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Kein Medientrick schräg genug für B’tselem

6. Juli 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juli 2010

Ein billiger PR-Trick von B’tselem zeigt, dass den Mainstream-Medien keine Masche schräg genug ist.

Die israelische Menschenrechtsorganisation entwarf einen neuen Bericht zu Siedlungsaktivitäten und gab dann eine Pressemitteilung heraus, die auch HonestReporting erhielt – so getimed, dass sie das heutige Treffen zwischen Netanyahu und  Obama im Weißen Haus in den Hintergrund drängte.

Pressemitteilung – keine Veröffentlichung vor dem 6. Juli 2010

Aus den Daten der Armee und der Zivilverwaltung: Ein Fünftel aller Siedlungsareale ist palästinensischer Grundbesitz.

Siedlungen kontrollieren heute 42 Prozent der West Bank (6. Juli 2010), B’Tselem mit der Veröffentlichung “Auf Biegen und Brechen“( http://www.btselem.org/Download/201007_By_Hook_and_by_Crook_Eng.pdf); Israels Siedlungspolitik in der West Bank. Ein Bericht, der die Mechanismen analysiert, die Israel anwendet, um Kontrolle über die West Bank zu erlangen und den Siedlungsbau voranzutreiben…..

Vordatierte Pressemitteilungen sind in der Öffentlichkeitsarbeit nichts Ungewöhnliches: sie sind oft mit einer Sperrfrist versehen, weil zwischen Publizist und Journalist eine Übereinkunft existiert, Informationen nicht vor einem bestimmten Termin zu bringen.

Verantwortungsvolle Journalisten hinterfragen das Timing solcher Sperrfristen. Im Fall B’tselem konnte den Redakteuren nicht entgangen sein, dass die Veröffentlichung mit dem Treffen im Weißen Haus zeitlich zusammenfiel. Redakteure werden aber auch durch den so genannten „Halo Effekt“ beeinflusst, der von NGOs ausgeht: sie veröffentlichen und zitieren deren Berichte ohne kritische Nachfrage, was

sowohl die journalistische Ethik verletzt und Skepsis sowie unabhängige Überprüfung voraussetzt, als auch die Regeln bei der Übernahme anderer Quellen, selbst jenen von Regierungsstellen. Aber wenn „hoch angesehene Menschenrechtsorganisationen“ wie Amnesty International oder Human Rights Watch (HRW) Erklärungen abgeben, neigen Journalisten dazu, Verdrehungen zu ignorieren und sie als Fakten wiederzugeben.

Eine kürzlich erstellte Harvard Studie zur Berichterstattung über den Libanonkrieg 2006 zeigt, dass die meisten Medien weltweit nicht aufhörten, den Zwischenfall in Qana an den Behauptungen von HRW auszurichten, selbst nachdem die NGO ihre Fehler eingestehen musste. Es gibt mehrere Beispiele dieser Art, nicht nur was Israel betrifft, sondern beispielsweise auch Kolumbien und Irak und wo sonst immer NGOs sich auf „Augenzeugen“ verlassen und  sie über keine unabhängigen Ressourcen verfügen.

Publizisten möchten gerne im Rampenlicht der Medien stehen, aber B’tselems Plan, das heutige Treffen in den Hintergrund rücken zu lassen, ist in krasser Weise offensichtlich.

Wie können die davon ausgehen, dass sie damit so einfach davonkommen?

Es liegt es wohl daran, dass diese Vorgehensweise, die hervorragend zur Denkweise der großen Medien bzgl. des Nahostkonfliktes passt, schreierische Schlagzeilen produziert und einen Keil zwischen Israel und den USA treibt.

B’tselem hat eine Agenda erkennen lassen, die über Menschenrechtsfragen hinausgeht, wenn sie Premierminister Netanyahu während seines US-Besuchs in Schwierigkeiten bringen will. Und die Mainstream-Medien werden nur allzu gern mitspielen.

B‘ Tselem: Scharfe Kritik an Goldstone, aber die Mainstream-Medien schauen weg

30. September 2009

HonestReporting Media BackSpin, 30. September 2009

Es gehört zur eisernen Regel, dass israelische Menschenrechtsgruppen, die Israel rügen, besondere Aufmerksamkeit durch die Mainstream-Medien erfahren. Wenn aber nun B’tselem den Goldstone-Report (und den UN-Menschenrechtsrat) scharf kritisierte, bleibt abzuwarten, ob der Rüffel ebenso viel mediales Echo findet.

Warten Sie besser nicht darauf,  dass dies eintrifft. Der Halo-Effekt der Menschenrechtsgruppen ist einfach zu stark.

Shooting Back at ‚Shooting Back’

18. September 2008

honestreporting.com Media BackSpin, 18. September 2008

1989 startete Jim Hubbard (im Bild) ein Programm namens Shooting Back (zurückschießen), um entrechteten amerikanischen Jugendlichen zu stärken, indem er sie Fotografie lehrt.

In der heutigen Jerusalem Post nimmt Hubbard, der auch Professor an der Annenberg School of Communication ist, das „Shooting Back“-Programm von B’Tselem, die Kameras an palästinensische Jugendliche geben. Nicht nur, dass die NGO einen geschützten Namen missachtet, Hubbard sagt, dass B’Tselem außerdem Kinder leichtsinnig in Gefahr bringt:

Bei B’Tselems Projekt machte mich die potenzielle Gefahr betroffen, die für die Kids besteht, denen Kameras zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen gegeben wurden, die sich in extrem explosiver Umgebung im Nahen osten abspielen. Zuerst einmal wurden sie von potenziell heißen Konflikt-Punkten angezogen, in denen sie echter physischer Gefahr von allen Seiten ausgesetzt sein können.

Darüber hinaus werden die Kids auf B’Tselems Internetseite namentlich aufgeführt und ihre Gesichter werden in den Fernseh-Nachrichten gezeigt. Einige der Videos hatten Strafverfolgungsaktivitäten zur Folge, was die jungen Videodreher in die aufreibende Lage versetzt eventuell vor Gericht aussagen zu müssen und seine oder ihre Verletzbarkeit erhöht. Zusätzlich haben die Mitarbeiter von B’Tselem berichtet, dass sie verbal und physisch angegriffen wurden. Ist ihnen nicht in den Sinn gekommen, dass ein ähnliches Schicksal die Kids erwarten könnte, denen die Kameras gegeben wurden, um die Missbräuche zu filmen?…

In einem jüngst an B’Tselem geschriebenen Brief forderte ich, dass sie aufhören und davon absehen den Namen „Shooting Back“ zu benutzen. Ich will nicht, dass mein Name mit einem Projekt in Verbindung gebracht wird, bei dem – egal, was die Absichten sind – meiner Meinung nach Kinder gefährdet werden. Die Antwort bestand darin einen große New Yorker Anwaltskanzlei beauftragt, um ihren Gebrauch der Marke ohne meine Zustimmung und – aus meiner Sicht – Verletzung meiner Markenrechte zu verteidigen.

Lesen Sie den ganzen Text (in Englisch).