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Chomsky, Wilders und die anders denkende Dissonanz der MSM

20. Mai 2010

HonestReporting Media Backspin, 20. Mai 2010

Robin Shepherd bringt in die Debatte über Israels Weigerung, Noam Chomsky nach Israel und der Westbank einreisen zu lassen, ein wenig gesunden Menschenverstand ein. Er vergleicht, wie die Medien das Einreiseverbot für den niederländischen Politiker Geert Wilders im letzten Jahr versponnen.

In den scharf kontrastierenden Reaktionen auf das, was wie zwei anscheinend gleiche Fälle aussieht, haben wir hier eine bemerkenswerte Fallstudie dafür, wie die dominanten Meinungsmacher in den westlichen Medien die Welt betrachten. Chomsky – ein Extremist, der völlige Verachtung für vernunftgesteuerten Diskurs zur Schau stellt und totalitären Bewegungen und deren Apologeten überall auf der Welt zu Hilfe kommt – wird als gejagter Held bejubelt: ein Dissident, der auf eine Art unterdrückt wird, die dazu führte, dass die Times hämisch von einem israelischen Autor berichtete, er habe gesagt: „Wir könnten zu Faschisten werden.“

Der fragliche Artikel der Times begann mit der Beschreibung Chomsky als „einem führenden linken politischen Denker“. Die BBC ging weiter und beschrieb ihn bewundernd als den „angesehenen US-Gelehrten Noam Chomsky“. Wilders wird immer als „der rechtsradikale holländische Politiker Geert Wilders“ beschrieben. Der Ton von Artikeln über ihn ist verurteilend; der Subtext stellt ihn durchweg als Rassisten ohne Platz in der höflichen Gesellschaft hin.

So sehen die Werte und der Glaube aus, die das Denken eines liberalen Establishments in Europa leiten, das eine fast monolithische Dominanz über den politischen Mainstream ausübt. Ein Sturm im Wasserglas, in den einer seiner Helden an der jordanischen Grenze verwickelt ist, wird empört zu einem grotesken Beispiel der Fürchterlichkeiten aufgeblasen, die einem freundlichen und brillanten Intellektuellen von einem unterdrückerischen jüdischen Staat zugemutet werden. Ein mit Fehlern behafteter, aber mutiger niederländischer Politiker, ein wahrer politischer Dissident, der sich wegen seiner Ansichten Todesdrohungen und Gefängnis ausgesetzt sieht, wird niedergemacht und zum Paria gestempelt, obwohl der keinen Groll gegen den Staat hegt, der ihm die Einreise verweigerte.

Hier finden sich die Berichte der Times und der Beeb zu Wilders vom letzten Jahr. Lesen Sie Shepherds ganzen Anrtikel und bilden Sie sich selbst ein Urteil.

Raten Sie mal, wer die Spannungen zwischen den USA und Israel „genießt“

16. Mai 2010

HonestReporting Media Backspin, 13. Mai 2010

Wer hat eine „ungewöhnliche und erfreuliche neue Erfahrung“ beim Zank zwischen den USA und Israel? Finden Sie es in HonestReportings Kommuniqué heraus: Raten Sie mal, wer die Spannungen zwischen den USA und Israel „genießt“. (englisches Original hier)

Jeremy Bowens „erfreuliche neue Erfahrung“

14. Mai 2010

HonestReporting Media Backspin, 12. Mai 2010

BBC-Bürochef Jeremy Bowen genießt die Spannungen zwischen Israel und den USA. Hier, wie er es selbst beschreibt:

Es ist eine ungewöhnliche und erfreuliche neue Erfahrung, zusehen zu können, wie die Israelis mit ihrem wichtigsten Verbündeten streiten. Die Tatsache, dass es in dem Disput um jüdische Siedlungen ging, ist für die Palästinenser sogar noch besser gewesen.

Bowen hat ein Recht, Gilad Shalits Gefangenschaft zu genießen oder das unermüdliche Streben des Iran nach Atomwaffen oder auch den misslungenen Anschlag am Times Square.

Das erinnert an Marc Garlasco. Es ist gar nicht lange her, dass der Militär-Analytiker gezwungen war, wegen seiner Nazi-Memorabilien-Sammlung seinen Job bei Human Rights Watch aufzugeben. Sweatshirts mit aufgedrucktem Eisernen Kreuz zu tragen ist absolut legal, aber es ist nicht damit vereinbar Menschenrechts-Beobachter zu sein, der Israel überwacht.

Es erinnert auch an BBC-Reporterin Barbara Plett, wie sie um Yassir Arafat weinte, als er Ramallah das letzte Mal verließ. Plett wurde dafür getadelt. Jetzt verrät Bowen eine ähnliche emotionale Bindung zu den Palästinensern.

Würde die Kultur der BBC es Bowen erlauben Zufriedenheit am Tod von Mahmud Mabhouh zum Ausdruck zu bringen?

Update vom 13. Mai: Wie ich sehe, hat die BBC den Wortlaut geändert:

Es war einen ungewöhnliche und erfreuliche neue Erfahrung für die Palästinenser, zusehen zu können, wie Israel sich mit seinem wichtigsten Verbündeten streitet. Die Tatsache, dass es in dem Disput um jüdische Siedlungen geht, ist für sie sogar noch besser gewesen.

Bowen hat Just Journalism dazu die folgende Erklärung geschickt:

Jeremy Bowen antwortete auf unsere Bericht per E-Mail; er sagt, dass es eine „Panne in [seinem] Überarbeitungs-Prozess“ gab und dass er, als er die Abkühlung in den Beziehungen der USA und Israel „erfreulich“ nannte, diese Sicht den Palästinensern zuschreiben wollte. Der Artikel auf der BBC-Internetseite wurde nachträglich geändert, aber ein Bekanntgabe des Fehlers wurde nicht vorgenommen.

Bowen ist vom Haken, aber angesichts seiner Vergangenheit würde es mich nicht überraschen, wenn dies seine tatsächlichen Ansichten spiegelt. Eine Freudsche Fehlleistung?

BBCs Nichtantwort an HonestReporting

6. Mai 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2010

Die BBC zieht es vor, statt der Wahrnehmung von Nachrichten den Überbringer derselben abzuschießen.

Lesen Sie dazu bitte unser neuestes Kommuniqué von HonestReporting: BBC’s Non-Response to HR Report

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P.S.: Wir „bedanken“ uns dennoch bei der BBC für die Aufmerksamkeit, die sie uns immer wieder zuteil werden lässt (bd). Womit haben wir das verdient?

Nennt man so etwas eine BBC-Antwort?

30. April 2010

HonestReporting Media BackSpin, 30. April 2010

Bevor wir unsere detaillierte Analyse über BBC-Artikel zum Nahostkonflikt (pdf-Format) veröffentlichten, schickten wir eine Vorabkopie an Beeb*, um von dort eine Antwort zu bekommen. Wir entdeckten quantifizierbare Unausgewogenheiten, was Zitate palästinensischer und israelischer Quellen, Mangel an historischem Kontext und andere Beispiele „weicher Voreingenommenheit“ betrifft.

Die BBC reagierte nicht auf unser Schreiben. Stattdessen gab sie der Jewish Chronicle eine Antwort. Und leider folgte sie der parteiischen Linie, die wir erwartet hatten:

Eine BBC-Sprecherin sagte: „Es überrascht nicht, von Ergebnissen solcher Pressure Groups [**, bd] zu hören, aber unsere Aufgabe besteht darin, unabhängige Berichterstattung und Analyse aus allen Blickwinkeln einer Geschichte zu liefern. Also kann sich unser Publikum selbst zusammenreimen, was dies betrifft.

„Das unabhängige Gremium, eingesetzt durch unseren Aufsichtsrat, entdeckte keinerlei mutwillig oder systematisch betriebene Voreingenommenheit in der Berichterstattung der BBC-Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt.“

Reflektiert die Methode der BBC, den Überbringer von Nachrichten abzuschießen, eine Unfähigkeit, Punkte zu widerlegen, die wir anführten, oder ist es schlicht nur Arroganz?

Lesen Sie HonestReportings In-Depth Media Analyis [In Englisch] zur Berichterstattung der BBC und bilden Sie sich selbst Ihre Meinung.

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*Verballhornung für BBC.
**Die [bösen] Pressure Groups sind natürlich wir, logisch. Alle anderen Pressure Groups sind selbstredend okay, auch logisch….

BBC-Seemannsgarn

4. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 4. Februar 2010

Die BBC vergießt bittere Tränen für die Fischer von Gaza, denen untersagt wird, dass sie sich zu weit von der Küste entfernt aufhalten.

Ihre größte Bedrohung erfolgt aber nicht seitens der israelischen Marine, sondern von Terroristen, die diese Woche mit Sprengstoff gefüllte Fässer an die israelische Küste schickten. Dazu YNet News:

Die Quelle betonte, dass ohne israelisches Eingreifen die Fischer aus Gaza in Gefahr gebracht worden wären, falls die Fässer nahe ihrer Boote explodiert wären.

„Den Terroristen, die die explosive Fracht auf dem Seeweg verschickten, war vorher schon klar, dass die Fischer auch verletzt werden könnten. Gerade jetzt, wenn über den Goldstone Report und Moral diskutiert wird, sollten wir darauf achten, was die Gegenseite unternimmt“, sagte er.

Sind Fischer als Komplizen bei den Fässerbomben beteiligt?

Selbst wenn dies nicht zuträfe: die Hamas hat sich schon damit gebrüstet, dass häufig iranische Raketen über den Seeweg geschmuggelt werden.

Jüdisches Jerusalem leugnen

21. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Januar 2010

Lesen Sie dazu HonestReportings neueste Medienkritik [n Englisch]

Panorama, das Dokumentationsflaggschiff der BBC, verzerrt jüdische Geschichte und Ansprüche auf Jerusalem, indem es eine einseitige und voreingenommene Agenda verfolgt:  BBC: Denying Jewish Jerusalem

Und hier positive Berichte über Israels bemerkenswerte Hilfsaktionen in Haiti: Israel: Bringing Hope Amidst Haiti’s Rubble

BBC Watch is back

26. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. Dezember 2009

Es ist schon eine Weile her, seit Trevor Asserson eine detaillierte Untersuchung über die Arbeitsweise der BBC durchgeführt hat. Nun hat er einen neuen Beitrag über die Berichterstattung des Beeb-Büroleiters Jeremy Bowen zum Gazakrieg erstellt.

BBC Watch-Berichte kann man abonnieren. Die Jewish Chronicle fasst Assersons Ergebnisse zusammen:

Der Report moniert, dass 38 der insgesamt 58 Berichte, die von Bowen stammen, parteiisch abgefasst waren. Von diesen 38 stellten 98 Prozent Israel in einem negativen Licht dar.

Herr Bowen stellte auf der BBC-Webseite 22 Posts ein. Der Report beanstandet, dass 20 davon einseitig abgefasst waren und alle ein negatives Bild von Israel zeichneten.

„Das Bowen-Tagebuch“, wie es genannt wurde, enthielt auch häufig Bowens Privatmeinung, eine Einbeziehung, die laut BBC Watch mit den Richtlinien der BBC bricht.

Antizionistische Lobby drängt Beep zu Artikelumschreibung

23. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2009

Harry’s Place kritisiert die BBC scharf dafür, dass sie sich zur Änderung dieser Geschichte einschüchtern ließ.

Sie wüssten es nicht, wenn Sie es jetzt lesen würden, aber die antisemitische Stimmung war schlimmer, als Beeb das nun glauben machen will. Jonathan Hoffman bloggte die Erklärung der BBC. Das Video für die Hintergrundinformation steuerte Pesach Benson (HR) bei.

Nach der Veröffentlichung stellte sich schnell heraus, dass mehr hinter dem Treffen steckte als das, was das Video und Herr Hoffmans Anschuldigungen hergeben. Als das offenkundig wurde, berichtigte man die Story, um die unterschiedlichen Standpunkte derjenigen zu reflektieren, die an dem Treffen teilgenommen haben.

Schade, dass die ursprüngliche Geschichte nicht mehr Standpunkte wiedergibt und der betreffende Journalist nicht darauf aufmerksam gemacht worden ist, sich in Zukunft entsprechend sorgfältig zu verhalten.

Glauben Sie wirklich, dass Peter Oborne, der HonestReporting beschuldigt hatte, die BBC einzuschüchtern, hier Nachforschungen angestellt hätte?

Achselzucken bei Beep

21. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 21. Dezember 2009

Die BBC [Beep; bd] antwortete aufgebrachten Hörern, die sich über Michael Whites kürzlich gemachte Bemerkungen im Morgenprogamm von BBC London erregt hatten. Während einer Diskussion über den Angriff auf Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte White, Mitherausgeber des Guardian:

In Israel bringen sich die Leute oft gegenseitig um. „Die IDF bringt oft Leute um, weil sie deren politische Einstellung nicht mag und was sie zu sagen haben. Und das bedeutet letztlich, dass noch extreme Leute auftauchen und deren Platz einnehmen.

Die Beep-Beschwerdestelle schrieb zurück:

Nach Durchsicht Ihrer Beschwerde möchte BBC London sich für jeglichen Ärger entschuldigen, den Sie möglicherweise beim Hören des Kommentars von Herrn White empfunden haben sollten. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass Herr White nicht BBC-Journalist ist und den Hörern eindeutig als Kommentator des Guardian vorgestellt worden war.

Er präsentierte seinen Standpunkt mit seinen Worten und es steht den Hörern frei – wie bei anderen Kommentatoren – sich ihr eigenes Urteil über die Stichhaltigkeit seiner Argumente zu machen. Die BBC rät ihren Journalisten, statt wertender Beurteilungen eine klare und einfache Sprache zu verwenden, aber das können wir bei Interviewpartnern so nicht zur Anwendung bringen.

Herr Whites Anmerkungen während des Interviews zu Berlusconi waren ebenso nebensächlich wie seine Äußerungen zu Nordirland. Unter dieser Voraussetzung musste der Moderator die Entscheidung treffen, ob man das Interview umleitet in eine Diskussion über das, was Israel „Gezieltes Töten“ nennt, die Bemerkungen über Nordirland oder ob man beim vorgegebenen Thema bleibt.

Berücksichtigt man diese Tatsache und die Beiläufigkeit von Herrn Whites Äußerungen, gehen wir davon aus, dass die Moderatoren richtig entschieden, wenn sie sich auf den Kern des Interviews konzentrierten.

Selbst als White gezielte Tötungen erwähnte, wurde das im Gespräch nicht offen angesprochen. Ein hartnäckiger Interviewer mit etwas mehr Chuzpe hätte White kurzzeitig von seinem Kurs abbringen und wegen seines lächerlichen Vorwurfes nachhaken können. Aber die Macher des Frühstücksradios machten das nicht, weil Whites Sprache Mainstream in den britischen Medien ist.

Trotz der unbefriedigenden Antwort von BBC war die Beschwerde der Hörer richtig. Wenn Beeb nicht einmal bei seinen eigenen Vorurteilen durchblickt, müssen wenigstens die Hörer darauf  aufmerksam machen.

In einem Punkt handelte die BBC richtig: White wurde den Hörern deutlich als Kommentator des Guardian vorgestellt, und wir warten darauf, dass Siobhain Butterworth, Redakteurin für Leserzuschriften, unsere Anfrage beantwortet. HonestReporting stand im „Cc“ Hunderter an Butterworth adressierter E-Mails. Sie weiß also um was es geht.

Die Top 5-Beiträge 2009

10. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 10. Dezember 2009

Ein Blick auf Google Analytics und der kurze Versuch, die Rangliste der 5 meist gelesenen Blogbeiträge dieses Jahres zu interpretieren.

1. Goldstone Report Online
Ich [Anm.: gemeint ist Pesach Benson, bd] postete lediglich einen Link zum UN-Report (in pdf). Ich vermute, die Leser begrüßten es, dass sie direkt dorthin geführt wurden. Die meisten Klicks kamen über Google, also schreibe ich es der Schlagzeile zu.

2. Evolution einer Empörung
Ein Beitrag aus dem Jahr 2003, angelehnt an Goyas Gemälde „Saturn verschlingt eines seiner Kinder“. Eine schmutzige Karikatur, die Sharon dabei zeigt, wie er ein Palästinenserkind verspeist. Beinahe alle Zugriffe erfolgten über Google Images. Bis ich eine bessere Erklärung dafür habe, hake ich es unter „zufällige SEO“ ab. [Anm.: SEO = Search Engine Optimization; bd]

3. Idiotensichere Navigation auf der Beschwerdeseite der BBC
War auch  im letzten Jahr unter den Top 5. Sagt einiges über Beep aus, nicht wahr?

4. Liveblogging zum Medienkrieg, 8. Januar
Es freut mich, dass dieser Eintrag in die Top 5 kam, obwohl der meiste Traffic sich auf diesen  einen Tag beschränkte (Anm.: Ins Deutsche haben wir damals nicht übersetzt bzw. nur Ausschnitte daraus, weil es sehr viel war und sich die Nachrichten überschlugen. Liveblogging war sehr intensiv und ich bedauere, dass ich nicht schon am 27. Dezember damit begonnen hatte.

5. Palästinensische Journalisten: Zahl der Toten weit übertrieben
Die Abweichung zwischen den israelischen und palästinensischen Zahlenangaben bezüglich der Getöteten ist einer der wichtigsten Beiträge im Jahr 2009. Schön, dass die Leser die Botschaft verstanden haben. Es war das erste Posting zu einem Thema, das in diesem Jahr mehrmals angesprochen wurde.

“Antisemitismus, demonstriert an meinem Beispiel“

19. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 19. November 2009

Jonathan Boyd sagt, dass die Berichterstattung der Mainstream-Medien über Israel einen direkten Einfluss auf die verschiedenen Antisemitismus-Varianten hat. Das widerspricht der Aussage, die Guardian-Chefredaktuer Alan Rusbridger in Channel 4’s Doku-Programm Dispatcher tätigte.

Boyd schreibt:

Am wichtigsten ist wohl das Fehlen jeglichen Hinweises darauf, warum einige führende jüdische Persönlichkeiten sich verpflichtet fühlen könnten, Israel zu unterstützen. Lässt man einmal die Politik in der Regien beiseite – die Tatsache, dass Israel seit Urahnen angestammte Heimat des jüdischen Volkes ist, oder dass Israel der einzige Nationalstaat in der Welt ist, in dem das Judentum die gesellschaftliche Hauptströmung bildet, jüdische Kultur die Norm und die hebräische Sprache weithin gesprochen und im Kultus verwendet – all das wurde ignoriert.

Aber es ist offensichtlich wesentlich einfacher, alte antisemitische Mythen aufzutischen. Schließlich verdient die Öffentlichkeit zu wissen, was diese fiesen, reichen Juden im Schilde führen. Und was kann falsch daran sein, wenn die Wahrheit aufgedeckt wird? Es sei kaum eine Verbindung zwischen der Darstellung Israels und der Juden in den Medien und Antisemitismus in den Straßen Großbritanniens herzustellen.

So oder ähnlich würde Alan Rusbridger uns  einzulullen versuchen. Im Dokumentarfilm bestätigte er noch einmal, er fände es „schwer vorstellbar“ , dass irgendeine journalistische Berichterstattung über Israel Gewaltausschreitungen gegen Juden in Großbritanniens Straßen befördern könne.

Boyd fährt fort, indem er beschreibt, wie er im Jahr 2002 dank unverantwortlicher Berichterstattung über Jenin angegriffen wurde:

Erlauben Sie mir an meinem Beispiel, wie sich Antisemitismus manifestiert. Im April 2002, auf dem Höhepunkt der palästinensischen Intifada , zirkulierten Medienberichte, wonach die IDF in Jenin (Westbank) ein Massaker angerichtet hätte. Gerüchte waren in Umlauf, dass Hunderte Palästinenser getötet worden seine. Die BBC ging von 150 aus. Saeb Erekat, interviewt von CNN, sprach von 500. Yasser Abed Rabbo gab 900 an. Überwiegend herrschte der Eindruck vor, die IDF hätte entsetzliche Gräueltaten verübt.

Am darauf  folgenden Samstag ging ich in Finchley, einem Vorort in Nordlondon, zur Synagoge und trug meine Kippa. Unterwegs wurde ich von einem jungen Mann ins Gesicht geschlagen. Es handelte sich um einen völlig grundlosen Angriff. Unsere Wege kreuzten sich zufällig, als er mir plötzlich einen starken, rechten Haken versetzte. Völlig verblüfft fragte ich ihn gleich, warum er das getan hatte. „Das passiert mit Juden, wenn sie sich so aufführen“, war seine Antwort.

Mitch Bard kam zu einer ähnlichen Schlussfolgerung, was den zunehmenden Antisemitismus ab 2002 betrifft:

In Europa hat es eine verhältnismäßig hohe Zahl antisemitisch motivierter Aktivitäten gegeben, darunter körperliche Angriffe und Einschüchterungen gegenüber Juden ebenso wie Beschädigungen jüdischer Gemeindeeinrichtungen. Sie erreichten ihren Höchststand von April bis Mai 2002, also während der Operation Defensive Shield.

Rusbridger sollte es eigentlich besser wissen. Letztes Jahr entschuldigte er sich für diesen Gastbeitrag über die Kämpfe in Jenin, wo er behauptet hatte:

Israels Aktionen in Jenin waren mindestens so widerlich wie Osama bin Ladens Anschlag auf New York am 11. September.

The Guardian entfernte diesen abscheulichen Vergleich von seiner Seite – aber nicht, bevor Boyds Angreifer [Der Boxhieb oben] reichlich Zeit hatte, es zu lesen. Vielleicht sollte sich Rusbridger einmal als realistisches Beispiel für die Manifestierung von Antisemitismus zur Verfügung stellen, um die dynamische Wechselwirkung zwischen Mainstream-Medien und Antisemitismus am eigenen Leib zu erfahren.

HonestReporting antwortet Channel 4

17. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 17. November 2009

Channel 4 hat nun auf YouTube seine gestern ausgestrahlte Dispatches-Folge Inside Britain’s Israel Lobby eingestellt:

Hauptsächlich behandelt das Video innenpolitische Themen in Großbritannien, die von anderen Organisationen und Bloggern dort bereits angesprochen worden waren.

Ab 35:00 schließlich widmet sich Präsentator Peter Oborne Medienfragen, die die so genannte Israel-Lobby thematisieren. Meine Antworten auf das Video beginnen ab diesem Punkt.

• Wenn Mitarbeiter der Nachrichtenredaktion dabei zusehen, wie Charlie Beckett zu Peter Oborne spricht, dann sind Medien-Watchdogs wie HonestReporting auf der richtigen Fährte. Wir wollen bei den britischen Medien keine abschreckende Wirkung erzeugen, sondern nur erreichen, dass Nachrichtenmedien sich verantwortlich dafür zeigen, wie sie über Israel und Nahost berichten.

Als von Steuermitteln finanzierter Nachrichtenservice sollte die BBC für ihre Berichterstattung zur Rechenschaft gezogen werden können. Becketts Kommentare gründen sich auf eine BBC-Nachrichtenredaktion mit einer zementierten Weltsicht, die den Bezug zu einem großen Teil der Öffentlichkeit verloren hat.

• Möglicherweise konzentriert sich Oborne beim Versuch, unsere Arbeit zu beschreiben, auf Kritik an der BBC im April 2003 wegen ihres Dokumentarfilms Israel’s Secret Weapon, der von Israels Nuklearprogramm und Mordechai Vanunu handelte (hier das Video). Mit abschätziger Stimme zitiert Oborne HonestReportings Website:

„Die Botschaft hinter dem Film lautet, dass Israel für die Koalitionsstreitkräfte ein geeigneteres Angriffsziel gewesen wäre als der Irak.“

Oborne an dieser Stelle ganz salopp: HonestReporting hat niemals „Israels Geheimwaffe“ kritisiert. Abgelesen hat Oborne das von einer Seite, die im Juli 2004 geschrieben wurde, also mehr als ein Jahr danach. Dieses Kommuniqué Documenting BBC Documentaries basierte auf einem sehr ausführlichen Report von Trevor Asserson: The BBC and the Middle East: The Documentary Campaign 2000-2004.

Wir stehen zu Assersons Aussagen bezüglich der Folgerungen zum Film. Aber wenn Oborne jemanden für seine Kritik an einem Film schmähen möchte, den auch wir weiterhin für eine schlampig gemachte Dokumentation halten, zielt Oborne auf den falschen zionistischen Verschwörer.

Wenn das die Methode ist, wie Oborne HonestReporting „untersucht“, was sagt dies dann über den Wahrheitsgehalt seiner restlichen Nachforschungen aus?

• Unsere Kritik an Orla Guerins Berichterstattung über den Libanonkrieg (BBC’s Orla Exposed), basierte auf Blogger-Beiträgen und Medien-Watchdogs, die Guerins Report vom 14. August 2006 – unter Einbeziehung aller Quellen von Nachrichtenservices – mit Channel 4 (abgekürzt C4; [bd]) verglichen hatten.

Guerin und Alex Thomson von C4 waren beide am selben Tag in Bint Jbeil; dennoch liefern sie diametral entgegengesetzte Schilderungen vom Umfang der Zerstörungen dort. Genug gesagt.

• Zuseher lieben die dramatische Inszenierung eines investigativen Reporters, der sich an irgendeiner Haustüre aufbaut, während die Kameras laufen, immer bereit, Auge in Auge zu einer widerliche Person zu stehen und irgendwie ein wenig Gerechtigkeit in die Welt zu bringen. Das war die Konfrontation, an die Oborne dachte, als er und seine Filmcrew bei Media Central aufkreuzten und nach HR-Chefradakteur Simon Plosker suchten.

(MediaCentral ist eine in Jerusalem ansässige Initiative von HonestReporting, die ausländische Journalisten betreut und unterstützt. Die Verbindung zu HonestReporting wird für jedermann sichtbar auf ihrer Webseite angezeigt).

Offensichtlich wollte Oborne Simon Plosker übertölpeln und ihn als undurchsichtige Figur porträtieren, die Verbindungen zu verschiedenen Organisationen habe, die die „Israel-Lobby“ repräsentieren. Der Trick war überflüssig, denn: Ploskers umfassendes Wirken in der Verteidigung Israels wird auf HonestReportings Seite Meet the Team offen beschrieben.

Jedenfalls ist Plosker nicht zu einem Interview verpflichtet.

Morgen mehr zu HonestReportings Antwort an  Channel 4.

Bleiben Sie dran.

BBC: Wie man die Leiden in Sderot herunterspielt

14. Oktober 2009

HonestReporting Media Backspin, 14. Oktober 2009

Katya Adlers Bericht gibt Lippenbekenntnisse zum Leid israelischer Schulkinder ab. Zu lesen im neuesten Kommuniqué: BBC: Downplaying Sderot’s Suffering.

Die BBC während des Gazakrieges: Einseitige Berichterstattung

24. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. März 2009

Unsere neueste Analyse enthüllt weitere BBC-Verfälschungen.

Bitte lesen Sie die Langzeitstudie von HonestReporting [In Englisch]: BBC During the Gaza War: Biased Coverage of the Conflict

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Berichtigung nach BBC-Art

20. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 20. März 2009

Die BBC „berichtigte“ kürzlich ihre Berichterstattung über den Vorfall bei der UN-Schule in Gaza im Januar.

BBC-Update: Im Februar 2009 sagten die Vereinten Nationen, dass ein Tippfehler dazu geführt hatte, dass berichtet wurde, eine israelische Mörsergranate hätte am 6. Januar eine UN-Schule in Jabalya (Gaza) getroffen und 40 Menschen getötet. Maxwell Gaylord, Koordinator für humanitäre Hilfe der UN in Jerusalem, sagte, dass die Granaten der IDF auf der Straße nahe dem Grundstück eingeschlagen hätten und nicht auf dem Grundstück selbst. Er sagte, dass die UNO „erklären möchte, dass Granatenbeschuss und tödliche Verwundungen außerhalb des Schulgrundstückes stattfanden“.

Zuerst die gute Nachricht: Beeb erwähnt, dass die IDF neben das Schulgrundstück feuerte, nicht auf das Areal selbst.

Jetzt die schlechte Nachricht: Beeb hat nicht die Zahl der Todesopfer korrigiert (neun statt ursprünglich 40 m Bericht); und sie lässt weiterhin aus, dass die IDF auf palästinensischen Raketenbeschuss aus der unmittelbaren Nähe zum Schulgrundstück reagierte.

(Hat tip: Tom Gross)

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BBC gräbt an weiterem Loch

9. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 9. März 2009

Nach dem dritten Bulldozer-Anschlag will die BBC noch immer nicht dazulernen. Dazu ausführlich das neueste Kommuniqué von HonestReporting: BBC Digs Another Hole.

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BBC walzt wieder einmal Schlagzeile nieder

5. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 5. März 2009

Wenn es in Jerusalem zu einem Bulldozer-Amoklauf kommt können Sie darauf wetten, dass BBC die Schlagzeile verpfuscht. Zwei verschiedene Anschläge könnten noch eine unglückliche Übereinstimmung bewirken, aber mit einem anderen Angriff heute stellt die BBC unter Beweis, dass alles Gute – oder besser gesagt, Schlechte – drei ist. Zum Vergrößern der Texte bitte auf die Abbildungen klicken.

Hier die Entwicklung der Beep-Schlagzeilen im Verlauf des Tages. Die erste Schlagzeile macht mit einen toten Fahrer auf, erwähnt aber nicht, dass terroristische Motive im Spiel waren.

Diese neue Schlagzeile kurz danach war nicht mehr als eine semantische Verdrehung des gleichen Sachverhalts.

Als ich das nächste Mal nachsah, hatte BBC diese Schlagzeile eingestellt. Sie zeigt endlich, dass es sich um einen Anschlag handelte. Warum aber in An- und Abführungszeichen?

Wie wir schon im vergangenen Juli feststellten, wird die BBC vom Antrieb geleitet, Israel als Aggressor und einen [einzelnen] Palästinenser als Opfer zu zeichnen, selbst wenn dieser Palästinenser aktiv an einem Terrorangriff gegen unschuldige Zivilisten beteiligt war.

Die Tatsache, dass die Schlagzeilen überhaupt verändert wurden, zeigt, dass jemand wusste, um was es ging. Zu dumm nur, dass er so lange brauchte,  seine Spuren zu verwischen.

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Britisches Oberhaus verurteilt Nichtherausgabe des Balen Reports

11. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 11. Februar 2009

Ein Rechtsausschuss in Großbritanniens House Of Lords entschied heute, dass die BBC sich im Unrecht befand, als sie die Anfragen von Freedom Of Information (FOI) zum Balen Report abblockte.

Das Urteil bedeutet, dass die Klage des Londoner Anwalts Stephen Sugar auf Akteneinsicht in den Bericht an den Obersten Gerichtshof zurückverwiesen wird. Im Jahr 2004 hatte Malcolm Balen eine Untersuchung zur BBC-Nahostberichterstattung angestellt. Gegen alle Erwartungen waren seine Ergebnisse nie veröffentlicht worden.

Die BBC hatte etwa 250.000 britische Pfund an Rundfunkgebühren ausgegeben, um die Herausgabe des Berichts juristisch abzuwürgen. HonestReporting hatte auch bei FOI wegen einer Kopie angefragt.

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Gedanken zum BBC-Schlamassel

25. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 25. Januar 2009

Die BBC sitzt in den Nesseln, weil sie sich weigert, den Aufruf einer Dachorganisation humanitärer Organisationen zugunsten von Gaza zu senden. Das Disasters Emergency Committee bat um den Aufruf, der auf anderen britischen Kanälen gesendet wird.

BBC-Boss Mark Thompson veröffentlichte eine Erklärung auf dem Blog von The Editor und gab zwei Gründe für die Ablehnung an:

Ein Grund dafür war die Sorge darüber, ob Hilfe, die durch den Aufruf generiert werden würde, auch wirklich bei den Menschen ankäme. Sie verstehen, dass einer der Faktoren, die wir berücksichtigen müssen, die praktische Anwendbarkeit der Hilfe ist, um deren Finanzierung die Öffentlichkeit gebeten worden ist, vor Ort ankommt….

Unter Berücksichtigung aller Umstände und insbesondere nach Rücksprache mit führenden britischen BBC-Journalisten kamen wir zu dem Ergebnis, dass wir keinen Aufruf im Alleingang senden konnten, gleich, wie sorgfältig ausgearbeitet auch immer, ohne das Risiko einzugehen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Unparteilichkeit der BBC bei ihrer ausführlichen Berichterstattung der Geschehnisse zu reduzieren. Ein Aufruf würde zwangsläufig Bilder verwenden, die denen gleichen oder ähnlich sind, die wir in unseren Nachrichtenprogrammen bringen, aber sie hätten das Ziel, öffentlich zu Spenden aufzurufen. Die Gefahr für die BBC besteht darin, dass dies als politische Stellungnahme im laufenden Prozess gedeutet werden könnte.

Unglücklicherweise wurde Israel in die Gegenreaktion einbezogen, als Gesundheitsminister Ben Bradshaw sagte:

„…diese Aufregung, voreingenommen zu sein;

Ich befürchte, dass die BBC sich gelegentlich gegen die israelischen Behörden behaupten muss.“

The Independent mit einer Vermutung, warum BEEP diesen Kurs einschlägt:

Der Grund dafür, dass Kritiker der BBC vorwerfen, die Nerven zu verlieren, besteht darin, dass mehrmals während des gegenwärtigen Konflikts dem israelischen Regierungssprecher Mark Regev beinahe ebenso viel Sendezeit eingeräumt worden ist wie dem Zugeständnis, dass er sagen konnte, die BBC bringe die notwendige „Ausgewogenheit“ bei Bildern palästinensischer Opfer. Ein Live-„Dialog“ zwischen Herrn Regev und Jon Snow von Channel 4 News geriet zur lautstarken Auseinandersetzung, aber bei der BBC gab es so etwas nie.

Vier Überlegungen zur leidigen Sachlage:

1. Israels erlaubt bereits die Lieferung von Hilfstransporten nach Gaza. So lange die Hilfe nicht bei der Hamas landet ist Israel der Letzte, der sich in diese Angelegenheit einmischt.

2. Bradshaws Unterstellung, Israel könne Druck auf die BBC ausüben, ist lächerlich. Es gibt keinerlei Hinweis dafür, dass Israel so handelte, und ich bezweifle sehr, dass irgendein israelischer Offizieller das im Voraus gewusst hat. Bradshaws Kommentare sind lediglich eine Wendung der altbekannten Die-Zionisten-beherrschen-die-Medien-Ente. Seit wann hat sich die BBC jemals Sorgen um ihr Ansehen bei Israel gemacht?

3. Wenn die BBC Informationen darüber besitzt, dass Hilfslieferungen nicht bei der bedürftigen Bevölkerung ankommen, dann gratuliere ich Thompson für seine Standhaftigkeit und ich kann es gar nicht erwarten, darüber etwas zu lesen.

4. Es ist eine große Schande, dass die Unzulänglichkeiten der BBC-Berichterstattung zu dieser Entwicklung geführt haben.

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