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UNO: Khulood Badawi endlich gefeuert

8. Februar 2013

HonestReporting Media BackSpin, 8. Februar 2013

Gut ein Jahr, nachdem HonestReporting den fies verfälschenden Foto-Tweed von Khulood Badawi*, einer Mitarbeiterin der Jerusalemer Niederlassung des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), aufdeckt hatte, hat die UNO ihre übermäßig lange Untersuchung abgeschlossen und Badawi entlassen.

Im vergangenen März, während zunehmender gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen den israelischen Streitkräften und der Hamas, die mehrere Tage andauerten, sorgte Badawi für internationales Aufsehen. Badawi twitterte das Foto eines Vaters, der ein blutendes Mädchen im Arm trug, und das massiv den Eindruck vermittelte, das Mädchen sei Opfer eines israelischen Luftangriffs an diesem Tag gewesen. Das Foto war jedoch im Jahr 2006 aufgenommen worden und hatte keinerlei Bezug zu Israel.

Nachdem die Enthüllungsgeschichte von HonestReporting Gegenstand der Berichterstattung geworden war und unsere Petition zur Entlassung Badawis an Dynamik zugenommen hatte (gut 15.000 Unterschriften bis heute), nahm sich Ron Prosor, Israels Botschafter bei der UNO, des Problems an und forderte die UNO unmissverständlich auf, Badawi von ihrem Posten zu entfernen.

Die UNO reagierte mit der Einleitung einer Ermittlung und schickte Badawi in unbefristeten Urlaub. Diese Woche jedoch berichtete die Jerusalem Post, dass die UNO eine E-Mail verbreitet hätte mit der Ankündigung, dass sie sich nach Abschluss der Ermittlungsergebnisse dafür entschieden habe, den Vertrag mit Badawi nicht zu erneuern.

Die Khulood Badawi-Story beweist, dass Anstrengungen der Basis Erfolg haben können, selbst wenn für ein endgültiges Ergebnis ein Jahr ins Land geht. Sogar die mächtige UNO kann zum Handeln bewegt werden, wenn wir unseren Zusammenhalt in der Forderung nach Gerechtigkeit aufrecht erhalten.

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*Die Chronologie der Entwicklung zum Fall Khulood Badawi kann man hier nachlesen (bitte die einzelnen Permalinks anklicken [bd]):
https://backsp.wordpress.com/?s=Badawi+

Auseinandersetzung um Olympia-Berichterstattung der BBC nimmt an Schärfe zu

25. Juli 2012

HonestReporting Media BackSpin, 25. Juli 2012

Die heimtückische Entscheidung der BBC, bei ihren Informationen zu den Teilnehmerländern der Olympischen Spiele in London Israels Hauptstadt Jerusalem zu ignorieren, hat eine deutliche Reaktion in israelischen Regierungskreisen ausgelöst.

Einige Offizielle schickten mehrere geharnischte Briefe an die BBC, in denen sie den Sender dazu aufforderten, Israels Hauptstadt ebenso aufzulisten wie er es bei nahezu jedem anderen Land auch praktiziert. Außerdem initiierten sie eine Kampagne auf Facebook mit dem Titel Jerusalem ist Israels Hauptstadt, in der die Leser zum Mitmachen aufgerufen werden. Zur Stunde partizipieren mehr als 20.000 User.

Zur Erinnerung: Die BBC hatte zunächst jeglichen Hinweis auf eine israelische Hauptstadt unterschlagen, während sie gleichzeitig „Ost-Jerusalem“ als „Hauptstadt Palästinas“ auflistete. Angesichts öffentlicher Empörung und eines Briefes von Mark Regev, Sprecher des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, änderte die BBC  ihre Angaben – aber nur geringfügig und halbherzig.

Ausführliche Informationen zur olympischen Berichterstattung der BBC kann man im letzten Kommuniqué von HonestReporting nachlesen: Die Berichterstattung der BBC zu Olympia deklariert Ostjerusalem als palästinensische Hauptstadt [In Englisch].

Der leicht veränderte neue BBC-Text ersetzte das Wort „Hauptstadt“ durch „Sitz der Regierung“ in Jerusalem mit der Hinzufügung, dass sich die meisten Auslandsvertretungen „in Tel Aviv befinden“. Gleichzeitig wechselte sie [die BBC, (bd)] zur Auflistung „Palästinas“ und „Ost-Jerusalems“ als „bestimmungsgemäßem Sitz der [palästinensischen (bd)] Regierung.“

Für HonestReporting und all diejenigen, die BBC auffordern, wahrheitsgemäß über Israel zu berichten, konnte die Änderung natürlich nicht ausreichen. Sitz der Regierung bedeutet nicht dasselbe wie Hauptstadt*, und Mark Regev forderte in einen zweiten Brief, dass die BBC endlich mit der Diskriminierung Israels aufhören solle: ’“Im Gegensatz zu allen anderen aufgeführten Ländern“, schrieb er, „ist im Falle Israel unsere Hauptstadt Jerusalem von der BBC nicht als solche klassifiziert, sondern wird als “Sitz der Regierung“ bezeichnet’.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat gab überdies eine Presseerklärung heraus, in der er klar hervorhob, dass „ungeachtet der politischen BBC-Agenda Jerusalem immer die Hauptstadt Israels war und ist und das spirituelle und politische Herzstück des jüdischen Volkes bleiben wird“.

Während ich [Alex Margolin, HonestReporting Jerusalem] diese Zeilen schreibe, geht die BBC weiterhin in diskriminierender Art gegen Israel vor, indem sie dieses Land gänzlich anders behandelt als jedes andere, das an den Spielen teilnimmt.

Schauen Sie nicht zu, wenn die Medien Israels Anspruch auf seine eigene Hauptstadt Jerusalem delegitimieren wollen. Werden Sie aktiv und unterstützen Sie Israels Forderung nach einer Korrektur der BBC-Falschmeldungen. Und richten Sie bitte Ihre Beschwerden direkt an BBC Sport.

Vergessen Sie nicht, sich vielen Tausend anderer Freunde der Facebook-Kampagne anzuschließen, um öffentlich gegen die BCC zu demonstrieren. Und studieren Sie die Quellenangaben zu Jerusalem bei HonestReporting, um mehr Informationen zu Israels absolutem Anspruch auf die Stadt zu erhalten.**

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* Mir (bd) fallen dabei spontan die Niederlande ein: Den Haag ist Regierungssitz, Amsterdam die Hauptstadt.

** Schlimm genug, dass eine Selbstverständlichkeit – nämlich Jerusalems Hauptstadtstatus – auch noch mittels Aufklärungsaktionen medial erklärt werden muss.

Hintergrundbericht – Making of Jerusalem: Die Medienmythos von den zwei Städten

22. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 22. Mai 2011

Anlässlich der Veröffentlichung des neuesten HR-Videos Jerusalem: Der Medienmythos von den zwei Städten und der Einführung unserer neuen Facebook-Community-Seite The History of Jerusalem Did Not Start in 1967 traf ich [Alex Margolin] mich mit HR-Redakteur Yarden Frankl, um über die Entstehung des Films zu sprechen.

Warum hast du dich dafür entschieden, die Jerusalem-Frage gerade jetzt zum Thema zu machen?

Die Stadt Jerusalem steht im Mittelpunkt jeder Geschichte über den Friedensprozess. Aber in der Regel sind die Berichte der Medien derart oberflächlich, dass sie letztlich ihre Leser mehr in die Irre führen als sie zu informieren.

Sie haben die populäre, aber falsche und schädliche Sicht entwickelt, es hätte in Ostjerusalem keine jüdische Geschichte gegeben.

Aus solch’ öffentlicher Wahrnehmung speisen sich Kampagnen, die zum Ziel haben, Israel zu delegitimieren. Wir dachten, dass es wichtig ist, eine Art Nachschlagewerk zu schaffen, um alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Du sprichst an, dass die Geschichte Jerusalems nicht im Jahr 1967 begonnen hat. Was meinst du damit?

Wenn die Medien Phrasen verwenden wie „Ostjerusalem, das von Israel im Jahr 1967 erobert wurde…..“, führen sie die Leser in die Irre.

Diese Formulierung setzt voraus, dass israelische Ansprüche auf das Gebiet nur bis 1967 zurückreichen würden und auf militärischer Eroberung basieren. Sie ignoriert die Tatsache, dass die Stadt – darunter der Teil, der manchmal als arabisches Ostjerusalem bezeichnet wird – tausende Jahre jüdischer Geschichte aufweist. Wenn man über Jerusalem allein wegen der Ereignisse um 1967 spricht, ignoriert man die wahre Geschichte.

Du hast zwei jüdische Flüchtlinge interviewt, die im Jahr 1948 aus der Jerusalemer Altstadt geflohen waren. Worin liegt die Bedeutung ihrer Berichte?

Einer von ihnen brachte es am besten zum Ausdruck: „Die Welt weiß von den arabischen Flüchtlingen aus dem Jahre 1948. Doch es gab auch jüdische Flüchtlinge. Ich weiß das, weil ich einer von ihnen bin.“ Wie viele Menschen wissen tatsächlich, dass tausende jüdische Bewohner der Altstadt von der Arabischen Legion aus ihren Häusern vertrieben wurden? Die Medien berichten so, als gäbe es keine jüdische Geschichte im östlichen Teil der Stadt. Berichte wie der von dieser Frau werden ignoriert.

Dieses Video ist Teil einer Serie. Erzähl mir bitte mehr darüber und die nächsten Folgen.

Ziel der „Few Minutes of HonestReporting“-Videos ist, konsequent die Fragen zu beleuchten, die von den Medien falsch behandelt werden. Zukünftig wollen wir uns der Obsession der Medien widmen, Israel als Ursache der Instabilität im Nahen Osten sehen, dazu der fehlenden Anerkennung israelischer Friedensbemühungen und der unzutreffenden Darstellung Israels als „Apartheid“-Staat.

Al-Jazeera, Ägypten und erster Entwurf 2.0 der Geschichte

1. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 1. Februar 2011

Vorgestern äußerte sich unser Kollege Alex Margolin zur Rolle von Facebook und Twitter bei den Protesten in Ägypten. Es steht außer Zweifel, dass die sozialen Medien dabei eine Schlüsselrolle spielen. Aber es gibt eine Facette, die einer genaueren Überprüfung bedarf.

Die Rolle der Medien, speziell die von Al-Jazeera.

Professor Marc Lynch von der George Washington University würde sie nicht als „Twitter-Revolution“ bezeichnen, zutreffender aber als „Neue herkömmliche Medienrevolution“:

Ich gehe davon aus, dass Analytiker nicht von Auswirkungen der neuen Medien als einer Entweder-oder-Prämisse „Twitter gegen Al Jazeera“ ausgehen, sondern stattdessen an neue Medien denken (Twitter, Facebook, YouTube, SMS, usw.) und Satellitenfernsehen, das insgesamt eine komplexe und mächtige Medienlandschaft hervorbringt. Ohne die neuen sozialen Medien wären die eindrucksvollen Bilder der tunesischen Demonstranten niemals der erstickenden Unterdrückung des Ben-Ali-Regimes entgangen – aber es war die Ausstrahlung dieser Videos auf Al Jazeera, selbst nachdem deren Büro in ihrer Arbeit strikt behindert wurde, das viele jener Bilder einem großen arabischen Publikum zugänglich machte und sogar vielen Tunesiern, die anders nicht realisiert haben, was in ihrem Land abging…..

Al Jazeera und das neue mediale Ökosystem verbreiteten nicht nur Informationen – sie erleichterten die Rahmenberichterstattung der Ereignisse und eine robuste öffentliche Debatte über deren Bedeutung. Ereignisse selbst haben keine Aussagekraft. Damit sie [aber] eine politische Bedeutung gewinnen, müssen sie interpretiert, in einem bestimmten Zusammenhang gestellt und mit Aussagekraft gefüllt werden. Die Araber selbst sahen diese Ereignisse sehr bald als Teil einer allgemein narrativen arabischen Darstellung von Neuerung und volksgeleitetem Protest – die „Al Jazeera Geschichte“ einer arabischen Öffentlichkeit, die gleichermaßen die arabische Regime und die US-Außenpolitik herausforderte.

Ereignisse in Tunesien hatten Bedeutung für Jordanien, für den Libanon, für den Jemen, und für Ägypten deshalb, weil sie innerhalb dieser arabischen Geschichtsdeutung zusammengefasst und gedeutet wurden.

In Kairo gibt es jede Menge Journalisten, die für die englischsprachige Welt berichten. Al-Jazeera ist aber anders. Er sendet auf Arabisch und genießt einen Vertrauensvorschuss – ob verdient oder nicht – zusammen mit dem sprichwörtlichen arabischen Mann auf der Straße. Mubarak wusste, dass eine Nachrichtensperre vergeblich war, aber er kappte Al-Jazeera.

Warum ich das heraushebe?

Vermutlich erkannte Mubarak – nicht gut genug und zu spät – was sich Al-Jazeera ausgedacht hatte. Was wir gerne als „ersten Entwurf der Geschichte“ betrachten, kann nicht mehr als „Entwurf“ klassifiziert werden. Er generiert mehr zu einer wechselseitigen Verschmelzung professioneller „News“-Berichterstattung mit Verbuchungsstatus, Fotos, Videos, Ansichten etc. Doch es steckt mehr dahinter: Al-Jazeera und der Protest haben einen multiplizierenden Effekt, mit hineinwirkenden Informationen auf die jeweiligen Gesellschaften, und von dort aus auf die arabische Welt. In Real-Time – nicht weniger.

Al-Jazeera hatte Erfolg mit ihrem Anschluss an die Protestbewegung bei der Berichterstattung in Sachen „erster Entwurf der Geschichte 2.0“, die Mubaraks Geschichts-Einmaleins bedeutet.

60 Minutes: Kompromissloser Journalismus oder voreingenommene Berichterstattung?

24. Oktober 2010

HonestReporting Media BackSpin, 24. Oktober 2010

Die HonestReporting-Kollegen Yarden Frankl und Alex Margolin besprechen 60 Minutes‚ Bericht aus Silvan. Handelte Lesley Stahl nur als kompromisslose Journalistin oder war ihre Geschichte unausgewogen?

Text, Video, Audio, Bilder und mehr….

18. Oktober 2010

HonestReporting Media BackSpin, 18. Oktober 2010

Gesellschaftsredakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Der Aufstieg sozialer Medien hat es für alle einfacher gemacht, ihre Gedanken und Meinungen weltweit zu veröffentlichen, und er vervielfachte die Möglichkeiten für die Menschen, sich mitzuteilen.

Jeder, der eine Digitalkamera oder ein Smart Phone besitzt, kann über YouTube ein Video oder bei flickr Fotos einstellen: Diejenigen, die lieber schriftlich unterwegs sind, können einen Blog aufmachen oder Beiträge auf speziellen Seiten einstellen, die auf Informationsaustausch spezialisiert sind; ganz einfach ist es auch, Audio-Podcasts aufzuzeichnen und sie mittels iTunes oder Podbean zu verschicken.

Aber die beste Option kann sein, so viele verschiedene Formen wie möglich [gleichzeitig; bd] zu nutzen, um eine einzelne Story zu schreiben. Man nennt das “Transmediales Geschichtenerzählen“ und – wie übereinstimmend viele Internet-Experten sagen, darunter auch Steve Rubel -, im Überangebot der Geräusche im Internet wahrgenommen zu werden:

Transmediales Geschichtenerzählen braucht nicht viel Fantasie. Da reichen Tools, die kaum finanziellen Aufwand  benötigen. Alles muss jedoch durchdacht sein. Dies erfordert, dass Experten in diesem Geschäft sich darauf verstehen, wie man einerseits gute Stories bringt und gleichzeitig Text, Video, Audio und Bilder in Beziehung zum Schauplatz bringt, über den man berichtet.

Transmediales Geschichtenerzählen ist die Zukunft des Marketings. Und jene, die in der Lage sind, formatübergreifend zu arbeiten und ihre Fachkenntnisse teilen zu können, werden sich im Zeitalter der digitalen Relativität und Beliebigkeit vom Rest der User abheben. Jedoch bleibt abzuwarten, wer sich durchsetzen wird.

Um im transmedialen Geschichtenerzählen erfolgreich zu sein, ist es von entscheidender Bedeutung, fließenden Zusammenhang zwischen verschiedenen Formaten herzustellen und nicht den gleichen Inhalt in verschiedenen Formaten zu wiederholen. Anfang dieses Jahres hatte HonestReporting Erfolg mit dem Vorstoß, Comedy Central zu zwingen, ein widerliches Videospiel von deren Webseite zu nehmen, und das hauptsächlich deshalb, weil HonestReporting für seinen Ansatz eine Multi-Plattform nutzte.

HonestReportings Aktion beinhaltete ein allgemein gehaltenes Kommuniqué zum Thema, ein Audio-Podcast, das das Videospiel näher beleuchtete und eine Facebook Gruppe, die als Vervielfältigungsmedium wirkte.

Der dreigleisig vorgetragene Ansatz band wesentlich mehr Menschen in die Aktion ein. Kommuniqué und Podcast dienten als Gärungssubstanzen, die von vielen Bloggern und Kommentatoren aufgegriffen wurden. Und jede Einbindung brachte Facebook-Unterstützergruppen dazu, eine kritische Protestmasse aufzubauen.

Angesichts der unglaublichen Vielfalt der verfügbaren Materialien im Internet heute ist viel Kreativität vonnöten, um Beachtung zu finden. Eine gute Geschichte allein in einem Format zu bringen, ist schwierig, und sie auf ein anderes Format zu übertragen noch schwieriger. Aber die Aussicht auf Erfolg scheint den Aufwand wert zu sein.

Google: Spiel um Gaza

27. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 27. August 2010

Gesellschaftsredakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Sozialen Medien in der arabischen Welt mehr und mehr etablieren. Studien zeigen, dass es in den arabischen Ländern mehr Facebook-Mitglieder gibt als Leser von Printausgaben der Tageszeitungen – besonders denen, die von unterdrückerischen Regimes herausgegeben werden.

Doch bei der Internetnutzung insgesamt haben sich die Palästinenser an die Spitze geschoben.

Unternehmer in der West Bank nutzen das Internet effektiv für ihre Geschäfte, und soziale Aktivisten, die sich in Gaza organisieren wollen, finden Möglichkeiten, den wachsamen Blicken der Hamas zu entkommen. Wie das Wall Street Journal anmerkt (Klick bei Google News) bekundete selbst ein Internet-Riese wie Google Interesse, sich für drei Tage mit palästinensischen Programmierern zu treffen. David Tafuri schreibt:

Während West Bank und Gaza unter Kriegen, politischer Instabilität und begrenztem Ressourcenzugang litten, dehnte sich das Web stetig aus. Die Internet-Penetration – also der prozentuale Anteil der Bevölkerung mit Internetnutzung – wird in der West Bank auf 40 und in Gaza auf etwa 60% geschätzt. Beide Zahlen sind höher als die in vielen anderen arabischen Staaten.

Ein Grund dafür ist die räumliche Nähe der palästinensischen Gebiete zu Israel, das in der Region die Internet-Entwicklung anführt. Ein weiterer Faktor ist die hohe Alphabetisierungsrate in den Gebieten, die auf 92% geschätzt wird. Am bedeutungsvollsten ist vielleicht jedoch die Isolation der Palästinenser, ihre Reisebeschränkungen und Import- sowie Exportprobleme, was bedeutet, dass das Web ihre Hauptverbindung zur Außenwelt darstellt.

Tafuri zufolge glaubt Google, dass Gaza für eine Internet-Innovation reif sei, weil den Bewohnern so viele andere Kanäle verwehrt sind. Der Konzern hofft, mit anderen Silicon-Valley-Unternehmen wie Facebook, Twitter und Cisco in naher Zukunft zurückzukommen.

Interessanterweise geht Tafuri auch davon aus, dass die zunehmende Internetnutzung Spannungen in der Region abbauen könnte, wenn er andeutet, dass wirtschaftliche Erwägungen gegen den „bewaffneten Kampf“ unter Palästinensern ausgespielt werden könnten:

Die Internetnutzung führt mehr und mehr junge Palästinenser zu wirtschaftlichen Unternehmungen und Informationsaustausch zusammen, überschreitet somit Grenzen und Blockaden.

Es wird interessant sein zu beobachten, wie die Online-Anbindung an die Außenwelt die öffentliche Meinung unter den Palästinensern beeinflusst. Wird die innerpalästinensische Propaganda weiterhin so gut funktionieren, wenn die Jugend bei den offiziellen Kanälen abschaltet, um sich ihre Informationen aus anderen Quellen zu besorgen?

Google mag auf eine Periode erhöhter Stabilität in der Region wetten. Aber ausgehend von den letzten Resultaten gibt ein von Google ausgestelltes Vertrauensvotum keine Garantie für einen Erfolg in der Zukunft.

Warum Facebook auch künftig die IDF ärgern wird

22. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 22. August 2010

Gesellschaftsredakteur Alex Margolin schreibt gelegentlich Einträge zu sozialen Medienfragen. Er ist für HonestReportings Facebook-Seite verantwortlich.

Trotz der enormen Aufmerksamkeit, die Eden Abergils geschmacklosen Facebook-Fotos gezollt wurden war, ist dieser Vorfall nicht der erste, der der IDF Kopfschmerzen bereitet hat.

Im April wurde eine Festnahmeaktion abgeblasen, nachdem der Soldat einer Artillerieeinheit mittels seiner Facebook-Identität Details preisgegeben hatte. Er schrieb:

Am Mittwoch räumen wir auf [Name des Dorfes] – heute eine Festnahmeaktion, morgen eine  Festnahmeaktion und am Donnerstag hoffentlich wieder zuhause.

Die IDF reagierte auf den Vorfall, indem sie für die Militärstützpunkte Plakate anfertigte, auf denen die Soldaten über die Notwendigkeit strenger Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen wurden, dazu der Hinweis, dass „nicht jeder dein Freund ist“. Die Soldaten wurden angehalten, weder Fotos ihrer Stützpunkte, Namen ihrer Einheiten, bevorstehende Operationen noch Datensätze, die militärische Informationen enthalten, ins Netz zu stellen.

Trotz dieser Plakataktion sah sich die Armee nicht in der Lage, eine Gruppe ehemaliger Soldaten eines streng geheimen Stützpunktes zu stoppen, die eine Facebook-Gruppe gegründet hatte und Fotos ihrer Mitglieder auf dem Militärgelände in Umlauf brachte. Ein Yediot Aharonot-Reporter ohne Verbindungen zum Militärstützpunkt konnte sich der Gruppe ohne Probleme anschließen und leicht an deren geheime Informationen kommen.

Die Erfahrung mit Abergil wird kaum die letzte sein, in der die IDF mit Facebook in Verbindung gebracht wird.

Weil sie mehr als 500 Millionen Menschen miteinander verbindet, ist Facebook mehr als eine gigantische Webseite. Sie ist der selbstverständliche Ort geworden, auf dem Menschen ihre Lebensgeschichte aufzeichnen und ihn als Kombination von Blog, Fotoalbum und Twitter-Feed nutzen. Die User bringen ihre politischen und sozialen Interessen zum Ausdruck, indem sie Gruppen beitreten, auf interessante Artikel und Videos in ihrer Statusleiste verlinken und routinemäßig die Beiträge anderer Gruppenmitglieder kommentieren.

Solange also weiterhin Israelis im frühen Erwachsenenalter bei der Armee dienen, werden Reste ihrer Erfahrungen mittels Facebook ihren Weg in den öffentlichen Raum finden.

Und ebenso wie College-Studenten auch weiterhin kompromittierende Abbildungen von sich selbst bei Parties veröffentlichen werden, obwohl sie gewarnt worden sind, dass zukünftige Arbeitgeber diese Fotos wahrscheinlich in die Hände bekommen, werden fortan IDF-Soldaten – besonders nach Ablauf ihrer Dienstzeit – Fotos und Informationen posten, auch wenn sie wissen, dass Israels Feinde Facebook abgrasen, um geheime Informationen zu sammeln.

Antisemitismus und die neuen Mainstream-Medien

2. Mai 2010

HonestReporting Media BackSpin, 2. Mai 2010

Alex Margolin, HonestReportings Redakteur für Soziale Medien, trägt gelegentlich mit Beiträgen zu relevanten Themen bei. Er zeichnet für HonestReporting bei Facebook verantwortlich.

Andre Oboler, führende Autorität zum Thema Antisemitismus im Internet, forderte kürzlich eine größere Haftungspflicht derjenigen Sozialen Medien, die antisemitische Inhalte auf ihren Webseiten zulassen.

Oboler betont, dass sich die Standards vertretbarer Sprachregelungen zwischen herkömmlichen Medien und Internet unterscheiden. Während offenkundiger Antisemitismus in den Mainstream-Medien inakzeptabel wäre, ist auf einigen Internetseiten „Rassismus nicht schlimmer als das falsche Fußballteam zu unterstützen“.

Dieser Normenverlust, so Oboler, stellt eine Gefahr dar, der man sich stellen muss: „Wenn die Online-Gesellschaft fortfährt, ein moralisches Vakuum zu erzeugen, kann der Verlust an Achtung vor der Menschenwürde bald auf die ‚reale’ Welt ausstrahlen“.

Oboler hat Recht – nicht nur bezüglich Hasspredigten. Jede Webseite, die Raum für Beleidigungen und Falschdarstellungen zu Israel gibt, sollte genauso zur Rechenschaft gezogen werden wie die traditionellen Medien. Wie Oboler unterstreicht, erfahren einige dieser Plattformen eine bisher nie dagewesene Aufmerksamkeit:

YouTube z.B. hat eine fünfzigfach höhere Zugriffszahl als die Verbreitung der 10 größten amerikanischen Tageszeitungen zusammen. Darf ein solch machtvolles Medium wirklich ohne Aufsicht des Gesetzgebers existieren? Ist mit der Macht, die Unternehmen wie Youtube ausüben, nicht auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber verbunden?

Staatliche Aufsicht ist ein Aspekt der Lösung. Zweifellos sollte Material, das in Sozialen Medien wie Facebook und MySpace veröffentlicht wird, oder Inhalt auf kommerziellen Dienstleistung wie Flickr mit zigmillionen Nutzern, ebenso einer Aufsicht unterliegen wie jedes Mitglied der Mainstream-Medien.

Ändern muss sich aber auch die allgemeine öffentliche Haltung gegenüber Sozialen Medien und dem Internet. Solange die Öffentlichkeit eine Trennung zwischen „traditionellen“ und „neuen Medien“ wahrnimmt, wird Doppelmoral überwiegen. Eine bessere Benennung wäre „Die neuen Mainstream-Medien“, bezogen auf die größten Mitglieder beider Gruppen, die nach den gleichen Standards funktionieren.

Die neuen Mainstream-Medien würden traditionelle Konsumenten der NY Times und des Wall Street Journals neben Facebook-, Twitter-, YouTube-Nutzern und denen anderer riesiger Sozialer Medien einreihen. Dasselbe gilt für enorm viel besuchte Webseiten wie Huffington Post, die auf dem besten Wege ist, die NY Times schon 2010 bei den Online-Zugriffen zu überflügeln. Und wie es aussieht, findet der Umbruch gerade statt. Zum ersten Mal wurde mit ProPublica eine rein online betriebene Medienplattform mit dem Pulitzer-Preis für Berichterstattung ausgezeichnet.

Diese Form der Anerkennung könnte mehr Übernahme von Verantwortung für alle Online-Plattformen nach sich ziehen – aber nur, wenn die Öffentlichkeit das auch fordert.

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Kürzlich bei Alex nachzulesen: Nichts mehr gratis?

Nichts mehr gratis?

21. April 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. April 2010

Alex Margolin, HonestReportings Redakteur für Soziale Medien, trägt gelegentlich mit Beiträgen zu relevanten Themen bei. Er zeichnet für HonestReporting bei Facebook verantwortlich.

In guten alten Zeiten stand das Internet für Gratisinhalte.

Contents, für die die Nutzer in einer Welt der anfassbaren Gegenstände zahlten, also Musik, News, Software – waren dennoch online bequem in kostenlosen digitalen Versionen erhältlich.

Auch wenn es weiterhin viele Inhalte frei online gibt, scheint die momentane Entwicklung gegen das „Gratis“-Prinzip zu sprechen, zumindest für Sujets, die in der realen Welt Bedeutung haben. Filesharing-Seiten wie Napster, die der Musikindustrie zusetzten, sind kaum noch präsent und wurden durch iTunes ersetzt, die für jeden Song eine kleine Gebühr verlangen.

Wie die Schallplattenindustrie setzt nun auch das Zeitungsgeschäft darauf, dass die Kunden für Inhalte Geld berappen würden. Ruport Murdochs Wall Street Journal hat bereits damit begonnen, für die meisten Artikel Geld zu verlangen und die NY Times will 2011 nachziehen. Andere Publikationen wie die Financial Times prosperieren erfolgreich mit ihren eigenen kostenpflichtigen Seiten.

Auch die Sozialen Medien erkennen, dass sich die Zeiten geändert haben. Während die Medienriesen Google, Facebook, YouTube und Twitter wohl dank ihrer Werbeeinnahmen weiterhin frei anbieten [können], sind sich die kleineren Player im Pool nicht so sicher. Diese Woche erst gab Ning, das seinen Nutzern gestattet, ihre eigenen sozialen Netwerke aufzubauen, bekannt, dass es seinen kostenlosen Service auslaufen lassen wird, um alle Ressourcen seinen zahlenden Kunden zur Verfügung zu stellen.

In einer vielsagenden Notiz teilte Ning-Chef Jason Rosenthal mit, dass er 75% seines Daten-Traffics mit festen und aktiven Kunden des Premium-Services abdecken würde, also mit Nutzern, die für die Dienstleistungen zahlten. In einer Stellungnahme brachte es Technik-Blogger David Heinemeier Hansson auf den Punkt: „Der ‚verschenke-es-und-sie-werden-anbeißen-und-wir-werden reich‘-Automatismus führt heute genauso in die Pleite wie 2001.“

Was also bedeutet diese Akzentverschiebung für Israels Öffentlichkeitsarbeit? Sie besagt einerseits, dass voreingenommene Medienberichterstattung schwerer zu überwachen und zu kontern sein wird, andererseits aber auch, dass weniger Adressaten erreicht werden. Ein Aufwärtstrend für kostenpflichtige Internetangebote bedeutet [aber; bd], dass heute aktiv wirkende Anbieter mit Guerilla-Marketingmethoden es schwerer haben werden, ihre Inhalte (Nachrichten) über das Netz zu verbreiten.

Internetnutzer haben bisher jedoch große Flexibilität bewiesen, wenn es darum ging, den kostenlosen Charakter des Netzes zu bewahren. Gehen Sie einmal davon aus, dass sich neue Technologien herausbilden, denen es gelingt, die Lücken zu füllen, die durch die kostenpflichtigen Webseiten gerissen werden.

Abschließende Frage: Gehen Sie davon aus, dass Sie einem Blatt wie der NY Times eher über einen kostenpflichtigen Inhalt oder über eine kleine Gebühr für einen Artikel beikommen?

Alex Margolin hat dazu schon im Januar 2010 einen Artikel verfasst, der sich dem Thema widmet: Aufgebaute Projekte stützen und fortführen.

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P.S.: Vielen Dank an HEPLEV für die Mitarbeit!

Aufgebaute Projekte stützen und fortführen

13. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 13. Januar 2010

Alex Margolin, Redakteur für Soziale Medien bei HonestReporting, trägt gelegentlich mit Postings zum Thema bei. Er betreut HonestReporting bei Facebook.

AP machte diese Woche Schlagzeilen, weil sie einen Redakteur für Soziale Netzwerke eingestellt hatte, der die Kanäle für Soziale Medien nach News abgrasen soll. Offensichtlich hat AP erkannt, dass, neben anderen Seiten, Facebook, Twitter und YouTube bei der Verbreitung von Nachrichten nicht mehr ignoriert werden können. Es gibt einfach zu viele vitale Informationen, die durch diese Netze rauschen.

AP folgt damit dem Beispiel der New York Times, die ihren eigenen Redakteur für Soziale Medien im Mai 2009 eingestellt hatte. Aber News mitten aus der, Konversation’ rauszufischen bedeutet nur den Anfang. CNN und Huffington Post haben das Konzept schon weiterentwickelt, indem sie Lesern die Möglichkeit einräumen, eigene Beiträge direkt auf der Nachrichtenseite zu posten. Das ist okay – die Leser können Originalvideos in der Internetreporter-Rubrik meistens ohne Filter einstellen.

So, wie Zeitungen immer mehr Ressourcen ins Internet auslagern, schaffen andere Mainstream-Vertriebswege mehr Raum für zusätzliches Leserengagement. Der Grund dafür ist simpel: Die Menschen  unterstützen die Dinge, die sie mit aufgebaut haben. Wenn ein Leser seinen eigenen Artikel oder Video auf einer Webseite sieht, hat er Anteil am Erfolg der Seite. Wenn er in der Lage ist, seinen Standpunkt mit dem anderer zu koordinieren, hat er Grund, Leute zum Besuch der Webseite anzuregen.

Diese Form des Engagements beinhaltet ein weiteres wichtiges Element: Dank der Web 2.0-Technologie können sich Menschen zu einem gemeinsamen Zweck zusammenschließen, was in früheren Zeiten so nicht möglich war*. HonestReporting erfuhr dies aus erster Hand mit unserer erfolgreichen Facebook Group zugunsten der Golan-Bewohner.

Während die Gruppe immer mehr Zulauf bekam, wurde sie zum Zentrum der Aktivitäten rund um das Golan-Thema. Teilnehmer steuerten Fotos und Videos aus dem Golan bei, führten etliche Diskussionen über die Region und teilten ihre persönlichen Ansichten und Erfahrungen mit. Selbst wenn Facebook seine Politik den Golan-Bewohnern gegenüber nicht positiv verändert hätte, die Gruppe wäre ein pulsierender Treffpunkt für Leute mit einem Interesse am Golan geblieben.

Die Menschen, die am Aufbau der Gruppe mitgewirkt und sie zur Community ausgebaut hatten, besaßen mehr als ein vorübergehendes Interesse am Thema. Sie haben persönlichen Anteil am Erfolg der Gruppe.

Dank der Sozialen Medien können sich die Menschen vernehmbar machen wie niemals vorher. Und ihre Stimmen werden gehört – nicht nur von Millionen Usern dieser Quellen, sondern auch zunehmend von Konsumenten der Mainstream-Medien.

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*Sieht man einmal von Usenet ab, das aber auch nur relativ wenigen Teilnehmern zugänglich war und sich hauptsächlich auf den Wissenschaftsbetrieb konzentrierte [bd].