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NY Times scheitert daran, die „absolute Wahrheit“ der neuen Redakteurin rauszubürsten

5. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 5. Juni 2011

Was für ein schlampiger Umgang mit einer Routine-Ankündigung.

Jill Abramson ersetzt Bill Keller in der Chefredaktion der NY Times. Dummerweise dachte jemand, dass Abramsons Begeisterung für das Blatt zu weit ginge. Wie Jay Nordlinger ausführt, wurde das folgende Zitat aus der Ankündigung der Gray Lady gelöscht:

Dort wo ich aufgewachsen bin, war die NY Times Religionsersatz“, sagte sie. „Wenn die Times etwas schrieb, dann war das die absolute Wahrheit.“

Und nicht mehr.

Das Zitat findet sich (bis jetzt zumindest) auf der Webseite zu Abramsons Werdegang.

Hier ein Screenshot für den Fall, dass die wirklich absolute Wahrheit auch noch erschüttert wird.

Okay, ein Kommentar wie dieser bietet Blogger-Futter für einen oder zwei Tage. Große Sache. Warum also ausgerechnet mehr Aufmerksamkeit auf ein Zitat wegen der „absoluten Wahrheit“ eines Blattes ziehen, indem man es entfernt?

Sehr merkwürdig.

NY Times und das Gesetz der unfreiwilligen Konsequenzen

10. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. März 2010

Der Staub wegen des von Electronic Intifada geschobenen Frusts über Ethan Bronner hat sich noch nicht gelegt: Vor wenigen Monaten hatten sie den Jerusalemer Büroleiter eines Loyalitätskonflikts bezichtigt, weil sein Sohn in der IDF dient. Sie wollten erreichen, dass Bronner versetzt wird.

Aber der radioaktive Niederschlag hat stattdessen Taghreed EL-Khodary getroffen, Gaza-Reporterin der Gray Lady. Nicht nur, dass sie aus Gaza nicht mehr berichten kann, es könnte für sie sogar auch dann gefährlich werden, wenn sie wieder in den Gazastreifen zurückginge.

Dazu Daoud Kuttab in der Huffington Post:

Als diese Kontroverse publik wurde, war Taghreed auf Fortbildung in den USA und danach im wohlverdienten Urlaub, wie Freunde berichten. Ihre Kollegen in Gaza haben gesagt, dass sie sich entschied, nicht zurückzukommen, da sie offensichtlich Sorge hatte, dass ihr Kontaktnetz aufgelöst werden würde und sie Schwierigkeiten bekäme, in dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen zu schreiben oder sich dort frei zu bewegen.

Jeder, der sich mit gewalttätigen Konflikten wie dem in Gaza auskennt, weiß, wie leicht sich die Situation für die Journalisten vor Ort, die an einer plötzlich negativ im Rampenlicht stehenden Publikation arbeiten, zum Schlechten wenden kann. EL Khodary, die selbst dann nicht den traditionellen islamischen Kopfschleier trägt, wenn sie aus Gaza berichtet, könnte leicht zum Ziel irgendwelcher hitzköpfiger Islamisten werden können, die diesen Anlass benutzt hätten, um Punkte zu sammeln, wenn sie sie als Sündenbock auswählten.

Sie ist bekannt für ihre Glaubwürdigkeit und ehrliche Berichterstattung – kein Wunder, dass sie verschwand. Gaza ist ein hartes Pflaster für Berichterstattung und es ist eine große Herausforderung, so viel Glaubwürdigkeit zu erlangen. Ihre Kollegen sagen, dass sie nicht so dumm ist, das aufs Spiel zu setzen, indem sie mit einem Chef in Jerusalem zusammenarbeitet, dessen Sohn in der israelischen Armee dient, die jederzeit in den Gazastreifen einmarschieren könnte.

Als Electronic Intifada erstmals petzte, dass Bronners in der IDF diente, forderte Clark Hoyt, Public Editor* bei der NY Times, sofort  die Versetzung Bonners, aber Chefredakteur Bill Keller verwarf diese Idee.

So bekommt die Pressefreiheit in Gaza also einen weiteren Schlag versetzt, unfreiwillig assistiert von Electronic Intifada und Clark Hoyt.

Die Hamas hat das Pressekorps komplett eingeschüchtert. Und die Mainstream-Medien verhalten sich merkwürdig ruhig zum Schicksal des britischen Journalisten Paul Martin, der immer noch von der Hamas gefangen gehalten wird. Ich frage mich, was der Public Editor oder Electronic Intifada zu Khodary sagen.

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*Hier eine Umschreibung für den etwas sperrigen Begriff: http://en.wikipedia.org/wiki/Public_editor

NY Times mit Anzeichen von Interessenkonflikten

8. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 7. Februar 2010

Clark Hoyt, Public Editor* bei der NY Times, forderte in seinem Blatt eine Versetzung des Jerusalemer Bürochefs Ethan Bronner. Weshalb?

Weil Chefredakteur Bill Keller bestätigte, was Electronic Intifada zunächst behauptete: Bronners Sohn diente in der IDF, was für die Zeitung einen Interessenkonflikt bedeutete.

Keller schrieb, dass er nicht beabsichtige, Bronner auszuwechseln.

Ich werde nicht kommentieren, ob Bronner deshalb versetzt werden sollte, möchte aber gerne bei den Mainstream-Medien sehen, dass sie hier konsequent sind. Alle westlichen Journalisten, die persönliche Beziehungen zu palästinensischen Stringern und Aktivisten haben, sei es über Ehen, feste Beziehungen oder Liebesaffären, erzeugen genauso Interessenkonflikte.

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*Hier eine Umschreibung für den etwas sperrigen Begriff: http://en.wikipedia.org/wiki/Public_editor