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BBC Teil eines „Propagandanetzwerkes“ der Al-Qaida?

26. April 2011

HonestReporting Media BackSpin, 26. April 2011

WikiLeaks-Dateien, die dem Daily Telegraph vorliegen, legen die Vermutung nahe, dass irgendjemand bei BBC World Service Teil eines „Medienpropagandanetzwerkes“ der Al-Qaida ist.

Eine Telefonnummer aus mehreren Telefonverzeichnissen und Displaypeichern, die die US-Truppen den Jihadisten abgeknöpft hatten, weist direkt zu Beeb:

Ein Häftlingsuntersuchung vom 21. April 2007 besagt: „Die Londoner Telefonnummer 0044 207 XXX XXXX, die extremismusverdächtigen Personen zugerechnet wird, wurde in zahlreichen beschlagnahmten Telefonverzeichnissen und Handyspeichern aufgespürt.

„Die Nummer wird mit der British Broadcasting Corporation (BBC) in Verbindung gebracht.“ Nachforschungen des Daily Telegraph gehen davon aus, dass der Telefonanschluss zu Bush House gehört, der Zentrale von BBC.

Die Untersuchung ergab weiterhin, dass die US-Streitkräfte viele „extremistische Links“ unter dieser Nummer aufgedeckt hatten, was darauf hindeutet, dass Extremisten Kontakt mit BBC-Mitarbeitern gehabt haben könnten, die mit ihnen sympathisierten oder über Informationen zu „ACM [Anti-Coalition-Militia*]-Operationen verfügten.“

Darin heißt es: „(Analyse des Verbindungsaufbaus: Zahlreiche Querverbindungen der Extremisten zu dieser BBC-Telefonnummer deuten auf ein mögliches gemeinsames Netzwerk zur Medienpropaganda hin. Eine Netzwerkanalyse könnte zu Personen führen, die entweder enge Verbindungen zu Extremisten unterhalten oder vielleicht Informationen zu ACM-Operationen besitzen).“

Am Montag wählte der Daily Telegraph die Nummer an. Ein Dauerton in der Leitung deutete darauf hin, dass entweder der Anschluss gekündigt wurde oder die Verbindung nicht mehr herstellbar war.

Diese Möglichkeit kann kaum überraschen. Als Gaza-Islamisten im Jahr 2007 den BBC-Reporter Alan Johnston entführt hatten, erlaubte Israel einem bei der BBC angestellten Hamas-Mitglied, in den Gazastreifen einzureisen, um über Johnstons Freilassung zu verhandeln. Dieser Jemand entpuppte sich schließlich als Fayad Abu Shamala.

Eigentlich sollte offensichtlich sein, dass ein Nachrichtenservice, der dumm genug ist, ein Mitglied einer Terrorgruppe zu beschäftigen, nur noch mehr Verachtung auf sich zieht, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Das kostet Köpfe.

Sassygate“ ist dafür ein sehr passendes Beispiel. Nach den 7 / 7-Anschlägen in London schrieb ein Guardian-Volontär (Worum handelt es sich bei Journalisten in UK?) eine Replik mit dem Titel We Rock the Boat: Today’s Muslims aren’t prepared to ignore injustice, ohne anzugeben, dass er Mitglied der Hizb ut-Tahrir  war.

Der Guardian beendete seine Zusammenarbeit mit Aslam, zwei weitere Mitarbeiter kündigten.

Ich hoffe, dass der Verbindungsmann bei der BBC bald auffliegt. Der Al-Qaida-Insider von BBC besitzt wahrscheinlich weit mehr Erfahrung als Aslam, und Beeb wird von britischen Steuermitteln finanziert. Der Fallout wird Sassygate wie ein Picknick erscheinen lassen.

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* Anti-Coalition Militia: Taliban und andere Kämpfer, die die Afghanische Nationalarmee und die westlichen Truppen in Afghanistan attackieren.

Fall Alan Johnston abgeschlossen – der von Gilad Shalit nicht

18. November 2010

HonestReporting Media BackSpin, 18. November 2010

Ein israelischer Luftangriff tötete Islam und Mohamed Yasin – zwei Figuren der Terrorgruppe Army of Islam, die als verantwortlich für die Entführung des BBC-Journalisten Alan Johnston im Jahr 2007 gilt. IDF-Angaben zufolge planten die zwei Männer, Israelis im Sinai zu kidnappen.

Möglicherweise beendet dies den Fall Johnston, der vier Monate lang gefangen gehalten worden war.

Die Army of Islam war auch an der Entführung von Gilad Shalit vor 1.606 Tagen beteiligt. Leider kann man in diesem Fall nicht von einem abschließenden Ergebnis sprechen.

Ohrenbetäubendes Schweigen zu Paul Martin

2. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 2. März 2010

Die Hamas verlängerte die Inhaftierung des britischen Journalisten Paul Martin um weitere 15 Tage.

Traurige Nachrichten, aber kaum überraschend. Die Hamas führt einen Krieg gegen die Pressefreiheit.

Überraschend ist das Schweigen der Medien in diesem Fall. Martin ist nicht so populär wie Alan Johnston. Man sollte aber annehmen, dass sich die britischen Nachrichtenmedien (besonders die BBC), die jahrelang von Martins Arbeit profitiert hatten, lautstärker auftreten würden.

Tom Gross hebt hervor:

Paul Martin, der früher in Kairo lebte, hat jahrelang für mehrere verschiedene Medien gearbeitet, darunter das BBC-Fernsehen und den Radiosender. In der Tat war er vor 6 Wochen der letzte Reporter, der für die BBC in Gaza im Einsatz war – gerade deshalb ist das beinahe völlige Schweigen der BBC, sein Schicksal betreffend, so ohrenbetäubend. Man vergleiche das nur einmal mit den nahezu stündlichen Statements, die [BBC] Tag für Tag, Woche für Woche wegen ihres ehemaligen Gaza-Korrespondenten Alan Johnston abgab, als er 2007 in Gaza gefangen gehalten wurde.

Man vermutet, dass die Sorge der BBC um Johnston deshalb so groß war, weil er „durch und durch einer der ihren war“ (was natürlich auch beinhaltete, dass er in seinen Reportagen eine große Sympathie für die Sache der Palästinenser an den Tag gelegt hatte), wohingegen Paul Martin, der nur auf Freelancer-Basis für die BBC tätig ist, wenigstens einige Versuche unternahm, die Hamas genauso zu kritisieren wie Israel. (Als Johnston freigelassen worden war, vermied er es demonstrativ, Israels Regierung Lob zu zollen, die in jeglicher Form auf seine Freilassung hingewirkt hatte. Stattdessen rief er Hamasführer Khaled Meshaal in Damaskus an, um sich bei ihm  persönlich zu bedanken. Weitere Einzelheiten hier und zu Johnston hier.)

Man sollte also davon ausgehen [können], dass die in Jerusalem ansässige Foreign Press Association (FPA) mit wachsamen Augen um Martins Sicherheit bedacht sei und den jämmerlichen Zustand der Pressefreiheit in Gaza berücksichtige.

Aber die FPA hat gerade mal eine Stellungnahme abgegeben. Ihr Vorsitzender Conny Mus ist mit wichtigeren Problemen beschäftigt: Israels neuer Kampagne für Bürgerdiplomatie.

Lesen Sie Gross’ Beitrag vollständig [in Englisch].

Dazu passend: 3 wichtige Unterschiede zwischen Paul Martin und Alan Johnston

Drei wichtige Unterschiede zwischen Paul Martin und Alan Johnston

15. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 15. Februar 2010

Der britische Journalist Paul Martin wurde von der Hamas inhaftiert, nachdem er bei einer Gerichtsverhandlung gegen ein Mitglied der Abu Rish Brigaden aufkreuzte, das der Spionage für Israel beschuldigt worden war.

AP zufolge kam Martin, um Unterstützung zu zeigen, weil er den Angeklagten wenige Wochen vorher interviewt hatte. Ich nahm zuerst an, dass Martin ein ausgeflippter linker Filmemacher war, aber die Times of London berichtete mehr über seinen beruflichen Background. Es stellt sich auch heraus, (via Solomonia) dass Martin von der Hamas schon vorher einmal eingebuchtet wurde.

Martins Fall lässt sich nicht mit der Entführung des BBC-Journalisten Alan Johnston im Jahr 2007 vergleichen.

1. Johnston wurde von einer undurchsichtig agierenden Gruppe entführt, die sich selbst Armee des Islam nennt und der Hamas eine gewisse Glaubwürdigkeit bei deren Bestreitbarkeit der Tat verlieh. Martin wurde von der Hamas-Polizei nach Anweisung eines Hamas-Richters eingebuchtet.

2. Johnston war ein weithin bekannter Reporter, der für eines der weltgrößten Nachrichtenmedien arbeitete. Die BBC stellte sich geschlossen hinter Johnston und hielt den Druck auf die Islamisten aufrecht. Martin ist ein weniger bekannter Miteigentümer einer Firma, die Videomaterial an Nachrichtenorganisationen liefert. Das Unternehmen, World News & Features, wird kaum Druck auf die Hamas ausüben können.

3. Johnston wurde zu einem Zeitpunkt entführt, als die Hamas noch dabei war, ihre Macht in Gaza auszubauen. Martin wurde von einer de facto-Regierung eingesperrt, die keine Anstalten machen wird, ihre „Herrschaft“ über Gaza zu teilen.

Das Ziel einer baldigen Freilassung Martins ohne eine geforderte Anerkennung der Hamas wird zu einer heiklen Angelegenheit. Wird das britische Außenministerium das hinbekommen?

Selbstverständlich muss Martins Situation auch im Kontext mit Fragen zur Pressefreiheit in Gaza und in der West Bank gesehen werden, über die ich letzte Woche gebloggt hatte. In jenen Fällen waren die Probleme auf palästinensische Journalisten begrenzt. Martins Inhaftierung ist ein deutliches Signal dafür, dass auch die Auslandskorrespondenten ihren Bewegungsspielraum verlieren.

NY Times mit Anzeichen von Interessenkonflikten, Teil 2

9. Februar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 9. Februar 2010

Als ich zuerst zum Interessenkonflikt der NY Times und Ethan Bronner bloggte, also wegen des Dienstes seines Sohnes in der IDF, wies ich darauf hin, dass auch Beziehungen, die westliche Journalisten zu palästinensischen Stringern und Aktivisten haben, Interessenkonflikte erzeugen.

Mir kam auch ABC-Moderator Peter Jennings in den Sinn und seine weithin bekannte „Beziehung“ zur palästinensischen Sprecherin Hanan Ashrawi.

Aber wie Tom Gross herausstellt, treffen Interessenkonflikte auch auf andere außerplanmäßige Tätigkeiten zu:

Bronner auszusortieren hat den Beigeschmack von Diskriminierung. Und wenn die Times sich nun dafür entscheidet, ihn zu versetzen, sollte sie sicher auch jemanden finden, der seine gegenwärtige Gaza-Korrespondentin, Taghreed EL-Khodary, austauscht, die faktisch wie ein Hamas-Propagandist klang, als sie bei einer Medienkonferenz sprach, die, wie ich hier anführte, letzten November besuchte.

Das Problem ist nicht allein auf die Gray Lady beschränkt. Im Jahr 2007 erlaubte Israel einem Hamas-Mitglied, das bei der BBC angestellt ist – im Nachhinein identifiziert als Fayad Abu Shamala – in den Gazastreifen einzureisen, um die Freilassung von BBC-Reporter Alan Johnston zu erwirken. Ich habe nicht festgestellt, dass die Mainstream-Medien sich gefragt hätten, ob Beep Shamala möglicherweise versetzen würde.

Shamalas ganz persönlicher Interessenkonflikt ist kein Geheimnis. Bei einer Hamas-Kundgebung am 6. Mai 2001 verkündete der BBC-Reporter Folgendes:

„Journalisten und Medienorganisationen [führen] die Kampagne Schulter an Schulter zusammen mit dem palästinensischen Volk.“

Ich kommentiere nicht, ob Bronner versetzt werden sollte. Wenn die Mainstream-Medien jetzt auf einmal auf die Ausräumung von Interessenkonflikten stehen, dann sollte man wenigstens konsequent sein.