Posted tagged ‘AFP’

Der Guardian verschweigt Aussagen, die in Frage stellen, ob Juden überhaupt die Täter waren

23. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 21. März 2016

duma_fire

Ein Brand im Haus eines palästinensischen Kronzeugen im Fall gegen die jüdischen Terroristen, die letztes Jahr den Tod eines palästinensischen Kleinkinds und seiner Eltern verursacht haben, erweckt Misstrauen. Palästinenser haben wenig überraschend „jüdische Siedler“ für diesen jüngsten Vorfall beschuldigt.

Laut den israelischen Medien ergibt sich jedoch folgendes Bild:

In einer gemeinsamen Erklärung von Sonntagnacht sagten Shin Bet und die israelische Polizei jedoch, die Beweislage deute sehr deutlich darauf hin, dass es sich nicht um eine nationalistische Attacke handelte. „Die bis jetzt am Tatort gewonnenen Erkenntnisse stimmen nicht mit den Merkmalen einer absichtlichen Brandstiftung durch Juden überein“, hieß es in der Erklärung.

Viele Medien, darunter die LA Times und das Wall Street Journal, brachten diese wichtige Information.

Auch die AFP brachte das in ihrem Bericht, und auch der Guardian war Empfänger dieses Berichts.

Aber ein Vergleich der beiden Texte bringt ans Licht, dass der Guardian Teile des ursprünglichen AFP-Textes herausgekürzt hat. Beim Guardian steht nichts mehr über die Aussagen der israelischen Behörden, die die Annahme in Frage stellen, dass jüdische Extremisten verantwortlich wären.

Dies ist ein ernster Fall selektiven Verschweigens, wo es scheint, dass ein Redakteur ganze Abschnitte bewusst herausgelassen hat und dadurch die Story gegen Israel verdreht.

Und der Guardian war nicht das einzige Medium, das diese Information verschwiegen hat. Auch der Independent verheimlichte das, und NBC News veröffentlichte einen AP-Bericht und versäumte dessen Aktualisierung.

Wir haben den Guardian, den Independent und NBC News kontaktiert und um Aktualisierung gebeten.

***

UPDATE

Der Guardian hat HonestReporting per E-Mail geantwortet, man habe die ursprüngliche AFP-Story veröffentlicht, welche damals keinerlei Kommentar der israelischen Sicherheitsbehörden enthielt. Bezeichnenderweise sagt der Guardian ebenfalls, Stunden später habe man eine aktualisierte Version der Story erhalten. Jenes Update wurde jedoch weder veröffentlicht noch zur Originalmeldung ergänzt.

Zugegeben, zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung war der Guardian-Artikel korrekt gewesen. Aber obwohl die Redakteure das AFP-Update erhielten, aktualisierten sie die Story nicht. Es ist viel Zeit vergangen, und andere Medien haben die neuesten Informationen in ihrer Artikel eingearbeitet, warum also bleibt der Guardian untätig?

Wir haben den Guardian erneut zur Korrektur angehalten.

HRsuccess2UPDATE 2

Wir freuen uns, sagen zu können, dass der Guardian den Artikel nach dem E-Mail-Wechsel mit HonestReporting um die relevanten Informationen ergänzt hat.

UPDATE 3

Auch der Independent hat unserer Aufforderung entsprochen und der Story Folgendes beigefügt:

„Einem Bericht zufolge sagte die israelische Polizei, sie glaube nicht, dass die Attacke von jüdischen Extremisten durchgeführt wurde.“

Foto von Flash 90.

AFP-Schlagzeile im Hamas-Stil

18. März 2016

Simon Plosker, HonestReporting, 17. März 2016

bad-headline-worse-picture-770x400

AFP berichtet:

Am Mittwoch teilte der militärische Flügel der Hamas mit, einer ihrer Anhänger sei in einen Anschlag im besetzten Westjordanland involviert gewesen. Seit Beginn der Gewaltwelle im Oktober wird dies als erste Anerkenntnis dieser Art betrachtet.

Und hier ist die dazugehörige Schlagzeile:

afp160316

Warum schreibt die AFP die Aussage einer Partei zu, wenn sie doch in der Story feststellt, dass das Statement vom militärischen Flügel der Hamas kommt?! In der Story wird zwischen dem militärischen und dem politischen Flügel unterschieden, aber nicht in der Schlagzeile?

Und nachdem AFP eine Terrororganisation wie eine politische Gruppe behandelt, spielt sie den Terror noch weiter herunter, indem sie einen Terroristen als „Kämpfer“ beschreibt. Leider sind wir es schon gewohnt, dass „Militante“ zur Beschreibung von Terroristen hergenommen wird, aber „Kämpfer“ ist womöglich noch schlimmer, da es dem Vorfall jeglichen Extremismus nimmt und Gewalthandlungen vielleicht sogar eine Art Nobilität verleiht.

Wir haben AFP aufgefordert, die Schlagzeile zu ändern.

AFP zelebriert Mord und Totschlag am Weltfrauentag

9. März 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporting, 8. März 2016

handcuffs-modified-for-wordpress-feature-image

Am gestrigen Weltfrauentag brachte der Nachrichtendienst AFP einen Artikel, der die Frauen verurteilter palästinensischer Terroristen pries. Natürlich nicht von allen Terroristen, sondern nur von denen, die Israelis angegriffen haben.

afp-womens-day-small

AFP beginnt mit der Feststellung: „Mehr als 7000 Palästinenser sitzen aktuell in israelischen Gefängnissen, 600 davon lebenslang.“ Ein bezeichnendes Beispiel schamloser Medienvoreingenommenheit, denn AFP verschweigt, warum diese Insassen verurteilt wurden. Ebenso verschweigt AFP den Terror, den viele veranstaltet haben, und auch die Zahl der Todesopfer, die sie auf dem Gewissen haben.

Nichts über die israelischen Opfer oder ihre Familien, nichts darüber, dass die Palästinenserbehörde eingekerkerten Terroristen Summen zahlt, die sich weit jenseits dessen bewegen, was diese in Freiheit verdienen können, was einen starken wirtschaftlichen Anreiz zum Töten von Israelis bringt.

Danach schreitet AFP zu einer emotional aufgeladenen Fallstudie eines gewissen Ahed Abu Golmi, wobei nur ganz am Ende erwähnt wird, dass er für seine Rolle bei der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehavam Ze’evi im Jahr 2001 verurteilt wurde. (Existiert überhaupt ein Land auf dieser Erde, wo der Mörder eines Regierungsministers nicht im Gefängnis landet?) Wenig überraschend wird Ze’evis Familie im Artikel weder interviewt noch überhaupt erwähnt: Hinterbliebene waren seine Frau Yael und ihre fünf Kinder.

Auch über Khalida Muslih wird rührselig die Tränendrüse gedrückt, Ehefrau von Mohammed Muslih, der „neunmal lebenslänglich für tödliche Angriffe auf Israelis bekam“. Natürlich erfahren wir auch hier weder über die Anschläge noch über die Opfer irgend etwas. Statt dessen lesen wir:

Laut ihrer Aussage ist die Frau eines Gefangenen, der wegen eines Angriffs auf Israelis im Gefängnis sitzt, etwas, auf das man stolz sein kann, und sie wird ihre Haltung diesbezüglich niemals ändern.

Als ihr Mann 2002 verurteilt wurde, nur anderthalb Jahre nach ihrer Heirat, heulte sie vor Freude.

„All diese Jahre habe ich nicht das geringste bereut“, so Muslih, deren Sohn erst vier Monate alt war, als sein Vater ins Gefängnis kam.

„Ich war stolz darauf, die Frau eines Kämpfers zu sein, selbst wenn dies bedeutet, dass mir viele Dinge vorenthalten werden und mein Herz gebrochen wird.“

AFP verschweigt ebenfalls, dass 7.000 Gefängnisinsassen bei einer Palästinenserbevölkerung von 6,08 Mio. Menschen eine Quote von 1,15 pro 100.000 ergibt; eine der niedrigsten Quoten weltweit. Angesichts des Ausmaßes des Terrorismus, dem Israel ausgesetzt ist, ist dies ein erstaunlicher Wert. (Die mittlere Quote in Europa beträgt 98 pro 100.000, und die USA haben die weltweit höchste Quote mit 716 pro 100.000, über 600x höher als die Einkerkerungsquote der Palästinenser in Israel.)

Doch am unbegreiflichsten an diesem Artikel bleibt, wie es einem Journalisten in den Sinn kommen kann, die Lobpreisung der Frauen von Terroristen sei eine passende Art und Weise, den Weltfrauentag zu begehen.

Diktiert die PLO die Terminologie von Reuters?

14. November 2014

Pesach Benson, HonestReporting, 12. November 2014
(Übersetzung: Yvaine de Winter)

Temple-Mount-misleading-terminology-770x400

Vor einigen Tagen warnte die PLO ausländische Reporter vor der Verwendung des Begriffs „Tempelberg“ in Berichten über die heilige Stätte in Jerusalem.

Die Begründung ist, der Tempelberg liege auf besetztem Gebiet, und jede Bezeichnung dieser Stätte außer „edles Heiligtum“ (Haram al-Sharif auf Arabisch) schmälere palästinensische bzw. muslimische Ansprüche.

Die Seite heißt Tempelberg (Har HaBayit auf Hebräisch), weil dort die Tempel von Salomon und Herodes standen. Juden (und Christen) kannten den Ort für Tausende von Jahren unter diesem Namen, bevor eine Demarkationslinie durch die heilige Stadt gezogen wurde.

Aber jetzt sagt die PLO, „Tempelberg“ sei ein unzutreffender und politisierender Name.

Also frage ich mich, ob dieser Ausschnitt aus einem Text des Reuters-Korrespondenten Jeffrey Heller sich den Palästinensern anbiedert oder einfach nur schlampig geschrieben ist.

Anbetrachts der PLO-Warnungen an Journalisten schrillen meine Alarmglocken.

Das neue Blutvergießen wurde durch Spannungen über israelischen Zugang zur heiligsten Stätte Jerusalems befeuert, die von Muslimen als edles Heiligtum verehrt wird, auf dem die al-Aqsa-Moschee steht, und von Juden als der Berg, wo einst die biblischen Tempel standen.

Benennt die ausländische Presse die Stätte mit der englischen Übersetzung ihres arabischen Namens, dann sollte sie auch die englische Übersetzung ihres hebräischen Namens erwähnen und nicht einen Namen über den anderen stellen. Erwähnt man ausschließlich den arabischen Namen, wie es die PLO haben will, dann führt das zu einem schleichenden Aushöhlungseffekt, der die jüdische Bindung zu der heiligen Stätte in den Köpfen der uninformierten Leserschaft immer weiter abschwächt.

Und warum bezeichnet man den Berg nur als Jerusalems heiligste Stätte? Es ist die heiligste Stätte des Judentums.

Neben der Sache mit der irreführenden Terminologie gibt es auch die Frage der Transparenz: Fügte sich Heller der PLO-Warnung?

Wir reden hier über Reuters, deren Spitzenmann Stephen Jukes nach dem 11. September das missliche Klischee formulierte: „Der Terrorist der einen ist der Freiheitskämpfer der anderen.“ Es war auch Reuters, die 2004 einen Wutanfall gegenüber CanWest bekamen, als die kanadische Nachrichtenkette dem Reuters-Text das Wort „Terror“ beifügte. Reuters widersprach und sagte, das T-Wort gefährde seine Reporter. Fazit: Reuters gab zu, Zugeständnisse zu machen, um mit Terroristen den ‘Frieden’ zu wahren.

Doch Reuters ist nicht der einzige Nachrichtendienst, der Fragen aufwirft, indem er sich beim Thema Tempelberg der PLO gegenüber unterwürfig zeigt. Als Antwort auf eine Meldung der AFP tweetete Matthew Kalman scherzhaft:

Gratulation an AFP für die Beachtung des PLO-Medienhinweises und die Verwendung der korrekten „Al-Aqsa-Moscheegelände“-Terminologie statt „Tempelberg“

Gratulation an AFP für die Beachtung des PLO-Medienhinweises und die Verwendung der korrekten Terminologie „Al-Aqsa-Moscheegelände“ statt „Tempelberg“

Also, Jeffrey Heller, war es schlampige Arbeit? Oder erlauben Sie der PLO, Ihnen vorzuschreiben, wie Sie Ihre Arbeit für Reuters zu machen haben?

Bild: CC BY-SA Wikimedia Commons/Andrew Shiva; Reuters Egg-sposed CC BY/SA HonestReporting.com

„Militante“ Juden tanzen und beten

10. Juni 2014

Simon Plosker, HonestReporting.com, 10. Juni 2014

Wenn es je ein Beispiel dafür gab, wie das Wort „militant“ in den Medien zu einem bedeutungslosen Sammelbegriff geworden ist, dann in dieser Story der AFP:

Mehrere Dutzend radikale Juden versammelten sich am Montag an einem als Cenacle bekannten Ort in Jerusalem, um gegen christliche Pilger zu protestieren, die dort anlässlich Pfingsten beteten, sagte ein Sprecher der Polizei…

Ein AFP-Fotograf sagte, christliche Pilger und Touristen wurden von der Polizei in einem Teil der Kirche festgehalten, während militante Juden tanzten und beteten.

Stellen wir mal klar: Wenn Palästinenser Terroranschläge verüben, dann werden sie von AFP und den meisten anderen Medien als „Militant“ beschrieben. Wenn Juden tanzen und beten, dann sind sie ebenfalls „Militante“.

Damit stimmt doch irgendetwas ernsthaft nicht, oder?

Gute und schlechte Nachrichten aus Gilo

16. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 16. August 2010

Erst die guten Nachrichten aus Gilo: Wegen der ruhigen Situation beseitigt die Regierung eine Betonmauer, die das Viertel im Süden von Jerusalem vor palästinensischem Gewehrfeuer aus dem nahe gelegenen Beit Jalah schützte.

Die schlechte Nachricht? Ein paar Nachrichtenagenturen – Reuters, BBC and The Independent – kennzeichnen Gilo allesamt als „Siedlung“. AFP beschreibt Gilo als „ein jüdisches Viertel im besetzten Ostjerusalem“.

Letztes Jahr reagierten wir auf eine Flut gleicher Berichte: Gilo In Perspective.

Tel Aviv und AFP’s billige Synecdoche*

25. März 2010

HonestReporting Media BackSpin, 25. März 2010

*Unter Synecdoche versteht man ein rhetorisches Stilmittel, das einen Teil für das Ganze nimmt oder umgekehrt. Beispiel: „Das Weiße Haus sagte…“ statt die Regierung der Vereinigten Staaten sagte….“ oder: „Die Schweiz hat drei Goldmedaillen gewonnen“ (statt: das Schweizer Skiteam hat drei Goldmedaillen gewonnen).

Üblich für den Synecdoche-Gebrauch unter Journalisten und Bloggern ist beispielsweise der Verweis auf die Hauptstadt eines Landes als dessen Regierung, z.B. „Washington sagte etc…“. Man sollte also davon ausgehen können, dass der Gebrauch dieses Stilmittels eindeutig genug wäre, außer die betreffende Stadt ist nicht Hauptstadt.

Und das wiederum führt uns zu AFP, die das heutige Beispiel für einen absichtlichen Missbrauch des Stilmittels liefert:

Die Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Israel tritt zu einem Zeitpunkt ein, wo die historisch engen Bindungen zwischen Israel und den USA wegen Tel Avivs Plänen, neue Siedlungen zu errichten, großen Belastungen ausgesetzt sind.

Man wird mich nicht davon überzeugen können, dass AFP in Wahrheit das Verteidigungsministerium gemeint haben könnte, das sich in Tel Aviv befindet. Alle wichtigen politischen Entscheidungen und diplomatischen Aktivitäten finden in Jerusalem statt. Weiß AFP nichts vom Knesset-Umzug 1949?

Der Gebrauch von „Tel Aviv“ als alternativem Substantiv für „Israels Regierung“ kann nur als Beispiel für den Medienaktivismus gesehen werden, Israels Verbindung zu Jerusalem zu delegitimieren. Oder wie soll man das sonst interpretieren?

IndyMedia und der falsche Soldat

22. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 22. Juni 2009

Israel stellt Nachforschungen zu IndyMedia Israel an, nachdem auf deren Webseite ein Foto eingestellt worden war mit der Behauptung, dass Bassem Abu Rahma ermordet worden sei. Das Foto war mit „Mörder“ untertitelt und der Aufforderung, den Soldaten zu identifizieren. Aber AFP berichtet, dass IndyMedia wohl den falschen Soldaten „geouted“ hat:

Doch die Strafverfolger machen geltend, dass der Soldat, von dem sie sagten, dass er leicht identifiziert werden könne, nichts mit dem Vorfall zu tun hat.

Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Shai Nitzan wies die Polizei an, nachzuforschen, ob IndyMedia Israel die Privatsphäre des Soldaten verletzt habe.

IndyMedia reagiert.

Abu Rahma starb im April, nachdem er während einem der wöchentlichen Zusammenstöße bei Bilin von einem Tränengasgeschoss in die Brust getroffen worden war.

ShareThis

AFP*-Aktivismus

24. Mai 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. Mai 2009

Aus dem ersten Absatz des AFP-Textes:

Zwei palästinensische Aktivisten wurden an der Grenze zum Gazastreifen getötet, als sie einen Anschlag vorbereiteten, so der Armeesprecher.

Man muss den Artikel schon lesen, um herauszufinden, dass diese „Aktivisten“ AK-47-Gewehre, Handgranaten und Militärwesten mit sich führten sowie Sprengsätze am Sicherheitszaun anbringen wollten.

ShareThis

—————-
*Ähnlich wie die Kollegen von AP:

Wer Mitglieder von Reporter ohne Grenzen als Militante bezeichnet, überrascht auch nicht mehr groß, wenn er Terroristen den Aktivistenstempel verleiht.

AFP: „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Gewalt im Norden

23. Februar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 23. Februar 2009

Wann wird ein grundloser Angriff, eine gewalttätige Grenzverletzung und die unvermeidliche Reaktion darauf als „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Gewalt bezeichnet? Wenn Israel angegriffen und zur Reaktion gezwungen wird . Anders kann man sich die AFP-Berichterstattung zum Katyuschaangriff auf Galiläa nicht erklären, bei dem drei Menschen verletzt wurden.

Schon der einleitende Absatz veranschaulicht die moralische Gleichsetzung:

Israel beschoss am Samstag in einer Racheaktion den Südlibanon, nachdem eine Rakete in seinem Gebiet als Folge des gegenseitigen Beschusses entlang der Grenze niedergegangen war, so Quellen auf beiden Seiten.

Nach dem Angriff feuerte Israel Granaten auf die Stelle, von der Rakete kam. Niemand kam dabei zu Schaden. Aber AFP-Reporter Jihad Siqwali konzentriert sich auf die libanesische Perspektive:

Man sah Bewohner, die in panischer Angst vor der Racheaktion der Israelis flohen.

„Meine sechsjähriges Tochter hatte schreckliche Angst“, sagte der 49-jährige Hassan Faqih, als er sich mit seiner Frau und zwei Kindern auf den Weg zur nahe gelegenen Küstenstadt Tyros machte. „Wir bleiben in Tyros, falls sich die Situation zuspitzt.“

Jedwede mögliche Eskalation hängt selbstverständlich davon ab, was die Libanesen gegen weiteren Raketenbeschuss zu tun gedenken. Es hängt weniger davon ab, wie die Medien mit der Berichterstattung über Gewalt umgehen.

ShareThis

Siegreiche Hamas denkt über Fehler nach

28. Januar 2009

HonestReporting Media BackSpin, 28. Januar 2009

AFP bezog sich auf einen Bericht in Jane’s Defence Weekly [Registrierung erforderlich], in dem die Hamas Untersuchungen zum Misserfolg des Gaza-Krieges anstellt:

Mit Bezug auf einen ungenant bleibenden Hamas-Kommandeur äußerte Jane’s Defence Weekly, dass der zu erwartende Bericht zu fast allen Entscheidungen, die von den verantwortlichen Kommandeuren während der 22-tägigen Kämpfe getroffen worden waren, eine kritische Stellungnahme abgeben würde.

Die von Jane’s Defence Weekly zitierte Quelle gab darüber hinaus an, dass Hamas-Führer Khaled Mashaal und seine Anhänger energisch auf einen Konflikt gedrängt hätten, auf den sie nicht genügend vorbereitet waren….

Die Ezzedine Al-Qassam Brigaden, der militärische Flügel der Hamas*, und Geheimdienststellen hätten Mängel zugegeben, was ihre Reaktionen auf israelische Angriffe betraf….

Ich habe den vollständigen Bericht von Jane’s Defence Weekly nicht gelesen, aber falls die Untersuchungen tatsächlich zutreffen, bedeutet dies, dass es Potenzial für einen ernsthaften Konflikt zwischen der Hamas in Gaza und der Führung in Damaskus gibt.

Glaubt wirklich irgendjemand ihren Siegesparolen?

ShareThis

————-

*Quizfrage: Wie definiert sich der militärische [oder politische] Flügel der Hamas?

Für erschöpfende Antworten danke ich schon vorab 😉 (bd)

Korrektoren pennen während der Arbeit weg

18. November 2008

HonestReporting Media BackSpin, 18. November 2008

Schludrige Redigierung bei AFP:

Nach der Landung in Israel führte Miliband Gespräche über Jerusalem mit Interims-Premierminister Ehud Barak, so ein Sprecher der britischen Botschaft….

Er wird sich auch mit Verteidigungsminister Ehud Barak treffen, dem Vorsitzenden der Arbeitspartei und größten Partner der Kadima-Partei Olmerts und Livnis in der gegenwärtigen Regierungskoalition.

ShareThis

Das ist eine Nachricht?

8. September 2008

honestreporting.com Media BackSpin, 8. September 2008

Zeitungen und Blogs bekommen jede Menge unerbetene Presseerklärungen von Leuten, die Öffentlichkeit für Projekte, Petitionen und Prosa finden wollen.

Was also findet AFP nachrichtenwürdig an einem von elf Arabern unterschriebenen Brief, mit dem der „israelische Völkermord“ im Gazastreifen angeprangert wird?

Irans verpfuschte Fotomanipulation

11. Juli 2008

honestreporting Media Backspin, 10. Juli 2008

Wahrscheinlich haben Sie die vier Raketen gesehen, die in großen Zeitungen oder Webseiten wie BBC und NY Times abgebildet waren, um nur wenige zu nennen. Sehen Sie zweimal hin. Der Iran arbeitet an einer kleinen Fauxtografie.

Das manipulierte Foto:

Das Originalfoto:

Hier nun, was bisher bekannt ist: Das Foto erschien erstmals auf der Webseite von Sepah News, der PR-Seite der iranischen Revolutionsgarden. The Lede, Medienblog der NY Times, erklärt, was sich weiter abspielte:

AFP sagte, dass es das Bild von Sepah News am Mittwoch erhalten habe. Aber es gab später im Laufe des Tages keinen Hinweis darauf. Heute gab Associated Press (AP) ein Foto in Umlauf, das identisch mit dem der Quelle schien – aber ohne die vierte Rakete….

Bislang kann aber nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, dass in diesem Fall offizielle iranische Stellen beteiligt waren. Sepah hat die Version mit den drei Raketen heute offensichtlich ohne weitere Erklärung herausgegeben.

AFP hatte das Foto zurückgezogen,

weil wohl die zweite Rakete von rechts offensichtlich digital hinzugefügt worden war, um eine am Boden befindliche Rakete zu retuschieren, die wegen technischer Defekte nicht aufstieg.

Die Agentur ging der Sache nach und zeigte das Foto mehreren Experten, die darin übereinstimmten, dass das Foto manipuliert worden war.

Wie kommt es, dass AP ein Foto mit drei Raketen bekam, AFP aber vier? Joe Strupp von Editor & Publisher (E&P) stellte AP genau diese Frage:

Kathleen Carroll, leitende Redakteurin bei AP, gab die E&P-Anfrage an Sprecher Paul Colford weiter. Er gab lediglich an, dass AP sein Foto von der derselben Sepah News-Seite erhalten hatte wie andere Medienunternehmen.

Colford zitierte die AP-Bildunterschrift des gesendeten Fotos: „Auf diesem Bild (Donnerstag, 10. Juli 2008) der Sepah-Webseite der iranischen Revolutionsgarden, das iranische Shahab 3-Raketen zeigt, die von einem ungenannten Ort am Mittwoch, den 9. Juli 2008 abgefeuert wurden, nach Auskunft von Offiziellen einen konventionellen Gefechtskopf von einer Tonne Gewicht über eine Reichweite von 2011 Kilometern befördern können…“ Bildunterschrift: AP Photo/Sepah News“.

Die vielleicht beste Einschätzung der verpfuschten Sepah-Fälschung kommt von Leuten, die Photoshop mindestens ebenso gut beherrschen wie viele Anwender -; Notiz eines Redakteurs bei Photoshop News:

Selbst bei den kleinen Fotos oben ist jedem, der von digitaler Bildbearbeitung etwas versteht, klar, dass das Bild manipuliert worden ist. Abgesehen von den geklonten Rauchwolken am Boden gehen die Farben am Himmel, die die vierte Rakete umgeben, nicht natürlich ineinander über. Mit Sicherheit beschäftigt Sepah News nicht die begabtesten Photoshop-Künstler….legen Sie es unter OOOPS ab!

Als positive Entwicklung kann man die genauere Untersuchung des so genannten „Medienarms“ der Revolutionsgarden werten. Das hat ihnen bereits einen Platz in der Terrorliste des amerikanischen Außenministeriums eingebracht. Es gibt also keinen Grund zu der Annahme, warum Sepah-News nicht ebenso für eine Eintragung vorgesehen sein sollte.

Die von der Washington Times angewandte Logik im Fall des Hisbollah-Senders Al Manar gilt auch für Sepah News:

Der Sender Al Manar hatte gehofft, die Einstufung als Terrororganisation zu verhindern, indem er die Kritik an seiner Verbindung zur Hisbollah als Versuch darstellte, ihn seiner Redefreiheit [First Amendment in der amerikanischen. Verfassung] zu berauben. Aber wie das Finanzministerium klargestellt hatte geht es nicht um Al Manars Rolle als Fernsehstation, sondern um seine Unterstützung der Hisbollah-Aktivitäten – einer Organisation, die nach Al Qaida mehr Amerikaner ermordet hat als jede andere Terrorgruppe.

„Jede Organisation, die von einer Terrorgruppe geführt wird – ob sie sich als Wohltätigkeitseinrichtung, Wirtschafts- oder Medienunternehmen ausgibt – ist ebenso schuldig wie die Terrorgruppe selbst“, sagte Stuart Levey, Unterstaatssekretär im Finanzministerium und zuständig für die Verfolgung der Geldwäsche von Terrororganisationen.

ShareThis

Konversation mit dem AFP-Büroleiter in Jerusalem

29. Juni 2008

honestreporting Media Backspin, 29. Juni 2008

Honestreporting Kanada startet eine Serie von „Insider-Informationsgesprächen“ und beginnt mit Patrick Anidjar, dem AFP-Büroleiter in Jerusalem.

Im Gespräch geht es u.a. um die Berichterstattung zu den israelisch-iranischen Spannungen, Gaza und mehr.

Hier geht’s zum Interview.

ShareThis

Wie bitte?

10. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 10. April 2008

Kann irgendjemand diesen verschwurbelten AFP-Satz aufdröseln?

Die Hamas hatte für den Anschlag auf den Grenzposten nicht die Verantwortung übernommen, aber ihr bewaffneter Flügel sagte, dass er nach dem Kampf drei selbst gefertigte Raketen auf den Grenzübergang abfeuerte – das erste Mal seit Anfang März, dass er für einen Anschlag auf Israel die Verantwortung übernommen hat.

Email this

AFP-Quellen berichten, Teil 2

9. April 2008

honestreporting Media BackSpin, 9. April 2008

Das palästinensische Zentrum für Menschenrechte bestätigte, dass ein palästinensischer Junge durch eine fehlgeleitete palästinensische Granate getötet worden war, und nicht durch einen IDF-Panzer.

Wenn Sie genau hinhören, können Sie heraushören, wie sich AFP beeilt, ihre Berichterstattung zu korrigieren….

Dazu passend: Was Quellen sagen…

Hat tip: (Elder of Ziyon)

Email this

AFP gräbt falsches Archivbild aus

27. März 2008

honestreporting Media BackSpin, 27. März 2008

Palästinenser im Stadtteil Silwan nahe des Tempelberges protestieren gegen archäologische Ausgrabungen der israelischen Behörde für Altertümer (IAA). Obwohl die IAA-Ausgrabungen südlich des Tempelberges und außerhalb der Altstadtmauern stattfinden, suggeriert dieses dem AFP-Bericht beigefügte Archivbild* einen anderen Eindruck:

Das Archivbild zeigt einen Baugraben, ausgehoben als Teil einer archäologischen Grabung auf dem Gelände der Al-Aqsa Moschee. Ein Tunnel, der ausgegraben wird, um Zugang zu einem jüdischen Tempel zu bekommen und unter vielen palästinensischen Häusern in Ostjerusalem hindurch führt, sorgt für neuen Zündstoff in der Stadt. (AFP/File/ Ahmed Gharabli)

Die logische Schlussfolgerung ist, dass die fiesen Israelis den Tempelberg selbst angraben. Außerdem unterschlägt die Bildunterschrift, dass die hier gezeigte Ausgrabung in Wirklichkeit durch die islamische Waqf*** ausgeführt wurde, als sie letzten August einen großen Graben ausbaggerte.

Dazu passend: Die neusten Beschädigungen von Altertümern auf dem Tempelberg
———–

* und**: Als ich darauf zugriff, schien es entfernt worden zu sein. Das änderte aber auch nichts, da es im AFP-Bericht weiterhin zu sehen ist.

***Arabische Tempelbergverwaltung (Stiftung)

In der Schusslinie

16. März 2008

honestreporting Media BackSpin, 16. März 2008

AFP-Fotograf Abbas Momani begibt sich offensichtlich in Gefahr, um diese Aufnahme zu machen. Stellen Sie sich das Gebrüll von Reporter ohne Grenzen vor, wenn er von einem IDF-Geschoss getroffen worden wäre.

Frage: Wieso hören wir nie von Fotoreportern, die versehentlich von palästinensischen Raketen getroffen wurden?

Ein palästinensischer Demonstrant schleudert am 7. März nahe der Stadt Ramallah im Westjordanland Steine auf israelische Soldaten während einer Protestkundgebung gegen Israels Trennbarriere und die Razzien im Gazastreifen, die mehr als 120 palästinensische Tote forderten. US-Vizepräsident Dick Cheney reist aus dem Nahen Osten ab mit der Hoffnung, den ramponierten Friedenprozess wiederzubeleben und Saudi-Arabien dazu zu bringen, den Einfluss des Iran im Irak einzudämmen. (AFP/File/ Abbas Momani)