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Was würden wir nur ohne Mahmoud Abbas machen?

1. November 2011

HonestReporting Media BackSpin, 1. November 2011

Asharq al-Awsat and Haaretz bestätigen übereinstimmend, dass Abbas plane, die Palästinensische Autonomiebehörde aufzulösen und damit Israel zu zwingen, die Westbank wieder zu besetzen, wenn es keinen Durchbruch bei den Friedensgesprächen gibt. Asharq schreibt:

Nach Aussage des Offiziellen wurde der Plan im Auftrag von Präsident Abbas ausgearbeitet, und er verlangt die Übertragung der Aufgaben für Gesundheit, Erziehung und Tourismus nach Israel und der Prozess würde so enden, dass Israel auch die Verantwortung für die Sicherheit in den palästinensischen Gebieten übernehmen würde.

Der Funktionär sagte, dass die Idee zur Auflösung der PA den Mitgliedern des Zentralkomitees der Fatah vorgestellt worden war und deren Unterstützung erhielt. Jedoch legte er Wert auf die Feststellung, dass diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen worden wäre.

Ironisch, nicht wahr? Abbas hat keine Kontrolle über Gaza. In seiner von ihm geführten PA sind seit Jahren Wahlen überfällig. Er meidet Verhandlungen mit Israel und droht immer wieder mit seinem Rücktritt, weil glaubt, damit Stärke zu zeigen.

Kurz gesagt: Abbas und seine palästinensische Autonomiebehörde haben sowieso kein Mandat der Bevölkerung.

Also, über was reden wir, wenn wir von Auflösung sprechen?

Und wie könnten wir ohne Mahmoud Abbas zurechtkommen?

In der Tat.

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Anmerkung (bd): Die Redewendung That’s all folks in der Abbildung heißt so viel wie „Das wär’s dann Leute“.

WikiLeaks: Umgang mit Medien, Hisbollah Style

5. September 2011

HonestReporting Media BackSpin, 5. September 2011

Wir wussten um den groben Umgang der Hisbollah mit westlichen Medien. Selbst Nic Robertson gab zu, während des Libanon-Krieges 2006 Werkzeug der Hisbollah gewesen zu sein.

WikiLeaks zeichnet nun ein noch düsteres Bild im Fall Taher Abbas, eines Journalisten, der das Pech hat, ausgerechnet im Beiruter Stadtteil Dahiya zu leben, wo die Hisbollah ihren Stützpunkt hat.

Einer vertraulichen Depesche zufolge, die im Jahr 2009 von Michele Sison, US-Botschafterin im Libanon, an das State Department gesendet worden war, drangsalierten Hisbollah-Leute wiederholt einen libanesischen Reporter, der wegen seiner Verachtung gegenüber der schiitischen Organisation bekannt war.

Sison berichtete, dass, nachdem Taher Abbas (er berichtet für die in London ansässige Zeitung Asharq Al-Awsat), aus den USA anlässlich der Berichterstattung über die letzte Präsidentschaftswahl zurückgekommen war, Besuch von drei Hisbollah-Funktionären bekommen hatte, die ihn zu seiner Arbeit und seiner Familie verhört hatten. Sie fragten ihn, welche Autos er und seine Frau führen, wo die Kinder zur Schule gingen und ob er über einen Internetanschluss verfüge. Sie befragten ihn sogar über die politischen Anschauungen seiner achtjährigen Tochter.

[…]

Die unheimliche Begegnung mit den Hisbollah-Agenten war mit dem Verhör nicht abgeschlossen: Abbas berichtete, dass man ihn bespitzelte und seine Telefone anzapfte. Abbas Freunde sagten ihm zudem, dass die schiitische Organisation Spione in Wohnhäusern seiner Nachbarschaft installiert hatte, die jede Auffälligkeit weitergaben.

Auch wenn es im Fall Abbas nicht so gewesen sein mag, wie oft praktiziert: Journalisten finden sich oft mit den Einschüchterungsversuchen seitens der Hisbollah ab, um ja nicht ihre [persönlichen (bd)] Kontakte zu verlieren. Ein klassisches Beispiel dafür ist CNN im Irak, wie selbst dessen ehemaliger Direktor Eason Jordan einräumte. Allerdings – so sagt Michael Totten – sei der Verlust des direkten Kontakts mit der Hisbollah „keine große Sache.“

So funktioniert eben der Umgang der Hisbollah mit westlichen Journalisten. Ich möchte sagen, dass ich überrascht bin, wenn nicht noch mehr Journalisten so etwas in ihren Artikeln ansprechen. Aber die meisten Journalisten schreiben keine Berichte, die aus erster Hand stammen. Brachenübliche Regeln ermöglichen es ihnen [deshalb (bd)] in der Regel nicht, über solche Vorfälle zu schreiben.

Auch wenn es schon Jahre her ist, dass die Hisbollah westliche Journalisten entführt oder körperlich misshandelt hat, dürften einige Angst haben, eine iranische Proxy-Miliz zu provozieren, die von der Regierung der Vereinigten Staaten als terroristische Organisation eingestuft wird. Die Hisbollah teilte mir mit, dass ich auf einer offiziell geführten schwarzen Liste stehe (d.h. sie werden mir keinerlei Interviews oder Referenzen mehr geben), weil ich über sie in der Vergangenheit geschrieben habe.

Einige Journalisten wollen die Brücken zu ihren eigenen Kontakten nicht abbrechen, damit die eigene Arbeit nicht erschwert wird. Darüber mache ich mir selbst keine Gedanken. Letztes Jahr habe ich ein Interview mit Mohammad Afif geführt, einem hochrangigen Hisbollah-Funktionär. Aber es war nutzlos und überhaupt nicht wert, veröffentlicht zu werden. Mein Übersetzer sagte mir, dass das, was Afif sagte, Wort für Wort exakt abgestimmt war mit dem, was die Hisbollah jeden Tag über ihre eigenen TV-Kanal Al Manar verbreitet. Der Abbruch von Kontakten zu diesen Leuten spielt [also] keine große Rolle.

Kleiner Trost für Taher Abbas. Er lebt in Dahiya.

Ich lade palästinensische Journalisten ein, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hamas oder Fatah leben, in der [unserer] Kommentarsektion ihr Mitleid zu bekunden.

Achse des Bösen mischt bereits in Ägypten mit

24. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. Februar 2011

Die Teheraner Mullahs vergeuden keine Zeit bei der Ausdehnung ihres Einflusses in Ägypten. Iran und Syrien mischen bereits in Ägypten mit.

Asharq al-Awsat zum neuen Handlungsschema der Achse des Bösen:

Die syrische Analysten, die den Bericht erstellten, gehen davon aus, dass trotz ihrer Annahme, die Islamisten steckten nicht hinter den Vorgängen in Tunesien und Ägypten, jene dennoch bald in beiden Ländern das Sagen haben werden und diese politisch an Syrien und den Iran heranführen. Daher wollen beide, Syrien und Iran, die Umsetzung dessen beschleunigen, was bisher zwischen den beiden Ländern im Hinblick auf die „Post-Mubarak-Ära“ vereinbart worden war. Am wichtigsten jedoch ist, dass der Bericht die Notwendigkeit betont, ständige Beziehungen zur Muslimbruderschaft aufzubauen, um so eine gemeinsame Strategie mit dem Ziel der Kontrolle über [nächste] ägyptische Regierung zu gewährleisten.

Iran war Hauptverfechter dieser Idee, wie vom iranischen Präsidenten Ahmadinejad am 25. Februar 2010 bei seinem Besuch in Damaskus formuliert. Er betonte die Notwendigkeit einer iranisch-syrischen Intervention in Ägypten zu einem Zeitpunkt, als sich das Land anschickte, einen Nachfolger Präsident Mubaraks zu bestimmen. Das war eine dieser seltenen Gelegenheiten, Einfluss auf Ägypten zu nehmen und das Land ins radikale Lager zu ziehen. Ahmadinedschad betonte, dass Iran und Syrien keine Zeit verlieren dürften, aus Angst davor, dass Gamal Mubarak wegen fehlender innerägyptischer Gegenkräfte, die seine Wahl verhindern würden, gewählt werden könnte.

Die iranische Ideologie wurde importiert, um die Muslimbruderschaft als ständigen Unruheherd in Ägypten und als Instrument für innere Unruhen in Ägypten zu aktivieren, sowohl in der Zeit vor als auch nach den Präsidentschaftswahlen.

Eine ägyptische Demokratie fürchte ich nicht. Ich fürchte aber, das der Iran und Syrien sie untergraben werden.