Posted tagged ‘Al-Jazeera’

Leseempfehlungen, 28. September 2011

28. September 2011

HonestReporting Media BackSpin, 28. September 2011

Was lesen Sie, bevor Ihr Arbeitstag beginnt?

Abbas schlägt wild um sich – Trotz Belobigungen hat Mahmoud Abbas einen härteren Monat als die Red Sox.

Bleibt (ist) die ‘Palästinensische Frage’ immer noch eine palästinensische? – Ein verärgerter palästinensischer Unterstützer sieht es richtig, wenn er vom „Palästinensischem Frühling“ spricht.

Ostjerusalemer Palästinenser gehen davon aus, dass der UN-Vorstoß sie nicht tangiere; viele von ihnen bevorzugen die israelische Staatsbürgerschaft – Die palästinensische Autonomiebehörde [PA] fordert, dass Jerusalem die Hauptstadt eines palästinensischen Staates werden müsse – gegen die Auffassung eines überwiegenden Teils der palästinensischen Einwohner.

Al Jazeera-Journalist gibt zu, dass er für die Hamas gearbeitet hatte – Samer Allawi sagte gegenüber israelischen Sicherheitskräften aus, dass er versuchte, seine Arbeit zugunsten der Hamas einzusetzen.

TIME interviewt den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan – Erdogan sagt, dass UN-Sanktionen gegenüber Israel einen Friedensprozess vorangebracht hätten.

Berichterstatter in Gaza sind auf „Sponsoren angewiesen, die von der Hamas akzeptiert werden – keine einfache Lösung für einen schwedischen Journalisten, dem eine Einreise nach Gaza verwehrt worden war, nachdem sein Fixer von der Hamas kein Einreisevisum bekommen hatte.

(Bild via Flickr/inju)

Israelische Demokratieauswüchse sind auch ein Verkaufsargument

3. März 2011

HonestReporting Media BackSpin, 3. März 2011

Wenn wir schon ungeschönt über die israelische Demokratie sprechen: Wer wüsste dann schon, dass Warzen auch ein Verkaufsargument sein können?

Ich denke, Tom Friedman spielt darauf an, wenn er sagt, dass die Al Jazeeras Berichterstattung über Israel die arabischen Proteste mit aufheizte.

Der arabische Fernsehsender Al Jazeera hat heute ein großes Team im Einsatz, das über Israel berichtet. Hier einige der Geschichten, die der Sender in der arabischen Welt ausstrahlte: Israels früherer Ministerpräsident Ehud Olmert musste zurücktreten, weil er beschuldigt wurde, illegal mit Geld gefüllte Briefumschläge von einem jüdisch-amerikanischen Unterstützer angenommen zu haben. Kürzlich verurteilte ein israelisches Gericht den ehemaligen Staatspräsidenten Moshe Katsav wegen Vergewaltigung in zwei Fällen, wobei man sich auf  Anschuldigungen ehemaliger Mitarbeiterinnen stützte.

Und erst zwei Wochen ist es her, dass Israel im letzten Moment die Ernennung von Generalmajor Yoav Galant zum neuen Stabschef der israelischen Armee revidiert hatte, nachdem israelische Umweltschützer eine regierungsamtliche Untersuchung erwirkt hatten, die zu dem Ergebnis kam, dass General Galant öffentlichen Grundbesitz in der Nähe seines Hauses unrechtmäßig erworben hätte. (Sie können sein Haus bei Google Maps sehen!) Dies hat in Ägypten, wo Landverkäufe an Bonzen und Kumpane des Regimes in Kairo im letzten Jahr in aller Munde waren und über Nacht zu riesigen Gewinnen geführt hatten, sicher großes Gelächter ausgelöst. Wenn man in der Nähe eines Landes lebt, das seine obersten Führungskräfte wegen Korruption vor Gericht bringt und man selbst in einem Land lebt, in dem viele Top-Funktionäre korrupt sind, dann nimmt man dies aufmerksam zur Kenntnis.

Transparenz und Rechenschaftspflicht sind in der Tat essentiell für einen demokratischen Staat. Friedman stimmt nicht mit David Suissa überein, der über den Export israelischer Demokratie gesprochen hatte. Aber es macht die Warzen etwas mehr erträglich….

Israel und die Unruhen in Ägypten: Zusammenstellung der Reaktionen

7. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 7. Februar 2011

• Kann die von Bibi und Fayyad betriebene Wirtschaftspolitik die Westbank aus den arabischen Unruhen heraushalten? Joel Mowbray sieht einen Zusammenhang:

Die Westbank ist zurzeit eine der ruhigsten „Straßen“ in der arabischen Welt. Zweifellos ist einer der Hauptgründe dafür das starke Wirtschaftswachstum, das die Region genießt.

Sharansky spricht. Schön, dass Newsweek und das  WSJ die Botschaft verstanden haben. (Paywall-Alarm: Klicken Sie via Google News für das WSJ.)

• Würden Sie besser schlafen, wenn Ägypten, statt dem Iran zu folgen, das nächste Pakistan werden würde?

• Warum Israel besorgt ist: 7 Szenarien. Und hier ein achtes, das NBC News ausgräbt: Ägypten mit Aussicht auf ein eigenes Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen:

Wenn Ägypten aus dem Vertrag aussteigen würde, gäbe es keine Beschränkungen mehr für die Entwicklung eigener Kerntechnologie, sowohl zur Energiegewinnung als auch zur Waffenproduktion.

• Der Christian Science Monitor mit einem Blick darauf, wie Syrien es fertig brachte, ein Überschwappen der Proteste aus der Arabischen Welt zu verhindern. Die Verfasserangabe über dem Artikel („Ein Korrespondent“) spricht Bände. Aber wer wusste um den Fehlerfaktor von Facebook?

Seit der Unterdrückung der weltlichen, religiösen und kurdischen Politiker, die im Jahr 2005 zusammenkamen, um die Damaskus-Erklärung zur Forderung nach Reformen zu unterzeichnen, gibt es in Syrien keine organisierte Opposition mehr. Außerdem geht man davon aus, dass die meisten der 15.000 Menschen, die sich seit Freitagmorgen einem Aufruf bei Facebook anschlossen, nicht im Land leben.

• Wird Al Jazeeras Berichterstattung über Ägypten dem Sender die Möglichkeit eröffnen, doch noch Fuß im US-amerikanischen Äther zu fassen?

• Während man sich an Filmmaterial aus Kairo heftet feuert Ron Prosor (israelischer Botschafter in UK) eine Breitseite auf den Guardian ab wegen dessen Umgang mit PaliLeaks, und ein Minister zitiert Korrespondentin Harriet Sherwood vor Gericht, die sich zu dieser Zeit in Ägypten aufhielt.

Bleiben Sie dran….

Was wir über Alistair Crooke wissen

30. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 30. Januar 2011

Die PA stellt nun Nachforschungen zu drei Personen an: a) Al-Jazeera-Reporter Clayton Swisher, b) dem ehemaligen britischen Geheimdienstler Alistair Crooke und c) einem dritten Mann (nicht namentlich genannten Franzosen). Es geht um ihre Verbindungen zu PaliLeaks.

Crooke ist definitiv ein plausibler Beteiligter. Er ist ein ganz großer Fürsprecher der politischen Einbindung von Hamas und Hisbollah, und er gründete zu diesem Zweck auch das Conflicts Forum. Patrick Seale bezeichnete diese Organisation einmal als „Verein unzufriedener Diplomaten und Geheimdienstoffiziere“, die, wie Daniel Pipes einmal formulierte, „sich in einer ansprechenden Form privater Diplomatie engagieren, die den Horror islamistischen Terrors herunterspielt“ (Pipes zitierte Seale hier.)

Und dann gibt es diesen Eindruck, den Crooke bei David Samuels hinterlassen hat, der in Mother Jones schrieb:

Die Unheimlichkeit von Crookes Umarmung selbst der durchgedrehtesten Doktrinen der iranischen Führungsclique dürfte ein Hinweis darauf sein, dass dieses Conflicts Forum eine Front für Teheran ist.

Freilich verließ Mark Perry, Mitbegründer von Conflicts Forum, die Organisation, weil ihm Crookes Sympathie für das iranische Regime wegen dessen Gewaltanwendung nach den Wahlen 2009 zu weit ging. Wenn’s beim Namen „Perry“ klingelt, dann deshalb, weil er besser dafür bekannt ist, General David Petraeus’s Sichtweise zu Israel verdreht dargestellt zu haben – zur Freude der Fans von Walt/Mearsheimer überall.

Nur wenige Tage, bevor die Palästina-Dokumente für Schlagzeilen sorgten, sinnierte Crooke, Warum der Niedergang des „Friedensprozesses“ in Nahost eine gute Sache  sein könnte. Sein spöttischer Blick auf die PA passt zweifellos dazu, was Leute wie Robert Fisk, Saree Makdisi und George Galloway (neben anderen) nur modisch angepasst zu post-PaliLeaks sagen:

Möglicherweise könnte mit diesem Konzept der Eigenstaatlichkeit eine neue palästinensische Elite noch bequemer leben, wenn auch inmitten weiterhin bestehender allgemeiner Armut. Vielleicht würden die sichtbaren Werkzeuge der Besatzung und Kontrolle über palästinensisches Leben noch mehr vor dem blanken Auge verborgen bleiben, sogar mittels weit entfernter neuer Technologie. Nichtsdestoweniger bliebe es bei dieser „Eigenstaatlichkeit“ beim Zustand der Besatzung, zusammen mit interner palästinensischer Sicherheitskontrolle. Grenzen, Wasser, Wirtschaft und selbst sein „elektromagnetisches“ Feld blieben unbestreitbar unter der Kontrolle Israels. Jerusalem, die Flüchtlinge und sogar der Status des Jordantales Valley würden langfristig in einem Zustand des „Niemals erreichbar“ belassen.

Dann fuhr er fort, das Verhältnis Israel-PA mit Südafrikas Bestrebungen zu vergleichen, militärische Hegemonie über ein Namibia mit einer „Vichy-Regierung in Windhoek“ zu erlangen.

Crookes Zeit in der West Bank ist höchst erwähnenswert angesichts der Umstände, wegen denen er das Land verließ. Die israelische Journalistin Sheila Raviv dazu via CiF Watch:

Zu Mr. Alistair Crooke wurden Nachforschungen angestellt, und innerhalb kürzester Zeit befand er sich auf der Heimreise. Später wurde aufgedeckt, dass er ein Mitglied des  MI6 war und die Hamas ausgebildet hatte! Ein britischer Diplomat bildete Hamas-Terroristen aus, und dennoch inszenierte Israel keinen Medienrummel. Seine Ausweisung wurde diskret ausgeführt – aus Respekt vor unseren britischen Verbündeten.

Crooke könnte motiviert worden sein, die PA zu blamieren und [damit] Israel zu schaden. Mir ist aber nicht klar, wie er an die Dokumente kam, wenn es tatsächlich so war. Seine Involviertheit in die Affäre bleibt fürs Erste eine offene Frage. Definitiv also ein Name, bei dessen Erwähnung man die Stirn runzeln muss.

WikiLeaks: Al Jazeera ein „Druckmittel“ der Außenpolitik Katars

6. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 6. Dezember 2010

Hier ein im Guardian veröffentlichtes Telegramm des US-Außenministeriums, das den Schluss zulässt, Al Jazeera könnte ein Werkzeug der Katar-Regierung (GOQ) [Government of Katar; bd]) sein.

Wir gehen davon aus, dass die Einbeziehung Al Jazeeras als informelles Werkzeug der Außenpolitik des GOQ unvermindert fortgesetzt wird….

In den kommenden 36 Monaten wird, einer Entwicklung zufolge, die in den letzten drei Jahren anhielt, der dort ansässige arabische Nachrichtensender Al Jazeera als Instrument des politisches Einflusses von Katar dienen und, wie unkoordiniert auch immer, weiterhin die Außenpolitik des Landes nach außen darstellen. Katar wird auch in Zukunft Al Jazeera als Druckmittel einsetzen, um seine Beziehungen zu anderen Ländern zu regeln, besonders jenen gegenüber, die durch die Berichterstattung von Al Jazeera gereizt werden, einschließlich den Vereinigten Staaten.

In einem anderen Telegramm gibt US-Botschafter Joseph LeBaron diese Bewertung ab:

Al-Jazeeras Fähigkeit, die öffentliche Meinung in der Region zu beeinflussen, bedeutet eine enorme Hebelwirkung für Katar – eine, die es kaum preisgeben wird. Außerdem kann das Sendernetz auch als Baustein benutzt werden, um [zwischenstaatliche; bd] Beziehungen zu verbessern. Beispielsweise hat die eher vorteilhafte Berichterstattung über das saudische Herrscherhaus in den letzten Jahren die Versöhnung zwischen Katar und Saudi Arabien vorangebracht….

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Katar-Regierung bleibt Al Jazeera eines der wertvollsten politischen und diplomatischen Instrumente Katars.

Mehr dazu hier.

Das Glaubwürdigkeitsdilemma des Senders erfordert ein empörtes Dementi; also hat Al Jazeera den Inhalt des Telegramms bereits von sich gewiesen.

Verglichen mit anderen staatlich kontrollierten Nachrichtenagenturen in der arabischen Welt ist Al Jazeeras Produkt ausgefeilter und undurchschaubarer, was seine Beziehung zu den herrschenden Eliten betrifft. Aber wenn man es genau betrachtet, hat die arabische Welt in dieser Hinsicht null freie Berichterstattung, und Al Jazeera bildet da keine Ausnahme. Eine kurze Leine der Regierung bleibt immer eine Leine.

Palästinenser und Anarchisten fackeln zum wiederholten Male israelischen Grundbesitz ab

19. November 2010

HonestReporting Media BackSpin, 19. November 2010

Israelische Sicherheitskräfte inhaftierten mehrere Dutzende Anarchisten, die der Inbrandsetzung von Land verdächtigt werden, das zu Bat Ayin gehört. YNet News mit Informationen:

Der Zwischenfall ereignete sich gegen 8 Uhr morgens, als etwa 30 Anarchisten, begleitet von etlichen Fotografen des arabischen Senders Al-Jazeera, am Tatort ankamen. Die Anarchisten setzten das Feld in Brand und pflanzten dort Olivenbäume.

Die Siedler gehen davon aus, dass diese Methode allgemein angewandt wird, um Land zu übernehmen. „Wenn die Olivenbäume wachsen, hat es die Kommunalverwaltung schwer zu bestimmen, wem das Land zusteht“, sagte einer.

Der Hain war während der letzten Wochen dreimal von Anarchisten in Brand gesetzt worden.

Quizfrage: Wie wussten die Leute von Al-Jazeera, wann und wo sie mit einem Kamerateam aufkreuzen mussten?

Alles in allem ein bisher unberücksichtigter Aspekt zum Krieg um die Olivenernten, den Yarden Frankl und Pesach Benson (HonestReporting Jerusalem) in ihrem neuen Podcast besprechen.

Mohammed-al-Dura-Message fällt auf Übeltäter zurück

23. Juli 2010

HonestReporting Media BackSpin, 23. Juli 2010

Ein arabischer Artikel verweist darauf, dass etliche medizinische Unterstützung aus dem Ausland unbrauchbar ist – das betrifft vor allem abgelaufene Haltbarkeitsdaten bei Medikamenten oder defekte Ausrüstung.

„Sie richten mehr Schaden als sie Gutes tun“, so der Tenor, der sich auf unbrauchbare Medikamente und mangelhafte Logistik/Ausrüstung bezieht, die von verschiedenen Organisationen und Ländern stammt.

Mounir el-Barash, Leiter der Spendenverwaltung in Gazas Gesundheitsministerium, erklärte gegenüber Al-Jazeera, dass nur 30% des Hilfsgüter, die in den Gazastreifen geschickt wurden, verwendbar sind.*

Gaza-Funktionäre bekundeten auch ihren Ärger darüber, dass sie aus arabischen Ländern Leichenhemden für Kinder** geliefert bekamen.

Was machten arabische Länder falsch, wenn sie Leichenhemden für Kinder verschickten? Die Hamas setzte Gehirnwäsche bei Kindern ein, um sie zu Märtyrern zu machen. Und Märchen über Zionisten, die Kinder schlachten, gehören zu den frühabendlichen Hauptattraktionen in staatlich(!) gelenkten arabischen Soap-Operas. Die palästinensische „Message“ von Mohammed al-Dura fällt auf ihre üblen Urheber zurück.

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Zwei Anmerkungen von Medien Backspin [bd]:

*Kann jemand, der ethisch so schlampig und verantwortungslos arbeitet und nicht einmal die Mindeststandards befolgt, wenn es um medizinische Versorgung geht, wirklich ein ehrliches Interesse am Wohlergehen der Menschen in Gaza haben? Die Antwort dürfte nicht schwerfallen: Es geht ihm um seine PR und seine politische Message, sonst nichts. Und dies ist das primär Schäbige an diesem Verhalten.

**Wenn ich jetzt zynisch wäre, würde ich dazu auch eine passende Bemerkung loswerden. Ich denke jedoch, dass jeder halbwegs informierte Leser sich einen Reim auf die bizarre Zusammenarbeit zwischen Hamas-Regierung und deren arabischen Freunden machen kann. Dass Letztere Leichenhemden für Kinder schicken, kommt auch nicht von ungefähr, wenn man die gemeinsame Weltanschauung der Israelhasser bedenkt.

Fazit: Lügen können sich nicht lange halten, weil deren Verbreiter sich durch ihre Sprache bzw. ihre Aktionen früher oder später selbst entlarven. Gut so….

Medienverteter der Hisbollah zu Gast bei World Editors Forum

16. April 2010

HonestReporting Media BackSpin, 16. April 2010

Zur diesmal (wie immer alljährlich) im Juni stattfindenden Versammlung des World Editors Forum ([kurz: WEF]; Hattip: Elder of Ziyon, via Forbes Biz Blog) gehört auch ein Mittagessen mit Hassan Fadlallah. Der Beiruter Parlamentsabgeordnete steht nicht nur dem Medienausschuss der Volksvertretung vor, sondern ist auch Nachrichtenchef beim Hisbollah-Sender Al-Manar.

Wie ist ein Forum zu bewerten, das einem Top-Propagandisten der Hisbollah einen Persilschein ausstellt? Fadlallahs Meinung zu Jihad-Journalismus ist weithin bekannt. Hier Ausschnitte eines Interviews, das Jeffrey Goldberg im Jahr 2002 mit Fadlallah geführt hatte:

Ich begann mit der Bitte an ihn, einen Vergleich zwischen Al Manar und Al Jazeera, dem bekanntesten arabischen Satellitenkanal, zu ziehen. „Neutralität wie die von Al Jazeera* ist für uns kein Thema“, sagte Fadlallah. „Wir berichten nur über das Opfer, nicht aber über den Aggressor. CNN ist das Nachrichtennetzwerk der Zionisten. Al Jazeera verhält sich neutral, Al Manar vertritt die Position der Palästinenser….“

Er sagte, Al Manars Gegenposition zur Neutralität bedeute, dass, anders als bei Al Jazeera, sein Sender niemals Interviews oder Stellungnahmen israelischer Offizieller ausstrahlen würde. „Wir haben kein Interesse an einem Interview mit Sharon“, sagte Fadlallah. „Wir möchten an ihn ran, um ihn zu töten.“

Erwarten Sie also nicht, dass Nachrichtenleute Erkundigungen über Fadlallahs Ansichten zu aktuellen Themen wie Stellenstreichungen in Nachrichtenredaktionen, Paywalls oder Programmausstrahlung für mobile Empfangsgeräte einholen.

Noch problematischer ist jedoch, dass Al-Manar zwar als Terrorgruppe eingestuft wird, aber vom WEF das Siegel der Legitimität verliehen bekommt.

Ein Leitartikel in der Washington Times verdeutlicht, warum die Ausstrahlungen von Al-Manar nicht durch das Recht auf Redefreiheit abgedeckt sind. Die gleiche Logik trifft auf das WEF-Meeting mit Fadlallah zu:

[Der Sender (bd)] Al Manar hatte damit spekuliert, der Einstufung als terroristische Entität zu entgehen, indem er seine Verbindung zur Hisbollah als Versuch hinstellte, ihn seiner Rechte bezüglich des ersten Zusatzartikels der Vereinigten Staaten (auch bekannt als First Amendment Rights [bd]) zu berauben. Wie aber das Finanzministerium klar herausstellte, geht es nicht um Al Manars Funktion als Fernsehsender, sondern um dessen Unterstützung der Hisbollah-Aktivitäten, also um die einer Organisation, die mehr Amerikaner getötet hat als jede andere Terrorgruppe außer Al-Qaida.

„Jede Organisation, die von einer Terrorgruppe geführt wird – ob sie sich als Wohltätigkeitseinrichtung, Wirtschafts- oder Medienunternehmen tarnt – ist ebenso schuldig wie die Terrorgruppe selbst“, sagte Stuart Levey, Unterstaatssekretär im Finanzministerium und zuständig für die Verfolgung der Geldwäsche von Terrororganisationen.

Übrigens findet das Meeting des World Editors Forum diesmal in Beirut statt, was jegliche Chance ausschließt, dass ein israelisches Nachrichtenteam darüber berichten kann.

Noch Fragen?

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* Das halte ich für ein sehr merkwürdiges Gerücht (bd).

Hier ein Beispiel, wie großartig es mit der Neutralität von Al-Jazeera bestellt ist. Man könnte noch mehr aufzählen. Dank an Heplev für den Tipp zu Al-Qaradawi, der hier in Aktion zu sehen ist. Dies hier ist auch recht erhellend.

Palästinensische Mediennarretei

15. Juli 2009

HonestReporting Media BackSpin, 15. Juli 2009

Die PA hat Al-Jazeera in der West Bank Drehverbot erteilt, nachdem der Sender Behauptungen ausgestrahlt hatte, Mahmoud Abbas habe Israel und den USA seine Hilfe bei der Vergiftung Yasser Arafat angeboten.

Doch Al-Jazeera ist ein Waisenknabe im Vergleich zur Hamas, die eine eigene Show über weibliche Selbstmordbomber abdrehte, gewidmet der „Märtyrerin“ Reem Salah Al-Riyashi. YNet News erklärt, wie tief die Hamas gesunken ist:

Die Produzenten luden al-Riyashis Kinder in die Show ein und zeigten ihnen nochmals den Tod ihrer Mutter während der Ausführung des Terroranschlags. Ein als Gastgeber fungierender  Bär namens Nasour führte die „Märtyrerkinder“ ins Studio, wo ihnen ein mit Musik unterlegtes Video vorgespielt wurde.

Medienschikane einmal anders

1. Juli 2009

HonestReporting Media BackSpin, 1. Juli 2009

Der palästinensische Journalist Khaled Abu Toameh fragt sich, warum die Mainstream-Medien nicht daran interessiert sind, über Unterdrückung und Folter von Kollegen zu berichten, wenn die Täter Funktionäre der Palästinensischen Autonomiebehörde sind.

Im Juni wurde ein Team von Al-Jazeera, das über Tod eines Palästinensers berichten wollte, der augenscheinlich gefoltert worden war, an einem PA-Checkpoint aufgehalten, das Videoband wurde konfisziert und gelöscht. Toameh sagt, warum Sie davon keine Kenntnis erhielten:

Man kann sich gut vorstellen, wie die Reaktion der internationalen Medien ausgefallen wäre, wenn die TV-Crew von israelischen Sicherheitskräften festgehalten worden wäre. Antiisraelische Gruppen und Personen hätten den Vorfall als weiteren Beleg für die „brutalen Methoden der Besatzer“ gegen die Freiheit der Medien gewertet….

Doch ziehen es Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, die in Israel und in den PA-Gebieten arbeiten, entweder vor, die Geschichte zu ignorieren oder sie haben nie davon gehört, weil sie keinen antiisraelischen Bezug aufweist.

Man kann sich auch gut vorstellen, wie die Medien und Menschenrechtsorganisationen reagiert hätten, wenn ein Palästinenser in einem israelischen Gefängnis nach angeblicher Folter gestorben wäre.

Wenigstens verurteilten Reporter ohne Grenzen den Vorfall.

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Al-Jazeeras Dreiecksbeziehung

15. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 16. Mai 2009

Das Jerusalem Center for Public Affairs veröffentlichte kürzlich ein brisantes Papier zur Beziehung zwischen Al-Jazeera, der Moslembruderschaft und dem Emir von Qatar, Sheikh Hamad bin Khalifa Al-Thani:

Der Generaldirektor des Senders, Wadah Khanfar, war Mitglied der Organisation in Jordanien, wo er in Haft saß. Heute ist er einer der engsten Berater des Emirs. Auch Sheikh Qaradawi ist Mitglied im inneren Zirkel um den Emir und bekannt dafür, dass er eng mit Khanfar zusammenarbeitet. Beide unterstützen die Hamas. Arabische Rechercheure haben erfolgreich einige „Brüder“ enttarnt, die für den Sender arbeiten, doch kann man davon ausgehen, dass es noch wesentlich mehr sind. Allgemeine Übereinstimmung besteht darin, dass Yusuf Al-Qaradawi die sichtbare Spitze des Eisbergs ist. In einem Artikel in der in London erscheinenden Tageszeitung Asharq Alawsat schrieb Maamun Fendi, weithin bekannter ägyptischer liberaler Denker, der heute in den Vereinigten Staaten wohnt, dass etwa. 50 Prozent des Jazeera-Personals der Moslembruderschaft angehört. Er fügte hinzu, dass ihr Einfluss in Qatar sowohl beim Sender als auch in Regierungskreisen zunahm….

Der Nachrichtensender fördert keine Offenheit. Er hat seine eigene Agenda. In den Händen eines ehrgeizigen Emirs ist er zur Waffe geworden, der von der Moslembruderschaft gesteuert wird und die Stabilität in Nahost bedroht.

Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf Ägyptens Feindschaft gegenüber Al-Jazeera. Die Aversion des Mubarak-Regimeregimes gegenüber der Muslimbruderschaft ist altbekannt. Erst heute gab es weitere Verhaftungsrazzien.

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Al-Jazeera (Englisch) erobert US-Äther

30. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 30. April 2009

Die englischsprachige Version von Al-Jazeera (AJE) hat in den USA einen Provider gefunden. Nach einem überraschenden Vertrag mit MHz Networks ist AJE nun im Einzugsgebiet von Washington zu empfangen. Der Washington Post zufolge sollen außerdem etwa 18 Millionen Haushalte in 20 Städten überall in den USA „einige oder alle Programme des Senders“ empfangen können.

Was erwartet die Zuseher, wenn es um den israelisch-palästinensischen Konflikt geht?

In der Erstausstrahlung letzte Woche erzählte Ayman Mohyeldin, englischsprachiger Korrespondent in Gaza, Online Journalism News, dass „die westlichen Medien bei der Berichterstattung zum israelisch-palästinensischen Konflikt schrecklich versagt“ hätten. Und Kollegin Sherine Tadros setzt noch einen drauf:

Tadros sagte, dass der ’Erfolg’ der Berichterstattung zu Gaza in der Verbindung von Emotionen und Gefühlen bestand. „Wir erlebten den Krieg zusammen mit den 1.5 Millionen Bewohnern von Gaza und wir versuchten, die Wahrheit zu berichten“, so Tadros.

Und die US-Amerikaner können sich nun Al-Jazeeras Geburtstagsständchen für Kindermörder wie Samir Quntar ansehen.

Tony Burman, AJE-Geschäftsführer, wirbt schon intensiv bei der Canadian Radio Television and Telecommunications Commission* CRTC) um Ausstrahlungserlaubnis. (Burman ist der ehemalige Chef von CBC News.)

Allgemein wird davon ausgegangen, dass AJE von der CRTC die Erlaubnis bekommt und den kanadischen Äther schon in diesem Herbst erobert. Letztendlich scheinen Zeit und (arabisches) Geld für AJE zu sprechen. Broadcasting and Cable:

Und mit westlichen Nachrichtenservices, die schmerzliche Etatkürzungen ihrer Auslandsbüros hinnehmen müssen, hat die Nachfrage von Nachrichten aus dem Ausland nur dazu gedient, die Interessen des Senders voranzutreiben. Zusammen mit dem originär-arabischen Nachrichtensender unterhält Al Jazeera 69 Büros weltweit. Das ist mehr, als BBC oder CNN aufweisen können.

Wozu immer es auch gut sein mag: MHz strahlt täglich auch Sendungen des staatlichen öffentlich-rechtlichen israelischen Rundfunks aus.

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*Nationale Regulierungsbehörde [bd]

Al-Jazeeras Durban 2-Patzer

22. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 22. April 2009

Al-Jazeeras Faktencheck ließ mich schmunzeln, nachdem er Alan Dershowitz als zurückberufenen Botschafter Israels in der Schweiz ausmachte:

Israels Außenminister Avigdor Lieberman beorderte am Montagmorgen Alan Dershowitz, Israels Botschafter in der Schweiz, zu Gesprächen nach Jerusalem, nachdem der Schweizer Präsident Hans-Rudolf Merz sich mit dem iranischen Präsident Mahmoud Ahmadinejad getroffen hatte.

Der Botschafter heißt Ilan Elgar. Aber Dershowitz machte tatsächlich auch Schlagzeilen in Genf, was Al-Jazeera vermutlich verwirrt hatte. Wenn Sie auf die Abbildung klicken erfahren sie den Grund.

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Al-Jazeeras Einfall in Kanada

6. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 5. April 2009

Al-Jazeera [Englisch] versucht, in Kanada Fuß zu fassen. Die Toronto Star berichtet, dass Tony Burman, Geschäftsführer und ehemaliger CBC-Chef, seine Beziehungen spielen lassen will, um dies zu ermöglichen.

Die Kanadier können sich nun Al-Jazeeras Geburtstagsglückwünsche an Kindermörder wie Samir Quntar ansehen.

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Theaterschiff erreicht Gaza. Was nun?

25. August 2008

honestreporting Media BackSpin, 25. August 2008

Das Hochgefühl der internationalen „Aktivisten“, die nun in Gaza angekommen sind, wird sich als flüchtig erweisen, wenn ihnen bewusst wird, dass die Rückkehr aus dem Gazastreifen schwieriger wird als die Anreise.

Die zwei Schiffe von International Solidarity Movement (ISM) erreichten Gaza am Samstag, nachdem Israel die Anreise genehmigt hatte, um einen Medienzirkus auf hoher See zu vermeiden.

Jerusalem Post zufolge wird man ISM nicht so selbstverständlich erlauben, über Israel auszureisen:

Nun, da sich die Gruppe in Gaza aufhält, geht man in Jerusalem davon aus, dass sie irgendwann Israel ersuchen werden, sie ins Land zu lassen, damit sie zurückfliegen können, da es unwahrscheinlich scheint, dass sie auf dem demselben Weg wieder zurückkehren, den sie gekommen sind. Bis jetzt ist aber noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob sie nach Israel einreisen dürfen.

Haaretz ergänzt, dass eine Rückreise übers Meer andere Kopfschmerzen bereitet:

In den nächsten Tagen wird man darüber diskutieren, ob die Schiffe nach dem Ablegen vor Gaza gestoppt und gefilzt werden. Israelische Offizielle sind besorgt, dass die Schiffe dazu benutzt werden könnten, gesuchte Palästinenser aus dem Küstenstreifen zu schmuggeln. „Sie stehen im Ruf, Terroristen zu schützen und als menschliche Schutzschilde zu agieren“, so die politische Quelle.

Ein echtes Zeichen von Solidarität wäre es, wenn die schippernden Wichtigtuer – darunter Reporterin Lauren Booth, Yvonne Ridley von Iranian Press TV und Ayash Daraj von Al-Jazeera – in Gaza geblieben wären. Solch‘ mutiger Schritt bedeutete nicht nur Gefahr sondern würde auch das Ego herunterfahren. YNet News traf viele Palästinenser, die nach der Ankunft von ISM enttäuscht waren:

„Nachdem sich aber herausgestellt hatte, dass die Schiffe zu wenig Lebensmittel brachten und zu viele Aktivisten….verließen etliche Menschen enttäuscht den Strand.

Bleiben Sie dran. Das könnte noch wesentlich interessanter werden.

Dazu passend: In einen Werbegag hineinschippern.

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Al-Jazeera entschuldigt sich für „Inhalte“ bei Kuntar-Party

7. August 2008

honestreporting Media Backspin, 7. August 2008

Haaretz erhielt die Kopie eines Briefes von Khanfar Wadah; Fernsehdirektor bei Al-Jazeera, in dem er sich für die Geburtstagsparty entschuldigte, die der Sender für Samir Kuntar ausgerichtet hatte.

…..„Elemente des Programms“ das zu Ehren Kuntars in der Nacht auf Samstag, den 19. Juli, ausgestrahlt worden war, „haben den Verhaltenskodex [des Senders] verletzt“ und er „betrachtet diese Übertretungen als sehr ernst“.

Nach Betrachten des Videos* frage ich mich, welche Inhalte eigentlich nicht abstoßend waren.

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*Bitte mit Internet-Explorer öffnen, falls sich mit Firefox nur ein Standbild öffnet.

Leseempfehlungen heute

27. Juli 2008

honestreporting Media BackSpin, 27. Juli 2008

Al-Jazeera verwendet Material von antisemitischer Gruppierung. Während das angesehenste Blatt Idahos Werbeanzeigen des Revisionisten Michael Hoffman ablehnt, benutzt Al-Jazeera seine Webseite als Quelle.

Ölreiche Araber bleiben Millionen versprochene Unterstützung schuldig. Die Spender sorgen sich, dass ihr Geld verschwendet wird…

Cyber-Nationalismus: Brave New World des Hasses. Soziale Netze und Video-Tauschseiten bringen die Menschen nicht immer näher zusammen.

Lesen Sie wirklich online? Das Internet ändert unsere Lesegewohnheiten. Nicht jeder mag das.

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Partylöwen

23. Juli 2008

honestreporting Media Backspin, 23. Juli 2008

Mindestens eine libanesische Party für Samir Kuntar wurde von Al-Jazeera organisiert:

Die in Beirut abgefeierte Sause wurde vom dort ansässigen Al-Jazeera-Büro organisiert, um Kuntar anlässlich seiner Entlassung aus israelischer Haft zu ehren. Er wurde als Held begrüßt, der eine mutige militärische Operation gegen den jüdischen Stat durchgeführt habe….

Ghassan bin Jeddo, Al-Jazeeras Bürochef in Beirut, ist seit langem für seine freundschaftlichen Beziehungen zur Hisbollah bekannt.

Kuntar seinerseits dankte Jeddo und Al-Jazeera für die und anderen Häftlingen in Israel gewährte Unterstützung und für die medienwirksame Kampagne, die zu ihrer Freilassung führte.

Mit welcher Überraschung wartet Al-Jazeera das nächste Mal auf? Mit der jährlichen Gedenkfeier für Seung-Hui Cho?

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Gib Al-Jazeera die Schuld

7. Juli 2008

honestreporting Media Backspin, 7. Juli 2008

Warum droht die Gruppe British Muslim Initiative mit rechtlichen Schritten gegen Harrys Place?

Und warum nur hat Al-Jazeera seine Übersetzung der Bemerkungen eines Hamas-Bevollmächtigten mitten während der Kontroverse verändert?

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Israeli lässt Al-Jazeera dumm aussehen

13. Juni 2008

honestreporting Media BackSpin, 13. Juni 2008

Dr. Mordechai Kedars exzellentes Interview auf Al-Jazeera zum Jerusalem-Tag (Ein immer wieder lesenswerter und guter Beitrag zum Jerusalem-Tag findet sich übrigens bei Lizas Welt) wurde jetzt auf YouTube mit englischen Untertiteln eingestellt.

Der Dozent am Lehrstuhl für arabische Studien an der Bar Ilan Universität weicht vor Reporter Jamal Rayyan nicht zurück.

Zur Hintergrundinformation ein früherer Beitrag von YNet News.

(Hat tip: Soccer Dad)

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