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Naksa-Tag, Teil 2: Mit Geld angeworben – keine Protestkundgebung der Bevölkerung

6. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 6. Juni 2011

Baschar al-Assad war nicht der Einzige, der sich kürzlich Demonstranten kaufte.

Ein Libanese, der am Naqba-Tag vergangenen Monat die Grenze stürmte, berichtete dem Guardian:

Ein an diesem Tag verwundeter Demonstrant berichtete dem Guardian, dass die libanesische Hisbollah-Miliz ihm 50 Dollar für sein Auftauchen am Grenzzaun und 900 Dollar für die medizinische Behandlung von Schusswunden gegeben hatte. Er sagte, dass er [eigentlich] geplant hatte, nach Maroun al-Ras zurückzukehren, bis die Demo abgesagt werden würde.

Der von Hisbollah und Assad gesponserte palästinensische Frühling ist also weder palästinensisch noch frühlingshaft.

Vor ein paar Jahren wies David Brooks darauf hin, dass die palästinensische Sache von außen angestoßen worden war – seinerzeit dem Iran und der Hisbollah. Fügt man Assad der Liste hinzu – mit 38 in Idlib getöteten Syrern – ist die Naksa ein fantastisches Ablenkungsmanöver, wie Dominic Waghorn schreibt:

Palästinenser als Bauernopfer einzusetzen ist Teil schwindender Trümpfe, die von Bashar al Assad gezogen werden.

Wo bist du geblieben, Jassir Arafat?


Dazu passend:  Naksa-Tag: Mit Geld angeworben – keine Protestkundgebung der Bevölkerung

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Welche Nachrichtenmedien nutzt Nasrallah?

29. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 29. Mai 2011


Letzte Woche kam Scheihk Nasrallah mit seiner ersten öffentlichen Unterstützungserklärung für Baschar al-Assad heraus. Nun verbrennen syrische Demonstranten Poster des Hisbollah-Bosses.

Was zum Henker hat sich Nasrallah dabei gedacht, als er öffentlich seine Unterstützung für ein Regime bekundete, dessen letzte Gräueltat vermutlich daran bestand, den 13-jährigen Hamza Al-Khatib gefoltert und ermordet sowie schrecklich zugerichtet seiner Familie zurückgeschickt zu haben?

Tariq Alhomayed geht davon aus, dass Nasrallah eine Kardinalregel missachtet hat: Glaube nicht alles was du im Fernsehen siehst. In diesem Fall sprechen wir über Al-Manar, den hauseigenen Hisbollah-Sender, der Nasrallah direkt untersteht:

Vielleicht glaubt Nasrallah der offiziellen syrischen Darstellung, auch wenn das undenkbar erscheint. Selbst wenn er das wirklich tat, dann gibt es dafür keine Ausrede, vor allem nachdem er sah, wie Poster mit seinem Konterfei von den Demonstranten verbrannt wurden. Vielmehr sollte Nasrallah dem syrischen Regime raten, seinen offiziellen Medienkurs zu ändern. Die andere Möglichkeit ist, dass Nasrallah nur den Al-Manar TV [von Hisbollah] sieht, wobei in diesem Fall die Hisbollah-Führung die Kanalwahl ändern müsste, so wie es die arabische TV-Zuseher taten, als die Hisbollah Beirut belagerte. Die Hisbollah Führung sollte nicht den iranischen [arabischsprachigen] Al-Alam TV-Sender bevorzugen, weil das bedeutete, dass sich gar nichts geändert hat; vielmehr sollten sie angesehene Fernsehsender einschalten und ebensolche Zeitungen lesen, die es ihnen ermöglichen, einen Überblick zu bekommen und den Verstand einzuschalten.

Hier Videomaterial von einer Gruppe Syrer, die Nasrallah-Poster verbrennt. Bei Al-Manar würden Sie so etwas nicht zu Gesicht bekommen.

Vier Beiträge, die Sie vielleicht verpasst haben

12. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 12. Mai 2011

Khaled Abu Toameh zu Hamas gegen Fatah:

In den Augen der Hamas sind auch Mahmoud Abbas und Salam Fayyad „Verräter“, weil sie zustimmten – zumindest in Englisch und in der Öffentlichkeit -; das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Wenn Abbas und Fayyad vor Gericht gezerrt werden würden und sich für all das zu verantworten hätten, was die Hamas ihnen vorwirft, würden sie letztlich vor einem Erschießungskommando landen.

Washington-Insider zu Obama gegen Syrien:

Die Obama-Administration ist kurz davor, das Ende der langen Herrschaft des Assad-Clans in Syrien zu fordern. Regierungsbeamte sagten am Dienstag, der erste Schritt bestünde in der Aussage, dass Präsident Baschar al-Assad erstmals seine Herrschaftslegitimirung verwirkt habe; eine wichtige politische Veränderung, die zur Forderung nach einem Regimewechsel hinauslaufen würde. Deren Unterstützung in der Weltgemeinschaft wäre [jedoch] fraglich.

The Independent zu Bahrain-Militär gegen Ärzte:

Interviews aus Bahrain, die The Independent vorliegen, berichten von geplünderten Krankenhäusern und verängstigtem medizinischen Personal, das geschlagen, verhört und zur Unterzeichnung falscher Geständnisse gezwungen wurde. Viele wurden eingesperrt; ihr Schicksal ist unbekannt.

….seitdem hat sich die [gewaltsame Niederschlagung] auf mindestens 9 medizinische Einrichtungen ausgeweitet, die während des letzten Monats systematisch von den Sicherheitskräften angegriffen wurde, so ein Aktivist, der die Missbräuche aufzählte.

WikiLeaks zu USA gegen private israelische Sicherheitsdienste:

Dennoch spricht die Kompetenz israelischer Sicherheitsberatung für die Erteilung von Aufträgen in rascher Folge in Panama, Kolumbien und Peru für die Fähigkeiten pensionierter israelischer Militärs, Sicherheits-Know-How anzubieten . […] der Annahme, dass sie bessere Ergebnisse erzielen würde als eine offizielle Unterstützung durch die US-Regierung.

Einmal drohte Panamas Geheimdienstchef damit, wegen größerer Zuverlässigkeit stärker auf die Israelis als auf die US-Beamten zu setzen, weil Letztere sich laut damaligem internem diplomatischem Schriftverkehr weigerten, die Telefone ihrer politischen Feinde anzuzapfen.

Gibt Israel Assad wirklich den Vorzug?

30. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 30. März 2011

Das Problem: Du bist israelisches Regierungsmitglied und sollst den syrischen Aufstand bewerten. Baschar al-Assad, der Teufel von nebenan, befindet sich in sehr großen Schwierigkeiten.

Und wenn Syrien brennt, wollen Reporter von Associated Press oder Washington Post deine Meinung dazu hören.

Klar trauerst du nicht darüber, wenn Assad sich windet. Du könntest sogar Salz in die Wunde streuen – schließlich bist du für die einzige stabile Demokratie in Nahost tätig. Du könntest auch mit Fug und Recht ein wenig stolz auf dein Land sein. Aber du weißt auch, dass eine Wahrnehmung israelischer Unterstützung für die Demonstranten den Volksaufstand nur diskreditieren kann.

Andererseits weißt du nicht, welche Regierung nach Assad kommen könnte – wer kann das schon vorhersagen? Wenn du nicht aufpasst, wirst du als Unterstützer von Assad (igitt) wahrgenommen. Die anfängliche Unterstützung Mubaraks vor zwei Monaten brachte Israel auf die falsche Seite der Geschichte; doch sprang glücklicherweise Sharansky in die Bresche, als er sagte, dass Opposition gegen die Muslimbruderschaft nicht antidemokratisch ist.

Die Lösung: Sag’ nicht mehr als notwendig, weil du auf der politischen Entscheidungsscala des Totempfahles entweder zu weit unten oder zu weit oben eingetragen bist, um Wellen zu schlagen. Dann beiß’ dir auf die Zähne, wenn du diese unvermeidlichen Schlagzeilen liest:


Ich stimme mit Michael Tottens Meinung zu einem eventuellen Regimewechsel zu, trotz der Tatsache, dass Assad der Teufel ist, an den wir uns gewöhnt haben:

Selbst wenn im Fall eines Worst-Case Szenario Damaskus unter einem neuen Management weiterhin Hamas und Hisbollah und die Allianz mit der islamischen Republik Iran aufrechterhält, weiterhin das syrische Volk unterdrückt und den „Widerstand“ gegen Israel als Staatsräson hochhält, könnte die Situation nicht viel schlimmer kommen als sie ohnehin schon ist. Hoffen wir also, dass das syrische Volk ihn endlich loswird.