Einige klare Worte über die BDS

Verfasst 4. Juni 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, BDS, Die Welt und Nahost, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser

Alex Margolin, HonestReporting, 27. Mai 2015

straight-talk-fightingBDS-770x400

Wie deutlich muss die BDS über ihre wahren Ziele eigentlich noch werden, bevor scheinbar wohlmeinende Leute damit aufhören, ihr den üblichen Vertrauensbonus zu geben?

Ein Punkt, der das illustriert, ist der vor kurzem erschienene Artikel des Haaretz-Kolumnisten Bradley Burston, der wirklich zu wollen scheint, dass die BDS die Wahrheit über ihre Ziele sagt:

Was will die BDS wirklich von Israel?

Es ist nicht viel, was ich verlange. Und ich verlange das ganz sicher nicht aus Feindseligkeit. Ich verlange einfach nur klare Ziele. Und Klartext im Gespräch.

Ich will wissen, ob die BDS zwei Staaten bevorzugt – zum Beispiel indem sie sich darauf konzentriert, Produkte aus Westjordanland und Ost-Jerusalem zu kennzeichnen – oder ob das Ziel ein einziger Staat ist, nämlich Palästina.

Ein Staat oder zwei? Das ist Burstons Grundfrage. Sehr vernünftig.

Burston scheint diese Frage ein paar Absätze später selbst zu beantworten, als er Kommentare eines BDS-Aktivisten anführt, der zu einem Boykott von SodaStream beim Lebensmittelladen Park Slope Food Coop aufrief. Burston schreibt, SodaStream sei im Begriff, seine Fabrik von einem Gebiet jenseits der Grünen Linie in die Negev-Wüste zu verlegen, also weit innerhalb Israels.

“Jetzt zieht SodaStream auf Land, das von palästinensischen Beduinen gestohlen wurde, die ebenfalls Menschen sind”, sagte Anna Baltzer, Organisatorin der “U.S. Campaign to End the Israeli Occupation”.

Baltzer, eine in Kalifornien geborene Jüdin, die gesagt hatte, ihre Großeltern seien nur knapp dem Holocaust entkommen, und die von der linksradikalen Website Mondoweiss unglücklich als “It-Girl des Antizionismus” bezeichnet wurde, fuhr fort: “Wir unterstützen die Rechte eingeborener Palästinenser in Israel einschließlich der Beduinen. Wir können unseren Boykott nicht beenden, wenn SodaStream einfach neues palästinensisches Land besetzt.

Neues palästinensisches Land besetzt? In der Negev-Wüste? Das hört sich doch wie Klartext an, nicht wahr, Herr Burton? Auf jeden Fall hört es sich nicht so an, als ob man sich auf die Kennzeichnung von Produkten konzentrieren wolle, nicht wahr?

Nun, Burston hat noch Zweifel:

Sagt die BDS dann, dass jegliches israelisches Land besetzt ist? Dass die Ereignisse von 1967 in Wirklichkeit irrelevant sind und die Ereignisse von 1948 alles, was zählt?

Natürlich haben sie das Recht, das zu glauben und zu sagen. Ich will einfach nur die Antwort hören. Klar und direkt.

Es geht aber kaum klarer und direkter.

Burston schließt mit der Behauptung, die Situation mit dem Lebensmittelladen und SodaStream sei ungelöst und “auch innerhalb der BDS-Bewegung ist diese Sache noch ungelöst”. Doch wenn es SodaStreams “Verbrechen” war, eine Fabrik im Westjordanland zu haben, und wenn die Firma jetzt weit ins “richtige” Israel zieht, dann müsste die Angelegenheit doch erledigt sein? Dass sie nicht erledigt ist, ist ein großes, rot blinkendes Warnsignal für alle, die nach einer Zweistaatenlösung trachten.

Hier also etwas Klartext, um Ihnen etwas unter die Arme zu greifen, Herr Burston:

1. Die BDS wird nie sagen, dass sie zwei Staaten will, da dies schlichtweg nicht der Fall ist. Das Problem ist nicht, dass sich die BDS sehr verwaschen über ihre Ziele äußert. Das Problem ist, dass Frieden nicht zu diesen Zielen zählt.

2. Die BDS unterscheidet nicht zwischen Israel und Westjordanland. Auf ihrer Website steht: “Jeder kann israelische Erzeugnisse boykottieren, einfach indem man keine Erzeugnisse erwirbt, die in Israel oder von israelischen Firmen hergestellt wurden. Kampagnenführer und Gruppen fordern Verbraucher auf, keine israelischen Waren zu kaufen, und sie fordern Unternehmen auf, solche Waren weder zu kaufen noch zu verkaufen.” Alles, was mit Israel zu tun hat, befindet sich im Fadenkreuz der BDS.

3. Die Behauptung, die BDS sei “agnostisch” bezüglich des Konflikts, ist eine Taktik, um Unterstützer der Zweistaatenlösung zu vereinnahmen. Die Rhetorik ist laut und klar. Der Begriff “besetztes palästinensisches Land” in Bezug auf die Zeit vor 1967 ist kein Ausdruck einer agnostischen Mentalität.

Burston behauptet, er unterstütze eine Zweistaatenlösung. Für Leute wie ihn wird es Zeit, anzuerkennen, dass die größte Bedrohung dieser Lösung von Seiten der BDS kommt.

Warum fürchtet die BDS-Bewegung das State Department?

Verfasst 29. Mai 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antisemitismus, BDS, Israel, NGOs, Sonstiges

Alex Margolin, HonestReporting, 25. Mai 2015

antisemitism

Die Antisemitismusdefinition des State Department bewegte sich diese Woche einen Schritt näher hin zu einer allgemeinen Übernahme, als die Präsidentin der University of California, Janet Napolitano, die Definition übernahm.

“Ich habe meine eigene persönliche Sicht, und diese lautet, dass wir sie übernehmen sollten”, sagte Napolitano zu Bostons Radiosendung “Hear and Now“. Über diese Angelegenheit wird laut Napolitano im Juli von der Universitätsleitung abgestimmt.

Da die Campusdebatte über Israel immer mehr in den Antisemitismus abrutscht, ganz besonders an einigen Schulen der University of California, ist eine Antisemitismusdefinition, die eine klare Grenze zwischen legitimer und illegitimer Kritik zieht, für alle Beteiligten wesentlich.

Die Definition des State Department umfasst auch einen Abschnitt namens “Was ist Antisemitismus hinsichtlich Israel?”, der darlegt, wann Kritik die Grenzen überschreitet.

Gemäß der Definition ist eine Aussage antisemitisch, wenn sie Israel dämonisiert, Israel einer Doppelmoral unterwirft, die auf keine andere demokratische Nation angewendet wird, oder Israel durch Verneinung seines Existenzrechts delegitimiert.

Natürlich haben BDS-Unterstützer – von denen viele Israels Existenzrecht verneinen – eine Offensive gegen die Übernahme der Definition gestartet.

In einem Brief an Napolitano, der von einer ganzen Schar BDS-unterstützender Akademiker unterzeichnet wurde, behauptet die BDS-unterstützende Vereinigung Jewish Voice for Peace (JVP), die Abschnitte über Israel in der Definition “könnten zum Ersticken jeder Kritik an Israels Politik herangezogen werden (und wurden dies bereits)”. Der Brief forderte vom State Department, “seine Antisemitismusdefinition zu revidieren, um seiner Verpflichtung den Widerstand gegen Hass und Diskriminierung betreffend nachzukommen, ohne jedoch die von der Verfassung geschützte Redefreiheit zu beschneiden.”

Es überrascht kaum, dass keiner der über 250 Israelkritiker, die den Brief unterzeichnet haben, Vorschläge für eine annehmbare Revision vorzubringen hatte. Es gab auch keinerlei Anerkenntnis der wachsenden Zahl antisemitischer Vorfälle auf den Campussen einschließlich Bedrohungen und Gewalthandlungen gegen Israelunterstützer.

In Wirklichkeit ist der JVP-Brief nichts anderes als ein Spiegelbild exakt derjenigen Sache, die er angeblich kritisiert. Der Brief behauptet, der Vorwurf des Antisemitismus sei zu allgemein und diene dem Ersticken jeglicher Israelkritik. Doch der Brief selbst sucht die Stimme jener zu ersticken, die gegen Antisemitismus (auch in Form der Dämonisierung und Delegitimierung Israels) kämpfen möchten.

Wäre JVP und den unterstützenden Akademikern wie z. B. Richard Falk und Neve Gordon der Kampf gegen Diskriminierung in allen ihren Formen (einschließlich Antisemitismus) wichtiger als der Kampf gegen Israels Legitimität, würden sie eine allgemeine Definition von Antisemitismus begrüßen und ihn verurteilen, sobald sie ihn wahrnehmen – also auch bei anderen BDS-Unterstützern. Das ist der einzige Weg, um den öffentlichen Diskurs über Israel zu klären.

So wie der Brief formuliert ist, fällt es schwer, ihn als etwas anderes zu sehen denn als Versuch, Reden gegen Israel zu “legitimieren”, die bei anderen Themen inakzeptabel wären.

Eine klare Definition von Antisemitismus, akzeptiert von allen Beteiligten, ist die beste Garantie, dass die Campusdebatte aus legitimer Israelkritik besteht, frei von Antisemitismus und von Vorwürfen des Antisemitismus. Bis eine Definition feststeht, besteht der Diskurs nurmehr aus Schuldzuweisungen und Gegenschuldzuweisungen, was zu wenig gegenseitigem Verständnis führt und wodurch Debatten über die wirklich wichtigen Dinge versäumt werden.

Legitime Kritik an Israels Politik ist kein Antisemitismus. Aber Israel einen Nazi-Staat zu nennen ist keine Kritik; es ist Dämonisierung, welche keine Veränderung herbeiführen soll, sondern Antipathie gegenüber Israel. Die Antisemitismusdefinition des State Department macht diesen Unterschied klar.

Zeit, dass auch die BDS diesen Unterschied begreift.

Hier der betreffende Abschnitt aus der Definition des State Department:

Was ist Antisemitismus hinsichtlich Israel?

BEISPIELE der Art und Weise, in welcher sich Antisemitismus hinsichtlich Israel unter Berücksichtigung des Gesamtkontext manifestiert, könnten z. B. sein:

ISRAEL DÄMONISIEREN:
– Benutzung der Bilder und Symbole, die mit klassischem Antisemitismus einhergehen und die Israel oder die Israelis charakterisieren sollen
– Vergleiche der aktuellen Politik Israels mit jener der Nazis
– die Beschuldigung, Israel trage Schule an allen interreligiösen bzw. politischen Spannungen

DOPPELMORAL BEI ISRAEL:
– die Anwendung von Doppelmoral, indem von Israel ein Verhalten erwartet wird, das von keiner anderen demokratischen Nation erwartet oder gefordert wird
– die Konzentration multilateraler Organisationen auf Israel bei ihren Friedens- oder Menschenrechts-Ermittlungen

DELEGITIMIERUNG ISRAELS:
– Verwehrung des Rechts auf Selbstbestimmung für das jüdische Volk und Verneinung des Existenzrechts Israels

Kritik an Israel, wenn sie ähnlich ist wie die Kritik, die gegen jedes andere Land hervorgebracht wird, kann jedoch nicht als antisemitisch betrachtet werden.​

Newsweek zerfetzt die Grüne Linie

Verfasst 22. Mai 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Mai 2015

newsweek-mangles-green-line-770x400

Update: Nach HonestReportings Korrespondenz mit Newsweek wurde dem Artikel folgende Korrektur beigefügt:

Korrektur: Dieser Artikel wurde vom 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

Korrektur: Dieser Artikel wurde am 20. Mai korrigiert, um die Definition der Grünen Linie als Demarkationslinie zwischen israelischen und arabischen Streitkräften nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 herauszustellen. Die Grüne Linie galt nicht als Grenzziehung eines palästinensischen Staates, wie ursprünglich berichtet.

* * *

Ein Newsweek-Artikel enthält folgenden Absatz:

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut, die 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezeichnet wurde, nachdem der arabisch-israelischen Krieg von 1948 beendet war.

Über 350.000 Israelis leben in Siedlungen im Westjordanland und weitere 200.000 in Ost-Jerusalem. Im Sinne der Vierten Genfer Konvention betrachtet es die internationale Gemeinschaft als illegal, wenn Israel auf palästinensisches Land übergreift und Siedlungen außerhalb der Grünen Linie baut. Die Grüne Linie wurde 1949 zur Demarkation eines Palästinenserstaates gezogen, nachdem der arabisch-israelische Krieg von 1948 beendet war.

Die sogenannte Grüne Linie von 1949 demarkierte ganz gewiss keinen Palästinenserstaat. Die “Grüne Linie” sind die Grenzlinien zwischen israelischen und arabischen Streitkräften beim Ende des Unabhängigkeitskrieges von 1948. Diese Waffenstillstandslinien waren niemals als dauerhafte Grenzziehung gedacht. Zudem war das Westjordanland, auf das sich Newsweek bezieht, bis 1967 von Jordanien besetzt.

Der Text des Waffenstillstandsabkommens von 1949 besagt in Artikel V klar:

Die Waffenstillstands-Demarkationslinie ist in keinerlei Hinsicht als politische oder territoriale Grenze auszulegen und wird unbeschadet irgendwelcher Rechte, Ansprüche oder Positionen der Waffenstillstands-Vertragsparteien hinsichtlich der letztendlichen Beilegung der Palästinafrage gezogen.

Newsweeks gänzlich inakkurate Beschreibung der Grünen Linie stimmt mit der Ansicht derer überein, die irrtümlich behaupten, die Schaffung des Staates Israel sei auf Kosten eines vorher dagewesenen palästinensischen Staates geschehen. Niemals hat es einen unabhängigen palästinensischen Staat gegeben, und Newsweeks Beschreibung ist eine Verzerrung der Geschichte.

HonestReporting hat Newsweek eine Bitte um Korrektur geschickt.

Bild: CC BY-NC Darwin Bell via flickr

CNN und der dubiose Behauptungsjournalismus

Verfasst 22. Mai 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medieneinseitigkeit, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Pesach Benson, HonestReporting, 19. Mai 2015

cnn-sources-truck-770x400

Angesichts der gegen ihn geäußerten Kritik legte Don Melvin, der CNN-Reporter, der eine unbelegte Geschichte über das angebliche Fällen von 800 Olivenbäumen durch israelische Siedler geschrieben hat, auf Twitter mehrfach nach.

Sein Bericht steht ohne jede unabhängige Verifizierung da und ist somit ein Beispiel für das, was Medienspezialisten “Behauptungsjournalismus” nennen. Hierbei handelt es sich um die Vorstellung, dass Reporter eine Story im Zeitalter immer schnellerer Nachrichtenzyklen nicht verifizieren brauchen, wenn sie einfach nur ihre Quellen nennen.

Bei Melvin wäre das die Wafa-Nachrichtenagentur, der offizielle Nachrichtendienst der Palästinenserbehörde, deren Aktivitäten direkt von Mahmoud Abbas bestimmt werden. Um Ihnen eine Vorstellung vom journalistischen Standard der Wafa zu vermitteln: Dort nannte man die Terroristen, die letztes Jahr in eine Jerusalemer Synagoge eindrangen, “islamische Märtyrer”.

Obwohl Wafa keinerlei Quellen oder Augenzeugen benennt, ist Melvin journalistisch auf der sicheren Seite, so lange er Wafa “Fakten zuschreiben” kann, richtig?

Mal ganz langsam. Sehen wir uns an, wie die Medienexperten Bill Kovach und Tom Rosentiel die Defizite des Behauptungsjournalismus beschreiben:

Die zweite Implikation ist, dass diese neutrale Stimme ohne Verifizierung einen Anstrich von Wahrhaftigkeit erzeugt. Journalisten, die Quellen wählen, die in Wirklichkeit ihre eigene Sichtweise repräsentieren, und die dann die neutrale Stimme verwenden, um den Anschein von Objektivität zu erzeugen, machen sich einer Form der Täuschung schuldig. Dies schädigt die Glaubwürdigkeit des gesamten Berufsstandes und lässt ihn prinzipienlos, unehrlich und voreingenommen erscheinen. Dies ist ein wichtiger Ruf zur Vorsicht in einer Zeit, in der die Standards der Presse so sehr im Zweifel liegen.

Wenn Melvin seine Quellen und die Einzelheiten seiner Storys nicht überprüft und auch den Lesern gegenüber nicht transparent ist, welchen Nutzen hat er dann für CNN? Oder für uns?

"So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen."

“So viele Leute fordern mich auf, Nachrichten rauszufiltern, die sie nicht mögen. Würde ich allen Forderungen nachkommen, würden wir nichts mehr veröffentlichen.”

Bild: CC BY flickr/Charles Atkeison mit Beifügungen von HonestReporting

CNNs Journalismus geht vor die Hunde

Verfasst 20. Mai 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, arabische Medien, Die Welt und Nahost, Israel, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Mai 2015

cnndog

Was ist nur mit CNN los? Hier ein aktueller Bericht:

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur berichtet, israelische Siedler hätten rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume in der Nähe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron gefällt und in Besitz genommen.

Der Bericht von WAFA, der palästinensischen Nachrichten- und Informationsagentur, zitierte eine nicht namentlich benannte “Quelle vor Ort”. Israel hat sich noch nicht zu dem Bericht geäußert.

Die Quelle, die von WAFA als “ein Aktivist vor Ort” bezeichnet wird, teilte der Agentur mit, Bewohner der israelischen Siedlungen Bani Kadim und Asfar seien in einen Olivenhain in der Nähe der Stadt eingebrochen und hätten die Bäume, die den Menschen im Gebiet gehörten, gefällt.

Es ist eine Sache, wenn ein Mainstreammedium anonyme Quellen und unverifizierbare “Augenzeugen” zitiert, was wir in der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt nur allzu oft sehen. Es ist aber noch schlimmer, wenn sich eine Nachrichtenorganisation wie CNN auf unverifizierte Berichte einer palästinensischen Nachrichtenagentur wie WAFA verlässt.

Wie Elder of Ziyon korrekt feststellt:

Ok, woran können wir erkennen, dass es sich hier um Müll handelt? Indem wir uns die Formulierung bei Wafa ansehen. Dort steht: “Israelische Siedler fällten laut einer lokalen Quelle rund 800 in palästinensischem Besitz befindliche Olivenbäume nahe der Stadt Shuyukh östlich von Hebron und nahmen diese in Besitz.”

Was bedeutet “gefällt und in Besitz genommen”? 400 gefällt und 400 in Besitz genommen? Oder fällten sie 800 Olivenbäume, verfrachteten sie auf einen Lkw-Konvoi und karrten sie davon?

Es dauert lange, einen ausgewachsenen Olivenbaum zu fällen. Frische Setzlinge, die oft von Palästinensern gepflanzt werden, um öffentliches Land zu stehlen, sind relativ leicht auszureißen, aber hier steht “gefällt und in Besitz genommen”.

Keine Fotos. Keine Videos. Keine namentlichen Quellen. Keine Untermauerung. WAFA schreibt eine Story zusammen, die keinerlei normalem journalistischem Standard entspricht – und CNN plappert es ungeprüft nach unter dem Deckmantel, sie würden ja nur berichten, was antiisraelische arabische Medien sagen.

Und als wäre das nicht schon genug, geht es im CNN-Bericht folgendermaßen weiter:

Auch Vorfall an Aqsa-Moschee berichtet
Ebenfalls am Sonntag betraten über 175 jüdische Rechtsextremisten das Gelände der Aqsa-Moschee in Jerusalem, eskortiert von israelischen Polizisten und Sicherheitsleuten, wie Quellen innerhalb der Moschee berichteten. Die Quellen können aus Sicherheitsgründen nicht benannt werden.

Also wo ist der “Vorfall”, von dem CNN spricht? Angesichts dessen, dass Juden und Touristen den Tempelberg zu bestimmten Zeiten betreten dürfen, ist das dann wirklich ein “Vorfall”? Und wer sind diese unbenannten “Quellen innerhalb der Moschee”?

175 Menschen ist eine weit größere Gruppe, als sie normalerweise auf dem Tempelberg erlaubt würde, und es gibt keine anderen Medienberichte in der ausländischen oder israelischen Presse über irgendwelche ungewöhnlichen Vorgänge auf dem Tempelberg am Sonntag. Ist dem CNN-Reporter klar, dass die Palästinenser jeden Juden, der den Tempelberg besucht, einen “Extremisten” nennen? War es eine Gruppe aus 175 Menschen, oder war das nur die Gesamtzahl aller Besucher, die das Gelände am Sonntag betreten haben?

Das wissen wir nicht. CNN lieferte hier miserablen Journalismus. Leider beschränkt sich der verursachte Schaden nicht auf CNN und hat sich zu anderen Nachrichtenportalen verbreitet, die den Inhalt aufgrund ihres klar fehlinvestierten Vertrauens in CNN reproduziert haben.

Update: Wie antwortete der Journalist Don Melvin auf Twitter, nachdem er mit seiner schlampigen Berichterstattung konfrontiert wurde? Hier klicken.

Bild: CC BY-NC Mitchell Joyce via flickr

Die Medien, nicht der Papst, nannten Abbas einen “Friedensengel”

Verfasst 19. Mai 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Die Welt und Nahost, Europ. Medien und Nahost, Medienwelt, Palästinenser, Weltmedien und Nahost

Alex Margolin, HonestReporting, 18. Mai 2015

abbas-angel-peace-770x400

(Update: AP veröffentlicht Korrektur)

Die Begegnung von Papst Franziskus und PA-Präsident Mahmud Abbas ist ein exzellentes Beispiel für das Phänomen, dass eine Lüge manchmal schon den halben Planeten passiert hat, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht.

In diesem Fall war die Lüge, der Papst habe Abbas bei ihrem Zusammentreffen am Samstag einen „Friedensengel“ genannt. Einen Tag bevor der Papst zwei Nonnen aus dem Palästina der Ottomanenherrschaft heiligsprechen wollte, trafen sich die beiden Führer und tauschten Geschenke aus. Die New York Times präsentierte die typische Berichterstattung:

Der Papst überreichte Herrn Abbas ein Medaillon und sagte, es zeige einen Friedensengel, der „den bösen Geist des Krieges vernichtet“. Es sei ein passendes Geschenk, fügte der Papst hinzu, denn „Sie sind ein Friedensengel“.

Natürlich stand die Times damit nicht allein da. Dieselbe Fehlinformationen erreichte über AFP, Daily Mail, BBC und viele andere eine große Zahl an Menschen.

Aber laut National Review lagen die Medien daneben:

Sie könnten nicht fälscher liegen. Hier ist der Bericht über die Bemerkungen von Papst Franziskus vom Vatikan-Reporter der italienischen Zeitung La Stampa:

Wie es bei Staats- oder Regierungschefs Tradition ist, überreichte Franziskus dem Palästinenserführer ein Geschenk mit der Bemerkung: „Möge der Friedensengel den bösen Geist des Krieges vernichten. Ich habe an Sie gedacht: Mögen Sie ein Friedensengel sein.“ Papst Franziskus hatte Abu Mazen einen „Mann des Friedens“ genannt, als er im Mai 2014 Bethlehem besuchte, ähnlich wie er den damaligen israelischen Premierminister Shimon Peres bei seinem darauffolgenden Besuch in Jerusalem einen „Mann des Friedens“ genannt hatte. Der argentinische Papst hatte danach beide Führer zu einer Gebetswache in den Gärten des Vatikan geladen, was am 8. Juni desselben Jahres stattfand und dem auch der ökomenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus, beiwohnte.

Mit anderen Worten, der Papst hat Abbas keineswegs „Friedensengel“ genannt. Ganz im Gegenteil. Er drängte ihn, zukünftig zu einem Friedensengel zu werden.

Die Version der National Review wurde von der Washington Post bestätigt, die ihre Berichterstattung ebenfalls auf der offiziellen Verlautbarung des Vatikans fußen ließ:

Bei einem Treffen im Vatikan am Sonntag überreichte Franziskus Abbas ein Bronzemedaillon mit der Darstellung eines Friedensengels und ermutigte ihn, sich dem Frieden zu verschreiben, wie eine Verlautbarung des Heiligen Stuhls aussagte.

Was ist also die Ursache für die rapide Verbreitung falscher Informationen? Laut dem National Review:

Dies zeigt, wie erpicht manche in den Medien sind, Seine Heiligkeit als einen heroischen Fürsprecher für die Sache der Progressiven darzustellen und somit als Verbündeten Palästinas gegen Israel. Hätte der Papst Abbas tatsächlich einen Engel genannt, wäre dies in ihren Augen einfach ein weiteres Beispiel dafür, wie er konservative Katholiken, von denen viele wahrscheinlich proisraelisch sind, in die Schranken weist.

Tatsächlich vertreten die Medien seit langem die Position, Abbas sei die letzte und beste Hoffnung für den Frieden in der Region, und zwar trotz des Versagens der von Abbas geführten jahrelangen Friedensverhandlungen. Ist Abbas jedoch ein Mann des Friedens, anerkannt von einer Autorität wie dem Papst, dann muss das Versagen der Verhandlungen Israels Schuld sein.

Bild: CC BY-NC-SA Jared Rodriguez/Truthout via flickr, modifiziert von HonestReporting

BDS-Schlachten strapazieren jüdische Studenten

Verfasst 18. Mai 2015 von yvainedewinter
Kategorien: Antiisraelismus, Antisemitismus, BDS, Die Welt und Nahost, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Sonstiges, Weltmedien und Nahost

Alex Margolin, HonestReporting, 14. Mai 2015

jewishFuture-slipping-sand-hand-770x400

Haaretz-Reporter Ari Shavit besuchte zwei Dutzend US-Universitäten und kam von seiner Reise mit einer ernsten Warnung zurück: “Die Zukunft der Juden gleitet uns durch die Finger”, und damit meint er jene, die Israel und den Zionismus unterstützen.

Auf seiner Reise erlebte er eine belagerte jüdische Gemeinschaft, zusammengepfercht zwischen der extremen BDS-Rhetorik einerseits und ihren eigenen Bedenken hinsichtlich Israels Politik andererseits.

Wir fühlen uns, als seien wir auf dem Schlachtfeld im Stich gelassen worden, sagten mir viele. Die Antizionisten, sagten sie, beschuldigen uns der Kollaboration mit dem Bösen, aber der Zionismus versteht uns nicht und spricht nicht mit uns; statt dessen ist er damit beschäftigt, immer mehr und mehr und mehr Siedlungen zu bauen.

Zionismus, schreibt Shavit, bietet kein “verlässliches, relevantes und inspirierendes Narrativ”, welches dem “beinahe übermächtigen Antisemitismus” der BDS-Offensiven entgegenstehen könnte. “Und wenn sie auf dem Campus eintreffen und dem antiisraelischen Gift ausgesetzt sind, bricht die jüdische und proisraelische Identität vieler Studenten zusammen.”

Anders gesagt, es ist ein Kampf um Legitimität. Und Israel verliert ihn.

Die Zeichen sind klar, selbst ohne Shavits erschütternden Bericht über bedrängte Studenten und tränenreiche Konversationen.

Molly Horwitz, eine Kandidatin bei Stanfords Wahl zum Studenten-Senat letzten Monat, löschte alle Hinweise auf ihre Unterstützung Israels von ihrer Facebookseite. Ihr Wahlkampfmanager sagte der New York Times, Horwitz wolle Israel nicht zum Fokus ihrer Plattform machen.

“Wir haben das nicht gemacht, weil sie nicht stolz wäre – sie ist durchaus stolz -, aber das Klima auf dem Campus war ziemlich feindselig, und politisch wäre es nicht zielführend, hier öffentlich einen Standpunkt einzunehmen”, so der Wahlkampfmanager.

Der Kommentator Shmuley Boteach schrieb diese Woche über den kümmerlichen Protest an der New York University gegen einen Vortrag der lautstarken arabisch-israelischen Knesset-Abgeordneten Hanin Zoabi, die letzten Sommer mit ihrer Weigerung Schlagzeilen machte, die Entführung der drei israelischen Teenager einen terroristischen Akt zu nennen.

“Wie konnte es Zoabi erlaubt sein, an einer Universität mit 8.000 jüdischen Studenten den jüdischen Staat anzugreifen, ohne dass sich der jüdische Stolz und die jüdische Entschlossenheit dagegenstellten?” fragte er.

Die Antwort ist, dass jüdischer Stolz und jüdische Entschlossenheit nur bis zu einem bestimmten Punkt reichen, wenn es um Campuspolitik geht. Was unbedingt vonnöten ist, ist die klare Formulierung von Israels Legitimität.

Das steht in Wirklichkeit bei jeder Begegnung mit BDS auf dem Spiel, heutzutage der Hauptursache für Israels Delegitimierung auf dem Campus. Proisraelische Studenten gewinnen mehr Deinvestitions-Abstimmungen als dass sie diese verlieren, aber selbst wenn sie eine solche Abstimmung mal verlieren, hat bislang noch keine Universitätsverwaltung tatsächlich eine Deinvestitions-Maßnahme gegen Israel durchgeführt. Aber die BDS-Bewegung versteht, dass es bei diesem Kampf nicht um Deinvestition geht. Es geht um den Angriff auf Israels Legitimität und darum, es als rassistischen Staat zu brandmarken, der kein Existenzrecht hat.

Und diese Botschaft wird wieder und wieder auf Campussen im ganzen Land wiederholt. Deshalb muss jede Deinvestitions-Abstimmung auf dem Campus als Chance wahrgenommen werden, Israels Legitimität zu demonstrieren.

Bei Legitimität geht es auch um die Forderung nach einem dauerhaften Frieden auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses und Respekts anstelle von Israels Zerstörung. Es geht um Israels lebhafte Demokratie und um seine Freiheit. Es geht darum zu zeigen, dass Menschenrechte für Israelis und Palästinenser nur durch Kooperation, Diskussion und Handlung verbessert werden können, nicht durch Boykotte, Deinvestition und Sanktionen.

Und letztlich geht es bei Legitimität um die Rechtmäßigkeit Israels als Heimatland des jüdischen Volkes, selbst wenn einige politische Entscheidungen keinen Konsens finden. Doch im Gegensatz zu Gesellschaften, welche abweichende Meinungen unterdrücken, ist Israel eine offene Gesellschaft, welche die Meinungsvielfalt begrüßt und es zulässt, dass eine Idee Unterstützer gewinnt und zu Veränderungen führt.

Bild: CC BY-NC Kent Landerholm via flickr


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 408 Followern an