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Religiösen Blödsinn geredet: Entschärfte palästinensische Hetze?

1. Februar 2012

Pesach Benson, HonestReporting.com, 1. Februar 2012

Der Christian Science Monitor griff den Aufruf des Jerusalemer Muftis zur Ermordung der Juden  in der letzten Woche auf und untersuchte „religiösen Blödsinn“, der von Palästinensern und Juden geredet wird; das nennt er dann einen „Trend“, der „dabei ist Mainstream zu werden“.

Das Problem dabei: Es gibt keine Beweise, die darauf hindeuten, dass Hetze in den israelischen Mainstream eingezogen ist. Man weiß, dass die Theorie des Reporters Ben Lynfield sich auf dünnem Eis bewegt, wenn er als einziges Beispiel jüdischer Hetze eine Predigt von Rabbi Ovadia Yosef von vor über einem Jahr anführt.

Ansonsten fällt Lynfield darauf zurück, israelische „historische Motive“ (wie den Verweis des Premierministers auf Jakob und seine Söhne in einer Rede vor der UNO) mit „Tötet die Juden“-Kommentaren offzieller PA-Kleriker gleichzusetzen. DAS ist nichts Neues.

Die israelische Politik hat sich natürlich nach rechts verschoben. Doch was der aufgemotzte Spin des Monitor wirklich tut, ist, die palästinensische Hetze zu entschärfen. Schaut her, die Juden machen das auch.

Wenn das der Punkt ist, auf den Lynfield wirklich Wert legt, dann sollte er das offen sagen – in der Kommentarspalte.

Scotsmans Tiefkühltruhe

21. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 21. November 2011

Beim Scotsman analysiert Korrespondent Ben Lynfield die Einheitsverhandlungen. Dieser Ex-und-Hopp-Satz war ziemlich windig:

Die rechtsgerichtete Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte auf die palästinensische Vorbedingung, indem sie den Siedlungsstopp mit der größten jüdischen Siedlungsaktivität seit Jahren in Ostjerusalem einfror – auf einem Areal, das die Palästinenser als Hauptstadt für ihren zukünftigen Staat einfordern.

Lynfields Verweis darauf ist [nichts anderes als (bd)] eine Erkundungsreise in Sozialwohnbausiedlungen, geplant in Gush Etziyon und Maale Adumim, bei denen man sowieso davon ausgeht, dass sie bei einem abschließenden Friedensabkommen Israel zugeschlagen werden würden.

Darüber hinaus war die Entscheidung, diese bereits existierenden Pläne zu forcieren, nicht als Antwort auf einen palästinensischen Antrag zum Siedlungsstopp gedacht.

Vielmehr folgten sie dem einseitigen Staatsaufruf durch die PLO – besonders zur Anerkennung in der UNESCO. Israel zog einen 10-monatigen Siedlungsstopp durch, und dennoch weigerte sich Abbas, zu verhandeln; und er prahlte im Gespräch mit Jackson Diehl, dass seine Verweigerungshaltung taktischer Natur war.

Wie der ehemalige US-Sondergesandte George Mitchell kürzlich sagte:

„Wir haben das ausgehandelt, und die israelischen Politiker stimmten zu, neue Wohneinheiten in der Westbank für 10 Monate zu stoppen. Es war viel weniger als das, was wir gefordert hatten, aber auch viel mehr, als jeder andere getan hätte. Die Palästinenser lehnten es als inakzeptabel ab. Sie waren strikt dagegen.

Neun Monate gab für ein paar Wochen Verhandlungen mit den Palästinensern, die von Letzteren abgebrochen wurden mit dem Argument, Israel würde seinen Siedlungsstopp nicht einhalten. Was wäre ein paar Monate zuvor noch sinnloser gewesen, als nicht in der Lage zu sein, unentbehrliche Verhandlungen fortzuführen.“

Stell’ dir das mal vor!

Grenze zwischen Nachricht und Kommentar verwischen

12. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 12. November 2009

Ich weiß nicht, ob ein Redakteur beim The Scotsman beabsichtigte, diesen Artikel über Benjamin Netanjahus Besuch im Weißen Haus als Nachricht, Kommentar oder irgendetwas Undefinierbares dazwischen abzufassen, als sogenannte „Nachrichtenanalyse“ oder ähnliches.

Aber ich weiß, dass das Ding in der Sparte “Nachrichten International“ steht. Ben Lynfield schreibt:

Vor dem Treffen mit US-Präsident Barack Obama am Montag im Weißen Haus hielt Israels Premierminister, Benjamin Netanyahu vor amerikanischen jüdischen Führungskräften eine Rede mit den üblichen Wunsch-nach-Frieden-Klischees, ohne zu berücksichtigen, dass es jahrelanges leeres Gerede über Frieden ist, während Israel sich hinter seiner Besatzungspolitik verschanzt und mehr Land an sich reißt, was Abbas‘ Eintreten für Verhandlungen vor seinem eigenen Volk unglaubwürdig macht.

Ich würde nicht mit der Wimper zucken, wenn es sich hier um einen Gastkommentar oder eine ausgewiesene Analyse handelte.

Aber wenn The Scotsman das hier als objektive, akzeptable Nachrichtenarbeit ausgibt, kann ich den gleichen Schund über palästinensische Medien bekommen, wo es weder Vortäuschung noch Erwartung fairer Berichterstattung gibt.

UPDATE 13.00 Uhr: Dies hier könnte ein Beispiel für eine künstlich erzeugte israelische „Glaubwürdigkeitslücke“ sein, wie Haviv Rettig Gur aufdröselt:

Die wahrscheinlichere Ursache für diese Skepsis scheint das Bestreben zu sein, israelische Unnachgiebigkeit aufzubauen, um die gegenwärtige palästinensische Handlungsunfähigkeit – hervorgegangen aus internen politischen Aktivitäten der Palästinenser – dazu auszunutzen, zu Verhandlungen zu gelangen.

Diplomaten (und, wie auch bei Thomas Friedman, die ihre meiste Zeit mit ihnen verbringen,) sind es nicht gewohnt, einen „Konflikt“ zu erkennen, in dem die taktisch schwächere Seite auch die kriegführende ist. Mit einer PA, die den totalen Stopp des Siedlungsbaus als Vorbedingung für verlangt, wetteifern Diplomaten, eine äquivalente israelische Abneigung gegen einen Frieden zu finden.

Gurs Einschätzung ist es wert, gelesen zu werden [In Englisch].

Nachricht oder Kommentar?

10. September 2009

HonestReporting Media BackSpin, 10. September 2009

Warum um Himmels willen veröffentlichte The Scotsman diesen Kommentar von Ben Lynfield auf seiner Nachrichtenseite?