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Welche Beziehungen haben die Juden zur Westbank?

21. November 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 17. November 2019


Am 9. September 2013 wurde bei archäologischen Arbeiten am Fuß der Südmauer des Tempelbergs in Jerusalem ein goldenes Medaillon mit einer eingearbeiteten jüdischen Menora gefunden. (Foto: Talie Mayer/AFP via Getty Images)

Welche Verbindungen haben die Juden zur Westbank und Ostjerusalem?

Wie wird das in Kritik an Israels „Besatzung“ dieser Gebiete eingearbeitet?

Und sollte Israel auf die internationalen Forderungen hören das Gebiet einfach zu verlassen?

Was die Westbank ist (und was nicht)

Die Westbank einschließlich Jerusalems hat 2.173 Quadratmeilen zumeist bergigen Landes, das von südlich von Galiläa bis zum nördlichen Teil der Gegend am Toten Meer nördlich und südlich von Jerusalem genau mittig durch Israel verläuft; es liegt am Westufer des Jordan – daher dieser Name.

Es gibt zahlreiche Probleme mit dieser Forderung, die von der internationalen Gemeinschaft an Israel gestellt wird.

Das erste hat mit der Verwendung des Wortes „besetzt“ aus rechtlicher Sicht zu tun. Israel übernahm die Kontrolle über dieses Land während des Sechstage-Kriegs – eines Verteidigungskriegs im Juni 1967, als die Armeen aller benachbarten arabischen Länder sich zusammenrotteten um Israel anzugreifen und zu vernichten. Jordanien kontrollierte die Westbank, aber als König Husseins Streitkräfte sich dem Angriff auf den jüdischen Staat anschlossen, verjagte ihn die IDF aus dem Gebiet. Es verblieben keine jordanischen Streitkräfte auf dem Westufer (englisch: Westbank) des Jordan.

Damit es „besetztes Gebiet“ ist, muss ein Land ein Gebiet erobern, an dem ein anderes Land souveräne Rechte hatte.

Jordanien hatte aber nie souveräne Kontrolle über die Westbank.

Die Vereinten Nationen hatten vorgeschlagen die Region einem arabischen Staat zu geben, der als Teil des Teilungsplans von 1947 an der Seite eines jüdischen Staates gegründet werden sollte. Jordanien übernahm die Kontrolle des Gebiets während des totalen arabischen Angriffs auf Israel, nachdem im Mai 1948 die israelische Unabhängigkeit erklärt wurde. Aber als Jordanien das Territorium 1950 annektierte, lehnte die internationale Gemeinschaft es ab zu akzeptieren, dass Jordanien Rechte an der Westbank habe.

Daher kann Israels Übernahme der Kontrolle der Westbank von Jordanien keine „Besatzung“ genannt werden.

Historische jüdische Verbindungen

Lässt man die Frage zum Begriff „besetzt“ aus rechtlicher Perspektive beiseite, ist die Terminologie irreführend, weil sie die historischen jüdischen Verbindungen zu diesem Land ablehnt.

In der jüdischen Geschichte war diese Region als Judäa und Samaria bekannt; sie wurde zu einem wesentlichen Teil der jüdischen Hauptstadt.

Samaria, der Bereich der „Westbank“ nördlich von Jerusalem, ist Heimat zahlreicher wichtiger Stellen der jüdischen Geschichte:

  1. Elon Moreh: In 1. Mose 12,6 macht Abraham diese Gegend zu seiner Heimat und hier versprach Gott ihm, dass dieses Land ihm gehören wird.
  2. Beit El: Abraham lebte hier (1. Mose 12,8 und 13,3), dem Ort von Jakobs berühmtem Traum, der in 1. Mose 28,11-19 beschrieben wird. Jakob zog mit seiner Familie ebenfalls hierher (1. Mose 35,6).
  3. Die Berge Grizim und Eival: Orte, an denen das jüdische Volk Segen und Fluch empfing, wie sie in 5. Mose 11,29-30 und 27,11-13 befohlen und in Josua 8,30-55 ausgeführt wurden.
  4. Schechem (Sichem; heute als Nablus bekannt): Dort lebte Abraham (s. 1. Mose 12,6), Jakob zog mit seiner Familie dorthin und kaufte Land (s. 1. Mose 33,18-20) und dieses von ihm gekaufte Land ist das, wo Josef begraben wurde (Josua 24,32); Es ist der Ort, an dem Josua seine Abschiedsrede an die Nation hielt (Josua 24,1-15) und wo König Salomo seinen Sohn Rehabeam krönte, der ihm als König nachfolgen sollte (1. Könige 12,1).
  5. Schilo: Der Ort, an dem die Bundeslade mehr als 369 Jahre lang stand, so beschrieben in Josua 18,1, Josua 22,12, Richter 21,19, 1. Samuel 1 und weiteren.

Der generelle Bereich Samaria gehörte dem biblischen Stamm Josef, von dem die Stämme Ephraim und Menasche abstammen.

Judäa, der südliche Teil der „Westbank“, spielte ebenfalls eine wichtige Rolle in der jüdischen Geschichte, darunter

  1. Hebron: Die Stadt, in der Abraham lebte und Sitz der Patriarchenhöhle, die Abraham kaufte und wo er, Sarah, Isaak, Rebekka, Jakob und Leah beerdigt sind (s. 1. Mose 23 und 49,29-32). Auch König David regierte 7 Jahre lang in Hebron als König (2. Samuel 5,45-).
  2. Beit Lechem (Bethlehem): Begräbnisort von Rahel, wie in 1. Mose 35,19 beschrieben. Die Geschichte von Ruth entstammt von hier (Ruth 1,1) und Ruth kehrt in diese Stadt zurück, wie es Ruth 1,22 beschreibt. Die Christenheit glaubt, dass Jesus in dieser Stadt geboren wurde und dort als praktizierender Jude lebte.
  3. Betar: Die letzte Widerstand leistende jüdische Festung im Bar Kochba-Aufstand gegen die Römer; sie wurde von Kaiser Hadrian 135 n.Chr. zerstört.

Die Region Judäa gehörte dem biblischen Stamm Juda, daher ihr Name.

Archäologische Beweise

Sowohl Judäa als auch Samaria sind voller archäologischer Beweisen starken jüdisch-religiösen Lebens in der Region vor 2.000 bis 3.000 Jahren.

Ostjerusalem, das 1967 zusammen mit der Westbank erobert wurde, war die jüdische Hauptstadt Israels. Die Bibel berichtet, dass König David Land in dieser Gegend kaufte (s. 2. Samuel 24,17-25), das wir heute als das Stadtviertel Silwan kennen. Archäologen haben in diesem Bereich etwas entdeckt, von dem sie glauben, dass es König Davids Palast ist.

Archäologen haben außerdem zahlreiche Münzen gefunden, die hebräische Namen und Symbole sowie Redewendungen zum Tempelberg tragen, dem Ort des ersten von König Salomo gebauten Tempels sowie dem in der Generation von Esra gebauten und später von Herodes dem Großen renovierten zweiten Tempel.

Eine 69 n.Chr., unmittelbar vor der Zerstörung des zweiten Tempels geprägte Münze, die das Bild eines Kelchs und die Worten „für die Erlösung von Zion“ trägt.

Von einem in Silwan entdeckten Wassertunnel nimmt man an, dass es der Tunnel ist, den König Hiskija grub, um Jerusalem auf eine Belagerung durch die angreifenden Assyrer (s. 2. Könige 20,20 und 2. Chroniken 32). Vorzubereiten. Das Viertel ist zudem der Ort des Siloah-Teichs, auf den in 2. Könige 18,17, Jesaja 7,3 und Nehemiah 2,14 verwiesen wird.

Jahrtausende in die Vergangenheit zurückreichende Beweise für jüdisches Leben in dieser Region und die spirituelle Bedeutung der Gegend für den jüdischen Glauben zeichnen ein sehr anderes Bild als das internationale Narrativ, nach dem Israel das Land 1967 illegal „besetzte“.

Für Israel eine strategische Notwendigkeit

Es gibt ein finales Element über jüdische Verbindungen zum Territorium hinaus, das zu begreifen kritisch ist, wenn über die Westbank und der Vorschlag diskutiert wird, dass Israel seine Anwesenheit dort für einen Palästinenserstaat aufgeben muss.

Die Westbank sind die Höhen Israels – bis zu 930 Meter über Meereshöhe – und überblickt die zentrale Ebene, in der 70% der Bevölkerung des Staates Israel lebt. Es sind nur 17 km von der Grenze der Westbank bis zum Mittelmeer im Raum Tel Aviv. Diese Distanz sinkt bei Netanya auf 14km. Die Grenze befindet sich nur eineinhalb Kilometer von Kfar Saba entfernt.

Der Region eine Palästinenser-Instanz zu geben bedeutet, dass diese israelischen Bevölkerungszentren und der internationale Flughafen Ben-Gurion im Schatten dieser Körperschaft leben würden. Wenn, wie es passierte, als Israel aus dem Gazastreifen abzog, radikale Palästinenser-Elemente diese Höhenlage der Westbank nutzen, um mit Raketen und Artillerie auf Israel zu schießen, hätte der jüdische Staat keine Möglichkeit sich zu schützen.

Der israelische Außenminister Abba Eban sagte einst: „Die Grenzen von 1948 sind Auschwitz-Grenzen.“ Was bedeutete, sie würden zur Vernichtung des Staats Israel führen.

Ein weiterer strategischer Aspekt der Westbank ist die Grundwasserschicht, die sich unter den Bergen dieser Region befindet. Etwas mehr als ein Drittel von Israels Wasser kommt aus dieser Schicht, die alles Wasser für die Flüsse Yarkon und Teninim liefert. Diesen Posten abzugeben würde den Palästinensern erlauben Israel von dieser entscheidenden Quelle abzuschneiden.

Hunderttausende Israelis leben heute in „Siedlungen“ in der Westbank. Es sollte festgehalten werden, dass viele dieser sogenannten „Siedlungen“ tatsächlich Städte sind und die Israelis glauben, dass sie schlicht in ihrer biblischen und angestammten Heimat leben.

Und schließlich: Selbst wenn die biblische und historische Verbindung zum Land beiseite gelassen wird, verhindert die israelische Präsenz in der Westbank eine feindliche Übernahme, die das Potenzial hätte den jüdischen Staat zu vernichten, so wie die arabischen Länder es vor 1967 versuchte hatten.

Religionsfreiheit in Israel

14. November 2019

Paul Shindman, HonestReporting, 28. Oktober 2019

Der Staat Israel … wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der
Charta der Vereinten Nationen treu sein.
Israels Unabhängigkeitserklärung, 1948

1948 verpflichteten die Gründer Israels das frisch entstandene Land dazu ein jüdischer Staat zu sein, aber die freie Religionsausübung für jedermann sicherzustellen, ungeachtet der religiösen Zugehörigkeit. Israel hat zwar keine Verfassung, aber die Knesset, Israels Parlament, erließ im Lauf der Jahre Grundlegende Gesetze, die die Freiheit der Zugehörigkeit und Ausübung von Religion schützen.

Israels Bevölkerung besteht 2019 aus rund 8,4 Millionen Menschen und davon 75 Prozent Juden, 18% Muslime, 2% Christen und 1,6% Drusen. Zu den verbleibenden vier Prozent gehören Immigranten aus der ehemaligen UdSSR, von denen sich einige als keiner Religion religiös zugehörig identifizieren und andere, die sich als jüdisch identifizieren, aber nicht der jüdisch-orthodoxen Definition von „jüdisch“ entsprechen. Es gibt zudem Gemeinschaften der Samaritaner, Karaiten, Ahmadi-Muslimen, Bahai und verschiedenen (in Israel) kleinen christlichen Kirchen. Und am anderen Ende des Spektrums gibt es in Israel sogar einige Heiden und Hexen.

Religionsfreiheit wird von der Regierung unterstützt

Es gibt keine religiösen Barrieren um für ein öffentliches Amt zu kandidieren und Minderheiten sind immer in der Knesset vertreten gewesen. Anders als in vielen westlichen, liberalen Demokratien unterstützen Steuergelder Gottesdienste religiöser Gemeinden aller Glauben. Öffentliches Geld hilft unter anderem Folgendes zu unterstützen:

  • Betriebskosten für Moscheen, Synagogen und Kirchen
  • Gehälter für Leiter religiöser Gemeinschaften
  • Unterhalt zahlloser heiliger Stätten für alle Religionen

Das Bildungsministerium finanziert das Schulsystem, einschließlich sowohl säkularer als auch religiöser Schulen – jüdischer, muslimischer und  christlicher sowie einge Colleges und religiöse Seminare.

Alle Bürger und Gäste – die Millionen Touristen, die jedes Jahr zu Besuch kommen – haben freien und unbeschränkten Zugang, um ihren Glauben zu leben und es gibt keine Zensur von Predigten. Trotz der frostigen Beziehungen zwischen Israel und der palästinensischen Autonomie ist der Tourismus ein wichtiger Kooperationsbereich zwischen den beiden Seiten und erleichterter Zugang für Touristengruppen durch Grenzübergänge, insbesondere für heilige Stätten auf beiden Seiten wie Jerusalem, Nazareth, Bethlehem und Jericho.

Wie in anderen Demokratien gelten die Gesetze des Landes, also schließt Religionsfreiheit kein Recht ein die Gesetze zu verletzen, die die Zivilgesellschaft regeln. 1992 verabschiedete die Knesset das „Grundgesetz zu menschlicher Würde und Freiheit“, das Bürger- und Menschenrechte in Gesetzesform goss. Es ist eine interessante Fußnote, dass dieses Gesetz von einer Likud-Regierung unter Führung von Yitzhak Shamir beschlossen und 1994 von einer von Yitzhak Rabin geführten Regierung geändert wurde; diese Änderung fügte die Betonung der Freiheiten hinzu, die in der Unabhängigkeitserklärung ausdrücklich formuliert wurden.

Palästinensische Frauen beten 2017 während des Ramadan auf dem Tempelberg.

Obwohl das Grundgesetz zu menschlicher Würde und Freiheit Israel als einen „jüdischen und demokratischen Staat“ bezeichnet, überrascht es viele, dass Israel keine offizielle Religion hat. Jede der größten religiösen Gemeinschaften des Landes – jüdisch, muslimisch, christliche, drusisch – ist für ihre internen Angelegenheiten, religiösen Angelegenheiten und persönlichen Status selbst zuständig, darunter Heirat, Scheidung und Beerdigungen. Alle religiösen Familiengerichte sind als autonom anerkannt und werden von der israelischen Regierung bezahlt.

Jede Person in Israel genießt Freiheit des Gewissens, der Überzeugungen, der Religion und der Gottesverehrung. Diese Freiheit wird jeder Person in jedem aufgeklärten, demokratischen System gewährt und ist daher für jeden in Israel gewährleistet. Es ist eines der fundamentalen Prinzipien, auf denen der Staat Israel gründet.
Mosche Landau, Richter am israelischen Obersten Gerichtshof

Streitpunkte

Ist Israel, da die freie Religionsausübung in Gesetz gegossen ist, eine Bastion religiöser Harmonie ohne Streitpunkte, die die Ausübung der Religion umgeben? Natürlich nicht. Israel sieht sich, wie andere Demokratien, ständig einer Vielzahl von Themen ausgesetzt, die die religiösen Bekundungen umgeben.

Israels Bemühungen die religiösen Dinge zu steuern sind nicht anders als die Erfahrungen anderer Gesellschaften, zum Beispiel in Großbritannien, wo die Leiter beider großen Parteien in mit Religion in Zusammenhang stehenden Kontroversen verwickelt sind; oder in Kanada, wo die Provinz Quebec beschloss das Tragen religiöser Symbole zu verbieten (ein Schritt, der in Israel unzumutbar wäre, wo das Tragen religiöser Symbole üblich ist, sei es ein Christ, der ein Kreuz trägt oder eine religiöse Muslima oder Jüdin, die beide ihre Köpfe gemäß ihrer jeweiligen Bräuche ihren Kopf bedecken).

Eine Christin betet an der fünften Kreuzweg-Station der Via Dolorosa in Jerusalem

Zu den religiösen Streitigkeiten, die es in Israel gibt, gehört das Fehlen von standesamtlich geschlossenen Ehen. Ehen können nur von den jeweiligen Religionsobrigkeiten geschlossen werden. Es ist in erster Linie ein jüdisches Thema, dass es eine lange bestehende Notlösung gibt, wonach außerhalb des Lands standesamtlich geschlossene Ehen von jüdischen Religionsobrigkeiten anerkannt werden. Für die, die mit den Argumenten nicht vertraut sind, klingt das aberwitzig, aber währen dieses und andere Probleme mit Bezug zur Religion in der politischen Arena ausgefochten werden, heiraten Israelis weiter Zuhause sowie im Ausland.

Ironischerweise fahren viele der israelischen Paare, die sich entscheiden im Ausland zu heiraten, in das nahe gelegene Zypern, wo Auslandsehen eine kleine Touristenindustrie sind. Die israelischen Frischvermählten treffen oft auf Verliebte aus dem benachbarten Libanon, der ebenfalls keine Institution der Zivilehe hat.

Religiöse Vielfalt

Israels muslimische Bevölkerung besteht in erster Linie aus rund 1,4 Millionen sunnitischen Arabern. Tscherkessen und Beduinen sind Mitglieder des muslimischen Sektors Israels. Tscherkessen sind eine kleine sunnitisch-muslimische Minderheit, die ursprünglich aus dem Nordkaukasus stammt und sich in Israel ansiedelte, nachdem sie durch das zaristische Russland von dort vertrieben wurde. Wie die Drusen und Beduinen dienen tscherkessische Männer im israelischen Militär.

Während Christen im gesamten Nahen Osten angegriffen werden, ist Israels kleine und sehr diverse, 170.000 Personen zählende christliche Gemeinschaft, die sicher in einem Land lebt, das ihre religiösen Rechte schützt.

Als Heim der heiligsten Stätten der Christenheit erkennt Israel offiziell 10 christliche Denominationen für die Zwecke des persönlichen Status wie Heirat und Scheidung an: griechisch-orthodox, griechisch-katholisch, römisch-katholisch, armenisch-orthodox, armenisch-katholisch, maronitisch, syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, chaldäisch-katholisch und (anglikanisch-) episkopal.

Die drusische Gemeinschaft hat in Israel wegen ihrer religiösen Lehre, dem Land gegenüber loyal zu sein, in dem die Gemeinschaft wohnt, eine besondere Stellung. Die meisten der rund 140.000 Drusen des Landes leben in 22 Dörfern in Nordisrael. Wie Judentum, Christentum und Islam ist der drusische Glaube monotheistisch und abrahamitisch, wobei die Drusen Jethro verehren, den Schwiegervater von Moses. Das Grab von Jethro, bekannt als Nabi Schu’ayb, liegt nahe Tiberias und ist einer der wichtigsten Orte im drusischen Glauben.

Ein israelisch-drusischer Ältester in stiller Einkehr.

Israel dient als Zuflucht für die Bahai, eine religiöse Minderheit, die in Persien entstand und deren Anhänger unter der islamisch-schiitischen Regierung im Iran regelmäßig verfolgt wurden. Hunderte Freiwillige der Bahai aus aller Welt wohnen nahe des Bahai-Weltzentrums in der nördlichen Hafenstadt Haifa, wo sie die internen und internationalen Angelegenheiten der Bahai-Weltgemeinschaft verwalten. Die Mitarbeiter kümmern sich um die heiligen Stätten der Bahai in Israel, einschließlich dem Bahji, wo der Gründer des Bahai-Glaubens, Bahá’u’lláh, in Akko in Nordisrael starb. Die schönen Zentren in Haifa und Akko sind UNESCO-Welterbestätten.

Der Tempelberg

Das Gesetz in Israel ordnet an, dass jeder, ungeachtet religiöser Zugehörigkeit, das Recht hat alle heiligen Orte innerhalb Israels zu besuchen. Das Gesetz zum Schutz der Heiligen Stätten von 1967 erklärt, dass jeder, der versucht dieses Recht zu behindern oder einen heilige Stätte mutwillig beschädigt, mit Strafverfolgung und Gefängnis bis zu fünf Jahren rechnen muss. Ausnahmen werden während religiöser Feiertage und nach Terroranschlägen gemacht, wenn die Regierung gezwungen ist wegen Sicherheitsbedrohungen Einschränkungen zu verhängen.

Im Gegensatz dazu war es Israelis von 1949 bis 1967, als Jordanien die heiligen Stätten in Ostjerusalem kontrollierte, verboten Ostjerusalem zu betreten, einschließlich der Altstadt, in der sie bis 1949 gelebt hatten. Unter jordanischer Herrschaft wurden heilige Stätten und jüdische Friedhöfe innerhalb Ostjerusalems, einschließlich der Altstadt, geschändet. Bei Erwerb der Kontrolle über ganz Jerusalem 1967 öffnete Israel den Bereich für alle Menschen aller Religionen, so dass sie ihre jeweiligen heiligen Stätten ohne Drohung mit Gewalt oder Verfolgung besuchen und dort beten können. Israel machte das in der ersten Radio-Ankündigung nach Eroberung Ostjerusalems deutlich:

Heute Morgen befreiten die israelischen Verteidigungskräfte Jerusalem. Wir haben Jerusalem geeint, die geteilte Hauptstadt Israels. Wir sind zu den heiligsten unserer heiligen Orte zurückgekehrt, um uns nie wieder davon zu trennen. Unseren arabischen Nachbarn strecken wir in dieser Stunde ebenfalls – und mit zusätzlicher Betonung: in dieser Stunde – unsere Hand in Frieden entgegen. Und unseren christlichen und muslimischen Mitbürgern versprechen wir feierlich volle Religionsfreiheit und religiösen Rechte. Wir kamen nicht nach Jerusalem um der heiligen Stätten anderer Völker willen und nicht um uns bei den Anhängern anderer Religionen einzumischen, sondern um ihre Gesamtheit zu schützen und dort mit anderen in Einheit zu leben.
Mosche Dayan, israelischer Verteidigungsminister, 7. Juni 1967

Ein jüdischer Jugendlicher mit Gebetsriemen an der Westmauer

Die Diskussion religiöser Freiheiten schließt fast immer die Altstadt von Jerusalem ein, die Stelle der Überreste der uralten heiligen jüdischen Tempel, des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee, die den Muslimen heilig sind, und der Grabeskirche, die die Christen verehren.

Für Juden ist der Tempelberg die heiligste Stätte des Judentums. Aufgebaut auf den Überresten des Tempels, besagt die islamische Tradition, dass Mohammed an der Stelle des Tempelbergs, auf Arabisch als „al-Haram al-Scharif“ oder das Edle Heiligtum bekannt, in den  Himmel aufstieg.

Seit Israel 1967 die Kontrolle über Jerusalem übernahm, hat es daran gearbeitet den „Status quo“ im Bereich des Tempelbergs/Haram al-Scharif beizubehalten. Angesichts der komplexen Geschichte des Ortes, verbunden mit den investierten facettenreichen und mehrseitigen Bemühungen versuchen die meisten Beobachter von außen die Vielzahl der Probleme, die üblicherweise verwechselt werden.

Eine Reihe illustrativer Beispiele zeigt die komplizierte Natur des Tempelbergs. Erst einmal werden die muslimischen heiligen Stätten nicht von Israel oder den Palästinensern verwaltet, sondern von der jordanischen Waqf, einer islamischen Stiftung mit Sitz in Amman in Jordanien. Zweitens ist es Juden trotz Religionsfreiheit nicht erlaubt auf dem Tempelberg zu beten und wer das tut riskiert verhaftet zu werden. Diese seltsame Wendung kommt einmal von der langjährigen jüdischen religiösen Verordnung, die es Juden verbietet auf den Tempelberg zu gehen, weil die vorgeschriebene uralte Reinigung heute nicht mehr möglich ist und zum zweiten daher, dass die israelischen Behörden es vermeiden wollen einen Konflikt mit der Waqf auszulösen, die jüdische Besucher in der Gegend überwacht.

* * *

Das Fazit scheint zu sein, dass es in der Praxis, trotz der Geschichten, die Schlagzeilen machen, in der gesamten israelischen Gesellschaft einen allgemeinen Respekt für Religionsfreiheit gibt. In seinen jährlichen Untersuchungen zu Religionsfreiheit in Israel hat das US-Außenminister im Verlauf der Jahre nur unbedeutende Vorfälle und keine großen antireligiösen Trends in der Gesellschaft oder seitens der Regierung berichtet.

In seinem Jahresbericht von 2018 zu internationaler Religionsfreiheit erklärte das Außenministerium: „Die Gesetze des Landes und die Urteile des Obersten Gerichtshofs schützen die

Video: Israel unter Beschuss – mehr als 350 Raketen in 36 Stunden

13. November 2019

HonestReporting, 13. November 2019

In den letzten 36 Stunden sind mehr als 350 Raketen von palästinensisch-islamischen Terroristen auf Israel geschossen worden (und es geht noch weiter).

Nachdem ein führender Terrorist des Palästinensischen Islamischen Jihad durch einen gezielten Angriff der IDF früh Dienstagmorgen getötet wurde, hat der Palästinensische Islamische Jihad widerholt Raketensalven auf israelische Bevölkerungszentren gefeuert, wobei sie zahlreiche Treffer erzielten.

Israel hat mit der Zerstörung von Terrorzielen im gesamten Gazastreifen zurückgeschlagen und dreizehn Terroristen getötet, die meisten vom Palästinensischen Islamischen Jihad. Die Situation eskaliert weiter.

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Der Zweite Libanonkrieg und asymmetrische Kriegsführung

7. November 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 27. Oktober 2019

Ein israelischer Polizist rennt nur Momente nach einer Salve Katjuscha-Raketen der Hisbollah an einem brennenden Strommast vorbei, die während des zweiten Libanonkriegs am 13. Juli 2006 Nahariya trafen. (Foto: Roni Schutzer/Getty Images)

Lange vor dem zweiten Libanonkrieg, schon 1968, nutzte die palästinensische Befreiungsorganisation den südlichen Libanon als Startrampe für Raketenangriffe auf israelische Städte. Die Israelischen Verteidigungskräfte waren 1982 in den Libanon vorgestoßen, um die Terror-Infrastruktur zu zerstören, die für diese Angriffe verantwortlich war; dann zog sie sich im Jahr 2000 nach Unterdrückung der Bedrohung ab.

Aber in den darauf folgenden Jahren rüstete die Terrororganisation Hisbollah mit der militärischen und finanziellen Unterstützung durch den Iran auf. Ab dem Jahr 2000 bis zum Sommer 2006 griff die Hisbollah Israel mit Artillerie und grenzüberschreitenden Vorstößen circa 200-mal an, tötete Dutzende Israelis und verletzte mehr als 100.

Hisbollah löst den Zweiten Libanonkrieg aus

Am 12. Juli 2006 schossen Hisbollah-Terroristen in einem nicht provozierten Angriff Raketen aus dem Südlibanon auf israelische Grenzstädte, wodurch fünf israelische Zivilisten verletzt wurden.

Dieser Raketenangriff war eine aber nur Ablenkung für einen anderen Angriff.

Bei einem sorgfältig geplanten Überfall schoss eine Hisbollah-Einheit eine Panzerbekämpfungs-Rakete auf zwei IDF-Fahrzeuge, die an der israelisch-libanesischen Grenze Patrouille fuhren. 3 israelische Soldaten wurden getötet. Die Hisbollah entführte zwei israelische Reservesoldaten – den 31-jährigen Doktoranden am Technion und frisch verheirateten Ehud Goldwasser sowie den 26-jährigen Jurastudenten Eldad Regev. Fünf weitere IDF-Soldaten wurden im Libanon bei einem sofortigen Versuch die entführten Soldaten zu retten getötet.

Eldad Regev und Ehud Goldwasser

Israel begann Hisbollah-Ziele zu bombardieren, ebenso Brücken und Straßen im Libanon; damit sollte verhindert werden, dass die Hisbollah die entführten Soldaten weit von der Grenze weg schafft.

Der zweite Libanonkrieg war in vollem Gange.

Die Hisbollah kündigte an, dass sie Goldwasser und Regev freilassen würde, wenn Israel libanesische „Gefangene“ frei ließe, die in Israel festgehalten wurden. Auf der Liste der Hisbollah stand auch Samir Kuntar, der für einen besonders grausamen Anschlag von 1979 verantwortlich war. Kuntar drang aus dem Libanon nach Israel ein, brach in ein israelisches Wohnhaus ein, entführte den 31-jährigen Danny Haran und seine vierjährige Tochter Einat. An einem nahe gelegenen Strand erschoss Kuntar Danny; dann tötete er Einat, indem er ihren Kopf gegen die Felsen schlug.

Israel betrachtete die Entführung von Regev und Goldwasser durch die Hisbollah als Kriegsakt, verhängte eine Luft- und Seeblockade über den Libanon, begann massive Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele, gefolgt von einer Bodeninvasion.

Raketenangriffe auf Israel

Vom Iran und Syrien bewaffnet bombardierte die Hisbollah israelische Städte mit Raketen. Während des einmonatigen zweiten Libanonkriegs feuerte die Hisbollah mehr als 4.000 Raketen auf israelische Städte – über 100 pro Tag. Etwa ein Viertel landete in zivilen Bereichen von Haifa, Kiryat Schmona, Safed, Tiberias und Nazareth. Eine Million Israelis musste in der Nähe von Luftschutzbunkern bleiben und 250.000 Einwohner waren gezwungen die Städte im Norden in Richtung sicherer Gebiete außerhalb der Raketenreichweite  zu verlassen.

Die Raketenangriffe der Hisbollah verursachten in Israel zahlreiche Waldbrände. Es wird geschätzt, dass es 50 bis 60 Jahre dauern wird die 16.500 Morgen vernichteter Wälder wiederherzustellen.

Einwohner von Nahariya mussten während der Angriffe der Hisbollah mit Katjuscha-Raketen aus dem Libanon 2006 in einem Luftschutzbunker bleiben. (Foto: Mosche Milner, Gefälligkeit des israelischen GPO.)

Die Hisbollah startete diese Raketen aus zivilen Bereichen im südlichen Libanon und lagerte ihre Munition in Wohngebieten. Das gefährdete die libanesische Bevölkerung, weil Israel versuchte die Raketen und ihre Abschussrampen zu zerstören. Israel warf Flugblätter ab, die die Zivilisten informierten, sie sollten Bereiche verlassen, die es bombardieren musste.

Während Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International Israel wegen der Beschießung libanesischer Zivilisten und der Anwendung von unverhältnismäßiger Gewalt verurteilten, fasst Washington Post-Kolumnist Richard Cohen zusammen, warum die Anschuldigungen haltlos waren:

Die schrecklichen Konsequenzen von Verhältnismäßigkeit sind so klar, dass man sich fragt, ob das nicht nur ein Feigenblatt für allgemein antiisraelische Gefühle ist. Jeder, der sich im Nahen Osten ein wenig auskennt, weiß, dass Verhältnismäßigkeit Wahnsinn ist. Für Israel, ein kleines Land in Reichweite, wie wir herausfinden, einer aus dem Hinterhof eines Feindes gefeuerten Rakete, ist Verhältnismäßigkeit nicht nur nicht anwendbar, sondern Selbstmord. Das Letzte, was es brauchen kann, ist ein Abnutzungskrieg. Es reicht nicht, diese oder jene Raketenbatterie auszuschalten. Es muss Abschreckung wieder herstellen: Gibst du mir eine Ohrfeige, werde ich die das Licht ausknipsen.

Israel braucht dringend solche Abschreckung, seit es im Jahr 2000 aus dem Libanon und – vor kurzem – aus dem Gazastreifen abzog. Im Libanon geriet es praktisch in einen proportionalen Kreislauf aus Zuschlagen und Zurückschlagen mit der Hisbollah. Das kostete Israel 901 Tote und die Hisbollah verkündete 1.375, zu nahe an Pari, um eine nachhaltige Unterscheidung zu schaffen. Wie immer die Zahlen aussahen, es ändert die Tatsache nicht, dass israelische Wehrpflichtige oder Reservisten nicht glauben, dass Tod und Märtyrertum dasselbe sind. Auf Juden warten im Himmel keine Jungfrauen.

Eine Artillerieeinheit der IDF feuert 2006 von einer Stellung an der Nordgrenze auf Hisbollah-Ziele. (Foto: Mosche Millner, Gefälligkeit des GPO)

Die israelische Regierung erklärte wiederholt, sie kämpfe nicht gegen den Libanon, sondern nur gegen die Terrorinfrastruktur der Hisbollah. Da sich Waffenlager, Raketenwerfer sowie Kommando- und Kontrollzentren in oder sehr nahe von Häusern, Krankenhäusern, Schulen, Moscheen und allgemeiner Infrastruktur befanden, war der Schaden für den Libanon erheblich und unvermeidlich.

Die israelische Luftwaffe flog während des Monats der Kämpfe 11.897 Kampfeinsätze – mehr als während des Yom Kippur-Kriegs und fast doppelt so viele Einsätze wie im ersten Libanonkrieg. Die IDF verschoss 170.000 Artilleriegranaten, mehr als doppelt so viele wie während des Yom Kippur-Kriegs. 130.000 Häuser im Libanon in dem Bereich, aus dem Raketen gefeuert wurden, wurden beschädigt. 650 Kilometer Straßen, 73 Brücken und 900 Wirtschaftsgebäude wurden zerstört. Dank der Hisbollah-Doktrin sich in Zivilisten einzubetten wurde der zweite Libanonkrieg eine Fallstudie asymmetrischer Kriegsführung. Dr. Shaul Shay erklärte asymmetrische Kriegsführung so:

In asymmetrischen Konflikten sind demokratische Staaten – die typischerweise gewisse moralische Werte hoch halten – gezwungen, nichtstaatliche Akteure zu bekämpfen, die sich nicht an rechtliche oder humanitären Verpflichtungen gebunden verstehen. Trotz der gegenteiligen Propaganda schätzt Israel menschliches Leben wert, während nichtstaatliche Akteure wie die Hamas oder Al-Qaida regelmäßig humanitäre Prinzipien als bewusste Strategie missbrauchen, indem sie sowohl ihre eigene Zivilbevölkerung als auch die des sich verteidigenden Staates größeren Risiken aussetzen. Dass solche Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah aus dicht besiedelten Gebieten heraus agieren, illustriert diese Tatsache.

Israel erhielt breite Unterstützung, von westlichen Ländern bis zu arabischen Staaten. Saudi-Arabien erklärte, die Hisbollah sei allein verantwortlich für den Krieg. Die Vereinigten Arabischen Emirate Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Irak und die Palästinensische Autonomiebehörde stimmten der saudischen Beschreibung des Angriffs der Hisbollah auf Israel als „unerwartet, unangemessen und unverantwortlich“ zu.

Nachbermerkungen zum Krieg

Während des Krieges wurden 121 IDF-Soldaten und 46 israelische Zivilisten getötet, davon 19 israelische Araber. Mehr als 4.000 Israelis wurden verletzt. Israel tötete mindestens 600 Hisbollah-Terroristen und verletzte 1.500. Um die 500 Libanesen starben während der Kämpfe und mehr als 2.500 wurden verletzt. Die Kämpfe endeten am 14. August mit einem von der UNO vermittelten Waffenstillstand. Der UNO-Sicherheitsrat genehmigte die Resolution 1701, die die Entwaffnung der Hisbollah forderte, den Rückzug der IDF aus dem Libanon und dass die libanesischen Streitkräfte und eine vergrößerte UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) im südlichen Libanon stationiert werden sollten.

Leider erklärten sowohl die libanesische Armee als auch UNIFIL, dass sie nichts tun würden um die Hisbollah zu entwaffnen. Wie erwartet bewaffnete die Hisbollah sich wieder und nur zehn Jahre nach dem Krieg hatte sie bereits 100.000 Raketen, die jeden Ort in Israel erreichen können. 2019 entlarvte und neutralisierte die IDF eine Reihe von die Grenze querenden Tunneln der Hisbollah, von denen UNIFIL eingestand, dass sie die Resolution 1701 verletzen.

Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah sagte New TV in einem Interview vom 27. August 2006: „Wenn es auch nur eine einprozentige Chance gegeben hätte, dass die Gefangennahme vom 11. Juli zu dem geführt hätte, was geschah, hätte ich das gemacht? Ich würde sagen nein, absolut nicht.“

Noch trauriger ist, dass Israel nicht in der Lage war, die gefangenen Soldaten zu finden. Da man nicht wusste, ob Goldwasser und Regev noch lebten, stimmte Israel zwei Jahre später einem Gefangenenaustausch zu, der die Freilassung von Samir Kuntar beinhaltete. Die Tür des Fahrzeugs, in dem die beiden israelischen Soldaten sich befanden, öffnete sich und zwei Särge wurden herausgeholt, die die sterblichen Überreste der beiden Soldaten beinhalteten.

Es gab zwar erhebliche Kritik aus dem israelischen politischen und zivilen Establishment bezüglich der Schwierigkeit, die eine mächtige Armee hatte eine kleinere und weniger gut ausgerüstete Terrororganisation wie die Hisbollah zu besiegen, aber israelische Offizielle weisen auf die Tatsache hin, dass die starke Antwort der IDF die israelische Abschreckung wiederherstellte.

Der Zermürbungskrieg: der „Krieg zwischen den Kriegen“

3. Oktober 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 26. September 2019

Ein Hubschrauber wartet am 23. Januar 1970 während des Zermürbungskriegs darauf nach einer Militäraktion auf der Insel Schadwan südlich von Scharm el-Scheik Truppen und Ausrüstung abzufliegen. (Foto: Mosche Milner; mit freundlicher Genehmigung des GPO)

Israel ist das einzige Land der Welt, das in einem Status lebt, der „Krieg zwischen den Kriegen“ genannt wird. Da es von Feinden umringt ist, die seine Vernichtung anstreben, selbst wenn offiziell kein Krieg herrscht, hat es ständig mit kleinen Angriffen dieser Feinde zu tun. Das größte Beispiel für diesen Status ist der dreijährige Zeitraum von 1967 bis 1970, eine Periode, die heute der „Zermürbungskrieg“ genannt wird.

Man hätte meinen sollen, dass Israels durchschlagender Sieg über alle benachbarten arabischen Länder im Sechstage-Krieg vom Juni 1967 dem jüdischen Staat ein paar Jahre Frieden und Ruhe verschafft hätte.

Das war aber nicht der Fall.

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser war entschlossen alles Mögliche zu tun, um die Sinai-Halbinsel zurückzugewinnen, die Israel während des Krieges eroberte, der am 9. Juni 1967 endete. Der Sechstage-Krieg war zwar vorbei, aber es dauerte nicht lange, bis der Zermürbungskrieg begann.

Die Anfänge des Zermürbungskriegs

Schon am 1. Juli zogen ägyptische Stoßtrupps in nur 16km Entfernung von den israelischen Positionen auf dem Ostufer des Suezkanals. Israel, das gemäß eines Plans agierte, mit dem ägyptische Streitkräfte daran gehindert werden sollten sich in dem Bereich zu sammeln, griff die Stoßtrupp-Soldaten an und verlor selbst einen Soldaten, 13 wurde verwundet. Am nächsten Tag bombardierte die israelische Luftwaffe die ägyptische Artillerie, die den Kommandotruppen Deckung gegeben hatte. Das führt zu einem ägyptischen Luftangriff auf israelische Streitkräfte im Sinai und im Grunde genommen war der Waffenstillstand vom 9. Juni damit nicht mehr passee. Die Geplänkel zwischen den beiden Seiten gingen den Juli hindurch weiter, wobei zahlreiche ägyptische Kampfjets von Israel abgeschossen wurden und Israel zwei ägyptische Torpedoboote versenkte.

Der israelische Zerstörer INS Eilat, den die ägyptischen Marine im Oktober 1967 versenkte; dabei wurden Seeleute getötet. (Bild: Wikimedia Commons)

Im August, September und Oktober war es relativ ruhig, aber am 21. Oktober 1967 versenkte die ägyptische Marine in internationalen Gewässern vor der Küste von Port Said die Eilat, einen Zerstörer der israelischen Marine; dabei wurden 47 Seeleute getötet. Israel schlug mit umfangreichen Bombardierungen ägyptischer Öl-Raffinerien und -Depots in der Region zurück, was erhebliche Artilleriegefechte zwischen den beiden Seiten zur Folge hatte; dabei gab es Oper unter ägyptischen Zivilisten.

Das Hin und Her ging 1968 mit ägyptischen Artillerie-Angriffen auf israelische Positionen weiter, was zu israelischen Vergeltungsangriffen führte. Die israelischen Führungskräfte glaubten, sie müssten handeln, um den ständigen ägyptischen Angriffen ein Ende zu setzen, die von Israel Opfer forderten. Am 30. Oktober 1968 zerstörten IDF-Kommandosoldaten eine ägyptische Trafostation und zwei Dämme sowie eine Brücke am Nil. Der Angriff führte zu einem großräumigen Stromausfall in Ägypten und der Schaden brachte friedliche Monate. Die Pause ermöglichte es Israel sich entlang des Ostufers des Kanals durch den Bau der „Bar-Lev-Linie“ zu stärken.

Ägypten griff Israel am 8. März 1969 wieder an, diesmal mit schwerem Artilleriefeuer und Luftangriffen auf die IDF, was erhebliche israelische Verluste verursachte. Die IDF reagierte entschlossen; sie schickte Truppen tief auf ägyptisches Gebiet, um militärische Ziele anzugreifen. Am nächsten Tag tötete Israel den ägyptischen Generalstabschef, General Abdul Munim Riad, als dieser ägyptische Streitkräfte entlang des Kanals besuchte.

Israel beschloss einmal mehr, dass es ernste militärische Aktivitäten unternehmen müsse, um den Versuch zu unternehmen, die ständigen ägyptischen Angriffe zu stoppen. Am 19. Juli 1969 begann diese Operation mit einem Stoßtrupp-Angriff auf den ägyptischen Militärposten auf Green Island, wobei 80 ägyptische Soldaten getötet wurden; dem folge ein Angriff der israelischen Luftwaffe auf ägyptische Streitkräfte am nördlichen Teil des Suezkanals, der 300 ägyptische Soldaten tötete und die ägyptischen Posten schwer beschädigte. Dem folgten etwa 1.000 Einsatzflüge der israelischen Luftwaffe im August, bei denen ägyptische Raketen-Abschussrampen und mehr als 20 ägyptische Kampfjets zerstört wurden.

Die Supermächte greifen ein

Beginnend im Oktober 1969 fingen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion an die Seiten in diplomatische Gespräche zur Beendigung der Kämpfe zu verwickeln. Als diese Versuche aber scheiterten, schickte die Sowjetunion beträchtliche Mengen an Waffen und Soldaten, um den Ägyptern zu helfen, was letztlich zu Luftkämpfen zwischen israelischen und ägyptischen Piloten führte, bei der die israelische Luftwaffe zahlreiche russische Flugzeuge abschoss.

Israelische Gegenschläge für ägyptische Angriffe gingen bis zum 8. April 1970 weiter, als Israel versehentlich in dem Glauben, es handele sich um eine ägyptische Militäranlage, eine Schule angriff. Bei dem Angriff wurden 46 ägyptische Kinder getötet und mehr als 59 verletzt. Israel beschloss an diesem Punkt seine Gegenangriffe einzustellen. Diese Veränderung der Politik erlaubte es den ägyptischen und sowjetischen Streitkräften näher an den Kanal zu rücken als Israel das wollte. Die Kombination der Schäden durch die ägyptische Armee, zusammen mit den militärischen Gewinnen und den Opfern, die der israelischen Seite zugefügt wurden sowie der Fähigkeit seine Streitkräfte näher an den Kanal zu bringen erlaubte es am 7. August 1970 eine Feuereinstellung zu erzielen, ohne eine Veränderung der Grenzen des Krieges von 1967 und ohne dass eine Seite sich zu Friedensverhandlungen verpflichtete.

Ein israelischer Soldat blickt über den Suez-Kanal auf ägyptische Dorf Kantara, 26. November 1970. (Foto: Mosche Milner, mit freundlicher Genehmigung durch das GPO)

Sadat legt die Grundlage für den Yom Kippur-Krieg

Der ägyptische Präsident Nasser starb am 28. September 1970 infolge eines Herzinfarkts und sein Nachfolger, Anwar Sadat, hielt sich an den Waffenstillstand; er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau und die Vorbereitung der ägyptischen Armee für einen Großangriff auf Israel, der dann mit dem Yom Kippur-Krieg im Oktober 1973 stattfinden sollte.

Es gibt widersprüchliche Berichte dazu, wie viele Israelis zwischen Juni 1967 und August 1970 in diesem Zermürbungskrieg getötet wurden. Die Zahlen reichen von 600 bis 1.400 mit tausenden Verletzten. Israel verlor mehr als 20 Flugzeuge sowie seinen Zerstörer, die Eilat, Auf ägyptischer Seite reichen die Schätzungen von 2.882 Getöteten und 6.285 Verwundeten bis zu 10.000 Getöteten. Zudem verlor Ägypten mehr als 100 Flugzeuge und mehrere Schiffe.

Dieser dreijährige Zermürbungskrieg bereitete den Weg zum Yom Kippur-Krieg drei Jahre später. Er führte Israel in einen Zustand weiterer Selbstgefälligkeit, überzeugt davon es können jeden Angriff abwehren, der von seinen benachbarten Feinden ausgeht. Der Schaden, den Ägypten Israel während dieser drei Jahre zufügen konnte, stärkte Ägypten und Israels andere Nachbarn so weit, dass sie die Zuversicht empfanden, sie könnten letzten Endes ihr gemeinsames Ziel erreichen den jüdischen Staat militärisch zu vernichten.

Der Yom Kippur-Krieg: ein Wendepunkt

19. September 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 12. September 2019

Photo: Government Press Office

Die arabischen Staaten versuchten Israel zu vernichten, schon bevor es gegründet wurde, indem sie ihre Leute aufstachelten Juden anzugreifen. Sie versuchten Israel zu vernichten, als sie den UNO-Teilungsplan von 1947 ablehnten und griffen Israel sofort nach dessen Unabhängigkeit 1948 an. Sie versuchten die 1950-er und 1960-er Jahre hindurch Israel mit Terroranschlägen zu vernichten, dazu 1956 mit der Sperrung des Suezkanals. Sie versuchten 1967 Israel über militärischen Angriff von allen Seiten zu vernichten. Nachdem sie mit all diesen Versuchen scheiterten Israel zu vernichten und Israels Ouvertüren für Frieden gegen die Rückgabe von Land, das es im Sechstage-Krieg eroberte, ablehnten, kamen die Araber ihrem Ziel im Oktober 1973 mit dem, was als Yom Kippur-Krieg bekannt wurde, sehr nahe.

Anwar Sadat

Der ägyptische Präsident Nasser starb im September 1970 und sein Nachfolger Anwar Sadat, der Optionen für eine langfristige Friedensvereinbarung mit Israel erkundete, stand unter dem Druck der ägyptischen Straße Ägyptens Ehre nach der Niederlage im Sechstage-Krieg wiederherzustellen.

Außerdem lag die ägyptische Wirtschaft in Trümmern; aber Sadat wusste, dass die tief gehenden Reformen, von denen er fühlte, dass sie nötig waren, bei Teilen der Bevölkerung zutiefst unbeliebt sein würden. Ein militärischer Sieg würde ihm die Popularität geben, die er brauchte um Veränderungen zu schaffen.

Gegen Ende 1972 begann Ägypten seine Streitkräfte aufzurüsten. Es erwarb MiG-21-Kampfjets und fortschrittliche panzerbrechende Lenkwaffen von der Sowjetunion. Zusätzlich wurden Generale, die 1967 versagt hatten, durch kompetentere Offiziere ersetzt und die Armee konzentrierte sich auf die Verbesserung ihrer militärischen Taktiken auf Grundlage der Verfahren des sowjetischen Militärs. Sadat erklärte, er sei vorbereitet „eine Million Soldaten zu opfern“, um das Territorium wiederzugewinnen, das Ägypten 1967 verlor.

Sadat arbeitete hart daran von anderen Ländern Rückhalt für die ägyptischen Bemühungen zur Rückeroberung des Sinai zu gewinnen und im Herbst 1973 behauptete er, er habe mehr als 100 Staaten, die diese Initiative unterstützten – zumeist aus der Arabischen Liga und von afrikanischen Staaten. Er streckte auch Fühler zu europäischen Ländern aus und abgesehen von massiver Militär- und diplomatischer Unterstützung durch die Sowjetunion gewann er die Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs im UNO-Sicherheitsrat.

Hafez al-Assad

Der syrische Präsident Hafez al-Assad initiierte ebenfalls eine massive militärische Aufrüstung mit einem Plan die Golanhöhen zurückzuerobern. Auch er hatte Träume Syrien als das dominanteste Militär der arabischen Länder aufzubauen. König Hussein von Jordanien zögerte sich an einem neuen Krieg zu beteiligen. Er fürchtete die Möglichkeit in einem neuen Krieg noch mehr Territorium als die Westbank zu verlieren, die er 1967 verlor. Er war zudem aufgebracht wegen Sadats Versprechen an Yassir Arafat von der PLO, dass diesem die Kontrolle über die Westbank gegeben werde, sobald Israel besiegt sei. König Hussein betrachtete die Westbank als Teil von Jordanien und wollte es wieder unter seine Kontrolle gebracht sehen.

Darüber hinaus brach 1970 ein Beinahe-Bürgerkrieg zwischen Jordanien und der PLO-Führung aus, während der die PLO aus Jordanien vertrieben wurde. Syrien stellte sich auf die Seite der PLO und half dieser sogar militärisch, also fühlte sich Jordanien unbehaglich sich der ägyptisch-syrischen Allianz anzuschließen. Der Irak lehnte es wegen seiner strapazierten Beziehungen zum Iran ab sich einem Angriff anzuschließen und der Libanon wollte nicht involviert werden, weil seine Armee klein und instabil war.

Sadat war zum Krieg entschlossen. Seine geheime Planung begann 1971 – wobei er sogar die höheren Kommandoebenen aus der Planung heraushielt. Der Plan Israel gemeinsam mit Syrien anzugreifen, bekam den Codenamen Operation Badr, nach der Schlacht von Badr, in der Muslime, geführt von Mohammed, den Stamm der Qureish aus Mekka besiegten. Im Oktober 1972 sagte Sadat seinem Obersten Rat der Streitkräfte, dass er vorhabe gegen Israel in den Krieg zu ziehen.

Sadat drohte im April 1973 in einem Interview mit Newsweek öffentlich mit Krieg gegen Israel. Mehrfach in diesem Jahr führten arabische Armen groß angelegte Übungen durch und jedes Mal ging Israel für ein paar Tage auf die höchste Alarmstufe. Aber den Kommandeuren wurde bis weniger als eine Woche vor dem Angriff nichts von den tatsächlichen Kriegsplänen gesagt und die ägyptischen Soldaten erfuhren davon erst ein paar Stunden davor.

Auf der israelischen Seite gab es jede Menge Warnzeichen, die ignoriert wurden. Am 25. September besuchte Jordaniens König Hussein heimlich Israel, um Premierministerin Golda Meir zu warnen, dass die Syrer Israel angreifen und Ägypten sich anschließen würde. Das war eine von elf Warnungen vor dem Krieg, die Israel aus legitimen Quellen erhielt.

Im Oktober sah der IDF-Geheimdienst ägyptische Militärbewegungen nahe des Suezkanals, aber er tat das als reine Manöver ab. Israel sah auch syrische Truppen sich auf die Grenze zu bewegen, gleichzeitig mit einer Einberufung von Reserven und der Streichung allen militärischen Urlaubs. Aber Israels Geheimdienstführung betrachtete all das nicht als Bedrohung und hörte auf keine der Warnungen. Man schätzte korrekt, dass Syrien nicht alleine angreifen würde und das nur in Übereinstimmung mit Ägypten täte. Fälschlicherweise urteilte man auch, dass Ägypten nicht angreifen würde.

Der Schwiegersohn des ehemaligen Präsidenten Nasser, Aschraf Marwan, war ein ranghoher Mossad-Agent und sagte Israel, dass Ägypten nicht angreifen werde, bevor die Sowjetunion ihr mehr MiG-23-Kampfjets und Scud-Raketen liefern würde, die sie auf israelische Städte schießen konnten. Da die Kampfflugzeuge noch nicht angekommen waren und Ägyptens Soldaten nicht genug Zeit für das Training mit den Scuds hatten, nahm Israel fälschlicherweise an, dass Ägypten für einen Angriff nicht bereit war. Israel schickte keine Verstärkungen auf die Golanhöhen, was sich als bedenklicher Schritt erwies.

Am Tag vor dem Krieg sah General Ariel Sharon, ein zukünftiger Premierminister, Geheimdienst-Informationen, die eine viel größere ägyptische Truppenkonzentration entlang des Suezkanals zeigten als für ein Manöver verwendet werden würde, dazu Ausrüstung, die für die Überquerung des Kanals genutzt werden sollte. Er war sicher, dass der Krieg unmittelbar bevor stand und gab diese Information an seine Vorgesetzten weiter.

Die israelischen Geheimdienste sahen, dass sowjetische Berater und ihre Familien Ägypten und Syrien verließen; an den Grenzen zusammengezogene ägyptische und syrische Panzer, Infanterie und Raketen befanden sich auf einem Allzeit-Hoch und Transportflugzeuge voller Militärausrüstung landeten in den Hauptstädten Kairo in Ägypten und Damaskus in Syrien.

Marwan, der israelische Spion in höchsten Ebenen der ägyptischen Regierung, warnte weiterhin vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff, aber seine Warnungen schafften es nie vom Geheimdienst zur Premierministerin. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober traf sich der Leiter des Mossad, Zvi Zamir, mit Marwan, der ihm sagte, dass ein gemeinsamer syrisch-ägyptischer Angriff bei Sonnenuntergang am nächsten Abend stattfinden würde. Israels Oberkommando forderte daraufhin eine teilweise Einberufung der Reserven.

Am Morgen des 6. Oktober überlegte Israels Führung einen Präventivschlag ähnlich dem gegen die ägyptische Luftwaffe, bevor Ägypten im Juni 1967 angriff. Aber nach Anhörung all der unterschiedlichen Meinungen entschied Premierministerin Meir, dass nicht angegriffen werden sollte. Sie erklärte, Israel würde amerikanische Militärhilfe benötigen, um einen ägyptisch-syrischen Angriff zu überleben und sie fürchtete, wenn Israel zuerst angreift, dann würde es dafür verantwortlich gemacht werden den Krieg angefangen zu haben und diese Hilfe nicht bekommen. Die Angst der Premierministerin war nicht unbegründet. US-Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger warnten Meir ständig davor einen Krieg zu initiieren. Am 6. Oktober noch betonte Kissinger Israel gegenüber erneut, dass es keinen Präventivschlag führen dürfe.

Am Yom Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, an dem die meisten Juden einen großen Teil des Tages in der Synagoge verbringen, nur sechs Stunden, nachdem Israel beschloss keinen Präventivschlag zu führen, griffen ägyptische und syrische Streitkräfte Israel an – sie überschritten die Waffenstillstandslinien von 1967 im Sinai im Süden und auf den Golanhöhen im Norden. Ägypten griff mit 100.000 Soldaten und 1.350 Panzern an. Zur Zeit des Angriffs hatte Israel am Kanal 450 Soldaten und um die 100 Panzer. Israels fehlende Vorbereitung ermöglichte der ägyptischen Armee mit relativer Leichtigkeit auf den Sinai vorzudringen. Auch Syrien machte große Fortschritte und eroberte einen beträchtlichen Bereich des von Israel kontrollierten Territoriums auf den Golanhöhen.

Ägyptische Militärlaster überqueren am 7. Oktober 1973 eine über den Suezkanal gelegte Brücke.

Israel fand sich in einer fatalen Lage wieder, was die USA veranlasste über eine Luftbrücke Militärausrüstung zu schicken. Dies wurde auch gemacht, um den massiven Nachschub zu kontern, den die Sowjetunion nach Ägypten schickte. Als die israelische Armee fast schon die Außenbezirke der syrischen Hauptstadt Damaskus erreichte, befahl der ägyptische Präsident Anwar Sadat, der erkannte, dass der fehlgeschlagene arabische Feldzug bald zu Ende sein könnte, seinen Streitkräften in die Offensive zu gehen. Israel wehrte nicht nur diesen ägyptischen Vormarsch ab, sondern drängte die ägyptischen Streitkräfte so weit zurück, dass die IDF den Suezkanal überquerte, nach Ägypten vordrang und begann auf ägyptische Städte, einschließlich Kairo zu marschieren. Dieses Vordringen wurde allerdings gestoppt, als am 25. Oktober unter Druck der USA ein von der UNO vermittelter Waffenstillstand in Kraft trat.

Die Grenzen von Syrien und Ägypten waren nicht die einzigen Fronten, an der sich Israel in diesem Krieg verteidigen musste. Palästinensische Milizen schossen Katjuscha-Raketen und panzerbrechende Flugkörper aus dem Libanon auf israelische Städte nahe der libanesisch-israelischen Grenze. Sie schafften es einige Israelis leicht zu verletzen und es gab Schaden an israelischen Gebäuden. Die israelische Führung beschloss, dass sie keine weitere Kampfzone öffnen konnte und entschied, keine Streitkräfte in den Südlibanon zu schicken, um die Quelle des Raketenfeuers auszuräumen.

(Ägypten brach den Waffenstillstand schon am nächsten Morgen und trotz der Vereinbarung gingen die Kämpf bis Mitte Januar 1974 weiter.)

Israel verlor in dem Krieg mehr als 2.500 Soldaten und rund 8.000 wurden verletzt. 293 israelische Soldaten wurden gefangen genommen. Die Arabischen Armeen, denen sich der Irak anschloss, verloren zwischen 8.000 und 18.000 Soldaten (Ägypten und Syrien veröffentlichten nie offizielle Zahlen) und zwischen 18.000 und 35.000 Verwundete.

Israelische Kriegsgefangene wurden von ihren syrischen und ägyptischen Fängern furchtbar gefoltert. IDF-Soldaten wurden tot aufgefunden, nachdem sie mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen hingerichtet wurden. Einige wurden mit Äxten geköpft und eine hohe Anzahl wurde mit Elektroschocks am ganzen Körper, einschließlich der Genitalien gefoltert, mit Zigaretten verbrannt und ihnen wurden die Fingernägel ausgerissen. Viele wurden noch lange nach Kriegsende gefangen gehalten.

Abgesehen von den horrenden Verlusten auf beiden Seiten hatte der Krieg für beide Seiten beträchtliche Folgen. Der Fehler nach Geheimdienst-Warnungen vor dem Krieg nicht zu handeln führte dazu, dass Premierministerin Meir und Verteidigungsminister Mosche Dayan zurücktraten. Israel schuf schließlich einen Nationalen Sicherheitsrat, um die Kommunikation und die Koordination zwischen dem Sicherheits/Geheimdienst-Apparat und der Regierung zu verbessern.

Die Auswirkungen des Krieges gingen aber weit darüber hinaus. Die Araber hatten nach dem Krieg widersprüchliche Emotionen und beide zogen in dieselbe Richtung. Einerseits hatten die Araber das Gefühl, sie hatten zwar ihr Ziel der Vernichtung Israels verfehlt, aber sie hatten Israel auch beträchtlichen Schaden zugefügt und das stellte ihre Ehre nach der vernichtenden Niederlage im Sechstage-Krieg sechs Jahre zuvor wieder her. Das gab ihnen die Fähigkeit Frieden mit Israels als „Gleichberechtigte“ auszuloten.

Andererseits sahen die Araber Israels militärische Stärke, wie es seine anfänglichen Verluste wegsteckte und dann in die Offensive ging, wobei es tief in die eigenen Länder eindrang. Diese Angst vor der Stärke Israels drängte sie dahin Frieden zu erkunden. Die israelische Seite erlitt einen schweren psychologischen Schlag, als sie plötzlich erkannte, dass sie nicht unbesiegbar war und es keine Garantie gab die arabischen Nachbarn im Krieg immer zu besiegen. Das verschob Israel zu einer stärkeren Entschlossenheit in Richtung Frieden zu arbeiten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten luden Israel, Ägypten, Syrien und Jordanien zu einem Treffen zu einer Friedenskonferenz im Dezember 1973 in Genf ein. Der Versuch scheiterte wegen Syriens Weigerung daran teilzunehmen. Durch die Bemühungen der USA unterzeichneten Israel und Ägypten am 18. Januar 1974 das Sinai I-Abkommen, mit dem Israel sich aus einigen seiner vorgeschobenen Positionen zurückzog, während es fast den gesamten Sinai behielt.

Das Sinai II-Abkommen wurde am 4. September 1975 unterzeichnet; mit ihm zog Israel von mehr Land im Sinai ab und UNO-Kräfte zogen dort ein, um das Gebiet zwischen Israel und Ägypten zu patrouillieren. Israel kontrollierte immer noch mehr als zwei Drittel des Sinai, die zu halten entscheidend war, während beide Seiten eine langfristige Übereinkunft ausloteten, ein Prozess, der letztlich 1979 im Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten gipfelte.

Die syrische Front war komplizierter; militärische Aktivitäten zwischen beiden Seiten setzten sich bis zum 31. Mai 1974 fort, als die USA eine „Entflechtungsvereinbarung“ vermittelten, in der Israel sich aus Syrien auf die Golanhöhen zurückzog, Syrien zustimmte seine Kriegsgefangenen in einem Gefangenenaustausch freizulassen und die UNO eine Entflechtungs- und Beobachtertruppe einrichtete, die den Frieden in einer Pufferzone bewahren sollte, die zwischen den beiden Ländern geschaffen wurde.

Der Yom Kippur-Krieg kennzeichnet das letzte Mal, dass die arabischen Nachbarländer Israels sich militärisch zusammenschlossen, um den Versuch zu unternehmen den jüdischen Staat zu vernichten.

Das Wunder der Wiederbelebung des Hebräischen

5. September 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 15. August 2019

Die Geschichte der Wiederbelebung des Hebräischen geht tausende Jahre zurück in die Vergangenheit. Vor Jahrtausenden sprach das jüdische Volk untereinander antikes Hebräisch, betrieb Hebräisch sprechend Handel und verehrte Gott in Hebräisch – alles im Land Israel.

Auch die Bibel wurde in Hebräisch geschrieben.

Vor mehr als 3.000 Jahren hat das jüdische Volk in Synagogen aus handgeschriebenen Thora-Rollen gelesen und aus Druckausgaben in Studiersälen und in ihren Häusern gelernt – alles auf Hebräisch. Es gibt zudem Beispiele dafür, dass Hebräisch die gesamte jüdische Geschichte hindurch in Literatur verwendet wurde, was im 19. Jahrhundert eine besondere Renaissance erfuhr.

Aber bei der Vertreibung aus dem Land Israel vor 2.000 Jahren hörte Hebräisch auf die gesprochene Sprache des jüdischen Volkes zu sein. Sogar die kleine Anzahl Juden, die in Israel verblieb, begann die Sprache ihrer Eroberer zu sprechen und verlor das Hebräische.

Und heute ist Hebräisch wieder zum Leben erweck worden – wird im ganzen Land Israel gesprochen und sogar unter Juden an anderen Orten der Welt.

Es gibt Weltgeschichte nichts zu berichten, in keinem  Glauben, Land oder Nation, wo eine antike Sprache wiederbelebt wurde, um eine gesprochene Sprache zu werden.

Die Wiederbelebung des Hebräischen: Wie fand das statt?

Der Prozess begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Juden begannen ins Land Israel zurückzukehren, sich wieder mit der kleinen, das ganze Exil hindurch dort verbliebenen jüdischen Gemeinschaft und mit in früheren Generationen zurückgekehrten Juden zu verbinden.

Um eine gemeinsame Sprache unter den verschiedenen jüdischen Gruppen in Israel zu ermöglichen, die Jiddisch, Ladino oder Aramäisch sprachen, fingen sie an Hebräisch zu sprechen.

Etwa um dieselbe Zeit führte der Traum von einer Rückkehr nach Israel bei europäischen Juden zu einem Schub der Wiederbelebung des Hebräischen – besonders in zionistischen Bildungsprogrammen und in Treffen, die mit der zionistischen Bewegung in Verbindung standen.

Der Schlüssel bei der Gründung einer jeden Gemeinschaft ist Schulung. In ihren Versuchen wieder einen souveränen jüdischen Staat im Land Israel zu gründen, erkannten die frühen Zionisten die Bedeutung Schulen einzurichten, in denen eine gemeinsame Sprache gelehrt wird. Das erste hebräische Internat, in dem jüdische Studien auf Hebräisch gelehrt wurden und in dem Lehrer und Schüler auf Hebräisch kommunizierten, wurde 1884 von Aryeh Leib Frumkin gegründet.

Die Haviv-Schule wurde zur ersten hebräischen Grundschule moderner Zeiten, als sie 1886 in Rischon LeZion gegründet wurde. Allmählich begannen alle Schulen in den landwirtschaftlichen Siedlungen ihren Sachunterricht auf Hebräisch zu lehren. Versuche aus Hebräisch die einzige gesprochene Sprache in den Siedlungen und Städten zu machen, schlugen fehl, weil Eltern Hebräisch als unpraktische Sprache betrachteten, der die Worte fehlten, um Alltagsaktivitäten zu beschreiben. Ja, die Leute kannten das antike Hebräisch, weil sie die Bibel kannten, aber das half ihnen nicht bei ihrem Bedürfnis in einer modernen Welt zu kommunizieren.

Der Mann hinter der Wiederbelegung des Hebräischen: Eliezer Ben-Yehuda

Eliezer Ben Yehuda

Dann kam Eliezer Ben-Yehuda, die historische Person, die die Wiederherstellung des Hebräischen als gesprochener Sprache zugeschrieben wird.

Da jüdischer Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts zunahm, glaubten Ben Yehuda und andere, damit die Nation nationaler Rechte wert ist, müsse sie in einer gemeinsamen, nationalen Sprache sprechen. Ihm wird zugeschrieben der erste gewesen zu sein, der sich auf Hebräisch verständigte, nachdem er 1881 beschloss, er werde in der Familie und mit Freunden ausschließlich Hebräisch sprechen, zuerst in Paris und dann in Jerusalem, wohin er Ende des Jahres zog.

Ben-Yehudas erstes Kind, Itamar Ben-Avi, wurde am 31. Juli 1882 geboren und wurde als Hebräisch Sprechender aufgezogen – der erste Muttersprachler des modernen Hebräisch. Im Versuch andere Familien zu überzeugen ihren Teil an der Wiederbelegung des Hebräischen zu spielen, veröffentlichte er eine hebräische Zeitung namens „HaZvi“ und gründete Vereine zum Sprechen von Hebräisch. Dieser Anstrengung wurde mit großem Frust begegnet, da sehr wenige Familien der ausschließlichen Verwendung des Hebräischen zustimmten.

Unbeeindruckt gründete Ben-Yehuda 1889 die Gesellschaft für klare Sprache, die das Ziel hatte Hebräisch überall auf Hebräisch zu lehren. Und 1890 gründete der das Komitee für Hebräische Sprache, das den Bedarf für neue hebräische Wörter für die moderne Konversation anging. Das Komitee veröffentlichte Bücher, Wörterbücher, Berichte und Zeitschriften, erfand tausende neuer Wörter mit Projektion auf antike Quellen und Wurzeln, um moderne hebräische Wörter zu schaffen.

Beispielsweise bedeutet chaschmal Elektrizität und leitet sich aus Hesekiel 1,4 ab, wo chaschmal das Wort ist, mit dem eine Farbe in der Mitte eines Feuers beschrieben wird. Dasselbe wurde für moderne Lebensmittel gemacht, die es in der Thora nicht gab, so tapuz für Orange und glida für Eiskrem. Weil eine Orange einem „goldenen Orange“ ähnelt, ist tapuz eine Kombination aus tapuach, dem antiken hebräischen Wort für „Apfel“ und zahav, das ein antikes hebräisches Wort für „Gold“ ist. Die Mischna verwendete das Wort galid, um auf eine gefrorene Substanz zu verweisen, die für ein spirituelles Bad verwendet wurde. Onkelos, der eine Übersetzung/einen Kommentar zur Thora schrieb, verwendete das Wort „glida“ für das Thora-Wort kerach, das „Eis“ bedeutet. (Genesis 31,9)

1903 wurde die Gewerkschaft hebräischer Lehrer gegründet. Zur Gründungsgruppe gehörten nur 60 Lehrer, aber die Gerwerkschaft führte zu hunderten Hebräischsprachigen, die demonstrierten, dass Hebräisch in Alltagsgesprächs-Kontext verwendet wird.

Vervollständigung der Wiederbelebung: Die neue Realität des Hebräischen

Immigranten in einem Jerusalemer Ulpan (Foto: Nai Shohat/Flasch90)

Als Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die zweite Aliyah begann, verbreitete sich die Verwendung des Hebräischen in Israel als die Kommunikationssprache. Die meisten dieser neuen Immigranten kannten die hebräische Literatur des Europas des 19. Jahrhunderts und glaubten, dass Hebräisch für die Entwicklung einer offiziellen nationalen Heimstatt für das jüdischen Volk in Israel notwendig sei.

Das Hebräische Sprachkomitee wurde mit einem Auftrag wieder eingerichtet „die hebräische Sprache zur Verwendung als gesprochene Sprache in allen Lebensbereichen vorzubereiten“ und konzentrierte sich auf die Bildung einheitlicher grammatischer Regelungen. Rein hebräischsprachige Schulen begannen eigene Familien zu schaffen, Hebräisch wurde schnell die gängige Konversationssprache sowohl Zuhause als auch auf der Straße.

Der letzte Schritt bei der Wiederherstellung des Hebräischen und seiner Etablierung als offizielle Sprache des sich entwickelnden Staates kam 1913, als ein Vorschlag Deutsch als offizielle Sprache der Ingenieursschule Technion – die voller umfangreichem Technik-Vokabular ist – von den Studenten, dem Lehrkörper und der weiteren Gemeinschaft wütend abgelehnt wurde.

Alles oben Beschriebene schuf vor Ort in Israel eine Realität, die als Grundlage für die britische Entscheidung diente in Palästina drei offizielle Sprachen zu etablieren, als sie nach dem Ersten Weltkrieg die Kontrolle über die Region übernahmen – Arabisch, Englisch und … Hebräisch!

Als Israel 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, berichteten trotz des hohen Immigranten-Anteils in der Bevölkerung mehr als 80 Prozent der Juden in Israel, dass Hebräisch die einzige Sprache sei, die in sie in ihren täglichen Gesprächen verwendeten.

Trotz der tiefen Verbindung der israelischen Gründergeneration zum Hebräischen stellten sie sicher, dass Arabisch als neben Hebräisch als eine offizielle Sprache des neuen Staates etabliert wurde, um sicherzustellen, dass die Minderheitsbevölkerung im jüdischen Staat das Gefühl hat als Staatsbürger willkommen zu sein.

Und jetzt ist diese antike, biblische Sprache wiederbelebt worden und auf den Straßen Israels kann man heute ein Volk in derselben Sprache reden hören wie König David in genau demselben Land vor über 2.500 Jahren.

Fotos: CC BC-NC-ND anefixus21 mit Ergänzungen durch SeekClipArt.

Begann die arabische Gewalt mit der „Besatzung“?

29. August 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 20. August 2019

Eine Gruppe bewaffneter Araber bei Haifa, 1937

Arabische Gewalt wird regelmäßig mit der „Naqba“ von 1948 und der „Besatzung“ von 1967 gerechtfertigt.

Immerhin, darauf bestehen sie, zwangen Juden Araber aus ihren Heimen und Dörfern, also haben die Araber ein Recht um die Rückkehr in ihr angestammtes Eigentum zu kämpfen.

Aber wenn dies das ist, wogegen die Palästinenser wirklich kämpfen, wie sollen wir die arabische Gewalt gegen Juden verstehen, bevor die Kriege von 1948 und 1967 stattfanden?

Wie sieht ihre Erklärung für die arabische Gewalt gegen Juden in den 1920-er Jahren aus?

Ja, in den 1920-er Jahren!

Der Mufti stachelt zu arabischer Gewalt auf

1919 begann Haddsch Amin al-Husseini, Führer eines der prominentesten arabischen Clans in Jerusalem, „Fedayyin“ (wörtlich: „einer, der sich selbst opfert“) zu organisieren – kleine Gruppen Terroristen, die bereit waren beim Töten von Juden zu sterben. Das erklärte Ziel war die Juden zur Flucht aus Palästina zu zwingen. Sie griffen im Januar zuerst Tel Hai an, ein jüdisches Wohnviertel im Norden, nahe der syrischen Grenze und dann erneut am 1. März. Diese Terroristen töteten acht Juden und verletzten 200.

Im März und April wurden mehr als ein Dutzend jüdische landwirtschaftliche Siedlungen im Galiläa von arabischen Terroristen angegriffen, darunter Kfar Tabor, Degania, Rosh Pina, Ayelet Haschahar, Mischmar HaYarden, Kfar Giladi und Metula. An Pessah in diesem Jahr hetzte der Mufti die Massen so auf, dass sie die jüdische Bevölkerung der Altstadt von Jerusalem angriffen; dabei töteten sie fünf Juden und verletzten mehr als 100.

Husseini begann 1921 größere Angriffe zu organisieren und der britische Hochkommissar für Palästina; in der Hoffnung, dass er ihn beeinflussen könnte die arabische Gewalt einzustellen, ernannte Herbert Samuel Husseini zum Mufti von Jerusalem. Die beiden trafen sich sogar am 11. April 1921 und Husseini versprach, er werde „die Eifrigen zur Ruhe bringen“.

Adolf Hitler empfing Großmufti Haddsch Amin al-Husseini 1941.

Doch nur drei Wochen später, am 1. Mai 1921, stachelte der Mufti die Araber auf sich zu bewaffnen und Juden in Jaffa anzugreifen. Terroristen kamen mit Messern, Pistolen und Gewehren bewaffnet in die Straßen von Jaffa und begannen Juden zu verprügeln und zu ermorden, während sie jüdische Geschäfte und Häuser plünderten; sie töteten 27 Juden und verletzten 150.

Die Anschläge breiteten sich auf die jüdischen Gemeinschaften in Petach Tikva, Rehovot, Hadera und Haifa aus.

Das Jahr 1924 führte zu einer neuen Welle arabischer Gewalt. Der Mufti verbreitete Gerüchte, die Juden würden planen die Kontrolle über die islamischen heiligen Stätten zu übernehmen. Das führte dazu, dass die Araber jüdischen Grundbesitz plünderten, die sie stark beschädigten und Juden überall in Palästina angriffen. Die sporadischen Angriffe wurden viel stärker organisiert und der Terror richtete sich gegen jüdische Gemeinschaften bei Jerusalem, Hebron, Safed und Kfar Darom. Insgesamt wurden 135 Juden getötet und mehr als 300 verletzt.

Die arabische Gewalt eskaliert

Die Araber lernten, dass diese Terroranschläge ein effektives Mittel waren. Dem war so, weil die britische Obrigkeit auf die Anschläge mit Appeasement der Araber reagierte – indem sie die Zahl der Juden einschränkte, denen erlaubt wurde nach Palästina zu immigrieren und indem sie Juden aus den angegriffenen Bereichen wegschafften, insbesondere aus Hebron, wo Juden seit Jahrhunderten gelebt hatten.

Der Mufti fand im September 1928 eine Basis die arabischen Massen weiter aufzustacheln. Eine kleine Gruppe Juden beschloss am Yom Kippur an der Westmauer zu beten und bauten eine kleine Abtrennung, um Männer und Frauen zu teilen, wie es während jüdischen Gebeten üblich ist. Die Briten waren gegen diesen Schritt und bauten die Abtrennung ab. Der Mufti deutete auf die jüdische „Baumaßnahme“ an der Westmauer als Zeichen, dass sie versuchen würden die Kontrolle der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg direkt an der Westmauer an sich zu reißen. Er rief zum „Jihad“ – heiligem Krieg – auf, was zu Steinwürfen führte und dazu, dass Juden verprügelt wurden, die versuchten an der Westmauer zu beten.

Die arabische Gewalt verbreitete sich über die Westmauer hinaus und am 23. August 1929, griffen mehr 1.000 arabische Terroristen Juden überall in Jerusalem an; sie töteten 47 mit dem Schlachtruf „Verteidigt die heiligen Orte!“

Das Massaker von Hebron

Die Angriffe weiteten sich auf andere Städte aus. Der schlimmste fand in Hebron statt, wo Araber mit Äxten, Messern und Metallstangen in das Rabbiner-Seminar einbrachen, alle Schüler ermordeten und das Gebäude zerstörten. Der mörderische Mob massakrierte dann die Juden der Stadt, in der Juden und Araber seit Jahren Seite an Seite in Frieden lebten. Rabbi Yaakov Slonim, der Rabbiner der Stadt, rief die Juden auf in seinem Haus Sicherheit zu suchen. Weil der Rabbi gute Beziehungen zur örtlichen arabischen Geistlichkeit hatte, nahm er an, dass ihnen nichts zustoßen würde.

Rabbi Slonim irrte sich tragisch.

Die Araber stürmten sein Haus und töteten ihn, seine Familie und alle, die dort Zuflucht gesucht hatten. Insgesamt wurden in Hebron 67 Juden abgeschlachtet. Die jüdische Gemeinde, die dort seit Jahrhunderten existierte, wurde vernichtet.

Ein paar Tage nach dem Hebron-Massaker erlitten die Juden von Safed, wo Juden ebenfalls Jahrhunderte lang lebten, ein ähnliches Pogrom. Örtlichen Arabern schlossen sich solche aus Nachbardörfern an; sie ermordeten 18 Juden, verletzten 40 und brannten 200 Häuser nieder.

Insgesamt wurden bei Angriffen in anderen Städten innerhalb weniger Tage 133 Juden getötet und 339 verletzt.

Die Beerdigung eines der Juden, die beim Massaker in Hebron 1929 getötet wurden.

Die Terroranschläge gingen weiter und nahmen 1936 zu; die Araber töteten von April bis Juli mehr als 40 Juden, daneben brannten sie tausende Morgen jüdischer Felder und Ernten nieder. Die Gewalt ging weiter, führte am 2. Oktober 1938 zu einem Massaker in Tiberias, bei der Araber 21 Juden erschossen und verbrannten, darunter 10 Kinder im Alter von unter 12 Jahren.

Die New York Times beschrieb das vorsätzliche Massaker von Tiberias:

Seit den Krawallen von 1929, als Araber in den Städten Hebron und Safed über jüdische Männer, die meisten davon Rabbiner-Studenten, sowie Frauen und Kinder herfielen, hat es in Palästina solches Abschlachten gegeben, wie den Angriff von letzter Nacht. … Der Angriff war offenbar gut organisiert, da die arabische Bande, bevor sie über Tiberias herfiel, alle Telefonleitungen kappten. Sie kamen in zwei Gruppen aus unterschiedlichen Richtungen auf ein bestimmtes Signal hin; auf einen Pfiff aus den die Stadt umgebenden Hügeln hin begann gleichzeitig in allen Vierteln das Feuer… Die Banditen machten sich auf den Weg zum Haus von Joschua Ben Arieh, wo sie Joschua, seine Frau und einen Sohn erstachen und verbrannten und erschossen dann seinen kleinen Sohn im Babyalter. Im selben Haus wurden drei Kinder von Schlomo Leimer im Alter von 8, 10 und 12 Jahren erstochen und verbrannt. Im Weiteren brachen die Araber ins Haus von Schimon Mizrahi ein, wo sie seine Frau und fünf Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren töteten; dann setzten sie das Haus in Brand.

Warum die arabische Gewalt?

In den 1920-er und 1930-er Jahren hatten keine Araber die Notwendigkeit empfunden aus ihren Häusern zu fliehen. Es gab damals keinen jüdischen Staat und die Juden hatten keine Armee, um palästinensisches Land zu „besetzen“.

Warum also griffen die Araber in diesen Jahren an und massakrierten Juden?

Ist es möglich, dass die „Naqba“ und die „Besatzung“ Vorwände sind, einfach um arabische Gewalt zu rechtfertigen?

Ist es möglich, dass die Araber es einfach ablehnten, dass irgendein Jude im heiligen Land lebt?

Bilder via Wikimedia Commons

Die jüdische Verbindung zum Land Israel

9. August 2019

Dov Lipman, HonestReporting, 30. Juli 2019

Auf die spätbyzantinische Zeit datiertes antikes Medaillon; abgebildet sind u.a. ein Schofar und eine Thora-Rolle. (Foto: Flash90)

Die jüdische Verbindung zum Land Israel begann nicht erst nach dem Holocaust oder mit dem Zionismus des späten 19. Jahrhunderts.

Das jüdische Volk hat seit 3.000 Jahren im Land Israel gelebt. Wer für diese Wahrheit die Bibel als Quelle nicht anerkennen will, für den hat die Archäologie die Tatsache bewiesen.

Und während die meisten des jüdischen Volks von den Römern erbarmungslos ins Exil getrieben wurden, haben die Juden seit 2.000 Jahren an den heiligsten Momenten des jüdischen Kalenders – am Versöhnungstag und an Pessah – „nächstes Jahr in Jerusalem“ gesagt, das Gebet darum wieder mit den Juden vereint zu sein, die in Israel geblieben waren.

Wo immer in der Welt Juden waren, sie wandten sich dreimal am Tag Jerusalem zu, wenn die Zeit für das Gebet war.

Und während des gesamten Exils setzten sich Juden oft großen Gefahren aus, um ins Land Israel zurückzukehren.

Die Geschichten

Das jüdische Volk baute sein Leben nach der römischen Vertreibun gin Babylon (dem modernen Irak) wieder auf und gedieh dort. Aber trotzdem berichten der Jerusalemer Talmud und der Babylonische Talmud, dass von 200 bis 500 n.Chr. große Anzahlen der führenden Rabbiner ihr bequemes und sicheres Leben aufgaben und sich entschieden nach Israel zu ziehen, das voller Chaos und Unsicherheit war.

  • 1211 immigrierte eine Gruppe von 300 Rabbinern aus Frankreich und England nach Israel. Sie zogen mit absolut keine finanziellen Unterstützung und ohne Aussicht darauf ihren Lebensunterhalt zu verdienen ins Heilige Land. Die meisten wurden von den Kreuzrittern ermordet, die dort nur acht Jahre später ankamen. Den wenigen Überlebenden wurde erlaubt in der Stadt Akko zu leben. Die Mameluken eroberten Akko 1291 und töteten die gesamte jüdische Bevölkerung, einschließlich der Frauen und Kinder, wobei viele abgeschlachtet wurden, als sie in der Synagoge waren.
  • Rabbi Ovadiah von Bartenura, einer der führenden rabbinischen Weise im Italien des 15. Jahrhunderts, unternahm einen herkulianischen Verusch in einer Zeit nach Israel zu ziehen, als viele die Reise von Italien und Sizilien versuchten und im Mittelmeer ertranken. Er brauchte drei anstrengende Jahre mit vielen Rückschlägen unterwegs, aber 1488 kam Rabbi Ovadiah im Land Israel an und machte es zu seinem Zuhause.

  • Rabbi >Menachem Mendel aus Witebsk war ein Jünger des berühmten Rabbi von Mezhrich, der die der Hauptschüler des Baal Shem Tov war, des Gründers der chassidischen Bewegung. 1777 verließ er Galatz in Rumänien mit ein paar hundert anderen, alle in kleinen Booten. Zuerst segelten sie nach Konstantinopel und dann nach Akko ins Land Israel. Für die relativ kurze Distanz im Mittelmeer brauchten sie vier Monate und der Konvoi durchlitt auf der Reise furchtbare Härten durch, darunter Piraten, die Passagiere ermordeten oder sie in die Sklaverei verkauften. Die Gruppe stand nach der Ankunft in Israel vor großen Herausforderungen und Rabbi Menachem Mendel musste Emissäre nach Russland entsenden, um Gelder für ihren Unterhalt zu sammeln.

Jüngere Beispiele

Und selbst als der Staat Israel gegründet wurde und sogar schon gegründet war, gingen Juden durch große Schwierigkeiten, um es ins Heilige Land zu schaffen. Nur ein paar Beispiele:

  • Mitte 1947 schlossen sich Mosche Frumin (6), Yaakov Schwartz (5), die einjährige Margalit Fried-Weinberg und die achtmonatige Yaffa Levy fünfzig anderen an, die Österreich zu Fuß über die Alpen verließen, über die italienische Grenze gingen, damit ein wartendes Schiff sie in den Hafen von Haifa im Land Israel bringt. Schwartz erinnert sich: „Die meiste Zeit über trug mein Vater mich auf seinen Schultern.“ Frumin hatte keinen Vater und ging mit seiner Mutter und Großmutter. Levys Mutter erzählte ihr, wie sie den Mund der klienen Yaffa zuhalten musste, damit ihr Weine nicht gehört und die Gruppe entdeckt wurde. Sie verließen das Lager für Vertriebene in Saalfelden gegen zehn Uhr abends, reiste in versiegelten LKWs in dem Versuch der Entdeckung durch die Behörden zu entgehen und waren auf dem Weg nach Krimml, wo sie gegen zwei Uhr morgens ankamen. Dort stiegen sie aus den LKWs und liefen einen weiteren Tag lang durch die tückischen Berge zum Krimml-Pass.Fast jede Nacht von April bis Oktober 1947 verließen ein paar Dutzend LKW das Lager und schickten Juden auf den Weg. Insgesamt machten rund 5.000 Juden diesen Treck.
  • Gegen Mitternacht am 10. Januar 1961 fuhr das Schiff Egoz vom Hafen Al-Hoceima in Marokko mit 44 Juden an Bord ab, die Hälfte davon Kinder. Das war die zwölfte Reise des Schiffs, nachdem es 334 Juden aus Marokko nach Gibraltar und dann nach Israel brachte. Um 3 Uhr morgens sank das Schiff und alle Passagiere an Bord kamen ums Leben.

Das Jerusalemer Denkmal für die äthiopischen Juden, die beim Versuch Israel zu erreichen starben.

  • Daniel Sahalo war Mitte der 1980-er Jahre fünf Jahre alt, als er und seine Eltern ihr Haus im nördlichen Äthiopien mitten in der Nacht verließen. Sie ließen bis zum Morgengrauen, um die Grenze des Sudan zu erreichen und marschierten dann neun Wochen durch die Wüsten des Sudan. „Ich hörte, wie Menschen davon redeten nach Jerusalem zu gehen“, erinnert er sich. Auf dem Weg starb seine Schwester an Malaria. „Wir begruben sie und gingen weiter.“ Zwölftausend Menschen machten diesen Treck und etwa viertausend Menschen starben auf dem Weg in den Sudan. Nach mehr als zwei Monaten Wanderung errichte die Familie ein Flüchtlingslager, in dem sie neun Monate lang lbten. Daniel war dort derart unterernährt, dass ein Bauch anschwoll. Dann wurden sie nach Brüssel und anschließend nach Israel geflogen. Rund achttausend äthiopische Juden überlebten diesen Marsch, das Warten und den Flug.

Warum das Risiko eingehen?

Diese Geschichten werfen eine Menge Fragen auf.

  • Warum waren jüdische Familien bereit die Gefahren durch Räuber, Wüsten und Berge einzugehen, um Israel zu erreichen?
  • Warum sollte ein Rabbiner seine Schüler in kleinen Booten wegbringen und sie Piraten aussetzen, um nach Israel zu ziehen?
  • Warum sollte einer der größten Gelehrten seiner Zeit drei Jahre seines Lebens auf den Versuch verschwenden ins Land Israel zu kommen?
  • Warum verließen diese Rabbiner in Babylonien und Europa ihre Gemeinden für ein Lben ohne Lebensunterhalt und mit nur begrenzter Sicherheit in Israel?

Die Antwort auf diese Fragen wurde von Israels erstem PremierministerPremierminister David Ben-Gurion 1936 aufgegriffen, 12 Jahre bevor der Staat Israel gegründet wurde. Damals wurde das Land Palästina genannt – aufgrund eines griechischen Namens, den die Römer verwendeten, um die gesamte Gegend Israels zu beschreiben, nachdem sie den Tempel zerstörten und die Juden ins Exil trieben – und alle Einwohner des Landes, einschließlich der Juden, wurden als „Palästinenser“ bezeichnet. Araber wurden zunehmend gewalttätig und die Briten setzten die Peel-Kommission ein, um die Gewalt zu untersuchen und besser die arabisch-jüdischen Spannungen zu verstehen. Ben-Gurion, ein säkularer Jude, sagte vor dem Komitee aus und erklärte:

Unser Recht auf das Land Israel ist nicht von der britischen Regierung noch der Balfour-Erklärung gegeben; es ist viel älter. Die Bibel ist unser Mandat auf das Land.

Analysiert man den israelisch-arabischen Konflikt und versucht ihn zu verstehen, kann man diese Dimension nicht ignorieren. Die Bibel steckt voller hunderter Bezüge zu Israel und Jerusalem – einschließlich Beschreibungen seiner geografischen Grenzen – als Orte, die Gott dem jüdischen Volk gegeben hat. Und selbst wenn andere das nicht glauben, die jüdischen Menschen tun es. Das ist der Grund dafür, dass sie seit Tausenden von Jahren beteten und sich danach sehnten in dieses Land zurückzukehren und das ist der Grund, dass sie ihr Leben riskierten und verloren, um nach Israel zurückzukehren.

Dr. Qanta Ahmed

Das steht in starkem Widerspruch zu jedem Anspruch des muslimischen Glaubens an Israel. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Der Koran erwähnt Jerusalem nicht ein einziges Mal.

Die Ärztin Qanta Ahmed, Lehrbeauftragte für Medizin an der State University von New York und Honorarprofessorin an der Glasgow Caledonian University School of Public Health, schreibt:

Aber als gläubig Muslima, die den Islam befolgt, bin ich vom Koran veranlasst Israels Alleinanspruch auf das Heilige Land zu bekräftigen; der Koran sagt das.

Das 80.000 Wörter lange Dokument, das 1,6 Millionen Muslime als von Gott offenbarte Wort akzeptieren, der Koran, ist kategorisch, was das Schicksal Israels und das Volk angeht, das sein Eigentumsrecht daran beanspruchen kann…

Der Koran erwähnt nirgendwo den Anspruch der Muslime auf das Heilige Land. Stattdessen offenbart Gott im Koran, dass das Heilige Land für die Anhänger des Mose vorgesehen ist… das Verheißene Land ist gemäß dem Koran das ihre.

Das ist der Grund, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass Muslime ihr Leben riskierten, um in Israel zu leben. Oder dass der Koran nirgendwo das Land Israel als Fokus ihrer Religion vorstellt. Wenn Muslim in Israel beten – und sogar in Jerusalem – dann richten sie sich nach Mekka aus, das in ihrem Glauben der heiligste Ort. Auf dem Tempelberg legen sie ihr Gesicht auf den Boden, kehren der Stelle des Tempels die Rückseite zu.

Natürlich müssen Lösungen für die Palästinenser gefunden werden, die auch ihren eigenen Staat innerhalb der Grenzen Israels anstreben. Aber wenn sie den Konflikt im Heiligen Land ansprechen, kann der Gesichtspunkt der vier Jahrtausende jüdischer physischer und spiritueller Verbindung zum Land Israel nicht ignoriert werden, sondern muss an der Spitze der Diskussion und Überlegungen stehen, wenn man versucht den Konflikt zu lösen.

 

Bilder: Ahmed via YouTube/Kurdistan24 Englisch; Denkmal CC durch Wikimedia Commons

Die Landbrücke des Iran: Eine Bedrohung für Israel und den Nahen Osten?

4. August 2019

Tyler Kotler, HonestReporting, 1. August 2019 (Übersetzung: Roland M. Horn)

Die Verweise des Iran und der Hisbollah auf die Zerstörung Israels sind nichts Neues. Am 12. Juli 2019 behauptete Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah in einem Interview mit dem Fernsehsender Al-Manar: „Im Falle einer Konfrontation wäre Israel am Rand des Untergangs und das weiß es.“ Er achtete darauf festzustellen, dass die Raketen der Hisbollah jetzt jedes Ziel in Israel treffen können.

Hinter den Kulissen heizt der Iran diese Bedrohung an, indem er langsam eine Landbrücke zusammenstellt, die ihm den Straßenzugang durch benachbarte Gebiete von Teheran bis zum Mittelmeer ermöglicht.

Die drei Hauptstraßen führen durch den Irak und Syrien und enden an der syrischen Küste, im Südlibanon und sogar an der israelischen Grenze. Die Landbrücke des Iran ist eine Verbindung zum Transport von Menschen, Ressourcen und Waffen an von Iran unterstützte Milizen in der gesamten Region. Dies stellt die Sicherheit Israels vor große Herausforderungen, und der Iran sieht darin den nächsten entscheidenden Schritt auf seinem Weg zur Dominanz im Nahen Osten.

Der Iran dehnt seine Aktivitäten aus

Nach der Islamischen Revolution im Iran Jahr 1979 gründete der Oberste Führer Ayatollah Khomenei das Islamic Revolutionary Guards Corps (IRGC – Korps der Iranischen Revolutionsgarden), um die Revolution und das neue schiitische theokratische System zu schützen. Als die IRGC wuchsen, bildeten sie eine Luftwaffe, eine Landmiliz, eine Marine und die Basij, eine interne Sicherheitsgruppe, um Regimekritiker zu unterdrücken und die staatliche Kontrolle über die Gesellschaft sicherzustellen.

Noch wichtiger ist, dass sie das Korps der Islamischen Revolutionsgarden – Quds Force (IRGC-QF) –  gründete, eine paramilitärische Organisation, die das Ziel des Iran, die Revolution in den Nahen Osten zu exportieren, erfüllen soll.

Das IRGC-QF knüpfte Verbindungen zu hauptsächlich schiitischen und nichtstaatlichen Akteuren, doch einige, darunter die Hamas, die Taliban in Afghanistan und der palästinensische Islamische Dschihad, waren Sunniten.

Die erste dieser ausländischen Verbindungen war eine Terroristengruppe, die in der westlichen Welt für ihren wachsenden Einfluss auf die libanesische Regierung und die Bedrohung Israels bekannt ist: die Hisbollah. 1980 sandte der Iran militärische Beratungstruppen in den Libanon, um die Entwicklung des militärischen Flügels der Hisbollah zu unterstützen. Diese Kräfte wurden zum Kern des IRGC-QF.

Heute ist die Hisbollah der wichtigste militärische Verbündete des Iran und das Ziel vieler Truppen und Gegenstände, die auf den iranischen Landbrückenrouten unterwegs sind. Das US-Verteidigungsministerium schätzt, dass der Iran der Hisbollah jährlich Hilfe in Höhe von 100 bis 200 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellt.

Um den Libanon jedoch auf dem Landweg zu erreichen, musste die IRGC pro-iranische Unterstützung im benachbarten Irak und in Syrien gewinnen.

Diese Vision wurde 2003 Wirklichkeit, als die USA in den Irak einmarschierten und den sunnitischen Führer Saddam Hussein stürzten. Dies verschärfte sich durch den Abzug der US-Truppen im Jahr 2011 und ließ im Irak ein Machtvakuum entstehen, in dem der Iran seinen Einfluss geltend machen und zur Umsetzung einer von Schiiten dominierten Regierung beitragen konnte.

Das letzte Puzzleteil fiel mit dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs zusammen. Der Iran ergriff die Gelegenheit, um die Regierung von Präsident Baschar al-Assad im Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen und dem Iran ein wichtiges Standbein in Syrien zu verschaffen.

Seit Kriegsbeginn hat der Iran Tausende von Truppen und Tonnen von militärischer Ausrüstung nach Syrien transportiert und damit die Regierung von Assad und andere schiitische Gruppierungen in der Region gestützt. Derzeit unterhält der Iran schätzungsweise 15.000 schiitische ausländische Kämpfer in Syrien (die Hisbollah nicht mit einbezogen).

Die iranische Führung hat die geopolitische Bedeutung Syriens in ihrer umfassenderen regionalen Strategie anerkannt.

Bereits 2012 erklärte der iranische Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani einem irakischen Beamten: „Syrien darf sich nicht so entwickeln, dass Ihre und unsere Wege verschlossen sind. Wir müssen Syrien besitzen. Wenn der Draht vom Libanon bis hierher unterbrochen wird, werden schlimme Ereignisse eintreten.“ Ein Jahr später erklärte der Leiter einer iranischen Denkfabrik: „Syrien ist die fünfunddreißigste Provinz und eine strategische Provinz für uns. Wenn wir Syrien verlieren, können wir Teheran nicht behalten.“

Diese angriffslustigen Äußerungen enthüllen die aggressive regionale Strategie des Iran, mit der er mit aller Kraft gegen die Führung einer antiwestlichen Koalition staatlicher und nichtstaatlicher Akteure im Nahen Osten kämpft. Die iranische Führung nennt dieses Bündnisnetzwerk die Achse des Widerstands.

Die Festigung dieser Beziehungen war von entscheidender Bedeutung für die Fähigkeit des Iran, eine Landroute von Teheran zum Mittelmeer herzustellen.

Was der Landbrücke vorausging

Trotz der sich entwickelnden Widerstandsachse war die Landbrücke des Iran bis 2017 nicht überzeugend, da die USA, die Kurden, ISIS und andere Gruppen in der Region Widerstand leisteten.

Zuvor war der Iran stark auf Luft- und Seewege nach Syrien und zur Hisbollah im Libanon angewiesen.

Der Iran begann zunächst, Öl und Waffen auf dem Seeweg in diese Gebiete zu transportieren. Die iranischen Schiffe waren jedoch einer pro-westlichen Einmischung im Mittelmeer und Roten Meer ausgesetzt. Beispielsweise hat die US-Marine 2009 die MV Monchegorsk abgefangen, ein iranisches Schiff, das 2.000 Tonnen Sprengstoff vom Iran Richtung Syrien transportierte.

Die Möglichkeiten des Iran wurden 2012 erweitert, als die irakische Regierung ihren Luftraum für Flüge vom Iran nach Syrien öffnete. Dies wurde die Luftbrücke des Iran nach Syrien. Verglichen mit dem Meer war es eine einfachere Verbindung, um Truppen und fortgeschrittliche Waffen an die Hisbollah und syrische Vertreter zu schicken, was zur Ausweitung des iranischen Einflusses beitrug. Seit 2016 wurden fast 1.500 Flüge zwischen Teheran und Damaskus durchgeführt.

Obwohl Teheran sowohl See- als auch Luftwege nach Syrien hat, ist es auf eine andere Problem gestoßen: Die Flugzeuge, die größtenteils aus der Sowjetzeit stammen, sind in die Jahre gekommen. Die Sanktionen der USA haben es dem Iran unmöglich gemacht, neue Flugzeuge von Boeing und Airbus, den beiden größten Herstellern der Welt, sowie von anderen kleineren westlichen Entwicklern zu kaufen.

Mit zwei nicht nachhaltigen Optionen hat Teheran seinen Kurs in Richtung der dritten Wahl geändert. Es hat den Weg für seine Landbrücke geebnet, eine Realität, die in den letzten Jahren vollständig verwirklicht wurde.

Irans Landbrücke nimmt Gestalt an

Albu Kamal

Im November 2017 übernahmen Assads Streitkräfte und schiitische Milizen, die vom IRGC-QF unterstützt wurden, die Stadt Albu Kamal an der Grenze zum Irak von islamischen Staatstruppen. Auf der anderen Seite der Grenze hatten iranische Vertreter bereits die Kontrolle über die irakische Stadt al-Qaim. Dies war ein entscheidender Wendepunkt in den Bestrebungen Irans nach einer Landbrücke, an dem die pro-iranischen Streitkräfte die volle Kontrolle über einen wichtigen Kontrollpunkt zwischen dem Irak und Syrien erlangten.

Der Grenzübergang Albu Kamal sicherte die zentrale iranische Route nach Syrien, ein Straßennetz, das vom Iran nach Bagdad führt und dem Euphrat nach Westen bis nach al-Qaim folgt, bevor es nach Syrien geht.

Zu diesem Zeitpunkt schufen einige mutmaßliche Iraner bereits eine Nordroute zur syrischen Mittelmeerküste. Die Route führt vom Iran in den Zentralirak und verläuft nordwestlich durch die Großstadt Sinjar, bevor sie über den Grenzübergang Rabia im nördlichsten Teil des Landes nach Syrien führt.

Die Besorgnis wegen dieser Landbrücke nahm zu, nachdem die irakische Milizeneinheit Popular Mobilization Forces (PMF), eine staatlich geförderte Milizeinheit, die vom Iran unterstützt wird, im Oktober 2016 den Flughafen Tal Afar , einen wichtigen Punkt zwischen den Städten Mosul und Sinjar, eroberte.

Nach der Einnahme von Tal Afar informierten einige Nachrichten über eine mögliche Landbrücke vom Iran nach Syrien und zum Mittelmeer. Es dauerte jedoch bis zur Eroberung von Albu Kamal im Jahr 2017, bis sich Journalisten, Regierungsbeamte und politische Experten endlich begriffen, was los war.

Als Ergbnis brachen AP und Reuters Artikel über eine Landbrücke für schiitische Milizen. Darüber hinaus hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im März 2018 in einer Rede in Washington die Bedrohung erkannt. Er äußerte ernste Bedenken und erklärte, dass die Landbrücke eine Route von Teheran nach Tartus am Mittelmeer errichten würde, die es dem Iran ermögliche, „Israel aus größerer Nähe anzugreifen“.

Eine mögliche dritte Route ist auch im Süden entstanden, die von Bagdad bis zum Grenzübergang in Südost-Syrien in der Nähe der Militärbasis al-Tanf, dann über Damaskus und in den Libanon führt.

Da es eine US-Militärbasis entlang der Südroute und US- und kurdische Streitkräfte im Norden gibt, scheint die Mittelroute durch Albu Kamal für den Iran die sicherste zu sein. Wenn die USA jedoch mehr Truppen aus Syrien abziehen, werden die beiden anderen Wege möglicherweise brauchbarer.

Die Landbrücke des Iran nach Syrien und in den Libanon ist von entscheidender Bedeutung für den Transport von Waffen und Personal zu Vertretern in der gesamten Region, insbesondere zur Hisbollah. Infolgedessen hilft es dem Iran, in Syrien, im Libanon und im Mittelmeerraum Fuß zu fassen.

Die Bedrohung für Israel

Für Israel bedeutet eine vollständige iranische Landbrücke eine Straßenanbindung an die nördlichen Grenzen des Landes.

Ali Khamenei, Oberster Führer des Iran

Angesichts der Tatsache, dass der Oberste iranische Führer Khamenei Israel als „Krebsgeschwür“ bezeichnet hat, das von der Landkarte gewischt werden sollte und in 25 Jahren nicht mehr existieren würde, gibt die regionale Präsenz des Iran Anlass zu großer Sorge.

Im Jahr 2018 schrieb Khatt-e Hezbollah, ein Pro-Khamenei-Newsletter, dass iranische Streitkräfte „einen Landkorridor des Widerstands zwischen Teheran, dem Irak, Syrien und dem Libanon wieder eröffnet haben und jetzt die notwendige Infrastruktur im Golan bereitgestellt haben, um die Oberhand des Widerstands gegen die Zionisten zu schaffen.“

Die Quds Force der IRGC finanziert bereits den Palästinensischen Islamischen Dschihad und versorgt die Hamas im Gazastreifen mit Waffen und anderen  Unterstützungsmaßnahmen. Darüber hinaus verschlimmert eine Landbrücke zur Hisbollah und zu anderen syrischen Vertretern die Bedrohung Israels nur weiter. Dieser erleichterte Zutritt wird es dem Iran ermöglichen, mehr lokale Stützpunkte und Lager zu errichten, die Hisbollah und andere Stellvertreter auszubilden und letztendlich Israel vom Norden aus herauszufordern.

Es wird geschätzt, dass die Hisbollah über rund 100.000 Raketen und Flugkörper verfügt, eine bedrohliche Menge, die Israels Raketenabwehrsystem Iron Dome im Falle eines groß angelegten Angriffs ernsthaft auf die Probe stellen oder sogar überwältigen könnte.

Die israelische Führung hat diese unmittelbare Bedrohung erkannt. Die IDF hat Hunderte von Angriffen auf iranische Ziele in Syrien gestartet und wiederholt erklärt, dass sie dem Iran nicht erlauben wird, eine ständige militärische Präsenz im Land aufzubauen.

Die Landbrücke des Iran ist jetzt ein Kanal, um seine außenpolitischen Ziele voranzutreiben und sie zu unterbrechen, wird sicherlich ein Schlüsselelement sein, um seinem Einfluss in der Region entgegenzuwirken. Es ist jedoch wichtig, das Gesamtbild zu beurteilen. David Adesnik, Forschungsdirektor der Foundation for Defence of Democracies (FDD), und Behnam Ben Taleblu, Senior Fellow der FDD mit Schwerpunkt auf iranischer Sicherheit, erklären:

Das größte Kapital des Iran in der Levante und im Irak sind seine Beziehungen zu den anderen Mitgliedern der Widerstandsachse. Die Landbrücke hilft, diese Beziehungen einsatzfähig zu machen. Es ist ein unterstützendes Element und nicht das Kernstück der iranischen Strategie. Die USA können es sich daher nicht leisten, sich kurzsichtig auf die Landbrücke zu konzentrieren. Der Fehler der Regierung wurde jedoch bislang nicht ausreichend beachtet.

Während die Landbrücke des Iran voranschreitet, ist es an der Zeit, dass sich die USA und andere Verbündete Israels stärker auf den Iran konzentrieren. Durch asymmetrische Ansätze wie Beziehungen zu Terroristengruppen und anderen Vertretern hat der Iran langsam seine militärische und politische Hebelwirkung im Nahen Osten ausgebaut, was einen zukünftigen Konflikt mit Israel fast unvermeidlich erscheinen lässt. Während die Aufmerksamkeit die nukleare Entwicklung des Iran nicht beeinträchtigen sollte, muss die internationale Gemeinschaft mehr Gewicht darauf legen, die Landbrücke des Iran zu unterbrechen und letztendlich das Ziel der Zerstörung des Staates Israel zu verhindern.

Bild von Albu Kamal CC BY-SA Wikimedia Commons

Die Kibbuz-Bewegung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

2. August 2019

Margo Dickstein, HonestReporting, 22. Juli 2019

Die Kibbuz-Bewegung ist eine der Säulen des Staates Israel. Sie ist eine einzigartige israelische Institution, die von vielen geliebt wird. Was aber sind die Ursprünge des Kibbuz und hat er eine Zukunft im modernen Staat Israel?

Die Ursprünge der Kibbuz-Bewegung

Juden, die zur Jahrhundertwende das osmanische Palästina aus Osteuropa kommend erreichten, waren von revolutionären sozialistischen Idealen ihrer Heimatländer beeinflusst. Sie lehnten frühere jüdische Siedlungen ab, die arabische Arbeitskräfte nutzten; sie strebten eine „Eroberung der Arbeit“ an, in dem Glauben, dass nur jüdische Arbeitskraft dazu führen würde, dass das Land erlöst und ein jüdischer Staat gegründet wird.

Während diese frühen Pioniere das Land selbst bearbeiten wollten, konnten sie nicht mit erfahrenen arabischen Arbeitern konkurrieren, die für weniger Geld arbeiteten. Um den Bedürfnissen der neuen Pioniere gerecht zu werden, richtete das zionistische Siedlungsbüro Landwirtschaftsschulen ein.

Eine Gruppe aus der Schule wurde zur Arbeit auf dem Land in der Nähe des Sees Genezareth geschickt, das damals Um Juni genannt wurde. Sie verließen es aber nach weniger als einem Jahr. Eine neue Gruppe Pioniere, die erfolgreich Land bei Hadera bestellten, wurde nach Um Juni geschickt, in der Hoffnung auf ähnlichen Erfolg. Sie sahen sich vielen Herausforderungen ausgesetzt, darunter verfallender Infrastruktur, die die vorherige Gruppe hinterlassen hatte, sowie Angriffen seitens der lokalen Araber.

Diese Gruppe Pioniere war die erste, die an einem Ort blieb und nicht in eine andere Siedlung zog, wie andere sozialistische Juden es zu der Zeit taten. Sie beschlossen die Siedlung Degania zu nennen, nach dem Wort dagan, Hebräisch für die Getreide, die sie anbauten und nach degania, den Kornblumen, die in der Gegend wuchsen. Der Kibbuz Degania wurde 1910 der erste Kibbuz in Israel.

Das Leben in Degania und anderen frühen Kibbuzim im Allgemeinen, war schwierig. Das Land war schwer zu bearbeiten und zu kultivieren, zudem hatten die meisten aus Europa kommenden Neueinwanderer wenig bis keine Erfahrung in der Landwirtschaft. Araber, die nahe neuen jüdischen Siedlungen lebten, verübelten ihnen ihre Anwesenheit weitgehend und Plünderungen waren üblich. Deswegen schufen die frühen jüdischen Siedler die Hashomer-Verteidigungskräfte.

Kibbuzim dienten als Zentren zur Eingliederung von neuen Immigranten und stellten der Haganah während der Mandatszeit Verteidigungskämpfer.

Ein Mitglied des Kibbuz Degania-B pflügt 1945 ein Feld.

Veränderungen

Ursprünglich waren Kibbuzim fast gänzlich landwirtschaftlich und vollständig sozialistisch. Familien lebten in bescheidenen, gleichen Häusern und alle Mahlzeiten wurden gemeinsam im Speisesaal eingenommen. In einigen Kibbuzim schliefen Kinder nachts in einem Kinderhaus statt bei ihren Eltern. Alles verdiente Einkommen ging an den Kibbuz und wurde dann gemeinschaftlich und gleichmäßig verteilt. Es gab keine Verbindung zwischen individuellen Beiträgen für die Gemeinschaft und Einkommen.

In den 1960-er Jahren lebten nur vier Prozent der Israelis in Kibbuzim, aber Mitglieder der Kibbuz-Bewegung stellten 15% der Knesset-Abgeordneten.

Aber in den 1980-er Jahren sah sich Israel einer Wirtschaftskrise gegenüber und die Kibbuzim waren besonders davon betroffen. Infolge steigender Schulden, Inflation und Menschen, die in die Städte zogen, beschloss die Kibbuz-Bewegung, dass die Beibehaltung eines kompletten sozialistischen Rahmens unmöglich sein würde. Die meisten bewegten sich in Richtung Teil-Privatisierung.

2015 kamen nur zwei Mitglieder der Knesset aus einem Kibbuz. Die Schwächung der politischen Macht der Kibbuzim korrelierte mit einer Schwächung der Arbeits-Zionismus-Bewegung als Ganzem.

Kühe in einem Kibbuz.

Der Kubbuz heute

Die heutigen Kibbuzim folgen einem von drei Wirtschaftsmodellen:

  • Der Gemeinschaftskibbuz: Die Aufteilung des Einkommens erfolgt gemeinschaftlich und zu gleichen Teilen, unabhängig vom individuellen Beitrag zur Gemeinschaft.
  • Der integrierte Kibbuz: Das individuelle Einkommen eines Mitglieds gründet auf einer anfänglichen, gleichen Summe, die von jedem Kibbuz-Mitglied geleistet wird, einer zusätzlichen Summe, die darauf basiert, wie lange sie im Kibbuz gelebt haben und einer weiteren Summe auf Grundlage des Gehalts/Beitrags zum Kibbuz.
  • Der erneuerte Kibbuz: Die Aufteilung des Einkommens ist unterschiedlich. Je mehr jemand verdient, desto mehr erhält er. Es wird jedoch ein gewisser Prozentsatz vom Gehalt eines jeden Kibbuz-Mitglieds abgezogen, um Gemeinschaftsausgaben und Einkommen von Mitgliedern, deren Verdienst unter das vom Kibbuz festgesetzte Mindestgehalt fällt, abzudecken.

Die überwiegende Mehrheit der heutigen Kibbuzim, fast 190, entschieden sich „erneuerte Kibbuzim“ zu werden; sie betrachten sich selbst als „Reformer“ und passten die Kibbuz-Methoden an die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen des 21. Jahrhunderts an. Etwa 60 Kibbuzim operieren mit der Gemeinschafts-Methode, 20 sind integriert.

Alle Kibbuzim funktionieren als Demokratien, in denen Mitglieder bei der Formulierung der Politik, der Wahl von leitenden Vertretern, der Autorisierung des Kibbuz-Budgets und der Bestätigung neuer Mitglieder abstimmen. Kibbuz-Mitglieder wählen Mitglieder in Komitees, die die Entscheidungen zu Dingen wie Unterkünften, Finanzen, Produktion, Planung, Gesundheit und Kultur treffen.

Produktion von Kibbuzim macht 5,2% des israelischen Bruttosozialprodukts aus und 9,2% der Industrieproduktion aus. Während Kibbuzim weniger starke landwirtschaftliche Produzenten sind als früher, hinterlassen sie immer noch einen enormen Einfluss auf den Staat; 34% der gesamten Landwirtschaftprodukte kommen aus Kibbuzim. Kibbuzim gehören 10% des Landes innerhalb des Staates.

Die Zukunft der Kibbuz-Bewegung

Heute haben Kibbuzim weit über die kleinen, sozialitischen Kommunen hinaus expandiert, die sie einst waren. Viele Industrien, die in Kibbuzim arbeiten, werden in Tel Aviv und an Börsen im Ausland gehandelt.

Israelis tragen diese Ideale in 100 sogenannte „Stadt-Kibbuzim“, in denen geschätzte 2.000 Israelis leben. Die Bewegung der Stadt-Kibbuzim keimt auch im Ausland, besonders in den USA, Australien und Deutschland.

Viele glauben, dass die Kibbuz-Bewegung eine Wiederbelebung erfährt; Kibbuzim expandieren und Menschen ziehen aus Städten in die Peripherie, um den ländlichen Kibbuz-Lebensstil zu erfahren. Die meisten argumentieren, dass diese Expansion nur infolge der Evolution der Kibbuzim möglich ist.

Es ist zu klar, dass dieser Expansion nicht von einer politischen Expansion der Arbeiterbewegung geholfen wird. Es ist etwas tiefer Gehendes – etwas ruft Menschen, den leichten Lebensstil der Stadt aufzugeben und in Kibbuzim zu leben, die 100 Jahre alte Bewegung ins 21. Jahrhundert zu tragen.

Kurz gesagt: Der Kibbuz ist im modernen Staat Israel da um zu bleiben.

Sind Namen Schall und Rauch? Die Herkunft von Judäa, Philistäa, Palästina und Israel

24. Juli 2019

Griffin Judd, HonestReporting, 16. Juli 2019

Das Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer ist Jahrtausende lang bewohnt worden, so viel ist unbestritten. Jericho, Jerusalem, Jenin und Jaffa gehören alle zu den ältesten Städten der Welt und sind seit der Zeit vor dem Jahr 2000 v.Chr. kontinuierlich besiedelt gewesen.

Aber wie so ziemlich alles andere zu diesem Land kontinuierlich ist, so ist das auch mit dem Namen der Fall. Palästinensische Historiker wie Nur Masalha und Schlüsselmitglieder der Palästinenserführung bis hinauf zu Mahmud Abbas haben behauptet, dass die Palästinenser die Nachkommen antiker Völker wie der Kanaaniter und Philister sind und dass der Name „Palästina“ dieser Verbindung entstammt.

Behält man im Kopf, dass Nationalismus, wie wir ihn verstehen, an und für sich ein Phänomen des 19. Jahrhunderts ist, lohnt es sich zu fragen, ob die palästinensischen Behauptungen wahr sind.

Kommt der Name Palästina von dem Volk oder entnahm da Volk seinen Namen dem Ort?

Die Herkunft des Namens „Palästina“

Die antiken Königreiche Israel, Judah und Philistäa

Es gibt zwei Hauptquellen für die Region, die heute unter wechselnden Bezeichnungen wie Israel, Palästina, die Levante und Kanaan bekannt ist: die Archäologie und die Bibel. Es gibt zwar Unterschiede zwischen den beiden, aber Archäologen und Historiker stimmen überein, dass das allgemeine Narrativ der Bibel stimmt: Kanaaniter herrschten in der Levante, bevor sie von den antiken Hebräern verdrängt wurden, die dann mit den Philistern kämpften, bis eindringende Imperien beide Stämme vertrieben.

Der Name „Palästina“ taucht erstmals in den Historien von Herodot im 5. Jahrhundert v.Chr. auf, um den Küstenbereich der Levante zu beschreiben, wo die Philister lebten, bevor die Römer ihn nach der Unterdrückung des Bar Kochba-Aufstands von 132 n.Chr. auf die gesamte Gegend anwandten. Danach galt das Wort Palästina für das ganze Land und folgende Herrscher bezeichneten es so.

Herkunft des palästinensischen Volks

Die osmanische Provinz Syrien

Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass das Land zwar im Jahr 134 n.Chr. Palästina genannt wurde, der Islam aber erst weitere 500 Jahre später in der Region ankam.

634 begannen die Führer des ersten muslimischen Kalifats eine Reihe von Invasionen, die die Eroberung der ehemals oströmischen Provinzen der Levante zur Folge hatte, einschließlich der Gegend, die damals als Palästina bekannt war. Der Eroberung folgte die Massenkonversion der Bevölkerung zum Islam und die gleichzeitige Migration arabischer Menschen aus ihrer heimischen Halbinsel in ihre neu eroberten Territorien, wo sie sich rasch in Gesellschaften integrierten und mit den Einwohnern vermischten; sie schufen ausgeprägt eigne Gruppen, die eng mit der arabischen Kultur übereinstimmte.

Die Levante wurde nach der islamischen Eroberung von einer Reihe von Reichen und Kalifaten beherrscht, zuerst von den Raschidun-, den Omajjaden-, den Abassiden- und Fatimiden-Kalifaten, dann vom Königreich Jerusalem (gegründet von den Kreuzrittern), denen die ajubidischen und Mameluken-Sultanate folgen, bevor sie schließlich von den Osmanen erobert wurden, die die Levante von 1516 bis 1917 beherrschten. Obwohl sie von den Türken beherrscht wurden, waren die Osmanen sehr erfolgreich darin die Araber zu integrieren. Erst 1908 begannen die Araber über den politischen Arabismus für mehr Rechte und Unabhängigkeit zu agitieren.

Die Große Arabische Revolte von 1916, gestützt vom britischen Empire, beendete die osmanische Kontrolle über das Gebiet. Die Revolte war ein Produkt arabischen Nationalismus, den Nachfolger des politischen Arabismus und die arabische Antwort auf türkischen Nationalismus.

Aber nicht alle Araber glaubten an die Bewegung und es gab keinen weit verbreiteten Aufstand in den Gebieten Palästinas. Trotzdem wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die Region Palästina Teil des Arabisch Königreichs Syrien, als dieses ausgerufen wurde; dazu gehörten das gesamte moderne Syrien, der Libanon und Teile von Jordanien. Erst als das Königrich 1920 auseinanderfiel, begann in Reaktion auf den Zionismus und die steigenden Pegel jüdischer Immigration in das, was jetzt das britischen Mandat für Palästina war, eine Art einer eigener palästinensischer nationaler Identität aufzukommen.

Die Herkunft des Namens „Judäa“

Die Hasmonäer-Dynastie

Der Name „Judäa“ kommt vom Königreich Juda, einem der Nachfolgestaaten der biblischen vereinten Monarchie, die das gesamte antike Israel beherrschte. 934 v.Chr. gegründet, herrschte das Königreich über das Land von Jerusalem bis Beer Sheva, bis es 586 v.Chr. von den Neo-Babyloniern erobert wurde.

Obwohl das Königreich zerstört wurde, überlebte der Name mit dem jüdischen Volk und als ein unabhängiges Königreich im Jahr 140 v.Chr. wieder unabhängig wurde, wurde das Land als Judäa bezeichnet. Dieser Name überlebte sogar die römische Eroberung des Königreichs und die römische Provinz, die aus einem großen Teil des ehemaligen Königreichs beschaffen wurde, trug den Namen Judea (in seiner lateinischen Form Iudaea).

Die Menschen in Judäa begrüßten die römische Herrschaft jedoch nicht und die jüdischen Einwohner rebellierten mehrfach, was die Stationierung riesiger Armeen notwendig machte. Nach dem dritten und letzten davon (der bereits erwähnte Bar Kochba-Aufstand) änderten die Römer den Namen dieser Provinz als Teil ihrer Bemühungen den jüdischen Nationalismus zu unterdrücken und danach blieb der Name Palästina hängen.

Herkunft des Namens „Israel“

Israel ist ein Name, der noch älter ist als Judäa; er ist in der Bibel zu finden (Genesis/1. Mose 32,29):

Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen.

Der Name Israel wurde danach mit den Stämmen und dem Königreich Israel identifiziert, das Jakobs Nachfahren gründeten und wurde zum Synonym mit Juda, bevor er diesen schließlich ersetzte.

Das erste Beispiel für weit verbreitete Verwendung des Namens in der modernen Zeit findet sich während des britischen Mandats: Während der offizielle Name in Englisch „Mandate for Palestine“ (Mandat Palästina) lautete, enthielten auf Hebräisch geschriebene offizielle Dokumente die Initialen für Eretz Yisrael.

Britisches Mandat Palästina

Das zusammen mit der Tatsache, dass der Name Juda mit Landstrichen assoziiert wurde, die zumeist im Teilungsplan von 1947 inbegriffen waren, hatten den Namen des neuen jüdischen Staates zum Ergebnis: Medinat Yisrael, der Staat Israel.

Warum ist das wichtig?

In einer anderen Situation wäre das lediglich eine Debatte über Semantik: Levante, Kanaan, Judäa, Philistäa, Palästina, Israel – das wären alles unterschiedliche Namen für denselben Landstrich.

Leider ist ein Schlüsselmerkmal des palästinensischen Nationalismus das Auslöschen jüdischer Geschichte und deshalb spielt es sehr wohl eine Rolle, wie das Land genannt wird. Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilt regelmäßig archäologische Funde in der Stadt Jerusalem als Fälschung oder illegitim (siehe hier, hier und hier). Es ist heutzutage üblich Behauptungen zu hören wie „Jesus war Palästinenser“, aber das ist irreführend: Jesus wurde höchstwahrscheinlich in Bethlehem geboren, das heute innerhalb der Westbank liegt, aber er war Jude und zur Zeit seiner Geburt war Bethlehem Teil der herodianischen Tetrarchie, eines jüdischen Satellitenstaats Roms. Darüber hinaus ist die Behauptung Jesus sei Palästinenser gewesen (oder Israeli oder Araber oder Nahostler usw.) inhärent falsch, denn keiner dieser Begriffe existierte damals. Jesus hätte sich gewiss nicht als Palästinenser bezeichnet, denn dieses Konzept existierte damals nur als Ortsbezeichnung [zur Zeit Jesu nicht einmal das – d.Ü.] und war nicht einmal in weit verbreitetem Gebrauch.

Selbstverständlich lautet die zu ziehende Schlussfolgerung nicht, dass palästinensische Araber keine nationale Geschichte oder Erbe haben, denn die haben sie ganz gewiss. Das palästinensische Narrativ ihrer Abstammung aus Kanaan, die kontinuierlich bis heute verläuft, ist jedoch bestenfalls unredlich und schlimmstenfalls falsch, denn sie impliziert, dass die Vorstellung Palästinas als Nation genauso lange bestanden hat und das ist nachweislich falsch.

Zusammengefasst hatte der Name Palästina ursprünglich nichts mit dem palästinensischen Volk zu tun, aber stattdessen wurde es mit den Philistern verknüpft und dann mit der Gegend, in der sie gelebt hatten, während das palästinensische Volk eine Mischung aus indigener und arabischer Bevölkerungen ist, die das Etikett des Beispiels des britischen Mandats angenommen hat.

Im Gegensatz dazu ist das jüdische Volk historisch mit den Namen Judäa/Juda und Israel verbunden. Das macht den palästinensischen Anspruch auf Volkstum keineswegs ungültig, aber es ist wichtig anzuerkennen, wie die Wahrheit aussieht und wie nicht.

Die hebräische Sprache und der Staat Israel

19. Juli 2019

Margo Dickstein, HonestReporting.com, 14. Juli 2019

(Foto: CC BY-NC Howard Lifshitz

Geht man durch die Straßen Israels, ist einer der einzigartigsten Aspekte des Landes und der Menschen die hebräische Sprache. Israel ist das einzige Land der Welt, in der Hebräisch die Nationalsprache ist. Die hebräische Sprache von heute unterscheidet sich sehr von dem Hebräisch der Thora. Sie hat eine lange Reise hinter sich.

Selbst heute verändert sich das Hebräische, nicht nur in der Sprache selbst, sondern auch in darin, wie sie wahrgenommen wird und was sie repräsentiert.

Die hebräische Sprache in der Geschichte

  • biblisches Hebräisch
  • mischnaisches Hebräisch
  • mittelalterliches Hebräisch
  • Rennaissance-Hebräisch
  • modernes Hebräisch

Gemäß jüdischer Tradition war Hebräisch die Sprache, mit der Gott die Welt schuf. Sie war auch die Sprache der Welt, bis zum Turm von Babel, als die Menschheit zerstreut wurde, geteilt in 70 Sprachen. Archäologische Beweise der hebräischen Sprache können bis ins 10. Jahrhundert v.Chr. zurückverfolgt werden. Es wird weithin angenommen, dass Hebräisch die hauptsächlich gesprochene und geschriebene Sprache des israelitischen Volks war, nachdem es sich im Land Israel niederließ; und so blieb es, bis zur Zerstörung des ersten Tempels und dem Fall von Jerusalem 587 v.Chr.

Während der Gebrauch des Hebräischen im Alltagsleben schwand, wurde es weiter als liturgische und literarische Sprache verwendet und zudem weiter entwickelt. Aramäisch wurde während der babylonischen Gefangenschaft zur geläufigen Sprache. Beweise dafür sind heute noch im jüdsichen Talmud zu finden, der in Aramäisch geschrieben ist, ebenso wie Gebete und Lieder, die heute noch auf Aramäisch aufgesagt werden, so das Trauer-Kaddisch, ein Gebet für die Toten.

Juden der Diaspora sprachen andere jüdische Dialekte, die bekanntesten davon sind Jiddisch und Ladino. Diese wurden mit hebräischer Schrift geschrieben, waren aber stark von den lokalen Sprachen beeinflusst – Deutsch und Spanisch.

So wie Hebräisch sich weiter entwickelte, beinhaltete die mittelalterliche Phase des Hebräischen das Auftreten des ersten hebräischen Wörterbuchs und die Veröffentlichung hebräischer Poesie, die Ausweitung des Hebräischen über die Grenzen der traditionellen Liturgie hinaus.

In der Renaissance-Periode des Hebräischen im 15. und 16. Jahrhundert trug Technologie weiter zur hebräischen Sprache bei. Die erste hebräische Druckerpresse im Land Israel erschien1577 in Safed, was mehr hebräische Literatur verfügbar machte.

Die modere Ära das Hebräischen war die bei weitem am stärksten umgestaltende Periode; in einem relativ kurzen historischen Zeitabschnitt wurde es zu einer modernen gesprochenen Sprache. Das begann mit dem, was als die Haskalah bekannt ist, die jüdische Aufklärungszeit im 18. Jahrhundert in Deutschland. Während dieser Periode gab es eine Bewegung zur Verschiebung auf säkularere Studien und den Versuch sich stärker in die Gesellschaft zu integrieren, während gleichzeitig die jüdische Identität bewahrt werden sollte. Aktivisten der Haskalah-Bewegung wurden Maskilim genannt.

Viele Aspekte des jüdischen Nationalismus verfolgen ihre Wurzeln zu dieser Bewegung zurück. Die Haskalah führte zur Wiederbelebung des Hebräischen, insbesondere des Bibel-Hebräisch.

Die hebräische Sprache und der moderne Zionismus

Eliezer Ben Yehuda

Die hebräische Sprache ist eines der großen Fundamente des Erfolgs des modernen Zionismus.

Eliezer Ben-Yehuda ist las Vater des modernen Hebräisch bekannt. Geboren 1858 als Eliezer Perelman in Luschki, Litauen, wuchs er auf die traditionelle Weise in einer örtlichen Jeschiwa (einer Schule für religiöse Studien) lernend auf. Dort wurde er vom Leiter der Jeschiwa heimlich in die Ideen der Haskalah eingeführt, der ein heimlicher Maskil war.

Ben-Yehuda wechselte schließlich an eine säkulare russische Schule und wurde besessen von moderner hebräischer Literatur, insbesondere Literatur zu jüdischem Nationalismus. Ben-Yehuda kam zu dem Schluss, dass die hebräische Sprache im Land Israel wiederzubeleben die Juden weltweit einen würde. Er erreichte Jerusalem 1881 und begann den Prozess der Wiedererweckung des Hebräischen als moderner Sprache.

Dieser Prozess begann Zuhause. Er verhinderte, dass sein Sohn von Erwachsenen und Kindern andere Sprachen als das Hebräische gesprochen zu hören, womit er den ersten hebräischen Muttersprachler der Moderne schuf.

Tatsächlich verbreitete sich Hebräisch unter den Immigranten der ersten und zweiten Welle der Aliyah ins osmanische Palästina. Es wurde zur Alltagssprache und im ganzen Land wurden hebräische Schulen gegründet.

Der riesige Erfolg der Wiederbelebung der hebräischen Sprache wurde uneingeschränkt deutlich, als das britische Mandat begann. Artikel 22 des Britischen Mandats für Palästina erklärt (Hervorhebung hinzugefügt):

Englisch, Arabisch und Hebräisch werden die offiziellen Sprachen Palästinas sein. Jede Aussage oder Inschrift auf Arabisch auf Briefmarken oder Geldnoten in Palästina soll auf Hebräisch wiederholt werden und jede Äußerung oder Inschrift auf Hebräisch soll auf Arabisch wiederholt werden.

Das war das erste Mal in mehr als 2.000 Jahren, dass Hebräisch offizielle Sprache in einem Territorium war, ganz zu schweigen von dem Ort, wo Hebräisch und das Judentum geboren waren. Nach Angaben von Joschua Blum, dem ehemaligen Präsidenten der Academy of the Hebrew language, ist Hebräisch bis heute die einzige Sprache der Welt, die „von den Toten“ zurückgeholt worden ist.

Immigranten lernen 1955 in einem Ulpan Hebräisch (Foto via Wikimedia Commons)

Die hebräische Sprache heute

Heute wird Hebräisch von mehr als acht Millionen Einwohnern in Israel gesprochen, dazu von mehr als einer Million weiterer Menschen in aller Welt.

Vor kurzem war die hebräische Sprache wieder in den Nachrichten. Die Knesset beschloss ein Gesetz, das als Das Nationalstaatsgesetz bekannt ist; darin wird sie mit einem verfassungsähnlichen Status in Israels Grundlagengesetzen verankert. Da Israel keine Verfassung hat, sind Grundlagengesetze Gesetze, die im israelischen Recht einen Verfassungsstatus haben.

Das Gesetz beinhaltet vier Bestimmungen zur Identität des Landes, die die Idee zementieren, dass Israel ein jüdisch-demokratisches Land ist. In dem Gesetz gibt es auch einen Abschnitt zur Sprache des Staates Israel:

  1. Sprache

(a) Hebräisch ist die Staatssprache.

(b) Die arabische Sprache hat im Staat einen Sonderstatus; Maßnahmen zur Verwendung des Arabischen in staatlichen Institutionen oder ihnen gegenüber werden per Gesetz geregelt.

(c) Nichts in diesem Artikel darf den Status beeinflussen, der der arabischen Sprache gegeben wurde, bevor dieses Gesetz in Kraft tritt.

Straßenschilder sind heute auf Hebräisch, Arabisch und Englisch

Kritiker des Gesetzes sagen, dass der arabischen Sprache ihren offiziellen Status zu nehmen dazu dienen soll die arabisch-israelische Identität und Geschichte auszulöschen. Sie sagen auch, es gebe israelischen Arabern einen wirtschaftlichen Nachteil, weil Hebräisch in israelisch-arabischen Gemeinschaften oft nicht so gut gelehrt wird.

Befürworter des Gesetzes sagen, es verankere Israels jüdischen Charakter in den Grundlagen der Gesetzgebung in Israel, zwinge die Mitglieder der Knesset und Richter jüdische Identität zu beachten, wenn sie Gesetze machen und Recht sprechen. Bezüglich der Sprache sagen die Befürworter des Gesetzes, dass der modifizierte Status von Hebräisch und Arabisch lediglich symbolisch ist und dass sich im täglichen Leben nichts ändert.

Jeder Staat hat einen Anspruch darauf sich auf einzigartige Weise zu artikulieren.

Israel als jüdischer Staat verwendet jüdische Symbolik, um sich zu definieren und die einzigartige Identität zu schaffen, die Israel besitzt. Jüdische Ausdrucksform kann für viele unterschiedliche Menschen vieles bedeuten. Ob es das Einhalten des Sabbat ist, Ereignisse des Lebenszyklus auf traditionelle Weise zu begehen oder einfach Hebräisch zu sprechen, all das sind kleine Handlungen das Judentum in der historischen jüdischen Heimat zum Ausdruck zu bringen.

Israel ist der einzige jüdische Staat der Welt und das einzige Land mit Hebräisch als Amtssprache. Hebräisch ist und wird immer eine unzerbrechliche Säule des jüdischen Staates sein.

In Erinnerung an die Opfer des Massakers von München 1972

17. Juli 2019

Pesach Benson, HonstReporting, 14. Juli 2019 (übernommen von Roland M. Horn)

Das Münchner Massaker bei den Olympischen Spielen 1972 war einer der schockierendsten Terroranschläge gegen Israelis aller Zeiten.

Am frühen Morgen des Montag, 4. September, schlichen sich acht Palästinenser der Terrorgruppe Schwarzer September in Trainingsanzügen in das Münchner Olympiadorf. Sobald sie drinnen waren, brachen sie in die beiden Wohnungen des israelischen Teams in der Connollystraße 31 ein.

Zwei der Israelis, Moshe Weinberg und Yossi Romano, wurden getötet, als sie sich gegen die Terroristen wehrten. Der Schwarze September forderte daraufhin die Freilassung von 234 palästinensischen Gefangenen durch Israel und von Kozo Okamato (dem einzigen Terroristen, der das Massaker am Flughafen Lod Anfang des Jahres überlebt hatte) von der japanischen Roten Armee. Die Terroristen forderten auch die Freilassung der in Westdeutschland inhaftierten RAF-Gründer Andreas Baader und Ulrike Meinhof.

Vorlauf zum Münchner Massaker

Ein Terrorist bei den Olympischen Spielen 1972 in München

Deutsche Unterhändler neigten dazu, den Forderungen der Terroristen nachzugeben, doch israelische Beamte gingen härter vor und bestanden darauf, dass Kapitulation mehr Terror ermutigen würde. Premierministerin Golda Meir sagte: „Wenn wir nachgeben sollten, kann kein Israeli auf der Welt sich sicher fühlen.“

Die Spiele wurden nach den Morden an Weinberg und Romano 12 Stunden lang fortgesetzt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzte die Spiele unter zunehmendem Druck aus. (Der Wettbewerb wurde 34 Stunden später fortgesetzt.)

Die westdeutsche Polizei versuchte, die Geiseln zu retten, indem sie die Terroristen auf dem nahe gelegenen Flugplatz Fürstenfeldbruck überfiel. Doch sie waren sehr schlecht vorbereitet und der Plan wurde schlecht ausgeführt. Während der folgenden Schießerei wurden die neun hilflosen Israelis, die auf zwei Hubschrauber verteilt waren, durch palästinensische Schüsse und Granaten ermordet. Daher der Name Münchner Massaker.

Bei der Schießerei wurden fünf Terroristen und der deutsche Polizist Anton Fliegerbauer getötet.

Nach dem Münchner Massaker

Die toten Terroristen – identifiziert als Yusuf Nazzal, Afif Ahmed Hamid, Khalid Jawad, Ahmed Chic Thaa und ihr Kommandeur Luttif Afif – erhielten in Lybien ein Heldengebräbnis.

Etwas mehr als einen Monat nach dem Münchner Massaker haben die Sympathisanten des Schwarzen September die Freilassung der verbleibenden drei Terroristen durch die Entführung des Lufthansa-Flugs 615 sichergestellt. Zwei der drei überlebenden bewaffneten Männer, Mohammed Safady und Adnan Al-Gashey, wurden angeblich vom Mossad im Rahmen der „Operation Wrath of God“ (Gottes Zorn) getötet. Vom dritten, Jamal Al-Gashey, wusste man, dass er noch1999 lebt und sich in Nordafrika oder in Syrien versteckte, weil er israelische Vergeltung für seine Rolle beim Münchner Massaker fürchtete.

Nach der Veröffentlichung von Steven Spielbergs Film „München“ im Jahr 2005 erklärte der Drahtzieher des Anschlags, der Führer des Schwarzen September Mohammad Daoud Odeh (alias Abu Daoud), gegenüber Sports Illustrated, dass der Angriff von Mahmoud Abbas finanziert wurde. Daoud starb 2010 in Damaskus an Nierenversagen.

Fünf der Märtyrer des Münchner Massakers, Andre Spitzer, Amitzur Shapira, Kehat Shorr, Elieser Halfin und Mark Slavin, wurden gemeinsam auf dem Kiryat Shaul-Friedhof in Tel Aviv beigesetzt. Ein anderer gefallener Athlet, der US-israelische Doppelstaatsbürger David Berger, wurde in seiner Heimatstadt Cleveland beigesetzt, wo eine Skulptur aus zerbrochenen olympischen Ringen vom National Parks Service als nationales Denkmal ausgewiesen wurde.

Die Witwen der ermordeten Athleten setzten sich bei nachfolgenden Spielen für ein offizielles IOC-Gedenken ein, zum Beispiel in Form einr Schweigeminute während der Eröffnungsfeier. Die olympischen Offiziellen lehnten die Idee wiederholt ab, indem sie sagten, solche Ehrungen würden die Politik in die Spiele einfließen lassen. Vier Tage vor den Spielen in London 2012 – dem vierzigsten Jahrestag des Münchner Massakers – kam es zu einer Krise, als IOC-Präsident Jacques Rogge während einer Zeremonie zu Ehren des olympischen Waffenstillstands eine spontane Schweigeminute für die Israelis einlegte. Die Witwen prangerten Rogge an, „das bloße Minimum zu tun“.

In Memoriam

Im Lauf der Zeit ist die Individualität jedes der elf Opfer zu einer kollektiven Gruppe von Münchner Massakeropfern verblasst. Aber für die Generation, die nicht mit Erinnerungen aus erster Hand an den Schock und das Grauen des Münchner Massakers aufgewachsen ist, lohnt es sich, sich daran zu erinnern, dass Mosche Weinberg, Yossi Romano, Ze’ev Friedman, David Berger, Jakow Springer, Eliezer Halfin, Yossef Gutfreund, Kehat Shorr, Mark Slavin, Andre Spitzer und Amitzur Shapira allesamt versierte Athleten waren, die ihren eigenen individuellen Weg bis an die Spitze ihres Sports gingen. Wir können nur vermuten, wie sie die Sportwelt beeinflusst hätten, wenn sie nicht auf so grausame Art getötet worden wären.

Hier finden Sie eine kurze Zusammenstellung an Informationen zu den Opfern:

Moshe Weinberg

Moshe Weinberg

Nationaltrainer Ringkampf

Geboren am 19. September 1939 in Haifa, Mandat Palästina

Getötet am 5. September 1972 beim anfänglichen Einbruch.

Hinterließ seine Frau Mimi und einen Sohn.

Als die Terroristen in die Wohnung eindrangen, war Weinberg mit dem Gruppenführer Luttif Afif konfrontiert. Nachdem er Afif erfolglos mit einem Obstmesser angegriffen hatte, wurde Weinberg durch die Wange geschossen und von den Terroristen mit vorgehaltener Waffe angewiesen, ihnen zu zeigen, wo sich die anderen israelischen Athleten befanden. Weinberg führte die Terroristen an Apartment 2 vorbei, in dem die Fechter, Schützen und Leichtathleten untergebracht waren und brachte sie stattdessen zu Apartment 3, in dem die Gewichtheber und Ringer Israels untergebracht waren.

Weinberg hoffte vermutlich, dass die stärkeren Teamkollegen die Terroristen überwältigen würden, doch sie wurden im Schlaf überrascht.

Während die Geiseln in die Wohnung 1 zurück marschierten, griff Weinberg die Terroristen erneut an und schlug Mohammed Safady bewusstlos, wodurch der Ringkämpfer Gad Tsobari entkommen konnte. Die Terroristen erschossen Weinberg und warfen seine Leiche auf die Straße.

Jahre später spielte Weinbergs schauspielender Sohn Guri im Jahr 2005 seinen Vater in Steven Spielbergs Film München.

Weinberg ist in Holon begraben.

Josef Romano

Josef „Yossi“ Romano

Gewichtheber

Geboren am 15. April 1940 in Bengasi, Libyen

Getötet am 5. September 1972 beim anfänglichen Einbruch.

Hinterließ seine Frau Ilana und drei Töchter.

Romanos Familie zog von Libyen ins Mandat Palästina, als er sechs Jahre alt war. Von Beruf war er Innenarchitekt.

Romano war neun Jahre lang der israelische Meister im Gewichtheben im Leicht- und Mittelgewicht. Romano trat bei den Olympischen Spielen 1972 im Mittelgewicht an, konnte jedoch aufgrund einer gerissenen Kniesehne einen seiner Lifts nicht absolvieren und sollte am nächsten Tag für eine Operation nach Hause fliegen.

Als die Terroristen Wohnung 3 betraten, gelang es Romano, Afif Ahmed Hamid mit einem Messer eine Schnittwunde zuzufügen und seine AK-47 zu schnappen, bevor er erschossen wurde. Nachfolgenden Berichten zufolge wurde Romano von den Terroristen gefoltert, bevor er getötet wurde und sein blutiger Leichnam wurde den ganzen Tag als Warnung zu Füßen seiner Teamkollegen zurückgelassen.

Nach dem Tod ihres Sohnes beging Romanos Mutter Selbstmord. Einige Jahre später tat es auch sein Bruder. Es war Romanos Witwe Ilana, zusammen mit Ankie Spitzer, die den Kampf für ein Schweigeminute bei den Olympischen Spiele anführte.

Romano ist in Herzliya begraben.

Ze’ev Friedman

Ze’ev Friedman

Gewichtheber

Geboren am 10. Juni 1944 in Prokopjewsk in der Sowjetunion

Getötet am 6. September 1972 während des fehlgeschlagenen Rettungsversuch.

Überlebt von seinen Eltern und seiner Schwester.

Friedmans Familie zog 1960 von Polen nach Israel. Er war sieben Jahre lang israelischer Meister im Fliegengewicht und wurde 1969 bei den Weltmeisterschaften in Warschau Siebter. Bei den Spielen 1971 in Manila belegte er den dritten Platz und bei den Olympischen Spielen in München den zwölften Platz, nachdem er drei israelische Rekorde gebrochen und einen vierten eingestellt hatte.

Friedman ist in Haifa begraben.

David Berger

David Berger

Gewichtheber

Geboren am 24. Mai 1944 in Cleveland, Vereinigte Staaten von Amerika

Getötet am 6. September 1972 während des fehlgeschlagenen Rettungsversuchs.

Trotz eines Bachelor-Abschlusses in Psychologie an der Tulane University und eines MBA-Abschlusses in Jura an der Columbia University nahm sich Berger Zeit zum Gewichtheben, gewann den NCAA-Titel im Gewichtheben in der 148-Pfund-Klasse und belegte 1968 den vierten Platz bei den US-amerikanischen Olympischen Vorausscheidungen im Mittelgewicht. Vor den Olympischen Spielen in München gewann Berger 1969 bei der Maccabiade eine Goldmedaille und 1971 bei den asiatischen Meisterschaften im Gewichtheben eine Silbermedaille.

Während die 10 anderen israelischen Olympioniken nach Israel geflogen und dort begraben wurden, wurde Berger mit einem von Präsident Richard Nixon persönlich bestellten Luftwaffenjet in die USA zurückgebracht.

Berger ist in Cleveland begraben.

Yakov Springer

Yakov Springer

Trainer und Richter im Gewichtheben

Geboren am Juni 1921 in Polen

Getötet am 6. September 1972 während des fehlgeschlagene Rettungsversuchs.

Hinterließ Frau und zwei Kinder

Als Holocaust-Überlebender, der im Warschauer Ghetto-Aufstand kämpfte, zog Springer 1956 nach Israel. Er unterrichtete Sport in Bat Yam, wo er Hunderte von Jugendlichen trainierte und baute eine Generation an Meistern, Trainern und Schiedsrichtern auf. Die Spiele von 1972 waren die fünften, an denen er als offizieller Punktrichter fungierte.

Springer ist in Holon begraben.

Eliezer Halfin

Eliezer Halfin

Ringer

Geboren am 18. Juni 1948 in Riga, Lettland

Getötet am 6. September 1972, während des fehlgeschlagenen Rettungsversuchs.

Überlebt von seinen Eltern und einer Schwester.

Von Beruf Mechaniker, zog Halfin 1969 nach Israel.

Vor den Spielen in München belegte Halfin bei den Weltmeisterschaften 1971 in Bulgarien den 12. Platz und belegte 1971 und 1972 in anderen Wettbewerben in Rumänien und Griechenland den zweiten und dritten Platz.

Halfin ist in Tel Aviv begraben.

Yossef Gutfreund

Yossef Gutfreund

Trainer und Punktrichter im Gewichtheben

Geboren am 20. Dezember 1931 in Rumänien

Getötet am 6. September 1972 während des fehlgeschlagenen Rettungsversuchs.

Hinterließ eine Frau und zwei Töchter.

Gutfreund hat in Rumänien studiert, um Tierarzt zu werden, bevor er mit der Leichtathletik begann. Vor den Spielen 1972 war Gutfreund Punktrichter bei den Olympischen Spielen 1968 in Tokio und bei den Weltmeisterschaften in Indien und Bulgarien, bevor er als Punktrichter nach München eingeladen wurde.

Gegen 4.30 Uhr hörte er ein Geräusch vor der Tür und sah nach, in der Annahme, dass es sich um den Leichtathletik-Trainer Moshe Weinberg handele, der den anderen Schlüssel für die Tür hatte. Er sah, wie sich die Tür öffnete und erblickte maskierte Männer mit Gewehren auf der anderen Seite. Gutfreund warf seinen 6-Fuß 3-Zoll- 290-Pfund-Körper gegen die Tür und rief seinen israelischen Kollegen eine Warnung zu. Diese kostbaren Sekunden ermöglichten es seinem Mitbewohner, dem Trainer für Gewichtheben Tuvia Sokolsky, ein Fenster einzuschlagen und zu entkommen. In der angrenzenden Wohnung 2 wurde Rennwanderer Dr. Shaul Ladany von Gutfreunds Schreien geweckt und konnte ebenfalls fliehen.

Gutfreund ist in Jerusalem begraben.

Kehat Shorr

Kehat Shorr

Schießtrainer

Geboren am 21. Februar 1919 in Rumänien

Hinterließ seine Frau und eine verheiratete Tochter.

Als Holocaust-Überlebender wurde Shorr ein begeisterter Schütze, bevor er 1963 nach Israel zog. Seine beruflichen und organisatorischen Talente erregten die Aufmerksamkeit der israelischen Schwerathleten-Vertreter und bis 1972 hatte er jeden Schützen der israelischen Mannschaft unterrichtet.

Shorr ist in Tel Aviv begraben.

Mark Slavin

Mark Slavin

Griechisch-römischer Ringer

Geboren am 31. Januar 1954 in Minsk, Sowjetunion

Getötet am 6. September 1972, während des fehlgeschlagenen Rettungsversuchs.

Slavin begann als Jugendlicher mit dem Ringkampf, um sich gegen antisemitische Angriffe zu verteidigen und gewann 1971 die sowjetische griechisch-römische Meisterschaft im Mittelgewicht im Junioren-Ringkampf.

Slavin wurde allgemein als Israels größte Medaillenhoffnung angesehen. Dies trotz der Tatsache, dass Slavin 18 Jahre alt war und an seinem ersten internationalen Wettbewerb teilnahm und erst vier Monate vor den Spielen nach Israel gezogen war. Er sollte an dem Tag sein olympisches Debüt geben, an dem die Terroristen das olympische Dorf stürmten.

Slavin ist in Tel Aviv begraben.

Andre Spitzer

Andre Spitzer

Fechtmeister und Trainer

Geboren am 4. Juli 1945 in Timisoara, Rumänien

Getötet am 6. September 1972 während des fehlgeschlagenen Rettungsversuchs.

Hinterließ seine Frau Ankie und eine Tochter.

Als Kind von Holocaust-Überlebenden zog Spitzers Familie nach Israel, als er noch ein Junge war. Er diente in der israelischen Luftwaffe und lernte Fechten an der Nationalen Sportakademie in Israel. Er setzte seine Fechtausbildung in den Niederlanden fort, wo er seine Frau Ankie kennenlernte. 1971 kehrten die Spitzers nach Israel zurück, wo Andre der beste Fechtlehrer des Landes wurde. Es war Spitzers Witwe, Ankie, die zusammen mit Ilana Romano den Kampf für eine Schweigeminute bei den Olympischen Spielen anführte.

Amitzur Shapira

Amitzur Shapira

Leichtathletik-Trainer

Geboren am 9. Juli 1932, Tel Aviv, Mandat Palästina

Getötet am 6. September 1972 während des fehlgeschlagenen Rettungsversuchs.

Shapira war einer der herausragenden Sprinter der 1950er Jahre und erwarb 1952 den Abschluss als Sportlehrer und wurde gleichzeitig  Leichtathletik-Trainer. Shapira widmete seine Zeit und Bemühungen dem Sport und half die jüngere Generation Stars der Leichtathletik zu betreuen.

Viele Jahre lang war er auch Lehrer und Erzieher am Beit Midrash des Wingate Institute.

DNS offenbart: Die Philister, die biblischen Feinde der Israeliten, waren Europäer

11. Juli 2019

Laura Geggel, Live Science, 3. Juli 2019

Die antiken Philister – berühmt für ihr Auftauchen in der hebräischen Bibel, darunter in der Geschichte von David und dem Riesen Goliath – waren keine Einheimischen in dem , was heute das moderne Israel ist. Stattdesen stammte diese mysteriöse Gruppe von seefahrenden Europäern ab, stellt eine neue Studie antiker DNA fest.

Nach der Analyse antiker DNA von 10 Einzelpersonen, die in einer archäologischen Stätte der Philister begraben waren, stallte ein internationales Forscherteam fest, dass die Philister von Menschen in Griechenland, Sardinien oder sogar der Iberischen Halbinsel (dem heutigen Spanien und Portugal) abstammen. Diese Vorfahren zogen während der späten Bronzezeit oder der frühen Eisenzeit über das Mittelmeer, vor rund 3.000 Jahren.

Aber dieses europäische genetische Signal war nur von kurzer dauer. Sobald die Philister in der südlichen Levante ankamen, die das östliche Mittelmeer umfasst, gingen sie Mischehen mit den Einheimischen ein. „Innerhalb von nicht mehr als zwei Jahrhunderten ist der genetische Fußabdruck, der in der frühen Eisenzeit eingeführt wurde, nicht mehr nachweisbar und scheint in einem lokalen Genpool aufgegangen zu sein“, sagte Choongwon Jeong, einer der Forscher, ein Archäognetiker am Max Planck-Institut für Wissenschaft der Menschheitsgeschichte in Jena in einer Stellungnahme. [Fotos: Zisterne aus biblischer Zeit und in Israel entdeckte Gravuren]

Mysterium Philister

Historiker und Archäologen haben Jahrzehnte damit zugebracht die Herkunft der Philister zu entziffern. Zusätzlich zu ihrer Erwähnung in der hebräischen Bibel (der Geschichte von Samson und der Philisterin Delilah führt die Gruppe ebenfalls an) erscheinen die Philister auch in Texten, die von antiken Ägyptern hinterlassen wurden. Durch Kreuzverweise zwischen diesen hebräischen und ägyptischen Texten schafften es Archäologen die Philister zeitlich und geografisch in einer Region zu verfolgen, zu der die Hafenstadt Aschkelon gehört, die im heutigen Israel liegt.

Ein Kindergrab aus der Levante Foto: Robert Wach/Leon Levy-Expedition nach Aschkelon

Dort enthüllten Ausgrabungen eine dramatische Verschiebung in der Kultur, darunter im Stil der Tonwaren und der Architektur, zwischen der späten Bronzezeit und der frühen Eisenzeit. „Sie begannen Funde aus archäologischen Stätten zu ähneln, die im Bronze-Zeitalter Ägäis waren, also Bronze-Zeitalter griechisch“, sagte Forschungsleiterin Michal Feldman, eine Doktorandin für Archäogenetik am Max Planck-Institute für Menschheitsgeschichte gegenüber Live Science. „Von dort kam die Theorie, dass die Philister-Kultur [in der Levante], die in der Eisenzeit auftauchte, aus Griechenland herwanderte.“

Aber niemand stimmt dieser Theorie zu. Vielleicht kopierten die Einheimischen einfach Tonwaren und Kultur des Auslands oder vielleicht kamen die Migranten aus anderen Teilen Europas, sagte einige Wissenschaftler. Daher wandte sich der an der Forschung beteiligte Daniel Master, Archäologe am Wheaton College in Massachusetts und Co-Leiter der Grabung in Aschkelon an die Genetik, um das Rätsel zu lösen.

Analyse antiker DNA

Die Genetiker sammelten mehr als 100 Proben, hauptsächlich Zähne und Innenohr-Knochen; von beiden weiß man, dass ich ihnen antike DNA gut erhalten wurde. Aber die Forscht bekamen nur von 11 Proben DNA-Ergebnisse von 10 Einzelpersonen, die vor 2.800 bis 3.600 Jahren lebten.

„Der Grund ist, dass das östliche Mittelmeer im Allgemeinen ziemlich problematisch für die Bewahrung von DNA ist“, sagte Feldman. DNA wird im Lauf der Zeit abgebaut und wenn die Umwelt-Bedingungen warm und feucht sind, baut sie schneller ab.“

Aber die DNA der 10 Einzelpersonen reichte aus, um das Rätsel zu lösen. Als die Forscher DNA von Menschen aus der früheren, der Bronzezeit mit der DNA der späteren, der Philister aus der Eisenzeit verglichen, „sahen wir, dass sie eine ererbte Komponente hatten, die die Menschen der Bronzezeit nicht hatten“, sagte Feldman. Diese ererbte Komponente wurde nach Südeuropa zurückverfolgt. Es ist jedoch schwer zu sagen, wo genau in Südeuropa, da Datenbanken mit antiker DNA aus dieser Zeit nur punktuell vorhanden sind, sagte Feldman.

Ausgrabung eines Philister-Friedhofs in Aschkelon im modernen Israel. Foto: Melissa Aja/Leon Levy-Expedition in Aschkelon

Darüber hinaus bedeutet die Verbindung zu Südeuropa „nicht, dass die Philister [selbst]  aus diesen Regionen kamen“, fügte sie an. Aber das südeuropäische Signal ist unbestreitbar, als „können wir sagen, dass die Vorfahren der Philister wahrscheinlich aus Südeuropa kamen und in Aschkelon entweder gegen Ende der späten Bronzezeit oder zu Beginn der Eisenzeit ankamen“. [In Fotos. Tongefäß mit nachdenklicher Figur, entdeckt in Israel]

In dieser Zeit, im 12. Jahrhundert v.Chr., brachen so viele Reiche zusammen, dass die Zeit als „frühe dunkle Zeit“ bekannt ist“, sagte Feldman. Es ist also keine Überraschung, dass die Philister in die Levante migrierten, sagte sie.

Zwei Forscher graben einen Philister-Friedhof in Aschkelon aus. Foto: Melissa Aja/Leon Levy-Expedition in Aschkelon

Die Studie ist „faszinierend“, sagte Éadaoin Harny, ein Doktorand der Abteilung für organismische und Evolutionsbiologie an der Universität Harvard, der nicht an der Forschung beteiligt war.

„Indem die antiken Genome von Einzelpersonen in Gräbern in der Stadt Aschkelon aus unterschiedlichen Perioden im Verlauf der Geschichte in eine Reihenfolge gebracht wurden, finden die Autoren Beweise für einen relativ kurzlebigen Zustrom von Menschen südeuropäischer Herkunft in die Region, die in der frühen Eisenzeit auftauchten“, sagte Harney.

Die genetische Arbeit unterstützt im Gegenzug „frühere archäologische und historische Behauptungen, dass kulturelle Verschiebungen, die in der Region während des Übergangs von der Bronzezeit in die Eisenzeit stattfanden, zumindest zum Teil der Migration geschuldet waren“, sagte sie Live Science in einer E-Mail.

Die Studie wurde heute (3. Juli) online im Journal Science Advances veröffentlicht.

Die Golan-Höhen – Geschichte, Gegenwart und Zukunft erklärt

25. Juni 2019

Emanuel Miller, HonestReporting, 18. Juni 2019

Hoch über Israels Nordfront mit Syrien und dem Libanon gelegen, kann die Bedeutung der Golanhöhen für Israel nicht übertrieben werden. Lernen Sie in diesem kleinen Führer mehr über die Gegend, ihre Geschichte und die Menschen.

Von Zeit zu Zeit kommt das Thema der Golanhöhen auf und die internationale Aufmerksamkeit konzentriert sich darauf, ob das Territorium unter israelischer Kontrolle bleiben oder an Syrien zurückgegeben werden sollte. Aber wo sind die Golanhöhen? Worin liegt ihre Bedeutung? Wer lebt dort und wessen Land ist das in Wirklichkeit?

Erst einmal die Grundlagen: Die israelische Seite der Golanhöhen deckt etwa 500 Quadratmeilen fruchtbaren Hochlandes ab, das eine beherrschende Sicht über Israel und Syrien bietet. Seit Israel im Sechstage-Krieg von 1967 die Kontrolle über das Land übernahm, ist es unregelmäßig unter internationalen Druck geraten das Land an Syrien zurückzugeben, eine Forderung, die Israel als unangemessen und unmöglich ablehnt. Aber warum?

Uralte jüdische Geschichte auf dem Golan

Jüdische Geschichte auf dem Golan geht bis in biblische Zeiten zurück; das Bestehen jüdischen Lebens in dem Bereich ist in verschiedenen Texten aufgezeichnet, darunter den Büchern Deuteronomium (5. Buch Mose) und Josua in der Bibel. Damals hieß die Region Baschan. Der Name Golan selbst stammt von der Stadt Baschan ab, die die Bibel als eine von etwa 60 befestigten Städten in der Gegend dokumentiert. Der Golan galt als „Flüchtlingsstadt“, ein Ort, wohin Mordverdächtige fliehen konnten um Vergeltung zu entgehen.

Obwohl das jüdische Volk mehrmals aus dem Land Israel ins Exil getrieben wurde, kehrten jüdische Exilanten aus Assyrien, Babylon und der Region in zahlreichen Zeiträumen in die Rgion zurück, wobei sie sogar der großen römischen Armee die Stirn boten. Die Gegend sprudelt vor historischen Artefakten, die jüdisches Gemeindleben im Land bezeugen, ebenso von den wiederholten Machtübernahmen, bei denen die Region mehrfach erobert, zurückerobert und wieder erobert wurde. Eine besonders schockierende Episode in der Stadt Gamla auf der Klippe ähnelte stark einem berühmten finalen Akt jüdischen Widerstands in Masada, wo die belagerte jüdische Gemeinschaft lieber Massenselbstmord verübte als sich zu ergeben. Als die Festungsanlagen von Gamla 67 n.Chr. durchbrochen wurden, soll die gesamte jüdische Gemeinschaft tot gewesen sein; etwa die Hälfte von ihnen getötet von den Römern, die andere sprang von dem steilen Hang in den sicheren Tod.

Selbst nach dem Ende jüdischer Autonomie ging jüdisches Leben auf dem Golan weiter. Die Überbleibsel von mehr als 30 antiken Synagogen sind entdeckt worden, rituelle Bäder wurden gefunden und schöne Mosaike mit jüdischen Symbolen wurden gefunden, die alle anhaltende jüdische Präsenz aufzeigen. Erst im 7. Jahrhundert wurden die jüdischen Gemeinden auf dem Golan ausgelöscht, als islamische Invasoren das Land von den Assyrern für das aufkeimende Kalifat Raschidun erobrten. Erst Jahrhunderte später waren Juden in der Lage in das Land zurückzukehren.

Der Golan vom Mittelalter bis zur Moderne

Verschiedene Völker haben im Lauf der Zeit auf dem Golan gewohnt; wiederholt kamen Invasoren, von den Mongolen über Perser, Römer bis zu Arabern, von denen einige von so weit her wie dem Jemen waren. Die Drusen, eine religiös-politische Sekte, die aus dem Islam hervorging, siedelten im 15. und 16. Jahrhundert in der Gegend und kontrollierten die Region etwa 350 Jahre lang, bevor sie von den Ägpytern und dann kurz darauf von den Osmanen erobert wurde.

Die Bevölkerung des Golan schrumpfte im Lauf der Jahrhundert infolge der ständigen Kriege, was dazu führte, dass die Region bis Mitte des 19. Jahrhunderts fast komplett verlassen war; ein Reiseführer beschrieb, dass nur 11 von 127 uralten Städten und Dörfern in der Gegend bevölkert waren.

Unter osmanischer Kontrolle versuchten Juden in die Gegend zurückzukehren; dazu kauften Juden aus Safed und Tiberias eine Reihe Grundstücke von Beduinen, ebenso Baron Edmund de Rotschild. Farmen und Gehöfte wurden errichtet, obwohl diese nicht lange blieben, weil die Osmanen das Land beschlagnahmten. Als das osmanische Reich 1917 zerfiel, wurde das Gebiet unter den Imperien der Briten und Franzosen aufgeteilt; Palästina fiel unter britische Kontrolle.

Drei Jahre später zwangen arabische Krawalle die jüdischen Gemeinden auf dem Golan zur Flucht und drei Jahre darauf, 1923, trafen Großbritannien und Frankreich eine Vereinbarung, durch die der Golan an französisches Territorium im heutigen Syrien übergeben wurde; die Briten erhielten dafür Mossul. Die letzten verbliebenen Juden wurden 1947 vor Israels Unabhängigkeit durch Syrien vertrieben, das den Vorteil des Geländes nutzte, um jüdische Gemeinden und Städte südlich des Bergzugs zu beschießen. Das Land blieb bis 1967 weitgehend judenfrei.

Die Gründung Israels

Während des arabisch-israelischen Krieges von 1948 wurde der entstehende jüdische Staat von örtlichen palästinensischen Milizen zusammen mit ägyptischen, jordanischen, libanesischen, irakischen und syrischen Streitkräften angegriffen. Obwohl es umzingelt war und damals rund 1% seiner Bevölkerung verlor, obsiegte Israel und seine Landmasse dehnte sich aus; der jüdische Staat hatte am Ende die Kontrolle über ein Drittel mehr Land als ihm zugewiesen worden war, hätte die arabische Führung den beim UNO-Teilungsplan von 1947 nicht abgelehnt.

Nach dem Krieg versuchte Israel Grenzen zu seinen arabischen Nachbarn zu etablieren, aber weil die arabischen Staaten es ablehnten Israels Rechtmäßigkeit anzuerkennen, brauchte man eine Alternative. Im ersten Halbjahr 1949 wurden in rascher Folge Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen Israel und Ägypten, Libanon und Jordanien unterzeichnet. Eine weitere Vereinbarung wurde am 20. Juli des Jahres zwischen Israel und Syrien unterschrieben.

Mit den Vereinbarungen wurden die Demarkationslinien des Waffenstillstands vereinbart. Weil die Araber darauf bestanden, enthielten die Vereinbarungen jeodch eine Erklärung, die klarstellte, dass die Linien keine rechtlich bindenden Grenzen darstellen sollten. Artikel V des Allgemeinen Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und Syrien (20. Juli 1949) beginnt:

Es wird betont, dass die folgenden Arrangements für die Demarkationslinie des Waffenstillstands zwischen den israelischen und syrischen bewaffneten Kräften und für die entmilitarisierte Zone nicht so interpretiert werden dürfen, dass sie ein Beziehung welcher Art auch immer zu letzten territorialen Arrangements haben, die die beiden Parteien dieser Vereinbarung betreffen.

Leider führte die Unterzeichnung dieser Vereinbarung, das Ziehen der Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien nicht zu echtem Frieden zwischen beiden. Im Verlauf der folgenden Jahre brachen unregelmäßig Feindseligkeiten aus, bei denen beide Seiten in das Territorium der anderen einbrachen, wobei Syrien israelische Bauern angriff und der syrische Premierminister Salah Bitar 1963 bombastisch erklärte, dass die arabischen Staaten „einen unnachgiebigen Feldzug führen, um zu verhindern, dass Israel seinen Traum verwirklicht“ die Wüste mit Wasser aus dem Jordan erblühen zu lassen. Von 1950 bis 1967 traf syrisches Feuer etwa 370 Israelis, wobei 121 getötet wurden. Alleine 1955 gab es an 52 Tagen Feuerwechsel.

Die ersten drei Monat des Jahres 1967 erlebten in Israel mehr als 270 Grenz-„Vorfälle“. Die Mehrheit davon ging von Syrien aus und verursachte in Israel zunehmend Sorge. Die Dinge spitzten sich im April 1967 zu, als israelische Traktoren durch syrisches Maschinengewehrfeuer und Luftabwehrfeuer beschossen wurden, was eine Konfrontation von mehr als 130 Flugzeugen zwischen den Luftwaffen Israels und Syriens auslöste. Mit den zunehmenden Feindseligkeiten an mehreren Fronten überraschte es nicht, dass der Sechstage-Krieg kaum zwei Monate später ausbrach.

Der Sechstage-Krieg und seine Nachwirkungen

Im Juni 1967 gingen Jahre der Provokationen zu Ende, als Israel während des Sechstage-Krieges die Golanhöhen eroberte. Nachdem der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser Ende Mai von seiner Armee die Straße von Tiran schließen ließ – diese Provokation wird als Kriegsakt betrachtet – hielt Israel intensive diplomatische Treffen mit westlichen Führungspolitikern ab, bevor es erkannte, dass es auf eigene Faust handeln musste.

In den frühen Morgenstunden des 5. Juni startete die israelische Luftwaffe einen massiven Angriff auf ägyptische Flugfelder. Trotz des entscheidenden Schlages bestritt Ägypten die Niederlage und folglich traten Syrien und Jordanien in dem Glauben in den Krieg ein, Israel befinde sich in der Defensive.

Nach ein paar chaotischen Versuchen Israel anzugreifen wurden die syrischen Streitkräfte zurückgeschlagen und zum Rückzug gezwungen.

Am 7. und 8. Juni diskutierte die israelische Führung darüber, ob auch die Golanhöhen angegriffen werden sollten. Syrien hatte vor dem Krieg Überfälle unterstützt, die geholfen hatten die Spannungen zu erhöhen und es hatte Israel regelmäßig von den Höhen aus beschossen, also wollten einige israelische Führungskräfte, dass Syrien bestraft wird. Die miliärische Meinung lautete, dass der Angriff extrem verlustreich sein würde, da er einen harten Kampf gegen einen höher liegenden, stark befestigten Feind beinhalten würde. Trotz der Risiken griff Israel am 9. Juni an und gewann schnell die Kontrolle über den Großteil der Golanhöhen. Am folgenden Tag stimmte Israel einem Waffenstillstand mit Syrien zu und eine Waffenstillstandslinie wurde festgelegt, die als Violette Linie bekannt ist.

Der Krieg führte dazu, dass viele tausend Syrer vom Golan flohen, wobei Schätzungen nahe legen, dass irgendwo zwischen 80.000 und 131.000 aus ihren Häusern getrieben wurden oder flohen und nur ungefähr 7.000 blieben.

Innerhalb von Tagen nach Kriegsende, am 19. Juni 1967, schlug die israelische Regierung die Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten und der Golanhöhen an Syrien vor, wenn es dafür eine dauerhafte Lösung und eine Entmilitarisierung der zurückgegebenen Territorien gäbe. Innerhalb von Monaten zogen Israelis auf den Golan. Bis 1970 gab es bereits zwölf neue Gemeinden.

Der Yom-Kippur-Krieg

Syrien versuchte sechs Jahre später, 1973, die Golanhöhen zurückzugewinnen. Der Verlust der Golanhöhen 1967 traf Syrien zutiefst und veranlasste es in Koordination mit Ägypten am heiligsten Datum des jüdischen Kalenders, Yom Kippur, einen Überraschungsangriff auf Israel zu starten.

Nachdem es anfangs große Teile des Territoriums verlor, erholte sich Israel schließlich und drängte die Syrer zurück. Zum großen Teil dank starker amerikanischer Unterstützung führte der israelische Gegenangriff dazu, dass israelische Trupppen bis auf 50km an Damaskus heranrückten. Israel zog sich zurück, unterschrieb aber im folgnden Jahr eine Waffenstillstandsvereinbarung, die fast den gesamten Golan unter israelischer Kontrolle beließ.

Gemäß der Vereinbarung wurde eine Pufferzone, die auf ungefähr 5% des umstrittenen Landes hinauslief, an Syrien übergeben und in eine entmilitarisierte Zone eingegliedert, die von der United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF – UNO-Entflechtungs-Beobachterkräfte) verwaltet wurde, die entlang einer Waffenstillstandslinie in einem Gebiet von rund 80km Länge und zwischen 0,5 und10km Briete die Grenze entlang verlief. Dieses Gebiet wurde als Area of Separation (AOF – Trenngebiet) gekennzeichnet, das weder syrische noch israelische Truppen betreten durften. Rund eintausend UNDOF-Soldaten sind in der Region stationiert.

Obwohl sie keinerlei Territorium gewonnen hatten, betrachteten die Syrer und die Ägypter sich als moralische Sieger über Israel, nachdem sie ihren Feind überrascht hatten.

Ein weiteres Vermächtnis des Kriegs ist die Bedrohung durch Landminen. Auf dem syrisch kontrollierten Golan wie auf den Golanhöhen ist eine unbekannte Zahl an Landminen, die in die Hunderttausende geschätzt werden, vom syrischen Militär hinterlassen worden. Durch zahlreiche als No-go-Zonen markiert Felder ist das Wachstum einiger israelischer Dörfer eingeschränkt. Mehr als 200 Landminen sind seit Kriegsende auf dem syrischen Golan explodiert und viele weitere Menschen wurden auch auf der israelischen Seite verletzt und getötet.

Annexion und israleische Zivilherrschaft

Am 14. Dezember 1981 beschloss Israel das Gesetz Golanhöhen, mit dem es israelisches „Gesetz, Rechtssystem und Verwaltung“ auf die Golanhöhen ausweitete. Obwohl das Gesetz das Territorium praktisch nach Israel annektierte, erklärt es keine formelle Annexion. Jahrzehnte lang wurden die Golanhöhen international von keinem anderen souveränen Staat anerkannt und vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in Resolution 497 für „null und nichtig und ohne international rechtliche Auswirkungen“ erklärt.

Resolution 497 des UNO-Sicherheitsrats forderte, dass Israel seine Entscheidung annulliert. Israel seinerseits bleibt dabei, dass es die Gegend behält, da der Text von Resolution 242 „sichere und anerkannte Grenzen ohne Bedrohungen und Gewalttaten“ fordert. Die internationale Gemeinschaft lehnt allerdings israelische Ansprüche auf das Territorium ab und betrachtet es als souveränes syrisches Territorium. Manche verweisen jedoch auf den fünften Artikel der Allgemeinen Waffenstillstandsvereinbarung (20. Juli 1949), der klar machte, dass die alten Grenzen niemals Grenzen waren, sondern lediglich Waffenstillstandslinien.

Im März 2019 brachen die Vereinigten Staaten hingegen mit der gesamten internationalen Gemeinschaft, nachdem Präsident Trump ankündigte die USA würden Israels Souveränität über die Region anerkennen.

Gegenwärtige Einwohner der Golanhöhen

Heute leben rund 50.000 Menschen auf dem Golan, davon etwa 27.000 jüdische Einwohner und 24.000 Araber, die die Region ihr Zuhause nennen. Die Juden leben in 33 Gemeinden, die weit überwiegende Mehrheit von ihnen sind Kibbuzim und andere Gemeinschaftsdörfer sowie die Stadt Katzrin. Zu den auf dem Golan lebenden Arabern gehören rund 23.000 Drusen, die in vier Dörfern nahe der syrischen Grenze leben.

Israel hat beträchtliche Summen in die Installation und Verbesserung der Infrastruktur und Dienste zum Nutzn der arabischen und jüdischen Bevölkerung investiert, in starkem Gegensatz zu der 19-jährigen Periode bis 1967, als fortlaufende syrische Regierungen es verfehlten in lokale Infrastruktur und Dienste zu investieren. Unter israelischer Herrschaft wurden Strom- und Wassersysteme sowie landwirtschaftliche Verbesserungen, Berufsausbildung und Krankenstationen eingerichtet.

Die Drusen sind eine Arabisch sprechende, esotherische, ethno-religiöse Gruppe mit engen Verbindungen zum Islam, obwohl sie allgemein nicht als muslimisch betrachtet werden. Als im gesamten Nahen Osten verstreute religiöse Minderheit haben die Drusen regelmäßig Verfolgung erfahren, außer im Libanon und in Israel, wo drusische Richter, Parlamentarier, Diplomaten und Ärzte höchste Ränge der Gesellschaft einnehmen können.

Die meisten drusischen Einwohner der Golanhöhen betrachten sich als Syrer. Rund 90% lehnen die Option ab die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen, haben stattdessen dauerhaften israelischen Einwohnerstatus. Statt eines israelischen Reisepasses haben viele Drusen für Auslandsreisen ein von Israel ausgegebenes Passagedokument, auf dem das Feld für die Staatsbürgerschaft leer gelassen ist.

Die Entscheidung der Mehrheit der Drusen die israelische Staatsbürgerschaft auszuschlagen und sich als Syrer zu betrachten, hat vielfältige Aspekte. Da die Drusen der Golanhöhen syrische Untertanen sind, ist ihre Beziehung zu Syrien unbestreitbar echt und viele betrachten sich aufrichtig als Syrer. Für andere entstammt die Abneigung die israelische Staatsbürgerschaft abzulehnen und sich weiterhin als Syrer zu bezeichnen einer pragmatischen Entscheidung gemäß dem Verständnis, dass Syrer, die sich als Iraelis bezeichnen, sollte er jemals wieder unter syrische Kontrolle kommen, als Verräter betrachtet und möglicherweise schwer bestraft würden. Da Israel bereit ist den drusischen Widerwillen öffentlich die israelische Souveränität zu übersehen, während Syrien eine weniger verständnisvolle Haltung an den Tag legt, ist der Ausgang für viele eine ausgemachte Sache.

Trotz des Übergewichts der Nicht-Staatsbürgerschaft hat es in den letzten Jahren Gerede darüber gegeben, dass Drusen mehr politische Beteiligung in Israel anstreben. Seit 1981 sind vier drusische Dörfer des Golan durch Repräsentanten vertreten worden, aber ein Verständnis, dass das Territorium in absehbarer Zukunft nicht an Syrien zurückgegeben wird, zusammen mit den Erwartungen der jüngeren Generationen mehr wirtschaftliche Möglichkeiten zu suchen, hat manche dazu gebracht mehr Zusammenarbeit innerhalb des politischen Systems Israels zu suchen. Das ebnete den Weg für die ersten israelischen Kommunalwahlen in den Dörfern im Oktober 2018, obwohl die Wahlbeteiligung merklich niedriger war als im Rest des Landes.

Der syrische Bürgerkrieg und die Golanhöhen

Mit Ausbruch des syrische Bürgerkriegs im März 2011, als Proteste außer Kontrolle gerieten und militärische Elemente zur Opposition überliefen, verlor der syrische Führer Baschar al-Assad die Kontrolle über große Teile des Landes. Im Verlauf der folgenden acht Jahre kämpfte Assat mit Hilfe iranischer und russischer Streitkräfte um die Wiedergewinnung der Vorherrschaft über das Land.

Während dieses Zeitraums versorgte Israel hunderte Syrer mit Hilfe, gründete medizinische Zentren jenseits der Grenze und lieferte Treibstoff, Stromgeneratoren, Wasser, Lebensmittel und Kleidung. Viele der Empfänger der Hilfe waren zwar anscheinend Zivilisten, aber eine unbekannte Anzahl waren Rebellen, die gegen das syrische Regime kämpfen.

Dieses Handeln provozierte die Drusen gelegentlich, die syrische Rebellen als ihre Feinde betrachteten. Die Drusen beschuldigten Rebellen Gräueltaten an ihrer Gemeinschaft in Syrien zu begehen und riefen Israel auf, es solle die Behandlung der verletzten Kämpfer einstellen. Bei einer Reihe von Gelegenheiten lief diese Antipathie in tatsächliche Gewalt über, wobei erboste Demonstranten israelische Militärkrankenwagen angriffen, bei denen in einem Fall ein syrischer Insasse getötet und ein weiterer kritisch verletzt wurde.

Als Ergebnis von Assads Verlust der territorialen Integrität kamen Bereiche innerhalb der Patrouillenzone der UNDOF oder direkt angrenzend unter die Kontrolle der Rebellen. Durch ihre Nähe zu den Kämpfen wurde die Lage der UNDOF zunehmend unsicher und mit der Zeit wurden die UNO-Kräfte zum Ziel von Gewalt. Folglich hörten die Inspektionskontrollen in der Zone des Beschränkungsbereichs auf und – ausgelöst durch die Entführung von rund 45 UNDOF-Soldaten aus Fidschi durch eine an Al-Qaida angegliederte Gruppe (die Soldaten wurden später freigelassen) und anderer Übergriffe – verließ die Truppe die meisten ihrer Positionen und zog sich auf israelisches Territorium zurück. Über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachteten die UNDOF-Kräfte die Ereignisse in Syrien aus der Sicherheit des von Israel kontrollierten Landes. Während der Bürgerkrieg in Syrien sich dem Ende zuneigt, sind UNDOF-Soldaten auf die syrische Seite der Linie zurückgekehrt.

Da Feindseligkeiten unregelmäßig über die Grenze schwappen, die israelische Luftwaffe regelmäßig Terrorgruppen auf der syrischen Seite angreift und die israelische Seite regelmäßig unter Feuer gerät, werden die Golanhöhen in der vorhersehbaren Zukunft unter israelischer Kontrolle bleiben.

Jüdische Verbindungen zum Tempelberg – die Geschichte

20. Juni 2019

Pesach Benson, 7. März. 2019

Ein Großteil des israelisch-palästinensischen Konflikts kreist um Land. Es gibt starke christliche, muslimische und tatsächlich auch jüdische Verbindungen zur Region. Aber es gibt ein bestimmtes Stück Land, das voller Geschichte, Symbole und Bedeutung steckt, nicht nur für die in Israel lebenden Juden und Palästinenser, sondern auch für die Menschen rund um die Welt.

Das ist der Tempelberg.

Dieses trapezförmige Plateau sind die heikelsten 37 Ar in Israel, vielleicht sogar in der Welt. Am bedeutendsten ist der mit seinem goldenden Dach glitzernde Felsendom mit seinem Kultstatus. Innerhalb befindet sich der Grundstein, von dem viele glauben, dass er der Ort des Allerheiligsten ist. Am Südende des Plateaus befindet sich die Al-Aqsa-Moschee. Unten an der Westseite der Umfassungsmauer um den Tempel befindet sich die Westmauer.

Foto von Yossi Zamir/Flash90 mit Ergänzungen durch HonestReporting

An jedem beliebigen Tag kommen Pilger aus aller Welt nach Jerusalem, um nach Gott zu suchen oder zumindest für eine Art spiritueller Erfahrung. In fußläufiger Nähe zum Tempelberg befinden sich der Zionsberg, der Ölberg, die Grabeskirche, die Via Dolorosa, der Siloah-Teich und der Hesekiel-Tunnel sowie weitere mit der Bibel in Verbindung stehende Orte.

Bei so vielen heiligen und historischen Stätten: Warum ist der Tempelberg der eine Ort, der so viel mehr Leidenschaften entfacht?

Die jüdischen Verbindungen zum Tempelberg gehen tief. In der jüdischen Tradition wird der Tempelberg als heiligster Ort der Welt betrachtet, die Stelle des ersten und des zweiten Tempels, gebaut jeweils von König Salomo und Serubbabel. Ground Zero wäre das Allerheiligste, dass innerste Heiligtum, das der Hohepriester nur einmal im Jahr betrat.

Auf Hebräisch als Har HaBayit (Tempelberg) oder Har HaMoriah (Berg Moriah) bekannt, ist die Heiligkeit des Tempelbergs derart überragend, dass viele praktizierende Juden nicht in einem Zustand ritueller Unreinheit (dazu unten mehr) dort hingehen. Diese Einschränkung zu Besuchen kompliziert die Bemühungen die jüdischen Bande zum Tempelberg zu stärken. Die Stelle, die dem Tempel am nächsten ist, wo die weit überwiegende Mehrheit der Juden betet, ist die Westmauer, eine Stützmauer um den Tempelberg.

Vom Grundstein (auf Hebräisch even ha-Schtiyya), der sich innerhalb des Felsendoms befindet, nehmen viele an, dass er die Stelle ist, wo die Bundeslade im Allerheiligsten stand, der erste Ort, wo am dritten Schöpfungstag die Erde erschien und die Stelle, wo Abraham seinen Sohn Isaak als Opfer vorbereitete.

Gemäß der jüdischen Tradition wird auch der dritte Tempel dort gebaut werden.

Die Muslime kennen den Tempelberg als Haram al-Scharif (das edle Heiligtum). Die Al-Aqsa-Moschee ist die drittheiligste Stätte des Islam.

Ein Großteil der Berühmtheit des Tempelbergs entstammt der Geschichte der Nachtreise des Propheten Mohammed. Gemäß dem Islam flog Mohammed von Mekka auf einem geflügelten Pferd nach Jerusalem, das oben auf der Westmauer landete. Vom Grundstein stieg er in den Himmel auf und traf dort andere Propheten, bevor er nach Mekka zurückkehrte.

Der Felsendom gehört zu den ältesten Werken vorhandener islamischer Architektur und seine glitzernde goldene Kuppel ist das kultigste heute mit Jerusalem verbundene Bild. Auf Arabisch wird die Westmauer nach dem Pferd Buraq-Mauer (Hait al-Buraq) genannt.

Für Christen ist der Tempel der Ort, wo Jesus als Junge vorgefunden wurde, wie er mit den rabbinischen Ältesten diskutierte (Der zwölfjährige Jesus im Tempel) und wo er später die Geldwechsler und Händler vertrieb (Tempelreinigung).

Die historischen jüdischen Wurzeln des Christentums machen den Tempelberg zu einer sehr beliebten Pilgerstätte. Obwohl sie keine formale Rolle in der Verwaltung der heiligen Stätte haben, verfolgen Kirchenführer die Entwicklungen auf dem Tempelberg und äußern sich oft zu Fragen in Sachen seines Status quo. Man nimmt an, dass die Überbleibsel eines Mosaiks aus der Byzantinerzeit, das unter der Al-Aqsa-Moschee – die einzige dort je vorgenommene archäologische Grabung – gefunden wurden, die Reste einer Kirche oder eines Klosters sind.

Der Zweck dieses Artikels besteht nicht darin die Ansprüche irgendeiner Seite zu beweisen oder zu widerlegen, sondern die jüdischen Verbindungen zum Tempelberg besser zu verstehen.

Der Status quo

Die bestehenden Umstände der Verwaltung des Tempelbergs gehen bis 1967 zurück, als Israel Ostjerusalem von Jordanien eroberte. Tage nach dem Krieg traf sich Verteidigungsminister Mosche Dayan mit Jerusalems muslimischen Führern. Weil er einen Religionskrieg fürchtete, stimmte Dayan zu die von Jordanien geführte Islamische Waqf weiterhin den Tempelberg verwalten zu lassen.

(Eine Waqf ist eine Treuhandverwaltung. Die heute den Tempelberg beaufsichtigende Waqf ist auch für die anderen muslimischen Institutionen in Jerusalem verantwortlich, einschließlich Schulen, Moscheen, Religionsgerichten, Waisenhäusern, Bibliotheken, Museen und anderen Immobilien.)

Der aus diesem Treffen gekommene informelle Status quo sieht wie folgt aus:

  • Juden und Nichtjuden soll es erlaubt sein den Tempelberg zu besuchen.
  • Juden und Nichtjuden, die den Tempelberg besuchen, werden die muslimischen religiösen Gefühle respektieren.
  • Juden und Nichtjuden ist es nicht erlaubt auf dem Tempelberg zu beten.
  • Die Westmauer sollte der Hauptort für jüdisches Gebet sein.
  • Die islamische Waqf sollte die alltägliche Verwaltung des Tempelbergs beaufsichtigen, während Israel die „Gesamtsouveränität“ behalten sollte.

Nach dem Krieg verabschiedete die Knesset das Gesetz zur Erhaltung der Heiligen Orte, das den freien Zugang und Schutz der heiligen Orte unter israelischer Zuständigkeit sicherstellen sollt, einschließlich des östlichen Jerusalem.

Israelische Fallschirmjäger auf dem Ölberg betrachten während des Sechstagekriegs den Tempelberg

Die israelischen Gerichte haben die Aufgabe des Verbots von jüdischem Gebet abgewiesen. In einem Urteil zu einem Fall, bei dem die Polizei einen Juden wegen Gebets vom Tempelberg warf, schrieb der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Aharon Barak:

Das Grundprinzip lautet, dass jeder Jude das Recht hat den Tempelberg zu betreten, dort zu bten und Gemeinschaft mit seinem Schöpfer zu haben. Das ist Teil der religiösen Freiheit anzubten, es ist Teil der freien Meinungsäußerung. Doch wie bei jedem Menschenrecht ist das nicht absolut, sondern ein relatives Recht… Tatsächlich ist es, in einem Fall, bei dem es so gut wie sicher ist, dass das öffentliche Interesse verletzt wird, wenn die Rechte auf freie Religionsausübung zu Gbet und freier Meinungsäußerung einer Person umgesetzt werden, möglich die Rechte der Person einzuschränken, um das öffentliche Interesse zu wahren.

Das israelisch-jordanische Friedensabkommen von 1994 (Artikel 9) verankerte eine „Sonderrolle“ der jordanischen Monarchie in der Verwaltung der heiligen Stätten Jerusalems, einschließlich des Tempelbergs. In einer Sonderabmachung mit der palästinensischen Befreiungsorganisation von 1994 übergab jedoch Jordanien die Rolle des Großmuftis – der führenden religiösen Persönlichkeit – an die Palästinenserführung. Der aktuelle Großmufti, ernannt von Mahmud Abbas und mit Gehalt der PA, ist Mohammed Hussein, der jüdische Verbindungen zum Tempelberg zurückweist – insbesondere bestreitet, dass der Tempel dort je existierte.

Vor kurzem, im Februar 2019, erweiterte Jordanien die Größe des Waqf-Rats, um mehr Palästinenser unterzubringen. Der vergrößerte Rat schließt den ehemaligen Mufti Ikrama Sabri ein, der Ankara nahe steht und hilft den türkischen Einfluss in Jerusalem auszuweiten.

Die Geschichte des Tempelbergs

Schöpfung: Nach jüdischer Tradition war der Tempelberg das erste Land, das erschien, als Land und Waser am dritten Tag der Schöpfung getrennt wurden.
ca. 2000 v.Chr.: Abraham bereitet Isaak als Opfer vor (1. Mose 22).
ca. 1000 v.Chr.: König David kauft die Tenne von Arunah, dem Jebusiter (2. Samuel 24 und 1. Chronik 21). Der Kauf markiert den Beginn der formellen jüdischen Verbindung zum Tempelberg.
825 v.Chr.: Salomo baut den ersten Tempel.
423 v.Chr.: Der babylonische König Nebukadnezar zerstört den ersten Tempel.
353 v.Chr.: Juden bauen den zweiten Tempel.
164 v.Chr.: Hasmonär-Aufstand gegen die Griechen, reinigen und weihen den Tempel neu; an die Ereignisse erinnert das Hanukkah-Fest.

Ein Modell des zweiten Tempels nach der Renovierung durch König Herodes.

20 v.Chr.: König Herodes beginnt mit der Renovierung des Tempels, baute den Tempelberg aus und baute eine Stützmauer um ihn herum. (Die Westmauer ist der einzige verbleibende Teil dieser Stützmauer.)
70 n.Chr.: Die Römer zerstören den zweiten Tempel, bauten darauf einen Tempel für Jupiter Capitolinus.
335 n.Chr.: Die Byzantiner weihen die Grabeskirche. Sie betrachteten die Zerstörung des Tempels als Erfüllung des christlichen Sieges über die Juden. Da die christliche Gottesverehrung zur Grabeskirche verlagert wird, wird der Tempelberg zur Müllkippe.
638 n.Chr.: Omajjaden-Muslime erobern Jerusalem und beginnen den Tempelberg aufzuräumen.
692 n.Chr.: Die Omajjaden vollenden den Bau des Felsendoms.
705 n.Chr.: Die Omajjaden bauen die Al-Aqsa-Moschee an der Stelle eines kleinen muslimischen Gebetshauses am Rand des Tempelbergs.
1099: Christlich Kreuzfahrer erobern unter der Führung von Gottfried von Bouillon Jerusalem. Sie konvertieren den Felsendom in eine Kirche und die Al-Aqsa in den Templer-Hauptsitz.
1187: Die Ayyubiden erobern unter der Führung von Saladin Jerusalem von den Christen und renovieren den Felsendom und die Al-Aqsa.
1517: Die Osmanen erobern das heilige Land.
1917: Britische Streitkräfte besiegen im Ersten Weltkrieg die Türken. Von Großbritannien in den Obersten Muslimrat ernannten Palästinensern wird die Verantwortung für die Verwaltung des Tempelbergs übergeben.
1948: Der israelische Unabhängigkeitskrieg. Jordanien besetzt Ostjerusalem einschließlich des Tempelbergs. Der von Jordanien betriebenen Waqf wird die Verantwortung für die Aufsicht über den Tempelberg gegeben.
1967: Israel erobert im Sechstage-Krieg den Tempelberg.
1996: In Verletzung des Status quo beginnt die islamische Waqf den Umbau eines Durchgangs im Untergrund in eine massive Gebetshalle, die Marwani-Moschee genannt wird. Tausende Tonnen Erde und Schutt, die Überreste von Altertümern aus der Zeit der Tempel beinhalten, werden ohne archäologische Aufsicht abgekippt. Die Waqf tut Vorwürfe der systematischen Tilgung jüdischer Verbindungen zum Tempelberg ab.
2017: Zwei israelische Polizisten werden von einem Terroristen getötet, der eine Schusswaffe auf den Tempelberg schmuggelte. Palästinenser randalieren, als Israel Metalldetektoren installiert, die später entfernt werden.

Jüdische Verbindungen zum Tempelberg in der Tradition

Juden an der Westmauer betrauen an Tischa B’Av die Zerstörung des Tempels.

Jüdische Verbindungen zum Tempelberg sind über Jahrhunderte hinweg durch eine Reihe jüdischer Bräuche am Leben erhalten, darunter:

  • Rund um die Welt beten Juden mit Blickrichtung auf Jerusalem.
  • In Jerusalem beten Juden mit Blick zum Tempelberg.
  • Theoretisch würden auf dem Tempelberg betende Juden mit Blick in Richtung des Allerheiligsten.
  • Jüdische Gebete dreimal am Tag beinhalten die Bitte um die Restaurierung des Tempels.
  • Von einem Juden, der die Ruinen des Tempels sieht, wird erwartet, dass er seine Kleidung zerreißt und sagt „Unser Haus der Heiligkeit und Pracht, in dem unsrer Vorfahren Dich singend priesen, und alles, das wir so sehr schätzten, ist zerstört worden.
  • Juden fasten und trauern wegen der Zerstörung der Tempel, die beide an Tischa B’Av fielen.
  • Das Pessah-Seder und die Gebete an Yom Kippur enden beide mit den Worten „Nächstes Jahr im wiederaufgebauten Jerusalem“, was sich auf den Tempel bezieht.
  • Bei jüdischen Hochzeiten zertritt der Bräutigam ein Glas und zitiert Psalm 137, dass Jerusalem nicht vergessen wird und „möge meine Zunge an meinem Gaumen festkleben, … wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe“.
  • As zusätzliches Zeichen der Trauer werden jüdische Verbindungen zum Tempelberg von vielen praktizierenden Juden betont, indem sie einen kleinen Teil ihres Hauses unverputzt und unangestrichen lassen.

Trotz der lange andauernden jüdischen Verbindungen zum Tempelberg verbieten viele rabbinische Autoritäten Juden das Gelände zu betreten, weil die Regeln zur rituellen Reinheit für bestimmte Bereiche weiter gelten. Die genaue Position der inneren Höfe des Tempels und des Allerheiligsten sind wegen der im Talmud beschriebenen verschiedenen Möglichkeiten die Maße des Tempelbergs zu verstehen nicht gesichert; außerdem ist der Tempelberg beträchtlich größer als er es war, als der Talmud festgelegt wurde.

In den vergangenen Jahre haben einige rabbinische Meinungen argumentiert, dass Juden die Bereiche des Plateaus zu betreten, die gesichert nicht zu den inneren Höfen oder dem Allerheiligsten gehörten, weil die Gebote der rituellen Reinheit nicht auf den gesamten Tempelberg gelten. Einige Rabbiner ermutigen Juden sogar das Plateau zu besuchen, um die jüdischen Verbindungen zum Tempelberg aktiv zu behalten.

Die Einzelheiten dieser Entscheidungen und die Fragen, die sie aufwerfen, gehen über den Umfang dieses Artikels hinaus.

Ein Luftbild des Tempelbergs

* * *

Jüdische Verbindungen zum Tempelberg zurückzuweisen hilft den Palästinensern jüdische Ansprüche auf Jerusalem zu untergraben und das Konzept Israels als jüdischer nationaler Heimat zu leugnen. Das ist der Grund, weshalb Palästinenser wertschätzen, dass Organisationen wie die UN Educational, Scientific and Cultural Organization (UNSCO) Resolutionen verabschieden, die darauf bestehen, dass Israel keine rechtlichen und historischen Ansprüch auf Jerusalem haben.

Weil der Tempelberg ins Herz des Kerns jüdischer, muslimischer und christlicher Narrative geht, stellt er die größte Streitfrage für die Zukunft von Vereinbarungen zwischen Israel und den Palästinensern dar.

Fotos/Bilder: CCO Pixabay; Stern, Halbmond und Kreuz via Wikimedia Commons; Zweiter Tempel via Wikimdia Commons; Tischa B’Av via Wikimedia Commons; Luftbild via Wikimedia Commons.

Balfour-Erklärung: Kriegserklärung der Hasser

21. Oktober 2017

Simon Plosker, HonestReporting, 18. Oktober 2017

Am 2. November 2017 ist der 100. Jahrestag der Balfour-Erklärung, der von der britischen Regierung im Ersten Weltkrieg abgegebenen öffentlichen Erklärung. Außenminister Arthur Balfour schrieb an Lord Walter Rothschild und verkündete die Unterstützung der Gründung einer „nationalen Heimstatt für das jüdische Volk“ in einem Bereich, an dem damals die Region Palästina des osmanischen Reichs war. (Über die Geschichte der Balfour-Erklärung können Sie hier mehr lesen.)

Heute bereitet sich die britische Regierung auf das offizielle Gedenken des Jahrestags vor und der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu hat seine Teilnahme an den Feierlichkeiten in Großbritannien zugesagt.

Lord Rothschilds Nachkomme Jacob Rothschild schreibt in der Times of London (Paywall):

Dass ein solcher Brief im Namen der britischen Regierung geschrieben wurde, ist sicherlich eines der überraschendsten und unwahrscheinlichsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit; nach 3.000 Jahren Zivilisation und 2.000 Jahren Verfolgung sollten die Juden in Palästina eine Heimstatt erhalten, die der Grundstein für den Staat Israel bot. Mein Vorfahr, Lord Rothschild, an den der Brief adressiert war, schrieb ihn als „den wichtigsten Moment in der jüdischen Geschichte der letzten 1.800 Jahre“. Chaim Weizmann, der erste Präsident Israels, beschrieb ihn als „die Magna Charta der jüdischen Befreiung“. Großbritannien hatte den Juden die erste externe Anerkennung ihres Rechts auf eine nationale Wiederbelebung im Land ihrer Väter gegeben.

Die Sicht der Israelhasser und einiger anderer Medien sieht jedoch entschieden weniger positiv aus, da sie für den Jahrestag der Balfour-Erklärung einen Gang höher schalten.

Ian Black vom Guardian veröffentlicht einen längeren Artikel, kann aber nicht verbergen, wo seine Sympathien liegen:

Diese Zusage von 1917 – der Nachwelt als Balfour-Erklärung bekannt – hatte für den Nahen Osten und die Welt fatale Folgen. Sie ebnete den Weg für die Gründung Israels im Jahr 1948 und für die spätere Niederlage und Zerstreuung der Palästinenser – was der Grund ist, dass ihr 100-jähriges nächsten Monat das Thema aufgebrachter Auseinandersetzungen ist.

Statt zu sehen, dass die Balfour-Erklärung eine Verpflichtung zu jüdischer Selbstbestimmung ist, formuliert es Black sie als Ursprung eines Konflikts und dem Ende der Bestrebungen der Palästinenser.

In Wirklichkeit war es nicht die Balfour-Erklärung, die die Lage der heutigen Palästinenser oder gar der Palästinenser von 1948 herbeiführte. Palästinensische und arabische Verweigerung hat alle Versuche im Verlauf der Jahre hintertrieben eine einvernehmliche Vereinbarung zu treffen, die einen Palästinenserstaat Seite an Seite mit einem jüdischen gesehen haben könnte.

Black schreibt zudem:

Der Kampf um Balfour hat viel mit anderen Auseinandersetzungen übe historische Rechtfertigung oder Wiedergutmachung für Missstände der Vergangenheit gemein. Es Er könnte an der Seite jüngeren Streits über die Statue von Cecil Rhodes in Oxford und Kapstadt und Denkmäler für Konföderierte in den USA gesehen werden, Entschädigung für britische Misshandlung der Mau-Mau-Rebellen in Kenia und französische Wiedergutmachung für Gräuel in Algerien. Aber mit dem Thema Israel-Palästina ist weit schwerer umzugehen. Seine Vergangenheit ist nicht ein anderes Land. Wahrheit und Aussöhnung, ganz zu schweigen von einem Ende, sind weit entfernte Fantasien. Anders als Sklaverei, Apartheid,  die irische Hungersnot und westlicher Kolonialismus – alles zumindest formell auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen – zeigt der arabisch-jüdische Konflikt zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan keine Zeichen des Nachlassens. Stattdessen bleibt er so bitter wie schon immer, stecken geblieben in einem explosiven Status quo nicht endender Besatzung und politischer Sackgasse.

Wieder verbindet Black die Balfour-Erklärung mit dem, was er als historischen Fehler oder Verbrechen betrachtet, besonders einen der kolonialistischen Variante. Es ist unmöglich die Unterstützung der britischen Regierung für den Zionismus innerhalb des Kontextes der Zeit nachzuempfinden. Die Balfour-Erklärung steht allerdings nicht als Versuch heraus einem indigenen Volk Kolonialismus aufzubürden, sondern einem Volk, das mehr als 3.000 Jahre eine vertraute historische, kulturelle und religiöse Verbindung zum Land hat, nationale Selbstbestimmung zu schenken.

Was Black und der Guardian in dieses Narrativ anzapft, das auf die Delegitimierung schon der bloßen Existenz Israels abzielt, indem es mit einer „Ursünde“ in Verbindung gebracht wird.

C.P. Scott in 1919 (via Wikimedia Commons)

Vielleicht versucht Black die positive Rolle seiner eigenen Zeitung bei der Balfour-Erklärung abzumildern, die angesichts der gegenwärtigen Verachtung des Guardians für Israel ziemlich ironisch ist. Dr. Azriel Bermant beschreibt Chaim Weizmanns Freundschaft mit C.P. Scott, dem Herausgeber des Manchester Guardian (später The Guardian):

Weizmanns Beziehung zu Scott war bei der Sicherstellung der Unterstützung des Guardian für die zionistischen Ziele in den Monaten vor der Balfour-Erklärung unverzichtbar. Im Juli 1929 schrieb Isidor Sandler von der Manchester Zionist Association aus Anlass der Ausscheidens von Scott als Herausgeber an ihn, wobei er Dankbarkeit „für den großen Anteil“ zum Ausdruck brachte, „die Sie an der Verkündigung der inzwischen berühmten Balfour-Erklärung haben…“ Scotts Antwort an Sandler war entschieden: „Vom ersten Tag, an dem ich das zionistische Projekt mit meinem alten Freund Dr. Weizmann diskutierte, war ich von seinem Wert nicht nur für das jüdische Volk, sondern auch für andere Nationen als Verbindungsglied zwischen Ost und West überzeugt.“

DIREKT AUS ERSTER HAND

Manuel Hassassian

Zurück ins Heute: Wer anders als Manuel Hassassian, dem offiziellen palästinensischen Repräsentanten in Großbritannien, könnte in einem Text aus dem Guardian besser klar machen, worum es in dieser Kampagne gegen die Balfour-Erklärung wirklich geht:

Es hat eine 100 Jahre dauerndes Vertuschen der Verbrechen Israels gegeben: seine ethnische Säuberung der palästinensischen Bevölkerung 1948; sein erbarmungslosen Jahre der Aggression und aktuelle brutale Besatzung.

Wenn man bedenkt, dass Israel erst fast 70 der 100 Jahre existiert, auf die Hassassian verweist, dann scheint es so, als ob es in der Sache weniger um einen territorialen Streit geht, der 1947/48 entstand, sondern alles mit palästinensischer Verweigerung jüdischer Rechte, die weit vor die eigentliche Gründung des Staates Israel zurückreichen.

Letztlich sind die Kampagne gegen die Balfour-Erklärung und Forderungen nach einer Entschuldigung der britischen Regierung (die kategorisch abgelehnt worden ist) schlicht Teil einer breiter angelegten Delegitimierungskampagne gegen Israel. Dieser neueste Fokus auf Balfour 100 wird zweifelsohne in den kommenden Wochen zunehmen.

(Bildquelle: Public domain via Wikimedia Commons mit Ergänzungen durch HonestReporting.)

Wer entscheidet darüber, wo Israels Hauptstadt ist?

20. September 2016

Daniel Pomerantz, HonestReporing, 15.09.2016

2012 zwang HonestReporting den Guardian dazu, sich zu entschuldigen, weil er eigenmächtig entschieden hatte, Israels Hauptstadt sei nicht mehr Jerusalem sei, sondern Tel Aviv.

Das war kein einfacher Fehler, der, wenn er passiert, korrigiert wird. Der Guardian weigerte sich zunächst und stellte sich damit auf den Standpunkt, dass sich Israel in Bezug auf die Lage seiner eigenen Hauptstadt irrte. The Guardian beugte und entschuldigte sich erst unter dem Druck eines drohenden Prozesses.

Dank der Anstrengungen durch HonestReporting hat Ofcom, das damalige britische Presse Kontrollorgan, seine Regeln und der Guardian seine gesamten Gestaltungsrichtlinien geändert, was bedeutet, dass die Zeitung inzwischen die übergeordnete Richtlinie haben, Jerusalem als Hauptstadt Israels zu benennen.

In der letzten Woche beugte sich die Tschechische Republik dem Druck palästinensischer Gruppierungen und verkündete, dass seine Schulbücher den Schulkindern lehren würde, dass Tel Aviv die Hauptstadt Israels sei. Später ruderte das Land aufgrund starken diplomatischen Drucks durch Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat wieder zurück.

Ich habe den Premierminister der Tschechei ermahnt auf der Seite der Wahrheit zu stehen: #Jerusalem ist Israels ewige Hauptstadt.
– Bürgermeister Nir Barkat (@ NirBarkat) 1. September 2016

Allerdings ist dieser doppelte Standard allzu alltäglich. In den Vereinten Nationen, hat eine Vielzahl von Ländern quer durch Europa und Asien, sowie die gesamte arabische Welt verkündet, dass Jerusalem nicht Israels Hauptstadt ist, auch wenn sie sonst bei keinem anderen Land der Erde die Hauptstadt festlegen.

Wer entscheidet eigentlich, welches die Hauptstadt einer Nation ist?

Entscheidet die Tschechische Republik wo sich die Hauptstadt Israels befindet. Entscheidet das der Guardian? Und wenn dem so ist, warum wählen sie Tel Aviv? Warum nicht Beer Sheva oder Eilat. Hat Israel bei der Entscheidung über seine Hauptstadt überhaupt etwas zu sagen? Und wie ist das mit den anderen Ländern dieser Welt?

Merriam Websters Wörterbuch definiert „Hauptstadt“ als „hat die Hauptdienststellen einer Regierung“. Während Black´s Rechtswörterbuch, das als Standardwerk für Rechtsdefinitionen dient, „Hauptstadt“ als die „wichtigste Stadt eines Landes oder Region“ definiert, das „normalerweise der Sitz der Regierung und seiner Verwaltungen ist.“

Es steht außer Frage, dass Jerusalem das Verwaltungszentrum des Staates Israel ist. Es beherbergt die obersten Dienstellen aller israelischen Regierungsämter: Das Parlament (Knesset), den obersten Gerichtshof, die Residenzen des Premierministers und des Präsidenten. Um genau zu sein befinden sich die meisten Dienstsitze der israelischen Ministerien in Kiriat HaMemshala (Regierungscampus), und der ist in Jerusalem.

Die Knesset (das israelische Parlament) und weitere Regierungsgebäude in Jerusalem

Was ist mit den ausländischen Vertretungen?

Einige Staaten und Zeitungen argumentieren damit, dass Jerusalem nicht wirklich die Hauptstadt Israels sein kann, da die meisten internationalen Botschaften woanders im Land sind. Allerdings haben die Lagen der Botschaften weder in der allgemeinen noch in der rechtlichen Auslegung etwas mit der Definition einer Hauptstadt eines Landes zu tun.

Nur drei Länder als Beispiel (die Komoren, Senegal und die Seychellen) die ihre Botschaften in den USA in New York und nicht in Washington DC haben, macht das nun New York zur Hauptstadt der Vereinigten Staaten? Und dutzende von Ländern haben ihre Botschaften in Deutschland in München, weitere Dutzend in Stuttgart, und heißt das nun, dass Berlin nicht mehr länger die Hauptstadt Deutschlands ist?

Was ist mit der internationalen Anerkennung?

Die Palästinenser und die Arabischen Länder diskutieren über die korrekten Grenzen Israels. (Tatsächlich aber bestreiten die meisten arabischen Länder, dass Israel überhaupt existiert). Das ist aber völlig irrelvant um die Hauptstadt eines Landes festzulegen.

Professor Eugene Kontorovich

Professor Eugen Kontorovich, der Experte für Völkerrecht an der Northwestern University, erklärte in einer exklusiven Stellungnahme für HonestReporting:

Nichts im Völkerrecht gibt anderen Ländern ein Mitspracherecht dazu, wo die Hauptstadt eines Landes ist.

Kontorovich führt in seinen Erklärungen fort, dass es ein fundamentales Prinzip des internationalen Rechts ist, dass alles, das nicht durch internationale Vereinbarungen abgedeckt ist, als innerstaatliche Angelegenheit behandelt wird, was durch die Gesetze des jeweiligen Landes entschieden werden muss. Allgemeinverständlich ausgedrückt: Wenn Israel entscheidet, dass Jerusalem seine Hauptstadt ist, dann ist Jerusalem seine Hauptstadt. Und das gilt nach den Prinzipien des internationalen Rechts.

Professor Kantorovich zeigt noch ein weiteres Problem in der ausländischen Betrachtung Jerusalems: Der Regierungssitz Israels ins komplett in dem Teil Jerusalems der nicht Teil der Debatte ist, daher ergibt sich

… „ die Position (vieler Zeitungen und Länder) dass ganz Jerusalem nicht wirklich ein Teil Israels ist.“

Was ist mit territorialen Diskussionen?

Es gibt zur Zeit 124 Länder die in territoriale Diskussionen verwickelt sind und dutzende von Ländern nicht nicht einmal von irgendeinem andern Land in dieser Welt anerkannt werden. Doch das hat bei keinem irgendeine Auswirkung auf die Festlegung der Hauptstadt.

Zum Beispiel liegt Nicosia teilweise in dem Gebiet Zyperns das von der Türkei beansprucht wird, nichtsdestotrotz ist es die Hauptstadt Zyperns. Während des Kalten Krieges war Berlin geteilt und aus praktischen Gründen wechselten die meisten Regierungsämter nach Bonn. Damit war Bonn „de facto“ die Hauptstadt während Berlin „de jure“ die Hauptstadt Deutschlands war.

nikosia_hr16-09-15

Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Tatsächlich haben unsere Untersuchungen nicht einen einzigen Fall zu Tage befördert, in dem die Hauptstadt eines Landes nicht allein durch die Entscheidung der betreffenden Nation festgelegt wurde.

Ganz einfach: Israel und Israels Hauptstadt sollten mit den gleichen Standards behandelt werden wie jedes andere Land auf dieser Erde.

Voreingenommenheit #6: Nutzung von Fakten für falsche Schlussfolgerungen

9. September 2016

Teil 6 einer achtteiligen Serie über die acht Kategorien von Medien-Voreingenommenheit.

Verletzung #6
Nutzung von Fakten für falsche Schlussfolgerungen

Medienberichte führen oft Fakten ins Feld, aus denen sie falsche Schlussfolgerungen ziehen

Selbst wenn alle Fakten stimmen, ist es Journalisten immer noch möglich, falsche Schlüsse zu ziehen. Irren ist menschlich, richtig?

In diesem Video diskutieren Haviv Rettig Gur von der Times of Israel und Michelle Chabin von USA Today und anderen Blättern mit HonestReporting darüber, wie Reporter Fakten einsetzen können, um falsche Schlüsse zu ziehen:

APlogoBEISPIEL: Als Premierminister Benjamin Netanyahu im März 2015 wiedergewählt wurde, machte der Associated-Press-Reporter Dan Perry abfällige Bemerkungen über die Resultate, weil Palästinenser nicht wählen durften.

Doch unter den Israelis gibt es die zunehmende Angst vor der Tatsache, dass ihr aus 8 Mio. Menschen bestehendes Land auch um die 2,5 Mio. Palästinenser im Westjordanland kontrolliert, die kein Stimmrecht für ihr Parlament haben.

Fügt man der Gleichung die 2 Mio. Palästinenser im Gazastreifen hinzu, einem indirekt von Israel dominierten Gebiet, dann wäre das Heilige Land zusammen mit den 2 Mio. arabischen Bürgern Israels Heimat einer Bevölkerung von um die 12 Millionen Menschen, gleichmäßig aufgeteilt in Araber und Juden.

Von den Arabern hat nur ein Drittel Stimmrecht. Das sind die „israelischen Araber“, die in den Gebieten leben, die im israelischen Unabhängigkeitskrieg, der die Grenzen des Landes festlegte, zum Land Israel geworden sind.

Die Fakten sind absolut zutreffend: Palästinenser im Westjordanland sind keine israelischen Staatsbürger und können bei Wahlen in Israel nicht wählen. Das bedeutet aber nicht, dass Israel ihnen das Wahlrecht entzogen hätte.

Der Grund, warum die bei der Palästinensischen Autonomiebehörde lebenden Palästinenser nicht wählen, ist, weil sie bei Wahlen der Palästinensischen Autonomiebehörde ihre eigenen Führer wählen. Seit 2006 haben sie dies allerdings nicht mehr getan; für 2010 angesetzte Wahlen wurden wegen der Fehde zwischen Hamas und Fatah niemals abgehalten, aber das ist ein internes palästinensisches Problem.

BEISPIEL: Während Operation Wolkensäule im Jahr 2012 sagten Kritiker, Israels Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel sei so erfolgreich, dass es Militäreinsätze der IDF unnötig und unverhältnismäßig mache. Ein Beispiel hierfür war ein Tweet von Anthony De Rosa, damals ein Social-Media-Redakteur für Reuters. Die Antwort eines Lesers beendete diese Konversation schlagartig.

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BEISPIEL: Die Behauptung von Menschen wie dem BBC-Reporter Jeremy Bowen oder dem politischen Kommentator Peter Beinart, Israel „besetze“ Gaza. Der Gedanke hinter dieser Behauptung ist, dass Israel (und Ägypten) die Land- und Seegrenzen des Gazastreifens sowie auch dessen Luftraum kontrollieren. Aber ein genauerer Blick auf die Logik hinter den Argumenten zeigt, dass Israel Gaza nicht besetzt hält.

Beim Abzug aus Gaza im Jahr 2005 brach Israel alle Siedlungen ab, evakuierte alle Siedler und zog alle IDF-Soldaten aus dem Gazastreifen ab. Die Blockade erfolgte zwei Jahre später, und zwar als Antwort auf die gewaltsame Machtübernahme der Hamas.

Grenzcheckpoints sind keine Funktion einer „Besatzung“, und Militäreinsätze entsprechen dem Selbstverteidigungsrecht gegen feindliche Terrorhandlungen. Was Gazas Luftraum betrifft, so haben international sanktionierte Koalitionen Flugverbotszonen in Bosnien und Herzegowina, Iraq und Libyen beschlossen, ohne dass es zu irgendwelchen Rechtsfragen über „Besatzung“ gekommen wäre. Ebensowenig gab es Behauptungen, die USA habe Kuba „besetzt“, als sie die Insel während der Kubakrise 1962 blockierte.

Nächsten Monat folgt das nächste Kapitel dieser Reihe: „Verzerrung von Tatsachen: Fakten werden als falsch dargestellt.“

„Red Lines: The Eight Categories of Media Bias“ ist auf Amazon als E-Book erhältlich.