Posted tagged ‘Apartheid’

Amira Hass: Wenn nur Journalisten, die uns passen, willkommen sind

5. Oktober 2014

Pesach Benson, HonestReporting, 1. Oktober 2014 (Übs.: Yvaine de Winter)

JournalistsActivists

Was ist an diesem Bild verkehrt?

Die israelische Journalistin Amira Hass berichtete über eine Konferenz an der Bir-Zeit-Universität. Sie war ehrlich mit den palästinensischen studentischen Organisatoren, die bei der Veranstaltung aushalfen, und gab an, dass sie für Haaretz arbeitet.

Hass sagt, sie habe 20 Jahre lang über Veranstaltungen berichtet und Palästinenser am Ramallah-Campus interviewt und sei mit vielen von ihnen befreundet. Es gab keinen Grund zu glauben, die Konferenz am Dienstag mit dem Titel „Alternativen zur neoliberalen Entwicklung im besetzten palästinensischen Territorium – kritische Perspektiven“ sei anders als andere akademische Plaudereien, über die sie berichtet hatte.

In den vergangenen zwanzig Jahren war ich Dutzende Male in der Birzeit-Universität und saß dort bei verschiedenen akademischen Konferenzen im Publikum. Ebenso interviewte ich Universitätslehrkräfte auf dem Campus und auch außerhalb.

Aber dieser Dienstag war anders.

Zwei der Dozenten forderten Hass auf zu gehen.

Israelische Juden sind auf dem Campus nicht gestattet. Studenten könnten in die Konferenzhalle einbrechen, um gegen ihre Präsenz zu protestieren. Palästinensische Studenten brauchen eine sichere, israelfreie Zufluchtsstätte. Hass sollte angeblich gehen, um ihre eigene Sicherheit zu wahren. Es gab Gerüchte, die langjährige Haaretz-Kolumnistin sei angegriffen worden.

Hass’ Freunde sympathisierten mit ihr – einige verließen aus Protest sogar die Konferenz -, aber die lebhafte Lobby im Said Khoury Development Studies Building war nicht die geeignete Plattform, um über die Politik der Universität zu diskutieren.

Also ging sie.

Amira-HassAmira Hass

Ich weiß, wie es ist, als Reporter in einem Raum voller Leute zu sein, die dich nicht unbedingt bei sich haben wollen. Man fühlt, wie die Augen auf einem ruhen. Mental priorisiert man die Informationen, die man haben will, falls man zu einem vorzeitigen Abschied veranlasst wird. Man formuliert witzige Einzeiler im Geiste, um aufdringliche Leute zum Schweigen zu bringen.

Auch wenn man innerlich nervös ist, macht man seinen Job, denn das wird von professionellen Journalisten erwartet.

Und wenn man gehen muss, geht man. Die Geschichte schreibt man trotzdem.

Hass’ Reaktion war jedoch, ihre ungerechtfertigte Behandlung zu rechtfertigen:

Ich verstehe das emotionale Bedürfnis der Palästinenser nach einem sicheren Raum, der den Bürgern jenes Landes nicht zugänglich ist, das ihnen ihre Rechte vorenthält und ihr Land raubte. Als Linke jedoch hinterfrage ich die antikolonialistische Logik des Boykotts von linken israelisch-jüdischen Aktivisten. Solche Linke streben nach keinem Koscher-Zertifikat, während sie sich der Besatzung entgegenstellen und dem jüdischen Privilegien-Regime ein Ende setzen wollen.

Das Problem dabei ist, dass es hier nicht wirklich um „sicheren Raum“ geht, was durch die viele Zeit bewiesen wird, die Hass vorher an der Bir-Zeit-Universität verbracht hatte.

Hier geht es um die machtvolle palästinensische Bewegung gegen die Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Diese Antinormalisierungsbewegung stellt sich Unternehmern entgegen, die mit Israelis arbeiten, gegen Friedensdelegationen an der gesellschaftlichen Basis, selbst gegen nichtpolitische Wohlfühlveranstaltungen wie eine Fußballklinik mit Lionel Messi und dem FC Barcelona.

Und zu verschiedenen Gelegenheiten hat die Antinormalisierungsbewegung auch Hass’ professionelle Kollegen bedroht, israelische Journalisten, die in der Westbank arbeiten. Hier einige Beispiele:

1. Unterbrechung einer Pressekonferenz in Ramallah wegen der Anwesenheit israelischer Journalisten.
2. Bedrohung des Lebens des erfahrenen arabisch-israelischen Journalisten Mohammed Najib, der Menschen auf Ramallahs Straßen für i24 News interviewte.
3. Der Beinahemord an Times-of-Israel-Reporter Avi Issacharoff.
4. Der Boykott von Aktivitäten am Internationalen Tag der Pressefreiheit, da diese vom US-Konsulat gesponsert wurden.

Hass besuchte Bir Zeit als Reporterin, suchte nach einer Story und blieb am Puls der Palästinenser. Das tun Journalisten im öffentlichen Interesse. Doch als Hass ihren Rauswurf aus Bir Zeit schönredet, schreibt sie als Aktivistin, nicht als Journalistin. (Hinsichtlich Haaretz und deren offen dargelegter politisierter Agenda überrascht das nicht wirklich.)

Ihre Antwort ist auch nicht so extrem wie die von Robert Fisk (Nachdem der britische Journalist 2001 von afghanischen Flüchtlingen verprügelt wurde, schrieb er: „Wäre ich ein afghanischer Flüchtling in Kila Abdullah, hätte ich genauso gehandelt. Ich hätte Robert Fisk angegriffen. Oder irgendeinen anderen Westler, den ich hätte finden können.“), aber sie begibt sich auf Glatteis gegenüber israelischen Reportern, die von Antinormalisierungs-Hitzköpfen angegriffen wurden und solche Übergriffe auch in Zukunft zu befürchten haben.

Bir Zeits Stellungnahme zu dem Vorfall skizziert die Politik des Campus als israelfreie Zone.

Die Universitätsgemeinschaft ist stolz darauf, dass sie den akademischen Boykott Israels wahrt. Dieser Boykott bezieht sich jedoch auf Institutionen, nicht auf Individuen, insbesondere im Falle von Personen, die bewiesen haben, dass sie wie Journalistin Hass auf der Seite der Menschlichkeit und Gerechtigkeit stehen.

Doch Hass war dort in ihrer Eigenschaft als Reporterin für Haaretz, einer israelischen Institution.

Was Bir Zeit in Wirklichkeit sagt, ist, dass nur Journalisten willkommen sind, die ihnen passen.

Als Journalistin sollte diese Politik für Hass unhaltbar sein, selbst wenn (oder sogar besonders weil) sie auf der Empfängerseite steht. Doch als Aktivistin gibt Hass letztlich ihr Einverständnis.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Keoni Cabral, Hass via YouTube/FrancePalestine

Fußball-Hooligans in Ägypten und Israel: Untauglicher Vergleich

20. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 20. Februar 2013

Nach seiner Lektüre der entsetzlichen Ausschreitungen, die ägyptische Fußball-Hooligans ausgelöst hatten, zieht Washington Post-Kolumnist David Ignatius [zuerst] einen überzeugenden Vergleich zwischen ägyptischen Fußball-Hooligans und den „Droogs“ [Anm. (bd): „Kumpels“ oder Nadsats im Jugend-Slang]. Hier handelt es sich um die jungen Schläger, die Anthony Burgess in seinem Roman Uhrwerk Orange beschrieben hatte (Unsere Leser kennen Stanley Kubricks Film wahrscheinlich).

Leider bemüht Ignatius auch einen Vergleich zu Israel generell, der ganz und gar nicht zutrifft.

Die Revolte entfremdeter jugendlicher Fußballfans beschränkt sich nicht nur auf Nordafrika. In Israel wird eine Fußballmannschaft namens Beitar Jerusalem von rassistischen jungen Fans unterstützt, die „Tod den Arabern“ skandieren und kürzlich ein Transparent enthüllten, auf dem „Ein reines Beitar für immer“ zu sehen war. Sie wollten damit ihren Widerstand gegen die Verpflichtung muslimischer Spieler äußern. „Wenn wir über Beitar sprechen, handelt es sich in Wirklichkeit um die Spiegelung der israelischen Gesellschaft“, äußerte Nidal Othman, Vorsitzender der „Coalition Against Racism in Israel“, gegenüber der New York Times.

Fußball-Hooliganismus ist endemisch, sowohl in Großbritannien als auch in vielen anderen europäischen Ländern. Rassistische Sprechchöre kann man überall auf den Fußballfeldern des Kontinents hören.

Ignatius zitiert Beitar Jerusalem, weil es sich hier um eine relativ neue Geschichte handelt. Und die rassistischen “Fußballfans“ von Beitar Jerusalem sind schlicht und einfach zu verachten, weil sie widerlich sind und unsere Zurückweisung verdienen.

Aber Nachrichtenaktualität allein taugt nicht für einen Vergleich oder eine Spekulation.

Die in den News erwähnten Beitar-Fans repräsentieren in keiner Weise sämtliche Fans der Mannschaft und sicherlich auch nicht einen Großteil der israelischen Gesellschaft. Und obwohl letzte Woche beim Spiel Beitar Jerusalem gegen Bnei Sakhnin im Teddy-Kollek-Stadion* große Polizeipräsenz erforderlich war, musste sich niemand Sorgen machen über landesweite Unruhen oder israelische “Fußballfans“, die eine Regierung stürzen wollten.

——–
*Teddy Kollek war von 1965 bis 1993 Bürgermeister Jerusalems.

*****
Zwei Nachträge (bd):

1) Wie diebisch sich ARD-Nachrichtenmoderator Tom Buhrow über die Vorfälle in Jerusalem freute, kann man an seinem selbstgefälligen Lächeln bei der Anmoderation zu diesem Videobeitrag in den Tagesthemen ablesen. Schäbiger kann man verkappten Judenhass kaum noch inszenieren.

2) Und noch eine Anmerkung zum einem journalistischen Eigentor der Mainstream-Medien, was den Apartheid-Vorwurf gegen Israel im Fußballsport betrifft. Lesen Sie dazu bitte diesen Beitrag.

Was ist ein „Pin-Up-Zionist“?

4. Januar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 4. Januar 2013

Der Begriff  „Zionist“ wird von Israels Gegnern zunehmend in einer verunglimpfenden Weise verwendet. Die Assoziation von Israels Gründungsidee mit negativen Begriffen wie „Rassismus“, „Kolonialismus“ und „Apartheid“ ist Teil des Bestrebens, Israel die Legitimität schlechthin abzusprechen. Letztendlich aber äußert sich die grundlegende Definition des Zionismus in einer nationalen Bewegung zur Rückkehr des jüdischen Volkes in seine Heimat und der Wiedererlangung jüdischer Souveränität im Land Israel; und wenn man das als illegitim bezeichnen würde, dann wird der Begriff Israel auch illegitim.

In gleichem Maße brandmarken jene, die mit nur wenig Wissen um die historische und weltanschauliche Komplexität des Zionismus ausgestattet sind, Israel nur zu gerne als rechtsextremistisch, und sie ignorieren dabei die Tatsache, dass es im Zionismus linke, liberale und rechtskonservative Stränge gibt.

Warum also macht dann The Independent mit einer Schlagzeile wie dieser auf?

Bildtext übersetzt:

Naftali Bennett: Das Zionisten-Pin-Up bahnt sich seinen Weg vor den Wahlen in Israel
Angesichts der am Horizont aufziehenden meist umkämpften Parlamentswahlen seit Jahren wurde die Rhetorik immer schärfer. Und eine größere Spur als alle seine Rivalen zieht das zum Software-Manager mutierte Zionisten-Pin-Up

Gut, Naftali Bennett von der Partei Habayit Hayehudi (Jüdisches Zuhause) ist ein Zionist. Andererseits aber definieren sich viele Parteien, die an den (kommenden) Wahlen teilnehmen, über den Zionismus, darunter Meretz, die Arbeitspartei, Kadima, Yesh Atid und Hatnua im linken und Mitte-Links-Spektrum sowie Likud Beiteinu, Schas und Otzma im (rechts-) konservativen Lager.

Warum also ist Naftali Bennett mehr Zionist als Bibi Netanyahu, Yair Lapid oder Tzipi Livni? Wenn jemand bei dieser Wahl als „Pin-Up“ bezeichnet werden könnte, dann der gut aussehende ehemalige TV-Nachrichtensprecher Lapid. Aber Sie können eine Wette darauf abschließen, dass der Independent ihn nicht als „zionistisches Pin-Up“ deklarieren würde.

Vielleicht, weil der Independent den Terminus Zionismus gerne so eng wie möglich gefasst haben will: pro Siedlungen und erklärtermaßen rechtsextrem, einer Ideologie entsprechend, zu der sich seine typische Leserschaft in negativer Beziehung sieht.

***
Hinweis: HonestReporting ist unparteiisch und gibt keine Wahlempfehlungen für irgendeine im Wahlkampf befindliche Partei ab.

Autor zieht bei Meinungsmache des Guardian zurück

29. Oktober 2012

HonestReporting Media BackSpin, 29. Oktober 2012

Das sagt eine Menge über den Guardian aus:

Ein Gastkommentar von Benjamin Pogrund, einem aus Südafrika nach Israel eingewanderten prominenten Aktivisten gegen Apartheid, nimmt sich Haaretz wegen deren umstrittener Umfrage zu Apartheid zur Brust.

Israel ist nach rechts abgedriftet, aber kein Apartheidstaat.

Pogrund argumentiert, dass die Medien mit der Geschichte zu Israel überzogen hätten. Aber eine ironische Fußnote der Redaktion am Ende des Artikels bestätigt den Anteil des Guardian am Problem: die ursprüngliche Überschrift wurde gegen  Pogrunds Absicht gedreht:

Auf Antrag des Autors wurde die ursprüngliche Überschrift dieses Artikels „Israel ist gegenüber Arabern feindselig eingestellt, aber kein Apartheidstaat“, am 26. Oktober 2012 um 17:46 h geändert.

Im Google-Cache war keine Version der ursprünglichen Überschrift auffindbar, aber sie steht immer noch in Facebook – und Twitter -Postings von Comment Is Free (CiF)*.

Nachdem also Pogrund bei Haaretz für Klarheit sorgte, müsste er dies dummerweise beim Guardian auch tun.

——–
*Anmerkung von Medien BackSpin (bd):

Comment Is Free (CiF) ist ein Kommentar- und Leser-Blog des Guardian, in dem sich Israel-Hasser nach Herzenslust austoben können.

Ein interessanter Beitrag zur fragwürdigen Kommentarmoderation bei Comment is Free auch hier: http://digitaljournal.zib21.com/kommentar-moderation-comment-is-free-guardian/54701/

Israel-„Apartheid“: Ein Eigentor

27. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. März 2011

Beram Kayal (links)

Gestern Abend sah sich HonestReporting-Chefredakteur Simon Plosker Israels Qualifikationsspiel gegen Lettland zur Fußballeuropameisterschaft an. 11.000 Fans im Bloomfield Stadion von Tel Aviv brachen in Jubel aus, als Beram Kayal in der 81. Minute den Siegtreffer zum 2:1 erzielte. Niemand interessierte, dass Kayal arabischstämmiger Israeli ist. Und niemand kümmerte sich darum, weil dies völlig normal ist in einem Land, in dem arabischstämmige Israelis stolz darauf sind, für die israelische Nationalmannschaft und in der höchsten israelischen Liga zu spielen.

Kayal, der bei Celtic Glasgow in der schottischen Premier League unter Vertrag steht, wurde kürzlich im Guardian portraitiert:

„Beram Kayal ist muslimischer Araber, aber ’ich wuchs in Israel auf’“, erklärt er. ’Ich spiele für die Nationalmannschaft. Manche Leute sagen, ich sei Jude. Nein – ich bin Araber. Manchmal können außenstehende Menschen den größeren Zusammenhang nicht erkennen. Sie fragen sich, wie jüdische und arabische Menschen zusammenleben können. Aber es ist in Ordnung so, ich lebte dort [in Israel] und ich habe es genossen, und komme mit den Menschen dort gut aus.

Ich habe jüdische Freunde, und da ich mich nicht zu sehr mit Politik beschäftigen möchte, spielt es für mich beim Sport keine Rolle, ob ich Jude oder Araber bin. Wenn jemand sagt: ’Beram Kayal ist ein israelischer Spieler’, dann reicht das.“

„Jeder in Israel freut sich für mich. Ich bin ein Araber, der unter den Juden in Israel eine Minderheit darstellt. Die Araber und Juden freuen sich, und die meisten meiner Freunde sind Juden. Ich lebe zusammen mit Juden und ich spiele in der israelischen Mannschaft, die aus Juden besteht.“

Beram Kayal ist auch in Zukunft eine Antwort auf diejenigen, die versuchen, Israel mit einem Apartheidstempel zu versehen.

Wie wär’s zur Abwechslung mit einer Bahrain-Apartheid-Woche?

22. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 22. Februar 2011

Eben las ich Nick Kristofs neuen Beitrag Apartheid in Bahrain?

Können Sie sich die Empörung vorstellen, wenn der Staat Israel die israelischen Araber und die Palästinenser in der gleichen Weise behandelte wie es Kristof am Beispiel des Umgangs der bahrainischen Sunnis mit den dort lebenden Schiiten aufzeigt?

Es herrscht Angst vor dem Pöbel, Misstrauen gegenüber einer vollständigen Demokratie und dem Anspruch auf Recht. Apartheid ist nicht ganz die treffende Metapher, weil es keine formelle Trennung gibt (auch wenn die Wohnviertel entweder überwiegend sunnitisch oder schiitisch geprägt sind), und die Leute pflegen gewöhnlich gute Beziehungen zu Angehörigen der jeweils anderen Glaubensrichtung. Aber wie kann ein System fair sein, wenn 70 Prozent seiner Bevölkerung nicht für den Dienst in der Armee zugelassen werden? Wie kann ein System, in dem die hochrangigsten Kabinettsposten allein von einer Familie besetzt werden, als fair bezeichnet werden?

Die Regierung spricht von „Einheit“ und wirft der Opposition vor, Sektierertum zu unterstützen. Also bitte! Ein Freund aus den USA befand sich mitten im Treiben am Donnerstagmorgen, als die Polizei angriff. Sie schnappte ihn sich; aber als sie erkannte, dass er US-Amerikaner war, reagierte sie freundlich und sagte, dass sie hinter Schiiten her wären. Mein Freund sagte, dass ihm diese Erfahrung einen kalten Schauer bescherte –  ihm war so, als ob sie Ratten jagten. Und etliche Leute, die auch dort waren, sagten mir, dass die Polizei anti-schiitische Schimpfworte und Flüche gebrauchte, als sie Häftlinge misshandelten.

Diskriminierung in Bahrain wäre ein gutes Gesprächsthema für die Israel-Apartheid-Woche – vielleicht bald an einer Universität in Ihrer Nähe.

Letztendlich ist die heuchlerische Boycott-Divestment-Sanctions (BDS)-Bewegung mehr an Israel-Bashing interessiert als an sozialer Gerechtigkeit. Sie können also noch lange darauf warten, bis eine Bahrain-Apartheid-Woche ausgerufen wird.

Ein Grund mehr übrigens, israelische Demokratie zu exportieren.

Völlig daneben!

12. November 2009

HonestReporting Media BackSpin, 12. November 2009

Gibt es wirklich eine moralische Gleichwertigkeit zwischen der Berliner Mauer und dem israelischen Sicherheitszaun? Steve Bell vom Guardian denkt offensichtlich so:

Leider steht er damit nicht alleine da. HonestReporting Canada sprach bereits ein ähnliches Beispiel bei CBC an. Und Jordaniens Königin Rania schreibt in der Huffington Post:

Heute feiern wir den Fall der Berliner Mauer; nächstes Jahr feiern wir das Ende der Apartheid in Südafrika. Diese zwei Ereignisse lehrten uns, dass dann, wenn Barrieren beseitigt werden – ob physische Barrieren, gesetzliche Barrieren oder die Mauern, die die Menschen in ihren Herzen errichtet haben – die Basis gelegt wird für Fortschritt, Frieden und Entwicklung für beide Seiten. Die Menschen in meiner Region sehnen sich genauso sehr nach Gerechtigkeit und Versöhnung.

Wie kann man diese Jubiläen besser würdigen als durch das Niederreißen einer weiteren Mauer?

Doch Eldad Beck erklärt, warum die Vergleiche von Bell, CBC und der Königin völlig daneben sind:

Abgesehen von manchen optischen Ähnlichkeiten gibt es keinen Zusammenhang zwischen Berliner Mauer und Sicherheitszaun.

Die Berliner Mauer trennte Mitglieder derselben Nation voneinander, die in der einen oder anderen Weise nach Wiedervereinigung strebten. Auf der anderen Seite markiert der Sicherheitszaun gewissermaßen eine zukünftige Grenze zwischen zwei Nationen, die nicht in einem Staat zusammenleben wollen, sondern lieber ihr geteiltes Land in zwei verschiedene Staaten aufteilen wollen.

Es überrasch doch sehr, dass ausgerechnet diejenigen, die sich lange Zeit für einen eigenen palästinensischen Staat stark gemacht hatten, nun die Entfernung des Sicherheitszaunes fordern. Schließlich brachte dieser Zaun die Palästinenser näher an eine geographische und politische Teilung, die als Basis für ein eigenes politisches Staatswesen dienen würde.

Vorwürfe bezüglich des „Apartheidszaunes“ verdecken die wahren Motive der Palästinenser und ihrer Unterstützer, die an einer Aufteilung des Landes und Koexistenz neben Israel nicht interessiert sind; vielmehr denken sie an eine Übernahme des gesamten Landes.

Seien wir ehrlich, als Schutz vor Terror funktioniert die Grenzanlage, aber legen Sie sich nicht fest. Ramadan Shalah, Führer des Islamic Jihad, hat verstanden.

Beck verweist noch auf eine andere Barriere, die nur die arabische Welt einreißen kann:

Es gibt eine andere Mauer in Nahost, deren Existenz die Protestler am Sicherheitszaun nicht wahrnehmen wollen, geschweige denn dagegen angehen, obwohl es sich hier um die Mauer handelt, die den Konflikt zwischen Juden und Arabern endlos fortschreibt: Die Mauer des Boykotts und Isolation, aufgerichtet von der muslimischen Welt gegen Israel seit seiner Staatsgründung….

Solange diese Wand existiert, werden beide Seiten nicht in der Lage sein, sich besser kennenzulernen, und es wäre unmöglich, Vorurteilen zu begegnen, die den Konflikt anheizen. Die „Mauer in Nahost“ wurde lange vor dem Sicherheitszaun aufgerichtet und sie ist hauptverantwortlich für die Existenz des Sicherheitszauns.

Ich frage mich, ob Bell, CBC und Königin Rania wissen, dass der 9. November kein deutscher Nationalfeiertag ist: die Times of London hat dankenswerterweise erwähnt, dass dies auch der Gedenktag zur Reichspogromnacht ist.

Rick Salutin und die vier Mythen der „Israel Apartheid“-Woche

9. März 2009

HonestReporting Media BackSpin, 9. März 2009

Globe & Mail-Kolumnist Rick Salutin sitzt vier der größten Mythen auf, die von den Organisatoren der Israel-Apartheids-Woche feilgeboten werden.

Mythos: Das „Apartheid“-Label verdankt seine Herkunft dem Sicherheitszaun. Salutin schreibt:

Kabinettsminister Jason Kenney nennt Israel-Apartheids-Woche „ein systematisches Bestreben, das demokratische Heimatland des jüdischen Volkes zu delegitimieren“, indem man es mit Rassismus in Verbindung bringt – wie auch Oppositionsführer Michael Ignatieff schon ausführte. Ein wenig zu nett. Jeder „Siedlerstaat“ wie Kanada, das das Land eines Anderen in Besitz nahm, kann als illegitim betrachtet werden. Aber das ist eine abstrakte Sache. „Apartheid“ wird in diesem Zusammenhang meistens benutzt, weil Israel anfing, das zu errichten, was man als Apartheidmauer bezeichnen kann, die sich drohend vor den Palästinensern auftürmt, noch mehr Land zerstückelt und die Menschen voneinander trennt.

Tatsache: Der Apartheidvorwurf wurde von den fanatischen Teilnehmern der Durban-Konferenz 2001 ins Spiel gebracht, fast ein Jahr, bevor Israel den Entschluss fasste, den Sicherheitszaun zu bauen. Lesen Sie, wie Generalmajor Fumanekile Gqiba, Südafrikas ehemaliger Botschafter in Israel, auf den Apartheidvergleich reagierte.

Mythos: Der Sicherheitszaun splittet die West Bank in „Bantustans“ auf. Wieder Salutin:

Das nahm immer mehr zu, weil Israel seine Sieglungen ausweitete, Straßen baute, die nur von Israelis befahren werden dürfen und mehr und mehr Checkpoints einrichtete, sodass die Palästinenser bestenfalls in einem „Bantustan“ leben können, einem der Art, wie es die südafrikanische Apartheidregierung den Schwarzen anbot, statt ihnen einen eigenen Staat zu geben.

Tatsache: Der Zaun, die Checkpoints und Straßen sind für Israels Sicherheit errichtet worden, nicht um Menschen zu trennen. 2007 bestätigte Ramadan Shalah, Führer des Islamischen Jihad sogar dem Hisbollah-Sender Al Manar, dass der Sicherheitszaun Terrorangriffe effektiv vereiteltet hatte.

Mythos: Jüdische Studenten sollten sich nicht übermäßig Sorgen wegen der Beschimpfungen in den Hochschuldebatten machen. Salutin sagt:

Meistens handelt es sch um primitives Protestgeschrei, so wie ’Stirb Jude’ und verzieh’ dich vom Campus’. Bernie Farber vom Canadian Jewish Congress sagt, dass er „Ähnliches in den Straßen von Toronto oder Universitäten nie gesehen“ habe. Gut, ich verbringe auch viel Zeit in Torontos Straßen, und wie in der Kristallnacht kommt es mir dort nicht vor. Es sind diese Bilder, die meine Freunde erschrecken: Sie rufen Nazideutschland ins Gedächtnis. Ich kenne das.

Aber in Nazideutschland ging es nicht nur um Beschimpfung oder Hass auf bestimmte Bevölkerungsgruppen. Das wird möglicherweise nie aufhören. Zum Holocaust kam es hauptsächlich deshalb, weil der Antisemitismus historisch verwurzelt und salonfähig war: religiös, sozial, intellektuell und politisch. Schriftsteller und Politiker waren stolz auf ihren Antisemitismus. Hier ist Antisemitismus in jeder Beziehung nicht akzeptabel. Darüber sollten wir uns freuen und es nüchtern sehen.

Tatsache: Die jüdischen Studenten der 1930er-Jahre in Deutschland hörten ähnliche Beschwichtigungen von Menschen, die es nicht weniger gut meinten wie Salutin und auch aufgeklärt waren. Mehr dazu in der nüchternen Reaktion von Professor Gil Troy (McGill University/Canada) und im Beitrag des israelisch-beduinischen Diplomaten Ishmael Khaldi

Mythos: Hamas kann das Existenzrecht Israels eingestehen.

Sogar Hamas hat eine (nuancierte) Position zum Zusammenleben mit Israel. Man kann das nachlesen.

Tatsache: Okay. Ich las in der Hamas-Charta nach. Dort steht drin, was Salutin mit „nuancierte“ verwechselt.

Israel existiert und wird weiterhin existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon Andere zuvor ausgelöscht hat. (Der Märtyrer: Imam Hassan Al-Banna seligen Angedenkens).

[Friedens-] Initiativen, die so genannten friedlichen Lösungen und die Internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinenserfrage stehen alle im Gegensatz zum Glauben der Islamischen Widerstandsbewegung.

Es gibt keine Lösung des palästinensischen Problems außer durch den Jihad.

Außerdem verweist die Hamas-Charta bei näherem Hinsehen auf die Identifikation mit der Muslimbruderschaft, einer internationalen Bewegung mit Zweigen in Ägypten, Jordanien – selbst den USA und Großbritannien. Internationale Bewegungen wie die Muslimbruderschaft haben keine Erfolgsbilanz nach der Art von Nuance vorzuweisen, auf die Salutin sein Vertrauen setzt.

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