Posted tagged ‘Ariel Sharon’

CNN gibt Sharon Schuld an Massaker

18. Januar 2014

HonestReporting Media BackSpin, 15. Januar 2014

Im Clip unten vom 12. Januar 2014 interviewed die CNN-Moderatorin den Reporter Mohammed Jamjoom, der aus dem CNN-Studio Beirut über die arabischen Reaktionen auf Ariel Sharons Tod berichtet. Während Jamjoom erwähnt, dass Sharon „indirekt verantwortlich sei“ für die Massaker von Sabra und Shatila im Jahr1982, geht er nicht einmal darauf ein, dass die eigentlichen Täter libanesische christliche Falangisten waren.

Ein Filmausschnitt zeigt Jamjooms Besuch in den Flüchtlingslagern, wo – welch’ Überraschung – Hinterbliebene von 1982 die Schuld allein dem „Kriegsverbrecher“ Sharon zuschreiben.

Bildunterschriften am unteren Rand des Bildschirms tun nichts, um die Vorstellung zu entkräften, dass Sharon das Massaker selbst angeordnet haben könnte:

„Araber geben Sharon die Schuld an Massaker in libanesischen Flüchtlingslagern.

„Hunderte getötet in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila im Jahr 1982“

und am schlimmsten :

„Ein israelischer Untersuchungsausschuss  gab Sharon die Verantwortung für die Massaker von 1982

Diese letzte Bildunterschrift täuscht ganz bewusst.

Von den Arabern, deren Aussagen als Bildunterschriften genutzt wurden sowie der Berichterstattung Jamjooms erhält der schlecht informierte TV-Zuschauer die falsche Botschaft laut und deutlich – Ariel Sharon hat persönlich ein Massaker begangen.

Neue holländische Ritualmord-Legende

21. November 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. November 2010

Dazu Haaretz:

Der Vorwurf wurde zuerst in der Volkskrant veröffentlicht, der drittgrößten niederländischen Tageszeitung, als der populäre jüdisch-niederländische Filmregisseur George Sluizer (78), dort ein Interview gab. Sluizer behauptet, dass er beobachtet habe, wie Ariel Sharon im Jahr 1982 beim Flüchtlingslager Sabra-Shatilla eigenhändig zwei palästinensische Kleinkinder mit einer Pistole erschossen habe, während er [Sluizer, (bd)] dort eine Dokumentation gedreht hatte.

Wie bei Donald Bostroms schwedischer Ritualmord-Legende existiert auch hier keinerlei Beweismaterial. Kameramann Fred van Kuyk, den Sluizer als zusätzlichen Augenzeugen benennt, ist längst verstorben. Und Sharon liegt im Koma.

Also können wir uns nur auf Sluizers Aussage verlassen.

Ein israelischer Verteidigungsminister, der eigenhändig palästinensische Kleinkinder tötet, wäre wahrlich ein Aufreißer zurück ins Jahr 1982. Warum bringt Sluizer seine Behauptungen gerade jetzt?

Israel-Dämonisierer und willfährige Karikaturisten

21. Oktober 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Oktober 2010

Dem Cartoonisten Ahmet Öztürklevent, der sich zum Ziel gesetzt hatte, „Aufmerksamkeit auf das Palästinenserproblem und Nahost“ zu lenken, wurde bei einem türkischen Karikaturistenwettbewerb ein Preis zugesprochen.

Hier das Machwerk, das Öztürklevent die Ehrung einbrachte:

Karikaturenzeichner, die Israel dämonisieren, gibt es unglücklicherweise wie Sand am Meer; aber es sagt auch sehr viel aus über die Menschen, die solche Giftstifte mit Preisen auszeichnen.

Pat Oliphant war Ehrengast bei der Verleihung der jährlichen Auszeichnung für diese widerliche Karikatur nach dem Gazakrieg; und die britische Political Cartoon Society bedachte Dave Browns Beschreibung von Ariel Sharon als Babyfresser mit der Auszeichnung „Karikaturist des Jahres“.

Karikaturen haben eine sehr, sehr starke Wirkung, aber diese passen nur zum Stürmer.

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Crossposted mit Castollux.

Stephen Walt über schmeichelnde Journalisten

12. Juli 2010

HonestReporting Media BackSpin, 12. Juli 2010

Gerade als ich dachte, der Staub habe sich über die Affäre um Octavia Nasr gelegt, schaltet sich Professor Stephen Walt mit einer Wortmeldung in NPR ein:

Zudem haben viele amerikanische Journalisten und Politiker etlichen Figuren der Weltgeschichte, die weit mehr Blut als Ayatollah Fadlallah an ihren Händen hatten, darunter Mao Tse Tung, Ariel Sharon, der Shah des Iran oder sogar Kim Il-Sung, „Respekt“ bezeugt (nicht selten auch schmeichelnde Bewunderung) – aber es kostete sie nicht ihre Jobs. Und vergessen wir nicht die vielen amerikanischen Journalisten, die unsere eigenen Staatsmänner mit jeder Menge Ehrerbietung und „Respekt“ behandeln, selbst nachdem die letzten unnötige Kriege geführt hatten, in denen Zehntausende starben, und in denen sie Folter an Gefangenen anordneten.

Mal sehen:

• Etwa 50-70 Millionen Chinesen mussten bei Maos Großem Sprung nach vorn, während der Kulturrevolution und anderen politischen Säuberungen zwischen 1949 und 1976 sterben.

• Kim Il-Sungs Personenkult in Nordkorea hält noch heute unvermindert an – 16 Jahre nach dem Tod des Großen Führers. Wir werden wohl nie erfahren, wie viele Menschen von Kims Häschern in den Jahren 1948-1987 ermordet wurden. Schätzungen bewegen sich zwischen 710.000 und 3,5 Millionen.

• Was das Shah betrifft: Sein Sicherheits- und Geheimdienst SAVAK hatte Blut auf den Händen – nicht mehr als die iranischen Sicherheitskräfte heute, die letztes Jahr  die Demokratiebewegung brutal niederschlugen.

Anders als China, Nordkorea und der Iran ist Israels demokratische Gesellschaft aber zu transparent, um Repressionen wie die von Walt gegenüber Israel abfällig unterstellten zuzulassen.

Welche westlichen Journalisten zollten Ariel Sharon gegenüber irgendeine Form der Bewunderung? Vielleicht Dave Brown?

Grüner Prinz entlarvt großen Medien-Mythos

7. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 7. März 2010

Ich [Pesach Benson, bd] freue mich schon auf die Lektüre von Mosab HassanYousefs Buch Son of Hamas. Bis ich eine Druckausgabe in Händen halte begnüge ich mich mit Interviews und Rezensionen. Das Wall St. Journal (WSJ) weist auf einen entscheidenden Mythos hin, der vom „Grünen Prinzen“ entlarvt wird.

Gerücht: Die zweite Intifada war ein Volksaufstand, der durch Ariel Sharons Besuch auf dem Tempelberg im September 2000 ausgelöst worden ist.

Fakt: Dieser Auszug aus dem WSJ spricht für sich:

Einige Monate vor Camp David hatte der ehemalige PLO-Chef Yasser Arafat das israelische Angebot eines Staates mit 90% Fläche der West Bank und Ostjerusalem als Hauptstadt angelehnt. Yousef Aussage zufolge entschied sich Arafat für einen weiteren Aufstand, um die internationale Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Also suchte er über Sheikh Yousef Unterstützung bei der Hamas, schreibt sein Sohn, der ihn zu Arafats Amtssitz begleitete. Diese Treffen fanden statt, bevor die palästinensischen Behörden einen Vorwand für die zweite Intifada erfanden, die dann begann, als der spätere Premierminister Ariel Sharon den Tempelberg in Jerusalem besuchte, Stätte der Al-Aqsa Moschee und des Felsendoms. Yousefs Bericht ist hilfreich bei der Richtigstellung der Historie und dafür, dass der Aufstand von Arafat geplant war.

Yousef sagt mir, dass er angesichts der sinnlosen Gewalt entsetzt gewesen sei, die von den Politikern in Kauf genommen wurde, um sie „auf den Schultern einfacher, frommer Menschen“ zu entfesseln. Er bemerkte, dass die Palästinenser, die dem Aufruf folgten, „sich benahmen wie Kühe auf dem Weg ins Schlachthaus, und sie dachten, sie kämen geradewegs in den Himmel.“

So bestätigt Yousef also, was Imad Falouji, Kommunikationsminister der PA, im März 2001 erklärte. Es wurde [natürlich] nicht großartig darüber berichtet, aber vor palästinensischen Flüchtlingen im Libanon sagte er:

„Wer immer auch denkt, dass dies [der Krieg] wegen Sharons schändlichem Besuch bei Al Aksa begann, befindet sich im Irrtum. Er war seit Arafats Rückkehr aus Camp David geplant, [wo er] sich gegen Clinton behauptet und die US-Bedingungen zurückgewiesen hatte.“

Aber verlassen Sie sich besser nicht darauf….

Zusammenstöße auf dem Tempelberg: Zwei Medien-Mythen

26. Oktober 2009

HonestReporting Media Backspin, 26. Oktober 2009

Mythos: Der Rundgang Ariel Sharons verursachte die letzte Intifada, wie es die heutige Londoner Times nahe legt.

Fakt: Die Tour war ein Vorwand für einen gewalttätigen Aufstand, der im Vorhinein geplant wurde. Der Kommunikationsminister der PA, Imad Al-FAjuji, bestätigte das. MEMRI übersetzte Falujis Äußerungen, die er während eines Besuchs des Flüchtlingslagers Ain Al-Hilweh im Libanon tätigte:

Wer auch immer glaubt, dass die Intifada ausbrach, weil der verachtete Sharon die Al-Aqsa-Moschee besuchte, liegt falsch, selbst wenn dieser Besuch der Tropfen war, der für das palästinensische Volk das Fass zum Überlaufen brachte. Diese Intifada war im Vorhinein geplant worden, seit Präsident Arafats Rückkehr von den Verhandlungen in Camp David, wo er Präsident Clinton zeigte, wo es lang geht.

Mythos: Es ist überhaupt nicht klar, dass der Tempel am Ort des Tempelbergs stand. Wie der Daily Telegraph schreibt, handelt es sich um den Ort, wo „in der Antike zwei jüdische Tempel gebaut worden sein sollen“.

Fakt: Der Tempelberg ist der Ort, wo Salomon und Herodes jeweils den ersten und zweiten* Tempel bauten. Josephus gibt wieder, dass die Römer die Westmauer (eine Umfassungsmauer am Fuß des Tempelbergs) intakt ließen, damit zukünftige Generationen in der Lage sein würden zu sehen, wie beeindruckend geschützt der zweite Tempel war.

Die jüdischen Verbindungen zum Tempelberg auszulöschen ist politisch motivierter Geschichtsrevisionismus. Ein wütender Daniel Levin stellte vor kurzem heraus:

Der Oberste Gerichtshof Israels hat erklärt, dass die Waqf-Verwaltung die Archäologie-Gesetze in 35 Fällen verletzte, indem mehr als zwanzigtausend Tonnen archäologisch reichhaltigen Bodens entfernt und im angrenzenden Kidron-Tal ausgekippt wurden. Wegen der sensiblen internationalen Rechtsansichten zum Tempelberg können weder die UNESCO-Beamten noch israelische Archäologen eine archäologische Überwachung durchsetzen. Die Waqf reguliert sorgfältig den Zugang von Nichtmuslimen wie Manchu-Priester, die die Verbotene Stadt bewachen. Christen und Juden dürfen nur täglich vier Stunden hinauf und nicht muslimisches Gebet ist auf der heiligen Stätte verboten…

Traurigerweise besteht die Antwort der Medien auf diese Pandemie physischen Revisionismus auf dem Tempelberg in Schweigen. Das Komitee für das UNO-Welterbe hat die Waqf nicht unter Druck gesetzt die Überwachung des Baus von unterirdischen Moscheen unter dem Tempelberg zu verbieten.

Es ist keine Frage des Glaubens, dass zwei Tempel auf dem Tempelberg standen.

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* Anmerkung d.Ü.: Der zweite Tempel wurde nach dem Babylonischen Exil errichtet. Herodes der Große renovierte ihn und baute dabei die Umfassungsmauer für das Plateau, deren Reste wir heute als „Klagemauer“ besuchen können.

5 Wahl-Denkspiele, die man vermeiden sollte

10. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 9. Februar 2009

1. Wenn Benyamin Netanyahu gewinnt: Bei einer Wahl Bibis haben sich die Israelis vom Frieden abgewandt.

Dies zeigt eine pauschale Verallgemeinerung der israelischen Öffentlichkeit, die sich einem auf der Zweistaatenlösung basierenden dauerhaften Frieden verpflichtet weiß. Seit Oslo haben die Regierungen der Arbeitspartei, des Likud und der Kadima dies akzeptiert und unterscheiden sich lediglich im Weg zum Ziel, nicht aber im Ergebnis.

Interessant übrigens, dass 2001 die Mainstream-Medien Ariel Sharon in einer ähnlichen Weise dämonisierten, 2006 aber dann einen totalen Schwenk vollzogen.

2. Wenn Tzipi Livni gewinnt: Livni und Barack Obama stellen die größte Hoffnung für einen Frieden in Nahost dar.

Ob diese Aussage zutrifft bleibt abzuwarten. Ich sorge mich mehr darum, dass dies auf gefährliche Weise Erwartungen auf Seiten der Palästinenser weckt, was Israels Handeln betrifft. Israels Beziehung zu den USA ist von großer Bedeutung, aber Livnis Vermächtnis als Friedensstifterin wird letztendlich von der Beziehung abhängen, die sie mit einem vertrauenswürdigen palästinensischen Regierungschef schmiedet, falls denn einer auftaucht.

3. Wenn das Wahlergebnis Israel Beiteinu neuen politischen Einfluss bescheren sollte: Avigdor Lieberman wird Königsmacher, weil die Israelis Rassisten sind.

Israel Beiteinus Popularitätsschub und die Komplikationen der israelischen Koalitionspolitik machen Lieberman in der Tat möglicherweise zum Königsmacher und sorgen berechtigterweise für eine Nachrichtenstory. Der Trugschluss in der Annahme besteht aber darin, dass eine Partei, die bei 15% erwartet wird, plötzlich für Israel stehe – trotz der 85% Wähler, die sich für alle möglichen anderen Parteien entscheiden.

4. Wenn die Wahlbeteiligung niedrig sein sollte: Der Sieger besitzt keine legale Regierungsvollmacht.

In Israels Vielparteiensystem kann niemand eine herausragende Mehrheit erreichen. Und weil die Israelis auch das Recht haben nicht zu wählen, können Zeitungen die Zahlen auf drastische Weise schlechtrechnen, wie der Guardian 2001:

Von 4,5 Mio. israelischen Wahlberechtigten unterstützten nur 1,6 Mio. Herrn Sharon. Sollen alle Israelis wegen der Dummheit einer Minderheit verurteilt werden?

5. Diese Wahl ist die wichtigste in der Geschichte Israels.

Zum Gähnen. Gleiches gab die Presse schon in den Jahren 2006, 2003, 1996, 1992….von sich.

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