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Der Zermürbungskrieg: der „Krieg zwischen den Kriegen“

3. Oktober 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 26. September 2019

Ein Hubschrauber wartet am 23. Januar 1970 während des Zermürbungskriegs darauf nach einer Militäraktion auf der Insel Schadwan südlich von Scharm el-Scheik Truppen und Ausrüstung abzufliegen. (Foto: Mosche Milner; mit freundlicher Genehmigung des GPO)

Israel ist das einzige Land der Welt, das in einem Status lebt, der „Krieg zwischen den Kriegen“ genannt wird. Da es von Feinden umringt ist, die seine Vernichtung anstreben, selbst wenn offiziell kein Krieg herrscht, hat es ständig mit kleinen Angriffen dieser Feinde zu tun. Das größte Beispiel für diesen Status ist der dreijährige Zeitraum von 1967 bis 1970, eine Periode, die heute der „Zermürbungskrieg“ genannt wird.

Man hätte meinen sollen, dass Israels durchschlagender Sieg über alle benachbarten arabischen Länder im Sechstage-Krieg vom Juni 1967 dem jüdischen Staat ein paar Jahre Frieden und Ruhe verschafft hätte.

Das war aber nicht der Fall.

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser war entschlossen alles Mögliche zu tun, um die Sinai-Halbinsel zurückzugewinnen, die Israel während des Krieges eroberte, der am 9. Juni 1967 endete. Der Sechstage-Krieg war zwar vorbei, aber es dauerte nicht lange, bis der Zermürbungskrieg begann.

Die Anfänge des Zermürbungskriegs

Schon am 1. Juli zogen ägyptische Stoßtrupps in nur 16km Entfernung von den israelischen Positionen auf dem Ostufer des Suezkanals. Israel, das gemäß eines Plans agierte, mit dem ägyptische Streitkräfte daran gehindert werden sollten sich in dem Bereich zu sammeln, griff die Stoßtrupp-Soldaten an und verlor selbst einen Soldaten, 13 wurde verwundet. Am nächsten Tag bombardierte die israelische Luftwaffe die ägyptische Artillerie, die den Kommandotruppen Deckung gegeben hatte. Das führt zu einem ägyptischen Luftangriff auf israelische Streitkräfte im Sinai und im Grunde genommen war der Waffenstillstand vom 9. Juni damit nicht mehr passee. Die Geplänkel zwischen den beiden Seiten gingen den Juli hindurch weiter, wobei zahlreiche ägyptische Kampfjets von Israel abgeschossen wurden und Israel zwei ägyptische Torpedoboote versenkte.

Der israelische Zerstörer INS Eilat, den die ägyptischen Marine im Oktober 1967 versenkte; dabei wurden Seeleute getötet. (Bild: Wikimedia Commons)

Im August, September und Oktober war es relativ ruhig, aber am 21. Oktober 1967 versenkte die ägyptische Marine in internationalen Gewässern vor der Küste von Port Said die Eilat, einen Zerstörer der israelischen Marine; dabei wurden 47 Seeleute getötet. Israel schlug mit umfangreichen Bombardierungen ägyptischer Öl-Raffinerien und -Depots in der Region zurück, was erhebliche Artilleriegefechte zwischen den beiden Seiten zur Folge hatte; dabei gab es Oper unter ägyptischen Zivilisten.

Das Hin und Her ging 1968 mit ägyptischen Artillerie-Angriffen auf israelische Positionen weiter, was zu israelischen Vergeltungsangriffen führte. Die israelischen Führungskräfte glaubten, sie müssten handeln, um den ständigen ägyptischen Angriffen ein Ende zu setzen, die von Israel Opfer forderten. Am 30. Oktober 1968 zerstörten IDF-Kommandosoldaten eine ägyptische Trafostation und zwei Dämme sowie eine Brücke am Nil. Der Angriff führte zu einem großräumigen Stromausfall in Ägypten und der Schaden brachte friedliche Monate. Die Pause ermöglichte es Israel sich entlang des Ostufers des Kanals durch den Bau der „Bar-Lev-Linie“ zu stärken.

Ägypten griff Israel am 8. März 1969 wieder an, diesmal mit schwerem Artilleriefeuer und Luftangriffen auf die IDF, was erhebliche israelische Verluste verursachte. Die IDF reagierte entschlossen; sie schickte Truppen tief auf ägyptisches Gebiet, um militärische Ziele anzugreifen. Am nächsten Tag tötete Israel den ägyptischen Generalstabschef, General Abdul Munim Riad, als dieser ägyptische Streitkräfte entlang des Kanals besuchte.

Israel beschloss einmal mehr, dass es ernste militärische Aktivitäten unternehmen müsse, um den Versuch zu unternehmen, die ständigen ägyptischen Angriffe zu stoppen. Am 19. Juli 1969 begann diese Operation mit einem Stoßtrupp-Angriff auf den ägyptischen Militärposten auf Green Island, wobei 80 ägyptische Soldaten getötet wurden; dem folge ein Angriff der israelischen Luftwaffe auf ägyptische Streitkräfte am nördlichen Teil des Suezkanals, der 300 ägyptische Soldaten tötete und die ägyptischen Posten schwer beschädigte. Dem folgten etwa 1.000 Einsatzflüge der israelischen Luftwaffe im August, bei denen ägyptische Raketen-Abschussrampen und mehr als 20 ägyptische Kampfjets zerstört wurden.

Die Supermächte greifen ein

Beginnend im Oktober 1969 fingen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion an die Seiten in diplomatische Gespräche zur Beendigung der Kämpfe zu verwickeln. Als diese Versuche aber scheiterten, schickte die Sowjetunion beträchtliche Mengen an Waffen und Soldaten, um den Ägyptern zu helfen, was letztlich zu Luftkämpfen zwischen israelischen und ägyptischen Piloten führte, bei der die israelische Luftwaffe zahlreiche russische Flugzeuge abschoss.

Israelische Gegenschläge für ägyptische Angriffe gingen bis zum 8. April 1970 weiter, als Israel versehentlich in dem Glauben, es handele sich um eine ägyptische Militäranlage, eine Schule angriff. Bei dem Angriff wurden 46 ägyptische Kinder getötet und mehr als 59 verletzt. Israel beschloss an diesem Punkt seine Gegenangriffe einzustellen. Diese Veränderung der Politik erlaubte es den ägyptischen und sowjetischen Streitkräften näher an den Kanal zu rücken als Israel das wollte. Die Kombination der Schäden durch die ägyptische Armee, zusammen mit den militärischen Gewinnen und den Opfern, die der israelischen Seite zugefügt wurden sowie der Fähigkeit seine Streitkräfte näher an den Kanal zu bringen erlaubte es am 7. August 1970 eine Feuereinstellung zu erzielen, ohne eine Veränderung der Grenzen des Krieges von 1967 und ohne dass eine Seite sich zu Friedensverhandlungen verpflichtete.

Ein israelischer Soldat blickt über den Suez-Kanal auf ägyptische Dorf Kantara, 26. November 1970. (Foto: Mosche Milner, mit freundlicher Genehmigung durch das GPO)

Sadat legt die Grundlage für den Yom Kippur-Krieg

Der ägyptische Präsident Nasser starb am 28. September 1970 infolge eines Herzinfarkts und sein Nachfolger, Anwar Sadat, hielt sich an den Waffenstillstand; er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau und die Vorbereitung der ägyptischen Armee für einen Großangriff auf Israel, der dann mit dem Yom Kippur-Krieg im Oktober 1973 stattfinden sollte.

Es gibt widersprüchliche Berichte dazu, wie viele Israelis zwischen Juni 1967 und August 1970 in diesem Zermürbungskrieg getötet wurden. Die Zahlen reichen von 600 bis 1.400 mit tausenden Verletzten. Israel verlor mehr als 20 Flugzeuge sowie seinen Zerstörer, die Eilat, Auf ägyptischer Seite reichen die Schätzungen von 2.882 Getöteten und 6.285 Verwundeten bis zu 10.000 Getöteten. Zudem verlor Ägypten mehr als 100 Flugzeuge und mehrere Schiffe.

Dieser dreijährige Zermürbungskrieg bereitete den Weg zum Yom Kippur-Krieg drei Jahre später. Er führte Israel in einen Zustand weiterer Selbstgefälligkeit, überzeugt davon es können jeden Angriff abwehren, der von seinen benachbarten Feinden ausgeht. Der Schaden, den Ägypten Israel während dieser drei Jahre zufügen konnte, stärkte Ägypten und Israels andere Nachbarn so weit, dass sie die Zuversicht empfanden, sie könnten letzten Endes ihr gemeinsames Ziel erreichen den jüdischen Staat militärisch zu vernichten.

Der Yom Kippur-Krieg: ein Wendepunkt

19. September 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 12. September 2019

Photo: Government Press Office

Die arabischen Staaten versuchten Israel zu vernichten, schon bevor es gegründet wurde, indem sie ihre Leute aufstachelten Juden anzugreifen. Sie versuchten Israel zu vernichten, als sie den UNO-Teilungsplan von 1947 ablehnten und griffen Israel sofort nach dessen Unabhängigkeit 1948 an. Sie versuchten die 1950-er und 1960-er Jahre hindurch Israel mit Terroranschlägen zu vernichten, dazu 1956 mit der Sperrung des Suezkanals. Sie versuchten 1967 Israel über militärischen Angriff von allen Seiten zu vernichten. Nachdem sie mit all diesen Versuchen scheiterten Israel zu vernichten und Israels Ouvertüren für Frieden gegen die Rückgabe von Land, das es im Sechstage-Krieg eroberte, ablehnten, kamen die Araber ihrem Ziel im Oktober 1973 mit dem, was als Yom Kippur-Krieg bekannt wurde, sehr nahe.

Anwar Sadat

Der ägyptische Präsident Nasser starb im September 1970 und sein Nachfolger Anwar Sadat, der Optionen für eine langfristige Friedensvereinbarung mit Israel erkundete, stand unter dem Druck der ägyptischen Straße Ägyptens Ehre nach der Niederlage im Sechstage-Krieg wiederherzustellen.

Außerdem lag die ägyptische Wirtschaft in Trümmern; aber Sadat wusste, dass die tief gehenden Reformen, von denen er fühlte, dass sie nötig waren, bei Teilen der Bevölkerung zutiefst unbeliebt sein würden. Ein militärischer Sieg würde ihm die Popularität geben, die er brauchte um Veränderungen zu schaffen.

Gegen Ende 1972 begann Ägypten seine Streitkräfte aufzurüsten. Es erwarb MiG-21-Kampfjets und fortschrittliche panzerbrechende Lenkwaffen von der Sowjetunion. Zusätzlich wurden Generale, die 1967 versagt hatten, durch kompetentere Offiziere ersetzt und die Armee konzentrierte sich auf die Verbesserung ihrer militärischen Taktiken auf Grundlage der Verfahren des sowjetischen Militärs. Sadat erklärte, er sei vorbereitet „eine Million Soldaten zu opfern“, um das Territorium wiederzugewinnen, das Ägypten 1967 verlor.

Sadat arbeitete hart daran von anderen Ländern Rückhalt für die ägyptischen Bemühungen zur Rückeroberung des Sinai zu gewinnen und im Herbst 1973 behauptete er, er habe mehr als 100 Staaten, die diese Initiative unterstützten – zumeist aus der Arabischen Liga und von afrikanischen Staaten. Er streckte auch Fühler zu europäischen Ländern aus und abgesehen von massiver Militär- und diplomatischer Unterstützung durch die Sowjetunion gewann er die Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs im UNO-Sicherheitsrat.

Hafez al-Assad

Der syrische Präsident Hafez al-Assad initiierte ebenfalls eine massive militärische Aufrüstung mit einem Plan die Golanhöhen zurückzuerobern. Auch er hatte Träume Syrien als das dominanteste Militär der arabischen Länder aufzubauen. König Hussein von Jordanien zögerte sich an einem neuen Krieg zu beteiligen. Er fürchtete die Möglichkeit in einem neuen Krieg noch mehr Territorium als die Westbank zu verlieren, die er 1967 verlor. Er war zudem aufgebracht wegen Sadats Versprechen an Yassir Arafat von der PLO, dass diesem die Kontrolle über die Westbank gegeben werde, sobald Israel besiegt sei. König Hussein betrachtete die Westbank als Teil von Jordanien und wollte es wieder unter seine Kontrolle gebracht sehen.

Darüber hinaus brach 1970 ein Beinahe-Bürgerkrieg zwischen Jordanien und der PLO-Führung aus, während der die PLO aus Jordanien vertrieben wurde. Syrien stellte sich auf die Seite der PLO und half dieser sogar militärisch, also fühlte sich Jordanien unbehaglich sich der ägyptisch-syrischen Allianz anzuschließen. Der Irak lehnte es wegen seiner strapazierten Beziehungen zum Iran ab sich einem Angriff anzuschließen und der Libanon wollte nicht involviert werden, weil seine Armee klein und instabil war.

Sadat war zum Krieg entschlossen. Seine geheime Planung begann 1971 – wobei er sogar die höheren Kommandoebenen aus der Planung heraushielt. Der Plan Israel gemeinsam mit Syrien anzugreifen, bekam den Codenamen Operation Badr, nach der Schlacht von Badr, in der Muslime, geführt von Mohammed, den Stamm der Qureish aus Mekka besiegten. Im Oktober 1972 sagte Sadat seinem Obersten Rat der Streitkräfte, dass er vorhabe gegen Israel in den Krieg zu ziehen.

Sadat drohte im April 1973 in einem Interview mit Newsweek öffentlich mit Krieg gegen Israel. Mehrfach in diesem Jahr führten arabische Armen groß angelegte Übungen durch und jedes Mal ging Israel für ein paar Tage auf die höchste Alarmstufe. Aber den Kommandeuren wurde bis weniger als eine Woche vor dem Angriff nichts von den tatsächlichen Kriegsplänen gesagt und die ägyptischen Soldaten erfuhren davon erst ein paar Stunden davor.

Auf der israelischen Seite gab es jede Menge Warnzeichen, die ignoriert wurden. Am 25. September besuchte Jordaniens König Hussein heimlich Israel, um Premierministerin Golda Meir zu warnen, dass die Syrer Israel angreifen und Ägypten sich anschließen würde. Das war eine von elf Warnungen vor dem Krieg, die Israel aus legitimen Quellen erhielt.

Im Oktober sah der IDF-Geheimdienst ägyptische Militärbewegungen nahe des Suezkanals, aber er tat das als reine Manöver ab. Israel sah auch syrische Truppen sich auf die Grenze zu bewegen, gleichzeitig mit einer Einberufung von Reserven und der Streichung allen militärischen Urlaubs. Aber Israels Geheimdienstführung betrachtete all das nicht als Bedrohung und hörte auf keine der Warnungen. Man schätzte korrekt, dass Syrien nicht alleine angreifen würde und das nur in Übereinstimmung mit Ägypten täte. Fälschlicherweise urteilte man auch, dass Ägypten nicht angreifen würde.

Der Schwiegersohn des ehemaligen Präsidenten Nasser, Aschraf Marwan, war ein ranghoher Mossad-Agent und sagte Israel, dass Ägypten nicht angreifen werde, bevor die Sowjetunion ihr mehr MiG-23-Kampfjets und Scud-Raketen liefern würde, die sie auf israelische Städte schießen konnten. Da die Kampfflugzeuge noch nicht angekommen waren und Ägyptens Soldaten nicht genug Zeit für das Training mit den Scuds hatten, nahm Israel fälschlicherweise an, dass Ägypten für einen Angriff nicht bereit war. Israel schickte keine Verstärkungen auf die Golanhöhen, was sich als bedenklicher Schritt erwies.

Am Tag vor dem Krieg sah General Ariel Sharon, ein zukünftiger Premierminister, Geheimdienst-Informationen, die eine viel größere ägyptische Truppenkonzentration entlang des Suezkanals zeigten als für ein Manöver verwendet werden würde, dazu Ausrüstung, die für die Überquerung des Kanals genutzt werden sollte. Er war sicher, dass der Krieg unmittelbar bevor stand und gab diese Information an seine Vorgesetzten weiter.

Die israelischen Geheimdienste sahen, dass sowjetische Berater und ihre Familien Ägypten und Syrien verließen; an den Grenzen zusammengezogene ägyptische und syrische Panzer, Infanterie und Raketen befanden sich auf einem Allzeit-Hoch und Transportflugzeuge voller Militärausrüstung landeten in den Hauptstädten Kairo in Ägypten und Damaskus in Syrien.

Marwan, der israelische Spion in höchsten Ebenen der ägyptischen Regierung, warnte weiterhin vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff, aber seine Warnungen schafften es nie vom Geheimdienst zur Premierministerin. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober traf sich der Leiter des Mossad, Zvi Zamir, mit Marwan, der ihm sagte, dass ein gemeinsamer syrisch-ägyptischer Angriff bei Sonnenuntergang am nächsten Abend stattfinden würde. Israels Oberkommando forderte daraufhin eine teilweise Einberufung der Reserven.

Am Morgen des 6. Oktober überlegte Israels Führung einen Präventivschlag ähnlich dem gegen die ägyptische Luftwaffe, bevor Ägypten im Juni 1967 angriff. Aber nach Anhörung all der unterschiedlichen Meinungen entschied Premierministerin Meir, dass nicht angegriffen werden sollte. Sie erklärte, Israel würde amerikanische Militärhilfe benötigen, um einen ägyptisch-syrischen Angriff zu überleben und sie fürchtete, wenn Israel zuerst angreift, dann würde es dafür verantwortlich gemacht werden den Krieg angefangen zu haben und diese Hilfe nicht bekommen. Die Angst der Premierministerin war nicht unbegründet. US-Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger warnten Meir ständig davor einen Krieg zu initiieren. Am 6. Oktober noch betonte Kissinger Israel gegenüber erneut, dass es keinen Präventivschlag führen dürfe.

Am Yom Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, an dem die meisten Juden einen großen Teil des Tages in der Synagoge verbringen, nur sechs Stunden, nachdem Israel beschloss keinen Präventivschlag zu führen, griffen ägyptische und syrische Streitkräfte Israel an – sie überschritten die Waffenstillstandslinien von 1967 im Sinai im Süden und auf den Golanhöhen im Norden. Ägypten griff mit 100.000 Soldaten und 1.350 Panzern an. Zur Zeit des Angriffs hatte Israel am Kanal 450 Soldaten und um die 100 Panzer. Israels fehlende Vorbereitung ermöglichte der ägyptischen Armee mit relativer Leichtigkeit auf den Sinai vorzudringen. Auch Syrien machte große Fortschritte und eroberte einen beträchtlichen Bereich des von Israel kontrollierten Territoriums auf den Golanhöhen.

Ägyptische Militärlaster überqueren am 7. Oktober 1973 eine über den Suezkanal gelegte Brücke.

Israel fand sich in einer fatalen Lage wieder, was die USA veranlasste über eine Luftbrücke Militärausrüstung zu schicken. Dies wurde auch gemacht, um den massiven Nachschub zu kontern, den die Sowjetunion nach Ägypten schickte. Als die israelische Armee fast schon die Außenbezirke der syrischen Hauptstadt Damaskus erreichte, befahl der ägyptische Präsident Anwar Sadat, der erkannte, dass der fehlgeschlagene arabische Feldzug bald zu Ende sein könnte, seinen Streitkräften in die Offensive zu gehen. Israel wehrte nicht nur diesen ägyptischen Vormarsch ab, sondern drängte die ägyptischen Streitkräfte so weit zurück, dass die IDF den Suezkanal überquerte, nach Ägypten vordrang und begann auf ägyptische Städte, einschließlich Kairo zu marschieren. Dieses Vordringen wurde allerdings gestoppt, als am 25. Oktober unter Druck der USA ein von der UNO vermittelter Waffenstillstand in Kraft trat.

Die Grenzen von Syrien und Ägypten waren nicht die einzigen Fronten, an der sich Israel in diesem Krieg verteidigen musste. Palästinensische Milizen schossen Katjuscha-Raketen und panzerbrechende Flugkörper aus dem Libanon auf israelische Städte nahe der libanesisch-israelischen Grenze. Sie schafften es einige Israelis leicht zu verletzen und es gab Schaden an israelischen Gebäuden. Die israelische Führung beschloss, dass sie keine weitere Kampfzone öffnen konnte und entschied, keine Streitkräfte in den Südlibanon zu schicken, um die Quelle des Raketenfeuers auszuräumen.

(Ägypten brach den Waffenstillstand schon am nächsten Morgen und trotz der Vereinbarung gingen die Kämpf bis Mitte Januar 1974 weiter.)

Israel verlor in dem Krieg mehr als 2.500 Soldaten und rund 8.000 wurden verletzt. 293 israelische Soldaten wurden gefangen genommen. Die Arabischen Armeen, denen sich der Irak anschloss, verloren zwischen 8.000 und 18.000 Soldaten (Ägypten und Syrien veröffentlichten nie offizielle Zahlen) und zwischen 18.000 und 35.000 Verwundete.

Israelische Kriegsgefangene wurden von ihren syrischen und ägyptischen Fängern furchtbar gefoltert. IDF-Soldaten wurden tot aufgefunden, nachdem sie mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen hingerichtet wurden. Einige wurden mit Äxten geköpft und eine hohe Anzahl wurde mit Elektroschocks am ganzen Körper, einschließlich der Genitalien gefoltert, mit Zigaretten verbrannt und ihnen wurden die Fingernägel ausgerissen. Viele wurden noch lange nach Kriegsende gefangen gehalten.

Abgesehen von den horrenden Verlusten auf beiden Seiten hatte der Krieg für beide Seiten beträchtliche Folgen. Der Fehler nach Geheimdienst-Warnungen vor dem Krieg nicht zu handeln führte dazu, dass Premierministerin Meir und Verteidigungsminister Mosche Dayan zurücktraten. Israel schuf schließlich einen Nationalen Sicherheitsrat, um die Kommunikation und die Koordination zwischen dem Sicherheits/Geheimdienst-Apparat und der Regierung zu verbessern.

Die Auswirkungen des Krieges gingen aber weit darüber hinaus. Die Araber hatten nach dem Krieg widersprüchliche Emotionen und beide zogen in dieselbe Richtung. Einerseits hatten die Araber das Gefühl, sie hatten zwar ihr Ziel der Vernichtung Israels verfehlt, aber sie hatten Israel auch beträchtlichen Schaden zugefügt und das stellte ihre Ehre nach der vernichtenden Niederlage im Sechstage-Krieg sechs Jahre zuvor wieder her. Das gab ihnen die Fähigkeit Frieden mit Israels als „Gleichberechtigte“ auszuloten.

Andererseits sahen die Araber Israels militärische Stärke, wie es seine anfänglichen Verluste wegsteckte und dann in die Offensive ging, wobei es tief in die eigenen Länder eindrang. Diese Angst vor der Stärke Israels drängte sie dahin Frieden zu erkunden. Die israelische Seite erlitt einen schweren psychologischen Schlag, als sie plötzlich erkannte, dass sie nicht unbesiegbar war und es keine Garantie gab die arabischen Nachbarn im Krieg immer zu besiegen. Das verschob Israel zu einer stärkeren Entschlossenheit in Richtung Frieden zu arbeiten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten luden Israel, Ägypten, Syrien und Jordanien zu einem Treffen zu einer Friedenskonferenz im Dezember 1973 in Genf ein. Der Versuch scheiterte wegen Syriens Weigerung daran teilzunehmen. Durch die Bemühungen der USA unterzeichneten Israel und Ägypten am 18. Januar 1974 das Sinai I-Abkommen, mit dem Israel sich aus einigen seiner vorgeschobenen Positionen zurückzog, während es fast den gesamten Sinai behielt.

Das Sinai II-Abkommen wurde am 4. September 1975 unterzeichnet; mit ihm zog Israel von mehr Land im Sinai ab und UNO-Kräfte zogen dort ein, um das Gebiet zwischen Israel und Ägypten zu patrouillieren. Israel kontrollierte immer noch mehr als zwei Drittel des Sinai, die zu halten entscheidend war, während beide Seiten eine langfristige Übereinkunft ausloteten, ein Prozess, der letztlich 1979 im Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten gipfelte.

Die syrische Front war komplizierter; militärische Aktivitäten zwischen beiden Seiten setzten sich bis zum 31. Mai 1974 fort, als die USA eine „Entflechtungsvereinbarung“ vermittelten, in der Israel sich aus Syrien auf die Golanhöhen zurückzog, Syrien zustimmte seine Kriegsgefangenen in einem Gefangenenaustausch freizulassen und die UNO eine Entflechtungs- und Beobachtertruppe einrichtete, die den Frieden in einer Pufferzone bewahren sollte, die zwischen den beiden Ländern geschaffen wurde.

Der Yom Kippur-Krieg kennzeichnet das letzte Mal, dass die arabischen Nachbarländer Israels sich militärisch zusammenschlossen, um den Versuch zu unternehmen den jüdischen Staat zu vernichten.

Fünf Gedanken zur Ägypten-Krise

5. September 2013

Simon Plosker, HonestReporting.com, 21. August 2013

Verglichen mit vielen Teilen des Nahen Ostens ist Israel eine echte Insel der Ruhe. Bei laufenden Friedensgesprächen unter Medien-Blackout hat es ausnahmsweise relativ wenig zu berichten gegeben. Was auch ganz gut ist, da die Aufmerksamkeit der meisten Journalisten sich derzeit auf Kairo richtet, wo die ägyptische Armee auf ziemlich brutale Weise mit der Muslimbruderschaft zu tun hat.

Das gibt uns die Gelegenheit einige Beobachtungen zur Behandlung des Themas durch die Medien, die Berichterstattung zu Israels Rolle in der Krise und den Unterschieden zwischen dieser und der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu machen.

1. Ein seltsamer Sinn für Verhältnismäßigkeit

Schlagzeilen wie diese von der New York Times:

Palästinenser bei Razzia Israels in Lager in der Westbank getötet

finden sich jetzt im Koexistenz in denselben Nahost-Sektionen, die von Hunderten Toten in Ägypten berichten. Zusätzlich heißt es, dass die Zahl der Todesopfer in Syriens brutalem Bürgerkrieg die 100.000 überschritten hat.

Während wir den Verlust eines jeden individuellen Lebens nicht herablassend behandeln sollten, geben uns die Ereignisse in Israels Nachbarschaft vielleicht einen Sinn für Perspektive und Verhältnismäßigkeit, wenn wir die enorme Menge an Berichterstattung bedenken, die Israel in den Mainstream-Medien erfährt. Wie viele Ägypten, Syrer, Iraker und andere müssen gewaltsam sterben, bevor die Medien und andere erkennen, dass der israelisch-palästinensische Konflikt und Themen wie jüdischer Wohnungsbau in Jerusalem nicht der Dreh- und Angelpunkt sind, um den alle Konflikte des Nahen Ostens kreisen?

Und während Vorfälle wie der oben genannte legitimerweise für berichtenswert befunden werden, ist es bemerkenswert, dass einzelne palästinensische Tote derartige Berichterstattung gebieten, unabhängig davon, ob der darin verwickelte Palästinenser als Kombattant betrachtet werden kann oder nicht. In der Tat verweist der Artikel der New York Times auf B’Tselems Zahl von 10 dieses Jahr durch das Militär getötete Palästinenser, ohne zu prüfen, wie viele davon Terroristen waren.

2. Ein falscher Vergleich

Das Time Magazine wirft einen Blick auf ein englischsprachiges Video, das vom ägyptischen Militär an Regierungsvertreter und Journalisten in Washington ausgegeben wurde und das Handeln der Armee während der letzten Wochen der Welt erklären und rechtfertigen soll. Der Artikel stellt den folgenden Vergleich an:

Die [ägyptischen] Generale nahmen diese Woche eine Seite aus dem israelischen Medien-Blitzkrieg zur jüngsten Gaza-Offensive im November und setzten eigene Propaganda in Gang.

Doch hier endet der Vergleich auch schon. Die eher amateurhaften Anstrengungen der Ägypter mit Israels professioneller (und genauer) Online-Präsenz zu vergleichen ist beleidigend. Die IDF ist hat bei weitem die Nase vorne, wenn es darum geht die eigenen Botschaft zu veröffentlichen. Natürlich hilft es, wenn die eigene Botschaft auch glaubwürdig ist und es sieht so aus, als würde die ägyptische Armee sehr schnell lernen, dass ihr offensichtlicher Mangel an Zurückhaltung bei westlichem Publikum nicht gut ankommt.

Vielleicht sollten die westlichen Medien auch darüber nachdenken einen weiteren Blick auf die freundlicheren Methoden der IDF zur Kontrolle von Menschenmengen und ihrer Zerstreuung zu werfen, zu denen definitiv nicht gehört, dass wahllos und gezielt auf Zivilisten geschossen wird.

3. Her mit den Leichen

Zum Thema der Propaganda gibt es hier Dank der Times of London (nur per Abo) etwas, das Sie in Israel nicht finden werden:

Ägypten nutzt Leichen der Opfer als Waffe im Propagandakrieg

In unserer Studie zu Foto-Einseitigkeit im israelisch-palästinensischen Konflikt auf Shattered Lens zeigten wir auf, wie Fotos von Leichen und Bildmaterial von Beerdigungen von den Palästinensern ständig zu Propagandazwecken genutzt werden.

Im Gegensatz dazu erlaubt Israel Pressefotografen nicht Fotos von toten oder verwundeten Soldaten oder Zivilisten am Ort des Geschehens oder in Krankenhäusern bzw. Leichenhäusern zu machen, wenn die Fotografen nicht vor Ankunft der Notfalldienste vor Ort sind. Selbst dann üben die Redakteure einen Grad an Verantwortung darüber aus, was veröffentlicht wird. Bilder von leidenden Israelis sind daher weit weniger hervorgehoben.

Im Juli berichtete die Internetseite Al-Arabiya, die Facebook-Seite der Ägyptischen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (FJP) – der politische Arm der Muslimbruderschaft – habe Bilder von in Syrien getöteten Kindern gezeigt und behauptet sie seien Opfer der jüngsten Unruhen in Ägypten.

Klingt vertraut? Es ist nicht das erste Mal, dass Bilder toter syrischer Kinder missbraucht wurden. Früh während der Operation Wolkensäule tweetete die palästinensische Journalistin/Aktivistin Hazem Balousha das Foto eines Mädchens, das auf einer Krankenbahre lag, angeblich bei einem israelischen Luftangriff verletzt.

Der BBC-Reporter Jon Donnison war berührt und retweetete es. Aktivisten entdeckten allerdings, dass das Foto in Wahrheit in Syrien aufgenommen wurde, Monate vor dem Krieg.

Warum erkennen die Medien dann, dass Leichen als Waffen des Propagandakriegs in Ägypten sind, stellen aber dasselbe nicht in Frage, wenn es um die Palästinenser geht? Stattdessen bekommen wir Bilder wie die des Babys Omar Mishrawi auf der Titelseite der Washington Post und anderer Medienorgane zu sehen.

4. Moralisieren zu Israels Interessen

Es sind Zeitungsberichte aufgetaucht, die Israel vorwerfen zugunsten der vom ägyptischen Militär gestützten Regierung Lobbyarbeit zu leisten; diese finden sich u.a. in der New York Times und dem Wall Street Journal. Für die Uninformierten und die mit einer schlechten Meinung über Israel könnte dies Unterstützung des gewalttätigen Handelns der ägyptischen Armee implizieren. Mit einer gesunden Dosis Zynismus reagiert Shmuel Rosner in der New York Times: „Es geht wieder los. Israel unterstützt einen weiteren Schlächter“, bevor er die Realitäten durchbuchstabiert:

Israelis sind nicht immun gegen Kaltherzigkeit, Zynismus, Heuchelei und Rassismus. Doch diese Haltung ist etwas anderes. Wenn die Israelis dem ägyptischen Militär die Daumen drücken, dann weil sie sich nebenan eine Regierung wünschen, die den Friedensvertrag der beiden Länder respektiert. Und weil das Militär heute die einzige Institution in Ägypten ist, die verhindern kann, dass die Sinai-Halbinsel eine sichere Zuflucht für Radikalismus wird. Die Israelis sind pragmatisch und das könnte übel aussehen; aber das hat die Erfahrung sie gelehrt.

In der Tat: Israel hat nicht den Luxus liberale demokratische Kräfte gegen Extremisten, Radikale und autoritären Herrscher unterstützen zu können. In einer rauen Nachbarschaft kann man sich nur den Besten aus einem Haufen Schlechter aussuchen.

5. Journalisten betreiben Propaganda

Der Egyptian Independent bringt ein Feature zur Polarisierung und zum Missbrauch der ägyptischen Medien:

Qutb al-Arabi, stellvertretender Generalsekretär des Obersten Rats für Journalismus, sagte, er wisse, dass einige Zeitungen darauf verzichteten die Artikel einiger Autoren zu veröffentlichen, weil diese der politischen Zugehörigkeit der Eigentümer entgegen standen; andere verbannten Medien-Profis aus Fernsehsendungen, damit diese keinen anderen Standpunkt bringen konnten.

Jaqueline Zaher von DPA glaubt, dass die ägyptischen Medien die „Behältnisse“ politischer Mächte geworden sind. „Echtheitsprüfung und Gegenprüfung stehen für viele von ihnen nicht auf der Tagesordnung. Gerüchte und kaum Nachgeprüftes wurde als für die Ausstrahlung in Ordnung angesehen“, sagte sie. „Das geschah entweder aus Gier mehr Nachrichten zu veröffentlichen und ein Publikum zu füttern, das immer nach Informationen hungert, oder – in den meisten Fällen – um die politischen Agenden der Eigentümer zu bedienen.

Al-Arabi sagte auch, anonyme Quellen grassierten in ägyptischen Medien und machen es für einige Zeitungen einfach mit ungenauen Nachrichten davon zu kommen.

Private wie in staatlichem Besitz befindliche Medienorgane walzen moderate, nicht polarisierte Meinungen und Berichterstattung platt, womit sie den durchschnittlichen Ägypter verwirrt zurücklassen, während man sich auf jeder Seite der politischen Kluft Ägyptens über Einseitigkeit der Medien beschwert oder auf das Ende des Spektrums zurückgreift, das ihre Einseitigkeit bestätigt und sogar noch stärker füttert, was wenig Raum für unvoreingenommenes Berichten lässt.

Die Ägypter sind verwirrt und die auf der Straße vorhandene starke Polarisation beweist, dass wenige von ihnen über die Mittel verfügen, die dazu notwendig sind die Nachrichten abzuwägen, bevor man sie in sozialen Medien teilt oder gar einiges der Propaganda aus den Medien als persönliche Meinung übernimmt.

Vielleicht sollten westliche Journalisten aufhören ihre arabischen Kollegen durch die Linse westlicher journalistischer Praxis zu betrachten. Es hat im Verlauf der Jahre reichlich Gelegenheiten gegeben, bei denen palästinensische Journalisten eine aktive Rolle im Konflikt über die einfache Berichterstattung hinaus eingenommen haben. Erst in den vergangenen zwei Wochen enthüllten wir die Agenda des palästinensischen Fotojournalisten Fadi Arouri, der früher für Reuters arbeitete, während er gleichzeitig aktiv eine Kampagne gegen die Normalisierung der Beziehungen zu Israel förderte.

Im Mai 2013 überlegte das Newsmuseum in Washington – ein den Medien gewidmetes Museum – zwei Hamas-Aktivisten, die für das Fernseh-Netzwerk der Al-Aqsa der Hamas arbeiteten, in eine Zeremonie einzubeziehen, die die Journalisten ehren sollte, die während des letzten Jahres im Zuge ihrer Berichterstattung getötet wurden.

Doch wie das Beispiel Ägypten wie auch die Aktivitäten einiger palästinensischer Medien gezeigt haben, ist jemandem das Wort „Journalist“ als Beruf anzuhängen nicht notwendigerweise das Gleiche wie Professionalismus.

Alles fängt mal klein an….

24. April 2012

HonestReporting Media BackSpin, 24. April 2012

In einem Beitrag der The Times of Israel bringt Marc Goldberg einige bedenkenswerte Aspekte zu der von Ägypten einseitig blockierten Gaslieferung an Israel und deren Auswirkungen auf die ägyptisch-israelischen Frieden. Hier ein Auszug:

Nun sollte man endlich eine Grenze ziehen. Hier handelt es sich jetzt schon um eine diplomatische Krise, unabhängig davon, wie Israels Diplomaten sie einschätzen; und der Versuch einer Herunterspielung des Problems wird katastrophale Konsequenzen für uns alle haben. Wenn die Regierung das heute achselzuckend hinnimmt, wird dies eine neue Krise nach sich ziehen, und danach eine weitere, bis, wie Deutschlands Nachbarn in den 1930er-Jahren, Israel sich in einer Situation wiederfinden wird, in der es jegliche Kontrolle verliert.

Die Regierung muss sich gegen die ägyptische Vorgehensweise wehren und unmissverständlich zu verstehen geben, dass es so nicht weitergehen kann. Erstickt das im Keim und verhandelt unmissverständlich zu einem Thema, das jetzt noch überschaubar ist, um größere Probleme in der Zukunft zu vermeiden.

Es kommt mir so vor, als ob dasselbe über die Medien gesagt werden könnte, die sich bei „kleinen“ Problemen zurückhalten, so dass, wenn dann die Krise ausbricht, die Öffentlichkeit überrascht wird oder Israel als Aggressor dasteht, wenn es auf Provokationen reagiert, die von den Medien als nicht berichtenswert gehalten werden. Hoffen wir, dass so etwas jetzt nicht wieder passiert.

The Economist und sein Mauer-Syndrom

12. Dezember 2011

HonestReporting Media BackSpin, 11. Dezember 2011

Die aktuelle Printausgabe der Zeitschrift The Economist bespricht die israelischen Reaktionen zum Wahlsieg der Islamisten in Ägypten. Im Artikel findet sich dieser Schnipsel:

Israels Generäle haben sich bereits darauf vorbereitet. Sie haben den Bau einer riesigen Betonmauer entlang der Grenze Israels  zu Ägypten (240 Kilometer) vorangetrieben und eine weitere Brigade abgestellt, die dort patrouillieren soll.

„Riesige Betonmauer“? Die IDF gibt Auskunft:

Der Zaun ist dazu gedacht, die 240 Kilometer lange israelisch-ägyptische Grenze von Kerem Shalom bis Tabah abzusichern. Ein Teil der Grenze wird aus Absperrungsanlagen bestehen, während der andere Teil des Zauns mit Alarmvorrichtungen ausgestattet sein wird.

Kann  man klarer formulieren, dass diese spezielle Barriere keine lange Betonwand wird – und wie kann der Economist damit aufwarten? Oder ist dies schlicht nur eine Wiederkäuung der verfälschten Medien-Darstellung zu Israels Barriere zur West Bank, die weniger als 3% Betonmauer umfasst?

Es ist der Antisemitismus, Dummi

18. September 2011

HonestReporting Media Backspin, 15. September 2011

Wenn Sie nicht glauben, dass der Zusammenbruch zwischen Kairo und Jerusalem von ägyptischem Antisemitismus getrieben ist, nehmen Sie bitte zur Kenntnis: BBC-Reporter Thomas Dinham beschreibt „Wie ich in Kairo antisemitischer Misshandlung unterworfen wurde“.

Die Reaktion seiner Angreifer ist erschreckend:

Als ich die Straße entlang ging, stieß mich jemand von hinten, mit so viel Kraft, dass ich beinahe vornüber fiel.

Ich drehte mich um und fand mich von fünf Männern umzingelt, von denen einer versuchte mich ins Gesicht zu boxen. Ich stoppte den Angriff, indem ich sie darauf hinwies, wie schändlich es für einen Muslim ist, einen Gast in seinem Land anzugreifen, besonders im Ramadan.

Erleichtert, dass ein schienbar willkürlicher Übergriff vorbei war, war ich von der Entschuldigung entsetzt, die einer meiner Angreifer offerierte: „Entschuldigung“, sagte er zerknirscht und bot mir seine Hand, „wir dachten, du seist ein Jude.“

Ein ägyptischer Freund zeigte sein Mitgefühl und schüttelte den Kopf, als er die Nachricht erfuhr: „Das ist dumm, du bist offensichtlich kein Jude.“

Die abschreckende Erkenntnis, mit der ich zurückblieb, war: Wäre ich jüdisch gewesen, würde der Angriff offensichtlich gerechtfertigt gewesen.

Das war nicht Dinhams einzige Begegnung mit Antisemitismus. Lesen Sie die ganze Story [auf Englisch].

Medien verwandeln palästinensischen Terror in israelischen Angriff

13. September 2011

HonestReporting Media BackSpin, 13. September 2011

Während sich die Beziehung Israels zu Ägypten zunehmend verschlechtert, suchen viele Medien nach Erklärungen dafür, warum die ägyptische „Straße“ sich so feindselig gegenüber Israel verhält. Doch hat bisher keiner den seit Jahrzehnten staatlich geförderten Antisemitismus und die damit verbundene Hetze in den ägyptischen Medien erwähnt.

Stattdessen wird der unbeabsichtigte Tod der fünf ägyptischen Soldaten im Zuge der Verfolgung palästinensischer Terroristen nach deren Mordanschlag in Eilat als unmittelbare Quelle des Zorns ausgemacht.

Lesen Sie, wie einige Medien den Vorfall ins Gegenteil verdreht hatten. Besonders baff war ich von der Berichterstattung bei Sky News über den Angriff auf die israelische Botschaft in Kairo:

Der ägyptische Politologe Nabil Abdel Fattah sagte: „Diese Aktion zeigt die angestaute Wut und Frustration der jungen ägyptischen Revolutionäre gegenüber Israel, vor allem nach den kürzlich erfolgten israelischen Angriffen auf die ägyptische Grenze, die zur Tötung von ägyptischen Soldaten führten.“

Halten wir fest: der von Sinai aus gesteuerte Terroranschlag wurde nun als israelischer Angriff auf die ägyptische Grenze uminterpretiert. Vielleicht sollte Sky News noch einmal darüber nachdenken, warum man lieber jemanden zu Wort kommen lässt, der mehr politisiert statt seiner wissenschaftlichen Profession als Politologe zu entsprechen.

Sky News steht nicht alleine mit ihrer Uminterpretation eines palästinensischen Terroranschlags in einen israelischen Angriff. Es überrascht nicht, wenn Peter Preston vom Guardian schreibt:

Sie [die ägyptischen Straße] mag es nicht, wenn als tragisches Nebenprodukt eines weiteren israelischen Vergeltungsangriffes fünf ägyptische Grenzsoldaten erschossen werden.

„Vergeltungsangriff“?

Erst wenige Wochen ist der Vorfall alt und schon setzt der historische Revisionismus ein.

5 Gründe dafür, warum die Gaza-Flottille trotz Öffnung des Grenzüberganges durch Ägypten in See stechen wird

27. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 27. Mai 2011

Nach der Ankündigung Ägyptens, ab diesem Wochenende den Grenzübergang bei Rafah permanent zu öffnen, sollte man eigentlich meinen, dass die in der Türkei organisierte Gaza-Flottille überflüssig geworden wäre, weil die Palästinenser dann in der Lage sein werden, ungehindert aus- und ein zu reisen und genug Waren einzukaufen.

Falsch gedacht.

Hier 5 Gründe dafür, warum die Flottille dennoch starten wird.

5.  Zu viele frauenfeindliche arabische Männer und naive weibliche Teilnehmerinnen aus dem Ausland haben sich mit Anzahlungen für den Trip im Singles-Boot  eingeschrieben.

4.  Junge Aktivisten, die humanitäre Hilfskonvois nach Syrien, Kuba und Nordkorea planen, „brauchen praktische Erfahrungen, und Palästina klingt cool und gefährlich, weil es als Kriegsgebiet bezeichnet werden kann, auch wenn es in Wirklichkeit sicher ist und all den Komfort bietet, den die internationalen Besucher benötigen.

3.  Shopping!

2. Als Ergebnis des Übereinkommens zwischen Hamas und Fatah wird gemäßigt-technokratischen Flottillen-Teilnehmern mit palästinensischer Ehrenbürgerschaft die Mitgliedschaft im Kabinett der nationalen palästinensischen Einheit in Aussicht gestellt; sie werden von mildtätiger UNRWA-Unterstützung leben und ein persönliches „Recht“ auf Rückkehr beanspruchen können.

1.  Nach Bankrotterklärung und Übertritt zum Islam kann Lauren Booth sich nicht mehr neu erfinden.

Drei Schnipsel, die Ihnen vielleicht entgangen sind

24. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 24. Februar 2011

1. Ägypten kann sein Friedensabkommen mit Israel unterminieren ohne es technisch aufzukündigen. Und so funktioniert das:

Zusätzlich zur Kappung seiner Erdgasexporte, die etwa 40% des israelischen Gesamtbedarfes ausmachen, könnte eine zukünftige ägyptische Regierung ihre Unterstützung bei der Eindämmung der afrikanischen Flüchtlingsströme durch Ägypten nach Israel oder die Hilfe zur Verhinderung des Waffenschmuggels in den Gazastreifen einstellen, ohne dass dadurch der Friedensvertrag tangiert wäre, so die Bewertung von Analysten.

„Eine vollständige Aufkündigung des Friedensvertrages birgt das Risiko des Ausbleibens beträchtlicher amerikanischer Hilfszusagen“, sagte Laskier. ‚Eine neue Regierung könnte alles tun, um Ärger mit der  Obama-Administration zu vermeiden, indem sie zwar den Frieden [formell] nicht bricht, ihn im Prinzip aber auch nicht konkret einhält. Der Friedensvertrag könnte somit in seiner Bedeutung geschwächt werden und  an Substanz verlieren.'“

2. Kevin Myers wittert Heuchelei. Darum:

Währenddessen herrscht quer durch die westliche Welt fast völliges Schweigen, da Massaker und Unterdrückung die letzten Tage der säkularen arabischen Despotien markieren. Hätten die Metzeleien von Tripoli, Kairo oder Jemen in Israel stattgefunden, würden hunderttausende Demonstranten in europäischen Hauptstädten die grausamen Juden gebrandmarkt.

Wäre die US-Journalistin Lara Logan von einem Mob israelischen Männer gegriffen und sexuell misshandelt worden, Feministinnen weltweit würden zu Recht protestieren. Aber sie war ja nur das Opfer und Beutestück eines wüsten sexuellen Übergriffs durch arabische Männer in Kairo – und es herrscht Schweigen.

In einer sich ständig verändernden Welt ändern sich manche Dinge nie: und in den Köpfen der westlichen Linken sind die wahren Schurken in Nahost immer die Juden.

3. Die Muslim-Bruderschaft drängt in die Medien mit Tageszeitungen, Magazinen und vielleicht sogar mit  einem Satelliten-Kanal. Hier die Info:

„Freier Zugang zu Informationen ist der Schlüssel für eine konstante Weiterentwicklung der internationalen Medien,“ sagte al-Arian gegenüber Al-Masry Al-Youm, und er fügte hinzu, dass die Ägypter „es leid sind, von voreingenommenen Medien abgespeist zu werden.“

Neocons uneins mit Israel wegen Ägypten

3. Februar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 2. Februar 2011

Kein Scherz.

Neocons uneins mit Israel wegen Ägypten

In welchem Lager befinden Sie sich?

Ägyptische Medien zu Flottillen-Passagier: Frag‘ nicht nach und sag’ nichts

10. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 9. Juni 2010

Nach seiner Beteiligung bei den Zusammenstößen auf der Mavi Marmara steckt  Mohamed Beltagy in den ägyptischen Medien nun selbst Prügel ein, weil er über die Vorkommnisse im Fernsehen berichtet hatte. YNet News erklärt warum:

Das Eingeständnis, Gewalt gegen die IDF-Soldaten angewandt zu haben, hat einen Mediensturm unter ägyptischen Journalisten ausgelöst, die behaupten, dass „dies ein Propagandageschenk für Israel“ gewesen sei.

Unter der Schlagzeile „Das Geschenk der Muslimgemeinde an Israel“ kritisiert Kolumnist Abdullah Kamal Beltagys Eingeständnis. „Er behauptete, dass er und andere, die sich mit ihm an Bord befanden, drei israelische Kommandokräften, die das Schiff enterten, überwältigt und ihnen die Waffen abgenommen hätten. Er rühmte sich dessen, ohne zu begreifen, dass er Israel damit ein riesiges Geschenk gemacht hatte, von dem es in einer nachfolgenden Untersuchung zum Massaker Gebrauch machen kann….“

Auch die Tageszeitung el-Gomhuriah verschonte den Parlamentsabgeordneten nicht: “Gefährliches Gerede, das nur Israel nutzt.“

Immer wieder interessant zu sehen, wie staatlich kontrollierte Medien auf Kurs bleiben, um zu verhindern, dass Augenzeugen ihnen nicht dazwischenpfuschen.

3 Überlegungen zur Gaza-Blockade

8. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 8. Juni 2010

Eine Blockade ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ägypten erklärte sie für Gaza als gescheitert und öffnete seinen Grenzübergang bei Rafah auf unbestimmte Zeit.

Nun haben die Gazaner eine Verbindung zur Außenwelt. Aber gehen Sie bitte nicht davon aus, dass die politischen humanitären Hilfsflottillen, die vom Iran bzw. der Hisbollah gesponsered werden, zwangsläufig Israel umgehen. AP schreibt:

„Ägypten wird nicht zulassen, dass in großem Stil Baumaterial durchgelassen wird, weil der Grenzübergang in erster Linie für Reisende gedacht ist“, so ein Offizieller, der wegen der Brisanz des Themas ungenannt bleiben will.

Was bedeutet dies also? Aus dem hohlen Bauch heraus:

1. Gaza ist bereit für effekthascherische Politiker, die über Ägypten einreisen wollen. Shakehands-Solidaritätsfotos mit der Hamas sind für die innenpolitische Bühne der Türkei von Vorteil, ebenso wie diese Bilder schlechte Nachrichten für Mahmoud Abbas und den Friedensprozess sind.

2. Schmuggelindustrie und Einkünfte, die der Hamas zusätzliche Einkünfte wegen ihrer Entgelte bescheren, werden zusätzlich von Bedeutung sein, da die Palästinenser jenseits der ägyptischen Grenze einkaufen kaufen.

3. Ach ja, das auch noch: es macht es noch schwerer für die Leute, die damit argumentieren, dass Israel Gaza weiterhin besetze – wegen der Kontrolle über die Grenzen.

“Definitiver Beweis für Voreingenommenheit der Medien“

21. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Januar 2010

Beim Vergleich der Satzkonstruktionen in den Verweisen auf Israels bzw. Ägyptens Rolle bei der Abriegelung des Gazas kritisiert Jeffrey Goldberg scharf die Reuters-Berichterstattung aus dem Gazastreifen.

Und wenn er darüber hinaus Israels Rückzug betrachtet, die gigantische Unterstützung aus dem Ausland für die Palästinenser und deren Verschwendung, die Raketenangriffe, unter denen israelische Familien litten und die menschlichen Schutzschilde der Hamas, bezeichnet Goldberg diese Form der Berichterstattung als „Wohl definitiven Beweis für Voreingenommenheit der Medien.“

Bitte den vollständigen Artikel lesen [In Englisch].

Leseempfehlungen, 10.01.10

10. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. Januar 2010

Ägypten wendet PR richtig an
„Ägyptische Offizielle sprechen die knappe und selbstbewusste Sprache der Souveränität.“

Verhältnisse in der West Bank nicht reif für eine neue Intifada
Niemand möchte wirtschaftliche Profite aufs Spiel setzen.

Abbas: Katar-Medien einseitig zugunsten der Hamas
Arabische Presse bringt Abbas mit Gaza-Abriegelung in Verbindung.

Warum nicht “Viva Somalia?”
„Anders als die Somalis können die Palästinenser sich glücklich schätzen, dass sie die Zionisten zu Feinden haben.“

Kann die Hamas an einer Machtergreifung in der West Bank gehindert werden?
Ein israelischer Rückzug aus der West Bank würde das Totenglöckchen für die PA einläuten.

Ägyptens Sicherheitsbarriere instrumentalisieren

22. Dezember 2009

HonestReporting Media BackSpin, 23. Dezember 2009

Der Jerusalem Post zufolge löst der neue Grenzwall eine Krise zugunsten der Hamas aus. Reporter Khaled Abu Toameh folgert daraus:

Eine ausufernde Konfrontation zwischen der Hamas und Ägypten wird zweifellos Mubaraks Position untergraben, weil sie ihn so darstellen wird, als unterstütze er die USA und Israel in ihrem Kampf gegen die Bewegung. Eine Konfrontation sendet zusätzlich das Signal aus, dass auch Mubarak in die „Belagerung“ des Gazastreifens involviert ist.

Die Hamas andererseits profitiert von der verfahrenen Situation eines Regimes, das von vielen Arabern und Muslimen als Marionette der Israelis und Amerikaner betrachtet wird. Und jeder mögliche Erfolg der Hamas ist auch ein Sieg für Damaskus und Teheran.

Ein Blick in die Berichterstattung der LA Times über den ägyptischen Sicherheitswall zeigt, dass das Spin Game schon in vollem Gange ist.

Ägyptische Medien: Standartenträger antiisraelischer Empfindungen

12. Oktober 2009

HonestReporting Media Backspin, 12. Oktober 2009

Die ägyptische Journalistenvereinigung ermittelt formell gegen Hala Mustafa, eine Redakteurin von Al-Ahram, die sich vor ein paar Wochen mit dem israelischen Botschafter Shalom Cohen traf.

Heute führt AP, die die Hexenjagd als schwelende Gegenreaktion auf Israels Krieg im Gazastreifen und Faruk Hosnis vergebliche Bewerbung bei der UNESCO erklärt, einen Eiertanz um die Frage des Antisemitismus der ägyptischen Medien auf. Sie schreibt:

Die ägyptischen Medien agieren oft als Standartenträger antiisraelischer Stimmungen im Land…

Das ist Understatement. Mustafa bekommt von ihren Vorgesetzten bei Al-Ahram keine Rückendeckung. Die Vorstandsetage reagierte damit, dass sie gegen die Interaktionen mit Israel rigoros durchgreift:

Als Reaktion entschloss sich die Leitung von Al-Ahram dazu, nicht nur Mustafas Handeln zu untersuchen, sondern verkündete am Samstag, dass sie ihren Journalisten verbot, sich mit Israelis zu treffen und sie zu interviewen, dass sie an keinen Konferenzen teilnehmen, an denen Israelis beteiligt sind oder Recherchen in Zusammenarbeit mit israelischen Akademikern und Journalisten unternehmen dürfen. Der Vorstand sprach außerdem ein Blanko-Verbot dagegen aus, israelische Staatsbürger das Betriebsgelände von Al-Ahram betreten zu lassen.

Ach ja: Al-Ahram ist staatlich kontrolliert.

Wird Ägypten Al-Manar den Stecker ziehen?

19. April 2009

HonestReporting Media BackSpin, 19. April 2009

Seit im Sinai eine Terrorzelle ausgehoben wurde, bestehen zwischen Ägypten und der Hisbollah ernsthafte Spannungen.

Jetzt erreicht der Fallout Al-Manar, den Fernsehsender der Hisbollah, der – zumindest bis zum heutigen Tag – Millionen arabischer Haushalte über Nilesat erreicht, Ägyptens staatlich geführte Satellitenstation. YNet News schreibt:

Der Antrag bleibt bei seiner Feststellung, dass der schiitisch geführte Sender vor kurzem damit begann, unwahre Berichte über Ägypten zu senden. Unter anderem soll Al-Manar Ägypten der Kollaboration mit den USA, Unterstützung jüdischer Interessen und des Versuchs der „Implementierung einer zionistischen Agenda“ bezichtigt haben.

Es geht allein um ägyptisches Eigeninteresse. Bis 2007 strahlte Nilesat auch Al-Qaidas Al-Zawraa TV aus, und die ägyptischen Behörden nahmen den Sender nur vom Netz, weil die USA Druck ausgeübt hatte. (Memri zufolge ist Al-Zawraa „nun in Syrien unter dem Namen von Al-Rai TV wieder aufgetaucht“).

Hisbollah-Apologeten werden sicher anführen, dass ein Ende der Al-Manar-Ausstrahlungen die Meinungsfreiheit verletze. Aber die Washington Times entlarvte das Argument schon 2006, nachdem das US-Finanzministerium den Sender als Unterstützer einer Terrororganisation einstufte:

Al-Manar hatte gehofft, der Einstufung als terroristische Vereinigung zu entgehen, wenn er den Vorwurf der Verbindung zur Hisbollah als Versuch formulieren konnte, dass er seiner verfassungsmäßig garantierten Rechte beraubt werden würde. Wie aber das Finanzministerium klarstellte, geht es nicht um Al-Manars Rolle als Fernsehsender, sondern um seine unterstützende Rolle bei den Aktivitäten der Hisbollah, einer Organisation, die mehr Amerikaner ermordet hat als jede andere Terrorgruppe, Al Qaida ausgenommen.

„Jede Organisation, die von einer Terrorgruppe geführt wird – ob sie sich als Wohltätigkeitseinrichtung, Wirtschafts- oder Medienunternehmen tarnt – ist ebenso schuldig wie die Terrorgruppe selbst“, sagte Stuart Levey, Unterstaatssekretär im Finanzministerium und zuständig für die Verfolgung der Geldwäsche von Terrororganisationen.

Nilesat erreicht Millionen Haushalte in Nordafrika, Südeuropa und auf der arabischen Halbinsel.

Dazu passend: Terrorist Television

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Nasrallah vergiftet?

22. Oktober 2008

HonestReporting Media BackSpin, 22. Oktober 2008

Die hebräischsprachige Nachrichtenseite Walla zitiert eine nicht näher bezeichnete irakische News-Quelle, wonach Hassan Nasrallah sich nach einer Vergiftung in kritischem Zustand befinde.

Ein iranisches Ärzteteam wurde entsandt um den Hisbollahführer zu retten. Ein Vertrauter Nasrallahs dementierte alles, räumte aber ein, dass er Nasrallah seit einer Woche nicht mehr gesehen habe.

In den letzten Tagen berichteten arabische Medien, dass Nasrallah seinen Vetter Hashim Safi Al-Din zu seinem politischen Nachfolger ernannt hat. Und Ägypten widersprach heute Berichten, dass es Nasrallah eingeladen habe.

Bleiben Sie dran…

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Update, 22. Oktober. Natürlich steckt wieder Israel dahinter, wenn es nach arabischen Quellen geht:

MEMRI BLOG – Iraqi Website: Hizbullah Leader Nasrallah Survived Poisoning Attempt
The Iraqi website almalaf.net, which is close to the Iraqi government, wrote that Hizbullah Secretary-General Hasan Nasrallah has survived an attempt to assassinate him by poisoning, and that his life was saved by a 15-person team of Iranian doctors after his condition had become critical.

The website attributed the report to high-level Western diplomats in Beirut, who also said that the most likely suspect in the assassination attempt was Israel.

According to the report, Hizbullah is shaken and is conducting internal inquiries to get to the bottom of the matter.

A Hizbullah MP contacted by the website, however, denied the entire report and called it a fabrication.
Sources: http://www.almalaf.net, October 21, 2008; http://www.elaph.com, October 22, 2008

Fatwa erlaubt Hacken israelischer und amerikanischer Seiten

31. August 2008

honestreporting.com Media BackSpin, 31. August 2008

Von MEMRI:

… das Fataw-Komitee der Al-Azhar-Universität hat eine Fatwa ausgegeben, die das hacken amerikanischer und israelischer Internetseiten erlaubt, die dem Islam und den Muslimen Schaden zufügen; sie erlaubt auch, die Seiten als Teil des „elektronischen Jihad“ zu beschädigen.

Würde Gadi Evron dies als Beispiel für „Onlinemob-Kontrolle“ bezeichnen?

Leseempfehlungen

27. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 27. April 2008

Wie geht man mit Nachrichten aus Nahost um? Sderot und Gaza „im Kontext“.

Der Iran will jüdische Gruppen aus dem Forum aussperren lassen. Aufwärmphase für Durban II.

Zawahri: Hisbollah streute Gerüchte, Israel habe 9/11 geplant. Dies bestätigt, dass Sunniten in der Lage waren, das World Trade Center zu zerstören.

Chefredakteur der New York Times stellt gewisse Ähnlichkeit zwischen Israel und südafrikanischer Apartheid her. Bill Keller schrieb ein Buch über Nelson Mandela….

Hisbollah baut Kommunikationsnetz aus. Die vorgeblich „legitimierte libanesische politische Partei“ kann jetzt Gespräche von Bürgern und Behörden anzapfen.

Musikklänge einer Stadt, die dichter bevölkert ist als Gaza. Mit 7.000 Leuten pro Quadratkilometer hat Tel Aviv eine höhere Bevölkerungsdichte als Gaza (Via Daled Amos)

Ägypten baut eine Mauer. Sich Palästinenser vom Leib halten bedeutet nicht Apartheid, wenn es Araber tun, stimmt’s?

Saudischer Blogger wieder frei. CNN berichtet, dass der regierungskritische Blogger Fouad Al-Farhan aus dem Gefängnis entlassen wurde.

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