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Amira Hass: Wenn nur Journalisten, die uns passen, willkommen sind

5. Oktober 2014

Pesach Benson, HonestReporting, 1. Oktober 2014 (Übs.: Yvaine de Winter)

JournalistsActivists

Was ist an diesem Bild verkehrt?

Die israelische Journalistin Amira Hass berichtete über eine Konferenz an der Bir-Zeit-Universität. Sie war ehrlich mit den palästinensischen studentischen Organisatoren, die bei der Veranstaltung aushalfen, und gab an, dass sie für Haaretz arbeitet.

Hass sagt, sie habe 20 Jahre lang über Veranstaltungen berichtet und Palästinenser am Ramallah-Campus interviewt und sei mit vielen von ihnen befreundet. Es gab keinen Grund zu glauben, die Konferenz am Dienstag mit dem Titel „Alternativen zur neoliberalen Entwicklung im besetzten palästinensischen Territorium – kritische Perspektiven“ sei anders als andere akademische Plaudereien, über die sie berichtet hatte.

In den vergangenen zwanzig Jahren war ich Dutzende Male in der Birzeit-Universität und saß dort bei verschiedenen akademischen Konferenzen im Publikum. Ebenso interviewte ich Universitätslehrkräfte auf dem Campus und auch außerhalb.

Aber dieser Dienstag war anders.

Zwei der Dozenten forderten Hass auf zu gehen.

Israelische Juden sind auf dem Campus nicht gestattet. Studenten könnten in die Konferenzhalle einbrechen, um gegen ihre Präsenz zu protestieren. Palästinensische Studenten brauchen eine sichere, israelfreie Zufluchtsstätte. Hass sollte angeblich gehen, um ihre eigene Sicherheit zu wahren. Es gab Gerüchte, die langjährige Haaretz-Kolumnistin sei angegriffen worden.

Hass’ Freunde sympathisierten mit ihr – einige verließen aus Protest sogar die Konferenz -, aber die lebhafte Lobby im Said Khoury Development Studies Building war nicht die geeignete Plattform, um über die Politik der Universität zu diskutieren.

Also ging sie.

Amira-HassAmira Hass

Ich weiß, wie es ist, als Reporter in einem Raum voller Leute zu sein, die dich nicht unbedingt bei sich haben wollen. Man fühlt, wie die Augen auf einem ruhen. Mental priorisiert man die Informationen, die man haben will, falls man zu einem vorzeitigen Abschied veranlasst wird. Man formuliert witzige Einzeiler im Geiste, um aufdringliche Leute zum Schweigen zu bringen.

Auch wenn man innerlich nervös ist, macht man seinen Job, denn das wird von professionellen Journalisten erwartet.

Und wenn man gehen muss, geht man. Die Geschichte schreibt man trotzdem.

Hass’ Reaktion war jedoch, ihre ungerechtfertigte Behandlung zu rechtfertigen:

Ich verstehe das emotionale Bedürfnis der Palästinenser nach einem sicheren Raum, der den Bürgern jenes Landes nicht zugänglich ist, das ihnen ihre Rechte vorenthält und ihr Land raubte. Als Linke jedoch hinterfrage ich die antikolonialistische Logik des Boykotts von linken israelisch-jüdischen Aktivisten. Solche Linke streben nach keinem Koscher-Zertifikat, während sie sich der Besatzung entgegenstellen und dem jüdischen Privilegien-Regime ein Ende setzen wollen.

Das Problem dabei ist, dass es hier nicht wirklich um „sicheren Raum“ geht, was durch die viele Zeit bewiesen wird, die Hass vorher an der Bir-Zeit-Universität verbracht hatte.

Hier geht es um die machtvolle palästinensische Bewegung gegen die Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Diese Antinormalisierungsbewegung stellt sich Unternehmern entgegen, die mit Israelis arbeiten, gegen Friedensdelegationen an der gesellschaftlichen Basis, selbst gegen nichtpolitische Wohlfühlveranstaltungen wie eine Fußballklinik mit Lionel Messi und dem FC Barcelona.

Und zu verschiedenen Gelegenheiten hat die Antinormalisierungsbewegung auch Hass’ professionelle Kollegen bedroht, israelische Journalisten, die in der Westbank arbeiten. Hier einige Beispiele:

1. Unterbrechung einer Pressekonferenz in Ramallah wegen der Anwesenheit israelischer Journalisten.
2. Bedrohung des Lebens des erfahrenen arabisch-israelischen Journalisten Mohammed Najib, der Menschen auf Ramallahs Straßen für i24 News interviewte.
3. Der Beinahemord an Times-of-Israel-Reporter Avi Issacharoff.
4. Der Boykott von Aktivitäten am Internationalen Tag der Pressefreiheit, da diese vom US-Konsulat gesponsert wurden.

Hass besuchte Bir Zeit als Reporterin, suchte nach einer Story und blieb am Puls der Palästinenser. Das tun Journalisten im öffentlichen Interesse. Doch als Hass ihren Rauswurf aus Bir Zeit schönredet, schreibt sie als Aktivistin, nicht als Journalistin. (Hinsichtlich Haaretz und deren offen dargelegter politisierter Agenda überrascht das nicht wirklich.)

Ihre Antwort ist auch nicht so extrem wie die von Robert Fisk (Nachdem der britische Journalist 2001 von afghanischen Flüchtlingen verprügelt wurde, schrieb er: „Wäre ich ein afghanischer Flüchtling in Kila Abdullah, hätte ich genauso gehandelt. Ich hätte Robert Fisk angegriffen. Oder irgendeinen anderen Westler, den ich hätte finden können.“), aber sie begibt sich auf Glatteis gegenüber israelischen Reportern, die von Antinormalisierungs-Hitzköpfen angegriffen wurden und solche Übergriffe auch in Zukunft zu befürchten haben.

Bir Zeits Stellungnahme zu dem Vorfall skizziert die Politik des Campus als israelfreie Zone.

Die Universitätsgemeinschaft ist stolz darauf, dass sie den akademischen Boykott Israels wahrt. Dieser Boykott bezieht sich jedoch auf Institutionen, nicht auf Individuen, insbesondere im Falle von Personen, die bewiesen haben, dass sie wie Journalistin Hass auf der Seite der Menschlichkeit und Gerechtigkeit stehen.

Doch Hass war dort in ihrer Eigenschaft als Reporterin für Haaretz, einer israelischen Institution.

Was Bir Zeit in Wirklichkeit sagt, ist, dass nur Journalisten willkommen sind, die ihnen passen.

Als Journalistin sollte diese Politik für Hass unhaltbar sein, selbst wenn (oder sogar besonders weil) sie auf der Empfängerseite steht. Doch als Aktivistin gibt Hass letztlich ihr Einverständnis.

Bild: CC BY-SA HonestReporting, flickr/Keoni Cabral, Hass via YouTube/FrancePalestine

Amira Hass aus palästinensischer Konferenz geworfen, weil sie „jüdische Israeli“ ist

2. Oktober 2014

Alex Margolin, HonestReporting, 30.09.2014

Die linksradikale Haaretz-Journalistin Amira Hass, die oft das Narrativ der Palästinenser vertritt, bekam die palästinensische Intoleranz diese Woche am eigenen Leib zu spüren, nachdem sie kurzerhand aus einer Konferenz an der Birzeit University geworfen wurde.

Laut ihrer eigenen Schilderung des Vorfalls kamen während der Konferenz zwei palästinensische Akademiker auf sie zu und forderten sie auf zu gehen, wobei sie „ein Gesetz von Birzeit anführten, welches festlegt, dass sich Israelis (also jüdische Israelis) nicht auf dem Universitätsgelände aufhalten dürfen“.

Vertreter der Universität, schrieb sie, ließen ihre Befürchtung durchblicken, „dass Studenten als Protest über meine Anwesenheit in die Konferenzhalle eindringen könnten“.

Eine Universitätslehrkraft, die ich seit mehr als 40 Jahren kenne, kam vorbei und sagte: „Dies dient Ihrem eigenen Schutz [vor den Studenten].“ Und in diesem Moment hatte ich das Bild vor Augen, das Israelis für gewöhnlich von Palästinensern haben: irrationale Hitzköpfe. Eine palästinensische Bürgerin Israels, die ebenfalls zur Konferenz gekommen war, sagte, sie habe die Konferenz aus Empörung über meinen Ausschluss ebenfalls verlassen.

Hass hatte sich lange für die Palästinenser eingesetzt und ihre Plattform bei Haaretz oft benutzt, um als Apologetin für die Unnachgiebigkeit der Palästinenser zu fungieren. Sie beschrieb Steinwürfe als „ein Geburtsrecht und eine Pflicht“ der Palästinenser in der Westbank und setzte sich für das Recht der Hamas ein, Tunnel zu bauen.

Doch Hass war weniger geneigt, palästinensische Feindseligkeit zu verteidigen, wenn sie gegen sie selbst gerichtet war:

Ich schreibe über diesen Vorfall genau deswegen, weil ich ihn nicht persönlich nehme. Ich nehme die Tatsache nicht persönlich, dass sich einige Lehrkräfte hinter hypothetischen wütenden Studenten und einem Gesetz versteckten, das viele andere anscheinend gar nicht kannten. Meiner Meinung nach wäre es anständiger gewesen, mir direkt zu sagen: Wir unterscheiden nicht zwischen jenen, die die Besatzung unterstützen, und jenen, die gegen die Besatzung sind; zwischen jenen, die über die Politik berichten, um Beduinen zwangsweise auszuquartieren, und jenen, die diese Politik durchsetzen; für uns gibt es für jeden israelischen Juden nur einen Ort – draußen.

Flottilla-Lektionen: Türkische Unterstützung bei Zusammenstoß mit IHH-Konvoi in Ägypten

21. Juli 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Juli 2010

Immer noch nicht überzeugt, dass die Gewalttätigkeit der Türken an Bord der Mavi Marmara medial vorbereitet war?

Nehmen Sie diesen Vergleich des Flottillen-Zwischenfalles und andererseits George Galloways Helfern während der Aktion Lifeline 3 aid, als Mitglieder seiner Viva Palestine-Aktion im Januar 2010 mit ägyptischen Sicherheitskräften wegen der Beschränkungen humanitärer Hilfe auf dem Landwege zusammenstießen.

Ein ägyptischer Soldat wurde getötet, etwa 50 Aktivisten verletzt und Galloway auf unehrenhafte Weise ausgewiesen. Aber die Beteiligung von IHH und die tatkräftige türkische Unterstützung erschien auf keinem Medien-Radar.

Das Intelligence and Terrorism Information Center (Malam) untersuchte die Vorfälle in Ägypten und kam zu dem Resultat, dass die dort ausgeübte Gewalt weit schlimmer war als wir wahrgenommen hatten und lediglich als Warm-Up für die Mavi Marmara-Aktion diente. Einige der Malam-Ergebnisse:

* 250 Türken begleiteten den Konvoi, etwa die Hälfte der Gesamtteilnehmer, und viele von ihnen waren bekannte Aktivisten der IHH, die von Bulent Yildirim angeführt wurde.

* In beiden Fällen war die türkische Logistik tonangebend. Die türkische Regierung spielte eine wichtige Rolle bei Lifeline 3 aid, obwohl der Konvoi unter Federführung von Viva Palestine losgeschickt worden war. Sie war bei der Bereitstellung des Konvois intensiv beteiligt, und die Organisatoren waren Gäste des türkischen Parlaments. Selbst hohe türkische Regierungsstellen intervenierten bei den ägyptischen Behörden wegen der Hilfslieferung.

* Die ägyptischen Einreisebeschränkungen führten zu Konfrontationen zwischen den Sicherheitskräften und den Mitgliedern des Konvois, darunter auch den von Bulent Yildirim angeführten IHH-Aktivisten. Nach Aussage Yildirims wurden dabei 7 ägyptische Soldaten von den Aktivisten festgehalten. Kurze Zeit später wurden drei verwundete Soldaten freigelassen und die restlichen vier als Verhandlungsmasse behalten. Während der Konfrontationen wurden 50 Aktivisten verletzt, fünf von ihnen schwer….

* IHH und Hamas lernten aus den Lektionen des Lifeline 3 aid-Konvois und der scharfen ägyptischen Reaktion. Die Hauptlektion bestand darin, dass man zukünftig Konfrontationen mit Ägypten vermeiden und den Fokus der Aufmerksamkeit praktisch und für die Medien auf Israel verschieben sollte.

Der an der Grenze bei den Zusammenstößen getötete ägyptische Soldat könnte von einem Hamas-Scharfschützen getroffen worden sein. Falls das wirklich der Fall war, handelte die israelische Marine klug, als sie die Mavi Marmara-Flottille in internationalen Gewässern abfing. Haaretz berichtete, dass die Marine aus operationstechnischen Gründen nicht abwarten konnte, bis der Konvoi in israelisches Hoheitsgewässer eindrang:

„Die Marine bekundete ihr Bedauern darüber, dass sie ’nicht in der Lage ist, die Flottille zu stoppen, wenn die Schiffe sich innerhalb der 20-Meilen-Grenze vor der israelischen Küste befinden‘, sagte ein für die Operation Verantwortlicher. ‚Die IDF fürchtete, dass ihre Marine nicht ausreichend Zeit für einen adäquaten Abschluss der Operation hat. Die Armee wollte die Schiffe nach und nach in einem relativ großen Abstand vor der Küste aufbringen.’“

Und wer weiß schon, welche Tricks die Hamas versucht hätte, falls die Schiffe nahe genug an Gazas Küste gekommen wären?

Nebenbei bemerkt: Auch Amira Hass merkt an, dass die Hamas Galloways Gruppe nicht gut behandelt hat.

Lesen Sie bitte Malams vollständigen Bericht.

Gaza: Was Ihnen möglicherweise entgangen ist

10. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. Januar 2010

Die Hamas „entführte“ George Galloways Delegation internationaler Aktivisten. Dazu Haaretz-Reporterin Amira Hass aus Gaza:

Wohl aus „Sicherheitsgründen“ sahen sich die Aktivisten am Donnerstagmorgen einer Absperrkette grimmig dreinblickender, kräftiger Hamas-Sicherheitskräfte gegenüber, die sie am Verlassen des Hotels hinderte (Das Hotel befindet sich in Besitz der Hamas). Die Aktivisten wurden bei ihren Besuchen in Privathäusern und  Organisationen von Sicherheitskräften eskortiert.

Während des Marsches selbst versuchten die am Straßenrand stehenden Gazaner, mit den Besuchern zu sprechen, wurden aber von den Hamas-Leuten barsch daran gehindert. „Sie wollten uns nicht mit den einfachen Menschen reden lassen“, so eine Aktivistin….

In den Meetings ohne Beisein der Sicherheitskräfte kamen etliche Aktivisten zu dem Ergebnis, dass die nicht der Hamas zugehörigen Menschen in Angst leben, außerdem sich nicht trauen zu reden bzw. ihre Identität anzugeben. „Nun verstehe ich, dass der Ruf ‚Freiheit für Gaza‘ eine ganz andere Bedeutung hat“, sagte mir ein junger Mann.

Wenn das die Art ist, wie Unterstützer der Palästinenser behandelt werden, dann stellen Sie sich mal vor, was die Hamas anstellen würde, wenn die Gazaner auf Journalisten zugingen – oder Leute wie Richter Goldstone.

Gaza-Insider alle draußen

1. Dezember 2008

HonestReporting Media BackSpin, 1. Dezember 2008

Während westliche Journalisten sich darum bemühen, in den Gazastreifen zu gelangen, schmiss die Hamas heute Amira Hass (Haaretz) raus. Sie schreibt in einer E-Mail an Kollegen (veröffentlicht vom Reporter Dion Nissenbaum), dass die Hamas nicht länger ihre Sicherheit garantieren könne.

Komisch, denn aus dem gleichen Grund untersagt Israel den MSM, in den Gazastreifen zu reisen.

Hass beharrt darauf, dass sie sich nicht in Gefahr befinde und keine Hamas-Beschützer rund um die Uhr brauche. Vor zwei Wochen war sie mit einem Free Gaza-Schiff in Gaza eingetroffen.

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