Sie dran….

UPDATE 16. November: Die Jerusalem Post mit weiteren Details zur gärenden Kontroverse.