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“Ein intrigant und geschickt arrangiertes Manöver der Israel-Lobby”

22. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 22. Dezember 2011

Wenn das alles ist, was Tom Friedman an Bedauern zu seiner Kolumne aus der letzten Woche zu bieten hat, würde ich ihm mehr Respekt zollen, wenn er konsequent schwiege oder wenigstens ein für allemal ins Bett mit Walt and Mearsheimer steigt.

Friedman gegenüber der NY Jewish Week:

“Im Nachhinein hätte ich vielleicht eine genauere Formulierung wie “arrangiert” von der Israel Lobby verwenden sollen – eine Umschreibung, die keine große Verschwörungstheorie suggeriert, der ich auch nicht anhängen würde”, so Friedman. “Die Leser hätten sich so mehr auf mein Argument fokussieren können, das ich zu 100 Prozent vertrete.”

Seine Begründung, sagte er, sprach die Notwendigkeit an, hin und wieder zwischen amerikanischen und israelischen Interessen zu unterscheiden und zu beachten, dass viele amerikanische Juden ” tief besorgt sind über die momentane Politik Israels.”

In einer berechtigten Diskussion zwischen amerikanischen und israelischen Interessen zu unterscheiden, ist legitim. Aber kann man sagen, die Israel-Lobby hätte “arrangiert” (oder wie es Merriam-Webster definiert: etwas mit mehr oder weniger subtilem Geschick und Kunstfertigkeit zu ersinnen oder zu planen), und all der Applaus im Kongress für Bibis Rede spielt keine Rolle?

Warum so höflich, Tom? Sagen Sie einfach, was Sie wirklich denken: Washingtons von beiden Parteien getragene überwältigende Zustimmung für die Rede des israelischen Ministerpräsidenten dort spiegelt logischerweise nichts anderes wieder als ein intrigantes, geschickt eingefädeltes Manöver der Israel-Lobby.

Wieder Leibesvisitation an Journalistinnen: Wird Bibi künftig boykottiert?

24. Juli 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. Juli 2011

Die Foreign Press Association ist zu Recht darüber verärgert, dass letzte Woche drei Reporterinnen durch den Personenschutz des Ministerpräsidenten einer Leibesvisitation unterzogen wurden, bevor sie ein kurzes Briefing mit Vizepremier Minister Moshe Yaalon hatten.

Sara Hussein (AFP) beschrieb die Erfahrung als demütigend  und twitterte dies auch in 1 und 2.

Die Reporter haben schon Sicherheitskontrollen hinter sich, wenn sie ihre Presseausweise ausgestellt bekommen. Zu den Briefings, denen sie im Amtzimmer des Ministerpräsidenten bewohnen, werden sie speziell eingeladen. Falls es keine Hinweise auf eine spezifische Bedrohung gibt, ist die Aufforderung an Journalisten, sich einer Leibesvisitation zu unterziehen, unnötig und unhöflich.

Trotzdem machte Hussein weiter, nahm am Briefing teil und fertigte diesen Bericht an. Sie ist eine mutige Frau. Ich würde mich nicht für das Privileg entkleiden, mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten über die israelisch-türkischen Beziehungen sprechen zu dürfen.

Aber es ist nicht das erste Mal, dass der Personenschutz des Ministerpräsidenten es mit der Auslandspresse zu weit trieb, und ich kann mir ausmalen, dass die Journalisten Bibi boykottieren werden.

Vergangenen März wurde ich [Pesach Benson] als Blogger von der IDF nach Ashdod eingeladen, um mir die auf dem Waffenfrachter Victoria beschlagnahmten Waffen anzusehen. Die Einladung war kurzfristig ausgesprochen worden – was im Journalismus nicht unüblich ist -, aber ich konnte nicht teilnehmen. Ich bedauerte dies, bis ich las, dass Bibis rüder Personenschutz so ein Theater veranstaltet hatte, dass etwa 30 Journalisten die Nase voll hatten und wieder abreisten. Das entspricht 30 verpfuschten Chancen für Israel, seine Botschaft nach außen zu tragen.

Ich stelle mir vor, dass ich gezwungen wäre, 90 Minuten in der heißen Sonne zu warten, zusammen mit altgedienten Korrespondenten, Bloggern und sogar hohen Militärs wie dem stellvertretenden Kommandeur der Marine, Konteradmiral Rani Ben-Yehuda.

Zu offiziellen Medienereignissen oder Briefings werde ich sowieso nicht häufig eingeladen, aber glauben Sie mir – das nächste Mal werde ich es mir zweimal überlegen, wenn mich jemand fragt.

Und wenn ich zögere können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass andere Reporter, die sich mit Bibis Sicherheit weit mehr beschäftigen, sich von solchen Treffen auch fernhalten werden. Es ist eine Lose-Lose-Situation.

Israel und die Unruhen in Ägypten: Zusammenstellung der Reaktionen

7. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 7. Februar 2011

• Kann die von Bibi und Fayyad betriebene Wirtschaftspolitik die Westbank aus den arabischen Unruhen heraushalten? Joel Mowbray sieht einen Zusammenhang:

Die Westbank ist zurzeit eine der ruhigsten “Straßen” in der arabischen Welt. Zweifellos ist einer der Hauptgründe dafür das starke Wirtschaftswachstum, das die Region genießt.

Sharansky spricht. Schön, dass Newsweek und das  WSJ die Botschaft verstanden haben. (Paywall-Alarm: Klicken Sie via Google News für das WSJ.)

• Würden Sie besser schlafen, wenn Ägypten, statt dem Iran zu folgen, das nächste Pakistan werden würde?

• Warum Israel besorgt ist: 7 Szenarien. Und hier ein achtes, das NBC News ausgräbt: Ägypten mit Aussicht auf ein eigenes Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen:

Wenn Ägypten aus dem Vertrag aussteigen würde, gäbe es keine Beschränkungen mehr für die Entwicklung eigener Kerntechnologie, sowohl zur Energiegewinnung als auch zur Waffenproduktion.

• Der Christian Science Monitor mit einem Blick darauf, wie Syrien es fertig brachte, ein Überschwappen der Proteste aus der Arabischen Welt zu verhindern. Die Verfasserangabe über dem Artikel (“Ein Korrespondent”) spricht Bände. Aber wer wusste um den Fehlerfaktor von Facebook?

Seit der Unterdrückung der weltlichen, religiösen und kurdischen Politiker, die im Jahr 2005 zusammenkamen, um die Damaskus-Erklärung zur Forderung nach Reformen zu unterzeichnen, gibt es in Syrien keine organisierte Opposition mehr. Außerdem geht man davon aus, dass die meisten der 15.000 Menschen, die sich seit Freitagmorgen einem Aufruf bei Facebook anschlossen, nicht im Land leben.

• Wird Al Jazeeras Berichterstattung über Ägypten dem Sender die Möglichkeit eröffnen, doch noch Fuß im US-amerikanischen Äther zu fassen?

• Während man sich an Filmmaterial aus Kairo heftet feuert Ron Prosor (israelischer Botschafter in UK) eine Breitseite auf den Guardian ab wegen dessen Umgang mit PaliLeaks, und ein Minister zitiert Korrespondentin Harriet Sherwood vor Gericht, die sich zu dieser Zeit in Ägypten aufhielt.

Bleiben Sie dran….

Ändern die Medien ihre Meinung bezüglich Bibi?

6. September 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. September 2010

Es ist schon eine Weile her, dass sich die Medien zu Premierminister Netanyahu mit Begriffen wie “Falke“ oder „Hardliner“ geäußert haben. Und es in der Tat eine Nachfrage wert, wenn sie dazu übergehen, bei Bibi eine Kehrtwende zu vollziehen. Hier einige Beispiele, die meine Antennen ausfahren ließen:

Beleg A: Dan Ephron (Newsweek):

Im Wissen um die Vorteile von Geheimverhandlungen hat Netanyahu während des abgelaufenen Jahres mehrmals versucht, [die] Palästinenser für einen informellen Kanal zu gewinnen, so die Aussage eines israelischen Offiziellen, der an der Seite Netanyahus oft für sein gegenwärtigen Team gearbeitet hat. Insgeheim sah die Strategie Netanyahus so aus, dass er Zugeständnisse anbot und die palästinensische Bereitschaft andererseits austestete – ohne das Risiko einzugehen, seine Koalition aufgeben zu müssen.

Wenn eine Vereinbarung möglich erschien könnte er mit dem Entwurf an die Öffentlichkeit gehen, ihn zur Volksbefragung stellen oder sogar vorgezogene Neuwahlen anstreben. Der israelische Offizielle erklärte mir, er ginge davon aus, dass Netanyahu möglicherweise bereit sein könnte, seine Koalition aufs Spiel zu setzen für den Fall, dass sein Name im Zusammenhang mit einem historischen Friedensabkommen genannt werde. Aber er wäre nicht bereit, es allein deshalb zu riskieren, um die Gegenseite zu vereinnahmen.

Auf palästinensischer Seite wurde das Angebot wiederholt abgelehnt, so die israelische Quelle. Ein palästinensischer Offizieller bestätigte den Bericht….

Beleg B:  Haaretz-Kolumnist Aluf Benn:

Die amtierende Netanyahu-Regierung ist die zahmste, die Israel seit der Ermordung Yitzhak Rabin gesehen hat. Der rechtskonservative Regierungschef zeigt weit mehr Zurückhaltung als seine Vorgänger, was den Einsatz von Armee und den Siedlungsausbau betrifft. Er unterstützt die Errichtung eines palästinensischen Staates neben Israel und kehrt jetzt zu Verhandlungen für ein endgültiges Abkommen zurück.

Beleg C: Wieder Aluf Benn, diesmal in der Washington Post:

Vor 10 Monaten erklärte Netanyahu mir in einem Telefoninterview für die liberale israelische Tageszeitung Haaretz, wo ich als Kolumnist und Redakteur tätig bin: “Ich möchte eine Friedensvereinbarung mit den Palästinensern voranbringen. Ich kann einen Vertrag erreichen.” Kurz danach schrieb ich ihm, dass ich ihm glaube, um dann dafür spöttische Kommentare von vielen Lesern zu erhalten, die mich als naiv bezeichneten. Aber ich habe meine Ansichten nicht geändert – auch Netanyahu seine nicht.

Beleg D:  Die gestrige Ausgabe der Sunday Times berichtete, dass der Premierminister ernsthaft an ein Referendum über den Rückzug aus der West Bank denke:

„Ein Rückzug aus der West Bank, dem Zentrum des Judentums, ist die schwierigste Entscheidung, die jemals ein israelischer Ministerpräsident getroffen hat“, sagte ein enger Mitarbeiter. „Um dies zu erreichen, muss Bibi [Netanyahu] eine überwältigende Unterstützung seitens der Israelis in Form eines Referendums bekommen.“

Beleg E:  The Independent. Die britische Tageszeitung würde diese Frage nicht umsonst stellen:

Ist Netanyahu bereit, Frieden zu schließen? Dieser Test steht noch aus.

Dazu passend: Is Israeli Prime Minister Netanyahu a “Master Manipulator”?

Leseempfehlungen

1. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 1. April 2009

Bibi and Barack können sich gegen den Iran zusammentun. Yossi Klein Halevi darüber, wie die Zwei trotz angenommener und tatsächlicher Unterschiede zusammenarbeiten können.

Spanien, Israel and Kriegsverbrechen. Drei Gründe, warum Richter Fernando Andreus Ansinnen, israelische Armeeoffiziere wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza vor Gericht zu stellen, völlig falsch ist.

Fachzeitschriften mit Schuldzuweisung im Gazakonflikt. Mediziner wegen politischer Parteinahme zweier Ärztejournale irritiert.

Hakenkreuz und Zeder. Christopher Hitchens nimmt eine beunruhigende Seite des Libanon wahr.

Britische Seuche. Antisemitismus in Großbritannien auf dem Vormarsch.

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