Posted tagged ‘Bahrain’

Großbritanniens Waffenhändler verdienen am arabischen Frühling

30. August 2011

HonestReporting Media BackSpin, 30. August 2011

The Times of London (Kostenpflichtige Registrierung) berichtet, dass britische Waffenlieferungen in den Nahen Osten – vor allem an Saudi-Arabien, Bahrain und Libyen (!?) – während des arabischen Frühlings um 30 Prozent gestiegen waren. Wir sprechen über Ausfuhren im Wert von etwa 30,5 £ zwischen Februar und Juni :

Der Export beinhaltet auch diejenigen Waffen, die zur internen Repression eingesetzt werden können, darunter Munition für Kleinwaffen, Scharfschützengewehre, Schrotflinten und Maschinenpistolen. Die Enthüllung hat heftige Kritik an der Regierung ausgelöst, die beschuldigt wurde,  ihre Rüstungspolitik „nicht mehr unter Kontrolle“ zu haben….

Obwohl  immer mehr Details von Gräueltaten, die von Anhängern Oberst Muammar Gaddafi verübt worden waren, ans Licht kommen, werden sich [die] Rüstungsunternehmen im nächsten Monat mit britischen Diplomaten treffen, die Kontakt zu weiteren instabilen Regimen haben wie dem Jemen und Eritrea, um den Ausbau von „Exportmöglichkeiten“ zu besprechen.

Trotz aller Grausamkeiten: möchten Sie gerne erraten, welchem Land die britische BDS Movement keine Waffenkäufe zugestehen will?

Bahrain-Demonstranten mit Ramsch-Version des Terminus „Besatzung“

14. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. März 2011

Saudi-arabische Streitkräfte intervenierten in Bahrain. Und Demonstranten gegen die Regierung in Bahrain nennen es „Besatzung“. Ein NY Times-Artikel (übrigens von Bürochef Ethan Bronner in Jerusalem verfasst) hält fest:

Die Opposition ließ verlautbaren, dass sie die Ankunft jedes Soldaten oder Militärfahrzeugs als „offene Besatzungserklärung gegenüber dem Königreich Bahrain und als Verschwörung gegen die unbewaffneten Menschen dort betrachten werde.

Wenn sie nicht aufpassen, werden die Bahrainer das Markenzeichen „israelische Besatzung“, das eben erst von Reuters geliefert wurde, seines Alleinstellungsmerkmales berauben.

Wie wär’s zur Abwechslung mit einer Bahrain-Apartheid-Woche?

22. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 22. Februar 2011

Eben las ich Nick Kristofs neuen Beitrag Apartheid in Bahrain?

Können Sie sich die Empörung vorstellen, wenn der Staat Israel die israelischen Araber und die Palästinenser in der gleichen Weise behandelte wie es Kristof am Beispiel des Umgangs der bahrainischen Sunnis mit den dort lebenden Schiiten aufzeigt?

Es herrscht Angst vor dem Pöbel, Misstrauen gegenüber einer vollständigen Demokratie und dem Anspruch auf Recht. Apartheid ist nicht ganz die treffende Metapher, weil es keine formelle Trennung gibt (auch wenn die Wohnviertel entweder überwiegend sunnitisch oder schiitisch geprägt sind), und die Leute pflegen gewöhnlich gute Beziehungen zu Angehörigen der jeweils anderen Glaubensrichtung. Aber wie kann ein System fair sein, wenn 70 Prozent seiner Bevölkerung nicht für den Dienst in der Armee zugelassen werden? Wie kann ein System, in dem die hochrangigsten Kabinettsposten allein von einer Familie besetzt werden, als fair bezeichnet werden?

Die Regierung spricht von „Einheit“ und wirft der Opposition vor, Sektierertum zu unterstützen. Also bitte! Ein Freund aus den USA befand sich mitten im Treiben am Donnerstagmorgen, als die Polizei angriff. Sie schnappte ihn sich; aber als sie erkannte, dass er US-Amerikaner war, reagierte sie freundlich und sagte, dass sie hinter Schiiten her wären. Mein Freund sagte, dass ihm diese Erfahrung einen kalten Schauer bescherte –  ihm war so, als ob sie Ratten jagten. Und etliche Leute, die auch dort waren, sagten mir, dass die Polizei anti-schiitische Schimpfworte und Flüche gebrauchte, als sie Häftlinge misshandelten.

Diskriminierung in Bahrain wäre ein gutes Gesprächsthema für die Israel-Apartheid-Woche – vielleicht bald an einer Universität in Ihrer Nähe.

Letztendlich ist die heuchlerische Boycott-Divestment-Sanctions (BDS)-Bewegung mehr an Israel-Bashing interessiert als an sozialer Gerechtigkeit. Sie können also noch lange darauf warten, bis eine Bahrain-Apartheid-Woche ausgerufen wird.

Ein Grund mehr übrigens, israelische Demokratie zu exportieren.